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Odermennig

by Danaae
Gewöhnlicher Odermennig (Agrimonia eupatoria) Gewöhnliche Odermennig (Agrimonia eupatoria), auch Gemeiner Odermennig (kurz auch Odermennig), Ackerkraut, Ackerblume und Kleiner Odermennig

„pastilletes“/Joan Simon, Barcelona, España, Agrimonia eupatoria 04, CC BY-SA 2.0

Der Odermennig ist eine Heilpflanze, welche aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe bei kleinen Wunden, leichten Haut- und Schleimhaut-Entzündungen sowie bei Durchfall helfen kann. Das auch als Ackerkraut bezeichnete Gewächs kann hierfür bspw. als Tee getrunken, für Umschläge und Kompressen genutzt oder als Tropfen zum Gurgeln verwendet werden.

Nebenwirkungen sind derzeit keine bekannt, in bestimmten Fällen wird aus Sicherheitsgründen jedoch von der Anwendung abgeraten.

Gemeiner Odermennig

  • Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
  • Unterfamilie: Rosoideae
  • Tribus: Sanguisorbeae
  • Untertribus: Agrimoniinae
  • Gattung: Odermennige (Agrimonia)
  • Art: Gemeiner Odermennig
  • Wissenschaftlicher Name: Agrimonia eupatoria L. (auch: Agrimonia adherens; A. officinalis; A. officinarum; Agrimonia vulgaris)
  • Synonyme: Gewöhnlicher Odermennig; Kleiner Odermennig; Ackerkraut; Ackerblume; Ackermennig; Heil aller Welt

Heilwirkung vom Odermennig

Agrimonia eupatoria – Der Gewöhnliche Odermennig als Heilpflanze

Der Gemeine, Kleine oder Gewöhnliche Odermennig ist eine sommergrüne, krautige Pflanze aus der Familie der Rosengewächse, welche in Europa und dem nördlichen Asien heimisch ist und vor allem für ihre Heilwirkung bekannt ist.

Das auch als Ackerblume oder Ackerkraut bezeichnete Gewächs besitzt aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe eine sogenannte adstringierende Wirkung, weshalb es bei leichteren Wunden, Durchfall und Entzündungen der Haut oder Schleimhäute helfen kann.

Die Inhaltsstoffe der Pflanze wirken u.a. entzündungshemmend, haut-zusammenziehend und antimikrobiell und können bei innerlicher Einnahme eine Schutzschicht auf den Darmschleimhäuten bilden.

Verwendung findet dabei das Kraut der Pflanze, welches bspw. als Tee oral eingenommen oder sich als Aufguss für Kompressen und Umschläge nutzen lässt. Erhältlich sind darüber hinaus auch Extrakte und Tinkturen des Krauts, die zum Gurgeln oder als Badezusatz genutzt werden können.

Wiener Dioskurides 6. Jh. eupatorion, Odermennig

Wiener Dioskurides 6. Jh. eupatorion
Unknown authorUnknown author, C.J.A. Agrimonia, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Anerkannte, klinische Studien zum Odermennig liegen derzeit keine vor, allerdings ist die Wirkung aufgrund der enthaltenen Wirkstoffe sehr plausibel. Aus genanntem Grund liegen auch keine Informationen über mögliche Nebenwirkungen der Pflanze vor, aufgrund der langjährigen Anwendung sind schwerwiegende Auswirkungen jedoch sehr unwahrscheinlich.

Allerdings sollte der Ackermennig nicht zeitgleich mit anderen Arzneimitteln eingenommen werden, da er die Aufnahme von Wirkstoffen im Darm erschweren kann.

Geschichte vom Ackermennig

Der Kleine Odermennig fand wahrscheinlich bereits in der Antike als Heilpflanze Verwendung. Allerdings ist es sehr schwierig, die damals dokumentierten Namen den uns heute bekannten Pflanzen mit Sicherheit zuzuordnen.

Sowohl der antike, griechische Arzt Dioskurides als auch der römische Gelehrte Plinius der Ältere beschrieben jedoch die Wirkung einer Pflanze mit der Bezeichnung Eupatoria, welche heute meist als der Gemeine Odermennig gedeutet wird und schrieben ihr u.a. eine Wirkung gegen Geschwüre und Ruhr (Dysenterie) zu.


