Geriatrie

werDie Lehre von Krankheiten im Alter

Behandlung Geriatrie

Die Geriatrie wird auch ALS Altersmedizin oder Altenheilkunde bezeichnet.

 

Dieser Zweig der Medizin beschäftigt sich mit Erkrankungen, Beschwerden und Problemen von alternden Menschen.

 

Dafür werden vor allem medizinische Bereiche wie die Allgemeinmedizin, die Innere Medizin, die Orthopädie, die Neurologie und die Gerontopsychiatrie angewandt.

 

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Geriatrie.

Was ist die Geriatrie?

Die Geriatrie ist ein Medizinzweig, der sich mit der Förderung und Erhaltung der Gesundheit von Senioren beschäftigt. Dafür kommen sowohl vorbeugende und rehabilitative als auch soziale Aspekte von Erkrankungen bei alternden Patienten in Betracht.

 

Die Geriatrie berücksichtigt also vor allem medizinische, psychologische und auch soziale Probleme von älteren Menschen. Sie soll alten Menschen zu einer besseren Lebensqualität verhelfen. Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern γέρων für ALT und ἰατορἰα für Heilkunde zusammen.

 

Die Diagnosen und Behandlungsmethoden werden dabei individuell auf die körperlichen und psychischen Veränderungen, die bei alternden Patienten auftreten, zugeschnitten. Dabei liegt bei den Patienten meistens eine Multimorbidität also eine Mehrfacherkrankung vor.

 

Dieser Zweig der Medizin ist also eine fachübergreifende Disziplin (Interdisziplin), die zu einer Verbesserung von vielfältig verflochtenen Erkrankungen aus diversen medizinischen Zweigen führen soll.

 

Fachärzte für Geriatrie absolvieren nach der Facharztweiterbildung eine zusätzliche Weiterbildung, in dem sie anderthalb Jahre in einer entsprechenden weiterbildungsbefugten Klinik arbeiten.

 

Definition der Geriatrie

 

Die Definition der Geriatrie umfasst diverse Ansätze. So fasst die „Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie“ die Geriatrie in 17 Dimensionen von ärztlichem Tun zusammen. Diese beinhalten:

 

  • Die Wissensmodifikation bei allgemeinen Ärzten
  • Die Multimorbidität (Mehrfacherkrankung)
  • Die Risikoerkennung
  • Senile Demenz
  • Eine Einwilligungsfähigkeit bzw. den Schutz von Rechten
  • Die psychosomatischen Zusammenhänge
  • Die Hierarchisierung
  • Die Rehabilitation
  • Die Unumkehrbarkeit vom Lebensprozess (Irreversibilität)
  • Die Todesnähe
  • Die Gewährleistung einer Weiterversorgung
  • Eine Umfeldbezogenheit und die Arbeit mit Angehörigen
  • Die patientenbezogene Beratung (Konsiliarwirkungen)
  • Die Nutzung verschiedener medizinischer Zweige (Interdisziplinarität)
  • Einen strukturell-organisatorischen Umbruch

 

Diese 17 Dimensionen sind ferner folgenden Gruppen zugeordnet:

 

  • Die speziellen Wissensinhalte
  • Die charakteristischen Formen des Wahrnehmens und des Verstehens
  • Die Identität und das Erleben von der Arbeit mit geriatrischen Personen

 

Die Europäische Definition beschreibt die Geriatrie als eine medizinische Spezialdisziplin, bei der mentale, körperliche, soziale und funktionelle Bedingungen von akuten, chronischen, präventiven und rehabilitativen Behandlungen und Pflegen eingesetzt werden. Die zu behandelnden Personen werden dabei mit einem hohen Gebrechlichkeitsgrad und einer Multimorbidität assoziiert, die eine ganzheitliche Behandlung erfordern.

 

Ursprung & Entwicklung:

Der Begriff Geriatrie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom österreichischen Mediziner Ignatz Leo Nascher geprägt. Als dieser im Jahr 1908 das Lainz-Versorgungsheim in Österreich besuchte, welches in der damaligen Zeit als höchstmodern galt, fiel ihm die niedrige Sterberate der Patienten auf.

 

Ein Arzt erklärte ihm, dass die Bewohner betreut werden, wie Kinder von einem Facharzt für Pädiatrie. So prägte Nascher das Wort Geriatrie in Anlehnung an das Wort Pädiatrie. Während die Pädiatrie so viel wie Kinderheilkunde bedeutet, ist die Geriatrie entsprechend die Heilkunde des dritten Alters.

