Biorhythmus

Wie viele andere Lebewesen verfügt auch der menschliche Körper über einen so genannten Biorhythmus. Dieser wird meist endogen, von einem Teilsystem des menschlichen Organismus, oder vereinfacht gesagt, von einer so genannten inneren Uhr gesteuert. Diese innere Uhr beeinflusst die menschliche Lebensweise von Geburt an.

Seit einiger Zeit beschäftigt sich die so genannte Chronobiologie genauer mit dem Thema des menschlichen Biorhythmus. Aus den gewonnenen Erkenntnissen schließen die Chronobiologen, dass eine genauere Anpassung des Menschen an den ursprünglichen Biorhythmus durchaus positive Auswirkungen auf sein Wohlbefinden und seine Gesundheit haben könnte. Jedoch ist eine solche Anpassung in der heutigen, sehr schnelllebigen Zeit, deutlich schwieriger als gedacht.

 

Was ist ein Biorhythmus?

 
Als Biorhythmus bezeichnet man in der Medizin einen biologischen Rhythmus oder Lebensrhythmus von dem jeder Mensch oder jedes Lebewesen, vom Beginn bis zum Ende seines Lebens, geleitet wird. Dieser Biorhythmus unterliegt periodischen Schwankungen, welche einer Sinuskurve ähneln und daher sehr wellig verlaufen. Der Biorhythmus beeinflusst aber nicht nur die physische und intellektuelle Leistungsfähigkeit des Menschen, sondern auch seinen Gemütszustand, seine ganzheitliche Verfassung und sein gesundheitliches Wohlbefinden.

Bei den ersten Lebewesen auf Erden bestimmten vor allem natürliche, exogene Einflüsse wie Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit oder Wärme und Kälte den Biorhythmus. Dies ist heute nur mehr in geringem Maße der Fall, da der Biorhythmus im Gegensatz zur anfänglichen Vermutung nicht nur von den äußerlichen Umwelteinflüssen, sondern auch von den menschlichen Genen selbst beeinflusst wird. So kommt es zu den unterschiedlichsten Menschentypen, welche man zum Beispiel ganz einfach in Kategorien wie Langschläfer oder Frühaufsteher einteilen könnte.

Ausschlaggebend für den Biorhythmus ist hauptsächlich das Licht der Sonne, welches die innere Uhr des Menschen täglich auf einen 24-Stunden-Rhythmus programmiert. Obwohl sich Pflanzen– und Tierwelt bis heute an diesen vorgegebenen und sehr natürlichen Rhythmus anpassen, entfernt sich der Mensch durch veränderte Schlafzeiten, durch Nachtarbeit oder durch Reise in weit entfernte Länder immer weiter von diesem natürlichen Rhythmus. Durch diese Entfernung gerät der Biorhythmus immer weiter außer Takt, was oft auch negative gesundheitliche Auswirkungen zur Folge hat. Vereinfacht kann man sagen, wenn kein Sonnenlicht mehr vorhanden ist, beginnt im Körper die Produktion von Hormonen welche Müdigkeit und Schlaf hervorrufen. Während dieser Phase sinken auch Körpertemperatur und Blutdruck und unser Biorhythmus stellt sich auf eine längere Ruhephase ein. Bekommt der Körper diese Ruhephase aber nicht zu der gewünschten Zeit, kann sich dieser Mangel später in Form von körperlichen Beschwerden äußern.

Zudem haben auch folgende Faktoren einen großen Einfluss auf den Biorhythmus:

  • Körperlich oder geistig hervorgerufener Stress oder ständige Drucksituationen
  • Große Wärmeeinflüsse von außen (vor allem im Sommer oder in heißen Klimaregionen)
  • Große Kälteeinflüsse von außen (vor allem im Winter oder in kalten Klimaregionen)
  • Stark variierende Arbeitszeiten oder stark von der Norm abweichende Arbeitszeiten (Nachtarbeit)
  • Freizeitverhalten der Menschen (Aktivitäten im Freien)
  • Genuss von koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee oder Cola

