Lamotrigin

Lamotrigin ist ein Wirkstoff, welcher unter anderem gegen epileptische Anfälle eingesetzt wird. Hier gehört er zu den wichtigsten Wirkstoffen.

Es handelt sich grundsätzlich um einen Wirkstoff, von welchem eine gute Verträglichkeit ausgeht. Nebenwirkungen wie allergische Hautreaktionen oder Kopfschmerzen können dennoch auftreten.

Um was es sich bei diesem Wirkstoff eigentlich handelt, wie Lamotrigin wirkt und wann der Wirkstoff zum Einsatz kommt, wird neben vielen weiteren Fragen nachfolgend beantwortet.

LamotriginWas ist Lamotrigin?

Bei Lamotrigin handelt es sich um eine Wirkstoff aus der Gruppe der Antiepileptika.

Auf diesem Gebiet findet daher auch am häufigsten eine Anwendung des Wirkstoffs statt.

Allerdings kann Lamotrigin aufgrund seiner Wirksamkeit auch noch gegen einige weitere Beschwerden eingesetzt werden.

So vereint der Wirkstoff gleich mehrere wichtige Zwecke: Neben der Behandlung unterschiedlicher Formen der Epilepsie liegt der Zweck des Wirkstoffs auch speziell in der Behandlung epileptischer Anfälle während der Alkoholentwöhnung.

Ein weiterer Zweck des Wirkstoffs besteht darin, manisch-depressive Phasen einer vorhandenen Depression vorzubeugen. Weiterhin lindert Lamotrigin Schmerzen durch eine Migräne und Nervenschmerzen, welche verschiedene Auslöser haben können.

Des Weiteren liegt der Zweck des Arzneimittels in der Linderung von Symptomen bei einer vorliegenden ParkinsonKrankheit sowie der Krankheit Chorea Huntington.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?


Allgemeines

Allgemeines
NameLamotrigin
Andere Namen
  •   3,5-Diamino-6-(2,3-dichlorphenyl)-1,2,4-triazin (IUPAC)
  • Lamotriginum (Latein)
SummenformelC9H7Cl2N5
WirkstoffklasseAntikonvulsivum

Wirkungsweise

So wirkt Lamotrigin

Befindet sich Lamotrigin nach der meist oralen Einnahme im Blutkreislauf, so kann das Präparat hier seine Wirkung entfalten:

Im Körper verhindert der Wirkstoff die Freisetzung des Neurotransmitters Glutamat. Hierbei handelt es sich um einen Nervenbotenstoff, welcher erregende Impulse auslöst.

Bei Menschen, welche an epileptischen Anfällen leiden, liegen große Ausstöße der Nervenzellen durch Freisetzungen von Glutamat vor. Da es durch Lamotrigin gar nicht erst zu einer Freisetzung von Glutamat kommt, bleiben auch die Ausstöße der Nervenzellen aus.

Es kommt folglich nicht mehr zu den epileptischen Anfällen. Somit wirkt der Wirkstoff hemmend auf die Weiterleitung von Reizen.

Lamotrigin unterscheidet sich dadurch in seiner Wirkung grundlegend von anderen Wirkstoffen, welche als Antiepileptika eingesetzt werden, da dieser erregende Impulse dämmt.

Der Wirkstoff wirkt darüber hinaus dämpfend und beruhigend auf das Gehirn. Eine antidepressive und muskelentspannende Wirkung geht von Lamotrigin ebenfalls aus. Auch eine Weiterleitung von Schmerzen wird durch den Wirkstoff effektiv gedämmt.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Lamotrigin

Die Aufnahme von Lamotrigin erfolgt typischerweise über die Darmwände – so gelangt der Wirkstoff nach kurzer Zeit in den Blutkreislauf. Nach etwa 2,5 Stunden erreicht der Wirkstoff seine maximale Wirkung im Organismus.

Je nach Patient kann die Wirkung zwischen 15 und 60 Stunden anhalten. Die Ausscheidung erfolgt über die Nieren.


Anwendungsgebiete

Zu den Haupt-Anwendungsgebieten von Lamotrigin zählen epileptische Anfälle und Depressionen beziehungsweise deren Vorbeugung. Je nach Grund der Anwendung fällt der Behandlungszeitraum unterschiedlich lang aus.

