Methionin

Methionin ist ein Wirkstoff, der zusätzlich zur üblichen Behandlung bei Erkrankungen der Harnwege zum Einsatz kommt. Als schwefelhaltige Aminosäure dient er zudem als Baustein von Proteinen.

Methionin gehört zu den essentiellen Aminosäuren und ist somit lebensnotwendig. Der Körper kann die Substanz nicht selbst herstellen und so muss sie über die Nahrung zugeführt werden.

Durch eine ausgewogene Mischkost, kann der tägliche Bedarf an der Aminosäure gedeckt werden. Enthalten ist der Wirkstoff in vielen Lebensmitteln (z. B. Fleisch, Fisch, Eier, verschiedene Gemüsesorten).

MethioninWas ist Methionin?

Bei Methionin handelt es sich um eine lebensnotwendige, schwefelhaltige Aminosäure, die den Körper mit Schwefel und Methylgruppen versorgt.

Sie ist eine Vorstufe der Aminosäuren Cystein und Taurin sowie von Gluthathion, einem Antioxidans. S-Adenosyl-Methionin (SAM) ist die stoffwechselaktive Form von Methionin und kommt in fast allen Geweben und Flüssigkeiten des Körpers vor.

Der menschliche Organismus kann die Aminosäure nicht selbst herstellen und so ist eine ausreichende Zufuhr über die tägliche Nahrung von großer Bedeutung. Die Aminosäure ist wichtiger Bestandteil in vielen Proteinen und hat zudem Einfluss auf den Stoffwechsel.

Enthalten ist Methionin in zahlreichen Lebensmitteln. Dazu gehören unter anderem:

  • rohes Rindfleisch
  • roher Lachs
  • Hühnerei
  • Kuhmilch (3,7 % Fett)
  • Sesamkörner
  • Paranüsse
  • Walnüsse
  • Weizenmehl
  • Maisvollkornmehl
  • ungeschälter Reis
  • getrocknete Sojabohnen
  • getrocknete Erbsen

In diesen Lebensmitteln ist aber ausschließlich chemisch gebundenes L-Methionin als Proteinbestandteil enthalten.

Der mittlere Bedarf liegt bei 39 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Eine normale, abwechslungsreiche Ernährung kann den Bedarf decken, sofern keine Krankheiten vorliegen.

Lange Zeit wurden Aminosäuren – also auch Mehtionin – aus tierischen Organismen gewonnen.

Inzwischen erfolgt eine synthetische Herstellung. Im Rahmen der Methionin-Produktion wird DL-Methionin gewonnen, bei dem es sich um ein Gemisch aus L-Methionin und dem nicht natürlich vorkommenden D-Methionin handelt.

Da der Körper aber nur L-Methionin in Muskeln einbauen kann, wird das als Racemat bezeichnete Gemisch aufgetrennt und es entsteht so reines L-Methionin.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Ansäuerung von Harn
  • Vorbeugung der Bildung von Phosphatsteinen
  • Hemmung des Bakterienwachstums bei Infektionen der Harnwege
  • Erhöhung der Wirksamkeit von Antibiotika

Allgemeines

Allgemeines
NameMethionin
Andere Namen
  • 2-Amino-4-methylmercaptobuttersäure
  • α-Amino-γ-methylmercaptobuttersäure
  • 2-Amino-4-(methylsulfanyl)butansäure (IUPAC)
  • Acimetion
  • Met (Dreibuchstabencode)
  • M (Einbuchstabencode)
SummenformelC5H11NO2S
Kurzbeschreibungfarblose Kristalle

Wirkungsweise

So wirkt Methionin

Als essentielle Aminosäure, die zum Aufbau von Eiweißen und für viele Stoffwechselfunktionen von Bedeutung ist, weist Methionin vielfältige Wirkungen auf.

Zunächst wirkt die Aminosäure harnsäuernd. Im Normalfall ist der menschliche Urin leicht sauer. Die Aufnahme größerer Methioninmengen sorgt für eine verstärkte Ausscheidung von schwefelhaltigen und sauren Verbindungen über die Nieren.

Der pH-Wert sinkt und Bakterien können somit schlechter an der Schleimhaut der Harnwege haften bleiben, was Infektionen vorbeugt. Bei einer bakteriellen Infektion ist der pH-Wert erhöht, wodurch die Wirkung von Antibiotika gemindert wird.

