Schwangerschaftsvergiftung (Gestose)

SchwangerschaftsvergiftungBei der Schwangerschaftsvergiftung handelt es sich nicht wirklich um eine Vergiftung. Darüber hinaus ist auch der Begriff der Schwangerschaftsvergiftung selbst eher missverständlich. Vielmehr handelt es sich um Einen Sammelbegriff für mögliche Krankheiten, die im Laufe der Schwangerschaft auftreten können. Auch Gestose genannt.

Vor einigen Jahrzehntn endete dieses Leiden oft mit dem Tod der Mutter oder dess Kindes. Diese Zeiten sind jedoch glücklicherweise vorbei und es kann heutzutage gute und effektive Hilfe geleistet werden. Der Schulmedizin sei Dank.

Nichtsdestotrotz sollte man diese Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen und selbst bei kleinen Verdachtsmomenten medizinischen Rat einholen.

Was genau versteht man unter einer Schwangerschaftsvergiftung?

Bei einer Schwangerschaftsvergiftung, die auch als „Gestose“ bezeichnet wird, handelt es sich, anders als der Namen vermuten lässt, nicht um eine Vergiftung im klassischen Sinne. Die Bezeichnung an sich ist obsolet und beruht auf Missverständnissen. Sie wird lediglich im Volksmund weiterhin benutzt. Im medizinisches Fachjargon wurde das Wort Schwangerschaftsvergiftung längst ersetzt.

Früher nahm man an, dass eine Schwangerschaft, insofern sie nicht optimal verlief, zu einer Vergiftung der werdenden Mutter führen könne. Das ist aus heutiger Sicht schlicht Unsinn. Eine Schwangerschaft ist kein toxischer Prozess und begünstigst auch keine toxischen Prozesse im Körper.

Vielmehr sollte man das vorliegende Leiden als eine Art Anpassungsstörung begreifen. Der Körper der Schwangeren hat Probleme sich voll und ganz auf die neuen Umstände einzustellen.

Dennoch ist auch der Begriff „Gestose“ eher uneindeutig. Hierbei handelt es sich lediglich um einen Sammelbegriff für in der Schwangerschaft auftretende Krankheiten. Dazu gehören beispielsweise Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes), die berühmte morgendliche Übelkeit in der Frühphase, hoher Blutdruck uvm.

Die Schwangerschaftsvergiftung selbst dagegen ist ein eher spät auftretendes Phänomen. Für gewöhnlich stellt sie sich nicht vor dem 5. Monat der Schwangerschaft ein. Jedoch kann es in Ausnahmefällen auch vorkommen, dass sie bereits früher auftritt. Nichtsdestoweniger sollte dies jedoch nicht der Fall sein.

Selbst in unseren medizinisch gut versorgten Breitengraden kann eine Schwangerschaftsvergiftung immer noch als eine der häufigsten Ursachen für eine Fehlgeburt angesehen werden. Darüber hinaus ist ebenso das Leben der Mutter potentiell gefährdet. Dadurch sollte man sich dennoch nicht verunsichern lassen. Das Vorkommen dieser Krankheit ist mit 3% nicht sonderlich hoch. Trotzdem empfehlen sich regelmäßige Arztbesuche während der Schwangerschaft, um ggf. in der Lage zu sein, diese Krankheit frühzeitig zu erkennen.

Bewohnerinnen weniger entwickelter Regionen, erliegen diesem Leiden oft vor oder während der Geburt. Etwa zwischen 20.000 und 100.000 Frauen weltweit teilen dieses Schicksal.

Welche Ursachen liegen einer Schwangerschaftsvergiftung zugrunde?

Die genauen medizinischen Hintergründe rund um das Entstehen einer Gestose sind der Forschung noch nicht bekannt. Jedoch wurden in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt und es gelang der Fachwelt zumindest einige Risikofaktoren klar eingrenzen zu können. Nichtsdestoweniger sollte man sich keine Illusionen machen und sich darüber im Klaren sein, dass aufgrund des mangelnden Hintergrundwissens keine Therapie direkt auf die Ursachen abzielen kann, sondern man mehr oder weniger „nur“ versucht die Symptome zu heilen.

