Oxazepam

Der Wirkstoff Oxazepam ist Bestandteil der wichtigsten Arzneistoffen gegen Schlafstörungen und Angstzuständen. Oxazepam wurde im Jahr 1965 entwickelt.

Seither ist der Wirkstoff in zahlreichen Medikamenten vertreten. Allgemein gilt Oxazepam als gut verträglich. Der Arzneistoff kann allerdings sehr schnell zu einer Abhängigkeit des Patienten führen.

OxazepamWas ist Oxazepam?

Oxazepam stellt eine chemische Verbindung der Gruppe der Benzodiazepine dar, welche als Arzneistoffe mit sedierenden (entspannenden) als auch anxiolytischen (angstlösenden) Eigenschaften eingesetzt werden.

Sie werden auch als Tranquilizer mit mittelfristiger Wirkungsdauer bezeichnet. Der Wirkstoff ist ein Racemat und liegt als weißes, kristallines Pulver, das in Wasser unlöslich ist, vor.

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen sowie Indikationen und Kontraindikationen sind die aller Benzodiazepine. Bereits nach einer kurzen Anwendung kann es zu einer körperlichen und psychischen Abhängihkeit des Patienten kommen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Zustände der Unruhe lösen
  • Angstzustände behandeln
  • Spannungszustände lösen
  • das Einschlafen als auch Durchschlafen bei Patienten zu fördern
  • als kurzfristige Anwendung bei Entzugssymptomen bei Alkoholismus

Allgemeines

Allgemeines
NameOxazepam
Andere Namen
  • (RS)-7-Chlor-3-hydroxy-5-phenyl-2,3-dihydro-1H-1,4-benzodiazepin-2-on (IUPAC)
  • (3RS)-7-Chlor-3-hydroxy-5-phenyl-1,3-dihydro-2H-1,4-benzodiazepin-2-on (Arzneibuch)
  • (±)-7-Chlor-3-hydroxy-5-phenyl-2,3-dihydro-1H-1,4-benzodiazepin-2-on
  • rac-7-Chlor-3-hydroxy-5-phenyl-2,3-dihydro-1H-1,4-benzodiazepin-2-on
  • Oxazepamum (Latein)
SummenformelC15H11ClN2O2
Kurzbeschreibungweißes bis fast weißes, kristallines Pulver

Wirkungsweise

So wirkt Oxazepam

Das Nervensystem des Menschen verfügt über verschiedene Neurotransmitter, welche eine aktivierende oder auch hemmende Wirkung haben können.

In der Regel haben die Neurotransmitter eine ausgeglichene Balance und können so eine ordentliche Reaktion auf äußere Faktoren wie Stress und Ruhe reagieren.

Einer dieser Botenstoffe ist die Gammaaminobuttersäure (GABA), die auf das Nervensystem eine hemmende Wirkung ausübt, sobald GABA an seine Rezeptoren bindet.

Der Wirkstoff Oxazepam verstärkt als Repräsentant der Benzodiazepine die Wirkung der Gammaaminobuttersäure, in dem Oxazepam im Zentralnervensystem an bestimmte Benzodiazepin-Rezeptoren des GABA Überträgersystems bindet.

Damit verstärkt Oxazepam die dämpfende und beruhigende Wirkung der Übertragung von GABA, und es resultiert eine Anxiolyse sowie Sedierung ( angstlösende als auch beruhigende Wirkung).

Neben seinen spannungs- und angstlösenden Eigenschaften und den hypnotischen und sedierenden Effekten kann Oxazepam in hoher Dosierung auch einen beruhigenden Effekt auf den Muskeltonus und anti-konvulsive Effekte erzielen.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Oxazepam

Nach peroraler Aufnahme (Aufnahme über den Mund) wird Oxazepam langsam, aber dennoch vollständig über den Darm in das Blut aufgenommen.

Anschließend verteilt sich der Wirkstoff im Körper des Patienten und reichert sich auch zu Teilen in dem Fettgewebe an. Die Leber ist für den Abbau des Wirkstoffs Oxazepam verantwortlich, und die Nieren scheiden hauptsächlich die Abbauprodukte aus.