Aufgrund der harnsäuernden Wirkung von Methionin kann die Wirksamkeit von Antibiotika verbessert und der Heilungsprozess beschleunigt werden. Gleichzeitig hemmt der Stoff das Bakterienwachstum.

Weiterhin kann Methionin die Phosphatsteinbildung aufgrund chronischer Harnwegsinfektionen verhindern. Da Phosphatsteine in saurem Harn kaum entstehen können, wirkt die Aminosäure Neubildungen und Ablagerungen von Phosphat-Salzen entgegen.

All diese Effekte beruhen auf der Bildung eines Sulfats, welches dann über die Nieren ausgeschieden wird.

Methionin besitzt weiterhin antioxidative Eigenschaften. Es wirkt somit gegen freie Radikale und kann den Organismus vor der Zerstörung von Zellen durch schädliche Stoffe schützen.

Zusätzlich gilt Methionin als „Start-Aminosäure“ für alle Eiweiße im Körper. Alle anderen Aminosäuren werden an Methionin angehängt und es entsteht ein komplettes Eiweiß. So unterstützt die Aminosäure auch den Aufbau und das Wachstum von Muskeln.

Außerdem wandelt der Körper Methionin in andere Aminosäuren wie Cystein oder SAM um. Letzteres hat Einfluss auf Wachstum und Gesundheit der Leberzellen, die Bildung von Nervenbotenstoffen und den Gehirnstoffwechsel.

Auch die Regeneration von Nägeln und Haaren beruht auf der Aminosäure, da aus dieser Keratin gebildet wird.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Methionin

Methionin wird oral/peroral (also über den Mund) eingenommen. Quantitativ wird es vor allem im mittleren Dünndarm aufgenommen, von wo aus der Wirkstoff ins Blut abgegeben wird.

Ein unwiderruflicher Abbau der Aminosäure erfolgt nur bei einem Überschuss der Aminosäure. Dies erfolgt aber erst nach der Verteilung im Organismus. Die Ausscheidung der entsprechenden Umwandlungsprodukte erfolgt über Urin und Stuhl.


Anwendungsgebiete

Wann wird Methionin eingesetzt?

Da Methionin an der Synthese von zahlreichen Substanzen beteiligt ist, trägt es als lebensnotwendiger Vitalstoff zur Aufrechterhaltung der körperlichen und psychischen Gesundheit bei.

Außerdem beeinflusst die Aminosäure zahlreiche physiologische Vorgänge, weshalb sie sowohl zur Prophylaxe als auch zur Therapie von bestimmten Krankheiten zum Einsatz kommen kann.

Aufgrund der harnsäuernden Wirkung findet der Wirkstoff vor allem in der Prophylaxe und Therapie von Infektionen der Harnwege Anwendung, denn die auslösenden Bakterien (E. coli) können in saurem Milieu nicht überleben.

In einer im Jahr 2002 durchgeführten Studie konnte der Nachweis erbracht werden, dass die Neigung zu Harnwegsinfekten durch die Einnahme von Methionin-Präparaten deutlich minimiert werden kann. [1] Vor allem für junge Frauen kann dies ein Vorteil sein, denn sie leiden häufiger an Blasenentzündungen.

Weitere Einsatzgebiete sind Behandlungen von Depressionen sowie Parkinson, denn L-Methionin hat auch auf viele Stoffwechselvorgänge im Gehirn Einfluss. So regt es die Bildung von Serotonin, einem stimmungsaufhellenden Neurotransmitter, an.

Außerdem kann es bei Parkinson-Patienten die Aktivität und Bewegungsfähigkeit erhöhen, da es zu einer Wiederherstellung bestimmter chemischer Gleichgewichte beiträgt.

Dadurch lassen sich auch Symptome wie Zittern, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen lindern. Im Jahr 2011 kam eine polnische Studie zu diesen Erkenntnissen.

Aus diesem Grund wird L-Methionin zur auch zur Behandlung von degenerativen neurologischen Erkrankungen genutzt. [2]


Richtige Anwendung

So wird Methionin angewendet

Methionin wird in Form von Tabletten eingenommen. Die Dosierung liegt in der Regel bei 1,5 bis drei Milligramm täglich, bei Bedarf ist eine Erhöhung auf zehn Milligramm möglich. Der Schweregrad der Erkrankung entscheidet über die Dauer der Behandlung.

