Midazolam

Midazolam ist ein Benzodaizepin mit eher kurzer Wirkungsdauer. Es wirkt vor allem beruhigend und schlafanstoßend. Haupteinsatzgebiet bildet die Anästhesiologie, aber auch bei Epilepsie und Schlafstörungen findet der Wirkstoff Anwendung. Bekannter ist der Wirkstoff unter seinem Handelsnamen Dormicum.

MidazolamWas ist Midazolam?

Midazolam ist ein Beruhigungsmittel aus der Gruppe der kurzwirksamen Benzodiazepine.

Es wirkt beruhigend, schlaffördernd, angstlösend und entspannt die Skelettmuskulatur.

In Deutschland fällt Midazolam unter das Betäubungsmittelgesetz, das heißt, die Herstellung und Vergabe sind aufgrund eines Gefahrenpotentials streng gesetzlich geregelt. Schon nach kurzer Einnahme kann der Wirkstoff zu einer psychischen Abhängigkeit führen.

Anwendung findet Midazolam als Anästhetikum und wird vor allem vor Operationen verabreicht, um Patienten zu beruhigen. Zusätzlich wird in der Regel ein anderes Betäubungsmittel verabreicht, da der Arzneistoff alleine keine schmerzstillende Wirkung hat.

Außerdem wird es eingesetzt, um im Akutfall einen epileptischen Anfall zu durchbrechen. Bei Krampfanfällen bei Säuglingen und Kindern ist Midazolam eines der Mittel der ersten Wahl. Wegen dem hohen Suchtpotential wird es als Schlafmittel eher weniger eingesetzt.

Der Wirkstoff liegt zur oralen, intramuskulären, intravenösen, rektalen und nasalen Anwendung vor. Je nach Indikation ergibt sich, welche Dareichungsform zu favorisieren ist.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Midazolam wird eingesetzt, um

  • eine Narkose einzuleiten
  • Ängste zu lösen
  • Krämpfe zu lösen
  • Schlaf auszulösen

Allgemeines

Allgemeines
NameMidazolam
Andere Namen8-Chlor-6-(2-fluorphenyl)-1-methyl-4H-imidazo[1,5-a][1,4]benzodiazepin
SummenformelC18H13ClFN3
Kurzbeschreibungweißes bis gelbliches, kristallines Pulver

Wirkungsweise

So wirkt Midazolam

Benzodiazepine wirken im zentralen Nervensystem. In unserem Gehirn werden Informationen zwischen den Nervenzellen in Form von Botenstoffen weitergeleitet.

Einer dieser Botenstoffe ist Gamma-Aminobuttersäure, kurz GABA. Midazolam greift in unseren GABA-Haushalt ein, indem es an die zweite Nervenzelle andockt. Sie modifizieren die Kanäle dieser zweiten Synapse, sodass mehr GABA in die Zelle einströmt.

GABA ist einer der wichtigsten inhibitorischen Botenstoffe des menschlichen Körpers. Es ist unter anderem zuständig für die Einleitung und die Aufrechterhaltung des Schlafes. Außerdem ist GABA an der Kontrolle der Muskulatur beteiligt und kann Ängste regulieren.

Midazolam verursacht, dass die Wirkung von GABA sich verstärkt. Analgetisch wirkt dieser Arzneistoff aber daher nicht, weshalb bei einer Narkose in jedem Fall ein schmerzstillendes Medikament hinzu gegeben werden muss.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Midazolam

Midazolam ist sehr schnell wirksam und kann nach intravenöser Gabe schon nach wenigen Minuten seine volle Wirksamkeit entfalten. Bei intramuskulärer Verabreichung dauert dies etwa 15 Minuten, bei oraler Einnahme etwa eine Stunde.

Nach oraler Einnahme wird ein großer Teil des Wirkstoffes durch die Leber direkt abgebaut, ohne seine Wirkung zu entfalten (sogenannter „First-Pass-Effekt“).

Daher hat der Körper nach oraler Einnahme nur etwa 30 bis 70 Prozent des Mittels zur Verfügung. Bei intramuskulärer Gabe liegt diese Bioverfügbarkeit bei etwa 90 Prozent, nach rektaler Verabreichung bei etwa 50 Prozent.

