Natriumchlorid

Natriumchlorid ist umgangssprachlich als Kochsalz oder Kochsalzlösung bekannt und wird in den meisten Fällen als „Tropf“ verabreicht.

In der Regel wird dieser Wirkstoff als Lösung verabreicht, unter anderem um Flüssigkeits-, Natrium– oder Chlorinmangel auszugleichen.

Aber auch bei einem hohen Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen oder Durchfall kann es eingesetzt werden, oder als Volumenersatz bei einem starken Blutverlust, zum Beispiel während Operationen oder nach einem schweren Unfall.

NatriumchloridWas ist Natriumchlorid?

Natriumchlorid ist das wohl bekannteste Salz, da es vor allem auch zum Kochen benutzt wird. Natriumsalz wird auch Salzsäure gewonnen und ist daher ein natürliches und kein synthetisch hergestelltes Produkt.

In der Medizin wird Natriumchlorid meist als Lösung verabreicht. Es steht aber auch in Tabletten oder in der Form von Nasespray zu Verfügung. Je nach Zweck eignen sich bestimmte Einnahmeformen besser.

Dieser Wirkstoff verfügt ebenfalls über eine leicht desinfizierende Wirkung. Daher wird er gerne zur Wundbehandlung bzw. zur Befeuchtung von Verbänden oder Tüchern verwendet.

Auch als Trägerlösung für andere Medikamente oder Wirkstoffe wird Natriumchlorid sehr gerne verwendet.

Wird der Wirkstoff als Tropf verabreicht, gelangt das Natriumchlorid direkt in die Blutbahn füllt somit das Blutvolumen auf und versorgt das Blut mit dem nicht ausreichend vorhandenen Natrium und Chlorid.

Es kann die Hirn-Blut-Schranke nicht überwindet und kann daher auch nicht ins Gehirn gelangen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Natriumchlorid wird unter anderem in den folgenden Situationen angewendet:

  • Natriumdefizit ausgleichen
  • Chloriddefizit ausgleichen
  • starken Blutverlust ausgleichen
  • Flüssigkeitsmangel ausgleichen
  • unterstützende Spülung bei Nasennebenhölenentzündung sowie Schnupfen
  • trockene Augen befeuchten
  • Abschwellung der Augenhornhaut nach Untersuchung

Allgemeines

Allgemeines
NameNatriumchlorid
Andere Namen
  • Kochsalz
  • Halit
  • Speisesalz
  • SODIUM CHLORIDE (INCI)
VerhältnisformelNaCl
Kurzbeschreibungfarb- und geruchloser Feststoff

Wirkungsweise

So wirkt Natriumchlorid

Der Natriumgehalt im Blut und der Flüssigkeitsstoffwechsel sind eng miteinander verbunden, wodurch schon eine leichte Abweichungen der Norm jeweils das andere direkt beeinflusst.

So beutetet ein erhöhter Natriumgehalt einen gesteigerten Flüssigkeitsgehalt und ein niedriger Natriumgehalt deutet auf eine Reduzierung des Körperwassers hin.

Durch die zusätzliche Lösung im Blut werden alle Gehalte wieder normalisiert, um weitere Schäden zu vermeiden. Das ist wichtig, denn vor allem Chlorid ist wichtig für die Regelung des Säure-Base-Haushalts und schützt so den Körper vor einer Übersäuerung.

Bei Erkrankungen der Nieren oder des Verdauungstraktes wird gerne zu Natriumchlorid gegriffen, weil die Lösung den Flüssigkeits- und Elektrolytenhaushalt ausgleicht, der hier insbesondere durch Erbrechen, Durchfall oder eine geringe Flüssigkeits- bzw. Nahrungsaufnahme zustande kommen kann. Dies könnte andernfalls zu Dehydration sowie einem Mineralstoffmangel führen.

Die Natriumchlorid-Lösung wird immer mit dem Kochsalzgehalts des Blutplasma abgestimmt. In der Fachsprache wird dies als Plasmaosmalität bezeichnet.

