Anastomose

Wichtige Verbindungsstrukturen im Körper

Anastomosen sind wichtige Verbindungstrukturen in verschiedensten Teilen des Körpers. So treten Anastomosen zum Beispiel in Lymphgefäßen, Nerven und Blutgefäßen auf. Besondere Bedeutung haben Anastomosen als Umgehungskreislauf. Fallen bestimmte Gefäße aus, sorgt eine Anastomose dafür, dass es nicht zu starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt. In der Chirurgie ist es manchmal nötig, künstliche Anastomosen, also Verbindungen zwischen Organen oder Blutgefäßen herzustellen.

Was ist Anastomose?

Eine Anastomose ist nichts Anderes, wie eine Verbindung im Körper. Sie kann an verschiedensten Stellen des Körpers auftreten und ist nicht spezifisch auf bestimmte Teile des Körpers beschränkt. Typische Bereiche in denen eine Anastomose auftritt, sind:

Verschiedene anatomische Strukturen können also über eine Verbindung zueinander verfügen.

Neben der natürlichen Anastomose gibt es auch eine künstliche Anastomose. So werden bei einer Operation durch den Chirurgen bestimmte Teile im Körper miteinander verbunden. Insgesamt gibt es drei verschiedene Arten von künstlichen Anastomosen:

  • Seit-zu-Seit-Anastomose
  • Seit-zu-End-Anastomose
  • End-zu-End-Anastomose

Bei der Seit-zu-Seit-Anastomose werden zum Beispiel zwei verschiedene Organe seitlich geöffnet und dann miteinander verbunden. Bei der Seit-zu End-Anastomose werden wird ein Teil des Organs seitlich und der andere Teil an einem Ende geöffnet und miteinander verbunden und bei der End-zu-End-Anastomose werden zwei Enden von Organen geöffnet und miteinander verknüpft. Typische Beispiele für chirurgische Anastomosen sind Eingriffe im Bereich des MagenDarm-Trakts. Die einzelnen Anastomosen können auch nach Organen unterschieden werden:

  • Darmanastomose
  • Gefäßanastomose
  • Ureteranastomose

 

Funktionen & Aufgaben

Die Anastomosen im menschlichen Körper haben nur eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, nämlich Umgehungskreisläufe zu ermöglichen und so zu verhindern, dass es zu Engpässen kommt. Umgehungskreisläufe können lebensnotwendig sein und zwischen Leben und Tod des Patienten entscheiden.
Beispiele für den lebenswichtigen Einsatz von Anastomosen:

  • Riolan-Anastomose
  • Nekrosen werden verhindert
  • Verhinderung von Lymphödemen
  • Jacobson Anastomose

Riolan Anastomose

Seinen Namen erhielt die Riolan Anastomose von Jean Riolan, welcher ein Anatom aus Frankreich war. Dabei handelt es sich um eine spezielle Gefäßverbindung, die zwischen der linken Dickdarmarterie und der rechten Dickdarmarterie. Weitere Verbindungen zwischen den beiden genannten Arterien sind möglich. Die Riolan Anastomose sorgt dafür, dass der Dickdarm in jeder Situation zuverlässig funktioniert. Tritt ein Verschluss in einer der beiden Hauptarterien auf, kann der Blutkreislauf über die Anastomose erfolgen.

Nekrosen werden verhindert
Unter einer Nekrose versteht man das Absterben von Gewebe. Kommt es zu Verengungen oder zu Verschlüssen in Arterien, werden bestimmte Körperregionen schlechter durchblutet. Dadurch entsteht ein Sauerstoff- und Nährstoffmangel. Entzündungsreaktionen sind die Folge und die einzelnen Zellen beginnen abzusterben. In sehr schlimmen Fällen müssen dann sogar Gliedmaßen amputiert werden. Sind Umgehungskreisläufe vorhanden, ist die ausreichende Versorgung von Sauerstoff und Nährstoffen über das Blut gewährleistet.

Verhinderung von Lymphödemen
Lymphödeme entstehen, wenn sich Flüssigkeit im Zwischenzellraum ansammelt und nicht mehr abtransportiert werden kann. Es ist also eine Flussunterbrechung vorhanden. Lymphödeme können verschiedene Ursachen haben. Um einen konstanten Lymphfluss zu ermöglichen, sind Anastomosen. Durch sie kann eine Ansammlung der Flüssigkeit im Zwischenzellraum verhindert werden.