Midazolam hat eine Halbwertszeit von 1,5 bis 2,5 Stunden. Abgebaut wird der Wirkstoff über die Leber und zu einem kleinen Anteil auch über den Darm.


Anwendungsgebiete

Wann wird Midazolam eingesetzt?

Bei der Vorbereitung für eine Operation wird Midazolam eingesetzt, um den Patienten zu beruhigen und den Narkoseschlaf anzustoßen.

Auch macht man sich hier zunutze, das der Wirkstoff eine anterograde Amnesie auslöst, das heißt, die Merkfähigkeit für kommende Geschehnisse ist reduziert.

Bei Operationen ist dies erwünscht, dar ein Eingriff eine traumatische Situation darstellt, die unter Umständen in der Folge psychisch belastend sein kann.

Eine Narkose nur mit Midazolam ist zwar möglich, ist aber so gut wie nie indiziert, da eine gleichzeitige Analgesie nötig ist. Daher wird bei einer Narkose in nahezu allen Fällen zumindest ein Schmerzmittel zusätzlich verabreicht.

Da Midazolam krampflösend wirkt, wird es ebenfalls bei epileptischen Anfällen eingesetzt. Vor allem bei Säuglingen ab 3 Monaten und Kindern gilt Midazolam als Mittel der Wahl im akuten Krampf.

Zur Behandlung solcher Vorfälle liegt eine Lösung vor, die in die Mundhöhle eingebracht wird. Dort wird sie über die Mundschleimhaut aufgenommen und wirkt innerhalb weniger Sekunden bis Minuten.

Bei Erwachsenen wird Midazolam bei äußerst langanhaltenden oder immer wiederkehrenden epileptischen Anfällen (status epilepticus) intramuskulär verabreicht.

In seltenen Fällen kann Midazolam auch kurzzeitig bei akuten Schlafstörungen eingesetzt werden.

In den USA findet das Mittel in der Vorbereitung von Hinrichtungen Anwendung.


Richtige Anwendung

So wird Midazolam angewendet

Zur Einleitung einer Operation wird Midazolam meist oral als Filmtablette eingenommen. Die Einnahme erfolgt mit einem halben Glas Wasser.

Soll Midazolam zur Aufrechterhaltung einer Sedierung eingesetzt werden, wird der Wirkstoff in der Intensivmedizin häufig über eine Perfusorspritze verabreicht. Diese ist an einen venösen Zugang angeschlossen und gibt kontinuierlich eine geringe Menge der enthaltenen Lösung in die Vene des Patienten.

Bei einem Krampfanfall bei Kindern oder Jugendlichen wird Midazolam als entsprechende bukkale Lösung in die Backentasche gegeben. Sind die Kinder unter 6 Monaten alt, sollte dies nur unter klinischer Überwachung erfolgen.

Bei älteren Kindern, bei denen eine Epilepsie diagnostiziert wurde, können Sorgeberechtigte Midazolam auch als Notfallmedikament mit nach Hause bekommen.

In manchen Fällen ist zur Einleitung einer Narkose auch eine intramuskuläre Anwendung indiziert. Dazu wird der Wirkstoff in einen großen Muskel injiziert.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Midazolam?

Midazolam ist in folgenden Darreichungsformen auf dem Markt:

  • Filmtabletten
  • Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle
  • Fertigspritze zur intramuskulären Injektion
  • Injektionslösung zur intravenösen, intramuskulären und rektalen Anwendung
  • Lösung zur nasalen Anwendung

Neben dem freien Midazolam gibt es auch Präparate, die Salze des Wirkstoffes enthalten. Dies sind Midazolammaleat und Midazolamhydrochlorid. Diese Salze unterscheiden sich nicht hinsichtlich ihrer Bioaktivität von dem reinen Midazolam.

Kombinationspräparate gibt es mit diesem Wirkstoff nicht, da eine Kombination mit anderen Präparaten sehr individuell auf den Patienten abgestimmt wird.