Es ist wichtig, dass dieses Verhältnis stimmt und das Natriumchlorid als isotonische Lösung verabreicht wird. Ansonsten würde der Darm zu viel Flüssigkeit entziehen, wodurch der Flüssigkeit- und Nährstoffgehalt erneut ins Ungleichgewicht kommt statt sich zu verbessern.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Natriumchlorid

Natriumchlorid ist eine isotonische Lösung, was bedeutet, dass der Salzgehalt genauso hoch wie der im Blut ist.

Das ist besonders wichtig, denn sonst würde die Lösung dem Darm und anderen Körperzellen zu viel Flüssigkeit entziehen, was zu einer gefährlichen Austrocknung führen könnte.

Das Natrium und Chlorid aus der Lösung wird vom Körper aufgenommen. Ist der Gehalt normalisiert, werden die überschüssigen Nährstoffe sowie das überflüssige Wasser durch den Urin wieder ausgeschieden.


Anwendungsgebiete

Wann wird Natriumchlorid eingesetzt?

Natriumchlorid ist für die folgenden Anwendungszwecke zugelassen:

  • Flüssigkeitsmangel auffüllen bzw. Blutvolume ersetzten
  • Natrium und Chloridmangel ausgleichen
  • Befeuchten und desinfizieren von Tüchern und Wundverbänden
  • Reinigung des Enddarms oder Darmabschnitte zB. vor einer Darmspiegelung oder operativen Entfernung
  • Erleichtern des Stuhlgangs

Richtige Anwendung

So wird Natriumchlorid angewendet

Dieser Wirkstoff ist vielseitig einsetzbar. Einerseits verhindert die Kochsalzlösung auf Wundverbänden die weitere Ausbreitung der Bakterien und Keime, die sich in der Wunde befinden.

Diese werden abgetötet und die Wunde kann wieder zuheilen und gesunde Zellen können wiederhergestellt werden.

Natriumchlorid wird ebenso gerne als Badezusatze und für Solebäder im Kurbereich eingesetzt.

Das Arzneimittel lindert die Beschwerden vor allem bei chronischem Husten, Nasennebenhölenentzündungen, Bronchitis oder Lungenentzündungen, aber auch bei Hauterkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis werden die unangenehmen Symptome reduziert.

Außerdem kann auch das Inhalieren einer Natriumchloridlösung zu einer schnellen Linderung starker Symptome helfen. Dies ist sehr wirkungsvoll, da der Schleim abgelöst wird und so abgehustet werden kann.

Des weiteren kann dieser Wirkstoff als Nasenspray angewendet werden. Dieser hilft bei Schnupfen oder Nasenentzündugen die gereizte Haut zu regenerieren. Die Wirkung ist ähnlich wie beim Inhalieren.

Genauso kann Salz in Form von Tablette als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Das ist besonders bei körperlicher Anstrengung mit hohen Schweißverlust oder bei Aufenthalten in tropischen Gebieten sinnvoll und empfehlenswert.

In der Regel decken vier Tabletten pro Tag den Tagesbedarf an Natriumchlorid eines Erwachsenen ab.

Allerdings darf diese Dosis auf keinen Fall überschritten werden. Das könnte zu erheblichen Nebenwirkungen führen und schadet dem Körper mehr, als dass es ihm hilft.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Natriumchlorid?

Natriumchlorid ist unter anderem in den folgenden Medikamenten vorhanden:

  • Adsorbonac 5%
  • Nisita NA Nasensalbe
  • Nisita NA Nasensalbe
  • Siozwo Nasenspülung
  • Acidum Fumaricum alpha T Trinkamp.
  • Acidum-L + Lacticum aplphat T Trinkamp.
  • Acidum nitriucum Injeel Amp.
  • Aconitum napellus Rh D3 Weleda Ampullen
  • Act-HIB Emra Pulver und Lösungsmittel zur Herstelltung einer Injektionslösung
  • Acular 5 mg/ml Augentropfen
  • Adenosin Accord Infusionslösungen mit diversen Verdünnungsstärken
  • Bonviva 3 mg/3 ml Fd Pharma Injektionslösung

Handelsnamen

Monopräparate

Natriumchlorid ist in der Regel nicht als Monopräparat erhältlich, da das Salz meist zumindest mit Wasser verdünnt und zu einer Lösung hergestellt wird.

