Lendenwirbel

Lendenwirbel – Beweglichkeit und Schutz des Rückenmarkes

Die Lendenwirbel sind Teil der Wirbelsäule und übernehmen wichtige Funktionen im menschlichen Körper. Sie schützen das Rückenmark und die Nerven vor Beschädigungen und sorgen für die Stabilisation und Beweglichkeit des menschlichen Körpers. Lendenwirbel gibt es in unterschiedlicher Anzahl bei Menschen, Säugetieren und Vögeln.

Was sind Lendenwirbel?

Der menschliche Körper verfügt über insgesamt fünf Lendenwirbel. Der lateinische Fachbegriff für Lendenwirbel ist Vertebrae lumbales. Sie bilden die Lendenwirbelsäule und kommen bei Menschen, Säugetieren und Vögeln vor. Katzen und Hunde haben zum Beispiel sieben Lendenwirbel und bei Vögeln sind die einzelnen Lendenwirbel verknöchert und starr.
Die Lendenwirbelsäule befindet sich im unteren Teil der menschlichen Wirbelsäule. Sie reicht vom Kreuzbein bis zur Brustwirbelsäule. Alle Lendenwirbel haben eine ähnliche Form, die an eine erinnert. Insgesamt sind Lendenwirbel größer, als die anderen Wirbel der Wirbelsäule. Im medizinischen Bereich werden die Lendenwirbel durchnummeriert. Der Lendenwirbel, der sich am nächsten zum Kopf befindet, bekommt die Nummer eins. Die anderen Lendenwirbel erhalten dann entsprechend ihrer Reihenfolge die Nummern zwei bis fünf. Eine gesunde Wirbelsäule weißt eine leichte Krümmung auf. Gibt es eine Änderung der normalen Krümmung der Wirbelsäule, führt dies zu einer falschen Körperhaltung. Ein Flachrücken oder ein Hohlkreuz sind typische Erscheinungsbilder.

Funktionen & Aufgaben

Die Lendenwirbel übernehmen viele wichtige Aufgaben im menschlichen Körper:

  • Stabilisierung des Rumpfes
  • Rumpflast tragen
  • Beweglichkeit des menschlichen Körpers
  • Schutz des Rückenmarks

Ohne Lendenwirbel wäre ein aufrechtes Stehen nicht möglich. Denn die Lendenwirbel sorgen für eine Stabilisierung des Rumpfes. Gleichzeitig bilden die Lendenwirbel die Verbindung zum Kreuzbein und geben die Rumpflast an dieses weiter. Ohne die Lendenwirbel wäre ein aufrechtes Sitzen oder Gehen nicht möglich.

Der menschliche Körper ist sehr beweglich. Ein Beugen und Strecken nach oben und zur Seite ist ganz einfach möglich. Die Lendenwirbel sind so aufgebaut, dass sie diese Beweglichkeit des Körpers unterstützen und zulassen. Drehungen sind jedoch nicht möglich. Wie die anderen Wirbel auch, verfügen die Lendenwirbel über Bandscheiben, welche eine wichtige Pufferfunktion übernehmen. Zusätzlich sind die Lendenwirbel so mit der Rückenmuskulatur verknüpft, dass sie diese bei ihrer Arbeit unterstützen. Im Allgemeinen ist der menschliche Körper in jungen Jahren beweglicher, als mit fortgeschrittenem Alter. Alte Menschen haben häufig Probleme, sich schnell zu beugen oder zu strecken.

Bandscheiben, Lendenwirbel und Muskulatur haben die wichtige Aufgabe, das Rückenmark und damit die Nerven im Spinalkanal der Wirbelsäule zuverlässig zu schützen. Das Rückenmark geht nur bis zum zweiten Lendenwirbel. Danach folgen die Spinalnervenwurzeln. Eine Verletzung der Nerven hat große Auswirkungen auf die Beweglichkeit des Körpers und kann zu einer kompletten Querschnittlähmung führen.

Anatomie & Aufbau

Zum Aufbau der Lendenwirbel gehören:

  • Lendenwirbelbogen (Arcus vertebrae)
  • Lendenwirbelkörper (Corpus vertebrae)
  • vier Wirbelgelenke
  • 2 Querfortsätze (Processus transversus)
  • Dornfortsatz (Processus spinosus)
  • 2 Zitzenfortsätze (Processus mamillaris)

Alle Lendenwirbel sind gleich aufgebaut und bestehen aus den gleichen Bestandteilen. Der größte Teil des Lendenwirbels macht der Lendenwirbelkörper aus. Dieser zeigt in Richtung Brust. Er hat eine ovale Form und besitzt oben und unten jeweils eine Deckplatte. An den Deckplatten befinden sich Bandscheiben und Bänder. Der Lendenwirbelbogen ist über Füßchen mit dem Lendenwirbelkörper verbunden. Dadurch entsteht ein Hohlraum, welcher als Lendenwirbelloch bezeichnet wird. Die einzelnen Lendenwirbellöcher wiederum bilden den Lendenwirbelkanal, in dem das Rückenmark liegt.

