Melatonin

Bei dem Wirkstoff Melatonin handelt es sich um ein Hormon, welches in unserem Körper den Rhythmus von Tag und Nacht steuert. Es wird in den meisten Fällen bei Patienten in einem höheren Alter verordnet, wenn diese unter einer Schlafstörungen leiden. Im nun folgenden Text zeigen wir Ihnen, was Melatonin genau ist, bei welchen Beschwerden es wie angewendet werden muss, geben Ihnen einige Warnhinweise zu dem Mittel und noch vieles mehr.

Melatonin , Hormon, Zirbeldrüse , Epiphyse , Serotonin-Produkt , Tag-Nacht-Rhythmus Was ist Melatonin?

Melatonin ist ein Hormon, welches aus dem Gewebshormone und Neurotransmitter Serotonin produziert wird. Diese Produktion findet in unserem Zwischenhirn in der Zirbeldrüse statt und wird von den Pinealozyten durchgeführt. Das Hormon steuert in unserem Körper den Rhytmus von Tag und Nacht. So ist der Stoff zum Beispiel an der Steuerung der „inneren Uhr“ des Menschen beteiligt. Diese innere Uhr wird auch als zirkadianer Rhythmus bezeichnet.

Die Produktion von dem Hormon wird durch das Licht gehemmt. Es wird also am Tag weniger von dem Hormon produziert als in der Nacht.So steigt am Abend der Gehalt von Melatonin im Körper an und sinkt am Morgen wieder ab. Der Anstieg des Hormons dient in unserem Körper als eine Art Signal, um einzuschlafen. Wir Menschen werden müde und die Organe des menschlichen Organismus erhalten das Signal, ihre Funktion herunterzufahren.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Behandlung von bestehenden Schlafstörungen
  • Förderung der Bildung von Wachstumshormonen
  • Neutralisieren von Schadstoffen im Körper

Allgemeines

Allgemeines
NameMelatonin
Andere Namen
  • N-[2-(5-Methoxyindol-3-yl)ethyl]acetamid
  • N-Acetyl-5-Methoxytryptamin
SummenformelC13H16N2O2
Kurzbeschreibungbeigefarbener Feststoff

Wirkungsweise

So wirkt Melatonin

Das Hormon Melatonin wird von der Zirbeldrüse, die sich in unserem Hirn befindet, produziert und ausgeschüttet. Die Produktion von dem Hormon ist dabei abhängig von der Menge des Lichts, welcher unser Körper ausgesetzt ist, durch viel Licht wird die Produktion nämlich gehemmt. Dadurch ist am Abend und in der Nacht logischerweise mehr Melatonin in unserem Körper vorhanden als am Tag.

Wenn am Abend und in der Nacht viel Melatonin von der Zirbeldrüse ausgeschüttet wird hat dies zur Folge, dass sich die peripheren Blutgefäße in unserem Körper erweitern. Diese Erweiterung ist für den Körper das Signal einzuschlafen und für die Organe des menschlichen Organismus das Signal, dass die Aufgabe und Funktion eingestellt werden können. Dadurch wird der Mensch müde.

Umgangssprachlich wird dieser Prozess häufig auch als die „innere Uhr“ bezeichnet. Diese innere Uhr ist außerdem dafür zuständig, dass in der Nacht die Atmung flacher wird und auch dafür, dass der Blutdruck sinkt. Außerdem wird durch diesen Prozess die Erholung und Reparatur des Körpers eingeleitet. Daher ist der Mensch in der Nacht nicht mehr so gut dazu in der Lage, zu arbeiten und sich zu konzentrieren.

Während des Schlafs, der durch das Melatonin herbeigeführt wurde, wird außerdem das Hormon Somatropin, welches im Körper für das Wachstum verantwortlich ist, produziert. Besteht ein Mangel von diesem Hormon Somatropin kann es dazu kommen, dass die Muskelmasse bei Erwachsenen abgebaut wird, dass sich Fettgewebe am Bauch ansammelt und auch dazu, dass Erkrankungen des Herz-Kreislaufs häufiger auftreten. Bei Kindern kann ein Mangel an Somatropin dazu führen, dass sich Kleinwüchsigkeit entwickelt.

