Hydromorphon

Schmerzen begleiten viele Menschen oftmals für lange Zeit in ihrem Leben. Gerade bei Schmerzpatienten spielt die richtige Medikation eine Rolle. Zu diesen zählt Hydromorphon.

Der Wirkstoff Hydromorphon ist ein sehr stark wirkendes semisynthetisches Opioid, der von der WHO in die Stufe III eingeordnet wurde. Ein Präparat mit diesem Wirkstoff ist verschreibungspflichtig und es unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz.

HydromorphonWas ist Hydromorphon?

Hydromorphon ist ein Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Der Wirkstoff ist chemisch eng mit dem Morphin verwandt.

Die Wirkung von diesen beiden Wirkstoffen ist ähnlich. Verwendet wird der Wirkstoff als Schmerzmittel und unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Opioide.

Die Eigenschaften von diesem Wirkstoff beruhen vor allem auf der Bindung an µ-Opioidrezeptoren. Es ist, da es sich um ein Opioid handelt, wichtig, dass die Dosis genau und individuell eingestellt werden muss. Es handelt sich bei Hydromorphon um ein halbsynthetisches und hydrogeniertes und um ein oxidiertes Morphin-Derivat.

In Arzneimitteln liegt es als Hydromorphonhydrochlorid vor. Vom Aussehen her handelt es sich um ein weißes, kristallines Pulver. Dieses Pulver ist im Wasser leicht löslich.

Auch wenn der Wirkstoff verschreibungspflichtig ist und unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, kann es sein, dass die Gefahr besteht, dass Hydromorphon als euphorisierendes Rauschmittel missbraucht werden könnte.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Hydromorphon dient

  • der Schmerzstillung
  • der Schmerzlinderung

Allgemeines

Allgemeines
NameHydromorphon
Andere Namen
  • (5R,9R,13S,14R)-3-Hydroxy-17-methyl-4,5-epoxymorphinan-6-on (IUPAC)
  • Hydromorphonum (Latein)
SummenformelC17H19NO3
WirkstoffklasseOpioid-Analgetikum

Wirkungsweise

So wirkt Hydromorphon

Hydromorphon wird schmerzstillend und schmerzlindernd. Die Wirksamkeit von diesem Wirkstoff vor allem bei starken Schmerzen ist in vielen Studien bereits nachgewiesen.

Liegt Hydromorphon in retardierter Form vor, dann heißt dass, dass der Wirkstoff über einen längeren Zeitraum hinweg nach und nach freigesetzt wird im Körper. Dies ist vor allem für die Behandlung von starken Schmerzen sehr wichtig.

Liegt der Wirkstoff in nichtretardierter Form vor, dann gilt die Nach-und-Nachabgabe des Wirkstoffs nur für den Beginn der Schmerzbehandlung.

In nichtretardierter Form liegt der Wirkstoff aber auch vor, wenn der Wirkstoff für die Behandlung von akuten Schmerzen nur über einen sehr kurzen Zeitraum erfolgt.

Da Hydromorphon wie auch das Morphin ein Agonist an μ-Opioidrezeptoren ist, wirkt Hydromorphon, wie auch die verwandten Opioide hauptsächlich auf das zentrale Nervensystem und auch auf den Darm.

Wie alle anderen opioiden Schmerzmittel ahmt Hydromorphon die Wirkung von körpereignen Opioide nach. Der Wirkstoff bindet sich dabei an die µ-Opioidrezeptoren und verringert so die Weiterleitung von Schmerzsignalen in den Nervenzellen.

Dadurch herabgesetzt wird gleichzeitig auch die Schmerzwahrnehmung im Gehirn. Der Wirkstoff verfügt über eine orale Bioverfügbarkeit von ca. 32 Prozent. Metabolisiert wird der Wirkstoff in der Leber.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Hydromorphon

Dieses Schmerzmittel wird in der Laber verstoffwechselt. Ausgeschieden werden die verstoffwechselten Reststoffe häuptsächlich über den Urin. Die Halbwertzeit erreicht dieser Wirkstoff nach ca. 2,5 Stunden. Diese 2,5 Stunden müssen nach der Einnahme des entsprechenden Präparates vergehen.


Anwendungsgebiete

Wann wird Hydromorphon eingesetzt?

Bei Hydromorphon handelt es sich um ein sehr stark wirksames opioides Schmerzmittel.

Angewandt wird ein solches Mittel bei mittelstarken und starken Schmerzen. Diese können im Rahmen einer Krebsbehandlung auftreten, aber auch nach Operationen und nach Unfallverletzungen.