 

1914 verfasste Nascher dann das Lehrbuch „Geriatrics: The diseases of old age and their treatment“ (zu Deutsch: Geriatrie: Die Erkrankungen vom Alter und deren Behandlung). Ab diesem Zeitpunkt begann auch die geriatrische Entwicklungsgeschichte.

 

1938 gründete der Internist Max Bürger die  „Deutsche Gesellschaft für Altersforschung“ und etwa 20 Jahre später öffnete auch die erste Fach- und Rehabilitationsklinik für Geriatrie in Hofgeismar ihre Pforten. Die Definition der WHO erfolgte 1989.

 

Funktion, Wirkung & Ziele – Behandlungen & Therapien

 

 

Die Geriatrie beschäftigt sich mit Erkrankungen, die typischerweise im Alter auftreten. Diagnosen und Therapien sind dabei auf alternde Menschen zugeschnitten. Gerontologen bedienen sich vieler unterschiedlicher Medizinzweige wie etwa der Orthopädie, Neurologie oder der inneren Medizin.

 

Je nach Schweregrad und Erkrankungen sind für die Gesundheitsförderung der Patienten andere Schritte nötig. Dieser Medizinzweig zielt jedoch stets auf die bestmögliche Erhaltung der Gesundheit und Selbstständigkeit der Patienten ab. Der Behandlung geht aufgrund der möglichen Multimorbidität stets eine gründliche Untersuchung voran.

 

Bei alternden Menschen treten Gesundheitseinbüße meistens in folgenden körperlichen Funktionen ein:

  • Hören
  • Sehen
  • Bewegen
  • Gehirnleistung

 

Mit dem Alter nimmt in der Regel die Gedächtnisleistung zunehmend ab und de Multimorbidität zu. Daher bringt die Behandlung von Senioren auch Besonderheiten mit sich. Die Vielfacherkrankungen, die speziellen Beschwerdebilder und die diversen Syndrome müssen berücksichtigt werden.

In der Literatur werden die möglichen Syndrome in der Geriatrie als die „Geriatrischen I’s“ bezeichnet:

 

  • Die Immobilität
  • Die Inkontinenz
  • Die Instabilität
  • Die Insomnie
  • Der Intellektueller Abbau
  • Die Isolation
  • Die Impotenz
  • Das Irritables Kolon
  • Die Immundefizite
  • Impecunity (Armut)
  • Impaired eyes and ears (Presbyopie und Presbyakusis)
  • Iatrogen bedingte Störungen

 

Durchführung & Wirkungsweise:

 

Da die Geriatrie eine Vielzahl an unterschiedlichen Behandlungsmethoden umfasst, sind auch die jeweiligen Durchführungen und Wirkungsweisen anders. Allen Behandlungen geht jedoch eine gründliche Diagnose voraus. Das sogenannte geriatrische Assessment ist daher ein sehr wichtiger Schritt dieses Medizinzweigs.

 

Um möglichst alle möglichen Erkrankungen des Patienten erfassen und demnach bestmöglich behandeln zu können, müssen alle möglichen Ursachen hierfür erkannt werden. Nur so ist es möglich, eine angemessene Behandlung anzuordnen. Wird ein Symptom einer falschen Erkrankung zugeordnet bzw. werden nicht alle Auslöser erkannt, die die Beschwerden ausgelöst haben, kann die Therapie nämlich zu einer Verschlimmerung des Gesundheitszustands führen.

 

Hilft bei:

Die Geriatrie hilft bei diversen Erkrankungen und Beschwerden, die typischerweise im Alter auftreten.

 

Dazu zählen:

 

 

Die Geriatrie beschäftigt sich zudem mit der Behandlung und dem gerechten Umgang mit Alterssyndromen. Als Syndrom werden gleichzeitig auftretende Symptome und / oder Merkmale diverser Erkrankungen bezeichnet.

 

Ein Alterssyndrom ist also eine Anhäufung von vielen Einzelsymptomen, deren Kombination typisch für diese Altersgruppe ist, dessen Ursache aber in unterschiedlichen Krankheiten gleichzeitig liegen kann. Typischerweise ist der Verlauf dabei schleichend. Daher kommt es einerseits zur Gewöhnung an den Zustand und andererseits zu unterschiedlichen Strategien für die Bewältigung (Coping).

