Magensäure

Ein ganz besonderer Saft

Die Magensäure, auch Magensaft genannt, besteht in der Hauptsache aus Schleim, aus Enzymen und Fermenten, aber auch aus Salzsäure und ist ein Wunderwerk der Biologie und Chemie. Denn die Magensäure ist in der Lage, die aufgenommene Nahrung so aufzuspalten, dass sie für den Körper verwertbar wird, ohne aber den Magen selbst anzugreifen und zu zersetzen.

Was ist Magensäure

Magensäure wird im Magen gebildet und zwar von den sogenannten Belegzellen (Parietalzellen) der Magenschleimhaut. Wenn der Mensch zum Beispiel nur an Essen denkt, Essen sieht oder riecht, dann aktiviert der Nervus vagus, ein unter anderem auch für das Riechen und Schmecken verantwortlicher Nerv, die Magensäureproduktion. Fängt man dann tatsächlich zu essen an und der Magen füllt sich, dann wird die Produktion weiter gesteigert, damit die Nahrung, besonders die Proteinketten, richtig aufgespalten und für die Verdauung vorbereitet werden kann. Ist der Speisebrei dann aus dem Magen heraus gewandert und im Zwölffingerdarm angekommen, dann werden Enzyme ausgeschüttet, durch die die Magensäure-Produktion wieder gedrosselt und zum Schluss fast eingestellt wird. Mediziner unterteilen diesen Prozess in drei Phasen:

  • die Kopfphase (cephale Phase)
  • die Magenphase (gastrale Phase)
  • und die Darmphase (intestinale Phase

.

Funktionen und Aufgaben der Magensäure

Die wichtigsten Aufgaben der Magensäure bestehen darin

  • die Nahrung zu einem gut durchmischten Speisebrei zu verarbeiten
  • die Nahrung aufzuspalten und ihre Struktur zu verändern
  • das Proteingefüge aufzulockern
  • Das Verdauungsenzym Pepsin zu produzieren
  • Nährstoffe auf die Absorbtion im Dünndarm vorzubereiten
  • in den Magen eingewanderte Bakterien und andere Mikroorganismen abzutöten
  • Darmbakterien daran zu hindern, aus dem Dünndarm aufzusteigen

Wie bereits dargestellt, besteht die Hauptaufgabe der Magensäure darin, die im Magen ankommende Nahrung anzuverdauen. Dazu muss sie sie aufspalten und ihre Grundstruktur soweit verändern, dass sie dann im Darm gut verstoffwechselt werden kann. Dazu wird das Proteingefüge aufgelockert und das Peptid Pepsinogen in das Verdauungsenzym Pepsin umgewandelt. Dieses Enzym ist in der Lage, zum Beispiel Eiweiße zu spalten. Pepsinogen wird in den sogenannten Funduszellen gebildet und ist eine inaktive Vorstufe von Pepsin. Außerdem ist die Magensäure aber auch in der Lage, die mit der Nahrung im Magen ankommenden schädlichen Bakterien und andere Keime größtenteils zu eliminieren.

Sie ist damit die erste wirksame Barriere im Körper. Die Magensäure ist für die Verdauung sehr wichtig. Wird nicht genug oder gar keine Magensäure mehr produziert, dann leiden die Betroffenen unter schweren Verdauungsstörungen wie Durchfällen, Völlegefühl und Übelkeit, Nahrungsunverträglichkeiten aber auch Allergien, Hautkrankheiten und durch den Vitaminmangel bedingt sogar unter Anämie und Erschöpfungszuständen. Selbst Schlafstörungen und depressive Verstimmungen werden möglicherweise von Magensäuremangel mit ausgelöst.

Anatomie und Aufbau der Magensäure

Der Prozess der Bildung von Magensäure ist recht komplex und kompliziert und läuft erst außerhalb der Magenschleimhautzellen ab. Nur auf diese Weise ist die Schleimhaut davor geschützt, durch die aggressive Säure selbst zerstört zu werden. Die Belegzellen bilden aus Wasser und Kohlendioxid Kohlensäureprotonen, die mittels einer Art Pumpe ins Mageninnere gelangen. Dort verbinden sie sich mit Chlorid-Ionen zu einer 0,5 bis 1 prozentigen Salzsäure.

