Ginseng

Ginseng – Heilmittel für viele Beschwerden

Seit jeher genießen die altasiatischen Kräuter und Heilpflanzen beim europäischen Verbraucher einen ambivalenten Ruf. Einerseits gehören wohl unzählige Geschichten von der Heilung totkranker Personen durch einen Kräutertrunk in das Reich der Sagen und Mythen. Andererseits haben es etliche Vertreter der fernöstlichen Heilpflanzen auch in das Inventar moderner, westlicher Apotheken geschaffen. Zu diesen pharmakologisch erwiesenermaßen wirkungsvollen Pflanzen gehört schon seit langer Zeit der Ginseng.

Panax Ginseng – wie der korrekte biologische Artname lautet, hat im Laufe der letzten Jahrzehnte im deutschsprachigen Raum einige Trivialnamen hervorgebracht. So ist auch unter den Bezeichnungen Samwurzel, Kraftwurz und Gilgen einzig und allein die fernöstliche Pflanzenart zu verstehen. Ihre Ursprünge hat sie in den Wäldern des nordöstlichen Chinas sowie in Korea. Auch in Sibirien ist eine Zwergform des Ginsengs lokalisiert.

Doch mittlerweile wird diese Wunderpflanze dank ihrer pharmakologisch bedeutenden Inhaltsstoffe weltweit von Menschenhand kultiviert. Durch Züchtungen mit verwandten Arten hat sich die Gattung Panax Ginseng auf gesplittet – jedoch werden auch die gezüchteten Hybriden umgangssprachlich und der Einfachheit halber ebenfalls als Ginseng bezeichnet.

Panax Ginseng – eine unscheinbare Heilpflanze

Ginseng erreicht eine Höhe von maximal 60 Zentimetern und wirkt äußerlich sehr unscheinbar. Vergleichsweise große, an den Rändern eingekerbte Blätter und ein doldenartiger Blütenstock an der Spitze des senkrechten, durchaus robusten Hauptstängels – für unerfahrene Hobbybotaniker ist diese Pflanze wahrlich schwer zu identifizieren. Doch das wertvolle dieser Pflanzenart sind nicht die Blätter, auch nicht die Blüten oder Samen. Nein, die medizinisch bedeutenden Pflanzenteile befinden sich unter der Erde – es sind die Wurzeln. Hier stecken all die Inhaltsstoffe, welche für den regelrechten Boom um das Superfood Ginseng verantwortlich sind.

Ökologisch betrachtet bevorzugt die Ginseng-Pflanze feuchte Mischwälder und sie reagiert äußerst empfindlich auf zu viel Luftverschmutzung und Smog. Die ursprüngliche, natürliche Ginseng-Pflanze kommt nur noch in kleinen, ländlichen Regionen um Heilongjing, Liaoning und Jilin in China sowie vereinzelt in Nordkorea vor. Da die Bestände mittlerweile als gefährdet eingestuft wurden, schützt das Washingtoner Artenschutzabkommen die ursprüngliche Gattung Panax Ginseng über Ausfuhrbeschränkungen und generell strengere Handelsbedingungen.

Geschichte der ‚Menschen-Wurzel‘

Die Bedeutung der Ginseng-Wurzeln als mächtiges Heilmittel ist den Chinesen und Koreanern schon seit Jahrtausenden bewusst. Dies beweist etwa eine schriftliche Aufzeichnung aus dem ersten Jahrhundert vor Christi Geburt. In Asien gilt der Ginseng auch heute noch als klassisches Sinnbild für ein gesundes, langes Leben. Noch bis vor 200 Jahren war diese Pflanze ausschließlich dem Adel vorbehalten und wurde über den damaligen Goldpreis gehandelt. Das alleine zeigt schon die enormen Heilkräfte, welche man sich durch die Ginseng-Wurzel erhoffte.

Übrigens bedeutet die von dieser Zeit stammende Namensbezeichnung Ginseng ins Deutsche übersetzt so viel wie ‚Menschen-Wurzel‘.

Nach Europa kam die wertvolle Heilpflanze erst spät – es dauerte bis tief ins 17. Jahrhundert, ehe die kostbaren Wurzeln über arabische Händler nach Europa verschifft wurden. In Spanien und den Niederlanden wurden Sie zuerst konsumiert, ehe sie aus den Apotheken in ganz Europa nicht mehr wegzudenken waren. Umso erstaunlicher ist daher die Tatsache, dass der Ginseng erst seit rund einhundert Jahren an den europäischen Universitäten als Heilpflanze anerkannt ist.