 

Alterssyndrome sind:

 

  • Ein Abbau der Intelligenz durch diverse Demenzarten
  • Störungen der Hirnleistung mit einer zunehmenden Einschränkung der Sinne (Hören, Sehen, Tasten, Geschmack, Gleichgewicht und Durstgefühl)
  • Instabilität und eine zunehmende Gefahr des Stürzens (z. B. durch einen Schlaganfall)
  • Inkontinenz (Blase und Darm)
  • Exsikkose (ein allmählicher Verlust und / oder Abbau der Gewebsflüssigkeit)

 

Durch die Kombination der diversen Erkrankungen und Syndrome wird es für geriatrische Personen zunehmend schwieriger, alltägliche Aufgaben zu bewältigen. Idealerweise sollte bereits bei den ersten Anzeichen eine ausführliche Diagnose erfolgen und ein Therapieplan entwickelt werden. Das ist wichtig, da schon eine kleine Verschlimmerung zu einer sogenannten Dekompensation führen kann, bei der der Organismus des Patienten die Fehlfunktion nicht mehr ausgleichen kann.

 

Die Geriatrie fördert und stärkt:

 

Das Ziel der Geriatrie ist, die Senioren ganzheitlich zu behandeln, um folgende Bereiche so gut wie möglich zu fördern, zu erhalten und / oder wiederherzustellen:

 

  • Die Gesundheit und das Wohlbefinden
  • Die Selbstständigkeit
  • Die Mobilität
  • Die körperliche und geistige Vitalität

 

Diagnose & Untersuchungsmethoden

 

Da bei geriatrischen Personen viele Erkrankungen gleichzeitig auftreten können, ist eine sorgfältige Diagnose äußerst wichtig. Die Krankheiten weisen oftmals ähnliche Symptome und Merkmale vor, sodass es leicht zu Fehldiagnosen kommen kann. Eine falsche Behandlung kann jedoch verheerende Folgen haben. Daher ist eine detaillierte Untersuchung unabdingbar.

 

Dafür bedient sich die Geriatrie zum Beispiel dem sogenannten geriatrischen Assessment. Hierbei werden sämtliche Symptome erfasst, damit die Behandlung nicht zu einer Verschlimmerung führt. Die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung richtet sich an Patienten, die wegen akuten Leiden nicht für Rehakliniken geeignet sind.

 

Das geriatrische Assessment:

 

Beim geriatrischen Assessment werden ungeklärte Symptome schrittweise abgeklärt, damit keine Schädigungen oder Wechselwirkungen der Organe bzw. der Organsysteme auftreten oder übersehen werden.

 

Behandlung GeriatrieHierbei sollen medizinische, psychische, soziale und funktionelle Einschätzungen des Patienten vorgenommen werden. Idealerweise handelt es sich dabei um einen mehrdimensionalen interdisziplinären Prozess.
Der Zustand des Patienten wird dafür mithilfe von geeigneten psychischen, kognitiven, emotionalen, ökonomischen und sozialen Tests eingeschätzt.

 

Das Assessment findet bei geriatrischen Personen mit Gebrechlichkeit (wie z. B. Inkontinenz, Mobilitätsverluste oder Mangelernährung) und anderen starken Beeinträchtigungen (wie z. B. Terminalstadien von Erkrankungen oder Demenz) statt. Patienten über 75 Jahren sollten aber grundsätzlich eine Solche Beurteilung in Erwägung ziehen.

 

Das Ziel vom geriatrischen Assessment ist eine ganzheitliche Hilfe des Patienten, die an die besonderen Lebensbedingungen von alten Menschen und deren Erkrankungen angepasst ist. Erfolge, die in der Klinik erreicht werden, sollten wenn möglich auch im alltäglichen Umfeld des Patienten erhalten und weiter fortgeführt werden können.

 

Bei den Untersuchungen werden folgende Schritte berücksichtigt:

 

  1. Screening: Mittels eines standardisierten Fragebogens werden die Patienten nach Beschwerden oder Leistungseinbüßen im Bereich des Hörens, Sehen, der Beweglichkeit der Arme und Beine, Harn- und Stuhlinkontinenz, kognitive Leistungsfähigkeit, Ernährung, emotionales Befinden, soziale Unterstützung und diverse Aktivitäten erfragt. Wenn es Problembereiche gibt, folgt ein umfassenderes geriatrisches Assessment. Beim Screening ist mit einem Zeitaufwand von ca. fünf bis zehn Minuten zu rechnen.
  2. Basis-Assessment: Hierbei handelt es sich um den eigentlichen Test. Er besteht aus Bestimmungen von: dem Barthel-Index, dem Mini-Mental-Status-Test (Gedächtnistest nach Folstein), dem Yesavage Depressionstest (GDS), dem Tinetti Mobilitätstest, einem Sozialfragebogen, dem Timed up and go test, einem Uhren-Zeichen-Test und einer Handkraft-Messung. Beim Basis-Assessment ist mit einem Zeitaufwand von ca. 30 Minuten zu rechnen.