Kombinationspräparate

Natriumchlorid ist als Kombinationspräparat in Deutschland unter anderen als Asotin®cardio Tabs K, Schwedentabletten oder DHU-Schüssler Salze Nr 8 Natrium chloratum erhältlich.


Indikationen

Die folgenden Situationen sind Indikationen für eine Behandlung mit Natriumchlorid.

  • Abweichungen des Natriumwertes sowie Chloridbestandes im Blut
  • Flüssigkeitsmangel
  • Verminderte Harnausscheidung

Gegenanzeigen

Wann darf Natriumchlorid nicht verwendet werden?

In Blutkreislauf sprich als Injektionslösung oder „Tropf“ das Natriumchlorid nicht verwendet werden, wenn ein Überschuss an Natrium oder Blutchlorid im Blut vorhanden ist oder wenn die Harnausscheidung vermindert ist.

Daher sollte während der Behandlung mit Natriumchlorid regelmäßig die Natriumchloridkonzentration im Blut kontrolliert werden.

Bei der äußerlichen Anwendung, also als Spülung oder Salbe gibt es keine Einschränkungen.

Was müssen Sie bei der Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bei der Anwendung von Natriumchlorid während einer Schwangerschaft und der Stillzeit gibt es keine Bedenken.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Auch Kinder können Natriumchlorid ohne Probleme zu sich nehmen. Allerdings wird der Arzt hier eine Höchstdosis pro Tag bei innerlicher Verwendung festsetzen, das sich der Bedarf an Flüssigkeit und Elektrolyt nach der Dosierung verändern kann und Kinder dies meist noch nicht selber einschätzen können.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Natriumchlorid?

Wie bei allen Arzneimitteln können die Nebenwirkungen je nach Verfassung des Patienten und der Form des Wirkstoffes unterschiedlich ausfallen oder gar ganz wegfallen.

Allergische Reaktionen sind nicht bekannt, aber können wie bei allen Arzneimittel auftreten. Bei ersten Anzeichen umgehend einen Arzt kontaktieren, um über die weitere Behandlung zu entscheiden.

Bei innerlicher Anwendung

Nebenwirkungen ohne Angabe von Häufigkeit

  • Überschuss an Blutnatrium und/oder Blutchlorid
  • Volumenbelastung
  • vermehrte Harnausscheidung
  • Durchfall
  • Venenreizung
  • Venenwandentzündung

Bei äußerlicher AnwendungNebenwirkungen ohne Angabe von Häufigkeit

  • milde Reizwirkung auf Haut
  • leichtes Brennen auf Schleimhaut

Es können auch weitere Nebenwirken auftreten, die oben nicht angezeigt sind. Da Natriumchlorid ein natürlicher Wirkstoff ist, halten sich diese jedoch meist in Grenzen.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Natriumchlorid?

Glukokortikoide (Wirkstoff gegen Entzündungen) und acth (Gehirnhormon) können Wirkung von Natriumchlorid verzögern und dadurch verstärken. Es wird daher empfohlen Natriumchlorid nicht gemeinsam mit Kortison oder ATCH einzunehmen.

Bei äußerlicher Anwendung sind bisher keine Wechselwirkungen bekannt.

Jedoch sollte in den folgenden Situationen eine genaue Risiko-Nutzen-Analyse vor Start der Behandlung durchgeführt werden:

  • verminderter Blutkaliumkonzentration
  • starkem Natriummangel
  • einer mittleren bis schwerwiegenden Herzmuskelschwäche
  • Wassereinlagerungen im Gewebe
  • Lungenödemen
  • schwere Nierenfunktionsstörung
  • einer Körperübersäuerung
  • Krampfanfällen durch Schwangerschaftskomplikationen

Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Natriumchlorid zu beachten?