Wie so oft vermutet man hinter dieser Erkrankung eine Schwächung oder Störung des Immunsystems. Wie und wieso diese genau ausgelöst wird, ist jedoch noch unbekannt. Zur Zeit hängt die Forschung der Theorie an, dass Störungen bei der Entwicklung der Plazenta etwaig hierfür verantwortlich zu machen sind. Ob dem so ist, gilt es in den nächsten Jahren zu bestätigen oder zu widerlegen.

Wie dem auch sei, lassen sich dennoch einige Risikogruppen benennen. Zu diesen gehören u.a.:

  • Übergewicht: Werdende Mütter, die bereits vor der Schwangerschaft an Übergewicht litten, sind häufig anfälliger für eine Gestose. Dies liegt daran, dass das Immunsystem schon von vorneherein geschwächt ist. Auch gilt es, dass man während der Schwangerschaft zwar ausreichend, aber nicht zu viel isst. Denn auch Übergewicht, das während dieser Zeit erworben wird, kann das Entstehen einer Gestose begünstigen.
  • Erbliche Vorbelastung: Personen, die in ihrem familiären Umfeld eine Häufung von Gestosen vorzuweisen haben, sollten sich darüber im Klaren sein, dass auch sie selbst damit einer Risikogruppe angehören. Das heißt, dass man durchaus nichts verkehrt macht, wenn man sich vor Beginn der geplanten Schwangerschaft oder in deren Frühphase bei Mutter, Großmutter, Tanten usw. umhört, ob diese ggf. von einer Schwangerschaftsvergiftung betroffen waren. Diese Information kann später auch für den behandelnden Arzt sehr nützlich sein.
  • Alter: Sehr junge ebenso wie sehr alte Mütter gehören ebenso zu einer potentiell stärker gefährdeten Personengruppe. Man geht davon aus, dass Schwangerschaften zwischen dem 14 und 18 Lebensjahr (ggf. auch früher als 14), besonders häufig eine Gestose bedingen. Aber auch Schwangerschaften von Frauen über 40 gelten als risikoreich, was Gestosenbildung und vieles mehr anbetrifft.

Welche Symptome können auftreten?

Da die Schwangerschaftsvergiftung keine an sich geschlossene, einzelne Krankheit darstellt, sondern es sich um mehrere Krankheiten handelt, die unter diesem Begriff zusammengefasst wurden, sind auch die Symptome und Anzeichen sehr zahlreich und variabel. Darüber hinaus verlaufen kaum zwei Gestosen gleich ab. Das heißt, dass die Varianz von Fall zu Fall und von Betroffener zu Betroffener zudem zunimmt. Nichtsdestoweniger lassen sich einige Anzeichen benennen, gleichwohl diese nicht immer sonderlich distinktiv sind und ebenso als Symptome für andere Krankheiten zu interpretieren wären.

  • Kopfschmerzen: Leidet eine Schwangere oftmals, trotz ausreichender Flüssigkeitszufuhr, unter starken Kopfschmerzen, so kann dies ein Indikator für eine etwaige Schwangerschaftsvergiftung sein. In aller Regel stellen sich die oft migräneartigen Kopfschmerzen ein, da der Körper aufgenommene Flüssigkeiten nicht effizient umlagern kann und es somit zu leichten Formen der Dehydration kommt. Auf jeden Fall ist ein Arztbesuch in diesem Falle zu empfehlen. Darüber hinaus kann auch ständiger Durst ein Hinweis auf die vorliegende Erkrankung sein.
  • Leber- und Nierenschmerzen: Auch Schmerzen in Leber und Niere können auftreten und zudem als Indikator für eine mögliche Gestose fungieren. Die Gründe hierfür sind ähnlich den o.g.. Denn auch Leber und Niere brauchen Wasser, um schmerzfrei und gut funktionieren können. Dies ist bei einer Schwangerschaftsvergiftung nicht immer garantiert.
  • Nervenschäden: Bisweilen kann es auch zu Schädigungen des Nervensystems kommen. Diese drücken sich dann entweder in Sehstörungen oder Taubheit der Finger aus. Auch temporärer Verlust des Geruchs- und / oder Geschmackssinnes können einen solchen Nervenschaden verursachen.
  • Krampfanfälle: Bei besonders schweren Fällen kann es zu Krampfanfällen kommen. Diese können sowohl für Leib und leben der Mutter als auch des Kindes bedrohlich sein. Es sollte in jedem Falle sofort ein Notarzt gerufen werden, um das Leben von Mutter und Kind zu sichern. Krampfanfälle können darüber hinaus Fehlgeburten oder Behinderungen im Kind auslösen.

