Piperin

Piper nigrum (schwarzer Pfeffer) findet universell Verwendung und ist der Princeton-University zufolge das am meisten gehandelte und genutzte Gewürz der Welt.

Manchmal wird der schwarze Pfeffer sogar als König der Gewürze bezeichnet und ist voller Mineralien, Vitamine und Antioxidantien, welche bei Anämie, Atemwegserkrankungen und Verdauungsstörungen helfen können.

Die Pfefferkörner verdanken ihre Schärfe dem Inhaltsstoff Piperin, welcher in vielen Nahrungsergänzungsmitteln Verwendung findet und viele positive Eigenschaften hat.

Hier erfahren Sie, was Piperin ist, wie der Wirkstoff angewendet wird und welche Nebenwirkungen bei einer Einnahme dieses Wirkstoffs auftreten können.

PiperinWas ist Piperin?

Der Wirkstoff ist das Hauptalkaloiod schwarzen Pfeffers und dafür verantwortlich, dass Pfeffer so scharf schmeckt.

Piperin findet sich zu fünf bis acht Prozent im schwarzen, weißen und langen Pfeffer. Zu 0,4 Prozent findet sich der Wirkstoff in Kubebenpfeffer.

Das L-Lysin ist der Startpunkt der Biosynthese, welches an das Pyridoxalphosphat bindet. Dieses decarboxyliert das L-Lysin anschließend.

Das 5-Aminopentanal entsteht durch oxidative Desaminierung. Das 5-Aminopentanal wird sodann als ∆1-Piperidein zu einem Ringschluss verbunden. Nach der Reduktion dieser Substanz entsteht als Reaktion mit Piperinsäure das Piperin, das aus Wasser austritt.

Durch die Kondensation eines aktivierten Zimsäurederivats und Malonyl-Coenzym A wird die Piperinsäure bereitgestellt.

Piperin kann synthetisch aus Piperidin sowie Piperinsäure hergestellt werden. Es kann jedoch ebenfalls aus schwarzem Pfeffer mit Ethanol kristallisiert werden, wenn diese vorher extrahiert wurden.

Weil durch die saure Katalyse ebenfalls Formaldehyd abgespalten wird, kann der Wirkstoff in größeren Mengen schädlich sein.

Ähnlich wie der Wirkstoff Capsaicin hat auch Piperin einen scharfen Geschmack. Unter dem Einfluss von Licht bilden sich Isomere, die nicht mehr scharf schmecken, wodurch ein Verlust der Schärfe des Gewürzes erzeugt werden kann.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Der Wirkstoff wird eingesetzt bei


Allgemeines

Allgemeines
NamePiperin
Andere Namen
  • 1-Piperoylpiperidin
  • Piperinsäurepiperidin
  • Piperinsäurepiperidid
SummenformelC17H19NO3
Kurzbeschreibungbeigefarbener Feststoff

Wirkungsweise

So wirkt Piperin

Der Wirkstoff verbessert die Produktion von Beta-Endorphinen. Dies sind Endorphine, die am häufigsten im menschlichen Körper vorkommen.

Diese sind zu einem dafür zuständig, dass der Mensch Euphorie empfinden kann, zum anderen helfen Endorphine auch dabei, die Stresstoleranz zu steigern.

Studien weisen auf, dass die kognitive Funktion des Gehirns durch den Anstieg des Beta-Endorphinspiegels positiv beeinflusst wird. Aus 1985 beschreibt eine Publikation der Wissenschaftler Zager und Black dass Beta-Endorphine Lernprozesse und das Erinnerungsvermögen optimieren.

Der Wirkstoff fördert ebenso den Dopamin-Haushalt. Dopamin ist einer der wichtigsten Neurotransmitter im Gehirn. Unter anderem wird er aus der wichtigen Aminosäure Phenylalanin synthetisiert und regt die Nervenzellen an.

Somit ist Dopamin für Informationsverarbeitung verantwortlich. Dopamin wird durch ein bestimmtes Enzym gespalten. Dies ist die MAO (Monoaminoxidase). Wenn Dopamin erst einmal gespalten ist, verliert es seine Wirkung.

