Apixaban

Apixaban ist ein gerinnungshemmender Wirkstoff, der seit 2011 in Europa zugelassen ist und von Pfizer in Kooperation mit Bristol-Myers Squibb entwickelt wurde. Es wird spezifisch zur Verhinderung von Blutgerinnseln nach Operationen und bei Patienten mit Thrombose– und Schlaganfallgefahr eingesetzt. Neben dem Marken-Präparat Eliquis sind in den USA auch Generika im Handel. Im Vergleich zu Warfarin gilt es als verträglicher und muss nicht mit Bluttests überwacht werden.

Apixaban , Antikoagulans , Gerinnungshemmer , Hemmung der Blutgerinnung Was ist Apixaban?

Apixaban gehört gemeinsam mit den Wirkstoffen Bepixaban, Edoxaban und Rivarobaxan zur Gruppe der Faktor-Xa-Hemmer. Es wird als Antikoagulans zur Verhinderung von Thromboembolien nach Operation an Knien und Hüftgelenken, zur Prävention von Schlaganfällen, Lungenembolien und systemischen Embolien eingesetzt. Auch zur Behandlung von tiefen Venenthrombosen ist die Substanz zugelassen.

Die Entwicklung von Apixaban gelang ausgehend von Rivarobaxan. Es handelt sich um ein Oxopiperidin- und Pyrazolderivat (Molekülgewicht 460 g/mol). Anders als Heparine muss es nicht unter die Haut gespritzt werden, sondern kann zweimal täglich als Tablette eingenommen werden.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Einsatz zur Vorbeugung thromboembolischer Ereignisse nach nicht zwingend notwendigen (elektiven) Knie– und Hüftoperationen
  • Vorbeugung von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei Menschen mit nonvalvulärem Vorhofflimmern
  • Behandlung von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien bei Erwachsenen

Allgemeines

Allgemeines
NameApixaban
Andere Namen
  1. 1-(4-Methoxyphenyl)-7-oxo-6-[4-(2-oxopiperidin-1-yl)phenyl]-4,5,6,7-tetrahydro-1H-pyrazolo[3,4-c]pyridin-3-carbamid (IUPAC)
SummenformelC25H25N5O4
WirkstoffklasseAntikoagulans

Wirkungsweise

So wirkt Apixaban

Als direkter selektiver Hemmer des Faktors Xa in der Blutgerinnungskaskade verhindert Apixaban das Aneinanderheften der Blutplättchen und die damit verbundene Bildung von Blutgerinnseln. Faktor Xa ist ein Enzym (Thrombokinase, Stuart-Prower-Faktor), welches den ersten Schritt der Gerinnungsphase, die Umsetzung von Prothrombin zu Thrombin, katalysiert.

Alle vorherigen Faktoren bewirken nur die Aktivierung der Blutgerinnung. Auf die Plättchenaggregation und die Bindung von Blutplättchen an Fibrinogen hat es dagegen keine Auswirkungen. Andere üblicherweise eingesetzte Blutverdünner und Antikoagulanzien setzen in der Kaskade eher ein und senken die Plättchenzahl oder beeinflussen früher einsetzende Gerinnungsfaktoren.

Im Vergleich dazu tritt die Wirkung von Apixaban schneller ein und hält nach Absetzung des Medikamentes weniger lange an. Es gilt auch in Kombination mit anderen Wirkstoffen und speziellen diätischen Anforderungen als verträglicher.

Auf diese Weise wird einerseits die Entstehung von Thromben und Gerinnseln, welche Blutgefäße verstopfen und so zu Thrombosen, Embolien oder Schlaganfällen führen, verhindert, andererseits aber auch die Blutgerinnung im Verletzungsfall unterbunden.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Der Wirkstoff wird gastrointestinal nach oraler Einnahme schnell und zu ca. 50% resorbiert. Studien konnten zeigen, dass die Nahrungsaufnahme nach Verabreichung der Tablette keine negativen Auswirkungen auf die Aufnahme im Darm verursachte. Im Vergleich zu anderen Antikoagulanzien liegt hierin ein großer Vorteil.

Die Halbwertszeit beträgt 9 bis 14 Stunden, wobei die Ausscheidung zu drei Vierteln über die Galle und zu einem Viertel über die Niere erfolgt. Ein geringer Teil wird in der Leber von Cytochrom P450 3A4 und 3A5 zum Phenolderivat oxidiert. Eine untergeordnete Rolle spielen auch die Cytochrome CYP1A2, CYP2C8, CYP2C9, CYP2C19 und CYP2J2. Bei der Ausscheidung wird die Substanz vom P-Glykoprotein und BCRP transportiert.


Anwendungsgebiete

Wann wird Apixaban eingesetzt?

Eine bedeutende Rolle spielt Apixaban nach chirurgischen Eingriffen an Knie– und Hüftgelenken. Dabei handelt es sich um elektive Operationen, die keine zwingende medizinische Indikation haben, aber die Lebensqualität der Patienten z.B. durch Endoprothesen verbessern sollen.

