Lactat

Auch bekannt als:

Milchsäure
Bezeichnung: Laktat
Ähnliche Tests: Blutgas-Analyse


Auf einen Blick

Warum wird Laktat untersucht?

Als Hilfe bei der Diagnose einer Hypoxie (Sauerstoffmangel) oder anderen krankhaften Zuständen, bei denen zu viel Laktat produziert oder unzureichend aus dem Blut entfernt wird.

Bei welchen Erkrankungen sollte der Laktat-Test durchgeführt werden?
Bei Symptomen, die auf einen Sauerstoffmangel oder ein Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt hinweisen (z. B. schneller Atem, Übelkeit und Schwitzen). Ferner bei Verdacht auf Erbkrankheiten, die den Stoffwechsel oder die Mitochondrien betreffen.

Mit welchem Probenmaterial wird Laktat untersucht?
Mit Blut aus einer Armvene, aus einer Arterie oder mit Kapillarblut. In einigen Fällen mit Hirnwasser (Liquorprobe) aus dem Rückenmark.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Bei diesem Test wird die Laktat-Konzentration im Blut oder eher selten im Hirnwasser (Liquor) bestimmt. Laktat ist die ionische (elektrisch geladene) Form von Milchsäure. Es wird hauptsächlich von Muskelzellen, von roten Blutkörperchen, vom Gehirn sowie unter anaeroben Bedingungen (Sauerstoffmangel) auch in anderen Geweben zur Energiegewinnung produziert und liegt normalerweise in niedrigen Mengen im Blut vor. Der Körper bevorzugt normalerweise aerobe Bedingungen zur Energieproduktion, bei der sehr wenig Laktat entsteht. Hierfür ist jedoch eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff notwendig. Die aerobe Energieproduktion läuft in den Mitochondrien ab. Das sind kleine Kraftwerke innerhalb jeder Körperzelle, die mit Hilfe von Glukose und Sauerstoff ATP (Adenosintriphosphat) herstellen, die Hauptenergiequelle des Körpers.

Steht den Zellen zu wenig Sauerstoff zur Verfügung und/oder sind die Mitochondrien in ihrer Funktion gestört, muß der Körper seine Energieproduktion auf die weniger effiziente anaerobe Methode umstellen, um aus Glukose ATP herzustellen. Unter diesen Bedingungen entsteht als wichtigstes Nebenprodukt Laktat, das schneller anfallen kann als es in der Leber wieder abgebaut wird. Steigen die Laktatmengen im Blut signifikant an, spricht man zunächst von einer Hyperlaktatämie, die im weiteren Verlauf zu einer Laktat-Azidose führen kann (Laktat-Übersäuerung). Eine Hyperlaktatämie, wie sie zum Beispiel im Rahmen von körperlicher Anstrengung auftreten kann, wird vom Körper oft korrigiert und ist somit reversibel (rückbildungsfähig). Bei bestimmten Erkrankungen mit sehr hohem Anfall von Laktat und/oder einer eingeschränkten Entsorgung dieses Metaboliten kann das Säure-Basen-Gleichgewicht des Körpers empfindlich gestört werden. Dies führt zu Symptomen wie Muskelschwäche, schnellem Atem, Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen und sogar zum Koma.

Die Laktat-Azidose läßt sich in die Typen A und B einteilen. Typ A entspricht einem vermehrten Anfall von Laktat und ist in der Regel Folge einer ungenügenden Sauerstoffversorgung der Gewebe. Ursachen können eine unzureichende Aufnahme von Sauerstoff in den Lungen und/oder ein verminderter Blutfluß (Hypoperfusion) mit der Folge eines schlechteren Sauerstofftransportes zu den Geweben sein. Häufig liegt in diesen Fällen eine Störung der Durchblutung der kleinen Gefäße vor (Mikrozirkulationsstörung), die man auch als Schock bezeichnet. Ausgelöst wird diese Erkrankung durch eine Vielzahl von Ereignissen wie massives Trauma, ausgeprägter Blutverlust, Herzschwäche oder eine bakterielle Infektion. In geburtshilflichen Notfallsituationen kann ein vemehrter Anfall von Laktat auf eine Sauerstoffminderversorgung des Fetus bzw. des Neugeborenen hinweisen. Eine Laktat-Azidose vom Typ B ist durch eine Laktaterhöhung aufgrund eines verminderten Abbaus charakterisiert. Dies kann zu einer Ansammlung von Laktat trotz ausreichender Sauerstoffversorgung führen. Zugrunde liegende Erkrankungen können sein: Leber– und Nierenversagen, Diabetes, Leukämie, aids, Glykogen-Speicherkrankheiten (wie Glukose-6-Phosphat-Mangel), Medikamente, Gifte, schwere Infektionen (sowohl systemische Sepsis als auch Meningitis) sowie eine Reihe angeborener Erkrankungen des Stoffwechsels und Mitochondrien (Formen von Muskeldystrophien, welche die normale ATP-Produktion beeinflussen). In der Praxis findet sich häufig eine Kombination aus Typ A und Typ B als Ursache für die Laktatazidose.