Der Ginseng-Anbau – schwierig und lohnend zugleich

Früher war es einfach: Die Landwirte aus Nordchina und Korea gingen nur mit einer Harke bewaffnet in den Wald und hebelten die knollenförmigen Wurzeln des Ginsengs aus dem Boden heraus. Der gezielte Ginseng-Anbau gelang im fernen Osten erstmals vor etwa 1500 Jahren. Roter Ginseng, welcher als besonders ergiebig und lukrativ gilt, wurde sogar erst im Jahr 1080 in China gezielt kultiviert.

Im Vergleich zur Moderne hat sich auf diesem Gebiet natürlich eine Menge verändert. Heutzutage gibt es gewaltige Plantagen, auf denen die Aussaat jährlich im Herbst von statten geht. Interessant ist hierbei, dass die Sprösslinge in den ersten Wochen abgedeckt werden, um den Kontakt mit Sonnenlicht gänzlich zu unterbinden. Denn eine zu aggressive UV-Strahlung bekommt den zarten Ginseng-Pflänzchen gar nicht gut. Obwohl mittlerweile optimierte und automatisierte Verfahren zur massenhaften Kultivierung der wertvollen Heilpflanze zur Anwendung kommen, so erfordert die erfolgreiche Aufzucht immer noch ein gehöriges Maß an Geduld und Handarbeit.

Allein für die Keimung benötigen Ginseng-Pflanzen zwei volle Jahre. Erst dann erfolgt die Blütephase, welche kleine rote Beeren hervorbringt – die Wohnstuben der Samen für die nächste Generation. Die Ernte der Wurzeln, welche ja die wertvollen Inhaltsstoffe in sich tragen, erfolgt in aller Regel erst nach vier Jahren. Dabei gilt: Je älter die Wurzel, desto wertvoller ist sie. In einigen Regionen kommen nur Wurzeln auf den Markt, wenn sie ganze sechs oder gar zehn Jahre alt sind. Kein Wunder also, dass Ginseng ein vergleichsweise teures Naturprodukt ist.

Unmittelbar nach der Ernte werden die Wurzeln vom Rest der Pflanze getrennt um anschließend für einige Zeit getrocknet zu werden. Dabei verändern sich Farbe und Konsistenz der Ginseng-Wurzeln nachhaltig. Aus roten und weichen Wurzelknollen werden harte, dunkelbraune Brocken. Der Grund für diese Verwandlung liegt im Prozess des Karamellisierens. Einfache Kohlenhydrate verklumpen zu großen Zuckermolekülen. Der Trocknungsprozess macht das Naturprodukt haltbarer gegen Verunreinigungen und Bakterien, wodurch die Lagerung vereinfacht wird. Schonende und langwierige Trocknungsprozesse stellen jedoch sicher, dass nur sehr wenige der wertvollen Inhaltsstoffe des roten Ginsengs verloren gehen.

Ginseng als Nahrungsmittel

Roter Ginseng ist gerade in der asiatischen Küche ein beliebter Nahrungsmittelzusatz. So basieren etliche Suppen und Getränke auf Basis der zerkleinerten Wurzelknollen. Auch diverse Teesorten bestehen hauptsächlich aus Ginseng-Pulver oder Ginseng-Konzentrat. Die meisten dieser Tees schmecken stark bitter und werden daher mit Honig versüßt. Auch alkoholische Getränke, wie etwa der weltweit bekannte Ginseng-Schnaps, werden seit jeher aus den kostbaren Heilpflanzen hergestellt. Seltener aber nicht weniger beliebt sind Bonbons, Kekse und Kaffeesorten aus Ginseng. In den letzten Jahren gelten auch frittierte Ginseng-Wurzeln mit Honig als ebenso schmackhafte wie gesunde Süßspeise.

Die Inhaltsstoffe der Wurzeln

In der traditionellen chinesischen Medizin besitzt Ginseng den Status des Allheilmittels. Gegen nahezu alle körperlichen Beschwerden werden mitunter Ginseng-Extrakte verschrieben. Auch in der westlichen Welt konnten gewissen Wirkungen in der modernen Medizin bestätigt werden. Um herauszufinden, welche Stoffe konkret für dieses anfangs unerklärliche Phänomen verantwortlich sind, wurde Jahre lang intensive Forschung an den Ginseng-Wurzeln betrieben.

Heute weiß man, dass die Wurzeln der Panax Ginseng folgende pharmakologisch bedeutende Wirkstoffe enthält:

  • Ginsenoide (Triterpensaponine)
  • Peptidoglykane
  • Polyacetylene
  • Phytosterole
  • Ätherische Öle

Am bedeutendsten und gleichsam auch am seltensten in der Natur anzutreffen sind die Ginsenoide. Diese sekundären Pflanzenwirkstoffe kommen ausschließlich in der engeren Familie der Ginseng-Heilpflanzen vor und sind maßgeblich für die heilende Wirkung verantwortlich.

