Infantile Cerebralparese

Infantile Cerebralparese kind rollstuhl

Was ist eine Infantile Cerebralparese?

Die Infantile Cerebralparese ist in der Medizin als Little-Erkrankung oder als Morbus Little geläufig. Hinter diesem Krankheitsbild verbirgt sich eine Parese, also eine Lähmung oder eine Erschlaffung von Gliedmaßen. Diese Erkrankung wird durch eine Verletzung des Gehirns hervorgerufen, die bei Neugeborenen oder Säuglingen stattgefunden hat. Die Infantile Cerebralparese ist bei etwa 0,3-04 Prozent aller neu geborenen Kinder diagnostizierbar. Die Infantile Cerebralparese ist grundsätzlich nicht heilbar.

Erfreulicherweise verringert eine frühkindliche Hirnschädigung die Lebensdauer der Patientinnen und Patienten nicht.

Einem Laien kann die Infantile Cerebralparese so erklärt werden, dass das koordinierte Zusammenspiel von Muskulatur und Gehirn gestört ist. Eine spastische Lähmung entstand dann praktisch so, dass vom Gehirn Signale ausgehen, die Hand zu schließen. Diese Bewegung wird umgesetzt. Umgekehrt wird von den Nerven der Hand sowie von den Nervenbahnen keine Rückmeldung an das Gehirn gegeben, dass die Hand wieder geöffnet wird. Unter dieser Voraussetzung bleibt die Hand geschlossen, denn das Gehirn sendet keine erneuten Signale aus. Das hat den Nachteil, dass die Hand nicht bewusst geballt oder gestreckt werden kann. Es bleibt eine Faust. Diese Fehlfunktion bezieht sich nicht nur auf Hände und Füße, sondern kann sich unter Umständen auf die Muskulatur des Gesichts auswirken. Daraus folgt eine anormale Mimik in Einheit mit einem unkontrollierten Zittern.

Ursachen der Infantilen Cerebralpares

Die Infantile Cerebralparese kann mehrere Ursachen haben.

Diese Erkrankung kann beispielsweise durch:

bedingt sein.

Weitere Ursachen für eine frühkindliche Hirnschädigung können Infektionen, Komplikationen mit der Nabelschnur oder Unfälle sowie Vergiftungen der schwangeren Frau sein. Infektionskrankheiten der werdenden Mutter wie Toxoplasmose und Röteln stellen eine hohe Gefährdung des ungeborenen Kindes dar. Mit den Vergiftungen sind Substanzen wie Drogen, Arzneimittel, Kohlenmonoxid und Alkohol gemeint. Die bereits weit erforschte Rhesusunverträglichkeit im Zusammenhang mit der Blutgruppe von Mutter und Kind sowie ein Funktionsverlust des Mutterkuchens, eine genetische Diskrepanz oder eine vorzeitige Ablösung der Plazenta führen ebenfalls zu einer frühkindlichen Hirnschädigung.

Nicht selten kommt es bei problematischen Geburten zu einem Sauerstoffmangel beim Kind, was durch das Absterben von Hirnzellen zu einer frühkindlichen Hirnschädigung beitragen kann. Die Infantile Zerebralparese kommt häufig bei zu früh geborenen Babys vor, die weniger als 750 Gramm wiegen. Atemnot, intraventrikulare Blutungen im Gehirn sowie Verletzungen des Gehirns sind hierbei ursächlich verantwortlich.

Säuglinge, die in den letzten drei Monaten eine sogenannte neuronale Entwicklungsstörung erlitten, können mit einer frühkindlichen Hirnschädigung zur Welt kommen. Nicht immer ist die Hirnschädigung einem Vorgang vor der Geburt zuzuordnen. Das Risiko, nach der Geburt an einer frühkindlichen Hirnschädigung zu erkranken, ist ebenfalls gegeben.

Symptome und Anzeichen

Dir frühkindliche Hirnschädigung ist durch verschiedene Symptome charakterisiert. Diese äußern sich zunächst in einer Verlangsamung der Entwicklung normaler motorischer Fähigkeiten. Die Symptome der Infantilen Cerebralparese sind davon abhängig, in welchem Bereich des Gehirns und zu welcher Zeit eine entsprechende Schädigung stattgefunden hat.

Typisch sind weiterhin gesundheitliche Einschränkungen, die sich als:

darstellen.

Bei einer Spastik besteht eine gewisse Steifheit der Gliedmaßen. Die Athetose äußert sich in Bewegungen, die unwillkürlich und sehr langsam ablaufen. Außerdem sind diese Abläufe in mehr oder weniger großem Umfang verkrampft. Abgehackte Bewegungen, die mit einer Beeinträchtigung des Gleichgewichts und der Koordination verbunden sind, werden als Ataxie bezeichnet. Alle diese Symptome sind in der Regel gemischt zu beobachten. Hervorzuheben ist, dass hauptsächlich die von einer Spastik begleiteten Lähmungen das Leiden ausmachen.

Zusätzlich dazu sind Krankheitszeichen wie:

  • Tetraparese (Spastik der Gliedmaßen, des Kopfes, Halses und Rumpfes)
  • Diparese (Spastik der Arme und Beine)
  • Hemiparese (Lähmungen einer halben Körperseite)
  • Paraplegie (beide Beine oder Arme sind bewegungsunfähig)
  • Monoplegie (Ein Bein oder ein Arm ist gelähmt)

zu diagnostizieren.