Der Wirkstoff ist sehr wirkungsvoll und kann auch bei der Behandlung von chronischen Schmerzen eingesetzt werden, die sehr stark sind.

Eingesetzt werden kann der Wirkstoff auch bei älteren Patienten, da der Wirkstoff recht gut verträglich ist. Der Grund dafür ist, dass schnell wieder abgebaut wird. Aus diesem Grund ist der Wirkstoff sehr viel ärmer an Nebenwirkungen als Morphin.

Der Wirkstoff ist in verschiedenen Einnahmeformen erhältlich. Einmal in Form von retardierten und unretardierten Hartkapseln, aber auch in Form von Retardtabletten und auch in Form von Injektions- und Infusionslösungen.

Der Wirkstoff ist stets ein Mittel der ersten Wahl. Denn es liegen ausreichende Studien darüber vor, dass der Wirkstoff auch wirklich die Wirkung erzielt, die bei mittelstarken und bei starken Schmerzen erforderlich sind, damit die Schmerzen gelindert werden könne.


Richtige Anwendung

So wird Hydromorphon angewendet

Der Wirkstoff Hydromorphon findet sich in der Regel in Retardkapseln wieder. Dank der Verwendung von diesen Kapseln ist es möglich, dass der Wirkstoff nach und nach freigesetzt wird.

Die Einnahme der Retardkapseln ist recht einfach. Diese müssen als Ganzes geschluckt werden. Die Kapseln dürfen auf keinen Fall geöffnet werden. Die Kapseln zerkauen darf man auch nicht.

Dies könnte zu einer Freisetzung des Wirkstoffs führen. Es besteht dann eine Gefahr der Überdosierung. Und dies kann die Atmung beeinträchtigen.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Hydromorphon?

Es gibt eine Reihe von Medikamente, die diesen Wirkstoff enthalten. Hierzu gehören:

  • JURNISTA 64mg Retardtabletten
  • JURNISTA-4mg Retardtabletten
  • JURNISTA -8mg/ -16mg/ -32mg Retardtabletten
  • Dilaudid Injektionslösung
  • Hydromorphon-HEXAL retard 2 mg Hartkapseln, retardiert
  • Hydromorphon Aristo akut 1,3 mg/ -2,6 mg Hartkapseln
  • Hydromorphon-HEXAL retard 4 mg/ -8 mg/ -16 mg/ -24 mg Hartkapseln, retardiert
  • Hydromorphon-hameln 2 mg/ml / -10 mg/ml Injektions-/ Infusionslösung
  • Hydromorphon-ratiopharm 4 mg/ -24 mg Retardtabletten

Handelsnamen

Monopräparate

Zu den Monopräparaten mit diesem Wirkstoff gehören Hydal, Jurnista, Palladon und Generika. Darüber hinaus gibt es auch Präparate wie Dilaudid, Hydromorphon Aristo long und Hydromorphon mit diesem Wirkstoff.

Kombinationspräparate

Als Kombinationspräparate gibt es den Wirkstoff nicht.


Indikationen

Der Wirkstoff eignet sich hervorragend für die Behandlung von mittelstarken bis starken Schmerzen. Es kann sich dabei um akute oder auch um chronische Schmerzen handeln.


Gegenanzeigen

Der Wirkstoff Hydromorphon kann einige Gegenanzeigen haben.

Wann darf Hydromorphon nicht verwendet werden?

Hydromorphon darf nicht angewandt werden, wenn in den letzten zwei Wochen ein MAO-Hemmer eingenommen wurde. Dies gilt vor allem bei Tranylcypromin oder Moclobemid, die bei Depressionen eingenommen werden oder auch Selegilin, das bei der Parkinsonkrankheit eingenommen wird.

In diesem Fall muss der Arzt Risiken und Nutzen abwägen. Dies gilt auch, wenn ein Hirntumor vorliegt. Denn dann liegt ein erhöhter Hirndruck vor.

Ebenfalls gilt dies, wenn eine Epilepsie vorliegt bzw. der Patienten schon einmal einen Krampfanfall erlitten hatte.

Des Weiteren sollte eine gute Abwägung der Risiken und vom Nutzen durch den Arzt stattfinden, wenn Medikamente eingenommen werden, die die Krampfbereitschaft fördern.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Präparate mit diesem Wirkstoff sollten beim Vorliegen einer Schwangerschaft nicht das Mittel erster Wahl sein. Dauert die Behandlung allerdings weniger, als 30 Tage ist das Risiko für das Neugeborene eher als gering einzuschätzen.