Außerdem enthält der Magensaft noch einen schützenden Schleim (Muzid), das ebenfalls schützende und neutralisierende Bikarbonat, das Enzym Pepsin, ein Lab-Ferment und den sogenannten Intrinsischen Faktor, ein Glycoprotein oder Mucoprotein, das zur Verwertung von Vitamin B12 benötigt wird.

Ein erwachsener Mensch produziert durchschnittlich rund 2 Liter Magensäure pro Tag. Ein klein wenig davon wird immer abgegeben, weil der Magen auch nur sehr selten völlig leer ist. Etwa 30 Prozent der Magensaft-Menge wird in der Kopf-Phase ausgeschüttet, wenn durch das Sehen, Riechen und Schmecken der Hebel dazu umgelegt wurde. Von diesem Prozess könnte sich auch der Ausdruck „jemanden fließt das Wasser im Mund zusammen“ herstammen. In der Magen-Phase, wenn die Verdauung schon läuft, werden über 50 Prozent der Magensäure produziert. Die Produktion wird bei der Erweiterung des Magens durch die Nahrungszufuhr angekurbelt.

Es gibt verschiedene Nahrungsmittel, welche die Magensäureproduktion zusätzlich ganz natürlich ankurbeln. Zu ihnen gehören unter anderem Gewürze und Kräuter wie Chilli, Pfeffer, Kurkuma, Kümmel, Muskat, Ingwer, Salbei und Rosmarin, Gemüsesorten wie Chicoree, Endivien, Rucola und Frisee, sowie bitter-saure Früchte wie Grapefruit, Zitronen und Limonen. Aber natürlich gibt es auch sehr wirksame Medikamente, um die Magensäureproduktion zu steigern.

Krankheiten, Beschwerden und Störungen

 

Magensäuremangel

Eine recht häufig auftretende Verdauungsstörung basiert auf zu wenig Magensäure. Ein Magensäure-Mangel kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Die Einnahme bestimmter Medikamente kann ihn ebenso auslösen, wie eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut zum Beispiel durch Keime, eine überstandene Magenoperation, bei der
die Schleimhaut erst wieder aufgebaut werden muss und chronischer Vitamin b12-Mangel. Auch eine einseitige stark basische Ernährung kann mit der Zeit zu Magensäuremangel führen.

Was viele Menschen nicht wissen ist, dass auch ausschließlich eiweißArme oder Vegane Ernährung die Magensäureproduktion verringert und deshalb mit geeigneten Mitteln zur Ankurbelung wie Bitterstoffe und Gewürze gegengesteuert werden muss. Aber was passiert nun, wenn nicht genug Magensäure vorhanden ist?

Nehmen wir die Eiweiße in der Nahrung. Wenn sie nicht richtig aufgespalten werden, dann „faulen“ sie im Darm und verursachen so Blähungen, Winde, Aufstoßen und Sodbrennen. Außerdem führen sie auch dazu, dass sich schädliche Bakterien im Darm vermehren, weil die faulenden Eiweiße für sie ein gutes Futter darstellen. So können verschiedene Krankheiten entstehen. Die unzureichende Verdauung von Eiweißen kann aber auch zu einem Aminosäure-Mangel führen und der ist unter anderen für Depressionen und Schlafstörungen mit verantwortlich.

Mangelhafte Verdauung der Kohlehydrate im Nahrungsbrei ist genauso schädlich. Noch gefährlicher kann es aber werden, wenn durch Magensäuremangel die Aufnahme von Vitaminen und Mineralen gehemmt ist. Besonders wenn bei einer Blutuntersuchung ein Mangel an

vorliegt, dann kann das auf einen Magensäuremangel hindeuten, der behandelt werden muss.

Magensäureüberschuss

Zu viel Magensäure ist genauso schädlich, wie zu wenig. Auch für diese Störung gibt es unterschiedliche Ursachen. So können zum Beispiel Stress, zu hastiges und zu scharf gewürztes Essen oder zu fettige Speisen einen Magensäure-Überschuss bewirken. Aber auch bestimmte Medikamente bzw. genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Im allgemeinen merkt man eine Magensäure-Überproduktion zuerst an saurem Aufstoßen, an Sodbrennen, Magendruck und Völlegefühl. Kommt sie nur vorübergehend vor, ist sie nicht gefährlich sondern nur unangenehm.