An dieser Stelle soll angemerkt werden, dass eine Spastik auf einer erhöhten Muskelanspannung basiert. Die betroffenen Körperbereiche werden dadurch in eine Zwangshaltung gestellt, die partiell als Lähmung zutage tritt. Im Hinsicht auf die symptomatische Betrachtung der Symptome der Infantilen Cerebralparese müssen der Vollständigkeit halber:

  • Beschwerden an den Gelenken
  • Ataktische Syndrome

aufgeführt werden.

Diagnose und Krankheitsverlauf der Infantilen Cerebralpares

Um eine klare Diagnose bei Verdacht auf Vorliegen einer Infantilen Cerebralparese generalisieren zu können, führen die Fachärzte zuerst eine Untersuchung der Haltung und der Bewegungen der Neugeborenen durch. Das dient zur Beschreibung des Entwicklungsniveaus des Säuglings. Palpation, Beobachtung und das Durchführen von Übungen stehen hierbei insbesondere bei den Vorsorgemaßnahmen im Vordergrund. Die diagnostischen Erhebungen werden gemeinsam mit der Mutter, beispielsweise durch Gespräche und weitere Beobachtungen erweitert.

Beim Betrachten der Kinder geht es dem Arzt hauptsächlich um Aspekte wie:

  • Liegt ein Schielen vor?
  • Sind Sprachentwicklung und Sprache beeinträchtigt?
  • Berichten die Mütter von Krampfanfällen?
  • Werden Schluckstörungen – Unruhe und eine nachlassende Trinkneigung wahrgenommen?

Körperlich Tests zielen auf das Erkennen von:

  • Steifheit und Schlaffheit
  • Bewegungsarmut und asymmetrische Haltungspositionen
  • Spitzfuß
  • übermäßiges Überkreuzen und Strecken von Armen und Beinen

ab.

Ergänzend zum Körperstatus sind bildgebende Techniken wie die Magnetresonanztomografie sinnvoll. Laboruntersuchungen von Liquor (Flüssigkeit des Rückenmarks) und des Urins sind weiterhin aussagefähig. Die Infantile Cerebralparese führt nicht zwangsläufig zu geistigen Beeinträchtigungen. Das Lernen dauert zwar etwas länger, als bei gesunden Gleichaltrigen, ist aber mit professioneller Frühförderung durchaus möglich.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Infantilen Cerebralparese umfasst mehrere Teildisziplinen, um eine optimale, so früh wie möglich stattfindende Förderung der betroffenen Kinder zu gewährleisten. Involviert sind sowohl gezielte therapeutische als auch medizinische Maßnahmen, die auf der Grundlage eines individuellen Rehabilitationsplanes durchgeführt werden.

Zusammenfassend stellen folgende Disziplinen die erforderlichen Behandlungen:

 

Die Behandlungsarten sind für Kinder, Jugendliche und Erwachse gestaffelt. Im Einzelnen sehen die Therapien so aus, dass beispielsweise Orthopäden und Orthopädietechniker speziell angefertigte Hilfsmittel wie Stützen, Schienen sowie Greif- und Stehhilfen bereitstellen. Die Logopäden unterstützen die Eltern und Kinder, um die Sprache und die Ess- sowie Trinkfähigkeit zu optimieren.

Dazu erhalten die Kinder ein Training der Mund– und Schluckmotorik. Im Mittelpunkt der Behandlungen stehen die physiotherapeutischen Übungen. Diese beruhen auf der sogenannten Vojta- und Bobaththerapie. In der Ergotherapie lernen die kleinen Patientinnen und Patienten, ihre Feinmotorik zu verbessern.

Auch die Chirurgie bietet zahlreiche medizinische Lösungen. In diesem Bezug sind die Chirurgen in der Lage, mit modernen Operationsverfahren Fehlstellungen zu beheben und Verkürzungen an Sehnen sowie Verkrümmungen der Wirbelsäule zu beheben. Diese Skoliosen und andere Verformungen an Gelenken, Bändern und Muskeln werden durch die anhaltenden, teilweise heftigen Spastiken ausgelöst.

In Anbetracht der Vielzahl an therapeutischen Bemühungen, die die Angehörigen meist mit inbegriffen sind, kann eine gewisse Selbstständigkeit und Lebensqualität für die erkrankten Kinder erreicht werden.

Ein ganz neuartiges Behandlungskonzept für die Infantile Cerebralparese verspricht vielen Betroffenen Linderung. Die Trainingseinheiten zielen darauf ab, nicht nur die Peripherie des Körpers zu schulen und zu beüben, sondern sogar eine Reorganisation des Zentralen Nervensystem zu herbei zu führen.

Im Endeffekt profitieren die Kinder davon, dass die Nervenzellen neue Verbindungen schaffen, indem dem Gehirn diverse motorische Muster angeboten werden. Die Vorteile dieses alternativen Methodik sind ein ermüdungsfreies Üben ohne Schmerzen, eine hohe Flexibilität durch die Kombination mit der weiteren Behandlung und ein Wohlgefühl von Schwerelosigkeit.

Vorbeugung einer Infantilen Cerebralparese

Obwohl die Infantile Cerebralparese schon umfangreich erforscht sind, ist bislang keinerlei Prophylaxe umsetzbar. Lediglich eine Früherkennung kann im Rahmen einer Schwangerenvorsorgeuntersuchung gewährleistet werden. Eine rechtzeitige Therapie bei Bekanntwerden der Infantilen Cerebralparese und eine intensive, engmaschige Überwachung von Mutter Kind sind angebracht.

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