Krankheit: Was kostet das eigentlich?

Was kostet es eigentlich Krank zu sein?

Gesundheitskarte

Krankheiten verursachen Milliardenkosten. Kein Wunder, Behandlungen sich schlicht und ergreifend aufwendig und teuer.

Wer privatversichert ist, weiß nach einem Arzt- oder Krankenhausbesuch genau, was ihn der Blick ins Ohr, die abgesaugten Ampullen Blut, die Laboruntersuchungen kosten. Bei GKV-Patienten sieht das gänzlich anders aus. Man legt seine Versicherungskarte auf den Tresen und lässt sich behandeln.

Bis auf Medikamentenzuzahlungen hat man hier keinerlei Überblick mehr darüber, was die Krankheit kostet. Genau das soll der folgende Artikel ändern und listet dazu einige Krankheiten und ihre Behandlungskosten. Zur Beachtung: Die Preise sind nur ein grober Überblick und können sich von Mensch zu Mensch (bspw. Komplikationen) teilweise erheblich unterscheiden.

 

  1. Die Zuzahlung zur GKV

Zuzahlung zur GKV

Auch wenn die Zuzahlungen einem hoch vorkommen, es gibt eine Belastungsgrenze für all jene, die viele Medikamente benötigen.

Beginnen soll diese Liste mit dem Elementarsten, mit dem praktisch jeder gesetzlich Versicherte zu tun hat. Wer ein Medikament verschrieben bekommt, muss dafür in der Regel eine gewisse Summe zuzahlen. Allerdings ist dies für jeden eine unterschiedliche Belastung – ein Durchschnittsverdiener, der oft krank ist, wird härter getroffen als jemand, der reich ist und nur einmal jährlich Heilmittel benötigt. Um das auszugleichen, existiert die sogenannte Belastungsgrenze. Sie determiniert einen festgelegten Betrag, den man pro Kalenderjahr leisten kann – zahlt man mehr, wird man von der Zuzahlung befreit. Damit alles fair zugeht, gibt es als Basis eine einheitliche Bemessungsgrundlage, die sogenannte Bezugsgröße. Sie stellt einen Überblick über die Durchschnittsentgelder des vorletzten Jahres dar. Im Klartext also das, was alle Versicherten im Durchschnitt verdienten, für 2017 liegt die Bezugsgröße der GKV bei 2975 Euro monatlich. Als Belastungsgrenze gilt hierbei alles, was zwei Prozent der Jahreseinnahmen eines Haushalts übersteigt.

  1. Die Arztleistung an sich

Was bekommt ein Arzt dafür, dass er einen abhorcht? Was bezahlt die GKV dem Anästhesisten, der während einer OP den Herzschlag überwacht? Für alle „Arbeiten“ der Mediziner gibt es in Deutschland ein Punktesystem – Untersuchung A bringt X Punkte, Behandlung B bringt Y Punkte. Über all diesen Punkten steht für gesetzlich Versicherte der EBM, der Einheitliche Bewertungsmaßstab. Jedem einzelnen Punkt ist ein genauer Betrag zugeordnet, derzeit sind das 10,5300 Cent.

Aus diesem Grund freuen sich Ärzte und Krankenhäuser auch über Privatpatienten, von denen bekommen sie ihr Geld sofort (und nach einem anderen Bemessungsschema), für den EBM müssen sie ihre Punkte an die kassenärztliche Vereinigung übermitteln und werden so erst später ausbezahlt.

Krankheiten & Untersuchungskosten

  1. Blutuntersuchung

Geburt Baby im Brutkasten

So jung und schon so teuer. Geburten sind nicht nur die ältesten „Eingriffe“ überhaupt, sondern erfuhren auch die vielleicht größe Preissteigerung.

Es ist eine der häufigsten Untersuchungsformen. Denn egal ob hartnäckiger Schnupfen oder als Vorbereitung einer Operation, es gibt unzählige Gründe, warum das Blut geprüft werden muss.

Die Häufigkeit spiegelt sich auch im Preis wieder, denn je nach Umfang (großes oder kleines Blutbild usw.) kostet der Test im Rahmen einer beschwerdefreien Untersuchung zwischen 80 und 100 Euro.

  1. Geburten

Obwohl eigentlich keine Krankheit im klassischen Sinn, gehören auch Geburten zu den Arbeiten von Medizinern.

Hier kommt es darauf an, welche Form der Geburt man wählt:

  • Eine natürliche Geburt ohne Komplikationen samt drei bis fünf Tagen stationärer Versorgung für Mutter und Neugeborenes beläuft sich auf 1600 bis 2200 Euro.
  • Teurer wird es, wenn chirurgisch gearbeitet werden muss, ein Kaiserschnitt ist nicht unter 2500 Euro zu bekommen, kann aber auch bis zu 5500 Euro kosten.
  • Kommt das Kind (wesentlich) zu früh auf die Welt, muss die GKV tief in die Kasse greifen: bis zu 125000 Euro kann eine solche Geburt samt der notwendigen, langwierigen Behandlung verschlingen.