Wie wird das Probenmaterial gewonnen?
Üblicherweise wird mit einer Nadel Blut aus einer Armvene abgenommen. Manchmal wird Blut für diesen Test auch aus einer Arterie gewonnen. In beiden Fällen kann entweder das Vollblut oder der Plasma-Anteil für die Messung verwendet werden. Gelegentlich wird Laktat im Hirnwasser (Liquor) bestimmt. Zur Gewinnung des Untersuchungsmaterials wird das Rückenmark im Bereich der Lendenwirbelsäule punktiert (Lumbal-Punktion). Wird ein Laktat-Test nicht unter Notfallbedingungen benötigt, sollte der Patient acht bis zehn Stunden lang keine Nahrung zu sich nehmen und körperliche Betätigung einige Stunden vor dem Test meiden.

Falls eine Untersuchung einem Patienten Angst macht, ihm peinlich ist oder schwierig durchzuführen, können folgende Artikel nützlich sein: Bewältigung von Schmerzen, Unbehagen und Angst bei Untersuchungen, Tipps für Blutentnahmen, Tipps dafür, wie man Kindern helfen kann, Untersuchungen gut zu überstehen und Tipps dafür, wie man alten Menschen helfen kann, Untersuchungen gut zu überstehen.

Der Artikel „Wie wird eine Probe verarbeitet?“ bietet Hinweise wie eine Blutprobe und eine Abstrich-Kultur gewonnen und aufbereitet werden.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Die Laktat-Bestimmung dient in den meisten Fällen dazu, eine Hypoxie (Sauerstoffminderversorung) des Gewebes oder eine Laktatazidose zu diagnostizieren und gegebenenfalls ihren Schweregrad zu bewerten. Der Test kann bei Verdacht auf einen vermehrten Anfall von Säuren im Blut (Azidose) zusammen mit einer Blutgasanalyse (Messung des Säure-Basen-Gleichgewichts und des Sauerstoffgehaltes im Blut) angefordert werden. In bestimmten Situationen kann die zusätzliche Messung der Pyruvat-Konzentration (wie Laktat ein Molekül des Glukosestoffwechsels) sinnvoll sein, wobei die Messung des Pyruvats methodisch aufwendig ist und daher nur von Speziallabors angeboten wird. Häufig wird die Laktat-Bestimmung auch mit anderen Test-Schemata wie metabolischer Vollstatus oder metabolischer Basis-Status kombiniert. Bei Patienten, die aufgrund einer akuten (z.B. Schock oder Herzinfarkt) oder chronischen Erkrankung (z.B. schwere Herzinsuffizienz) eine Therapie erhalten, kann mit regelmäßigen Laktat-Bestimmungen die Ausbildung einer Hypoxie bzw. der Therapie-Erfolg überwacht werden.

Laktat-Messungen werden üblicherweise in venösem Blut durchgeführt; arterielles Blut ist jedoch auch geeignet, insbesondere in Zusammenhang mit der Untersuchung der Blutgase. Bei Neugeborenen wird häufig auch Kapillarblut für die Analyse eingesetzt. Messungen aus Liquor werden in der Regel zusammen mit der Laktat-Messung aus Blut angefordert. Hier kann die Analyse bei der Unterscheidung zwischen einer viralen oder bakteriellen Hirnhautentzündung (Meningitis) zusätzliche Hinweise liefern.

