Körpersprache

Körpersprache ist die urtypischste Art nonverbaler Verständigung aller Lebewesen unseres Planeten. Noch bevor sich Wörter und Laute zu einer Sprache entwickelten, war sie das Hilfsmittel, um sich untereinander mitzuteilen. Nicht nur Menschen, auch Tiere und Pflanzen bedienen sich dieser Ausdrucksform. Sie ist die ausdrucksstärkste und ehrlichste Form der Mitteilung überhaupt, weil sie eng mit Gefühlen, Instinkten und Gedanken verbunden ist. Sie verrät Absichten, zeigt Gefühle, enttarnt Lügen, deckt Schwächen auf und ist das Barometer für den Gesundheitszustand. Sie ist unser Schild in die Außenwelt, entscheidet oft über Sympathie oder Antipathie und beeinflusst so unser Leben. Körpersprache wird bewusst eingesetzt, aber sie kann uns auch unbewusst regieren.
Beherrschen wir sie? Oder beherrscht sie uns?

 

Was ist Körpersprache?

Die Körpersprache setzt sich zusammen aus visuellen Signalen und gefühlter Wahrnehmung. Die visuellen Signale sind Mimik, Gestik, Haltung und Bewegung. Die gefühlte Wahrnehmung kommt bei Körperkontakt zustande, wie zB. Händedruck, Körperspannung und Temperatur. Auch die Geruchswahrnehmung ist ein Teil der Körpersprache, sie differenziert Gerüche und unterstützt somit die Empfangssignale.
Körpersprache untermauert die wörtliche Kommunikation, drückt Gefühle aus, zeigt den Gesundheitsstand an und lässt wesentliche Rückschlüsse auf den Charakter zu. Sie liefert im Gespräch mehr Informationen als das gesprochene Wort. Das Verhältnis Körpersprache gegen Stimme liegt bei 60 zu 33 Prozent. Aber auch wenn wir alle die gleichen Signale für die Außenwirkung benutzen, so hat jedes Lebewesen seinen ganz individuellen körpersprachlichen Stil. Körpersprache entwickelt sich bei jedem Menschen abhängig von Genetik, Umwelt und Gesellschaft, so dass es kultur – oder regionalspezifisch zu Unterschieden kommen kann. Andererseits gibt es Körpersignale, die einheitlich auf der ganzen Welt verbreitet sind und als Weltsprache genutzt werden.

Die Macht der Körpersprache

Während der Evolution beherrschte die Körpersprache uns lange Zeit unbewusst. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts begannen Forscher, sich intensiver damit zu beschäftigen. Der bekannteste unter ihnen war Charles Darwin.
Auf der ganzen Welt bewegen sich Menschen, tanzen vor Freude, schleichen erschöpft, machen traurige oder fröhliche Gesichter, Gehen stolz oder demütig, gestikulieren wild oder zurückhaltend – die Palette an Signalen ist so vielfältig wie der Mensch selbst. Ob wir es bewusst tun oder nicht, wir sind ständig in Kommunikation mit der Außenwelt, weil die Sprache des Körpers instinktiv viel mehr wahrgenommen wird als der Rest unserer Kommunikationsmittel. Wir senden auch dann Botschaften, wenn wir es gar nicht wollen. Sind die Signale dabei nicht eindeutig, kommt es zu Missverständnissen.
Seit Beginn der Forschung nutzen immer mehr Menschen die Erkenntnisse über die Körpersprache, um sie zu ihrem Vorteil einzusetzen. Was den einen von Natur aus gegeben ist, versuchen andere sich hart anzutrainieren, um im Leben erfolgreicher zu werden. Sie bestimmt über unsere Position in einer Gruppe, kann für Anerkennung oder Ablehnung sorgen und beeinflusst die Reaktion anderer auf uns. Wer die Körpersprache im Kontext zu sich selber beherrscht, besitzt ein erhebliches Machtpotential. Diese Person ist nicht nur fähig, in anderen Menschen wie in einem offenen Buch zu lesen, sondern auch diese Informationen zu ihrem Vorteil zu nutzen.