Verwendung & Nutzen

Für was wird der Gewöhnliche Odermennig verwendet?

Der Gemeine Odermennig findet nahezu ausschließlich als Heilpflanze Verwendung. Er kann auch als Färbemittel für Wolle genutzt werden, erzielt hierbei jedoch nur eine mittelmäßige Wasch- und Lichtechtheit.

Als Färbemittel werden entweder die unterirdischen Teile oder die ganze Pflanze verwendet. Diese erzielen auf Wolle, welche mit Alaun vorgebeizt wurde, einen gelben Farbton, welcher umso dunkler ist, je später im Herbst die Pflanze geerntet wurde.

Verwendung des Odermennigs

  • Heilpflanze
  • Färbemittel

Neben ihrer Heilwirkung ist die Ackerblume jedoch auch für Bienen, Schmetterlinge und Fliegen ökologisch bedeutsam. Der Odermennig stellt eine wichtige Nahrungspflanze für die Raupen des Geflammten Kleinzünslers (Endotricha flammealis) sowie anderen Schmetterlingsarten wie dem Kleiner Würfel-Dickkopffalter dar. Er lockt mit seinem reichhaltigen Pollen außerdem Honigbienen, Fliegen und Schwebfliegen an.

Allerdings ist das Ackerkraut auch ein Wirt für bestimmte Schädlinge und Parasiten wie Stigmella fragariella und Coroebus elatus, dessen Larven sich von den Blättern ihrer Wirtspflanze ernähren und somit u.a. auch Erdbeer- und Himbeer-Pflanzen zerstören.


Ackerblume als Heilpflanze

Der Gemeine Odermennig in der Medizin

Gewöhnliche Odermennig (Agrimonia eupatoria), auch Gemeiner Odermennig (kurz auch Odermennig), Ackerkraut, Ackerblume und Kleiner Odermennig

Agrimonia eupatoria – Illustration , Illustration Agrimonia eupatoria0, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Zu Heilzwecken wird das Kraut des Odermennigs verwendet, also die brauchbaren, oberirdischen Teile der Pflanze, welche während der Blüte gesammelt, anschließend getrocknet und dann zerkleinert werden.

Verwendete Pflanzenteile – Definition:

  • Odermennig-Kraut (Agrimoniae herba)
    Die getrockneten Sprossspitzen des Gemeinen Odermennigs (Agrimonia eupatoria), welche während der Blüte gesammelt werden. Das Europäische Arzneibuch (Ph.Eur) fordert einen Mindestgehalt an Gerbstoffen.

Das zerkleinerte Kraut findet in erster Linie in Form von Tee zur innerlichen Einnahme Verwendung. Darüber hinaus kann auch ein Aufguss aus dem Kraut zubereitet werden, welcher äußerlich auf die Haut aufgetragen, als Badezusatz oder zum Gurgeln genutzt wird.

Weiterhin sind Extrakte und Tinkturen auf dem Markt erhältlich, welche aus dem getrockneten und zerkleinerten Ackerkraut mithilfe von Wasser oder Ethanol (Alkohol) hergestellt werden.


Zubereitungen der Ackerblume

  • Odermennig Extrakt:
    Flüssig-Extrakt; DEV 1:1; Extraktionsmittel: Ethanol 25 %
  • Ackerkraut Tinktur:
    Drogen-Tinktur-Verhältnis 1:5; Extraktionsmittel: Ethanol 45 %

Handelsnamen und Kombinationspräparate

Auf dem Markt ist das getrocknete Ackerkraut als Kräutertee oder Teemischung sowie auch in Form von Tropfen (Extrakte und Tinkturen) erhältlich.

Einige Präparate enthalten neben Odermennig auch weitere Heilpflanzen, denen ähnliche Heilwirkungen zugesagt werden. In den Kombinationspräparaten sind neben dem Ackerkraut beispielsweise oftmals noch Artischocke, Kamille, Fenchel, Benediktenkraut, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Löwenzahn und/oder Süßholz enthalten.