Ist beim Patienten eine künstliche Ernährung erforderlich, dann stehen Infusionen in optimaler Zusammensetzung aller Nährstoffe zur Verfügung. Vom Fachpersonal wird die Menge der benötigten Infusionen individuell festgelegt.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Methionin?

Der Wirkstoff ist in folgenden Medikamenten enthalten:

  • Acimethin 500mg (Filmtabletten)
  • Acimol 500mg (Filmtabletten)
  • Methionin STADA 500mg (Filmtabletten)
  • Methiotrans (Filmtabletten)

Handelsnamen

Handelsnamen von Produkten mit Methionin:

  • Acimethin (D, A)
  • Acimol (D)
  • Methionin (Generika, D)
  • Urol Methin (D)

Indikationen

Hauptindikation für den Wirkstoff ist die Harnansäuerung bei chronischen Infekten der Harnwege. Zudem ist es zur Vorbeugung von Phosphatsteinen, die sich im Zusammenhang mit Harnwegsinfekten entwickeln, angezeigt.

Durch die Ansäuerung des Urins kann es die Wirkung verschiedener Antibiotika optimieren. Es ist weiterhin für die parenterale Ernährung vorgesehen und kommt auch als Nahrungsergänzungspräparat zum Einsatz.


Gegenanzeigen

Unter gewissen Umständen ist die Anwendung von Methionin nicht angezeigt. Da dies immer vom jeweiligen Präparat abhängig ist, werden hier nur allgemeine Gegenanzeigen genannt.

Wann darf Methionin nicht angewendet werden?

In folgenden Fällen darf Methionin nicht angewendet werden:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • einem bestehenden Homocystein-Überschuss im Urin
  • Harnsteinen, die sich aus Harnsäure und Zystin bilden
  • Vorliegen einer Funktionsstörung der Nieren
  • einem Überschuss an Oxalsäure im Urin, welcher aufgrund einer Störung im Stoffwechsel vorliegt
  • einem Mangel des Enzyms Methionin-Adenosyltransferase
  • stotffwechselbedingter Übersäuerung des Körpers
  • Funktionsstörungen der Leber oder leberbedingten Funktionsstörungen des Gehirns (Verschlimmerung der Störungen durch Methionin möglich)

Nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch den behandelnden Arzt und unter dessen Überwachung kann Methionin in folgenden Fällen eingenommen werden:

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Der Wirkstoff Methionin sollte während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, denn eine Überversorgung kann die Entwicklung des ungeborenen Kindes negativ beeinflussen.

Für die Anwendung während der Stillzeit liegen bislang keine ausreichenden Erkenntnisse vor, weshalb auch hier von der Einnahme abzuraten ist.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Säuglingen darf der Wirkstoff Methionin nicht angewendet werden. Zudem sollte er nicht bei Kindern unter zwölf Jahren zum Einsatz kommen, denn hier fehlen ausreichende Erfahrungen zu den Auswirkungen.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Methionin?

Wie bei allen Arzneimitteln, kann es auch bei der Einnahme von Methionin zu Nebenwirkungen kommen.

In seltenen Fällen kann es zu nachfolgenden Nebenwirkungen kommen:

Bei langfristiger Einnahme kann es zu einer erhöhten Kalziumausscheidung über den Urin kommen, weshalb der Kalziumhaushalt vom Arzt überwacht werden sollte.

Zudem kann eine langfristige Einnahme von 1.500 Milligramm Methionin oder mehr eine Erhöhung der Homocysteinwerte verursachen.

Da diese Werte auch bei einigen Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes) erhöht sind, ist vor einer Behandlung mit dem Wirkstoff eine Kontrolle dieser Werte erforderlich.

Unter Umständen kann es zudem zu einer Ansäuerung des Blutes kommen. Es handelt sich dabei um eine Azidose, welche aufgrund möglicher schwerer Folgen schnellstmöglich ärztlich behandelt werden muss.

Treten Nebenwirkungen auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Dies gilt natürlich auch für Nebenwirkungen, die hier nicht aufgeführt sind.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Methionin?

Neben unerwünschten Nebenwirkungen sind unter der Einnahme von Methionin auch Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen möglich.

Die Aminosäure kann die Wirkung von bestimmten Antibiotika verstärken. Dies gilt für Ampicillin, Nitrofurantoin und Sulfonamide. Bei der Behandlung von Harnwegsinfekten macht sich die Medizin diese Wechselwirkung zunutze.

