Heilerde

Die heilende Wirkung von Erde ist seit Menschengedenken bekannt. Heilerde wird seit jeher zur inneren und äußeren Anwendung als Therapie insbesondere bei Erkrankungen des MagenDarm-Traktes und bei Hautproblemen genutzt.

Im folgenden Beitrag werden die Wirkungsweise, die verschiedenen Anwendungsgebiete, Verträglichkeit und Nebenwirkungen sowie andere wichtige Informationen über das aus eiszeitlichen Lößablagerungen gewonnene Heilmittel beschrieben.

Luvos Heilerde

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Was ist Heilerde?

Heilerde beschreibt das homogene Sediment Löß (Löss), das sich während der letzten Eiszeit gebildet hat, als die Erde von dicken Eisschichten bedeckt war, deren tonnenschwere Last Felsen und Steine zu feinem Gestein zermalmte. Wind und Wasser zerkleinerten das Gestein schließlich zu noch feineren Staubkörnern.

Die Zusammensetzung von Heilerde ist abhängig vom Herkunftsort. Je nach Abbaugebiet besteht sie aus Quarz, Kalk- und Feldspat, Dolomit, Glimmer und Montmorillonit.

Hinzu kommen andere Tonminerale wie Kalzium, Eisen, Silizium, Magnesium, Aluminium, Kalium und Natrium sowie einige besondere Spurenelemente wie Kupfer, Chrom, Strontium, Zirkonium und Vanadium.

Welchem Zweck dient dieser Wirkstoff?

Heilerde ist ein mild wirkendes, traditionell angewendetes Arzneimittel, das zur inneren Anwendung insbesondere als mineralisches MagenDarm-Mittel eingesetzt wird:

Äußerlich angewendet wirkt Löß unterstützend bei der Behandlung von Verletzungen und Haut-Problemen unterschiedlicher Art:


Allgemeines

Allgemeines
NameHeilerde
Andere Namen
  • eiszeitliche Lößablagerung
  • Eiszeit-Löß
  • Luvos Heilerde
BestandteileAluminium-Silikaten z. B. Bentonit in unterschiedlicher Zusammensetzung. Häufig: Löß-, Lehm-, Ton- oder Moorerde; Auch oft: Kalkspat, Feldspat, Dolomit und Spurenelemente

Wirkungsweise

So wirkt Heilerde

Heilerde kann sowohl zur inneren als auch zur äußeren Anwendung genutzt werden. Aufgrund ihres hohen Absorptionsvermögens eignet sie sich besonders gut, um Gase, Giftstoffe und Flüssigkeiten zu binden.

Bei der inneren Anwendung kommen die absorbierenden, basischen, antibakteriellen, und mineralstoffzuführenden Eigenschaften von Heilerde zum Tragen. Ihr hoher Ballaststoffgehalt wirkt außerdem wie eine Massage für den Darm.

  • Bakterien und deren giftige Stoffwechselprodukte werden von der heilenden Erde gebunden, wobei die natürliche Bakterienflora des Darms erhalten bleibt. Sie bindet außerdem Cholesterin und absorbiert schädliche Darmgase, weshalb sich eine Anwendung bei Magen-Darm-Entzündungen (akut infektiös und chronisch), Durchfall und Blähungen empfiehlt.
  • Im Magen führt die Einnahme von Heilerde dazu, dass sich das Säure/Basen-Verhältnis ausgleicht, wobei sie nur bis zum physiologischen Ausgleich wirkt und überschüssige Säure bindet.
  • Ein weiterer heilender Effekt von Löß bei der inneren Anwendung entsteht durch die vielen Mineralstoffe, Spurenelemente und vor allem den hohen Gehalt an Kieselsäure, da diese den Aufbau von Gewebe und Bindegewebe unterstützen.
  • Die kleinen, sehr feinen Partikel der Heilerde haben eine massierende Wirkung auf Magen und Darm, ohne diese dabei zu reizen. Die Sekretion von Verdauungssäften wird dabei ebenfalls gefördert. Wird Heilerde mit viel Wasser eingenommen, hat sie eine hohe Ballaststoffwirkung, da die aufgeschwemmte Erde den Darminhalt vergrößert und die Ausleitung verstärkt.

