Quecksilber

Auch bekannt als: Hg
Bezeichnung: Quecksilber in Blut und Urin
Ähnliche Tests: Blei


Auf einen Blick

Warum wird Quecksilber in Blut oder Urin untersucht?
Bei Verdacht auf eine akute oder chronische Quecksilberintoxikation bzw. im Rahmen von beruflichen Vorsorgeuntersuchungen.

Bei welchen Erkrankungen oder Symptomen soll Quecksilber untersucht werden?
Bei Symptomen einer Quecksilbervergiftung, zur Bewertung einer bekannten Aufnahme von Quecksilber und zur Überwachung einer berufsbedingten oder durch andere Ursachen bedingte Exposition mit Quecksilber.

Aus welchem Probenmaterial wird eine Quecksilberbestimmung durchgeführt?
Aus einer venösen Blutprobe (üblicherweise aus einer Armvenenpunktion). Ggf. ist auch eine Urinuntersuchung sinnvoll.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?
Die Bestimmung der Quecksilberkonzentration im Blut erfolgt aus venösem Blut, das mit Lithium-Heparin oder EDTA antikoaguliert wurde. Die vergleichende Untersuchung in Plasma und Vollblut gibt Hinweise auf die chemische Zusammensetzung des aufgenommen Quecksilbers: Der überwiegende Teil des organischen Quecksilbers reichert sich in den Erythrozyten an, während anorganisches Quecksilber vor allem im Plasma gefunden wird.

Zusätzlich kann auch die Quecksilbermenge, die im Urin über 24 Stunden abgegeben wird, gemessen werden. Alternativ kann eine Konzentration im einmalig entnommenen Spontanurin auf das Urin-Kreatinin bezogen und mit entsprechenden Referenzbereichen verglichen werden.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Üblicherweise wird venöses Blut aus einer Armvenenpunktion gewonnen. Für die Messung der Quecksilberkonzentration im Urin wird das Probenmaterial in den meisten Fällen entsprechend den Standardbedingungen, wie sie auch für die Kreatinin-Clearance gelten, über 24 h gesammelt. Ein Zusatz zum Urin ist nicht erforderlich. Der Anforderer wird ein Aliquot des Sammelurins in einem Plastikröhrchen zusammen mit der dokumentierten Sammelzeit und Sammelmenge an das Labor schicken. Alternativ zur Urinsammlung kann auch eine einmalig entnommene Urinprobe ohne Angabe der Urinmenge zur Analyse verwendet werden. Hier wird die Quecksilberkonzentration aus Normierungsgründen auf das  Urin-Kreatinin bezogen und entsprechend bewertet. Organische Quecksilberverbindungen lassen sich in der Regel im Urin im Gegensatz zu metallischen oder anorganischen Verbindungen nicht nachweisen. Selten werden auch andere Materialien wie Haare, Muttermilch oder Nägel für eine Untersuchung herangezogen. Problematisch ist in diesen Fällen vor allem die fehlende Standardisierung.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?
Bei diesem Test wird die Quecksilberkonzentration bzw. Quecksilbermenge im Blut, Urin oder (selten) in den Haaren untersucht. Es soll somit die Frage geklärt werden, ob ein Patient einer überdurchschnittlichen Menge Quecksilber akut oder chronisch ausgesetzt war.

Quecksilber kommt in drei Zuständen vor: Als elementares Metall (flüssig oder als Quecksilberdampf), in anorganischen Verbindungen (Quecksilbersalze) und in einer Reihe von organischen Verbindungen (am häufigsten als Methyl-Quecksilber). Quecksilber wird durch Erosion aus Gestein oder dem Erdboden natürlicherweise oder durch den Menschen freigesetzt, z. B. bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen oder bei der Müllverbrennung. Deshalb sind kleine Mengen dieses Schwermetalls überall in der Umwelt zu finden. Der Mensch nimmt Quecksilber über die Lunge, über die Haut oder über die Nahrung auf. Für die Mehrheit der Bevölkerung hat die geringe Menge Quecksilber, die in der Umwelt vorhanden ist, keine gesundheitlichen Folgen.