Die Querfortsätze sind wichtige Bestandteile der Lendenwirbel, um Muskeln und Bänder mit der Wirbelsäule verbinden zu können. Sie befinden sich seitlich auf der linken und rechten Seite des Wirbelbogens. Auch der Dornfortsatz übernimmt eine ähnliche Funktion. Er ist Verknüpfungspunkt und Bindungselement für Bänder und die Rückenmuskulatur. Er befindet sich ebenfalls am Lendenwirbelbogen. Der Dornfortsatz und die Querfortsätze erzeugen zusammen eine Art Hebelwirkung und unterstützend die Muskulatur in ihrer Funktion. Die Gelenkfortsätze dienen als Verknüpfung zwischen den einzelnen Wirbeln. Sie sind paarweise unterhalb und oberhalb des Lendenwirbels angebracht.

Besonderheiten der Lendenwirbel
Die Lendenwirbel sind nicht exakt gleich aufgebaut, wie die anderen Wirbel der Wirbelsäule. So ist der Lendenwirbelkörper im Vergleich zu den anderen Wirbeln sehr stark ausgeprägt. Die Bogenplatte dagegen ist eher kürzer als bei den anderen Wirbeln. Besonders ist auch das Wirbelloch. Es hat eine dreieckige Form und ist kleiner als bei den anderen Wirbeln. Grund für die besonders robuste und widerstandsfähige Konstruktion der Lendenwirbel ist die große Verschleißerscheinung. Lendenwirbel werden viel stärker als andere Wirbel beansprucht und müssen täglich großen Belastungen standhalten.

Rückenmark im Lendenwirbel
Das Rückenmark führt nicht durch alle fünf Lendenwirbel, sondern endet beim zweiten Lendenwirbel. Die Nerven für die Beine werden aber zum Beispiel weiter durch den Wirbelkanal geleitet. Bei einem Bandscheibenvorfall kommt es daher zum Beispiel oft zu Problemen mit der Beweglichkeit der Beine und Füße.

Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Die Lendenwirbel müssen große Belastungen jeden Tag aushalten. Krankheiten und Beschwerden in diesem Bereich werden durch äußere Verletzungen oder Verschleißerscheinungen verursacht. Krankheiten werden unter dem Begriff Lendenwirbelsäulen-Syndrom, kurz LWS-Syndrom zusammengefasst.

Das Lendenwirbelsäulen-Syndrom, oder auch abgekürzt LWS-Syndrom umfasst mehrere Krankheiten, die im Bereich der Lendenwirbelsäule auftreten können. Sie haben gemein, dass bei allen Krankheiten die gleichen Beschwerden auftreten, nämlich Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbel. Man spricht auch von „degenerativen Veränderungen“, die im Bereich der Lendenwirbelsäule auftreten. Starke Belastungen verursachen also Verschleißerscheinungen. Zu den degenerativen Veränderungen gehören knöcherne Veränderungen der beweglichen Wirbelverbindungen, Bandscheibenschäden und funktionsgestörte Haltebänder. Auch Wachstumsstörungen, Entzündungen oder Verletzungen im Bereich der Lendenwirbel können zu Rückenschmerzen führen.

Akute Rückenschmerzen
Bei den auftretenden Rückenschmerzen handelt es sich um einen dumpfen Schmerz, der in seltenen Fällen bis in die Beine ausstrahlt. Akute und chronische Kreuzschmerzen sind möglich. Besonders bekannt ist der Hexenschuss (lateinisch Lumbago), welcher akute Rückenschmerzen verursacht. Durch starke Muskelverspannungen wird die Beweglichkeit eingeschränkt und es kommt zu starken Rückenschmerzen. Ruckartige Bewegungen oder das Anheben von schweren Gegenständen können eine Lumbago verursachen.

Chronische Rückenschmerzen
Chronische Rückenschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Haltungsschäden sind eine häufige Ursache für chronische Rückenschmerzen. Wenn die Zwischenwirbelräume mit der Zeit weniger werden, werden dadurch auch chronische Rückenschmerzen verursacht. Treten Veränderungen an den Wirbelgelenken auf, wird dies als Spondylarthrose bezeichnet. Ein Beispiel für eine entzündliche, degenerative Veränderung ist die Morbus Bechterew Erkrankung. Tumore treten nur selten im Bereich der Lendenwirbel auf.

