Bromazepam

Bromazepam gehört zur Gruppe der Benzodiazepine. Diese zeichnen sich durch eine angstlösende und beruhigende Wirkung aus. Daher wird das Mittel auch als Sedativum, Schlafmittel und zur Behandlung von Angststörungen eingesetzt.

Seine Wirkung zielt auf die GABA-Rezeptoren im Gehirn ab. Die Rezeptoren dienen als Neurotransmitter. 1977 kam Bromazepam auf den deutschen Markt.

BromazepamWas ist Bromazepam?

Bei Bromazepam handelt es sich um ein Beruhigungsmittel. Es hat sowohl eine krampflösende als auch beruhigende Wirkung. Das Mittel setzt im Gehirn an speziellen Bindungsstellen an, um diese Wirkung zu erzielen.

Der Wirkstoff wird bei Spannungsgefühlen, Angstzuständen, Erregungszuständen und bei Schlafstörungen eingesetzt. In schwerwiegenden Fällen wird der Wirkstoff auch am Tage verabreicht. Meistens ist das dann der Fall, wenn alle anderen Methoden und leichteren Medikamente keine zufriedenstellende Wirkung erzielt haben.

Der ATC-Code lautet N05BA08. Bromazepam wird zur Wirkstoffklasse von Benzodiazepin und Anxiolytikum gerechnet. Dabei handelt es sich um ein sehr starkes Medikament, dessen verschriebene Dosierung unbedingt eingehalten werden muss.

Gerade bei Überschreitung der Dosierung oder des vom Arzt verordneten Zeitraums kommt es zu starken Nebenwirkungen, die nicht ungefährlich sind.

Die Einnahme zusammen mit anderen Medikamenten ist daher unbedingt mit dem behandelnden Arzt abzusprechen. Dies kann verstärkende, schwächende oder sogar schädigende Wirkungen nach sich ziehen. Das Medikament sollte auf keinen Fall eigenmächtig abgesetzt werden.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Dieser dient der Behandlung von


Allgemeines

Allgemeines
NameBromazepam
Andere Namen7-Brom-5-pyridin-2-yl-1,3-dihydrobenzo[e][1,4]diazepin-2-on (IUPAC)
SummenformelC14H10BrN3O
Wirkstoffklasse
  • Benzodiazepin
  • Anxiolytikum

Wirkungsweise

So wirkt Bromazepam

Der Wirkstoff greift spezielle Bindungsstellen im Gehirn an. Durch die Wechselwirkung mit diesen Stellen wird die Wirkung körpereigener, entspannend wirkender Substanzen verstärkt.

Als Schlafmittel darf Bromazepam nur eingesetzt werden, wenn während des Tages ebenfalls eine beruhigende Wirkung gewünscht ist. Der Wirkstoff ist ziemlich stark und beeinflusst das Reaktionsvermögen während des Tages, wenn dieser bereits für die vorhergehende Nacht als Schlafmittel eingesetzt wurde.

Da dieser Wirkstoff sehr müde macht, sollte nach der Einnahme von Bromazepam auch kein Fahrzeug gelenkt oder elektrische Geräte betätigt werden. Auch sportliche Betätigungen sind nur unter bestimmten Voraussetzungen während der Einnahme gestattet.

Die Wirkung tritt sehr rasch ein. Das Medikament wird nur sehr langsam abgebaut. Es ist daher anzuraten, nur solche Tätigkeiten auszuführen, bei denen es durch die Wirkung des Medikaments zu keiner Gefährdung kommen kann.

Für Stillzeit und Schwangerschaft sowie kleine Kinder sind ebenfalls Warnhinweise und besondere Sorgfalt angebracht, die später noch näher erörtert werden. Bei Überdosierungen kann es zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden bis hin zu Herz-Kreislaufproblemen kommen.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Bromazepam

Bromazepam wird oral eingenommen. Die maximale Plasmakonzentration wird innerhalb von zwei Stunden erreicht. Das Medikament wird in 10 bis 20 Stunden abgebaut.

Durchschnittlich werden 2,3 % der Dosis im Urin ausgeschieden. Die schnelle Glukoronisierung bewirkt, dass es zu keiner klinisch relevanten Konzentration von 3-Hydroxybromazepam kommt. Die Äquivalenzdosis zu 10 mg Diazepam ist 6 mg.