Odermennig in der Homöopathie

Das frische und blühende Kraut des Odermennigs findet auch in der Homöopathie unter seinem wissenschaftlichen Namen Agrimonia euptopa Anwendung. Es wird hierbei bspw. in Form von Globuli, homöopathischen Tropfen oder Kautabletten zur Behandlung von Bronchitis verwendet. Die Wirksamkeit der Homöopathika wird jedoch nicht durch Studien gestützt.


Anwendung & Wirkung

Anwendungsgebiete – Für was ist Odermennig gut?

Medizinisch anerkannte Anwendungen von Odermennig sind:

Durchfall Kalium bichromicum Schüssler-Salz Nr. 27 Imodium, Antibiotika

  • leichter, unspezifischer Durchfall (Diarrhöe) – innerlich
  • leichte Entzündungen des Mund- und Rachenraums zum Gurgeln
  • kleine, oberflächliche Wunden äußerlich

Genannte Odermennig Anwendungen sind von der Kommission E (Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel), dem ESCOP (Dachverband nationaler europäischer Gesellschaften für Phytotherapie) und dem HMPC (Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel) anerkannt.

Gemäß HMPC kann das Odermennigkraut innerlich zur zur symptomatischen Behandlung bei leichtem Durchfall, äußerlich zur Linderung von leichten Entzündungen der Haut und kleinen, oberflächlichen Wunden sowie zum Gurgeln bei leichten Mund- und Rachenraum-Entzündungen angewandt werden.

Die Kommission E äußert sich sehr ähnlich und nennt leichte, unspezifische Durchfallerkrankungen, Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie leichte, oberflächliche Hautentzündungen zu den Anwendungsgebieten.

Laut ESCOP eignet sich das Ackerkraut ebenfalls innerlich bei leichten Durchfällen, äußerlich als Kompresse, um die Wundheilung zu unterstützen, sowie als Gurgellösung bei Mund- und Rachenschleimhaut-Entzündungen.


Die Ackerblume in der Volksmedizin

In der Volksheilkunde findet der Odermennig auch bei weiteren Erkrankungen Anwendung. Nachfolgende genannte Einsatzgebiete aus der Volksmedizin werden allerdings nicht durch Studien gestützt:

  • Bettnässen
  • Nierenentzündungen
  • Blasenentzündungen
  • Diabetes mellitus

Wirksamkeit & Studien

Odermennig gegen Durchfall, Entzündungen und Wunden

Der HMPC, also der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur), stuft die Ackerblume als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei genannten Anwendungsgebieten ein.

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Pixabay / nastya_gepp

Das bedeutet, dass die Wirksamkeit trotz unzureichender Studien plausibel ist, die Heilpflanze nachweislich seit mindestens 30 Jahren (davon mindestens 15 Jahre in der EU) sicher auf diese Weise verwendet wurde und die Anwendung keiner ärztlichen Überwachung bedarf.

Derzeit liegen keine anerkannten klinischen Studien zum Odermennig vor, allerdings ist die langjährige Anwendung der Pflanze gut dokumentiert, was in der Monographie des HMPC berücksichtigt wurde.

Trotz fehlender Nachweise aus Studien, ist die Wirksamkeit der Pflanze aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe durchaus denkbar. Pflanzliche Gerbstoffe werden als Tannine bezeichnet und besitzen eine in der Medizin vielfach nachgewiesene Wirkung.

Sie wirken adstringierend, also:

  • haut-zusammenziehend
  • entzündungshemmend
  • blutstillend
  • antimikrobiell bzw. antiseptisch

Treffen Tannine auf die Haut oder Schleimhaut auf, verdrängen sie das in den Eiweißen enthaltene Wasser, wodurch sich das Gewebe verdichtet. Dies entzieht Krankheitserregern wie Bakterien und Pilzen einerseits den Nährboden und erschwert ihnen andererseits das Eindringen in das Gewebe von verletzter Haut oder Schleimhaut.