 

Die Chronobiologie und ihr Einfluss auf die Lebensweise der Menschen

 
Bei den Menschen unterscheidet die Chronobiologie generell zwei Typen. Auf der einen Seite stehen die Langschläfer. Sie Gehen später ins Bett und Schlafen daher auch länger. Auf der anderen Seite findet man die Frühaufsteher, welche früher ins Bett gehen und daher auch früher wieder aufstehen. Da diese Unterschiede genetisch bestimmt werden, ist ein Ändern durch den Menschen selbst kaum oder nur schwer möglich. Aufgrund des starken Einflusses des Biorhythmus auf den Menschen schenkt man der Chronobiologie und ihren Forschungsergebnissen mittlerweile immer größere Bedeutung.

 

  • Vor allem der moderne Lebensstil des Menschen, mit Schichtarbeit und wenig Zeit im Freien, wirkt sich negativ auf den ursprünglich vorgegebenen Biorhythmus aus.
  • Abgeänderte Ruhezeiten oder fehlende Sonneneinstrahlung können mitunter körperliche Beschwerden wie Schlaf- oder Essstörungen, Depressionen, Abgeschlagenheit oder Energielosigkeit hervorrufen.
  • Weite Reisen und der damit verbundene Wechsel der Zeitzone beeinflussen das zirkadiane System sehr stark und wirken sich ebenfalls negativ auf den menschlichen Organismus aus.
  • Auch die jährliche Umstellung von Winter- auf Sommerzeit und umgekehrt hat eine störende Wirkung auf den Biorhythmus und macht vielen Menschen deutlich zu schaffen. Tatsächlich ist medizinisch bewiesen, dass sich die Zeitumstellung negativ auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Eine Studie der deutschen Versicherung DAK zeigt Jahr für Jahr kurz nach der Zeitumstellung einen deutlichen Anstieg von Herzbeschwerden unter den Versicherten.

 

Funktion & Aufgabe

 
Der Biorhythmus steuert zahlreiche wichtige Vorgänge im Körper und gibt genau vor wann der Körper aktiv sein kann oder wann er eine Ruhephase benötigt. Zudem regelt der durch den im Gehirn befindlichen Nervenkern (Nucleus suprachiasmaticus) gesteuerte Biorhythmus wichtige Körperfunktionen wie den Blutdruck, den Hormonhaushalt und die Körpertemperatur.

Der zirkadiane Rhythmus (oder auch 24-Stunden-Rhythmus genannt) reguliert aber auch viele andere Körperprozesse und menschliche Leistungsfähigkeiten, wie zum Beispiel:

  • Den Schlaf-Wach-Rhythmus: Die aufeinanderfolgende Reihung von Schlaf- und Wachphasen folgt generell dem Tag-Nacht-Rhythmus und hängt vom Wechsel zwischen Tageslicht und Dunkelheit ab.
  • Das Hormonsystem: Der menschliche Körper schüttet eine Vielzahl der unterschiedlichsten Hormone nach einem zeitlich streng organisierten Schema aus. Dabei nimmt die Konzentration des Hormons Cortisol zwischen 2 und 8 Uhr morgens zu, fällt dann wieder ab und erreicht ihr Minimum zwischen 16 und 24 Uhr am Abend. Im Gegensatz dazu ist die Konzentration des menschlichen Schlafhormons Melatonin in der Nacht am höchsten und nimmt mit zunehmender Helligkeit stetig ab.
  • Die Wärmeregulation im Körper: Der zirkadiane Rhythmus reguliert auch die Wärme des Körpers, welche sich im Tagesverlauf ständig verändert. Ungefähr um 3 Uhr morgens erreicht die menschliche Körpertemperatur ihren niedrigsten Wert und steigt dann stetig weiter an, bis sie gegen Abend ihren Tageshöchstwert erreicht.
  • Die Leistungsfähigkeit des Körpers: Der Biorhythmus hat erhebliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Menschen, da dieser nicht zu jeder Tages- oder Nachtzeit die gleiche Leistung abrufen kann. Bestimmte Funktionen arbeiten zu bestimmten Zeiten einfach besser. So fällt vielen Menschen zum Beispiel das Rechnen oder das Lernen am Vormittag leichter als am Nachmittag oder späten Abend. Zudem erreicht auch die körperliche Leistungsfähigkeit am Vormittag ihren Höhepunkt. Am frühen Nachmittag nimmt die Aufnahmefähigkeit ab und es fällt den meisten Menschen schwer noch aufmerksam zu bleiben.
  • Die Schmerzwahrnehmung des Körpers: Auch das Schmerzempfinden des Menschen verändert sich im Laufe des Tages in einem speziellen Rhythmus. Während das Schmerzempfinden zwischen 12 und 18 Uhr am niedrigsten ist, ist es zwischen 0 und 3 Uhr in der Früh am höchsten ausgeprägt.