Jacobson Anastomose
Bei der Jacobson Anastomose um Nervenfasern mit einem bestimmten Faserverlauf im Bereich des Kopfes. So entsteht eine wichtige Verbindung zum vegetativen Nervensystem. Damit wird gewährleistet, dass die wichtigsten Funktionen und Bewegungsabläufe immer funktionieren. Die Reizübertragung erreicht durch den Umgehungskreislauf immer sein Ziel.

Anatomie & Aufbau

Der Aufbau von Anastomosen ist sehr unterschiedlich im Körper. Es werden natürliche und chirurgische Anastomosen unterschieden.

Natürliche Anastomosen

Je nach Ort der Anastomose, ist der Aufbau sehr unterschiedlich. So handelt es sich bei der Jacobson-Anastomose um eine Nervenfaserverbindung. Eine weitere Nervenfaserverbindung kommt im Frontzahnbereich vor. Im Unterkiefer werden so die einzelnen Nerven miteinander verbunden und so eine gute Reizübertragung gewährleistet.

Im Bereich der Arterienverbindungen treten Anastomosen sehr häufig auf. Bei der Riolan Anastomose entstehen Verbindungen zwischen der Arteria mesenterica inferior und der Arteria mesenterica superior. Weiter typische Verbindungen treten im Dickdarm zum Beispiel zwischen der Arteria colia sinistra und Arteria mesenterica superior. In manchen Fällen wird auch noch eine zusätzliche Anastomose zur Arteria colica media im Dickdarm ausgebildet. Mit diesen Verbindungen werden Verschlüsse der Arterien in den wichtigen Körperregionen verhindert.

Die Verbindung zwischen Lymphgefäßen ist wieder anders aufgebaut. Damit werden verschiedene Ebenen der Lymphgefäße miteinander verbunden und Flüssigkeitsansammlungen werden verhindert.

Chirurgische Anastomosen

Bei den chirurgischen Anastomosen werden insgesamt drei verschiedene Varianten voneinander unterschieden:

  • Gefäßanastomose
  • Darmanastomose
  • Nervenanastomose

Alle chirurgischen Anastomosen sind künstlich und werden bei einer Operation hergestellt. Bei einer Gefäßanastomose werden zwei Blutgefäße miteinander verbunden. Dies kann mit einer seitlichen Anastomose oder einer End-zu-End-Anastomose durchgeführt werden. bei einer seitlichen Anastomose wir ein Blutgefäß seitlich in ein zweites Blutgefäß integriert und bei der End-zu-End-Anastomose werden zwei Enden von Blutgefäßen miteinander verbunden. End-zu-End-Anastomosen werden zum Beispiel bei durchtrennten Blutgefäßen benötigt, oder wenn Gewebe entfernt wird. Zusätzlich wird eine Gefäßanastomose bei GefäßProthesen verwendet, um eine Verbindung zu den Blutgefäßen des Körpers herzustellen. Die Blalock-Taussig-Anastomose kommt zum Einsatz, wenn Kinder von Geburt an einen Herzfehler haben.

Darmanastomosen sind besonders wichtig, wenn durch eine Operation Teile des Darm– oder Magentrakts entfernt wurden. Die Entfernung selbst wird auch als Resektion bezeichnet. Ein weiterer Begriff für die Darmanastomose ist Enteroanastomose. Bei der Darmanastomose werden verschiedene Verbindungsarten unterschieden:

  • Seit-zu-Seit Anastomose
  • End-zu-End Anastomose
  • Seit-zu-End Anastomose
  • End-zu-Seit Anastomose

Die orthograde Darmpassage ist Ausgangspunkt der Benennung. Je nachdem welcher Teil des Darms verbunden wird, bestimmt die Art der Anastomose. Um den Ort der Anastomose genauer zu bestimmen, kommt zur Art der Anastomose auch der genaue Ort der Anastomose im Körper mit dazu. Ein typisches Beispiel ist die End-zu-Seit-Ileotransversostomie. Hierbei wird das Ende des Ileum mit dem Colon transversum an der Seite verbunden. Durch die exakte Bezeichnung weiß der Arzt immer genau, auf welchen Organteils ich die Anastomose bezieht.

Nervenanastomosen kommen in zwei verschiedenen Varianten vor:

  • End-zu-End Anastomose
  • End-zu-Seit Anastomose

Die End-zu-End Anastomose kommt in der Regel zum Einsatz, wenn Nerven durchtrennt werden. Durch die Anastomose werden die Nerven dann an den Nervenenden wieder zusammengefügt. Kann eine End-zu-end Anastomose nicht durchgeführt werden, ist auch eine End-zu-Seit Anastomose möglich. Die End-zu-Seit Anastomose ist eine alte Technik und existiert bereits seit den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts.