Die günstigste Variante ist übrigens die Hausgeburt mit einer Hebamme, hierfür sind etwa 1500 Euro fällig, von denen die GKV zirka die Hälfte übernimmt.

  1. Krankenwagen

Krankheit kann einen überall treffen und dann bleibt oft nur noch der Griff zum Telefon und der Nummer 112. Um den Preis des Krankenwagen-/Notarzteinsatzes zu determinieren, muss man einfach nur in diverse Artikel blicken, die von den Kosten nach Fehleinsätzen berichten. Daraus ergibt sich ein Wert zwischen 3 und 400 Euro für einen Einsatz. Übrigens: Der Krankenwagen wird nur dann von der GKV bezahlt, wenn die Fahrt für den Patienten tatsächlich im Krankenhaus endet. Für Fehlalarmierungen steht der Betreffende mit seinem eigenen Geld gerade.

  1. Herzinfarkt

Wenn der Krankenwagen kommen muss, ist aber auch oft ein Herzinfarkt nicht weit. Rund 300000 Deutsche erleiden jedes Jahr einen Infarkt, für 70000 davon endet es tödlich. Natürlich muss man gerade hierbei mehrere Behandlungskosten differenzieren. Etwa, weil ja hier die im vorherigen Abschnitt genannten Krankenwagenkosten hinzukommen.

Für die reine Behandlung eines Infarktes muss die Kasse demnach knapp 2600 Euro an das Klinikum zahlen. Hinzu kommt aber in den allermeisten Fällen noch eine zusätzliche OP, etwa wenn ein Stent gesetzt oder ein Bypass gelegt wird. Und letzterer kostet ohne die Nachsorge etwa 22000 Euro.

  1. Augeninfektionen

augeninfektion tropfen

Das Auge als sehr empfindliches Organ benötigt besonders große Sorgfalt, weshalb die Behandlung auch vergleichsweise teuer ist.

Viele kennen es, ein offenes Fenster im Büro oder im Auto und schon hat man sich eine Bindehautentzündung eingefangen. Das Auge tut weh, eitert und man fühlt sich ziemlich elend.

Da das Auge aber ein kompliziertes Organ ist und eine Infektion generell medikamentös behandelt werden muss, ist die Sache etwas teurer, rund 2000 Euro zahlt die Versicherung dafür.

  1. Mandelentfernung

Auch wenn Mandelentfernungen für einen Chirurgen zum kleinen Einmaleins gehören, so darf man doch nicht vergessen, dass es sich dabei um eine vollwertige Operation, meist mit Vollnarkose handelt. Die reinen OP-Kosten liegen hier bei moderaten 300 Euro. Summa summarum kommen für einen Erwachsenen etwa 2150 und für Kinder 2450 Euro zusammen. Letzteres erklärt sich dadurch, dass die die Behandlung schlicht durch die geringere Körpergröße und den kleineren Öffnungswinkel des Kindermundes komplexer ist.

  1. Gebrochene Nase

Ob Haushaltsunfall, Boxsport oder Kneipenschlägerei, Nasen können verhältnismäßig schnell brechen. Und sofern sie nicht korrekt behandelt werden, heilen sie unter Umständen schief ab und werden dann schnell zum entstellenden Problem. Das spiegelt sich auch in den Behandlungskosten eines Nasenbeinbruchs wieder, denn hier wird schon das Gebiet der Schönheitschirurgie berührt. Rund 1500 Euro kostet die Behandlung.

  1. Herzschrittmacher

Herzschrittmacher Stent

Obwohl ein Eingriff am Herzen, ist der Herzschrittmacher (Stent) eine echte Routine-Operation und deshalb relativ günstig.

Abertausende Deutsche leben heute mit etwas, das vor einigen Jahrzehnten noch ein großes Wunder der Medizin war. Die reinen Preise für einen Herzschrittmacher orientieren sich vor allem an den unterschiedlichen Bauweisen dieser Geräte, die Gerätekosten reichen von etwa 2000 bis 10000 Euro.

Dass die Operation selbst mittlerweile ein Routineeingriff ist, der oft auch unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird, zeigt der Gesamtpreis (ohne Gerät) von um die 5000 Euro.

Falls der Schrittmacher einmal gewechselt werden muss, ist zwar die Arbeit für den Mediziner nicht weniger, der Preis sinkt jedoch interessanter Weise auf Werte zwischen 2500 und 3500 Euro.