Bei der äußeren Anwendung wirkt Heilerde auf unterschiedlichste Weise:

  • absorbierend
  • antibakteriell
  • antiseptisch
  • desodorierend
  • austrocknend
  • kühlend
  • geweberegenerierend
  • abschwellend
  • schmerzlindernd
  • entsäuernd
  • juckreizstillend
  • beruhigend

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Heilerde

Heilerde wird in der Regel als Pulver mit Wasser vermischt oder als Kapsel eingenommen und gelangt daraufhin in den Organismus, der die Erde selbst aber nicht aufnimmt.

Stattdessen bindet Heilerde die Stoffe im Verdauungskanal, die sonst vom Darm aufgenommen werden würden, und gelangt anschließend gemeinsam mit den absorbierten Stoffen zur Ausscheidung.


Anwendungsgebiete

Wann wird Heilerde eingesetzt?

Innerlich wird Heilerde zur Linderung von Verdauungsbeschwerden, Sodbrennen und Durchfall eingesetzt. Aufgrund ihres hohen Anteils an Mineralstoffen dient sie außerdem als unspezifische Mineralstoffquelle, wobei die Mineralstoffzusammensetzung abhängig vom Präparat stark variiert.

Äußerlich wird Löß bei unterschiedlichen Hautproblemen wie unreiner oder fettiger Haut, Akne, Ekzemen, Bartflechten oder Wunden, angewendet.

Gelegentlich wird sie auch zum Haare waschen, als Körperpuder, Zahnpasta oder Gesichtsmaske verwendet und sich ihre entzündungshemmenden, antibakteriellen und beruhigenden Eigenschaften dabei zu Nutzen gemacht.


Richtige Anwendung

So wird Heilerde angewendet

Für die innere Anwendung kann Heilerde sowohl konzentriert als auch in milder Form zubereitet und eingenommen werden.

Konzentriertes Heilerdewasser wird aus 2 Teelöffeln Löß mit ¼ Liter lauwarmen Wasser verrührt und aufgequirlt. Das Konzentrat entspricht einer Tagesdosis, die auf 2 bis 3 Anwendungen verteilt werden soll.

Es wird empfohlen, das Konzentrat langsam schluckweise morgens auf nüchternen Magen, mittags eine Stunde vor dem Essen sowie am Abend vor dem Schlafengehen zu trinken.

Bei einer Angina, einer Halsentzündung oder Mundgeruch kann das konzentrierte Heilerdewasser außerdem zum Gurgeln benutzt werden. Des Weiteren wirkt das Konzentrat als Notfallmaßnahme bei akuten Vergiftungen. Hierbei sollte zusätzlich umgehend ein Arzt oder die Vergiftungszentrale benachrichtigt werden.

Bei Durchfall, beispielsweise während einer Reise durch tropische Gebiete, wird empfohlen, Löß in erhöhter Dosis 3 mal täglich 1 Teelöffel auf 1 Glas abgekochten Wasser einzunehmen.

Mildes Heilerdewasser entspricht dem Verhältnis der konzentrierten Form, wird aber vorher nicht aufgequirlt, wodurch sich ein Satz Erde am Boden bildet und das Wasser vor allem wasserlösliche Mineralstoffe enthält.

Dient die Heilerde der äußeren Anwendung, wird dieser so viel Wasser beigemengt, bis ein dickflüssiger Brei entsteht, der dann beispielsweise als kalter oder heißer Heilerde-Umschlag, Heilerde-Auflage oder Heilerdebad verwendet werden kann.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Heilerde?

  • Bullrichs® Heilerde Pulver zum Einnehmen und Auftragen
  • Bullrichs® Heilerde Kapseln zum Einnehmen
  • Luvos® Heilerde Kapseln
  • Luvos®-Heilerde Pulver zum Einnehmen (ultrafein, fein, magenfein, imutox)
  • Luvos® Heilerde Pulver zum Auftragen (hautfein)
  • WALA® AKNE-Gesichtsmaske
  • WALA® AKNE-Kapseln

Handelsnamen

Heilerde kommt in erster Linie als alleiniger Wirkstoff in Monopräparaten vor und ist nur vereinzelt als Kombinationspräparat erhältlich.