Hier kann Piperin helfen: Der Wirkstoff hemmt das Enzym Monoaminoxidase und trägt dazu bei, dass weniger Mengen an Dopamin gespalten werden und mehr Dopamin im Gehirn bleiben, sodass eine optimale Versorgung gewährleistet ist.

Ähnlich wie auf Dopamin wirkt der schwarze Pfeffer auch auf Serotonin, welches für die Gemütsstimmung des Menschen verantwortlich ist. Der Wirkstoff intensiviert den Effekt von 5-HTP, einem Molekül, welches im Gehirn für die Produktion von Serotonin genutzt wird.

Auch hier reduziert der schwarze Pfeffer den Abbau des Neurotransmitters, indem Piperin das Enzym MAO hemmen kann. Dieses würde Serotonin andernfalls spalten und unwirksam machen.

Piperin kann durch seine Wirkung auf die Produktion von Serotonin die mentale Leistung verbessern, Stimmung heben und Stress reduzieren.

Der Wissenschaftler J. Wattana Thorn hat in einer Studie aus dem Jahr 2008 gezeigt, dass der Wirkstoff eine deutlich antidepressive Wirkung hat, wenn der Wirkstoff über einen Zeitraum von vier Wochen eingenommen wurde.

Zudem ist Piperin an der Produktion von Botenstoffen beteiligt, da es den Calcium-Fluss im Körper steuert. Calcium fördert das Nervenzellen-Wachstum und hilft dabei, Botenstoffe freizusetzen. Dadurch kann der Wirkstoff die Synchronisation der Nervenaktivitäten im Gehirn fördern.

Schwarzer Pfeffer kann zusätzlich die Verbindung von Nervenzellen schützen und verhindert dadurch den früheren Zelltod.

Wissenschaftler sehen einen generellen Zusammenhang zwischen der Gesundheit und dem Konsum von Gewürzen wie Pfeffer.

Spezifische Krankheiten, insbesondere jene neurodegenerativer Art, sind in Regionen, deren Ernährung reich an Gewürzen ist (wie Asien) weniger gehäuft. Dabei wird vor allem schwarzer Pfeffer sehr häufig verwendet.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Piperin

Die Substanz Piperin wird in Form von Tabletten peroral (über den Mund) aufgenommen. Die Enzyme werden von der Leber metabolisiert und anschließend über den Darm und Nieren ausgeschieden.


Anwendungsgebiete

Wann wird Piperin eingesetzt?

Piperin regt den Stoffwechsel und die Sekretion (Verdauungssäfte, Speichel) an. Des Weiteren wirkt der Stoff antimikrobiell. Aus diesem Grund wird der Wirkstoff auch gelegentlich dazu eingenommen, um eine Fastenkur zu unterstützten.

Der Wirkstoff findet zunehmend im Kraftsport und Bodybuilding Verwendung als Nahrungsergänzungsmittel.

Die Pharmaindustrie ist ebenfalls an der Forschung des Piperins beteiligt, da dieses auch als Wundermittel für das Abnehmen angepriesen wird.

An der Sejong-Universität in Seoul wurde eine Studie zu den Effekten von Piperin an Zellkulturen des Menschen durchgeführt, welche ergab, dass diese die Neubildung von Fettzellen verhindern konnte. Daraus lässt sich jedoch keine endgültige Wirksamkeit gegen menschliche Fettleibigkeit ableiten.

Bei der Behandlung sowie Vorbeugung von Parkinson kann schwarzer Pfeffer helfen, da Piperin positiv in den Dopamin-Haushalt eingreift. Denn bei Parkinson-Patienten ist die Dopamin-Produktion gestört.

Die Nervenzellen, welche Dopamin produzieren, können nicht die von dem Körper benötigte Menge produzieren. Dieser Mangel an Dopamin führt vor allem zur Beeinträchtigung und Verlangsamung von Bewegungen.

Auch das sensible Gleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn gerät durch den Dopamin-Mangel aus dem Gleichgewicht.

Der Neurotransmitter Acetylcholin erhält durch den Mangel an Dopamin ein anschließendes relatives Übergewicht, welche für die Muskelsteifheit und das Zittern bei Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, verantwortlich ist.