Bei einer längeren Behandlung steigt jedoch das Risiko für das ungeborene Kind. Auch in der Stillzeit kann ein Präparat mit diesem Wirkstoff über kurze Zeit eingenommen werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern unter 12 Jahren sollte der Wirkstoff Hydromorphon nicht angewandt werden. Grund dafür ist, dass es über die Anwendung von Präparaten mit diesem Wirkstoff in dieser Altersgruppe keine ausreichenden Erkenntnisse gibt.


Risiken & Nebenwirkungen

Risiken und Nebenwirkungen sind bei der Anwendung von diesem Wirkstoff nicht ganz ausgeschlossen.

Welche Nebenwirkungen hat Hydromorphon?

Auftreten können bei der Einnahme von diesem Wirkstoff sehr häufige Nebenwirkungen, häufige Nebenwirkungen, gelegentliche Nebenwirkungen und seltene Nebenwirkungen.

Sehr häufige Nebenwirkungen

Nebenwirkungen, die sehr häufig auftreten können sind Schläfrigkeit und Kopfschmerzen, aber auch Schwindel. Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen zählen zudem Verstopfung, Erbrechen und auch Übelkeit. Auftreten kann auch Schwäche.

Häufige Nebenwirkungen

Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Herzrasen und Gedächtnisverlust, aber auch Empfindungsstörungen und Gewichtszunahme. Auftreten kann zudem ein Zittern und auch Muskelzuckungen sowie eine Aufmerksamkeitsstörung.

Ebenso kann es zu einer Geschmacksstörung, zu Sehstörungen, zu einem Drehschwindel und zu Atemstörungen kommen. Häufig auftreten kann auch Durchfall und Mundtrockenheit.

Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen sowie Essstörungen und Blähungen gehören ebenfalls zu den häufigen Nebenwirkungen, wie Harnverhalt und Blasenentleerungsstörungen.

Möglich ist auch das Auftreten von Juckreiz und Hautausschlag, von Rückenschmerzen und von Gelenkschmerzen. Auftreten kann auch Appetitlosigkeit und die Neigung zu niedrigem Blutdruck.

Gelegentliche Nebenwirkungen

Gelegentlich können auch Nebenwirkungen auftreten wie eine verminderte BlutSauerstoffsättigung und ein BlutKaliummangel. Darüber hinaus kann es zu einer Leber-Enzym-Werterhöhung kommen und zu einer Blut-Amylase-Werterhöhung.

Gelegentlich auftreten können auch Herzrhythmusstörungen und Muskelverkrampfungen. Es kann zudem ebenfalls gelegentlich zu Bewegungsstörungen kommen oder zu einer Ohnmacht.

Seltene Nebenwirkungen

Seltene Nebenwirkungen bei der Einnahmen von Präparaten mit diesem Wirkstoff kann eine Blut-Testosteron-Wertverminderung sein oder eine Herzschlagverlangsamung und Atemaussetzer.

Es kann zudem selten zu einer Analfissur kommen und zu einer Dünndarmentzündung und zu einem Darmverschluss. Selten führt die Einnahme von diesem Wirkstoff auch zur Abhängigkeit.


Wechselwirkungen

Auftreten können bei der Anwendung von diesem Wirkstoff auch Wechselwirkungen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Hydromorphon?

Zu den Wechselwirkungen, die mit diesem Wirkstoff einhergehen können gehört unter anderem, dass dieser Wirkstoff niemals mit anderen opioiden Schmerzmitteln und auch nicht mit MAO-Hemmern eingenommen werden sollten.

Die Anwendung von einem MAO-Hemmer sollte in einem zeitlichen Abstand von mindestens 14 Tagen erfolgen.

Bei gleichzeitiger Gabe von Barbituraten und von Benzodiazepinen, also von Wirkstoffen, die auf das zentrale Nervensystem wirken, können bei gleichzeitiger Gabe von Hydromorphon zu einer Atemdepression führen.

Während der Einnahme von einem Präparat mit diesem Wirkstoff sollte zudem auf den Genuss von Alkohol verzichtet werden. Möglichst sollte auch auf die gleichzeitige Einnahme von Schlafmitteln und Mitteln verzichtet werden, die das Schmerzempfinden dämpfen.

Auch Muskelentspannungsmittel sollten nicht gleichzeitig mit diesem Wirkstoff eingenommen werden.