Anwendungsgebiete

Wann wird Bromazepam eingesetzt?

Der Wirkstoff wird bei Erregungszuständen, Angstzuständen und Schlafstörungen eingesetzt. Bei der Dosierung spielt das Alter, Gewicht sowie der Schweregrad der Erkrankung eine entscheidende Rolle.

Da es sich dabei um ein sehr starkes Medikament handelt, sollte es nicht länger als vier Wochen ständig eingenommen werden. Nach einer Woche muss die Dosis schrittweise reduziert werden. Da sonst Absetzerscheinungen auftreten.


Richtige Anwendung

So wird Bromazepam angewendet

Je nach Anwendung erfolgt die Dosierung und die Gabe unterschiedlich. Dabei ist natürlich auch auf den jeweiligen Patienten Rücksicht zu nehmen. Jeder Mensch ist anders. Bei der Anwendung ist vor allem auch auf die Begleitumstände zu achten.

Das Medikament wirkt schwach sedierend und besitzt hypnotische Effekte. Das sollte bei der Bedienung von Maschinen und Geräten berücksichtigt werden und davon abgesehen werden. Es wird schnell aufgenommen und entwickelt nach 1 Stunde die optimale Wirkung.

Die Dosierung muss an den jeweiligen Patienten angepasst werden. Für die ambulante Behandlung empfiehlt sich 3 mg Bromazepam eine Stunde vorm Schlafengehen mit Flüssigkeit.

Die Einnahme sollte nicht nach dem Essen erfolgen, da sonst die Wirkung gemindert wird. Tagsüber ist keine zusätzliche Gabe anzuraten, da die Wirkung von Abend zu Abend anhält. Höhere Dosen werden in der Regel in der stationären Behandlung und bei schweren Fällen verabreicht.

Die Dosis kann dabei bis zu 6 mg täglich betragen. Ältere und geschwächte Menschen erhalten geringere Dosen. Bei Kindern und Jugendlichen ist Vorsicht geboten. Unter 18 Jahren ist die Gabe nicht anzuraten.

Dieses Medikament ist verschreibungs- und apothekenpflichtig. Es sollt nur unter Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden. In einem ausführlichen Gespräch muss über dessen Nebenwirkung und seine Folgen aufgeklärt werden.

Wechselwirkungen und Wirkungen in Kombination mit Medikamenten, die zur selben Zeit eingenommen werden müssen, müssen ebenfalls mit dem Arzt abgeklärt werden.

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen muss sehr genau abgeklärt werden, ob das Medikament überhaupt verabreicht werden kann. Hierbei wird das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewogen. Die Dosierung wird individuell abgestimmt. Schwangere und Stillende dürfen das Medikament auf keinen Fall einnehmen.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Bromazepam?

Dabei handelt es sich vor allem um Tranquilizer und Schlafmittel:

  • Normoc,
  • Lexostad 6 mg, Lexotanil 6 mg,
  • Gityl 6 mg,
  • Bromazanil 3, Bromazanil 6, Bromazanil AL 6,
  • Bromazep-CT 6 mg,
  • Bromazepam-ratiopharm 6 mg,,
  • Durazanil 6 mg.

Handelsnamen

Monopräparate

  • Bromazanil (D),
  • Gityl (D),
  • Lexostad (D),
  • Bromazepam OPT (D).
  • Normoc (D) sowie
  • diverse Generika (D,A).

Indikationen

Bromazepam wird bei Angstzuständen und bei starken Schlafstörungen eingesetzt. Die Dosierung sollte jedoch unbedingt eingehalten werden. Diese hängt vom Alter, dem Gewicht sowie der Schwere der Erkrankung des Patienten ab. Deshalb wird die Dosierung vom Arzt individuell angepasst.


Gegenanzeigen

Wann darf Bromazepam nicht verwendet werden?