Wann kann der Test sinnvoll sein?
Laktat-Spiegel in venösem oder arteriellem Blut können bei Patienten mit Symptomen einer Hypoxie (z. B. kurze und schnelle Atemzüge, Blässe, Schwitzen, Übelkeit, Muskelschmerzen, Bauchschmerzen, Koma) sinnvoll sein. Weitere wichtige Indikationen sind Verdacht auf Schock, Herzinfarkt, schwere Herzinsuffizienz, Nierenversagen oder  Diabetes mellitus mit Blutzuckerentgleisung. Dient die Laktat-Bestimmung zu Beginn einer Erkrankung der Feststellung der Diagnose bzw. in einigen Fällen auch der Abschätzung der Prognose, hilft sie – in regelmäßigen Abständen vorgenommen – den weiteren Verlauf zu überwachen.

Laktat im Liquor (häufig in Kombination mit der Bestimmung aus Blut) wird typischerweise gemessen, wenn ein Patient Symptome einer Meningitis zeigt (z. B. Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit und Bewußtseinsstörungen).

Was bedeutet das Testergebnis?
Der Laktat-Spiegel im Blut kann bei jedem krankhaften Zustand erhöht sein, bei dem entweder die für den Körper verfügbare Sauerstoffmenge zu gering, die Laktat-Produktion erhöht oder der Laktat-Abbau vermindert ist. Häufig liegt eine Kombination dieser Störungen vor. Dabei sind alle Stufen zwischen einem harmlosen lokalen Laktat-Überschuß im Muskelgewebe als Folge von Überanstrengung bis zum lebensbedrohlichen systemischen Schock möglich. Ein Laktat-Überschuß kann Symptom einer Reihe von Erkrankungen, Infektionen und angeborenen Störungen von Stoffwechsel oder Mitochondrien sein. Auch Medikamente können einen erhöhten Laktat-Spiegel verursachen, zum Beispiel Metformin (Glucophage®, ein Mittel gegen Diabetes mellitus) oder Isoniazid (TuberkuloseBehandlung).

Allgemein gilt: Je höher der Laktat-Spiegel desto schwerwiegender die Erkrankung. Die Messung hoher Laktat-Werte ergibt in der Regel keine eindeutige Diagnose. Unter Berücksichtigung anderer Laborwerte und weiterer Befunde kann der Test jedoch helfen, aus verschiedenen Ursachen für vorliegende Symptome einige zu bestätigen und andere zu verwerfen. Bei einem Patienten mit Meningitis können zum Beispiel hohe Laktat-Spiegel im Liquor auf eine bakterielle Ursache hinweisen, während normale oder nur geringgradig erhöhte Werte eher ein virales Geschehen anzeigen.

Wird ein Patient wegen einer Laktat-Azidose behandelt, zeigen über einen längeren Zeitraum sinkende Werte die Wirksamkeit der Therapie an.

Was sollte man außerdem wissen?
Ist eine Erkrankung für den Patienten nicht akut lebensbedrohlich (z. B. bei Stoffwechselerkrankungen), werden die Laktat-Messungen üblicherweise nach acht- bis zehnstündiger Nüchternheit und unter Ruhebedingungen (mehrstündige Einschränkung der körperlichen Belastung) vorgenommen. Bei der Blutabnahme sollten wiederholtes Ballen der Fäuste sowie zu langandauerndes Stauen vermieden werden, da dadurch die Laktat-Werte im Abnahmeblut erhöht werden können.

Erhöhte Laktat-Werte lassen sich auch bei Thiamin– (Vitamin-b1-)Mangel beobachten.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Probenmaterial zur Laktatbestimmung sollte mit Additiven stabilisiert werden, falls nicht eine unmittelbare Messung möglich ist. Insbesondere die Laktatproduktion der Erythrozyten ist als Faktor zu berücksichtigen und kann zu falsch hohen Meßwerten führen (Zunahme der Laktat-Konzentration in antikoaguiertem Vollbut ca. 4 mg/dl über 30 Minuten bei Raumtemperatur). In der Regel werden Probengefäße verwendet, die Natriumfluorid und Kaliumoxalat enthalten. Auch unter diesen Bedingungen sollte die Analyse jedoch unter Lagerungsbedingungen mit Raumtemperatur innerhalb von 30 Minuten und unter Kühlbedingungen (4° C) innerhalb von acht Stunden erfolgen.