Wie diagnostiziert man eine Schwangerschaftsvergiftung und wie verläuft sie?

Zu Diagnosezwecken muss der behandelnde Arzt, zumeist ein Gynäkologe, sich zuvörderst mit der Krankengeschichte der Patientin auseinandersetzen. Denn oftmals ist es erfahrenen Ärzten möglich, dass sie bereits grundsätzlich richtige Diagnosen aufgrund von Gesprächen und gezieltem Fragen stellen können. So wird der zuständige Mediziner in diesem Falle in Erfahrung bringen wollen, ob:

  1. erbliche Vorbelstungen vorliegen. D.h. ob Mutter, Großmutter oder sonstige nähere Verwandte nachweislich an einer Gestose litten.
  2. sensorische Einschränkungen während der Schwangerschaft ausgebrochen sind oder sich verstärkt haben. Dazu zählen Taubheit der Glieder, Sehstörungen, Geruchs- und Geschmacksbehinderungen.
  3. es in der Familie Fälle von Bluthochdruck gibt oder man selbst daran leidet.
  4. ungewöhnliche Schmerzen oder abnormal starke Schmerzen vorliegen. dazu gehören insbesondere Schmerzen im Abdomen, in Nieren und Leber und beim Wasserlassen.

Trifft einer oder treffen mehrere dieser Punkte zu, ist eine Gestose zumindest recht wahrscheinlich und der Arzt kann damit beginnen, weitere Tests vorzunehmen. Zu diesen gehören u.a. Blutproben und Scanning.

Erstere werden speziell auf Indikatoren untersucht, die auf Leber- und / oder Nierenschäden hindeuten, zudem hält man Ausschau nach etwaigen Hinweisen auf entzündliche Prozesse im Körper der Schwangeren.

Beim Scanning fertigt man Aufnahmen des Inneren des Körpers an und wertet sie aus. Dabei ist es besonders wichtig die Entwicklung des Fötus zu überprüfen. Diese kann im Rahmen einer Gestose oftmals verzögert sein. Auch körperliche Behinderungen lassen sich durch dieses Verfahren prädiagnostizieren.

Der Verlauf der Krankheit ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Aber alles in allem zeigen sich die o.g. Symptome dabei in der einen oder anderen Form. Des Weiteren können Gestosen vergleichsweise mild oder extrem verlaufen. Wobei die extremeren Fälle, wie bereits erwähnt, in potentiell tödlichen Krampfanfällen enden können. So weit muss es dank der modernen Schulmedizin aber heutzutage oft nicht mehr kommen.

Welche Behandlungsmethoden setzt man ein?

Es gibt keine Methode, die gleichsam gegen alle Ausprägungen einer Schwangerschaftsvergiftung helfen könnte. Nichtsdestotrotz sind die einzelnen Methoden sehr gut auf die jeweiligen Symptome und zugrunde liegenden Teilerkrankungen abgestimmt. Darum wird der zuständige Mediziner seine Behandlung fallspezifisch entscheiden. Typische therapeutische Mittel könnten sein:

  • Medikamente: Eei Schädigungen der Nieren und der Leber kann sich der arzt einiger probater Arzneien bedienen, die nicht nur den Schmerz lindern, sondern auch die Symptome verbessern. Ebenso bei hohem Blutdruck können Medikamente gereicht werden. Dasselbe gilt für etwaig auftretende Kopfschmerzen.Nichtsdestoweniger gilt es auf jeden Fall zu beachten, dass nicht alle Medikamente, die der Mutter helfen, auch unschädlich für das Kind sind. Man erinnere sich beispielsweise an den Contergan-Skandal. Darum ist es von größter Wichtigkeit, sich strikt an die Anweisungen des Arztes zu halten und ggf. auch Rücksprache mit dem Apotheker zu suchen. Fahrlässiges Einnehmen von Medikamenten während der Schwangerschaft kann genauso gefährlich sein, wie eine Gestose selbst.
  • Chirurgische Eingriffe: Zugegebenermaßen kommen diese sehr selten vor. Das liegt nicht nur daran, dass eine etwaige Narkose überaus schädlich für das ungeborene Kind sein kann, sondern auch daran, dass die Symptome einen solchen meist nicht erfordern. Dennoch kann es in extremeren Fällen dazu kommen, dass Drainagen oder sonstiges gelegt werden müssen. Hierzu ist zumindest eine Teilnarkose nötig. Man sollte sich darum vor jedem Eingriff immer gut informieren und ggf. Zweitmeinungen einholen, wenn man sich unsicher ist.

Darüber hinaus steht noch eine ganze Bandbreite weiterer, aber sehr fallspezifischer Behandlungsmethoden zur Verfügung. Hierüber wird der behandelnde Arzt einen aber ausführlich beraten.

Gibt es Hausmittel und Alternativen?

Ja, die gibt es und das nicht zu knapp. Allerdings sollte man sich von der Fülle potentieller Hausmittel nicht gleich begeistern lassen. Viele haben keine medizinisch nachgewiesene Wirkung und helfen bestenfalls durch den Placebo-Effekt. Das ist grundsätzlich nichts schlechtes, ist aber bei schwerwiegenden Erkrankungen keine große Hilfe.

Badekuren sind besonders empfehlenswert, auch von medizinischer Seite aus. Hierzu sollte die Schwangere mehrmals täglich kurze warme Bäder nehmen. Es gilt jedoch darauf zu achten, dass das Wasser nicht wärmer als die Körpertemperatur ist. In das Badewasser können zudem förderliche Kräuter und Öle gegeben werden. Dabei sollte man aber darauf achten, dass keine Allergien gegen selbige vorliegen. Auch sollten schwangere Frauen nicht in die Badewanne steigen, wenn niemand sonst im Hause ist. Bisweilen kommen sie, besonders in den letzten Monaten, nicht mehr selbstständig hinaus. Das erhöht des Weiteren die Sturzgefahr.

Auch Massagen oder Aromatherapien können förderlich sein. Imgrunde ist alles zu empfehlen, was die Stresspegel der werdenden Mutter senkt und zur Entspannung beiträgt. Wer dies beherzigt, wird selbst mit einer Gestose meist sehr gut umgehen können. Dennoch sind regelmäßige Arztbesuche Pflicht und sollten ernstgenommen werden!

Kann man gegen eine Schwangerschaftsvergiftung vorbeugen?

Leider nur bedingt. Wenn man erblich vorbelastet ist, kann einem keine Prophylaxe weiterhelfen.

Dennoch gibt es einige Punkte, die man beherzigen kann und sollte, die zumindest die Chancen senken, dass man eine Schwangerschaftsvergiftung ausbildet:

  • Stress abbauen
  • Nicht übergewichtig in die Schwangerschaft gehen
  • Regelmäßige Arztbesuche
  • Warme Bäder
  • Keine Überforderung zulassen
  • Gesunde Ernährung und ausreichend Flüssigkeit

Mehr braucht es oft nicht, um die Chancen auf eine Gestose massiv zu senken.

Häufige Fragen

Bekomme ich bei jedem Kind eine Gestose?
– Es ist zwar nicht grundsätzlich so, dass es „Einmal Gestose, immer Gestose“ hieße, aber die Wahrscheinlichkeit ist dennoch sehr hoch, dass dieses Leiden bei jeder Schwangerschaft erneut auftritt.

Welche Schäden trägt mein Kind davon?
– Vermutlich keine. Die meisten Gestosen führen nicht zu starken Fehlbildungen oder geistigen Beeinträchtigungen. Dennoch kann es bisweilen zu Minderwuchs kommen.

Ist diese Krankheit für mich oder das Kind tödlich?
– Sehr sehr selten. Vorallem mit der modernen medizinischen Betreuung in unseren Breiten ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass eine Gestose den Tod für Mutter und Kind bedeutet. Frauen in der dritten Welt haben diesbezüglich oft weniger Glück.

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