Am deutlichsten zeigt sich die Bedeutung der Körpersprache in der Tierwelt. Hier setzt sich der Stärkere durch. Wer Schwäche zeigt, wird gnadenlos aussortiert. Oft erkennt man das ranghöchste Tier in einer Gruppe schon allein an seiner Körperhaltung und seinem Aussehen. Die Haltung ist stolzer, die Bewegungen eleganter, der ganze Ausdruck des Körpers ist auf dominante Präsenz ausgelegt, um Konkurrenten zu einzuschüchtern.

Auch Pflanzen haben die Fähigkeit, per Körpersprache sich mitzuteilen. Bekommt eine Pflanze kein Wasser, zeigt sie gelbe Farbe und schlaffe Blätter, wird sie welk. Andere verströmen zum Schutz gegen Fressfeinde Giftstoffe, wie zB. Akazien. Fleischfressende Pflanzen dagegen locken mit Duft – oder Farbstoffen und klappen ihre Fangkelche bei Erfolg zu. Das alles passiert sehr beeindruckend durch Körpersprache, ohne das die gängigen Hilfsmittel wie Mimik und Gestik zur Verfügung stehen.

Funktion und Aufgabe

Ohne Beherrschung der Körpersprache ist es nur sehr schwer bis fast gar nicht möglich, Beziehungen und Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen. Mit dem Körper teilen wir mittels verschiedener Techniken unsere wahren Absichten mit und empfangen / übersenden unbewusst Botschaften. Die prägnantesten davon, auf die unser Urteil aufbaut, sind Mimik, Gestik, und Körperhaltung.

Mimik
Mimik kommt von Mienenspiel und spielt sich im Gesicht ab. Die Bewegung einzelner Muskeln passiert in Sekunden und setzt sich zu einem Gesamtbild zusammen. Die deutlichste Rolle spielen dabei Augenpartie und der Mund, da sie die beweglichsten Muskeln haben. Mimik drückt am deutlichsten von allen unsere Emotionen aus und ersetzt bei Interaktion oft das gesprochene Wort. Deswegen hat sie einen wichtigen Einfluss auf soziale Beziehungen.
Die deutlichsten Gesichtsausdrücke sind immer noch unsere Urgefühle wie Freude, Trauer, Angst und Wut. Trotzdem ist es fast ein Glückspiel, sie immer richtig zu interpretieren, denn es gibt etwa 3000 Varianten. Um Mimik richtig zu deuten, sollte man immer das Zusammenspiel von Mimik mit Gestik, Sprache und Körperhaltung beachten.

Gestik

Gestik ist der Sammelbegriff aller Bewegungen von Armen, Händen, Kopf und Beinen, die Mimik und Sprache begleiten bzw. verstärken. Sie kann auch das gesprochene Wort teilweise ersetzen. Da sie räumlich einen größeren Teil einnimmt als die Mimik, lässt sie wesentlich mehr Rückschlüsse auf unser Befinden zu. Sie kann verstärkend, unterstreichend, aber auch unsicher wirken. Wissenschaftler haben die Gestik in fünf Arten unterteilt:

  • Embleme (konventionelle Gestik wie zB. Händedruck)
  • Illustratoren (bezeichnende Gestik beim Sprechen)
  • affektive Gesten (emotionale Gestik, oft unkontrolliert)
  • Regulatoren (regulierende Gestik wie zB. Aufforderung durch Kopfnicken)
  • Adaptoren (unbewusste Gestik in Gesichtsnähe, zB. Ohrläppchen fassen bei Nervosität)

Körperhaltung

Die Körperhaltung ist das Gesamterscheinungsbild eines Menschen, fällt am stärksten ins Auge und bestimmt deshalb, wie wir auf Andere wirken. Sie wird stark durch die eigenen Emotionen beeinflusst und verrät viel über die momentane Stimmung. Die Mehrheit der Menschen neigt dazu, über solche Momentaufnahmen Rückschlüsse auf den Charakter und die Lebenseinstellung zu ziehen, was wiederum Vorurteile zur Folge haben kann.
So erklärt es sich von selbst, dass Menschen mit einer guten Körperhaltung eine positivere Ausstrahlung haben.