Außerdem besitzt das Hormon ein antioxidatives Potenzial. Das bedeutet, dass es dazu in der Lage ist, in menschlichen Körper freie Radikale oder auch schädliche Verbindungen von Stickstoff, die unter Umständen große Schäden wie zum Beispiel eine Zerstörung von den Zellen des Körpers anrichten können, zu neutralisieren. So ist die antioxidative Wirkung von Melatonin beispielsweise zwei Mal so hoch wie die von Vitamin E.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Melatonin

Das Melatonin wird vom Körper selbst produziert. Das Hormon wird dabei aus dem Stoff Serotonin produziert. Die Synthese erfolgt dabei in zwei Schritten. Im ersten Schritt wird das Serotonin zusammen mit dem Acetyl-Coenzym A N-acetyliert. Bei diesem Prozess wirkt das Enzym Serotonin-N-Acetyltransferase, kurz AANAT, als Katalysator. Die Geschwindigkeit von diesem ersten Schritt ist abhängig von der Intensität des Lichts.

Beim zweiten Schritt wird das Produkt, das aus dem Serotonin und dem Acetyl-Coenzym A zuvor N-acetyliert wurde zusammen mit dem S-Adenosylmethionin durch die Acetylserotonin-O-Methyltransferase methyliert, so dass das Melatonin entsteht.

Der Großteil des Melatonins, nämlich ganze 90%, werden dann durch die Leber per Biotransformation abgebaut und im Urin ausgeschieden, und zwar in glucuronidierten und in sulfatierten Derivaten.


Anwendungsgebiete

Wann wird Melatonin eingesetzt?

Das Hormon Melatonin ist in Deutschland verschreibungspflichtig, das bedeutet, dass es nur mit einem gültigen Rezept erworben werden kann, das von einem Arzt ausgestellt wurde. Es wird vor allem dafür eingesetzt, eine Schlafstörung bei Patienten, die über 55 Jahre alt sind zu behandeln, wenn diese Störung nicht auf einer anderen Erkrankung beruht. Zugelassen ist dabei aber immer nur eine kurzfristige Behandlung. Die Langzeitwirkung von dem Hormon ist bislang noch nicht in einem ausreichenden Maße erforscht worden, weshalb es auch vermieden werden sollte, das Melatonin über einen längeren Zeitraum hinweg einzunehmen.

In anderen Ländern wie zum Beispiel in den USA wird Melatonin nicht nur für die Bekämpfung von Schlafstörungen, sondern auch als Nahrungsergänzungsmittel verkauft und eingesetzt. Allerdings birgt dies einige Risiken, da der Stoff noch nicht vollständig erforscht wurde. Aus diesem Grund sollte Melatonin immer nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden und auch nur dann, wenn in einem höheren Alter ein Schlafproblem vorliegt.


Richtige Anwendung

So wird Melatonin angewendet

Das Hormon ist in Deutschland bislang nur in Form von einem Präparat zugelassen. Im Falle von Melatonin handelt es sich dabei um Retardtabletten. Das sind Tabletten, bei welchen die Freisetzung des Wirkstoffes nur verzögert eintritt.

Die Tablette sollte jeweils nach der letzten Mahlzeit des Tages eingenommen werden, kurz bevor man plant, ins Bett zu gehen. Dadurch wird es erleichtert, einzuschlafen. Außerdem wird so die Qualität des Schlafs verbessert. Bei Studien, die über das Hormon durchgeführt wurden, wurde beobachtet, dass nach der Einnahme der Spiegel von Melatonin im Blut nur für eine kurze Zeit lang erhöht ist. Deshalb ist es sehr wichtig, nach der Einnahme nicht allzu lange zu warten, bis man schlafen geht.