Wer öfter daran leidet, hat das Risiko an chronischer Magenschleimhaut-Entzündung (Gastritis) und sogar an Magengeschwüren und im schlimmsten Fall an bösartigen Tumoren zu erkranken und sollte mit fettem Essen, scharfen Gewürzen, Nikotin und Alkohol, sowie dem Saft von Zitrusfrüchten lieber vorsichtig sein und mit Kräutertees, Anis und Kümmel aber auch mit viel gesunder Bewegung entgegenwirken. Es gibt natürlich auch sehr wirksame Medikamente, die der Magensäure-Überproduktion entgegen wirken.

Refluxkrankheit

Sie wird häufig auch als Sodbrennen bezeichnet und ist eine der häufigsten Beschwerden im Zusammenhang mit der Magensäure. Etwa jeder 5.Mensch in Europa ist, zumindest zeitweise, davon betroffen. Allerdings ist Sodbrennen oder Reflux selbst eigentlich noch keine Krankheit sondern nur recht störend und unangenehm. Es können sich aber langfristig Krankheiten daraus entwickeln.

Beim Reflux fließt ein Teil der Magensäure aus den Magen zurück in die Speiseröhre und manchmal in die Atemwege, in den Hals und den Mund. Weil diese Bereiche, anders als der Magen, nicht vor der ätzenden Säure geschützt sind, ist das nicht nur sehr unangenehm und schmerzhaft, sondern kann auch Schäden verursachen. Dabei ist an der Refluxkrankheit aber gar nicht die Magensäure schuld, sondern meistens der untere Speiseröhren-Schließmuskel (Ösophagussphinkter). Wenn der nicht richtig schließt, kommt es, häufig beim Bücken oder im Liegen, zum Rückfluss von Magensäure in den unteren Teil der Speiseröhre. Weitere Ursachen für einen Reflux können sein:

  • Ärger, der auf den Magen schlägt
  • starke körperliche Anstrengung, zum Beispiel bei Leistungssport
  • Alkohol-und Tabakmissbrauch
  • Übersäuerung des Magens
  • zu wenig Trinken
  • kohlensäurehaltige und koffeinhaltige Getränke
  • zu viel und zu hastiges Essen
  • starkes Übergewicht

 

Das Magengeschwür (Ulcus ventriculi)

Magengeschwüre können verschiedene Ursachen haben. Meistens jedoch ist ein gestörtes Gleichgewicht zwischen den schützenden und ätzenden Mechanismen der Magenschleimhaut die Ursache für ihr Entstehen. Zuviel Magensäure ist die Ursache Nr. 1 für Magengeschwüre. Neben falscher Ernährung und ungesunder Lebensweise kommt auch ein
gestörter Bewegungsablauf im Verdauungstrakt als Ursache infrage. Wenn der Speisebrei nämlich zu lange im Magen verbleibt, kommt es vor, dass bereits aufgespaltene und mit Gallensaft vermischte Nahrung aus dem Dünndarm in den Magen zurück fließt. Dann ist die Magenschleimhaut nicht nur der Magensäure sondern auch der gleichfalls aggressiven
Gallensäure ausgesetzt und das kann Magengeschwüre auslösen. Es gibt aber auch Menschen, die genetisch bedingt unter dem sogenannten Epidermalen Wachstumsfaktor-Mangel, an einer Überfunktion der Nebenschilddrüse oder an einem Tumor in Bauchspeicheldrüse oder Zwölffingerdarm leiden. Diese körpereigenen Störungen führen zu einer Überproduktion des Hormons Gastrin und die wiederum zu einer vermehrten Produktion von Magensäure.