Da hierbei große Knochen eröffnet werden und das Knochenmark beschädigt wird, steigt das Risiko für Thromboembolien, d.h. Blutgerinnsel, die zum Beispiel Blutgefäße im Bein verstopfen oder im Fall von Mobilität sogar in Lunge oder Gehirn wandern können. Dank der blutverdünnenden Wirkung stellt Apixaban dagegen eine wirksame Prophylaxe dar.

Auch gegen andere gerinnungsbedingte Störungen wird die Substanz mittlerweile eingesetzt. So können tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien behandelt oder auch Schlaganfällen vorgebeugt werden.


Richtige Anwendung

So wird Apixaban angewendet

Da Apixaban als Tablette eingenommen werden kann, erspart es dem Patienten die subkutane Injektion wie bei einigen anderen Antikoagulantien. Auch beim Essen nach der Tabletteneinnahme müssen keine Besonderheiten beachtet werden. Es gibt Dosierungen von sowohl 2,5 mg als auch 5 mg, jeweils zweimal täglich.

Die niedrigere Dosis ist dabei für sehr alte oder leichte Patienten bzw. Menschen mit Nierenfunktionsstörungen angeraten. Zur Behandlung bereits bestehender Thrombosen wird die Dosis für 7 Tage auf 2 x 10 mg erhöht. Wenn die Einnahme einmal vergessen wurde, sollte die fehlende Tablette sofort eingenommen und anschließend mit der zweimal täglichen Einnahme fortgefahren werden.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Apixaban?

In Europa ist bisher nur das Markenpräparat Eliquis zugelassen, während in den USA seit Ablauf des Patentes bereits zwei Generika auf dem Markt sind.

  • Eliquis® 5 mg Filmtabletten (Bristol-Myers Squibb)
  • Eliquis® 2,5 mg Filmtabletten (Bristol-Myers Squibb)

Für höhere Dosen müssen mehrere Tabletten eingenommen werden.


Handelsnamen

Apixaban wurde in Kooperation der Firmen Bristol-Myers Squibb und Pfizer entwickelt. Als Medikament ist es in Filmtabletten mit 2,5 mg Wirkstoff erhältlich. In der EU ist es seit 2011 unter dem Handelsnamen Eliquis zur Vorbeugung von venösen Thromboembolien zugelassen.


Indikationen

Apixaban ist ein sogenanntes Antikoagulanz, also ein Gerinnungshemmer. In der EU ist der Wirkstoff zur Prophylaxe (Vorbeugung) von venösen Thromboembolien nach einer orthopädischen Operation zugelassen. In Deutschland und in der Schweiz findet Apixiban bei Erwachsenen nach Knieersatz- oder Huftoperationen einsatz.

Seit dem 20.12.2012 ist der Wirkstoff in der europäischen Union darüber hinaus auch zur Vorbeugung von systemischen Embolien und ischämischen Schlaganfällen bei Erwachsenen ohne valvulärem Vorhofflimmern zugelassen. Weiterhin hat Apixaban 2014 auch eine Zulassung für die Behandlung und Rückfallprophylaxe bei tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien in der EU erhalten.


Gegenanzeigen

Wann darf Apixaban nicht verwendet werden?

Wenn eine bekannte Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff besteht, muss von der Einnahme abgeraten werden. Jede akute klinisch relevante Blutung stellt selbstverständlich eine Kontraindikation dar. Auch sind Lebererkrankungen bekannt, die die Blutgerinnung stören können (hepatische Koagulopathie) und in Verbindung mit Apixaban schwere Blutungen verursachen können.

Die gleichzeitige Einnahme anderer blutverdünnender Medikamente (Heparine, Warfarin, aber auch ASS) verbietet sich. Auch bei Verordnung von Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI und SNRI wird von Apixaban abgeraten.

Einige medizinische Situationen, bei denen es zu starken Blutungen kommen können, sind ebenfalls ein Grund, von Apixaban-Verordnung abzusehen:

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Da keine ausreichenden Studien zur Apixaban-Einnahme unter der Schwangerschaft vorliegen, wird von der Einnahme abgeraten. Der Transfer in die Muttermilch ist nicht aufgeklärt, sodass das Stillen bei Verordnung von Apixaban entweder unterbrochen werden sollte oder auf das Medikament verzichtet werden muss.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Apixaban ist nur zur Behandlung von Erwachsenen zugelassen.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Apixaban?

In klinischen Studien sind die folgenden Nebenwirkungen häufig aufgetreten:

  • Blutungen: z.B. an Operationswunden kann die Blutgerinnung durch den Wirkstoff gestört sein, eine häufige Nachkontrolle ist deswegen erforderlich
  • Kontusion: Wenn Patienten unter der Einnahme von Apixaban Quetschungen erleiden, z.B. wenn sie sich Finger einklemmen, ist die Entwicklung größerer Blutergüssen, auch mit Einblutungen in Gelenke möglich, jede Art von Prellung ist mit einer erhöhten Gefahr von Blutergüssen verbunden
  • Epistaxis: Nasenbluten tritt bei Einnahme von Apixaban insgesamt häufiger auf und ist im Verlauf und der Behandlung schwieriger als ohne Blutverdünner zu handhaben; bei schweren unstillbaren Nasenbluten können sogar notfallmedizinische Eingriffe erforderlich sein
  • Hämatome: eine bekannte Nebenwirkung aller blutverdünnenden Medikamente ist die Neigung, auch bei kleinen Stößen schnell Blutergüsse zu entwickeln, bei starken Schwellungen oder sehr großflächigen Hämatomen kann eine Nachbehandlung erforderlich sein
  • Blutarmut
  • Übelkeit

Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Apixaban?