Da Oxazepam zu den mittelang effizienten Benzodiazepinen gehört, hält seine Wirkung ungefähr acht bis Stunden an. Allerdings kann die Dauer der Wirkung auch unterschiedlichen Schwankungen unterliegen.


Anwendungsgebiete

Wann wird Oxazepam eingesetzt?

Der Wirkstoff Oxazepam wird zur symptomatischen Therapie chronischer als auch akuter Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände wie auch von Durchschlafstörungen verwendet. Auch gegen Entzugssymptomen bei Alkoholismus wird Oxazepam kurzfristig eingesetzt.


Richtige Anwendung

So wird Oxazepam angewendet

Generell werden Medikamente mit dem Wirkstoff Oxazepam in Form von Tabletten geschluckt. Hierbei sollte der Patient die Tabletten mit ausreichender Flüssigkeit, wie einem großen Glas Wasser, schlucken.

Bei Angstzuständen erfolgt die Einnahme der Tabletten über den Tag verteilt.

Falls das Medikament bei Schlafstörungen angewendet wird, sollte der Patient das Medikament vor dem Schlafengehen zu sich nehmen, damit die Hauptwirkung des Wirkstoffs auf den Schlaf reduziert wird.

Die Dosierung von Oxazepam beträgt bei Patienten mit Angstzuständen über den Tag verteilt zwischen 30 und 60 Milligramm. Bei Schlafstörungen nimmt der Patient abends zehn bis 30 Milligramm ein.

Patienten mit Funktionsstörungen der Leber, Atemproblemen oder Kreislaufbeschwerden sowie Kinder und ältere Patienten erhalten eine reduzierte Dosis.

Damit Entzugssymptome vermieden werden können, sollte die Oxazepam-Dosis schrittweise reduziert werden, wenn das Absetzen des Wirkstoffs erzielt werden soll.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Oxazepam?

  • Adumbran 10mg : Tabletten
  • Adumbran forte 50 mg:Tabletten
  • Oxa-CT 10 mg/ -50 mg Tabletten: Tabletten
  • Oxazepam AL 10: Tabletten
  • Oxazepam HEXAL 10 mg Tabletten: Tabletten
  • Oxazepam-STADA 10 mg:Tabletten
  • Oxazepam retard-ratiopharm 30: Retardkapseln
  • Oxazepam-neuraxpharm 10: Tabletten
  • Oxazepam-neuraxpharm 50: Tabletten
  • Oxazepam-ratiopharm 10/ -50: Tabletten

Handelsnamen

Monopräperate

  • Anxiolit (A, CH)
  • Adumbran (D, A)
  • Durazepam (D)
  • Praxiten (D, A)
  • Seresta (CH)
  • zahlreiche Generika (D)

Indikationen

Zu den Indikationen des Wirkstoffs Oxazepam gehören:

  • Angstzustände
  • Spannungszustände
  • Erregungszustände
  • chronische und akute Zustände der Unruhe

Gegenanzeigen

Wann darf Oxazepam nicht verwendet werden?

Wie alle Benzodiazepine darf Oxazepam nicht angewendet werden, wenn:

  • eine Überempfindlichkeit gegen Oxazepam und Benzodiazepine besteht
  • der Patient von Drogen, Alkohol oder Medikamenten abhängig ist
  • einer akuten Vergiftung mit Schlafmitteln, Alkohol, Schmerzmitteln, Antidepressiva, Neuroleptika sowie Lithium

Bei folgenden Krankheiten ist des Weiteren eine sorgfältige Überwachung des Arztes erforderlich:

  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • schwerer chronischer Atemnot, vor allem bei einer akuten Verschlimmerung
  • Myasthenia gravis
  • schweren Leberschäden aufgrund einer Krankheit ( beispielsweise Gelbsucht)
  • Ablaufstörungen der Bewegung, welche von einem erkrankten Gehirn oder Rückenmark gesteuert werden

Hinweis:

Die Ausscheidung des Wirkstoffs kann bei älteren Patienten verlängert sein, was wiederum die Wirkung von Oxazepam verstärkt.

Des Weiteren können diese Patienten sensibler auf die Behandlung reagieren, vor allem bei Herzerkrankungen, die mit schwerer Atemnot einhergehen.