 

Die Auswirkung des Biorhythmus bei der Einnahme von Medikamenten

 
Die Medikamentaufnahme des Körpers ist auch an den Biorhythmus gekoppelt. Grundsätzlich gilt, Medikamente werden nicht zu jeder Uhrzeit gleich gut aufgenommen, da die meisten Körpervorgänge an einen eigenen 24-Stunden-Rhythmus gebunden sind. Wie schnell die Wirkstoffe der Medikamente dann in den Dünndarm gelangen, wo sie vom Körper aufgenommen werden, hängt meist davon ab, wie schnell sich der Magen entleert und wie gut der MagenDarm-Trakt durchblutet ist.

Aus diesen Erkenntnissen kann man schlussfolgern, dass am frühen Morgen eingenommene Medikamente vom Organismus schneller und in größeren Mengen aufgenommen werden können als zu jeder anderen Zeit des Tages. Dadurch steigt aber auch je nach den in den Medikamenten enthaltenen Wirkstoffen auch das Risiko von Nebenwirkungen. Neben dem Magen beeinflussen aber auch andere, einem 24-Stunden-Rhythmus unterliegende Organe, wie die Leber oder die Nieren die Aufnahmefähigkeit von Medikamenten.

 

Krankheiten & Beschwerden

 
Aufgrund der gründlichen Forschungsarbeit der Chronobiologen ist heute bewiesen, dass ein dauerhaftes Abweichen vom natürlichen Biorhythmus starke Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben kann.

 

  • Nachtarbeit kann laut Schlafforschern die hauptsächliche Ursache von Unfällen sein, die während dieser Zeit passieren. Dies ist logisch, da sich der menschliche Körper in der Nacht in einem Leistungstief befindet und sich eigentlich ausruhen möchte.
  • Regelmäßiges Arbeiten in der Nacht kann zudem zu Herz-Kreislauf-Beschwerden, Verdauungsproblemen, Schlafstörungen und zu starken Depressionen führen.
  • Ein gestörter Biorhythmus führt auch zu Schlafmangel, da aufgrund der Helligkeit am Tag, kein Tiefschlaf mehr möglich ist. Dieser Schlafmangel kann in Folge starke Auswirkungen auf das Immunsystem und das Konzentrationsvermögen des Menschen haben.
  • Auch Übergewicht kann die Ursache eines gestörten Biorhythmus sein. Grundsätzlich beginnt der Körper um 7 Uhr am Abend mit der Produktion von Melatonin. Daher ist ein traditioneller Essens-Rhythmus mit drei Mahlzeiten am Tag auch förderlich für ein passendes Körpergewicht.
  • Ein gestörter Biorhythmus kann sich auch in Abgeschlagenheit, starker Erschöpfung und großer Müdigkeit zeigen. Auch eine starke Gereiztheit kann durch Abweichungen im Biorhythmus bei den Menschen hervorgerufen werden.

 

Fragen & Antworten

 

Kann der Mensch seinen Biorhythmus selber steuern oder beeinflussen?

