Venen

Die Venen – Ein Überblick

 

Der menschliche Organismus wird nahezu vollständig von Blutgefäßen durchzogen. Dabei besteht der Blutkreislauf aus insgesamt ca. 90.000 km Venen, Arterien und Kapillargefäßen. Im Folgenden werden wir uns mit den Venen befassen, die das Blut zum Herzen führen. Vollständigkeitshalber sei an dieser Stelle erwähnt, dass Arterien, die hier allerdings nicht näher behandelt werden sollen, das Blut vom Herzen wegführen.

Nach einer kurzen Einleitung und einem Überblick über den Aufbau von Venen und Ihrer Funktion im Blutkreislauf des Menschen, werden wir einen Überblick über die typischen Erkrankungen, Beschwerden und Symptome des Venensystems liefern.

 

Was genau sind Venen?

 

Die Venen sind Blutgefäße im menschlichen Organismus und ein wichtiger Bestandteil des Blutkreislaufs. Ihre Aufgabe im Körperkreislauf besteht im Wesentlichen darin den Rücktransport des sauerstoffarmen Blutes zum Herzen zu bewerkstelligen, damit dieses anschließend wieder im Lungensystem mit Sauerstoff angereichert werden kann. Venen des Lungenkreislaufes transportieren im Gegensatz zum Körperkreislauf allerdings sauerstoffreiches Blut. Aus diesem Grund ist die Pauschalisierung Venen transportieren immer sauerstoffarmes Blut nicht vollkommen zutreffend und bezieht sich nur auf den Körperkreislauf.

 

Die Venen werden aufgrund Ihres deutlich geringeren Blutdrucks im Vergleich zu arteriellen Gefäßen zum Niederdrucksystem des Blutkreislaufs gezählt. Bei den meisten Venen im menschlichen Körper handelt es sich um sogenannte Begleitvenen. Begleitvenen zeichnen sich dadurch aus, dass sie parallel zu ihrer arteriellen Entsprechung verlaufen und ihre Bezeichnung sich an das arterielle Blutgefäß anlehnt. Durch die Bein– und FußMuskulatur wird sowohl der Blutfluss und der Blutdruck in den Venen reguliert. Aus diesem Grund kann die Muskulatur in den unteren Extremitäten auch als natürliche Pumpe der Venen bezeichnet werden.

 

Funktionen und Aufgaben

 

Als elementarer Bestandteil des Gefäßnetzes übernehmen die Venen wichtige Aufgaben im Transport des Bluts. Das Gefäßnetz erinnert dabei an den Aufbau eines Baums, wobei der Stamm des Baums durch die Hauptschlagader (Aorta) gebildet wird. Von der Aorta Gehen zwei dicke Hauptstränge ab, die sich in Arteriolen, kleinere Blutgefäße, aufspalten. Ganz am Ende des arteriellen Blutgefäßsystems befinden sich die kleinsten Gefäße des menschlichen Organismus, die als Kapillaren bezeichnet werden. In diesem klein verzweigten Kapillarnetz findet schließlich der Sauerstoffaustausch statt und die Zellen werden an dieser Stelle mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen versorgt. Nach diesem Austauschprozess vergrößert sich das Kapillarnetz wieder und die so entstehenden größeren Gefäße bezeichnet man als Venolen. Diese immer noch verhältnismäßig kleinen Venolen münden schlussendlich in die Venen, deren Aufgabe es ist das sauerstoffarme Blut über die obere und untere Hohlvene wieder zum Herzen zu transportieren. Aus diesem kurzen Überblick über den Blutkreislauf wird schnell ersichtlich welch übergeordnete, zentrale Funktion die Venen im menschlichen Körper besitzen.

 

Neben dem wichtigen Bestandteil im Blutkreislauf übernehmen die Venen allerdings noch zwei weiter wichtige Aufgaben im menschlichen Körper.

 

Zum einen speichern die Venen einen Großteil des menschlichen Blutes. Der Anteil des in den Venen befindlichen Bluts an der Gesamtmenge wird auf mehr als 80 Prozent taxiert. Die Speicherfunktion der Venen wird auf die hohe Dehnbarkeit der Gefäße zurückgeführt und ist notwendig, da der Mensch im Gegensatz zu Tieren über keinen aktiven Blutspeicher verfügt. Beispielsweise können Hunde ihre Milz als aktiven Blutspeicher verwenden.