Egal welche chirurgischen Anastomosen durchgeführt werden, alle Anastomosen müssen bestimmte Kriterien erfüllen:

  • ausreichende Durchblutung der Nahtregion
  • spannungsfrei
  • dicht

Die ausreichende Durchblutung der Nahtregion ist wichtig, damit der Heilungsprozess begünstigt wird und keine Komplikationen auftreten.

Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Anastomosen sind wichtig für den Körper. Bei Fehlbildungen können jedoch große gesundheitliche Risiken für den Menschen auftreten. Fehlbildungen an den Anastomosen hängen meist nicht von äußeren Einflüssen ab, sondern sind von Geburt an vorhanden und entwickeln sich im Laufe des Lebens durch erblich begünstigte Veranlagungen.
Verschiedene Krankheitsbilder sind möglich:

  • Fetofetales Transfusionssyndrom
  • Portokavale Anastomose
  • Arteriovenöse Malformation

Fetofetales Transfusionssyndrom

Das Fetofetale Transfusionssyndrom wird oft einfach als FFTS abgekürzt und ist auch unter dem Namen Zwillingssyndrom bekannt. Grund für den Begriff „Zwillingssyndrom“ ist, dass diese Erkrankung nur auftreten kann, wenn die Mutter mit Zwillingen schwanger ist. Bei Zwillingen nutzen beide Embryos im Bauch der Mutter denselben Mutterkuchen und werden beide über diesen ernährt. Die Ausbildung von Anastomosen im Mutterkuchen kommt sehr häufig vor und liegt bei 85 bis 95 Prozent. Häufig sind die Anastomosen völlig ungefährlich und haben keine nachteilige Auswirkung auf die Entwicklung der beiden Embryos. Eine Anastomose wird entweder zwischen zwei Arterien, zwei Venen oder zwischen Arterie und Vene ausgebildet. Bei einer Verbindung zwischen zwei Venen spricht man von venovenös und zwischen zwei Arterien von einer arterioarteriellen Verbindung. Entsteht eine Verbindung zwischen Arterien und Vene, handelt es sich um eine arteriovenöse Anastomose.

Insgesamt ist es also ganz normal, wenn ein Blutaustausch zwischen den Zwillingen im Mutterleib stattfindet. Bei einer gewöhnlichen Anastomose bekommen beide Embryos wieder genau gleich viel Blut über die Anastomose, wie sie an den anderen Zwilling abgeben. Bekommt ein Embryo weniger Blut, als er an sein Geschwisterchen über die Anastomose abgibt, kann es gefährlich für den Embryo werden. Der Embryo der mehr Blut abgibt, als er bekommt, wird als Donor bezeichnet, also als Spender, und der Embryo, der mehr Blut bekommt, als er abgibt, wird als Akzeptor betitelt, also als Empfänger.

Welche Symptome bei beiden Embryos während der Schwangerschaft auftreten, hängt im Wesentlichen von der Stärke der FFTS ab. Bei schwacher Ausprägung können nur Unterschiede an der Fruchtwassermenge und an der Harnblase feststellen. Bei stark ausgeprägtem FFTS verläuft die Entwicklung beim Donor-Embryo wesentlich langsamer und bei starker Unterversorgung kann der Donor-Embryo sogar sterben.

Die FFTS Erkrankung tritt aber vergleichsweise selten auf. Bei Zwillingsschwangerschaften sind davon nur 10 bis 15 Schwangerschaften von 100 Stück betroffen, wobei die Schwere der Ausprägung stark variiert. Diese Zahlen klingen zunächst hoch, jedoch bei Betrachtung der Gesamtgeburtenanzahl, also auch Einzelgeburten eingeschlossen, tritt die Erkrankung bei 142715 Geburten lediglich 48 Mal auf.

Portokavale Anastomose

Bei der Portokavalen Anastomose tritt eine Blutstauung an der Pfortader auf. Die Pfortader ist dafür zuständig das Blut weiter an die untere Hohlvene und die obere Hohlvene weiterzuleiten. Durch den so entstehenden Stauungsdruck können zweiverschiedene Krankheiten auftreten:

  • Ösophagusvarizen
  • Caput medusae

Bei den Ösophagusvarizen kommt es in der Speiseröhre zu starker Ausbildung von Krampfadern. Dafür ist der portalvenöse Druck verantwortlich, der über dem Normalwert liegt. Durch den höheren Druck sucht sich das Blut, welches von der Leber kommt, einen neuen Weg, nämlich direkt zur Hohlvene und nicht mehr den Umweg über die Pfortader. Die portokavalen Anastomosen werden wegen des zu hohen Drucks gemieden. Die so sehr ausgeprägt entstehenden Krampfadern in der Speiseröhre haben sehr dünne Wände. Bereits kleine Risse können dadurch große Blutungen in der Speiseröhre verursachen und sogar lebensbedrohlich werden. Von dieser Krankheit sind vor allem Menschen betroffen, die eine Leberzirrhose haben. Die Wahrscheinlichkeit bei einer Blutung, trotz entsprechender Behandlung im Krankenhaus, zu sterben, beträgt 30 Prozent.