Der Ginsenoid-Anteil macht etwa drei bis vier Prozent aus. Mit zunehmendem Alter der Wurzelknolle steigt auch der Anteil dieses wertvollen Wirkstoffes. Interessanter Weise sind die feinen Haarwurzeln des Ginsengs viel reicher an Ginsenoiden als die dicken Hauptknollen. Die weiteren Inhaltsstoffe haben eher additiven Charakter und sind auch in zahlreichen anderen Kräutern und Pflanzenheilmitteln enthalten. Zudem tragen insbesondere die ätherischen Öle sowie die Phytosterole zum aromatischen, leicht bitteren Geschmack der Wurzeln bei.

Allgemeine Anwendung und Wirkung

Die Stärke der Heilpflanze liegt in ihrer Vielseitigkeit. Gegen folgende Beschwerden besitzt Ginseng eine medizinisch erwiesene Wirkung:

Allgemein kann von einer stärkenden Wirkungsweise der Inhaltsstoffe gesprochen werden. Solche Mittel werden in der Fachsprache auch gerne als Tonikum bezeichnet und haben typischerweise die Funktion, den Kreislauf in Schwung zu bringen sowie die Durchblutung zu fördern. Auch zur schnelleren Genesung nach Erkrankungen werden sehr gerne Ginseng-Extrakte vom Hausarzt verschrieben.

Abseits der rein körperlichen Symptome kann die Einnahme von Ginseng auch psychisch für ein besseres Wohlbefinden sorgen. So können unter anderem mit der Ginseng-Wurzel leichte Depressionen erfolgreich therapiert werden.

Auch auf der kognitiven Ebene sind Steigerungen in Bezug auf die Konzentrationsfähigkeit und geistige Leistungsfähigkeit festzustellen. Dies ist mitunter der Hauptgrund für die Einnahme der nicht verschreibungspflichtigen Ginseng-Präparate. So sollen die roten Wurzeln des Ginsengs bereits zahlreichen Schülern und Studenten in Prüfungssituationen unterstützt haben.

In der Homöopathie dient der natürliche Wunderstoff zur Therapie von Erkrankungen am zentralen Nervensystem. Außerdem wird dem Naturprodukt eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt, weshalb in letzter Zeit auch verstärkt die zeugungswilligen Männer auf Ginseng-Präparate zurückgreifen, um ihren kleinen Soldaten den nötigen Schub an Power mit auf den Weg zu geben, was sich positiv auf die allgemeine Potenz auswirkt.

Und schließlich besitzt Ginseng auch eine entschlackende Wirkung auf den menschlichen Organismus. Dies hat zum einen zur Folge, dass Giftstoffe ausgeschwemmt werden, und andererseits kann es die Konsumenten dabei unterstützen, einige ihrer Körperpfunde zu verlieren. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass in manchen Diätprodukten das Ginseng-Extrakt enthalten ist.

Ginseng zur Behandlung eines grippalen Infekts

Influenza sucht allein in Deutschland jedes Jahr mehr als eine Millionen Menschen heim. Die Übeltäter sind kleinen Viren, welche sich ständig in ihrem Erscheinungsbild modifizieren. Dies macht eine jährliche Impfung gegen die jeweils gerade aktuellste Form des Erregers notwendig, um sich einigermaßen sicher vor der Grippe zu schützen.

Als typische Infektionskrankheiten gelangen die Erreger über Tröpfcheninfektion auf die Schleimhäute der Atemwege, und von dort über die Luftröhre unter anderem in den Lungenbereich.

Wie neuere Studien beweisen konnten, ist eine langfristige Einnahme von rotem Ginseng in der Lage, die betroffenen Lungenepithelzellen zu stärken, was einen viralen Infekt im Ernstfall unterbinden kann. Dies kann die Chance einer Erkrankung nach erfolgter Infektion drastisch reduzieren. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass die Probanden täglich einige Gramm der Wurzelknolle über die Nahrung aufnahmen, und dies über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Dennoch scheint diese Form der Prophylaxe als Alternative zur Impfung gerade für prinzipiell gesunde Menschen mittleren Alters eine gute Möglichkeit zu sein, sich auch ohne Impfung effektiv gegen die Influenza-Erreger schützen zu können.