Wann wird Lamotrigin eingesetzt?

Besonders häufig wird Lamotrigin bei epileptischen Anfällen der unterschiedlichsten Formen angewendet. Neben einfachen fokalen Anfällen werden somit auch komplexe Anfälle und gemischte Formen einer Epilepsie behandelt.

Eine Anwendung erfolgt unter anderem auch bei dem Lennox-Gastaut-Syndrom – einer Form der Epilepsie, welche im Kindesalter auftritt. Hier wird Lamotrigin meist in der zusätzlichen Behandlung in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingesetzt.

Da während eines Alkoholentzuges teilweise Anfälle auftreten, liegt auch hier ein Grund zur Anwendung des Wirkstoffs vor.

Treten Depressionen im Zuge von manisch-depressiven Zuständen auf, so erfolgt hier ebenfalls eine Anwendung des Wirkstoffs. Dies ist meist der Fall, wenn der jeweilige Patient nicht mit Lithium behandelt werden kann oder eine dementsprechende Behandlung nicht erfolgreich war.

Der Einsatz gegen Schmerzen findet hauptsächlich bei Patienten mit einer starken Migräne oder Nervenschmerzen statt. Nicht zuletzt wird der Wirkstoff auch gegen Symptome der Krankheiten Parkinson und Chorea Huntington angewendet.


Richtige Anwendung

Die Anwendung von Lamotrigin erfolgt ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht. Dementsprechend werden auch der Behandlungszeitraum sowie die Dosis von einem Arzt festgelegt.

Es darf grundsätzlich keine Selbstmedikation erfolgen, da diese mit möglichen Folgewirkungen verbunden ist.

So wird Lamotrigin angewendet

In der Regel wird Lamotrigin in Form von Tabletten oder Filmtabletten eingenommen. Die Einnahme erfolgt täglich und kann sich in ihrer Dosis je nach Anwendungsgrund unterscheiden.

Jedoch steigert sich die Dosis im Zuge der Behandlung, sodass diese meist zunächst bei 25 mg täglich liegt, ab der 3. Woche auf 50 mg angehoben wird und anschließend ab der 5. Woche auf eine sogenannte „Erhaltungsdosis“ von meist 100 mg angehoben wird.

Bei diese bleibt der jeweilige Patient dann meist über einen längeren Zeitraum. In einigen Fällen wird der Wirkstoff auch kombiniert angewendet – dadurch fällt die Dosis meist anders aus.


Medikamente

Da Lamotrigin ein häufig angewendeter Wirkstoff ist, existieren verschiedene Medikamente, welche diesen enthalten. Je nach Medikament und Hersteller kann die Wirkstoffmenge dabei unterschiedlich ausfallen.

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Lamotrigin?

  • Lamictal Tabletten (2, 5, 25, 50, 100 und 200 mg)
  • Lamotrigin-Heumann Tabletten (25, 50, 100 und 200 mg)
  • Lamotrigin Atid Kautabletten beziehungsweise Tabletten zur Herstellung einer Suspension (25 und 100 mg)

Handelsnamen

Monopräparate

Monopräparate, welche den Wirkstoff Lamotrigin enthalten, sind unter folgenden Handelsnamen bekannt:

  • Elmendos
  • Gerolamic
  • Lamictal
  • Lamotribene
  • Lamotrigin Desitin Quadro

Darüber hinaus gibt es viele unterschiedliche Generika, welche den Wirkstoff enthalten.


Indikationen

Zu den Hauptindikationen für eine Behandlung mit dem Wirkstoff Lamotrigin zählen epileptische Anfälle sowie manisch-depressive Zustände.

Weiterhin lassen sich Indikationen wie Schmerzen durch eine Migräne oder Nervenschmerzen sowie Symptome der Krankheiten Parkinson und Chorea Huntington aufzählen.


Gegenanzeigen

Wann darf Lamotrigin nicht verwendet werden?

In einigen Fällen muss eine Einnahme von Lamotrigin vermieden werden, da es zu schweren Komplikationen kommen kann. Dies ist unter anderem der Fall, wenn eine Überempfindlichkeit oder Allergie gegenüber des Wirkstoffs vorliegt.