Bei den folgenden Erkrankungen gilt besondere Vorsicht und eine genaue Überprüfung ob die innerliche Anwendung von Natriumchlorid tatsächlich mehr Nutzen als Risiken aufweisen wird.

Darunter fallen unter anderem:

  • verminderte Blutkaliumkonzentration
  • starker Natriummangel (als stark wird dieser bei mehr als 120 Millimol/Liter bezeichnet)
  • Wasserlunge oder Ansammlungen von Wasser im Gewebe
  • Bluthochdruck
  • Körperübersäuerung
  • Schwere Nierenfunktionsstörung
  • bei Krampfanfällen im Rahmen von Komplikationen bei einer Schwangerschaft.

Vor Anwendung von Natriumchlorid vor allem in Tabletten-Form einen Arzt oder Apotheker fragen, da eine unsachgemäße Verwendung den Flüssigkeits- und Natriumhaushalt eher durcheinanderbringt, statt in auf Vordermann zu bringen.

Nach Ablaufen des Verfalldatums, was auf dem Behälter deutlich gekennzeichnet ist, ist das Arzneimittel nicht mehr zu verwenden.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Natriumchlorid

Medikamente, die Natriumchlorid enthalten, sind apothekenpflichtig, jedoch nicht rezeptpflichtig. Kochsalzlösungen ist demnach ausschließlich in der Apotheke erhältlich, müssen aber nicht vom Arzt verschrieben werden.


Geschichte

Seit wann ist Natriumchlorid bekannt?

Salz wurde schon vor tausenden von Jahren als das weiße Gold bezeichnet, da er sehr vielfältig einsetzbar war. Im Mittelalter begannen die Leute die Lösungen herzustellen.

Unter anderem nutzen sie diese zum Desinfizieren von Wunden. Zwar war die Behandlung sehr schmerzhaft und beschädigte auch die gesunden Zellen, doch die Wirkung war außerordentlich gut, so dass die Kochsalzlösung als Heilmittel angesehen wurde.

Des Weiteren wurden Neugeborene zur Stärkung in Natriumchlorid eingerieben. Nach und nach wurden die heute bekannten Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten entdeckt.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnamen

Bei Hypokaliämie Natriumchlorid mit besonderer Vorsicht verwenden. Hier gilt es darauf zu achten, dass der Kaliumgehalt durch die Verdünnung nicht noch weiter reduziert wird.

Ebenso ist der Patient bei vorliegenden Erkrankungen, die mit einer restriktiven Natriumzufuhr in Verbindung stehen, engmaschig zu beobachten. Darunter fallen schwere Herz– und Niereninsuffienz, Hypteronie, Eklampsie, Lungenödeme sowie generalisierte Ödeme.

Auch bei der gleichzeitigen Behandlung von Natriumchlorid mit Kortison (Glukokortikoiden) oder ACTH (Gehirnhormon) sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

In diesem Fall, sowie bei allen anderen erwähnten Erkrankungen sind das Serumionogramm, die Wasserbilanz und der Säure-Base-Haushalt regelmäßig zu ermitteln und zu kontrollieren.


Quellen

  • Arzneimittel-Fachinformation (CH, D)
  • B. Braun, Grundlagen der Infusionstherapie, 2012
  • Europäisches Arzneibuch PhEur
  • Lehr- und Handbücher der Chemie und der pharmazeutischen Technologie
  • Lexika der Lebensmitteltechnologie
  • Li H. et al. 0.9% saline is neither normal nor physiological. J Zhejiang Univ Sci B, 2016, 17(3), 181-7
  • Reddi B.A. Why is saline so acidic (and does it really matter?). Int J Med Sci, 2013, 10(6), 747-50

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Top