Gegen eine Anwendung sprechen:

  • Überempfindlichkeit gegenüber der Inhaltsstoffe
  • Erkrankung des Nervensystems mit Muskelerschlaffung (Myasthenia gravis)
  • Alkoholmissbrauch
  • Drogenmissbrauch
  • Arzneimittelmissbrauch (egal wie lange zurückliegend)
  • Schlafapnoe
  • Atemschwäche
  • obstruktive, chronische Atemwegserkrankungen (Verengung der Atemwege)
  • niedriger Blutdruck
  • Herzschwäche
  • Hirnschäden
  • eingeschränkte Nieren– und Leberfunktion
  • Bewegungstörungen durch Schädigung der Nervenbahnen im Gehirn (zerebrale Ataxien)

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bromazepam sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden. Dieses Medikament wird in dieser Zeit nur dann verordnet, wenn die Indikation eindeutig notwendig ist und es keine Alternative gibt. Die Muttermilch muss dann leider abgepumpt und entsorgt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bromazepam sollte Jugendlichen und Kindern nur nach sorgfältiger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses verabreicht werden. In der Regel sollten Kinder unter 18 Jahren das Medikament nicht einnehmen. Die Dosis muss dem niedrigeren Körpergewicht des Kindes angepasst werden.

Bei Kindern ist aufgrund der möglichen Nebenwirkungen eine strengere Überwachung der Behandlung angezeigt. Kein Kind nimmt gerne Medikamente ein. Vor allem bei Jugendlichen ist die Gefahr groß, dass sie die Medikamente abrupt absetzen. Das führt häufig zur Verstärkung der Symptome.

Ein weiteres großes Risiko ist die Abhängigkeit. Alle Sedative und Angstlöser werden von Müdigkeitserscheinungen begleitet. Das ist einer der häufigsten Gründe, weshalb Patienten Bromazepam ablehnend gegenüberstehen. Das ist auch ein Grund, warum Jugendliche das Medikament eigenmächtig absetzen.

Leider gibt es oft keine Alternative. Der Arzt verschreibt gerade bei Kindern und Jugendlichen das Medikament aus reiflicher Überlegung. Deshalb wird die Dosierung alters- und gewichtsmäßig gewählt und der Anwendungszeitraum ist äußerst begrenzt.

Die Absetzung erfolgt darüber hinaus schrittweise, sodass es zu keinen Entzugserscheinungen kommen kann. Deshalb sollte die Absetzung nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Bromazepam?

Typische Nebenwirkungen von Sedativa sind Müdigkeit, Fahruntüchtigkeit, Schwindel, Übelkeit sowie Konzentrationsstörungen. Ältere Menschen reagieren mit agitiertem Verwirrtheitszustand, Aggressivität oder Angst.

Bromazepam wird am häufigsten gegen Angststörungen und als Beruhigungsmittel verschrieben. Dennoch besitzt das Medikament ein sehr hohes Abhängigkeitspotenzial.

Nach zwei bis vier Wochen regelmäßiger Einnahme in therapeutischer Dosierung zeigen sich bei abrupter Absetzung sowohl physische als auch psychische Entzugserscheinungen.

Die Symptome ähneln dabei jenen, gegen die das Medikament verordnet wurde. Sehr oft wird dann die Dauereinnahme in Gang gehalten. Das führt unweigerlich zu einer Niedrigdosisabhängigkeit.

Nach längerer Einnahme und abruptem Absetzen kommt es daher häufig zu hochgradigen Erregungszuständen sowie zerebralen Krampfanfällen.

Jeder Mensch reagiert von Haus aus anders. Darüber hinaus hat jeder Mensch eine andere medizinische Vorgeschichte (Anamnese). Wird das Medikament vorzeitig abgesetzt oder die Dosis eigenmächtig erhöht, kann es zu einer Reihe von Nebenwirkungen, wie hier beschrieben, kommen.

Dann werden vor allem jene Symptome, wofür das Bromazepam verschrieben wurde, verstärkt. Zu diesen paradoxen (sonderbaren) Reaktionen gehören Schlaflosigkeit, Angstzustände, aggressives Verhalten, erhöhter Muskeltonus (Anspannung der Muskeln), Halluzinationen oder Erregung.

Aber auch Selbstmordgedanken kommen vor. Patienten, die bereits an einer bestehenden Atemwegsobstruktion oder an hirnorganischen Veränderungen leiden, kommt es zur Atemschwäche.

Neben der Häufigkeit ist auch die Schwere der Nebenwirkungen zu beachten. Gedächtnislücken sind zum Beispiel eher kurzfristig.

Sie halten meistens nie lange an. Diese unerwünschte Wirkung verschwindet wieder. Herzversagen zählt zu den schweren Nebenwirkungen. Deshalb ist es so wichtig, dem Arzt vor der Einnahme Vorerkrankungen zu nennen.