Auch bei einer Überempfindlichkeit oder Allergie gegenüber den Wirkstoffen Phenytoin und Carbamazepin darf Lamotrigin nicht eingenommen werden.

Wer eine eingeschränkte Leberfunktion aufweist, darf Lamotrigin ebenfalls nicht einnehmen. Bei Nierenfunktionsstörungen sollte der Wirkstoff hingegen nur unter äußerster Vorsicht eingenommen werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Während der Schwangerschaft stellt die Einnahme von Lamotrigin ein Risiko dar: Der Wirkstoff senkt nämlich den FolsäureSpiegel und kann somit zu einer Schädigung in der Entwicklung des ungeborenen Kindes führen.

Dies gilt besonders für die ersten Wochen und Monate der Schwangerschaft. Daher sollte die Anwendung des Wirkstoffs während der Schwangerschaft unter besonders strenger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses durch einen Arzt erfolgen.

Auch während der Stillzeit stellt die Einnahme von Lamotrigin ein Risiko dar, denn der Wirkstoff tritt in die Muttermilch über. So kommt dieser mit dem Säugling in den Kontakt und kann unter Umständen Komplikationen bei diesem führen.

Hier muss die Anwendung des Wirkstoffs daher ebenfalls von einem Arzt unter Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses erfolgen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Eine Anwendung von Lamotrigin bei Kindern in einem Alter von unter 2 Jahren ist ausgeschlossen. Ab einem Alter von 2 Jahren sollte die Anwendung des Wirkstoffs nur in einer Klinik unter besonderer ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Ab einem Alter von 12 Jahren wird ebenfalls eine besondere ärztliche Aufsicht für die Behandlung mit dem Wirkstoff vorausgesetzt. Eine Anwendung gegen Depressionen darf grundsätzlich erst ab dem 18. Lebensjahr erfolgen.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Lamotrigin?

Risiken und Nebenwirkungen bestehen auch bei der Anwendung des Wirkstoffes. Diese können sich je nach Patient, Anwendungsgrund, Dosis und Behandlungsdauer in einem unterschiedlichen Maß zeigen.

Kommt es zu schweren Nebenwirkungen, so sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Häufige Nebenwirkungen

Zu den häufigen Nebenwirkungen durch die Anwendung von Lamotrigin zählen:

Außerdem kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

Die Anwendung ist zudem häufig von folgenden Beschwerden geprägt:

Gelegentliche Nebenwirkungen

Wiederum gelegentlich kann es durch die Einnahme von Lamotrigin zu einer Aggressivität kommen.

Seltene Nebenwirkungen

Nur selten ruft die Anwendung des Wirkstoffs folgende Nebenwirkungen hervor:

  • schwerwiegende – und teils lebensbedrohliche allergische Haut– und Schleimhautreaktionen
  • Stevens-Johnson-Syndrom
  • Lyell-Syndrom
  • Bindehautentzündungen

Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen

Hingegen äußerst selten kommt es zu Nebenwirkungen wie:

  • Verwirrtheit
  • Halluzinationen
  • Standunsicherheit
  • Bewegungsstörungen
  • Verschlimmerung des Parkinson-Syndroms
  • Anfallszunahme
  • Haarausfall
  • Psychosen
  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Leberfunktionsstörungen
  • Leberversagen
  • Bewegungsablaufsstörungen
  • Bewegungsunruhe
  • Blutbildveränderungen wie und ein übersteigerter Bewegungsdrang
  • Lymphknotenerkrankungen
  • Gesichtwassereinlagerungen
  • Leberwerteerhöhungen

Wechselwirkungen

Grundsätzlich kann es durch die Einnahme von Lamotrigin in Kombination mit bestimmten anderen Wirkstoffen beziehungsweise Medikamenten zu Wechselwirkungen kommen. Diese können sich auf unterschiedliche Art und Weise bemerkbar machen und teils zu schweren Komplikationen führen.

Die nachfolgenden Wechselwirkungen sollten daher bei der Einnahme von Lamotrigin stets ausgeschlossen werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Lamotrigin?