Handelsnamen

Monopräperate

Midazolam wird unter folgenden Handelsnamen vertrieben:

  • BUCCOLAM 2,5mg, -5mg, -7,5mg, -10mg Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle
  • Dormicum 5mg/1ml, -15mg/3ml Injektionslösung
  • Midazolam HEXAL 5mg/5ml, -5mg/1ml, -15mg/3ml Injektionslösung
  • Midazolam-Actavis 1mg/ml,-2mg/ml,-5mg/ml Injektions-/Infusionslösung oder Rektallösung

Indikationen

Midazolam ist indiziert in der Intensivmedizin und wird dort zur Prämedikation vor Operationen eingesetzt. Es dient in diesem Kontext dazu, den Behandelten zu beruhigen und Ängste vor dem bevorstehenden Eingriff abzubauen.

Je nach Art des Eingriffes und abhängig von weiteren individuellen Faktoren wird Midazolam auch während der Einleitung einer Narkose zusätzlich verabreicht, vor allem um eine anterograde Amnesie zu induzieren.

Eine Narkose nur durch den Wirkstoff ist zwar möglich, eine Indikation hierfür findet sich aber so gut wie nie.

Eine Applikation des Arzneimittels in die Wangentasche ist indiziert bei kindlichen, epileptischen Anfällen. Bei Erwachsenen stellt der status epilepticus (sehr lang anhaltender Krampf oder immer wieder kehrende epileptische Anfälle) eine Indikation für eine intramuskuläre Injektion von Midazolam dar.

Als Schlafmittel sollte Midazolam nur in speziellen Fällen und dann nur sehr kurzzeitig eingesetzt werden. Schon nach wenigen Anwendungen kann dieser Wirkstoff zu Abhängigkeitserscheinungen führen.

Da Abhängigkeit bei Schlafmitteln generell ein Problem darstellt, sind in der Regel andere Mittel mit weniger Suchtpotential zu wählen.


Gegenanzeigen

Wann darf Midazolam nicht verwendet werden?

Besteht eine Überempfindlichkeit gegenüber Midazolam oder generell gegenüber Benzodiazepinen, darf der Wirkstoff nicht eingesetzt werden.

Da Midazolam auf das Atemzentrum einwirkt und die Atmung verlangsamt, ist eine Behandlung bei akuter Atemdepression oder schwerer Ateminsuffizienz nicht zulässig.

Bei beeinträchtigter Atemfunktion oder einer chronischen Atemerkrankung sollte eine Therapie mit Midazolam kritisch hinterfragt werden und wenn nur unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Da der Wirkstoff über die Leber abgebaut wird und diese dabei belastet, ist Midazolam bei stark eingeschränkter Leberfunktion ebenfalls kontraindiziert.

Schließlich bildet auch die Einnahme einiger anderer Arzneimittel eine Kontraindikation für eine Behandlung mit Midazolam. Beispiele sind einige Medikamente zur Therapie von hiv (etwa Indinavir oder Nelfinavir) und orale Antimykotika (etwa Itraconazol).

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

In der Schwangerschaft darf Midazolam nur eingesetzt werden, wenn der Arzt eine zwingend notwendige Indikation sieht. Wie bei anderen Benzodiazepinen auch zeigen sich in Tierversuchen Hinweise auf eine embryotoxische Wirkung.

Außerdem kann es nach der Geburt bei dem Neugeborenen zu Entzugserscheinungen kommen.

Während eines Kaiserschnittes ist ebenfalls auf die Gabe von Midazolam zu verzichten, da der Wirkstoff zu Komplikationen führen kann (beispielsweise unregelmäßiger Herzschlag und Atemdepression beim Neugeborenen).

Da Midazolam auch in die Muttermilch übergeht, darf nicht gestillt werden, wenn der Wirkstoff verabreicht wurde. Nach 24 Stunden kann die Mutter wieder stillen, wenn die Milch in der dazwischen liegenden Zeit verworfen wird.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern mit Epilepsie kann Midazolam ab einem Alter von 3 Monaten im akuten Krampf eingesetzt werden. Die Verabreichung erfolgt in der Regel in die Wangentasche.

Säuglinge unter 6 Monaten sollten nur unter strenger klinischer Überwachung mit Midazolam behandelt werden. Bei Kindern über 6 Monaten, bei denen eine Epilepsie diagnostiziert wurde, können Eltern die Lösung auch als Notfallmedikament mit nach Hause bekommen.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Midazolam?

Durch die Einnahme von Midazolam kann es zu einer Reihe von Nebenwirkungen kommen, deren Häufigkeit derzeit nicht genau bekannt ist.