Äußerlich angewandt wirken die im Odermennig enthaltenen Gerbstoffe haut-zusammenziehend, blutstillend und entzündungshemmend, weshalb sie sich hierbei als Antiseptikum nutzen lassen. Werden sie oral eingenommen, bilden sie eine Schutzschicht auf der Schleimhaut und schützen den Körper dadurch einerseits vor dem Eindringen der Erreger und andererseits vor Wasserverlust.


Einnahme & Dosierung

Odermennig einnehmen und verwenden – Dosierung von Tee, Tinktur & Extrakt

Die Anwendung von Odermennig variiert, je nachdem, wofür Sie das Heilkraut verwenden möchten und welches Präparat Sie nutzen. Die Anwendung wird nicht für Kinder und Jugendliche unter 12 Jahren empfohlen.

Nachfolgend genannte Einnahmeempfehlungen beziehen sich auf folgende Präparate:

  • Odermennigkraut (das getrocknete und zerkleinerte Kraut der Pflanze)
  • Tinktur (DEV 1:5; Extraktionsmittel: Ethanol 45 %)
  • Exrakt (DEV 1:1; Extraktionsmittel: Ethanol 25 %)
Tipp: 1 TL ≈ 1 g Odermennig-Kraut

Anwendungsdauer

Halten Ihre Symptome während der Behandlung weiterhin an, sollten Sie einen Arzt bzw. eine Ärztin konsultieren:

  • Durchfall: Wenn Ihre Beschwerden 3 Tage oder länger anhalten
  • Weitere Anwendungen: Wenn die Symptome länger als 7 Tage lang andauern

Ackerkraut gegen Durchfall

Einnahme von Odermennig bei Durchfall

Odermennigkraut wird bei Durchfall zwei bis drei Mal täglich als Tee, Tinktur oder Extrakt innerlich eingenommen.

Odermennig Tee – Zubereitung

Übergießen Sie etwa 1,5 bis 4 Gramm (1,5 bis 4 TL) des Krauts mit bis zu 250 ml (ca. 1 Tasse) kochendem Wasser. Lassen Sie den Odermennig-Tee für circa 10 bis 15 Minuten lang ziehen und seihen Sie die Kräuter anschließend ab. Trinken Sie täglich unabhängig von der Mahlzeit bis zu 3 Tassen des Kräutertees.

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  • Einzeldosis: 1,5 bis 4 g Ackerkraut
  • Zubereitung: in bis zu 250 ml kochendes Wasser geben
  • Ziehzeit: 10 bis 15 Minuten ziehen lassen
  • Häufigkeit: 2 bis 3 Mal täglich eine Tasse des Odermennigtees trinken
  • Tagesdosis: 3 bis 12 g des getrockneten Krauts

Ackerkraut Tinktur

Bei leichten Durchfällen können 1 bis 4 ml Odermennig-Tinktur drei Mal am Tag innerlich eingenommen werden.

  • Einzeldosis: 1 bis 4 ml
  • Häufigkeit: 3 mal am Tag
  • Tagesdosis: 3 bis 12 ml

Odermennig Extrakt

Das Ackerkraut-Extrakt wird 3 Mal am Tag eingenommen, wobei die Einzeldosis 1 bis 3 ml beträgt.

  • Einzeldosis: 1 bis 3 ml
  • Häufigkeit: 3 Mal am Tag
  • Tagesdosis: 3 bis 9 ml

Mundraum-Entzündung

Odermennig bei Mund- und Rachenraum-Entzündungen anwenden

Zur Behandlung von Entzündungen des Mund- und Rachenraums werden das getrocknete Kraut des Odermennigs sowie daraus hergestellte Extrakte und Tinkturen zum Gurgeln verwendet.

Odermennig-Kraut

Das Ackerkraut kann sowohl als Aufguss als auch als Abkochung zum Gurgeln verwendet werden.

  • Aufguss (Tee)
    • Einzeldosis: 1,5 g des Krauts
    • Zubereitung: in 150 ml kochendes Wasser geben
    • Ziehzeit: Für 10 bis 15 Minuten lang ziehen lassen
    • Häufigkeit: 2 bis 4 Mal am Tag zum Gurgeln verwenden
  • Dekokt (Abkochung)
    • Einzeldosis: 3 bis 4,5 g
    • Zubereitung: in bis zu 250 ml Wasser geben, erhitzen und Kräuter anschließend abseihen
    • Häufigkeit: 2 bis 3 Mal täglich als zum Gurgeln verwenden

Tinktur aus Odermennig

Ackerkraut-Tinkturen werden drei mal täglich zum Gurgeln verwendet.