Monopräparate

  • Bullrichs® Heilerde
  • Luvos® Heilerde

Kombinationspräparate

  • WALA® AKNE-Gesichtsmaske
  • WALA® AKNE-Kapseln

Indikationen

Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, insbesondere Sodbrennen, säurebedingte Magenbeschwerden und Durchfall stellen die Hauptindikationen für eine Therapie mit Heilerde dar.

Des Weiteren kann sie zur begleitenden Behandlung entzündlicher Komponente von Lymphödemen oder bei Gelenkschmerzen eingesetzt werden.

Durch die antibakterielle Wirkung der heilenden Erde, bietet sich außerdem eine äußere Therapie bei Hautproblemen verschiedener Art, wie unreiner Haut und Akne, an.


Gegenanzeigen

Wann darf Heilerde nicht verwendet werden?

Vor der Anwendung von Heilerde sollte sichergestellt sein, dass keine Allergie oder Empfindlichkeit gegenüber Lösszubereitungen besteht bzw. dass keine starke Störung der Nierenfunktionen besteht.

Des Weiteren wird bei akutem blutigem Durchfall mit hohem Fieber und bei Kindern unter zwei Jahren von der Einnahme von Heilerde grundsätzlich abgeraten.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Über eine innere Anwendung mit Heilerde während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte zunächst Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker gehalten werden, da für diese Situation noch keine ausreichenden Studienergebnisse zur Verfügung stehen.

Aus dem jahrelangen und vielfältigen Einsatz von Heilerde als Arzneimittel haben sich bisher aber noch keine Nebenwirkungen bei der Anwendung während der Schwangerschaft oder Stillzeit gezeigt.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Für Kinder unter 12 Jahren ist eine Anwendung von Heilerde beim Auftreten von Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden nicht vorgesehen, da solche Beschwerden in diesem Alter grundsätzlich nicht auftreten.

Bei Durchfall besteht bei Kindern besonders die Gefahr der Dehydrierung. Bei einem solchen Verdacht wird daher empfohlen, einen Arzt zu informieren. Da für Kinder unter 12 Jahren keine Dosierungsempfehlungen vorliegen, kann ein Arzt dann auch über eine begleitende Therapie mit Heilerde entscheiden.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Heilerde?

Da die Zusammensetzung der Heilerde mit dem Herkunftsort leicht variiert, können Nebenwirkungen in unterschiedlicher Form auftreten.

Innerlich angewendet, besonders bei der Einnahme von Heilerde-Kapseln, kann sich ein Darmverschluss bilden, wenn nicht genug Flüssigkeit mit der Heilerde eingenommen wird. Durch eine nachträgliche Flüssigkeitsaufnahme ist dieser aber in der Regel wieder reversibel.

Eine sehr seltene Nebenwirkung von Heilerde sind Nierenentzündungen. Diese können bei regelmäßiger hochdosierter Einnahme von Heilerde aufgrund der oft enthaltenen Silikate entstehen.

Bei der äußeren Anwendung mit Heilerde kann es in seltenen Fällen zu allergischen Reaktionen kommen.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Heilerde?

Da Heilerde bestimmte Stoffe in Medikamenten bindet, sollte deren Einnahme in einem Abstand von einer bis zwei Stunden vor oder nach der Anwendung anderer Arzneimittel erfolgen. Andere Arzneimittel wiederum beeinflussen die Wirkung von Heilerde nicht.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Heilerde zu beachten?

Bei der Behandlung von starkem Durchfall bei Kindern und älteren Menschen ist besonders darauf zu achten, dass ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyte eingenommen werden, um eine Dehydrierung zu vermeiden.

Dauert der Durchfall länger als zwei Tage, ist blutig oder mit Fieber und Kreislaufstörungen verbunden, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Kommt es bei der Anwendung mit Heilerde zu Verstopfungen, muss die Wassermenge erhöht werden. Wenn sich diese Verstopfungen durch die erhöhte Wassermenge nicht lösen, sollte die Anwendung abgebrochen werden.