Verzichtet werden sollte auch auf die gleichzeitige Einnahme von anderen opioiden Schmerzmitteln, wie Morphin oder Oxycodon bzw. Pethidin. Denn diese Stoffe würden die Wirkung von Hydromorphon verringern und das Risiko von starken Nebenwirkungen steigern.

Die Wirkung des Wirkstoffs wird indes verstärkt durch die gleichzeitige Einnahme von einem Säureblocker oder einem Blutdrucksenker.

Bei älteren Patienten, die über ein geringes Körpergewicht verfügen oder bei Menschen mit einer Kopfverletzung muss bei der Behandlung mit einem Präparat mit diesem Wirkstoff eine besonders sorgfältige Überwachung des Zustandes gewährleistet sein.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Hydromorphon zu beachten?

Nicht angewandt werden darf der Wirkstoff Hydromorphon bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff und bei einer bereits diagnostizierten Atemdepression mit Hypoxie oder wenn der Kohlendioxidspiegel im Blut erhöht ist.

Ebenfalls nicht angewandt werden darf der Wirkstoff bei einer schweren, chronischen obstruktiven Lungenerkrankung und wenn der Patient im Koma liegt. Ebenfalls nicht angewandt werden darf ein Präparat mit diesem Wirkstoff bei einem akuten Abdomen und bei einem paralytischem Ileus.

Die Anwendung von einem Präparat mit diesem Wirkstoff hat wesentlichen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit. Auch die Fähigkeit schwere Maschinen zu bedienen kann Hydromorphon mäßig beeinflussen.

Bevor mit einer Therapie begonnen wird, muss mit dem Arzt die Art und die Höhe der Dosierung besprochen werden. Es ist erforderlich, dass immer ein Gespräch wird bevor eine Dosiserhöhung durchgeführt wird.

Wenn jemand stabil auf eine Dosis eingestellt ist, muss dennoch mit dem Arzt besprochen werden, ob man so in der Lage ist ein Fahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr zu bewegen oder eine Maschine zu bedienen bei der Arbeit.

Im Fall, dass es zum Auftreten von Nebenwirkungen kommt, ist es wichtig, dass mit dem Arzt umgehend gesprochen wird. Eventuell muss die Dosis angepasst werden. Dies gilt auch, wenn die bisherige Dosis nicht den gewünschten Effekt zeigt. Die Höhe der Dosierung darf nur vom Arzt verändert werden.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Hydromorphon

Präparate mit diesem Wirkstoff sind verschreibungspflichtig. Der Wirkstoff selbst fällt in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz.


Geschichte

Seit wann ist Hydromorphon bekannt?

In Deutschland wurde Hydromorphon erstmals im Jahr 1922 synthetisiert. Ab 1926 gab es den Wirkstoff in Form des Präparats Dilaudid. Inzwischen gibt es sehr viele Präparate, in denen dieser Wirkstoff enthalten ist.

In den USA wurde der Wirkstoff nicht nur als Mittel zur Schmerzstillung eingesetzt. Dies galt allerdings nur für kurze Zeit und für den US-Bundesstaat Ohio.

Dort wurde der Wirkstoff im Jahr 2014 als Gift für Hinrichtungen verwendet. Angewandt wurde der Wirkstoff in diesem Fall natürlich im Rahmen einer Überdosierung.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wie bei allen Opioiden kann der Wirkstoff bei einer wiederholten und länger anhaltenden Gabe von einem entsprechenden Präparat zu einer körperlichen bzw. seelischen Abhängigkeit führen.

Aus diesem Grund fällt der Wirkstoff in Deutschland auch unter das Betäubungsmittelgesetz. Grund dafür wiederum ist, dass bei einer wiederholten Gabe von einem Präparat mit diesem Wirkstoff der Körper eine Toleranzentwicklung durchmacht.

Wichtig: Eine Behandlung mit diesem Wirkstoff darf nicht plötzlich beendet werden. Es können sonst Entzugserscheinungen auftreten.

Quellen

  • Beubler, E.: Kompendium der medikamentösen Schmerztherapie, 6. Auflage, Springer-Verlag, 2016
  • Cascorbi, I. et al.: Medikamenten-Pocket Schmerztherapie, Springer-Verlag, 2013
  • Mutschler, E. et al.: Arzneimittelwirkungen, 10. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2013
  • Schneider, D. & Richling, F.: Checkliste Arzneimittel A – Z, 6. Auflagen, Georg Thieme Verlag, 2013

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