  • Einzeldosis: 1 bis 4 ml
  • Häufigkeit: 3 Mal am Tag zum Gurgeln
  • Tagesdosis: 3 bis 12 ml

Ackerkraut Extrakte

Extrakte aus Odermennig finden 3 mal am Tag als Gurgellösung Verwendung.

  • Einzeldosis: 1 bis 3 ml
  • Häufigkeit: 3 Mal täglich zum Gurgeln
  • Tagesdosis: 3 bis 9 ml

Hautentzündung & Wunden

Ackermennig bei Hautentzündungen und leichten Wunden

Bei Wunden und Entzündungen der Haut wird das getrocknete Kraut des Odermennigs als Absud für Umschläge und Kompressen oder als Badezusatz verwendet.

Für Kompressen und Umschläge

Behandlung UmschlagFür Umschläge oder Kompressen wird das Odermennig-Kraut in kaltes Wasser gegeben, unter wiederholtem Umrühren erhitzt und anschließend abgepresst.

  • Einzeldosis: 3 bis 10 g
  • Zubereitung: in bis zu 250 ml Wasser geben und erhitzen
  • Art der Anwendung: als Kompresse auf betroffene Hautstelle auftragen

Odermennig als Badezusatz

Für Bäder wird das Ackerkraut ebenfalls als Dekokt zubereitet, also zunächst in kaltes Wasser gegeben, dann erhitzt und schließlich abgepresst.

  • Einzeldosis: 3 bis 10 g
  • Zubereitung: in bis zu 250 ml Wasser
  • Anwendungsdauer: bis zu 30 Minuten lang baden
  • Häufigkeit: 2 Mal am Tag als Badezusatz verwenden

Inhaltsstoffe & Wirkstoffe

Inhaltsstoffe von Odermennig

  • Gerbstoffe (bis zu 10 % Catechin-Gerbstoffe)
    • Agrimoniin
    • Ellagitannin
    • Procyanidine
    • Gallotannine (z.B. Corilagin)
  • Flavonoide (ca. 1,9 %)
    • Hyperosid (0,37%)
    • Luteolin
    • Apigenin
    • Quercetin
    • Kämpferol
  • Phenolcarbonsäuren
    • Ferulasäure
    • Salicylsäure
    • Vanillinsäure
  • Triterpene (ca. 1,5 % im frischen Kraut)
    • Ursolsäure (ca. 0,6 %)
    • Euskapinsäure
    • Tormentinsäure
  • Weitere Inhaltsstoffe
    • ätherisches Öl (Cedrol, α-Pinen, Linalool, α-Terpineol, Bornylacetat, Eucalyptol)
    • β-Sitosterol
    • Polysaccharide
    • nicht identifizierte Cumarine

Derzeit liegen keine Studien vor, welche die für die Wirksamkeit der Pflanze verantwortlichen Stoffe untersucht haben. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen des Odermennigs gehören jedoch wahrscheinlich die Gerbstoffe, welche sich hauptsächlich aus Proanthocyanidinen sowie zu einem geringen Teil auch aus Ellagitanninen zusammensetzen.

Agrimonia eupatoria, Odermennig, Stängel mit Indument und gefiederte Laubblätter

Stängel mit Indument und gefiederte Laubblätter
J.F. Gaffard Jeffdelonge at fr.wikipedia, Agrimonia eupatoria3, CC BY-SA 3.0

Eine entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Wirkung ist aufgrund der im Ackerkraut mit bis zu 10 Prozent enthaltenen Gerbstoffe plausibel. Diese wirken adstringierend, also blutstillend, entzündungshemmend und haut-zusammenziehend, weshalb sie u.a. bei Durchfall, Wunden und Entzündungen des Magens, Darms, Munds sowie Rachenraums eingesetzt werden.

