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Makrolid-Antibiotika

by Danaae

Makrolid-Antibiotika sind eine Klasse der Antibiotika, die als gut verträglich gilt, dafür jedoch nicht sehr stark wirksam ist und daher nicht bei schwerwiegenden, bakteriellen Infektionen zum Einsatz kommt.

Makrolide wirken bakteriostatisch, sie hemmen also die Vermehrung der Bakterien. Sie können bei zahlreichen Infektionskrankheiten helfen und eignen sich teilweise auch zur Behandlung während der Schwangerschaft.

Was sind Makrolid-Antibiotika?

Makrolidantibiotika sind eine Antibiotika-Gruppe aus der Makrolid-Stoffklasse. Sie werden oft auch abgekürzt als Makrolide bezeichnet, wobei dies nicht ganz richtig ist.

Gut zu wissen: Die Bezeichnung „Makrolide“ steht streng genommen für sogenannte Laktone, die eine höhere Ringgliederzahl aufweisen. Hierzu zählen neben den Antibiotika z. B. auch bestimmte Antimykotika (Medikamente gegen Pilzinfektionen) und Immunsuppressiva (Immunsystem-unterdrückende Arzneimittel).

Fast alle Makrolid-Antibiotika wirken bakteriostatisch, sie hindern die Bakterien also daran, sich zu vermehren. Tekithromycin ist das einzige zugelassene Makrolid-Antibiotikum, das bakterizid wirkt, die Bakterien also abtötet.

Makrolide wirken gegen sehr viele Bakterien und haben somit zahlreiche Anwendungsgebiete. Sie gelten vor allem bei vielen Atemwegsinfektionen als Mittel der Wahl und finden u. a. auch bei bestimmten Geschlechtskrankheiten und Staphylokokken-bedingten Hautinfekten Anwendung.

Makrolidantibiotika sind insgesamt gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen betreffen vor allem den MagenDarm-Trakt (gastrointestinale Beschwerden). Allerdings können sie die Ausscheidung von verschiedenen Medikamenten behindern und zu Wechselwirkungen führen (z. B. mit Acetylsalicylsäure bzw. ASS).

Problematisch bei den Makrolid-Antibiotika ist, dass sie nur ein spezielles Enzym hemmen und sich daher leicht Resistenzen bilden können.


Anwendung (Indikation)

Anwendungsgebiete – Wann werden Makrolid-Antibiotika eingesetzt?

Makrolid-Antibiotika wirken besonders gut bei grampositiven Stäbchen und Kokken sowie bei gramnegativen Kokken. Somit sind sie zum Beispiel bei PneumokokkenInfektionen wie einer Lungenentzündung, bei Keuchhusten oder einer Haemophilus influenzae b-Infektion indiziert. Vor allem bei den meisten Lungeninfektionen gelten sie als Mittel der ersten Wahl.

Geotrichose, makrolid-antibiotika

Zu den Indikationen von Makroliden zählen z. B. Lungeninfektionen

Makrolide wirken bei fast allen Atemtraktsinfektionen, allerdings ist nur Clarithromycin gegen Tuberkulose wirksam. Sie gelten auch bei Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe (Tripper) und Chlamydien als Mittel der Wahl.

Das Wirkspektrum von Makroliden ähnelt dem von Penicillinen, weshalb diese Antibiotika häufig als Alternative bei Personen mit einer Penicillin-Allergie zum Einsatz kommen. Im Gegensatz zu Penicillinen wirken sie jedoch auch gegen Legionella pneumophila, Mykobakterien, Mykoplasmen, Chlamydien und einige Rickettsien.

Wann wirken Makrolid-Antibiotika nicht?

Unwirksam sind Makrolid-Antibiotika gegen Enterobacteriaceae wie z. B. Escherichia coli. Somit kommen sie nicht bei Harnwegsinfekten zum Einsatz, da diese meistens durch Enterobakterien ausgelöst werden.

Außerdem zählen Makrolidantibiotika nicht zu den wirksamsten Antibiotika-Klassen, weshalb sie bei schwerwiegenden Infekten, wie etwa auf Intensivstationen, keine Verwendung finden.


Anwendungsgebiete – Liste

Makrolidantibiotika wirken vor allem gegen folgende Bakterien:

  • Grampositive Kokkenbakterien
  • Grampositive Stäbchenbakterien
  • Gramnegative Kokkenbakterien

Weitere Anwendungsgebiete von Makroliden sind:

  • Bordetella pertussis
  • Borrelia burgdorferi
  • Chlamydien (Chlamydia trachomatis)
  • Haemophilus influenzae
  • Legionellen (Legionella pneumophila)
  • Mykoplasmen (Mycoplasma pneumoniae)
  • Spirochäten
  • Treponema pallidum
  • Propionibacterium acnes

Indikationen von Makrolid-Antibiotika sind somit:

Gonokokken Neisseria gonorrhoeae Neisseria sicca Gonorrhoe, Makrolid-Antibiotika

Makrolid-Antibiotika wirken gegen Tripper

  • die meisten bakteriellen Infektionen der oberen und unteren Atemwege (bei Tuberkulose wirkt nur Clarithromycin)
  • Infektionen vom Urogenitaltrakt (Geschlechtskrankheiten) – vor allem bei Chlamydien und/oder Tripper bzw. Gonorrhoe
  • Hautinfekte
  • Infekte des Weichteilgewebes

Weitere Indikationen sind zum Beispiel:

Anwendungsgebiete je nach Art des Makrolid-Antibiotikums sind:

  • Azithromycin: Zerebrale Toxoplasmose (als Kombinationstherapie), Babesiose (Kombinationstherapie), Chlamydia trachomatis-Zervizitis und –Urethritis
  • Azithromycin und Clarithromycin: Atypische Mykobakterien wie Mycobacterium avium (Multidrug-Schema)
  • Erythromycin: Unkomplizierte Hautinfektionen, Akne (lokale Anwendung), Präoperative Darmsanierung vor bauchchirurgischen Eingriffen (oral, Kombinationstherapie)
  • Fidaxomicin: Clostridioides difficile (Clostridium difficile)

Funktion & Wirkung

Wirkmechanismus – Wie wirken Makrolide?

Makrolid-Antibiotika wirken bakteriostatisch; das heißt, sie verhindern die Vermehrung der Bakterien. Eine Ausnahme stellt lediglich Tekithromycin dar, welches bakterizid, also Bakterien abtötend wirkt.

Die Wirkung der Makrolidantibiotika beruht auf einer Hemmung der Proteinbiosynthese. Sie verhindern also, dass die Bakterien bestimmte Proteine (Eiweiße) synthetisieren, welche sie für ihre Vermehrung benötigen. Die Bakterien bilden dabei unfertige Polypeptide, welche sie nicht verwenden können.

Makrolide wirken darüber hinaus auch entzündungshemmend und beeinflussen das Immunsystem.


Medikamente & Handelsnamen

Welche Makrolid-Antibiotika gibt es?

Das älteste Makrolid-Antibiotikum ist Erythromicin, welches bereits 1950 isoliert wurde. Moderne Makrolid-Antibiotika sind beispielsweise Azithromycin, Clarithromycin oder Roxithromycin.

Makrolid-Antibiotika Liste:

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  • Erythromycin
  • Clarithromycin
  • Azithromycin
  • Roxithromycin
  • Josamycin
  • Spiramycin
  • Telithromycin
  • Tylosin
  • Fidaxomicin

Handelsnamen & Beispiele

Die genannten Makrolidantibiotika sind z. B. unter folgenden Handelsnamen auf dem Markt verfügbar:

  • Erythromycin: AknedermEry, Aknefug-EL, Aknemycin, Eryaknen, Eryfluid, Erythrocin, Inderm, Infectomycin, Meromycin, Paediathrocin , Sanasepton , Stiemycine, Isotrexin, Zineryt
  • Clarithromycin: Biaxin, Clamycin, Claromycin, Klacid, Klaciped, Mavid, Clarithrocin, Clarilind, ZacPac
  • Azithromycin: Azyter, InfectoAzit, Ultreon, Zithromax, Azi-Teva, Sumamed, Azitromicina
  • Roxythromycin: Rulid, Rulide, Roxi

Risiken & Nebenwirkungen

Was sind die Risiken und Nebenwirkungen von Makrolid-Antibiotika?

Makrolidantibiotika gelten allgemein als gut verträglich. Kommt es dennoch zu Nebenwirkungen sind diese meist mild und vergehen nach Beendigung der Therapie. Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Makrolid-Antibiotika zählen gastrointestinale Störungen bzw. MagenDarm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen.


Nebenwirkungen von Makrolidantibiotika sind:

  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Bauchkrämpfe, Durchfall und Erbrechen
  • Allergische Reaktionen
  • Hautrötungen
  • Superinfektionen (vaginale und orale Candidosen) – diese können zu einem Anstieg von bestimmten Leber-Enzym-Werten führen
  • Verlängerung des QT-Intervalls (die gesamte intraventrikuläre Erregungsdauer bzw. bestimmter Abstand beim Elektrokardiogramm)

Erythromycin

kann außerdem zu folgenden unerwünschten Wirkungen führen:


Makrolid-Antibiotika Resistenz

Ein Risiko bei der Einnahme von Makroliden ist die rasche Resistenz-Entwicklung. Da die Wirkung von Makrolid-Antibiotika auf der Hemmung nur eines Enzyms beruht, können Bakterien leicht immun gegen sie werden.

Außerdem kann es bei einer längeren Anwendung zur sogenannten MLS-Resistenz (Makrolid-Lincosamin-Streptogramin-Resistenz) kommen.