Richtige Anwendung

So wird Piperin angewendet

Es gibt keine hinreichenden Langzeitstudien, die über die exakte Dosierung des Wirkstoffs Aufschluss geben. Generell wird der Wirkstoff in einer Dosierung zwischen zehn und zwanzig Milligramm angewendet.

Auf allen Produktverpackungen befinden sich Angaben zu der jeweiligen empfohlenen Dosierung des Wirkstoffs.

Auch die Konzentration der einzelnen Wirkstoffe sind dort nachzulesen. Die Angaben sind dringend zu beachten, um eine mögliche Überdosierung zu verhindern.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Piperin?


Handelsnamen

Kombinationspräperate

  • zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel

Indikationen

Der Wirkstoff Piperin wird in der Homöopathie bei Leiden wie Fieber, Krämpfen, Halsschmerzen, Verspannungen, Muskelschmerzen, Bluthochdruck und Hautunreinheiten angewendet. Deshalb findet der Wirkstoff vor allem im Kraftsport und Bodybuilding viele Anhänger.

Piperin verstärkt die Wirkung diverser anderer Arzneistoffe. Um eine Verstärkung der Wirkung solcher Arzneistoffe zu garantieren, findet Piperin ebenfalls Anwendung.


Gegenanzeigen

Wann darf Piperin nicht verwendet werden?

Piperin lässt sich bei bei verschiedenen Wirkstoffen als Bioenhancer verwenden, da dies die Bioverfügbarkeit vieler Vitalstoffe drastisch verbessert. Es ist jedoch zu beachten, dass der Wirkstoff für eine kurze Zeit im Leberstoffwechsel zahlreiche Entgiftungs-Enzyme hemmt.

Personen mit einer schlechten Entgiftungs-Leistung sollten daher von einer Anwendung von Piperin absehen. Dies gilt auch für Menschen mit Leberschäden und Leberkrankheiten.

Piperin wirkt auf die Sekretion der Verdauungssäfte anregend und erhöht die lokale Durchblutung der Darmgefäße.

Personen, die einen sehr empfindlichen Darm haben oder an chronischen Darmerkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa erkrankt sind, dürfen deshalb Piperin nicht einnehmen.

Piperin darf nur nach einer sorgfältigen Risiko-Nutzen-Abwägung durch den Arzt eingenommen werden, wenn zusätzlich zu Piperin konventionelle Medikamente angewendet werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die gesundheitlichen Risiken von isoliertem Piperin bewertet und empfiehlt, dass Schwangere und Stillende Piperin nicht einnehmen sollen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Piperin ist für Kinder und Jugendliche nicht geeignet.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Piperin?

Es gibt laut den bisherigen Forschungsergebnissen keinen Hinweis, der auf ernste Nebenwirkungen und Beeinträchtigung der Gesundheit bei Einnahme von Piperin hinweisen würde. Allgemein wird Piperin gut vertragen.

Es liegen jedoch hinsichtlich mangelnder Langzeitstudien keine hinreichenden Ergebnisse vor, weshalb es sich empfiehlt, den Wirkstoff vorher in kleinen Mengen zu testen, um zu sehen, wie der Körper auf Piperin reagiert.

Bei einer Kombination von Piperin mit Kurkuma, gelten folgende Einschränkungen:

  • Bei Leberentzündungen oder Gallensteinen sollte das Präparat nicht angewendet werden.
  • Für Kleinkinder, Schwangere und Stillende ist die Einnahme nicht zu empfehlen, da entsprechende wissenschaftliche Nachweise fehlen.
  • Wenn Arzneimittel zur Blutgerinnung eingenommen werden, sollte vor der Einnahme des Wirkstoffs ein Arzt konsultiert werden.
  • Es kann zu Wechselwirkungen kommen, wenn zusätzlich entzündungshemmende Medikamente genommen werden.
  • Diabetiker sollten während der Anwendung des Wirkstoffs ihre Blutzuckerwerte regelmäßig ärztlich überprüfen lassen.

Des Weiteren kann es sein, dass eine Überdosierung des Wirkstoffs zu einer Abspaltung von Formaldehyd führt.

Die Vermutung liegt nahe, dass Piperin auch die Wirkungsweise bestimmter Medikamente verstärkt. Eine Überdosierung von anderen Medikamenten ist daher nicht ausgeschlossen.