Melatonin Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Melatonin?

Da das Hormon Melatonin noch nicht ausreichend erforscht ist, darf der Stoff nur in Form von Retardtabletten eingenommen werden. In der nun folgenden Liste finden Sie Medikamente, die Melatonin enthalten.

  • CIRCADIN 2 mg Retardtabletten
  • SchlafTabs ratiopharm 25 mg
  • Methionin AL 500 Filmtabletten
  • Cefaneuro Tabletten
  • Neurexan Tabletten
  • Baldriparan Stark für die Nacht
  • UltraPure MSM Kapseln
  • Kytta-Sedativum Dragees

Gegenanzeigen

Wann darf Melatonin nicht verwendet werden?

Unter bestimmten Umständen sollte das Melatonin nur dann eingenommen werden, wenn Nutzen und Risiken durch den Arzt besonders sorgfältig abgewogen wurden. Dies ist dann der Fall, wenn sie unter einer Autoimmunerkrankung leiden, wie zum Beispiel unter Multiple Sklerose, bei welcher sich die Abwehrkräfte von dem Körper gegen das eigene Gewebe wenden. Auch wenn ihre Nieren nicht einwandfrei arbeiten oder wenn die Funktion der Leber eingeschränkt ist sollten Sie unbedingt mit einem Arzt abklären, ob sie das Mittel einnehmen dürfen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Generell wurde das Hormon Melatonin noch nicht so gut erforscht wie andere Hormone. Daher ist die Auswirkung von dem Hormon auf Schwangere und auch auf das ungeborene Kind noch nicht ausreichend bekannt. Aus diesem Grund sollte es von werdenden Müttern vermieden werden, das Melatonin einzunehmen.

Da das Melatonin auch in die Muttermilch gelangt sollte auch während des Stillens auf die Einnahme von dem Hormon verzichtet werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Für eine lange Zeit wurde das Melatonin nur dann verschrieben, wenn Schlafstörungen bei Menschen ab einem Alter von 55 Jahren aufgetreten sind. Seit Januar 2019 gibt es allerdings ein retardiertes Melatonin, welches von Kindern zwischen zwei und 18 Jahren eingenommen werden kann und diesen bei Schlafstörungen hilft.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Melatonin?

Unter Umständen kann es bei der Einnahme von Tabletten mit Melatonin zu verschiedenen Nebenwirkungen kommen. So kann es zum Beispiel sein, dass durch das Hormon der Schlaf negativ beeinflusst wird. Ist die Dosis von dem Mittel zu hoch oder wird das Mittel zu einer falschen Zeit eingenommen kann der Rhythmus von Wachheit und Schlaf erheblich gestört werden. Wenn das Mittel zum Beispiel in der Nacht eingenommen wird kann es sein, dass die schlaffördernde Wirkung erst am folgenden Vormittag eintritt. Auch können die Träume durch Melatonin beeinflusst werden. So kann es sein, dass es vermehrt zu Albträumen kommt oder auch, dass sehr lebendige Träume auftreten.

Weitere Nebenwirkungen, die durch das durch die Einnahme von dem Hormon herbeigeführt werden können sind Kopfschmerzen, leichte Reizbarkeit, Schwindel, Krämpfe im Magen und auch oder ein verringertes sexuelles Verlangen. Allerdings treten diese Wirkungen nur gelegentlich, das heißt bei einem von 100 bis 1.000 Patienten, oder auch nur selten, das heißt bei einem von 1.000 bis 10.000 Patienten auf.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Melatonin?