Gerbstoffe lassen sich dabei sowohl innerlich als auch äußerlich anwenden. Äußerlich stillen sie die Blutung und entziehen Bakterien und Pilzen durch Austrocknung den Nährboden. Bei der inneren Einnahme bilden sie zusammen mit körpereigenen Eiweißen eine Schutzschicht auf den Schleimhäuten, und schützen den Körper somit u.a. vor einem zu hohen Wasserverlust sowie vorm Eindringen von Erregern.

Darüber hinaus zeigte das Tannin Agrimoniin in in vivo Tieruntersuchungen eine Antitumoraktivität, es kann also möglicherweise gegen Krebs helfen und das Immunsystem unterstützen.

Interessant ist ferner die Ursolsäure, welche möglicherweise als sogenannter COX-Hemmer wirkt, wie bspw. auch Aspirin, Ibuprofen oder Diclofenac. Cyclooxygenasehemmer finden als entzündungshemmende Schmerzmittel Anwendung.

Mehrere aus der Pflanze isolierte Polyphenole zeigten weiterhin eine Aktivität gegen Staphylococcus aureus, während ein Methanolextrakt die sog. Proteaseaktivität von HIV hemmen konnte (Proteasehemmer).


Mineralien & Vitamine

Mineralstoffe und Vitamine in Odermennig

Im Ackerkraut sind u.a. folgende Mineralien und Vitamine enthalten:

  • Mineralstoffe
    • Kieselsäure (ca. 7-8 %)
    • Kalium
    • Natrium
  • Vitamine
    • Ascorbinsäure (Vitamin C)
    • Niancin (Vitamin B3)
    • Thiamin (ca. 2μg/g)
    • Vitamin K

Risiken & Nebenwirkungen

Nebenwirkungen von Odermennig – Ist die Ackerblume giftig?

Nebenwirkungen vom Odermennig sind derzeit keine bekannt. Gerbstoffe wirken bei einer langfristigen inneren Einnahme allerdings leberschädigend und können bei sehr hoher Dosierung zu Brechreiz und Magenschleimhautentzündungen führen.

Warnhinweise

  • Durchfall: Bei langanhaltendem, wiederkehrendem oder blutigem Durchfall, ist ein Arzt bzw. eine Ärztin zu konsultieren. Dies gilt auch dann, wenn sich Ihre Symptome während der Behandlung verschlimmern.
  • Wunden und Entzündungen: Verschlimmern sich Ihre Symptome während der Behandlung, sollten Sie sich ärztlichen Rat einholen

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

In folgenden Fällen sollte Odermennig nicht bzw. nur nach ärztlichem Rat angewandt werden:

  • Überempfindlichkeit gegenüber des Wirkstoffs
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder und Jugendliche unter 12 Jahren

Nach derzeitigem Kenntnisstand besteht nur bei einer Überempfindlichkeit gegenüber des Wirkstoffs eine Kontraindikation.

Weiterhin wird jedoch auch schwangeren und stillenden Frauen sowie Kindern und Jugendlichen unter 12 Jahren aufgrund von fehlenden Studien zur Sicherheit und Unbedenklichkeit von einer Anwendung abgeraten.

Einige Präparate wie Tinkturen und Extrakte enthalten außerdem Alkohol, weshalb sie sich bei weitere Personengruppen wie etwa alkoholkranken Menschen ungeeignet sind.

Wechselwirkungen mit Odermennig

Wechselwirkungen zwischen dem Odermennig und anderen Arzneimitteln sind derzeit keine bekannt. Da die Heilpflanze jedoch Gerbstoffe enthält, kann die Aufnahme bestimmter Arzneimittel sowie einiger Mineralstoffe wie z.B. Eisen vermindert werden. Wenden Sie sich im Zweifelsfall an Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin.


Quellen & Verweise

  • Agrimoniae herba (European Medicines Agency)
  • EMA/HMPC | Assessment report on Agrimonia eupatoria L., herba; 28 January 2015
  • EMA/HMPC | European Union herbal monograph on Agrimonia eupatoria L., herba; 28 January 2015
  • ESCOP: Agrimoniae herba (Agrimony) Monograph
  • Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
  • Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
  • W. Blaschek: Wichtel – Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis; 6. Auflage Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2015.


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