Wer regelmäßig Arzneistoffe einnimmt, sollte vor der Anwendung von Piperin mit einem Arzt sprechen und die Piperin-Dosis gegebenenfalls abstimmen.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Piperin?

Das Piperin kann dazu führen, dass sie andere Arzneistoffe mehr im Körper anreichern als beabsichtigt. Daher sollte Piperin nicht angewendet werden, wenn regelmäßig Medikamente angewendet werden.

Eventuelle Wechselwirkungen des Leberstoffwechsels können nicht ausgeschlossen werden. Bei Unsicherheiten sollte vor der Einnahme von Piperin ein Arzt konsultiert werden.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Piperin zu beachten?

Aufgrund der zahlreichen positiven Eigenschaften wird der Wirkstoff auch verstärkt als Nahrungsergänzungsmittel genutzt.

Zwar sagt man Piperin eine gewichtsreduzierende Wirkung nach, aber der Fettabbau hängt von vielen weiteren Faktoren ab und kann nicht nur durch diesen Wirkstoff beeinflusst werden.

In Verbindung mit Nikotin, Alkohol oder Drogen kann der Wirkstoff negative Auswirkungen haben.

Die antibakteriellen, antimikrobiellen sowie antioxidativen Eigenschaften von schwarzem Pfeffer sind unumstritten.

Bei der Dosis ist die angegebene Empfehlung nicht zu überschreiten.

Piperin ist häufig in Kombinationspräparaten enthalten. Dabei findet der Wirkstoff hauptsächlich in Kombination mit Curcumin Verwendung.

Es bestehen keine grundlegenden Richtlinien über die Dosierung dieses Wirkstoffs, da entsprechende Studien bislang fehlen.

Es ist daher empfehlenswert, mit einer niedrigen Dosierung zu beginnen und zu beobachten, wie der Körper auf das Piperin anspricht. Die Dosis kann dann mit der Zeit gesteigert werden.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Piperin

Piperin ist in Form von Nahrungsergänzungsmitteln frei erhältlich.


Geschichte

Seit wann ist Piperin bekannt?

Piperin wurde erstmals im Jahr 1819 von Hans Christian Oersted, einem dänischen Physiker, Chemiker und Naturphilosophen, isoliert. 1979 wurde der Wirkstoff als erster Bioenhancer beschrieben und findet seither Verwendung in vielen Nahrungsergänzungsmitteln.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Falls Sie schulmedizinische Arzneimittel einnehmen, sollten Sie vorher mit einem Arzt besprechen, ob Piperin für Sie geeignet ist, weil Piperin ebenfalls bei Arzneimitteln zu einer besseren Bioverfügbarkeit führen kann.

Schwangere und Stillende müssen vor der Einnahme dieses Wirkstoff einen Arzt befragen.

Auch bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colits ulcerosa sollte auf Einnahme von Piperin-Produkte verzichten werden.

Die empfohlene Verzehrmenge des Präparats darf nicht überschritten werden. Der Wirkstoff ist außerhalb der Reichweite von Kindern und kühl und trocken aufzubewahren.


Quellen

  • Albert Gossauer: Struktur und Reaktivität der Biomoleküle. 2006, ISBN 3-906390-29-2, S. 249.
  • C. K. Atal: A breakthrough in drug bioavailability-a clue from age old wisdom of Ayurveda. In: IMDA Bulletin. Band 10, 1979, S. 483–484.
  • Datenblatt Piperin (PDF) bei Merck, abgerufen am 21. April 2011.
  • Eintrag zu Piperin in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  • Eintrag zu Piperin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 27. Juli 2011.
  • Piperin. In: Lexikon der Ernährung. Abgerufen am 9. April 2019.
  • Scharf gegen Fett. bdw, wissenschaft.de. 4. Mai 2012. Abgerufen am 28. Oktober 2016.
  • Theo Dingermann, Karl Hiller, Georg Schneider, Ilse Zündorf: Schneider – Arzneidrogen.
  • Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2004, ISBN 3-8274-1481-4, S. 438.
  • Toxicology Letters. Band 16, S. 351, 1983.

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