Aus diesem Grund sollte der verantwortliche Arzt bei älteren Patienten, die einen schlechteren Allgemeinzustand aufweisen (Kreislaufschwäche, krankhafte Atembeschwerden, hirnorganische Veränderungen), die individuelle Reaktion auf Oxazepam kontrollieren.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Über die Plazenta gelangt Oxazepam zum Ungeborenen. Dort kann sich der Wirkstoff anreichern, was beim Embryo zu einer Überdosierung und folglich zu geistigen Einschränkungen und Fehlbildungen führen kann.

Wenn Schwangere Benzodiazepine in Form einer Dauerbehandlung in hohen Dosen erhalten, können die ihre Kinder Symptome des Entzugs wie erschlaffte Muskeln, Atembeschwerden, Trinkschwäche sowie eine erniedrigte Körpertemperatur zeigen.

Deshalb sollte eine Behandlung mit Oxazepam in der Schwangerschaft nur erfolgen, wenn der behandelte Arzt dies für zwingend notwendig hält.

Ferner geht der Wirkstoff in die Muttermilch über. Der Wirkstoff wird von Neugeborenen viel langsamer abgebaut als von Erwachsenen oder Kindern.

Daher kommt es bei Neugeborenen zur Trinkschwäche und zu Atembeschwerden. Bei einer Behandlung mit diesem Wirkstoff sollte also entweder nicht gestillt werden, oder die Mutter sollte vor der Behandlung das Kind abstillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern unter 14 Jahren darf der Wirkstoff Oxazepam nur angewendet werden, wenn der behandelte Arzt vorher eine strenge Abwägung von Nutzen und Risiken vorgenommen hat.

Bei Kindern und Jugendlichen von sieben bis 14 Jahren werden in der Regel 0,5 bis 10,0 Oxazepam pro Körpergewicht auf drei bis vier Einzelgaben täglich eingenommen. Eine größere Dosis kann gegebenenfalls für die Nacht gegeben werden.

Kinder unter sieben Jahren sollten wegen unzureichender Erfahrungen nicht mit dem Wirkstoff Oxazepam behandelt werden.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Oxazepam?

Im Folgenden werden bekannte Nebenwirkungen des Wirkstoffs aufgelistet. Dabei müssen diese Nebenwirkungen nicht zwingend auftreten, können dies aber natürlich, da jeder Mensch anders auf Medikamente reagiert.

Häufige Nebenwirkungen:

Seltene Nebenwirkungen:

  • Abnahme der Libido
  • Muskelschwäche
  • Mundtrockenheit
  • depressive Verstimmung
  • Atemschwäche (vor allem bei Hirnschädigung und Atemwegsverlegungen)
  • Abfall des Blutdrucks

Sehr seltene Nebenwirkungen:

  • Menstruationsstörungen

Nebenwirkungen ohne Angabe der Häufigkeit:

Überempfindlichkeitsreaktionen wie:

Bei hoher Dosierung sowie Langzeitbehandlung:

  • Gangunsicherheit
  • zeitlich limitierte Bewegungsunsicherheit
  • unkontrollierte Augenbewegungen

Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Oxazepam?

Da Oxazepam zu den Benzodiazepinen gehört, bestehen folgende generelle Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen:

  • Die Wirkung von Schmerzmitteln, Lachgas und Muskelrelaxanzien wird durch Benzodiazepine verstärkt.
  • Medikamente, die einen Einfluss auf das Gehirn haben, wie beispielsweise Schlaf- sowie Beruhigungsmittel, Psychopharmaka, Narkosemittel, opioide Schmerzmittel oder Alkohol und H1-Antihistaminika haben eine gegenseitig verstärkte Wirkung mit Benzodiazepinen.
  • Wird eine langfristige Behandlung mit Medikamenten, die den Blutdruck senken, durchgeführt (mit Gerinnungshemmern und Betablockern wie Antikoagulanzien), besteht die Gefahr von Wechselwirkungen, deren Ausmaße nicht vorherzusehen sind.

Insbesondere die parallele Anwendung opioider Schmerzmittel kann zur Suppression der Atemfunktion, Betäubung, Koma sowie Tod führen.