Krankheiten & Beschwerden

Es gibt verschiedene Krankheiten und Beschwerden, die die Körpersprache nicht direkt betreffen, sie aber in ihrer Funktion erheblich einschränken können. In diesem Fall ersetzen andere Sinnesleistungen wie Sprache, Tastsinn, Hören und Sehen einen großen Teil der Verständigung. Menschen mit eingeschränkter Körpersprache werden in unserer Gesellschaft als anders wahrgenommen, weil sie nicht dem typisch gängigen Informationsbild entsprechen und durch ihre eingeschränkten Funktionen keine klaren Botschaften versenden können. Dafür gibt es vielfältige Ursachen.

Körperliche Behinderung und Krankheiten
Körperbehinderung ist keine Krankheit, sondern bezeichnet die Bewegungseinschränkung von Körperteilen. Das kann Arme, Beine, Kopf aber auch den ganzen Körper betreffen. Akute Verletzungen wie Knochenbruch oder Spannungsschmerz schränken die Körpersprache für einen gewissen Zeitraum ein, haben aber keine Folgen nach der Heilung.
Die Lähmung ist eine Körperbehinderung mit vielfältigen Ursachen und verschiedenen Ausmaßen. Eine Lähmung führt immer teilweise oder dauerhaft zum Funktionsverlust eines Körperteils. Dabei können einzelne Körperteile, aber auch der ganze Körper betroffen sein.
Unter Krankheiten fallen Prozesse, die sich auf den Körper, das Immunsystem und die Organe beziehen. Diese können akut oder chronisch verlaufen.
Bei chronische Krankheiten wie zB. Muskeldystrophie kommt es auf Grund von Muskelabbau immer mehr zu körperlichen Einschränkungen. Im weiteren Verlauf weitet sich diese Degeneration auch auf den Herzmuskel und die Atemmuskulatur aus. Leider gibt es für diese Krankheit noch keine Heilung, weil sie genetisch bedingt ist.
Bei akuten Erkrankungen kommt es auf die Art der Erkrankung an und welches Organ betroffen ist. Allgemein fällt ein geschwächter Organismus durch typische Merkmale wie schwache Bewegungen, schleichender Gang, gekrümmte Haltung und negative Mimik auf. Dabei ist es egal, ob es sich um ein erkranktes Organ handelt oder einen grippalen Effekt. Mit Hilfe dieser Signale versucht der Körper nach außen mitzuteilen, dass etwas nicht in Ordnung ist und entsprechend gehandelt werden sollte

Geistige Behinderung und Krankheiten
Geisteskrankheiten waren früher ein Sammelbegriff für jegliche Form von seelischen Erkrankungen, Verhaltensstörungen und geistiger Behinderung. Medizinisch gesehen kann man aber nicht alle in einen Topf werfen. Während bei geistigen Krankheiten und Behinderungen Funktionsstörungen im Gehirn die Ursache sind, können Verhaltensstörungen durch nicht verarbeitete Erlebnisse entstehen.
Das Gehirn steuert sämtliche Körperprozesse und hat somit auch Einfluss auf unsere Körperbewegung. Ist das Gehirn geschädigt oder infolge einer Erkrankung oder Verletzung funktionsgestört, kann sich das auch erheblich auf unseren Bewegungsapparat und somit auf die Körpersprache auswirken.
Gemeinsam haben die genannten Gruppen auffällige Verhaltensformen, welche stark von der Norm abweichen und deshalb in der Gesellschaft nicht akzeptiert werden. Hierunter fallen zum Beispiel sämtliche Formen des Autismus und das bekannte Down-Syndrom.

Autismus hat viele Gesichter mit verschiedenen Ausprägungen. Eine ganz spezielle Form vertritt die Gruppe der Asperger Autisten. Unter diese Gruppe fallen Menschen, die lediglich starke Defizite in der nonverbalen Kommunikation aufweisen. Weil Asperger neben einem guten Sprachverständnis oft eine überdurchschnittliche Intelligenz haben, werden sie auf den ersten Blick von ihrem Umfeld als neurotypisch wahrgenommen. Da Asperger nicht oder kaum in der Lage sind, nonverbale Signale zu senden oder zu empfangen, stellen sich im näheren Umgang zunehmend Schwierigkeiten auf dem Gebiet der sozialen Beziehungen ein. Typische Merkmale bei Aspergern sind zB. der fehlende Blickkontakt im Gespräch, Beeinträchtigung der Gestik und die verminderte Wahrnehmung von Mimik.