 
Grundsätzlich ist es sehr schwierig den gesamten Biorhythmus zu steuern, da dieser genetisch vorgegeben ist. Lassen einen die Umstände jedoch keine Wahl, wie an dem Beispiel von längeren Reisen über mehrere Zeitzonen, so ist es jedoch möglich den Körper an die neunen Gegebenheiten anzupassen. Hat sich die innere Uhr nach ein paar Tagen an den veränderten Rhythmus des Körpers gewöhnt, sich also neu eingestellt, verschwinden die durch die Umstellung hervorgerufenen Beschwerden auch schnell wieder. Es kann jedoch bis zu einer Woche oder manchmal sogar länger dauern, bis sich alle Körperfunktionen auf den neuen Rhythmus programmiert haben.

 

Was kann ich tun damit sich mein Biorhythmus schneller an eine Zeitverschiebung oder Zeitumstellung anpasst?

 
Wenn Sie aufgrund einer langen Reise in eine andere Zeitzone gelangen, oder wenn wie jährlich zwei Mal der Fall, die Uhrzeit umgestellt wird, gerät Ihr natürlicher Rhythmus unweigerlich aus dem Gleichgewicht und Ihr Körper reagiert darauf indem er das Stresshormon-System aktiviert. Sowohl Adrenalin als auch Cortisol zählen zu den so genannten Stresshormonen, welche den menschlichen Körper auf eine belastende Situation vorbereiten, sobald sie den Weg in den Blutkreislauf finden. Aufgrund dieser Reaktion muss der Körper im Fall einer Zeitverschiebung nicht nur mit einem komplett geänderten Biorhythmus, sondern auch mit den bei Abbau der Stresshormone entstandenen freien Radikale fertig werden. Bei der Reaktivierung Ihres natürlichen Rhythmus könnten unter anderem folgende Tipps nützlich sein:

 

  • Vermeiden Sie zu schwere Mahlzeiten am Abend.
  • Machen Sie mehr leichte, körperliche Bewegung wie Yoga oder Gymnastik.
  • Vermeiden Sie die Einnahme von Schlafmitteln.

 

Beeinflusst der menschliche Biorhythmus die Aufnahme von Bluthochdruck-Medikamenten?

 
Synchron mit dem Biorhythmus verändert sich auch der Blutdruck in einem 24-Stunden-Rhythmus. Für Personen mit Bluthochdruckbeschwerden kann der Zeitraum der Einnahme der Medikamente daher einen großen Unterschied in der Wirkung ausmachen. Diese Unterschiede in der Wirkung veranschaulicht zum Beispiel die Einnahme von ace-Hemmern bei Bluthochdruckpatienten. Nimmt man diese abends ein, sinkt der Blutdruck über Nacht stärker als normal üblich. Daher ergeben sich für die in der Medizin so genannten Dipper oder Non-Dipper unterschiedliche Zeitspannen für die ideale Einnahme von ace-Hemmern.

 

  • Für Dipper empfiehlt sich eine Einnahme der ace-Hemmer am Morgen, da der Blutdruck nach einer Einnahme am Abend sonst zu tief sinken würde. Dies würde die Durchblutung stören und das Risiko eines Schlaganfalles deutlich erhöhen.
  • Non-Dippern ist eine Einnahme der ace-Hemmer am Abend zu empfehlen, da die Medikamente den Blutdruck während der Nacht senken und gleichzeitig auf ein normales Niveau bringen.

 

Unser Fazit

 
Durch eine deutlich bessere Integration unseres natürlich vorgegebenen Biorhythmus in die tägliche Lebensweise, könnten zahlreiche Krankheiten, Unfälle oder Leistungsschwächen vermieden werden. Menschen die zu der für sie passenden Arbeitszeit tätig sind können viel leichter Höchstleistungen erbringen und haben viel mehr Freude am Beruf als umgekehrt.

Wenn Sie die natürlichen Schwankungen Ihres Biorhythmus genauer analysieren, können Sie die gewonnenen Erkenntnisse mitunter auch zu einer Steigerung Ihrer Leistungsfähigkeit nützen und auch einen positiven Effekt für Ihre Gesundheit erzielen.

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