Wenn der Arzt eine parallele Behandlung in besonderen Fällen für notwendig erachtet, muss die niedrigste Dosis gewählt werden und die Dauer der Behandlung so kurz wie möglich

Speziell für den Wirkstoff Oxazepam muss auf diese Wechselwirkungen geachtet werden:

Wenn der Patient gleichzeitig Medikamente einnimmt, die den Blutzuckerspiegel senken, sind Art sowie Umfang der möglichen Wechselwirkungen nicht im sicheren Bereich vorherzusehen.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Oxazepam zu beachten?

Die Einnahme von Oxazepam kann bei Patienten zur Abhängigkeit und auch zu Entzugserscheinungen führen.

Schon eine tägliche Anwendung über einige Wochen kann zu einer Abhängigkeit führen. Die gilt ebenso für die übliche Dosis-Menge während einer Behandlung.

Schlafstörungen sowie vermehrtes Träumen, Spannungszustände, Angst, Erregung, Zittern, innere Unruhe, Schwitzen, Wahnvorstellungen, Psychosen mit Gedächtnisstörungen sowie eine erhöhte Kampf-Bereitschaft werden bei einem plötzlichen Absetzen der Dosis verursacht.

Deshalb sollte die Behandlung mit Oxazepam immer in langsamen Schritten und in langsam reduzierten Dosen beendet werden.

Wird Oxazepam am Abend eingenommen, kann es auch noch am darauf folgenden Morgen zu Restmüdigkeit und einer verminderten Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit kommen.

Vor allem bei älteren Menschen besteht wegen der muskel-erschlaffenden Wirkung des Medikaments eine erhöhte Sturzgefahr. Diese Patienten müssen deshalb vor allem nachts beim Aufstehen vorsichtig sein.

Benzodiazepine und Oxazepam können inhaltlich begrenzte oder zeitliche Erinnerungslücken im Patienten auslösen.

Meist treten diese wenige Stunden nach Einnahme des Medikaments auf. Deshalb sollten Patienten darauf achten, nach der Einnahme ununterbrochen sieben bis acht Stunden schlafen zu können.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Oxazepam

Da die Anwendung von Medikamenten mit Oxazepam die strenge Überwachung eines Arztes erfordert, sind diese verschreibungspflichtig. Deshalb erhalten Sie Oxazepam nur mit einem Rezept Ihres Arztes in der Apotheke.


Geschichte

Seit wann ist Oxazepam bekannt?

Bereits seit 1965 ist der Wirkstoff Oxazepam bekannt. Seither wird der Wirkstoff erfolgreich in Behandlungen von Zuständen der inneren Unruhe eingesetzt. Zwar gilt Oxazepam als gut verträglich, trotzdem besteht das hohe Risiko, dass Patienten schnell Abhängigkeitssymptome entwickeln.

Bereits nach ein bis zwei Wochen der Einnahme können bei dem Patienten nach dem Absetzen des Medikaments Angst, Unruhe sowie Aggressionen auftreten. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich genau an die Dosierungsanweisungen des Wirkstoffs zu halten.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

In manchen Fällen löst Oxazepam allergische Reaktionen aus. Sollten sie Anzeichen einer solchen Reaktion wahrnehmen, ist umgehend ein Apotheker oder Arzt zu konsultieren.

  • Die dämpfenden Wirkungen des Medikaments verstärken sich mit Alkohol wechselseitig.
  • Potenziell gefährliche Tätigkeiten, wie das Führen von Fahrzeugen oder Maschinen, sollten in den ersten Tage nach Einnahme des Wirkstoffs vermieden werden.
  • Die Dosierung muss nach einer längeren Anwendung zum Beenden der Behandlung in kleinen Schritten reduziert werden.
  • Bei einer längeren Anwendung können Patienten von diesem Wirkstoff abhängig werden.
  • Patienten mit einer Nieren– oder Leberfunktionsstörung sowie ältere Patienten brauchen eine niedrigere Dosierung.
  • Oxazepam kann die Reaktionsfähigkeit des Patienten verändern, sodass das Bedienen von Maschinen als auch Autofahren gefährlich sein können.

Quellen

  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Joos, L: Pharmakologie aktiv, Govi-Verlag, 1. Auflage, 2009
  • Brandenberger, H.: Analytical Toxicology for Clinical, Forensic and Pharmaceutical Chemists, Walter De Gruyter, 1997

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Top