Da die Menschen verschieden sind, kann es zu den unterschiedlichsten oben genannten Nebenwirkungen kommen. In jedem Fall sollte aber umgehend der behandelnde Arzt oder ein Apotheker aufgesucht werden.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Bromazepam?

Cytochrom P450-System Hemmer können die Wirkung von Bromazepam verstärken. Die Einnahme von Omeprazol und Cimetidin verändert die Wirkungsstärke von Bromazepam.

Zentral wirksame Medikamente können zusammen mit diesem Medikament zu sedierenden, hämodynamischen sowie respiratorischen Wirkungen führen. Bei älteren Menschen ist besonders auf Medikamente, die die Atemfunktion beeinträchtigen in Zusammenhang mit diesem Medikament zu achten.

Die euphorische Wirkung wird mit Narkoanalgetika verstärkt. Die Abhängigkeit wird dadurch beschleunigt. Die relaxierende Wirkung wird durch Muskelrelaxanzien verstärkt.

Dies kommt vor allem bei älteren Menschen und hohen Dosierungen zum Tragen. Da die Ausscheidung langsam erfolgt, kann es auch nach längerem Absetzen noch zu Wechselwirkungen kommen.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Bromazepam zu beachten?

Die Dosierungen und die Anwendungszeit müssen unbedingt eingehalten werden. Das Präparat kann in vier dosisgleiche Teile geteilt werden. Mörsern sowie die Auflösung in Flüssigkeit zur besseren Einnahme ist möglich (Kinder).

Bei Kindern und Jugendlichen ist darauf zu achten, dass sie das Bromazepam nicht eigenmächtig vorzeitig absetzen. Da es dann zu erheblichen gesundheitlichen Problemen kommt (Abhängigkeit, verstärkte Symptome, etc.).

Das Reaktionsvermögen (Straßenverkehr) wird auch bei ordnungsgemäßem Gebrauch herabgesetzt. Bei der Benutzung von Maschinen ist Vorsicht geraten bzw. ist davon abzuraten.

Liegt eine Unverträglichkeit gegenüber Lactose vor, ist Vorsicht geboten. Bei einer Diabetes Erkrankung ist der Zuckergehalt zu berücksichtigen!


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Bromazepam

Das Medikament ist apotheken- und verschreibungspflichtig. Es ist in Packungen zu 10 Tabletten erhältlich. Eine Tablette enthält 6 mg des Wirkstoffes Bromazepam sowie Lactose, Povidon K30, Crospovidon sowie Magnesiumstearat.


Geschichte

Seit wann ist Bromazepam bekannt?

Bromazepam wurde 1977 auf dem deutschen Markt eingeführt.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Die Dosierungsvorschriften sowie die Anwendungsdauer müssen unbedingt eingehalten werden, da dieser Wirkstoff ein sehr hohes Abhängigkeitspotenzial besitzt.

Darüber hinaus kann es zu schweren Nebenwirkungen und Wechselwirkungen kommen. Deshalb ist sowohl vor der Einnahme als auch bei Auftreten von Problemen ein eingehendes Gespräch mit dem behandelnden Arzt unbedingt anzuraten.

Dasselbe gilt für das vorzeitige Absetzen des Medikaments. Das Reaktionsvermögen wird erheblich eingeschränkt (Autofahren!). Sie sollten während der Einnahme keine elektrischen Maschinen bedienen.

Müssen noch andere Medikamente eingenommen werden, kann es zu Wechselwirkungen kommen. Daher in diesem Fall der Arzt zu konsultieren. Bei bestehenden Vorerkrankungen wie zum Beispiel eingeschränkte Leber– oder Nierenfunktionen, Atemschwäche oder Störungen der Bewegungs- und Gangkoordination ist der Arzt vor Einnahme zu informieren.

Bromazepam darf unter keinen Umständen zusammen mit Alkohol eingenommen werden. Am nächsten Tag ist die Reaktionsfähigkeit noch immer eingeschränkt. Deshalb dürfen auch am nächsten Tag keine Maschinen oder Fahrzeuge betrieben werden.


Quellen

  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013
  • Arzneimittel-Fachinformation (CH)
  • Europäisches Arzneibuch PhEur

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