  1. Muskelzerrungen

Zerrungen der Muskeln gehören zu den häufigsten Muskelkrankheiten überhaupt. Im Gegensatz Muskelkater oder -faserriss ist die Zerrung jedoch keine physische Verletzung des Muskelgewebes, sondern einfach nur die schmerzhafte Folge einer Überdehnung. Normalerweise reicht es aus die PECH-Regel anzuwenden:

Pause machen
Eis auf den Muskel legen
Compression des Muskels per Verband
Hochlagerung der Extremität

In schwereren Fällen kann jedoch eine medizinische Behandlung notwendig werden. Und die kostet schnell über 3000 Euro, insbesondere dann, wenn die Zerrung bereits in angerissene Muskeln übergeht.

  1. Behandlung multiresistenter Keime

Wer die Nachrichten verfolgt, hat auch bereits den Begriff „Multiresistente Keime“ vernommen. Dabei handelt es sich um Erreger, die nicht durch die über 70 derzeit verwendeten Antibiotika bekämpft werden können. Ein Phänomen, das sich dadurch erklären lässt, dass oft zu schnell Antibiotika verschrieben werden und dadurch Resistenzen entstehen. Die Behandlung multiresistenter Erreger ist äußerst kompliziert und das zeigt auch ihr Preis: Mindestens 7000 Euro muss die Krankenkasse dem behandelnden Mediziner zahlen.

 

  1. Psychiatrische Behandlung

Psychatrische Behandlung Gespräch Therapie

Die menschliche Psyche kann auch erkranken, weshalb sowohl an ambulaten als auch stationären Behandlungen ein Preisschild hängt.

Aus Filmen kennt man so manchen Preis, den man für einen Psychiater zahlen muss. Wer indes durch Depressionen oder ähnliche Symptome stationär aufgenommen werden muss, kommt preislich an die Topverdiener der niedergelassenen Film-Psychiater heran, denn die Behandlung kostet pro Tag rund 550 Euro – für Erwachsene.

Die Kinder- und Jugendpsyche ist ein noch komplexeres Gebiet, weshalb hier täglich auch Kosten im 800-Euro-Bereich pro Patient entstehen.

  1. Lebertransplantation

Für fast tausend Deutsche jährlich besteht die letzte Rettung darin, eine neue Leber verpflanzt zu bekommen. Die Gründe, warum das lebenswichtige Organ zur Körperentgiftung ersetzt werden muss, sind mannigfaltig, dazu gehören beispielsweise:

Ganz gleich welche Form der Lebertransplantation angewendet wird, es ist eine immens aufwendige Operation, die zahlreiche Risiken aufweist und auch eine umfangreiche Nachbehandlung erfordert. Das zeigt sich auch in den Kosten. Diese betragen rund 35000 Euro in der einfachsten Konstellation. Sie können sich bei Komplikationen wie Abstoßungen, langwierigen Beatmungsphasen (ein eigener Kostenpunkt) aber auch schnell auf Summen über 100000 Euro vervielfachen. Ähnlich sieht es auch bei anderen Organtransplantationen aus.

  1. Karpaltunnelsyndrom

Karpaltunnel Syndrom Operation Narbe

Büroarbeit steigert das Risiko für das Karpaltunnelsyndrom. Aus diesem Grund steigen die Zahlen seit Jahren auch rapide.

Das Karpaltunnelsyndrom. Tausende Deutsche werden deshalb jährlich stationär behandelt.

Warum das Syndrom auftritt, hat ganz unterschiedliche Ursachen, die Behandlungskosten sind indes bei einer Operation praktisch immer gleich und belaufen sich auf zirka 1800 Euro.

  1. Kopfschmerzen

Dutzende Formen von Kopfschmerzen bereiten den Deutschen buchstäblich Kopfzerbrechen. Über 70 Prozent, das sind gut 57 Millionen Menschen, haben regelmäßig mit Schmerzen im Oberstübchen zu kämpfen.  Die meisten von ihnen kennen die Problematik und behandeln sich selbst – entweder durch Entspannungsübungen, Hausmittel, Homöopathie oder die Erzeugnisse der Arzneimittelindustrie.

Wer jedoch für Diagnose und Behandlung einen Arzt aufsuchen muss, sorgt schnell für sehr viel höhere Kosten als die wenigen Euro für eine Schachtel Aspirin. Dann nämlich muss die Krankenkasse gut über 1600 Euro überweisen.

 

Fazit

Wer das nächste Mal flucht, weil er die Zuzahlungen übertrieben findet, sollte sich einfach gewahr machen, dass Krankheiten schlicht und ergreifend teuer sind. Nicht etwa, weil Ärzte gierig wären. Nein, der Mensch ist ein extrem komplexes Gebilde, das mit ebenso komplexer Technik, Wissen und Pharmakologie behandelt werden muss. Jeder Mensch ist anders, jede Krankheit und jede Therapie ebenfalls. Und aus der Gesamtheit resultieren die Milliardenkosten, welche die Kassen jährlich zu tragen haben.

 

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