Eine Abschwächung der Wirkung kann Methionin bei Levodopa verursachen, welches zur Behandlung von Parkinson eingesetzt wird.

Da Methionin den Mineralhaushalt sowie den Stoffwechsel der Schilddrüse beeinflusst, sollten bei einer Langzeittherapie mit dem Wirkstoff regelmäßig Schilddrüsenhormone und Kalziumspiegel im Blut durch den Arzt kontrolliert werden.

Zur Vorbeugung einer Arteriosklerose (Arterienverkalkung) muss bei einer Langzeitanwendung außerdem auf eine ausreichende Versorgung mit Folsäure, Vitamin B2, Vitamin B6 und Vitamin B12 geachtet werden.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Methionin zu beachten?

Methionin ist möglichst genau nach Anweisung des Arztes einzunehmen. Die Einnahme sollte zudem mit reichlich Flüssigkeit über den Tag verteilt (morgens, mittags, abends) erfolgen und ist nicht von Mahlzeiten abhängig.

Bislang sind keine Vergiftungen aufgrund von Überdosierung bekannt. Wurde die Einnahme vergessen, darf nicht die doppelte Dosis eingenommen werden. Ohne Rücksprache mit dem Arzt sollte die Anwendung auch nicht abgebrochen werden.

Generell beeinflusst die Einnahme von Aminosäuren nicht die Reaktionsfähigkeit, so dass die Verkehrstüchtigkeit nicht beeinträchtigt ist und auch das Bedienen von Maschinen unproblematisch ist.

Bei hohen Dosierungen kann es allerdings zu Unwohlsein kommen, weshalb vor allem zu Beginn der Behandlung mit dem Arzt über die Teilnahme am Straßenverkehr oder das Bedienen von schweren Maschinen gesprochen werden sollte.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Methionin

Medikamente mit dem Wirkstoff Methionin sind in der Apotheke ohne Rezept erhältlich.


Geschichte

Seit wann ist Methionin bekannt?

Im Jahr 1922 wurde die Aminosäure Methionin entdeckt. Seither wurde sie zahlreichen Untersuchungen unterzogen und gilt inzwischen als sehr gut erforscht. Auch ihr Einsatz bei der Behandlung von Erkrankungen der Harnwege ist schon sehr lange bekannt.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Neigen Patienten zu einer Übersäuerung des Blutes, ist eine regelmäßige Kontrolle des Säure-Basen-Haushalts im Blut wichtig.
  • Liegt eine Unterfunktion der Schilddrüse vor, sollte vor Beginn der Behandlung zunächst eine Überprüfung der Schilddrüsenfunktion erfolgen.
  • Während der Behandlung ist eine regelmäßige Kontrolle des Mineralhaushalts ratsam.
  • Bei der Behandlung mit Methionin muss auf eine ausreichende Zufuhr von B-Vitaminen sowie Folsäure geachtet werden.

Unter Umständen können Arzneimittel allergische Reaktionen hervorrufen. Bei entsprechenden Anzeichen ist umgehend der behandelnde Arzt aufzusuchen.


Quellen

Studien:

  • [1] Günther M, Noll F, Nützel R, Gläser E, Kramer G und Stöhrer M: Harnwegsinfektprophylaxe – Urinansäuerung mittels L-Methionin bei neurogener Blasenfunktionsstörung. Der Urologe (B). 2002; 218-220
  • [2] „Krzystanek M, Pałasz A, Krzystanek E, Krupka-Matuszczyk I, Wiaderkiewicz R, Skowronek R. (S-adenosyl L-methionine in CNS diseases). Psychiatr Pol. 2011 Nov-Dec;45(6):923-31. Review.

Quellen:

  • Pagonas N., Hörstrup J., Schmidt D., Benz P., Schindler R., Reinke P., van der Giet M., Zidek W., Westhoff T.H. Prophylaxis of recurrent urinary tract infection after renal transplantation by cranberry juice and L-methionine. Transplant Proc, 2012, 44(10), 3017-21 Pubmed
  • Miller A.L. The methionine-homocysteine cycle and its effects on cognitive diseases. Altern Med Rev, 2003, 8(1), 7-19 Pubmed
  • Garlick P.J. Toxicity of methionine in humans. J Nutr, 2006, 136(6 Suppl), 1722S-1725S Pubmed
  • Europäisches Arzneibuch PhEur
  • Arzneimittel-Fachinformation (CH, D)

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