Bandscheibenvorfall
Bandscheibenvorfälle sind die Folge von Verschleißerscheinungen im Bereich der Lendenwirbel. Bandscheibenvorfälle können auch im Bereich der Halswirbelsäule auftreten. Die Bandscheiben puffern Stöße ab und dämpfen sie. Durch Verschleißerscheinungen können die Bandscheiben diese Aufgabe nicht mehr erfüllen und es kommt zu chronischen Rückenschmerzen. Unbehandelt verstärken sich die Schmerzen. Wird die Bandscheibe zerstört, können Teile der gallertartigen Masse die Spiralnerven einengen und es kommt zu Gefühlsstörungen, Taubheitsgefühlen und Schmerzen in den Beinen. Typische Symptome für einen Bandscheibenvorfall sind Lähmungen, stechende Schmerzen und Muskelschwäche. Bandscheibenvorfälle können mehrmals im Leben auftreten, manchmal sogar kurz nacheinander. Meist ist der erste Bandscheibenvorfall noch eher schwach und es kommt nur zu Rückenschmerzen. Bei Lähmungserscheinungen ist eine Operation meist unumgänglich.

Scheuermann-Krankheit

Die Scheuermann-Krankheit tritt häufiger bei männlichen Jugendlichen auf, als bei weiblichen Jugendlichen. Sie ist eine Wachstumsstörung und ihre Ursachen sind noch nicht vollständig verstärkt. Hormonelle Einflüsse, genetische Veranlagung und Stoffwechselstörungen spielen aber eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Krankheit. Eine Fehlhaltung kann die Scheuermann-Krankheit begünstigen. Durch die auftretende Wachstumsstörung ziehen sich die Schultern nach vorne und es bildet sich ein runder Rücken aus. Dadurch werden die Lendenwirbel stärker beansprucht und ein Hohlkreuz wird gebildet. Damit wird eine falsche Haltung verursacht, die eine stärkere Abnutzung zur Folge hat. Das führt zu starken Rückenbeschwerden in späteren Jahren. Die Scheuermann-Krankheit wird mithilfe eines Röntgenbildes diagnostiziert. Die Wachstumsstörung kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Aber durch eine gezielte Behandlung kann die Wachstumsstörung rechtzeitig gestoppt und weitere Fehlbildungen verhindert werden.

Behandlungen eines Bandscheibenvorfalls

Eine frühe Diagnose ist bei der Behandlung eines Bandscheibenvorfalls von entscheidender Bedeutung. Mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) kann ein Bandscheibenvorfall genau diagnostiziert werden. Nur in akuten Fällen ist eine Operation nötig. Denn die bei der Operation entstandene Narbe kann später weitere Schmerzen verursachen. Eine Operation wird nur empfohlen, wenn bereits Nervenschäden eingetreten sind.
Zunächst einmal wird eine Schmerztherapie durchgeführt und der betroffene Bereich der Wirbelsäule entlastet. Ein Stufenbett sorgt nachts und auch tagsüber für eine wichtige Entlastung des Lendenwirbelbereichs. Dieses sollte daher nach einem Bandscheibenvorfall für den Patienten immer griffbereit sein.
Bei der Physiotherapie steht die Kräftigung der Muskulatur im Lendenwirbelbereich im Vordergrund. Durch eine kräftigere Rückenmuskulatur wird das Risiko eines erneuten Bandscheibenvorfalls vermindert. Die Übungen müssen regelmäßig durchgeführt werden, damit Erfolge erzielt werden können.
Ein Bandscheibenvorfall sollte nie komplett ohne ärztliche Unterstützung oder die Unterstützung eines geschulten Physiotherapeuten erfolgen.

Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls dauert in der Regel mehrere Wochen oder sogar Monate. Ausreichende Ruhepausen sind für den Körper zur Regeneration während der gesamten Zeit besonders wichtig. Besonders kurz nach dem Bandscheibenvorfall sollte der Lendenwirbelbereich so häufig wie möglich durch eine liegende Position mit erhöhten Füßen entlastet werden. Lange Sitz- und Stehphasen sind nicht zu empfehlen und behindern teilweise sogar den Heilungsprozess.