Besonders dann, wenn Melatonin in einer zu hohen Dosis eingenommen wird, kann es die Wirkung von anderen Substanzen abschwächen. Dies ist zum Beispiel der Fall bei Makrolid-Antibiotika, bei Calciumkanalblockern, also Blutdrucksenkern, bei Benzodiazepine, ein Mittel zur Beruhigung, bei H1-Antihistaminika und auch bei Statinen, ausgenommen davon sind allerdings Rosuvastatin und Pravastatin. Auch Patienten, die das Psychopharmakon Fluvoxamin einnehmen, müssen bei der Einnahme von Melatonin sehr vorsichtig sein. Da das Fluvoxamin die Konzentration von dem Melatonin nämlich stark anhebt und gleichzeitig den Abbau von dem Hormon hemmt sollte auf diese Kombination verzichtet werden.

Auch wenn 5- oder 8-Methoxypsoralen eingenommen wird, zum Beispiel zur Bekämpfung von Schuppenflechte, kann sich der Spiegel von Melatonin deutlich erhöhen, was ebenfalls negative Auswirkungen hat.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Melatonin zu beachten?

Besonders wichtig bei Melatonin ist die richtige Dosierung und auch der richtige Zeitpunkt der Einnahme. Sollte entweder eine zu große Menge von dem Hormon eingenommen werden oder sollte das Hormon zu spät oder zu früh eingenommen werden kann dies einige sehr negative Auswirkungen auf den Körper und auch auf Ihre Gesundheit haben, so kann zum Beispiel der Rhythmus des Schlafs stark geschädigt werden.

Es sollte, bevor mit der Einnahme von dem Hormon begonnen wird, auch immer mit einem Arzt abgeklärt werden, ob ein Risiko besteht, schwere Nebenwirkungen zu entwickeln oder auch, ob Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten können, wenn das Hormon dem Körper zusätzlich zugeführt wird. Diese Hinweise, die vom Arzt gegeben werden, sollten dann unbedingt beachtet werden. Auch sollte vermieden werden, dass Hormon länger als notwendig und länger als vereinbart dem Körper zuzuführen, um mögliche Langzeitschäden, die noch nicht erforscht worden sind, zu vermeiden.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Melatonin

Melatonin ist verschreibungspflichtig und kann nur mit einem von einem Arzt ausgestellten gültigen Rezept erworben werden. Dieses Rezept werden Sie nur dann erhalten, wenn sie unter einer Schlafstörung leiden, die nicht auf einer anderen Erkrankung beruht.


Geschichte von Melatonin

Seit wann ist Melatonin bekannt?

Entdeckt wurde das Hormon Melatonin vor etwas mehr als 60 Jahren, nämlich im Jahre 1958 von dem Dermatologen Lerner et al. Seit den 1980er Jahren wurde Melatonin dann intensiv erforscht.

So wurde in dieser Zeit der Einfluss von dem Hormon auf den Schlaf des Menschen erforscht und auch erkannt, dass die Dunkelheit Auswirkung darauf hat, dass Menschen müde werden. Zuvor war man immer davon ausgegangen, dass Helligkeit und Dunkelheit zwar bei Säugetieren einen Einfluss haben, nicht aber bei Menschen.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Da Melatonin dazu gedacht ist, Menschen mit Schlafproblemen zu helfen löst es logischerweise Schläfrigkeit aus. Aus diesem Grund sollte es nicht verwendet werden, wenn nach der Einnahme Dinge von Ihnen verlangt werden, die ihre volle Konzentrationsfähigkeit benötigen, zum Beispiel dann nicht, wenn Sie noch ein Verkehrsmittel steuern müssen.


Quellen

  • RKI: Melatonin in der umweltmedizinischen Diagnostik im Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern – Mitteilung der Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“. 2005.
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013.
  • N. G. Harpsøe, L. P. Andersen, I. Gögenur, J. Rosenberg: Clinical pharmacokinetics of melatonin: a systematic review. In: European Journal of Clinical Pharmacology. Band 71, Nummer 8, August 2015, S. 901–909, doi:10.1007/s00228-015-1873-4, PMID 26008214
  • Arnold Hilgers, Inge Hoffmann: Melatonin. Mosaik Verlag, München 1996, ISBN 3-576-10622-7.


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