Referenzbereich
Laktatkonzentration venöses Vollblut / Plasma:  4,5-20 mg/dl (0,5-2,2 mmol/l)
Laktatkonzentration arterielles Vollblut / Plasma:  Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Neben der Probenstabilisierung (siehe oben) haben die Abnahmebedingungen einen großen Einfluß auf die Laktatwerte und können zu falschen Meßwerten führen. Falls möglich, sollte eine mehrstündige Nahrungskarenz und körperliche Ruhe vor der Abnahme eingehalten werden. Bei der Blutentnahme ist eine Stauung zu vermeiden; freier Blutfluß ist eine notwendige Voraussetzung.
Eine Leukozytose kann zu artefiziellen Laktaterhöhungen führen.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Der Parameter „Lactat“ im Plasma ist nach der Richtlinie „Labor“ der Bundesärztekammer vom 24.08.2001 (letzte Änderung 14.11.2003) entsprechend der Anlage 1a ringversuchspflichtig. Die maximal zulässige Unpräzision beträgt 6%, die maximal zulässige Unrichtigkeit 9%, die maximal zulässige Abweichung des Einzelwertes 21% (verfahrensabhängiger Sollwert).

Der Parameter „Lactat“ im Liquor ist nach der oben genannten Richtlinie „Labor“ der Bundesärztekammer entsprechend der Anlage 1b ebenfalls ringversuchspflichtig. Die maximal zulässige Unpräzision beträgt 7%, die maximal zulässige Unrichtigkeit 9%, die maximal zulässige Abweichung des Einzelwertes 23% (verfahrensabhängiger Sollwert).

Eine interne Qualitätskontrolle ist ebenfalls durchzuführen.


Häufige Fragen

Was kann der Patient zur Senkung seines Laktat-Spiegels tun?

Allgemein kann ein Patient den Laktatspiegel durch einfache Maßnahmen kaum beeinflussen. Eine Änderung der Ernährung zum Beispiel zeigt kaum Auswirkungen. In der Regel ist dies auch nicht notwendig, da das Laktat üblicherweise nur bei schwerkranken Patienten auf relevante Werte ansteigt, deren Behandlung eine stationäre Aufnahme und intensive therapeutische Maßnahmen erfordert. In bestimmten Fällen kann der Patient jedoch zu einer Laktatsenkung beitragen. Dazu zählen unter anderem die konsequente Durchführung der diätetischen und medikamentösen Vorgaben bei schlecht eingestelltem Diabetes mellitus oder die Vermeidung von laktaterhöhenden Substanzen (z. B. Alkohol oder bestimmte Medikamente). Wurde eine Erkrankung (z. B. eine metabolische Störung), diagnostiziert, sollte das genaue Einhalten des Therapieplanes die Laktat-Werte senken. Ist ein erhöhter Laktat-Spiegel Folge einer vorübergehenden Erkrankung (z. B. Schock oder Infektion), kehrt dieser nach Abklingen der Erkrankung auf Normalwerte zurück.

Warum werden Laktat-Messungen manchmal lieber mit arteriellem als mit venösem Blut durchgeführt?
Laktat-Messungen mit arteriellem Blut werden für genauer gehalten. Da kein Stauschlauch benutzt wird, beeinflussen arterielle Blutabnahme-Bedingungen den Laktatwert weniger. Zusätzlich bietet eine arterielle Probe die Möglichkeit, aus der gleichen Blutprobe auch die Blutgase zu bestimmen. Wird jedoch nur eine Laktat-Messung benötigt, wird in der Regel venöses Blut abgenommen, da hier die Laktat-Konzentration ausreichend beurteilt werden kann und die Blutabnahme selbst mit weniger Aufwand verbunden ist. Grundsätzlich muß berücksichtigt werden, daß die Laktatwerte im venösen höher liegen als im arteriellen Blut.


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