 

Werkzeuge vom geriatrischen Assessment:

Das geriatrische Assessment setzt nach Möglichkeit standardisierte Tests ein, welche reproduziert werden können. Das gewährleistet die Objektivierbarkeit und somit eine gute Kommunikation zwischen dem behandelnden Arzt, dem Patienten und seinen Angehörigen. Dafür werden unter anderem folgende Werkzeuge eingesetzt:

  • ADL-Score (misst die Alltagskompetenz)
  • IADL-Skala nach Lawton und Brody (erfasst die Alltagskompetenz)
  • Barthel-Index (erfasst die grundlegenden Alltagsfunktionen)
  • Mini Mental State Examination (MMSE) (psychometrisches Testverfahren)
  • Syndrom Kurz Test (SKT) (psychometrisches Testverfahren um einer Demenz zu beurteilen)
  • Uhrentest (erfasst die Visuokonstruktion-Fähigkeit)
  • Geriatrische Depressionsskala (GDS) (misst den Grad der Depression)
  • Timed „Up and Go“-Test (beurteilt die Mobilität und das Sturzrisiko)
  • Tinetti-Test (beurteilt die Mobilität und das Sturzrisiko)
  • Beurteilung der Handkraft

Risiken der Geriatrie:

 

  • Symptomgleichheit
  • Fehldiagnosen

 

Da bei der Geriatrie zahlreiche Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten in Betracht kommen, sind auch die Risiken vielfältig. Als Medizinzweig an sich ist jedoch vor allem die Gefahr von Fehldiagnosen, Wechselwirkungen oder dem Übersehen von Erkrankungen groß.

 

Werden bei der Diagnose nicht alle möglichen Ursachen bedacht, kann die gewählte Therapie kontraproduktiv sein und somit zu einer verheerenden Verschlechterung der Gesundheit des Patienten führen.

Gegenanzeigen & Wechselwirkungen:

 

  • Je nach Erkrankung bzw. Therapie unterschiedlich

 

Da bei der Geriatrie viele Erkrankungen berücksichtigt und zahlreiche Therapien eingesetzt werden, gibt es auch zahlreiche mögliche Gegenanzeigen und Wechselwirkungen. Allerdings setzt diese Behandlungsmethode, genau hierbei an: Es soll die bestmögliche Therapie gewählt werden, sodass das Risiko von Kontraindikationen und Nebenwirkungen möglichst ausgeschlossen werden kann.

 

Wer behandelt?

Die Gerontologie ist interdisziplinär, hierbei ist also eine Kombination vom Fachwissen aus diversen Zweigen der Medizin nötig. Ärzte und Therapeuten arbeiten gemeinsam, um ihren Patienten eine möglichst gute Lebensqualität und die besten Chancen auf Gesundheit zu gewährleisten.

 

Der Geriater

Geriater sind aktiv an der Altersheilkunde beteiligt, während sich die sogenannten Gerontologen mit der Forschung der Leiden im Alter beschäftigen.

Behandlung GeriatrieGeriater sind also die behandelnden Mediziner. Nach dem Medizinstudium erwerben sie eine Facharztausbildung und eine 18-monatige Zusatzqualifikation in einer klinischen Geriatrie.
Geriater haben im Gegensatz zu anderen Fachärzten ein äußerst breites und fachübergreifendes Wissen. Sie nutzen dieses um eine ganzheitliche Therapie einschätzen, verordnen und durchführen zu können.

 

Geriater müssen nicht nur alle möglichen Symptome bedenken und untersuchen, sie benötigen auch viel Verständnis und Mitgefühl für den Patienten.
Die Senioren leiden womöglich an Demenz oder ähnlichem, weshalb sie oftmals nicht kooperieren können.

 

Der Geriater übernimmt die Leitung der geriatrischen Klinik und arbeitet eng mit dem ganzen Team zusammen. Für die bestmögliche Behandlung ist nämlich ein ausführlicher Informationentausch unabdingbar.

 

 

Fazit

 

Die Geriatrie ist ein äußerst wichtiger und komplexer Zweig der Schulmedizin. Sie befasst sich mit den funktionellen, physischen, sozialen und psychischen Aspekten von Senioren sowie deren medizinischer Betreuung. Geriater nehmen behandelnde und vorbeugende Maßnahme vor um akute und chronische Erkrankungen zu behandeln bzw. zu vermeiden.

 

Hierbei müssen viele Aspekte berücksichtigt und Behandlungen sorgfältig abgewägt werden. Daher ist auch eine gründliche Diagnosestellung bei der Geriatrie unabdingbar. Die Therapie soll letztendlich zum bestmöglichen Erhalt der Gesundheit und Selbstständigkeit der Patienten führen.

 

 

 

 

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