Behandlungen eines Hexenschusses

Bei einem sehr schlimmen Hexenschuss, wenn sich der Betroffene überhaupt nicht mehr bewegen kann, muss unter Umständen der Notarzt gerufen werden. Der Patient wird dann im Krankenhaus mit entsprechenden Schmerzmitteln behandelt.
Meist dauert es mehrere Tage, bis die Schmerzen des Hexenschusses wieder vollständig abgeklungen sind. Wärme hilft dabei, dass die Schmerzen Abnehmen und der Hexenschuss wieder schneller verschwindet. Durch die Wärme kann sich die Rückenmuskulatur besser entspannen. Außerdem hat Wärme eine leicht schmerzmindernde Wirkung. Wärmeflaschen, Heizdecken, ein heißes Bad und Wärmekissen leisten in diesem Fall gute Dienste.
Bei einem Hexenschuss sollte man den Rücken in keinem Fall komplett ruhigstellen. Bewegungen sorgen dafür, dass die Muskulatur wieder gelockert wird. Langsame Bewegungen, wie Spazieren gehen sind dabei besonders zu empfehlen. Auch Dehnübungen können dabei helfen, dass ein Hexenschuss wieder schneller verschwindet.

Bei einem sehr hartnäckigen Hexenschuss sind Schmerzmittel, wie Ibuprofen und Paracetamol zu empfehlen. Dadurch werden nicht nur die Schmerzen weniger, sondern die Muskeln können auch wieder entkrampfen und der Patient nimmt keine falsche Schonhaltung ein.

Wenn man häufig einen Hexenschuss bekommt, ist es empfehlenswert, mit bestimmten Sportübungen die Rückenmuskulatur zu stärken. So wird das Risiko eines Hexenschusses minimiert.

Typische & häufige Erkrankungen

 

Fragen & Antworten

Wie häufig ist ein Bandscheibenvorfall? 

Jährlich erleiden 180.000 Menschen in Deutschland einen Bandscheibenvorfall. Dabei ist die Dunkelziffer noch wesentlich höher. Denn viele Menschen erleiden einen sehr schwachen Bandscheibenvorfall, der mit der Zeit von alleine wieder verschwindet und deshalb nicht als solcher erkannt wird. Betroffen sind Menschen ab dem 30. Lebensjahr. Bei jüngeren Menschen tritt ein Bandscheibenvorfall nur in sehr seltenen Fällen auf. Tendenziell sind größere Menschen häufiger von Bandscheibenvorfällen betroffen, als kleinere Menschen, da bei größeren Menschen ein höheres Gewicht auf den Lendenwirbelbereich ausgeübt wird. Gefährdete Gruppen sind Personengruppen, die häufig schwere Gegenstände transportieren oder hochheben, sowie übergewichtige Menschen.

Was hilft gegen chronische Rückenschmerzen?
Deutschlandweit klagen 60 Prozent der Bevölkerung über Rückenschmerzen. Gerade in höherem Alter können sich schnell chronische Rückenschmerzen entwickeln. Was gegen chronische Rückenschmerzen hilft, hängt von der Ursache der Rückenschmerzen ab. Werden die chronischen Rückenschmerzen durch Verschleißerscheinungen verursacht, dann helfen spezielle Gymnastikübungen, bei denen die Muskulatur im Rückenbereich gestärkt wird. So werden die Verschleißerscheinungen gemindert und die Rückenschmerzen werden besser. Chronische Rückenschmerzen können auch durch eine falsche Körperhaltung ausgelöst werden. In diesem Fall sollte die Haltung des Körpers korrigiert werden.
In jedem Fall sollte bei chronischen Rückenschmerzen ein Arzt kontaktiert werden, um die Ursache der Rückenschmerzen abzuklären.

Wie vermeidet man einen Hexenschuss?
Ein Hexenschuss kann nicht vollständig vermieden werden. Doch bestimmte Verhaltensweisen können die Wahrscheinlichkeit eines Hexenschusses vermindern. Hebt man schwere Gegenstände an, ist es vor allem bei einer untrainierten Rückenmuskulatur wichtig, dass man in die Knie geht und einen geraden Rücken dabei macht. Ein runder Rücken beim Hochheben von schweren Gegenständen begünstigt einen Hexenschuss.
Auch Zugluft am Rücken sollte vermieden werden. Bei schweißtreibenden Tätigkeiten vermeidet man einen Hexenschuss am besten, wenn der Rücken bedeckt ist. Beim Transportieren oder hochheben von schweren Gegenständen sollte man außerdem in regelmäßigen Abständen Pausen einlegen und die Muskulatur strecken und dehnen. Dadurch verhindert man ein Verkrampfen der Rückenmuskulatur.

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