Insbesondere in bestimmten Berufsgruppen sind Menschen jedoch unter Umständen sehr großen Mengen Quecksilber ausgesetzt, entweder akut (z. B. als Bestandteil auf Giftmüllhalden) oder chronisch (z. B. als berufsbedingtes Hantieren mit Schwermetallgemischen). Dabei bestimmt die genaue Quecksilberverbindung, deren Konzentration und die Zeitdauer der Exposition die aufgenommene Menge an Quecksilber und die entstehenden gesundheitlichen Folgen. Z. B. wird von einer oral aufgenommenen Menge an elementarem Quecksilber nur ca. 0,01% vom Körper aufgenommen. Wird hingegen die gleiche Menge Quecksilber in Form von Dampf inhaliert, nimmt der Körper bis zu 80% der Gesamtmenge auf. Handelt es sich um Methyl-Quecksilber als Beispiel für eine organische Quecksilberverbindung (in Seefisch oder anderen Meeresfrüchten) wird über den Magen-Darm-Trakt sogar bis zu 95% der ingestierten Menge aufgenommen. Aus diesem Grund ist der Genuss von Fisch aus kontaminierten Gewässern äußerst gesundheitsschädlich.

Nach der Resorption wird Quecksilber in einer Reihe von Organen, vor allem im Butkompartiment (Erythrozyten), in den Nieren und im Zentralnervensystem gespeichert. Das aufgenommene Quecksilber beeinträchtigt die Funktion von Enzymen und anderen Proteinbestandteilen der Zellen. Der Körper ist jedoch in der Lage, Quecksilber über den Stuhl und den Urin wieder auszuscheiden. Wenn jedoch größere Mengen aufgenommen werden, kann dies zu einer akuten oder chronischen Intoxikation führen, da die Eliminationskapazität erschöpft ist.

Da Quecksilber von der schwangeren Mutter auf ihr ungeborenes Kind übertritt, können erhöhte Quecksilberwerte im Körper der Mutter sowohl die Entwicklung des Fetus als auch dessen Nieren, Nerven und Gehirn schädigen. Auch nach der Geburt kann eine Quecksilberbelastung der Mutter immer noch über die Muttermilch den Säugling beeinträchtigen.

Immer wieder wurde und wird auch die Amalgamfüllung der Zähne mit Quecksilbervergiftungen in Verbindung gebracht. Der wissenschaftliche Beweis für diese Theorie ist bisher nicht erbracht worden. Die Untersuchung dieser Form der Quecksilberbelastung mittels Kaugummi gilt als unzuverlässig.

Es können mehrere Proben gesammelt und ausgewertet werden:

  • Blut wird häufig zum Nachweis einer erhöhten Quecksilberbelastung herangezogen. Das Verhältnis der Quecksilberkonzentration im Vollblut im Vergleich zum Plasma gibt Hinweise auf die Art der zugrundeliegenden Quecksilberverbindung.
  • Im Urin lassen sich elementares (metallisches) Quecksilber sowie anorganische Quecksilberverbindungen nachweisen. Organische Verbindungen wie Methyl-Quecksilber lassen sich durch eine Urinuntersuchung jedoch in der Regel nicht nachweisen.
  • In Haaren lässt sich eine Methyl-Quecksilber-Exposition nachweisen, die schon mehrere Monate zurückliegt. Diese Methode ist technisch aufwendig sowie schlecht standardisiert und wird daher praktisch selten angewandt.
  • Obwohl nicht routinemäßig durchgeführt, ließe sich Quecksilber auch in Nägeln, Muttermilch, Ausatemluft und im Stuhl nachweisen.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Dieser Test kann bei Patienten angefordert werden, welche Symptome einer Quecksilbervergiftung zeigen. Akute Symptome einer oralen Vergiftung mit anorganischen Verbindungen beinhalten: Verätzungen im Magen-Darm-Trakt mit Brennen, blutigem Erbrechen und Elektrolyt- sowie Flüssigkeitsverschiebungen oder eine verminderte Urinausscheidung aufgrund einer akuten Niereninsuffizienz. Symptome bei akuter Vergiftung mit Quecksilberdämpfen bestehen unter anderem aus: Fieber, Kopfschmerzen, Bronchitis oder den Zeichen einer akuten, respiratorischen Insuffizienz.

Patienten mit chronischer Quecksilberbelastung können relativ unspezifische Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, abdominelle Schmerzen zeigen. Hinweisend können Symptome wie Veränderungen des Nagel- und Haarkolorits, eine verstärkte Salivation oder ein Metallgeschmack sein. Nach chronisch-inhalativer Aufnahme kann es zu den klassischen neurologischen Symptomen wie Polyneuropathie und Übererregbarkeit kommen.

Was bedeutet das Testergebnis?
Erhöhte Quecksilberwerte signalisieren eine erhöhte Exposition mit diesem Schwermetall. Normale Quecksilberspiegel in Blut oder Urin legen nahe, dass der Betroffene keiner stark erhöhten Menge Quecksilber ausgesetzt war, zumindest nicht in der feststellbaren Zeitspanne. Ggf. können Wiederholungsuntersuchungen sinnvoll sein.