Seelische Krankheiten

Auch seelische Krankheiten haben einen großen Einfluss auf unsere Körpersprache, weil Körper und Seele eine unzertrennbare Einheit bilden. Wenn seelischer Stress sich zunehmend auf den Körper auswirkt, spricht man von Psychosomatik. Unter dieses Feld fallen zum Beispiel Depressionen oder Panikattacken.
Wie ein Mensch im Wachstum weites gehend von seinem Umfeld beeinflusst bzw. geprägt wird, spiegelt sich später in seiner ganzen Körperhaltung wieder. Menschen mit einer gesunden und positiven Lebenseinstellung haben einen aufrechten, energetischen Gang und eine positive Mimik. Menschen mit Depressionen haben oft eine traurige Mimik, hängende Schultern und einen kraftlosen Gang.
Panikattacken kommen unkontrolliert und haben stärkere Signale als normale Angst. Sie kann sich ausdrücken durch weit aufgerissene Augen, Angstschweiß, Zittern, Schnappatmung bis hin zum Kontrollverlust.

Fragen und Antworten

Welches sind die wichtigsten körpersprachlichen Ausdrucksmittel?

Es gibt nicht das körpersprachliche Ausdrucksmittel schlechthin. Das Bild eines Menschen entsteht meist in den ersten Sekunden durch seinen Gesamteindruck. Erst danach fangen wir an zu differenzieren. Zuerst wird die Haltung wahrgenommen, meist in Verbindung mit dem Gesicht. Im weiteren Kontakt entsteht das Bild der dazugehörigen Gestik und Bewegung. Im Gespräch folgen dann der Klang der Stimme und die Art des Vermögens, sich auszudrücken.

Kann ich anhand der Körpersprache erkennen, ob jemand lügt?
Es gibt bestimmte Körpersignale, die darauf hinweisen können, dass jemand lügt. Das können zum Beispiel häufiges Umsehen oder nervöse Gesten während eines Gespräches sein. Letztendlich liefern diese Signale aber nur Indizien und sind nur über die Gesamtsituation zu interpretieren. Es gibt aber auch die Sorte von Menschen, die sich im Lügen derart perfektioniert haben, das Sprache und Körpersignale übereinstimmend wirken. Solche Leute sind schwer bis gar nicht zu durchschauen, wirken aber wenig oder nie authentisch.

Wie kann Körpersprache manipuliert werden?
Körpersprache kann genauso wie Sprache manipuliert werden. Es bedarf dazu viel Übung, um Sicherheit in der Manipulation zu bekommen, da in diesem Bereich gegen natürliche Verhaltensweisen trainiert wird. Umso ehrlicher ein Mensch ist, desto schwerer wird ihm diese Manipulation fallen, da diese vor allem auf der emotionalen Ebene erfolgt. Ist man selber derjenige, der manipuliert werden soll, hilft nur die Weiterführung des Gespräches auf der sachlichen Ebene.

Fazit

Weil sich niemand seiner Körpersprache entziehen kann, sind wir ständig im Kontakt mit der Außenwelt. Sie gehört als fester Bestandteil zur Kommunikation. Unsere Gedanken und Emotionen sind fest in ihr verankert, so dass sich Unstimmigkeiten zwischen Körpersignalen und Sprache schnell zeigen. Sie ist ein Spiegel unserer Grundeinstellung, die Bestimmerin unserer Außenwirkung und hat somit erheblichen Einfluss auf Erfolg- oder Misserfolg im Leben.
Deshalb sollte es für jeden wichtig sein, an einer positiven Grundeinstellung zu arbeiten. Denn eine positive Körperhaltung bringt wesentlich mehr Erfolg und Vorteile im Leben.

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