Die portale Hypertension kann auch in anderen Körperbereichen für hervorstehenden Venen sorgen. Treten die geschlängelten Venen im Bauchnabelbereich auf, spricht man von Caput medusae. Die erweiterten Blutgefäße werden dabei um den Bauchnabel herum sogar sichtbar.

Arteriovenöse Malformation
Unter einer Ateriovenösen Malformation versteht man eine Fehlbildung, welche von Geburt an vorhanden ist. Es treten Verbindungen zwischen Venen und Arterien auf, gleichzeitig sind keine dazwischenliegenden Kapillaren vorhanden. Die Fehlbildung erinnert von ihrem Aussehen her an ein Gefäßknäuel. Das Ateriovenöse Malformation kann in verschiedensten Regionen im Körper auftreten. Je nach Ort und Ausprägung variiert auch das Krankheitsbild. Besonders gefährlich ist die Arteriovenöse Malformation im Gehirn, denn durch sie wird ein Schlaganfall begünstigt. Treten sie im Rückenmark auf, sind Lähmungserscheinungen wahrscheinlich. Ebenfalls problematisch ist die Arteriovenöse Malformation im Lungengewebe. Dadurch entstehen Abszesse im Lungengewebe. Auch in den Augen und im Muskelgewebe kann die Arterioveöse Malformation vorkommen.

Typische & häufige Erkrankungen

 

  • Fetofetales Transfusionssyndrom
  • Arteriovenöse Malformation
  • Ösophagusvarizen
  • Stuhlinkontinenz
  • Caput medusae

 

Fragen & Antworten

Wie häufig treten Erkrankungen an den Anastomosen auf?

Obwohl Anastomosen häufig im Körper vorkommen, ist doch die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung sehr gering. Die meisten Erkrankungen können vom Patienten selbst nicht beeinflusst werden, da sie angeboren oder erblich bedingt sind. Den größten Einfluss auf die Entstehung einer Anastomosen-Erkrankung ist im Bereich der Leberzirrhose, denn dort treten sehr oft Ösophagusvarizen auf. Besonders Alkoholiker leiden nach jahrelangem Alkoholmissbrauch oft an einer Leberzirrhose.

Wie werden Krampfadern in der Speiseröhre behandelt?
Die Behandlung von Krampfadern in der Speiseröhre hängt davon ab, ob es sich um eine akute Behandlung oder eine langfristige Behandlung zur Behebung der Erkrankung handelt. Eine akute Behandlung ist dann gefragt, wenn Blutungen in der Speiseröhre auftreten. Die Blutstillung kann durch unterschiedliche Möglichkeiten, wie eine Ballonsonde, die wie eine Kompresse wirkt, oder einer Gummibandligatur, um die Blutung zu stoppen. Auch Verödungen werden teilweise vorgenommen. Langfristig können Krampfader in der Speiseröhre nur behoben werden, wenn die Ursache dafür behoben wird. Das heißt, die portale Hypertension muss behandelt werden. Mittel zur Drucksenkung kommen hierbei zum Einsatz.

Wie kann das Fetofetale Transfusionssyndrom behandelt werden?
Insgesamt gibt es zwei Möglichkeiten das Fetofetale Transfusionssyndrom zu behandeln, die Fruchtwasserentlastungspunktion und die Laserablation. Bei der Fruchtwasserentlastungspunktion wird Fruchtwasser aus der größeren Fruchtblase abgelassen. Damit treten die Wehen vergleichsweise später auf und der unterentwickelte Embryo hat mehr Zeit für seine Entwicklung. Wesentlich sicherer und erfolgreicher ist die Laserablation. Mithilfe eines Lasers werden die vorhandenen Gefäßanastomosen durchtrennt. Ist es möglich, mithilfe des Lasers, alle Gefäßanastomosen zu durchtrennen, ist die Krankheit behoben. Damit der Lasereinsatz möglich wird, wird eine Fruchtwasserspiegelung benötigt, auch Fetoskopie genannt.

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