Folgende Nebenwirkungen sind möglich:

Bei einigen Patienten führt eine Einnahme von Midazolam zu einer sogenannten paradoxen Reaktion.

Statt durch das Mittel beruhigt zu werden, sind diese Menschen agitiert, zum Teil aggressiv, haben Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Krampfanfälle.

Was der Auslöser für eine solche Reaktion ist, ist derzeit nicht bekannt. Für solche Fälle steht ein schnell wirksames Gegenmittel zur Verfügung (Flumazenil).


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Midazolam?

Midazolam wird durch einige andere Arzneistoffe in seiner Wirksamkeit beeinflusst. Hier sind vor allem orale Antimykotika zu nennen, die die Wirkung von Midazolam erheblich verstärken und somit zu einer Überdosierung bis hin zum Herzstillstand führen können.

Daher bildet die Einnahme solcher Medikamente eine Kontraindikation für Midazolam.

Durch Kalziumkanalblocker (etwa Verapamil und Diltiazem), das Antidepressivum Nefazodon und Atorvastatin (bei Fettstoffwechselstörungen) wird die Wirkung von Midazolam ebenfalls verstärkt. Gegebenenfalls ist die Dosierung dementsprechend anzupassen.

Andere Arzneimittel sorgen dafür, dass Midazolam schneller abgebaut wird und schwächen so die Wirkung. Beispiele hierfür sind Johanniskraut, Carbamazepin, Rifampicin und Efavirenz.

Eine gleichzeitige Einnahme von anderen Schlaf- oder Beruhigungsmitteln verstärkt die unterdrückende Wirkung auf das Atemzentrum.

So kann es zu einem Atemstillstand und damit zum Tod kommen. Dies gilt auch für andere Benzodiazepine, Methadon, einige Schmerzmittel und vor allem Alkohol.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Midazolam zu beachten?

Midazolam ist ein Wirkstoff mit ernst zu nehmenden Nebenwirkungen, der bei einer Überdosierung gefährliche Folgen haben kann. Auch sind paradoxe Reaktionen möglich, die schnelles medizinisches Handeln erfordern.

Eine Anwendung erfolgt daher meist in der Intensivmedizin oder zumindest in klinischem Setting. Ärztlichen Anweisungen ist daher in jedem Falle Folge zu leisten.

Midazolam fällt unter das Betäubungsmittelgesetz und macht sehr schnell psychisch abhängig. Bei Menschen mit Suchterkrankungen sollte der Wirkstoff daher eher nicht eingesetzt werden.

Da Alkohol und Midazolam sich gegenseitig in ihrer Wirkung auf das Atemzentrum verstärken, kann eine gleichzeitige Einnahme zum Atemstillstand führen. Daher darf während einer Behandlung mit diesem Wirkstoff keinesfalls Alkohol getrunken werden.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Midazolam

Ab einer Dosis von 50 Milligramm unterliegt Midazolam in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz. Zur Verordnung benötigen Ärzte ein entsprechendes Spezialrezept.


Geschichte

Seit wann ist Midazolam bekannt?

Die Entwicklung der Benzodiazepine geht auf die 60er Jahre zurück. Bereits vor dieser Gruppe der Arzneimittel kannte man Schlaf- und Beruhigungsmittel, allerdings hatte diese zum Teil sehr starke Nebenwirkungen und eine geringe therapeutische Breite.

Unter dem Handelsnamen Dormicum ist Midazolam seit Anfang der 80er Jahre zugelassen.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Da Midazolam eine gestörte Aufmerksamkeit, eine reduzierte Muskelkontrolle und eine Amnesie verursacht, wird die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt.

Nach einer Einnahme darf man daher nicht am Verkehr teilnahmen und sollte sich von einer vertrauten Person begleiten lassen. Wann diese Fähigkeiten wieder ausreichend hergestellt sind, hängt von der jeweiligen Behandlung ab und obliegt dem behandelnden Arzt.


Quellen

  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Joos, L: Pharmakologie aktiv, Govi-Verlag, 1. Auflage, 2009
  • Lennecke, K. et al.: Selbstmedikation für die Kitteltasche, Deutscher Apotheker Verlag, 5. Auflage, 2012
  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
  • Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin:

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