 

Darüber hinaus haben Venen eine große Bedeutung bei der Wärmeregulierung des menschlichen Körpers. Auch dies ist auf die sehr gute Dehnbarkeit der Venen zurückzuführen. Venen können durch Ausdehnung Ihre Oberfläche vergrößern und so den Wärmeabtransport erleichtern respektive effektiver gestalten und dadurch bei erhöhten Temperaturen im menschlichen Körper zu einer Abkühlung beitragen.

Zusammenfassend kann man den Venen drei wichtige Funktionen zuordnen:

 

  • Die Venen transportieren das sauerstoffarme Blut aus den Extremitäten zum Herzen zurück.
  • Die Venen fungieren als Blutspeicher des menschlichen Körpers, denn durchschnittlich befinden sich mehr als 80 Prozent des Blutes im Venensystem.
  • Die Venen übernehmen die Regulation des Wärmehaushalts. Sollte der menschliche Körper zu heiß werden, vergrößert sich die Oberfläche des Venensystems, so dass eine Abkühlung bewerkstelligt werden kann.

Daneben bieten Venen einen idealen Zugang für die intravenöse Zufuhr von Medikamenten und Flüssigkeiten sowie für die Blutentnahme zwecks Diagnostik. Aus diesem Grund gehört die Punktion der Venen zu einer der wichtigsten ärztlichen Techniken.

 

Anatomie & Aufbau

 

Der Aufbau der Venen unterscheidet sich grundsätzlich von dem Aufbau der Arterien. Die Wand der Venen ist deutlich dünner ausgestaltet und der grundsätzlich bei Blutgefäßen aufzufindende Schichtenbau ist sparsamer ausgeprägt. An der Venenwand befinden sich neben einer glatten Muskulatur und elastischem Material größere Mengen größere Mengen Kollagenfibrillen. Kollagenfibrillen sind geordnete Polymere im ausgereiften Gewebe, die durchaus viele Mikrometer lang werden können und im Wesentlichen aus dem strukturbildenden Protein Kollagen bestehen.

 

In der Regel verlaufen die meisten Venen parallel zu den gleichnamigen Arterien, allerdings gibt es zahlreiche Ausnahmen. Dies gilt in besonderer Weise bei den Hautvenen sowie den Hirnvenen. Der Vorteil der parallelen Anordnung begründet sich durch die Tatsache, dass die Ausdehnung der Arterie während einer Systole, Anspannung des Herzmuskels, zu einer leichten Kompression der benachbarten Vene führt. Dadurch wird in den Venen durch das System aus Venenklappen der Blutfluss gefördert.

 

Venen können sich abweichend der eingangs beschrieben Struktur unterscheiden. Dieses Phänomen ist auf die Lokalisation der Gefäße zurückzuführen.

 

In den Extremitäten und allgemein in der Körperperipherie besitzen Venen sogenannte Venenklappen. Diese bestehen aus zwei Segeln bestehen und verhindern zudem den Rückfluss des Blutes im Gefäß. In den Beinen besitzend Venen darüber hinaus mehr Muskulatur verglichen mit oberen Körperregionen. In der Nähe des Herzes bestehen Venen überwiegend aus Bindegewebe und besitzen zudem kaum glatte Muskulatur. Hier sind die Dehnbarkeit und die Funktion den Querschnitt zu verändern nicht ausgeprägt. In den Organen mit einem konstanten Blutfluss, wie zum Beispiel dem Gehirn oder der Retina, besitzen Venen keine Muskulatur.

 

Wichtige Venen im menschlichen Organismus

 

Zu den wichtigen und zugleich bekanntesten Venen zählen die obere und die untere Hohlvene. Die beiden Hohlvenen leiten das venöse Blut aus dem Organismus zurück zum rechten Herzvorhof. Dabei transportiert die obere Hohlvene das Blut der meisten Regionen oberhalb des Zwerchfells, während die untere Hohlvene das Blut der unterhalb vom Zwerchfell lokalisierten Regionen des Körpers transportiert. In der Tierwelt werden die Hohlvenen im Gegensatz zum Menschen als vordere respektive hintere Hohlvene bezeichnet.