Bakterien die die Magensäure überleben

Ein Bakterium, dass Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre oder Zwölffingerdarmgeschwüre auslösen kann und sich im Magen trotz der Magensäure sehr wohl fühlt, heißt Helicobacter pylori. Als man es im Jahr 1982 entdeckte, stand die Medizin Kopf, weil vorher kein Wissenschaftler geglaubt hätte, dass Bakterien die Magensäure überleben könnten. Dieses aber wird nicht nur mit der Nahrung durch den Magen durchgeschleust, es lebt sogar direkt in der Magenschleimhaut und findet nur dort ideale Lebensbedingungen. Helicobacter pylori ist winzig klein, kaum drei Tausendstel Millimeter groß, hat einen spiralförmigen Körper und mehrere Geiseln mit denen es sich schnell fortbewegen kann. Die Magenschleimhaut sorgt dafür, dass sich das Bakterium gut vermehren kann und schützt es gleichzeitig vor der aggressiven Magensäure. Helicobakter hilft sich aber auch selbst, indem es Amoniak produziert und mit ihm die saure Umgebung neutralisieren kann. Gleichzeitig bildet es einen Stoff, der den Stoffwechsel der Magenschleimhautzellen beeinflusst und mit dafür sorgt, dass zu viel Magensäure gebildet wird. Darüber hinaus gibt es Giftstoffe (Toxine) ab, die chronische Entzündungen auslösen und auch für Magengeschwüre und sogar für Magenkrebs verantwortlich gemacht werden. Sehr viele Menschen haben den Keim, aber längst nicht alle werden von ihm Krank. Bis heute kennt man die Übertragungswege von Helicobakter pylori nicht genau. An wirksamen Impfstoffen wird immer noch gearbeitet. Die Therapie besteht in der Gabe von Antibiotika.

Weitere typische und häufige Erkrankungen im Zusammenhang mit der Magensäure sind:

 

Fragen und Antworten zur Magensäure

 

Woher kommt der Begriff „Sodbrennen„?

Das Wort Sod wird heute eigentlich nur noch im Zusammenhang mit der Refluxkrankheit genannt und stammt aus dem alt- und Mittelhochdeutschen. Es bedeutet Sieden, Wallen bzw. siedende Flüssigkeit und beschreibt das brennende Gefühl, das in der Brust, im Hals und Rachen durch die aufsteigende Magensäure ausgelöst wird, recht gut.

Warum leiden Schwangere und Senioren besonders häufig an Sodbrennen?

Fast die Hälfte aller schwangeren Frauen leidet unter Sodbrennen. Besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft ist das häufig der Fall. Das liegt vor allem daran, dass das ungeborene Kind dann so groß ist, dass es den Magen in Richtung Brustraum verdrängt. Das kann dazu führen, dass der Ösophagussphinkter nicht mehr richtig funktioniert. Aber auch Hormonumstellungen in der Schwangerschaft fördern das Sodbrennen. Dazu kommt, dass die Frau in der letzten Schwangerschaftszeit häufiger einmal liegen sollte und in dieser Lage häufig Magensäure aufsteigt. Bei älteren Menschen verlieren im allgemeinen das Bindegewebe und die Muskulatur ihre Elastizität. Außerdem nehmen sie häufiger als Jüngere verschiedene Medikamente und bewegen sich weniger. All das kann die Refluxkrankheit fördern.

Sodbrennen und Atemnot – kann hier ein Zusammenhang bestehen?

Eigentlich denkt der Laie, dass es keinen Zusammenhang zwischen aufsteigender Magensäure und Atemnot geben kann. Aber trotzdem ist genau das der Fall. Die aus dem Magen zurückfließende Magensäure kann manchmal über die Speiseröhre hinaus bis in den Rachenraum aufsteigen. Der Mediziner spricht hier von einem laryngopharyngealen Reflux. Er Das führt zu einem verschleimten Hals, zu Heiserkeit, Reizhusten, Engegefühl und im schlimmsten Fall auch zu Atemnot. Gerade Patienten, die schon an einer copd oder an Asthma leiden, sind hier häufig betroffen. Weil Atemnot aber in erster Linie auf eine Erkrankung der Bronchien oder der Lunge sowie auf eine Herzerkrankung hindeutet, wird selbst von Ärzten die Diagnose laryngopharyngealer Reflux oft erst nach längerer Zeit gestellt.

Gibt es Lebensmittel, die vermehrt Sodbrennen auslösen?

Ja, die gibt es, wobei nicht alle bei jeden Menschen die gleiche Wirkung haben. Als sogenannte „Säurelocker“ gelten Süßigkeiten (vor allem Schokolade), Zucker, fette Mahlzeiten (besonders frittierte Speisen), stark säurehaltiges Obst wie Zitrusfrüchte und Ananas, milchsäurehaltige Lebensmittel wie Quark und Yoghurt.

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie den Artikel

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (122 Stimmen, Durchschnitt: 4,86 von 5)
Loading...
Top