Erhöhte Quecksilberwerte in Haarproben können eine länger zurück liegende Belastung mit Methyl-Quecksilber aufdecken, wenngleich diese Form der Untersuchung selten angewandt wird, da es immer noch Probleme bei der Standardisierung dieses Testes gibt und Haare vielen das Testergebnis beeinflussenden Faktoren ausgesetzt sind (Behandlung mit Haarfärbemitteln, Bleichmitteln, Shampoo etc.).

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
In den letzten Jahren wurde eine Reihe von Messungen durchgeführt, um die Belastung der Bevölkerung mit Quecksilber reduzieren und kontrollieren zu können. Strengere Regelungen und Maßgaben haben die Quecksilberexposition in Luft, Wasser, Boden und am Arbeitsplatz reduziert.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport:
Die Quecksilberkonzentration im Vollblut und Urin ist bei Raumtemperatur längere Zeit stabil.
Die Bestimmung sollte aus Blut erfolgen, das mit Lithium-Heparin oder EDTA als Antikoagulanz versetzt ist. Das Konzentrationsverhältnis Vollblut zu Plasma kann Hinweise auf die Art der Quecksilberverbindung erbringen.

Die Urindiagnostik erfordert entweder eine Sammlung über 24 h (entsprechend den Standardbedingungen der Bestimmung der Kreatinin-Clearance) oder eine Spontanurinprobe mit Bezug auf das Urinkreatinin (mg Quecksilber / g Kreatinin-Urin). Stabilisierende Zusätze zur Urinprobe sind nicht erforderlich.

Referenzbereiche (Erwachsene)

Quecksilberkonzentration im Vollblut: < 5 µg / l (25 nmol / l)
Quecksilberkonzentration im Urin: < 10,5 µg / 24 h (52 nmol / 24 h)
< 5 mg / g Kreatinin (25 nmol / g Kreatinin)

Quotient Vollblut / Plasma

Hinweis auf anorganische Quecksilberintoxikation < 2
Hinweis auf organische Quecksilberintoxikation 10 – 20

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten

Probenmaterial
Die Blutkonzentration von Quecksilber sollte bei Verdacht auf eine Beteiligung organischer Verbindungen im Rahmen einer Intoxikation aus Vollblut erfolgen. Organische Quecksilberverbindungen binden vor allem an Proteine der Erythrozyten. Im Plasma reichern sich vor allem anorganische Quecksilberverbindungen an.

Spezielle Untersuchungsmaterialien
Wie auch bei der Bleibestimmung sind die Quecksilberbestimmungen aus Blut und Urin problematisch im Hinblick auf eine dauerhafte, niedrig-schwellige, aber erhöhte Exposition. Haare und andere, spezielle Körpermaterialien sind hier grundsätzlich geeignet. Die Methodik ist jedoch bisher nicht ausreichend standardisiert. Außerdem ist die technische Durchführung sehr aufwendig.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Für die Bestimmung von Quecksilber gibt es derzeit keine externe Qualitätskontrolle entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK). Externe Ringversuche werden angeboten.


Häufige Fragen

Was ist Thiomersal?
Thiomersal ist eine organische Quecksilberverbindung, welche in geringen Mengen als Konservierungsmittel in manchen Impfstoffen Verwendung findet. Obwohl bisher keine sicheren Hinweise auf eine Schädigung von Kindern oder Erwachsenen vorliegen, wird die verwendete Konzentration von den Herstellerfirmen zunehmend reduziert bzw. die Quecksilberkomponente vollständig entfernt.

Enthalten manche Zahnfüllungen Quecksilber?
Ja. Amalgam besteht zu ca. 50% aus elementarem Quecksilber. Es gibt Theorien, die besagen, dass die geringe Menge an Quecksilber, welch durch Kauen freigesetzt wird, ausreicht, um die Gesundheit zu beeinträchtigen. Die meisten Gesundheitsorganisationen halten die Verwendung von Amalgam nach der momentanen Datenlage jedoch für ungefährlich. Einige Länder haben als Vorsichtsmaßnahme die Benutzung von Amalgam eingeschränkt.

 

AWMF Leitlinien, Arbeiten unter Einwirkung von Quecksilber und seinen Verbindungen:
https://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/002-003.htm

Liste der Vergiftungszentralen in Deutschland: https://www.medknowledge.de/patienten/notfaelle/vergiftungszentralen.htm

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