Der Abbau von Apixaban verläuft hauptsächlich über das Leberenzyme CYP3A4 und das Transportermolekül P-gp. Inhibitoren dieser Stoffe erhöhen die Halbwertszeit und können dadurch Dosisanpassungen notwendig machen bzw. zu verstärkten Nebenwirkungen führen. Darunter fallen z.B. Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol, Naprexon und Ritonavir.

Anders herum kann die Wirksamkeit des Medikamentes verringert werden, wenn CYP3A4-Induktoren den Abbau beschleunigen. Dies trifft auf Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital und Johanniskrautpräparate zu.

Die gleichzeitige Gabe von Antikoagulanzien (z.B. Heparin, Warfarin, ASS) kann die Blutungsneigung verstärken. Auch andere Medikamente, welche zu starken Blutungen führen können, müssen vermieden werden (z.B. Thrombolytika, Thienopyridine, Dipyridamol, Dextran oder Sulfinpyrazon).


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Apixaban zu beachten?

Bei der Einnahme selbst sind keine besonderen Bedingungen vom Patienten zu beachten. Der verschreibende Arzt muss alle Kontraindikationen wie blutungsfördernde Medikamente, Niereninsuffizienz und Gerinnungsstörungen abklären. Auch mögliche medizinische Situationen, die mit starken oder gefährlichen Blutungen einhergehen können, müssen vermieden bzw. das Medikament rechtzeitig abgesetzt werden. Vor Operationen muss mindestens 24 Stunden, bei Eingriffen mit erhöhter Blutungsneigung 48 Stunden abgewartet werden.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Apixaban

Apixaban-haltigen Medikamente sind verschreibungspflichtig. Die Behandlung mit Antikoagulantien beinhaltet Risiken, die unbedingt professionell überwacht bzw. mit Hilfe von Arzt und Apotheker vermieden werden müssen.


Geschichte

Seit wann ist Apixaban bekannt?

Apixaban wurde von Pfizer und Bristol-Myers Squibb aus dem 2007 von Bayer patentierten Rivaroxaban entwickelt. Gemeinsam mit weiteren Medikamenten aus der Wirkstofffamilie wurde es in der EU 2011 und in den USA 2012 für den Einsatz nach Knie- und Hüftgelenkoperationen zugelassen.

In weiteren Studien konnte die Wirksamkeit auch für andere Einsatzgebiete gezeigt werden, sodass die Zulassung entsprechend erweitert wurde. In 2017 wurde die Substanz in den USA mehr als 8 Millionen mal verschrieben. Nach Auslauf des Patentes 2019 wurden in den USA auch Generika zugelassen, bei denen andere Hersteller den Wirkstoff ohne den Markennamen Eliquis vertreiben.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Zu den bedeutendsten Nebenwirkungen von Apixaban zählen Blutungen. Aus diesem Grund muss der verschreibende Arzt den Patienten auf entsprechende Anzeichen (z.B. Blutarmut) überwachen. Auch muss vor und während des Einsatzes des Medikamentes auf Nierenfunktionsstörungen geprüft werden, da diese die Halbwertszeit deutlich erhöhen und so zum Auftreten von Vergiftungserscheinungen führen können. Bei oraler Überdosierung erhalten Betroffene Aktivkohle.

Bei der Einnahme von Medikamenten können allergische Reaktionen eintreten. Sollten Patienten entsprechende Symptome beobachten, müssen sie umgehend Arzt oder Apotheker konsultieren.


Quellen

  • Carreiro J., Ansell J. Apixaban, an oral direct Factor Xa inhibitor: awaiting the verdict. Expert Opin Investig Drugs, 2008, 17(12), 1937-45 Pubmed
  • Arzneimittel-Fachinformation (EMA, USA, CH)
  • Connolly S.J. et al. Apixaban in patients with atrial fibrillation. N Engl J Med, 2011, 364(9), 806-17 Pubmed
  • Lisa Nainggolan: Apixaban better than European enoxaparin regimen for preventing VTE. Abgerufen am 3. Oktober 2011.
  • Ufer M. Comparative efficacy and safety of the novel oral anticoagulants dabigatran, rivaroxaban and apixaban in preclinical and clinical development. Thromb Haemost, 2010, 103(3), 572-85 Pubmed
  • Neue Arzneimittel (PDF; 150 kB). Information der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Stand 5. März 2013, letzter Abruf 17. September 2013.

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