Zum einen kann die Wirkung von Lamotrigin durch die Einnahme von anderen Wirkstoffen, welche als Antiepileptika eingesetzt werden, verringert werden. Dies ist unter anderem der Fall bei:

Das Tuberkolose-Mittel Rifampicim kann ebenfalls zu einer solchen Verringerung der Wirkung führen. Frauen, welche gleichzeitig eine Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung einnehmen, müssen ebenfalls mit einer Verringerung der Wirkung von Lamotrigin rechnen.

Die kombinierte Einnahme von Lamotrigin und Paracetamol sorgt zudem zu einer Verkürzung der Wirkung von Lamotrigin.

Zum anderen kann die Wirkung von Lamotrigin auch verstärkt werden. Dies ist bei einer gleichzeitigen Einnahme mit dem mit dem Antiepileptikum Valproinsäure der Fall.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Lamotrigin zu beachten?

Zunächst sollten bei der Einnahme von Lamotrigin stets die ärztlich festgelegte Dosis sowie die Behandlungsdauer eingehalten werden. Nur so kann eine sichere Einnahme garantiert werden.

Gerade eine Überdosierung kann zu schweren Folgewirkungen führen. Treten bei der Einnahme des Wirkstoffs Reaktionen einer Unverträglichkeit auf, so sollte außerdem sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Ebenso sollten während der Behandlung mit Lamotrigin regelmäßige ärztliche Kontrollen des Blutbildes und der Gerinnungswerte durchgeführt werden.

Nehmen Frauen während der Behandlung mit Lamotrigin die Antibaby-Pille ein, so sollte darüber hinaus auf ein zusätzliches Verhütungsmittel wie das Kondom gesetzt werden.

Des Weiteren muss die Dosis insbesondere bei Patienten mit einer Erkrankung der Leber oder der Nieren angepasst werden. Zuletzt ist beim Absetzen von Lamotrigin zu beachten, den Wirkstoff zunächst langsam in seiner Dosis zu senken.

Ein plötzliches Absetzen ist zu vermeiden, da es zu schweren Folgewirkungen kommen kann.

Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Lamotrigin

Da es sich um einen Wirkstoff handelt, welcher mit regelmäßigen ärztlichen Kontrollen verbunden ist und eine verantwortungsvolle Einnahme voraussetzt, ist Lamotrigin nur unter Vorlage eines ärztlich ausgestellten Rezeptes in der Apotheke erhältlich. Dies gilt für jegliche Dosen des Wirkstoffes in Medikamenten.


Geschichte

Seit wann ist Lamotrigin bekannt?

Schon seit 1993 wird der Wirkstoff Lamotrigin als Antiepileptikum eingesetzt.

Zu dieser Zeit war auch schon die wertvolle Wirkung des Wirkstoffs gegen Depressionen bekannt. Aufgrund dessen wird Lamotrigin heute immer häufiger auch als Antidepressivum eingesetzt.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Beachtet werden sollte bei der Einnahme von Lamotrigin stets, dass der Wirkstoff die Selbstmordneigung bei einigen Patienten erhöhen kann. Daher setzt der Wirkstoff eine besondere ärztliche Überwachung voraus.

Auch die Angehörigen des Patienten sollten stets auf derartige Nebenwirkungen achten. Beachtet werden sollte zudem, dass Lamotrigin das Reaktionsvermögen einschränken kann.

Dadurch stellt die Einnahme des Wirkstoffs unter Umständen ein Risiko für die Teilnahme am Straßenverkehr dar. Gleiches gilt für die Bedienung von sämtlichen Maschinen.


Quellen

  • Fitton A., Goa K.L. Lamotrigine. An update of its pharmacology and therapeutic use in epilepsy. Drugs, 1995, 50(4), 691-713
  • Europäisches Arzneibuch PhEur
  • Burstein A.H. Lamotrigine. Pharmacotherapy, 1995, 15(2), 129-43
  • Brodie M.J. Lamotrigine. Lancet, 1992, 339(8806), 1397-400
  • Bowden C.L., Mitchell P., Suppes T. Lamotrigine in the treatment of bipolar depression. Eur Neuropsychopharmacol, 1999, 9 Suppl 4, S113-7
  • Bowden C.L. Lamotrigine in the treatment of bipolar disorder. Expert Opin Pharmacother, 2002, 3(10), 1513-9
  • Arzneimittel-Fachinformation (CH, USA, D)

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