 

Die Schlüsselbeinvenen sind ein Paar Venen die hinter dem Schlüsselbein lokalisiert sind und das Blut aus den Armen sowie dem Schulterbereich sammeln und ableiten.

 

Die innere Drosselvene ist eine weitere wichtige Vene und ist in Bestandteil des Halses. Sie verläuft parallel zur Halsschlagader sowie der Luftröhre und liegt hinter dem Kopfnickermuskel.

 

Die äußere Drosselvene ist ebenfalls in der Halsregion zu finden und verläuft direkt unter der Haut. Diese Drosselvene sammelt vorwiegend das Blut aus dem Kopf und mündet zusammen mit der inneren Drosselvene, der Schlüsselbeinvene im sogenannten Venenwinkel.

 

Daneben sind einige Venen des menschlichen Körpers nach Ihren Entdeckern benannt. Dazu zählen aufgrund Ihrer hohen klinischen Bedeutung insbesondere die Hunter-Vene, die Cocket-Vene, die Sherman-Vene und die Boyd-Vene.

 

Krankheiten, Beschwerden & Störungen

 

Aufgrund der überaus wichtigen Bedeutung der Venen im Blutkreislauf und somit im menschlichen Organismus hat sich in der Medizin ein eigenes Teilgebiet, die sogenannte Phlebologie, entwickelt, dass sich mit Venenerkrankungen beschäftigt. Die Phlebologie umfasst im Wesentlichen die Diagnostik, Behandlung und Vorbeugung von Erkrankungen und Fehlbildungen der Venen und des gesamten Venensystems. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den unteren Extremitäten und den dort auftretenden Thrombosen. Im Folgenden werden aufgrund der Komplexität und des Umfangs ein paar ausgewählte und vor allem häufig vorkommende Erkrankungen der Venen erläutert werden.

Obwohl Besenreiser im medizinischen Sinne keine Krankheit darstellen, so stellen sie für viele Menschen ein beträchtliches kosmetisches Problem dar. Besenreiser werden als kleine veränderte, direkt in der Oberhaut lokalisierte, sichtbare netz- oder fächerförmige Venen definiert, die oftmals an den Beinen aufzufinden sind. Die Entstehung von Besenreisern kann auf eine erblich bedingte Veranlagung zurückzuführen sein oder in der Folge einer Stauung im Venensystem begründet sein. Bei staubendigten Besenreisern reduziert sich in Folge permanent erhöhten Drucks ihre ursprüngliche Elastizität. Dadurch weiten sich die Venen und können als rot-bläuliche Strukturen optisch wahrgenommen werden.

 

Fallen die gerade erläuterten Besenreiser in größerer Form aus, so werden diese als Krampfadern bezeichnet. Krampfadern stellen im Gegensatz zu den Besenreisern auch ein medizinisches Problem dar. Neben dem häufig unangenehm empfundenen Spannungsgefühl und einem Anschwellen der Beine über den Tag können bei Krampfadern auch zu bleibenden Hautveränderungen führen. Teilweise und in besonders gravierenden Fällen können hartnäckige Geschwüre oder sogar eine Venenthrombose die Folge sein. Symptomatisch kommt es anfänglich zu einem Gefühl schwerer, müder oder schmerzender Beine und einer erhöhten Neigung zur Schwellung der Beine. Diese Symptome sind vor allem nach langem Stehen oder Sitzen zu beobachten und nehmen tendenziell zum Abend sowie bei wärmeren Temperaturen zu. Eine Kühlung oder auch die Hochlagerung der Beine liefert in diesem Stadium in der Regel schnelle Linderung der Beschwerden. Zur Vorbeugung empfiehlt sich, neben einer gesunden Lebensweise, vor allem Ausdauersport wie beispielsweise das Nordic Walking.