Ginseng hilft Diabetes-Patienten

Diabetes gilt als eine der großen Volkskrankheiten in den westlichen Industrienationen, wobei hier zwischen Typ I Diabetes und Typ II Diabetes unterschieden werden muss. Während Typ I erblich bedingt ist, tendenziell schwerer verläuft aber auch vergleichsweise selten vorkommt (Grund ist eine fehlende Insulinausschüttung ins Blut aufgrund zerstörter oder fehlender Zellen in der Bauchspeicheldrüse), so hat Typ II Diabetes oftmals mit dem Lebenswandel des betroffenen Patienten zu tun. Denn bei letzterem erfolgt durch Bewegungsmangel und einer fehlerhaften, fettreichen Ernährung (zumeist begünstigt oder bedingt durch markante Fettleibigkeit) eine Insulinresistenz an den Körperzellen. Das bedeutet, der gelöste Blutzucker gelangt nicht mehr aus dem Blut in die Zellen. Dies wiederum hat die dramatische Folge, dass der im Blutzucker zunehmend steigt. Die Folgen sind Unwohlsein, Ohnmachtsanfälle sowie ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt.

Hier kann Ginseng durch seine regulierende Wirkung auf den Blutzuckerspiegel für Linderung sorgen. Was diesen natürlichen Heilstoff natürlich zu einem idealen Nahrungsergänzungsmittel für Diabetiker und Menschen mit erhöhten Blutzuckerwerten macht. Laut einer Studie aus Kanada vom Department of Nutritional Science der Universität von Toronto ist es möglich, nach mehrwöchiger Einnahme von rotem Ginseng seinen Blutzuckerspiegel um über 30 Prozent abzusenken.

Mit Ginseng gehört Mundgeruch der Vergangenheit an

Mundgeruch ist aus medizinischer Sicht oftmals nicht bedenklich, dennoch kann es auf eine ernsthafte Erkrankung des MagenDarm-Traktes hinweisen. Ganz abgesehen davon empfinden es die Betroffenen aus verständlichen Gründen als unangenehm und störend.

Häufig liegt einem unnatürlich starken Mundgeruch ein verstärktes Bakterienaufkommen im Magen zu Grunde, welches durch regelmäßiges Sodbrennen noch verstärkt wird. So gelten Helicobacter-Bakterien, welche sich auf die inneren Magenwände stürzen, als typische Ursachen für unnatürlich starken Mundgeruch. Da das Vorkommen dieses Bakterienstammes das Aufkommen von Magentumoren signifikant erhöht, sollte Mundgeruch definitiv ernst genommen werden. Wer aus Scham den Weg zum Hausarzt diesbezüglich scheut, riskiert eine ganze Menge.

Die unmittelbare Bekämpfung des Symptoms an sich, nämlich des Mundgeruchs, kann erfolgreich mit rotem Ginseng geschehen. Liegt tatsächlich Helicobacter vor, so verschreiben die Ärzte oftmals Ginseng-Konzentrate zusammen mit Antibiotika, was in über 98 Prozent der Fälle zu einem nachhaltigen Verschwinden des Erregers führt. Bei einer leichten Form des Mundgeruchs können auch Bakterien im Mundbereich die Ursache sein. Hier sollten bereits mehrmaliges Zähneputzen sowie Lutschpastillen für Abhilfe sorgen.

Nebenwirkungen einer Ginseng-Einnahme

Wie bei allen Medikamenten und pharmakologischen Wirkstoffen, so sollte auch vor der Einnahme von Ginseng-Präparaten ein Arzt konsultiert werden. Selbstmedikation ist auch im Falle des Ginsengs niemals anzuraten!

Dies gilt insbesondere für Diabetiker. Denn wenn diese Patienten-Gruppe bereits blutzuckersenkende Medikamente einnimmt und darüber auf einem normalen Blutzuckerspiegel eingestellt ist, so kann die zusätzliche Einnahme von Ginseng zu akutem Unterzucker führen. Die Folge davon wäre Schwindel, in schlimmen Fällen sogar das Koma.

Folglich sollten Sie als Diabetes-Patient unter Rücksprache mit Ihrem Arzt in Erwägung ziehen, während der Einnahme von Ginseng die Dosis der anderen Medikament, die einen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel ausüben, zu reduzieren.

Gleiches gilt für Patienten, die regelmäßig Blutverdünner einnehmen. Da auch Ginseng eine leicht blutverdünnende Wirkung besitzt, kann die Kombination mit den Medikamenten verheerende Folgen nach sich ziehen.

In aller Regel ist es möglich, Ginseng-Präparate auch dauerhaft zu verwenden. Eine Reduktion der positiven Effekte ließ sich in den dutzenden Studien, die bislang zu diesem Thema durchgeführt wurden, nicht bestätigen.

 

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