Wechselwirkungen (Interaktionen)

Wechselwirkungen von Makrolid-Antibiotika mit anderen Medikamenten

Werden Makrolid-Antibiotika zusammen mit anderen Wirkstoffen eingenommen, kann es zu Interaktionen zwischen den Medikamenten kommen. Diese Arzneimittel sollten also nicht oder nur unter großer Vorsicht zusammen mit Makroliden eingenommen werden.

So können Makrolidantibiotika unter anderem die Ausscheidung von Arzneimitteln hemmen, welche über die Nieren ausgeschieden werden und zu den Säuren zählen. Hierzu gehören zum Beispiel:

Tabletten Schmerzmittel aspirin 0.5 Nurofen Immedia

Es kann zu Wechselwirkungen mit Aspirin (ASS) kommen

Weitere Wechselwirkungen von Makrolidantibiotika sind:

  • Colchicin (Gichtmittel) – Es kann zu einer Vergiftung kommen
  • QT-Intervall-verlängernde Substanzen wie bspw. Citalopram
  • Inhibitoren des CYP3A4-Enzyms wie z. B. Ritonavir und Fluconazol (bei Clarithromycin und Erythromycin)
  • Simvastatin, Atorvastatin, Lovastatin – Die Einnahme muss bei einer Therapie mit Erythromycin unterbrochen werden

Bei gleichzeitiger Einnahme von Makroliden und folgenden Medikamenten, kann es zu einer QT-Intervall-Verlängerung kommen:

  • Antiarrhythmika (Klasse IA und III)
  • Antimalariamittel
  • Arsentrioxid
  • Budipin
  • Einige Fluorchinolone
  • Einige Neuroleptika
  • Imidazol-Antimykotika
  • Methadon
  • Pentamidin (intravenös appliziert)
  • Trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva
Makrolide wie Erythromycin und Clarithromycin dürfen auf keinen Fall gemeinsam mit folgenden Arzneimitteln verabreicht werden, da dies zu tödlichen Herzrhythmusstörungen führen kann:

  • Astemizol
  • Cisaprid
  • Pimozid
  • Terfenadin


Gegenanzeigen (Kontraindikation)

Wann dürfen Makrolidantibiotika nicht eingenommen werden?

Kontraindikationen (Gegenanzeigen) von Makrolid-Antibiotika sind:

In folgenden Fällen sollten Makrolid-Antibiotika nur nach strenger Nuten-Risiko-Abwägung und unter großer Vorsicht verabreicht werden:

Medikinet Retard 10mg AP Alkalische Phosphatase Bilirubin (C33H36N4O6) γ-Glutamyltransferase GGT Globulin Quotient Hepatitis A Immunfixationselektrophorese, Hepatitis, leberversagen

sowie bei der gleichzeitigen Verabreichung folgender Medikamente:

  • Antiarrhythmika der Klasse IA (z. B. Chinidin, Disopyramid , Procainamid)
  • Antiarrhythmika der Klasse III (z. B. Amiodaron)
  • Bestimmte Virusstatika (z. B. Telaprevir)
  • Citalopram
  • CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol oder Proteasehemmern
  • Einige Antimykotika (z. B. Fluconazol)
  • Einige Antipsychotika (z. B. Phenothiazine)
  • Fluorochinolone (z. B. Moxifloxacin)
  • Methadon
  • trizyklische Antidepressiva

FAQ – Häufige Fragen & Antworten

Nachfolgend finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Makrolidantibiotika.


Makrolide – Schwangerschaft?

Dürfen Makrolid-Antibiotika während der Schwangerschaft eingenommen werden?

Das Makrolidantibiotikum Erythromycin darf während der Schwangerschaft eingenommen werden. Klinische Studien konnten die Verträglichkeit nachweisen.

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Allerdings konnte beobachtet werden, dass die Gabe von Erythromycin ein etwas höheres Risiko in Bezug auf kardiovaskuläre Anomalien hat als Penicilline. Da die klinische Anwendung von Erythromycin deutlich umfangreicher ist, gilt es als sicherer als Azithromycin.

Erythromycin gilt auch während der Stillzeit als unbedenklich. Andere Makrolid-Antibiotika sollten nicht während der Stillzeit angewandt werden, da hierbei Studien fehlen.

Reproduktionsstudien mit Tieren mit Azithromycin und Erythromycin zeigten kein Risiko für die Föten. Bei Clarithromycin konnte jedoch ein leicht erhöhtes Risiko beobachtet werden. Da es hierzu noch weitere Studien bedarf, sollte Clarithromycin nur dann von schwangeren Frauen eingenommen werden, wenn keine alternative Behandlung möglich ist.


Makrolide & Alkohol?

Darf ich während einer Behandlung mit Makrolid-Antibiotika Alkohol trinken?

Nein, Sie sollten während der Einnahme von Makrolidantibiotika keinen Alkohol trinken. Sowohl Alkohol als auch Makrolide werden nämlich über die Leber ausgeschieden, wodurch die Ausscheidung beeinflusst werden und es zu Nebenwirkungen kommen kann.


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