 

Eine weitere mögliche Erkrankung der Venen stellt die Venenthrombose dar, bei der sich in der Vene ein Blutgerinnsel bildet und dieses schlussendlich die Vene verstopfen kann. Die Blutgerinnung ist ein normalerweise eine wichtige Funktion des Blutes um nach einer Verletzung die wunde zu schließen und somit ein Verbluten zu verhindern. Leider gerinnt das Blut allerdings manchmal auch ohne dass es erwünscht wäre und die Bildung eines Blutgerinnsels zur Folge hat, so dass der Blutfluss teilweise oder komplett zum Erliegen kommen kann. Bei einer Thrombose wird zwischen der oberflächlichen und der tiefliegenden Thrombose unterschieden. Beide Arten können in der Symptomatik unterschiedlich ausfallen. Eine Thrombose kann dabei auch längere Zeit unbemerkt bleiben, so dass bei einem Verdacht die umgehende Konsultation eines Facharztes notwendig ist. Eine Behandlung findet in der Regel mit blutverdünnenden Medikamenten und Kompressionsstrümpfen oder Ähnlichem statt.

 

Ein venöses Ödem stellt eine weitere Erkrankung der Venengefäße dar, die sich dadurch charakterisieren lässt, dass sich krankhaft Wasseransammlungen in den umliegenden Gewebestrukturen bilden können. Diese können zu einem erhöhten Druckgefühl und Schmerzen an der betroffenen Stelle bemerkbar machen und sind meistens leicht zu erkennen.

 

Eine besonders schwerwiegende Erkrankung der Venen ist die Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI), auch bekannt als chronisch venöses Stauungssyndrom oder chronische Veneninsuffizienz. Oftmals ist die Ursache für diese Erkrankung ein stark erhöhter Venendruck, der zu einer nachhaltigen Veränderung der Venen- und Hautstruktur führt. Als wesentliche Risikofaktoren gelten neben einem erhöhtem Alter vor allem Fettleibigkeit oder eine vorhergegangene Venenthrombose. Die Veränderung der Venen- und Hautstruktur kann als Komplikation während des Krankheitsverlaufes auch zu einem Aufplatzen der betroffenen Hautpartie führen und so zu einer offenen Wunde führen. Da diese Erkrankungen häufig in den Beinen anzutreffen sind wir hier auch von einem „offenen Bein„, fachsprachlich ulcus crusis genannt, gesprochen.

 

Neben den bereits vorgestellten Erkrankungen können sich die Venen zudem entzünden. Oberflächliche Venen sind als schmerzhafte, hochrote und erwärmte Gefäße fühl- und sichtbar und gehen meistens mit einer Schwellung einher. Eine Venenentzündung bezeichnet man fachsprachlich auch als Phlebitis und zieht häufig eine Venenthrombose nach sich, die in jedem Fall von einem Arzt behandelt werden sollte.

 

Typische & häufige Erkrankungen

 

Fragen & Antworten

Wie kann ich Besenreiser oder auch Krampfadern vorbeugen?

 

Die beste Prävention um Besenreiser oder Krampfadern zu vermeiden ist eine ausgewogene, gesunde Ernährung sowie die Betreibung eines Ausdauersports. Als besonders geeignet werden in diesem Zusammenhang das Nordic Walking, das Schwimmen oder das Radfahren empfohlen. Darüber hinaus ist es angezeigt hohe Temperaturen, wie Sie beim Sonnenbaden oder auch einem Saunagang entstehen, zu vermeiden und Wechselduschen oder Kneippsche Wassergüsse anzuwenden. Diese erhöhen die Durchblutung in den Venen und fördern damit die Venengesundheit.

 

Wie erkenne ich eine Thrombose?

 

Eine Thrombose ist für den Laien meist nur schwer zu erkennen. Sollten Sie ein plötzliches Ziehen und unangenehme Schmerzen im Bein verspüren und darüber hinaus ein pralles und schweres Gefühl im Bein vorhanden sein, ist ein sofortiger Arztbesuch notwendig.

 

Welche Möglichkeiten habe ich um Besenreiser zu entfernen?

 

Im Gegensatz zu Krampfadern müssen Besenreiser aus medizinischer Sicht nicht unbedingt entfernt oder behandelt werden und eine Behandlung zu kosmetischen Zwecken übernimmt die gesetzliche Krankenkasse nicht. Allerdings werden insbesondere in den Sommermonaten oder im Urlaub Besenreiser oftmals als störend empfunden und es gibt mehrere ambulante Verfahren mit denen man diese entfernen kann. Dazu zählen vor allem die Verödung, die Laserbehandlung oder das Auftragen spezieller Cremes.

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