Treten akute oder länger andauernde Beschwerden im Magen-Darm-Bereich auf, wird grundsätzlich empfohlen, einen Arzt oder Naturheilpraktiker aufzusuchen, der dann über weitere Maßnahmen entscheiden kann.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Heilerde

Heilerde zur inneren Anwendung ist als freiverkäufliches traditionelles Arzneimittel und die zur äußeren Anwendung als Medizinprodukt in Apotheken, Drogerien oder Supermärkten erhältlich.


Geschichte

Seit wann ist Heilerde bekannt?

Bereits im Altertum waren sich die Menschen über die heilende Wirkung von Erde bewusst.

Schon zu dieser Zeit war sie neben Urin und anderen menschlichen und tierischen Exkrementen und Sekreten ein wichtiger Bestandteil der „Dreckapotheke“ und wurde unter anderem als wirksames Mittel gegen Durchfall und Vergiftungen eingesetzt.

Heilerde geriet daraufhin für eine Weile in Vergessenheit, bis sie von dem protestantischen Pastor Felke und dem katholischen Pfarrer Kneipp Mitte des 19. Jahrhunderts wieder entdeckt und als Heilmittel, insbesondere bei Venenentzündungen, Geschwüren und Gelenkerkrankungen, eingesetzt wurde.

Viele andere bekannte Ärzte, darunter Avicenna, Dioskurides und Adolf Just waren ebenfalls überzeugt von der heilenden Wirkung der Erde.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Kommt es zu länger andauernden akuten Beschwerden des Magen-Darm-Traktes wird geraten, zunächst einen Arzt aufzusuchen, bis mit der weiteren Heilerdeanwendung fortgefahren wird.

Des Weiteren ist zu beachten, dass bei der Behandlung von Durchfall, insbesondere bei Kindern und älteren Menschen, stets ausreichend Flüssigkeit eingenommen wird. Bei lang anhaltenden, blutigen oder mit Fieber verbundenen Durchfällen sollte ein Arzt aufgesucht werden.


Quellen

  • Bährle-Rapp, M.: Springer Lexikon Kosmetik und Körperpflege, Springer Verlag, 2012.
  • Bäumler, S.: Heilpflanzen Praxis heute, Band 2 Rezepturen und Anwendung, Elsevier Health Sciences, 2013.
  • Bruhn, C.: „Heilerde – kritisch betrachtet“, in: Gute Pillen – Schlechte Pillen, Januar 2016, unter: www.deutsche-apotheker-zeitung.de
  • Carretaro, M.I. et al.: Clays and human health, in: Handbook of Clay Science, Developments in Clay Science, Vol. 1., Elsevier Verlag, 2006.
  • Ducrotte, P. et al.: Symptomatic efficacy of beidellitic montmorillonite in irritable bowel syndrome: a randomized, controlled trial, in: Aliment. Pharmacol. Ther. (2005), Ausgabe 21 (4), S. 435-44.
  • Ferrell, R. E.: Medicinal clay and spiritual healing, in: Clays and Clay Minerals (2008), Ausgabe 56 (6), S. 751–760.
  • Haydel, S. et al.: Broad-spectrum in vitro antibacterial activities of clay minerals against antibiotic-susceptible and antibiotic-resistant bacterial pathogens, in: The Journal of antimicrobial chemotherapy (2008), Ausgabe 61 (2), S. 353–361.
  • Lang, U. & Anagnostou, S.: Medizingeschichte: Terra sigillata – zur Geschichte antiker Heilerden, in: Dtsch Ärztebl 2012, 109(41): A-2034 / B-1657 / C-1267.
  • Nedoma, G.: Grüne Kosmetik, Freya – Verlag, 2014
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 02.04.2020)
  • Saary, J. et al.: A systematic review of contact dermatitis treatment and prevention, in: J. Am. Acad. Dermatol. (2005), Ausgabe 53 (5), S. 845.

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