Azithromycin

Azithromycin ist ein Antibiotikum aus der Strukturgruppe der Makrolide. Infektionen der oberen Atemwege sind das hauptsächliche Einsatzgebiet. Der Stoff wird anders als die meisten Medikamente seiner Klasse kaum in der Leber abgebaut, weswegen wirksame Konzentrationen für lange Zeit im Organismus verbleiben.

Der Effekt der Substanz basiert darauf, die Produktion von Eiweißen im Inneren von Bakterienzellen zu unterbrechen. Auf diese Weise wird Wachstum und Zellteilung der Erreger verhindert. Azithromycin steht auf der Liste unentbehrlicher Medikament der WHO, auf welcher Wirkstoffe aufgeführt sind, die durch ihre effiziente Wirkung und sichere Anwendbarkeit ausgezeichnet sind.

AzithromycinWas ist Azithromycin?

Die antibiotische Wirkung der Substanz basiert auf der Verhinderung bakterieller Proteinsynthese.

Um die Erreger am Zielort gut zu erreichen, verfügt Azithromycin über eine gute Gewebegängigkeit und kann nach Resorption vom Blut in alle möglichen Kompartimente des Körpers transportiert werden.

Strukturell handelt es sich bei Azithromycin um ein Makrolid – ein große kreisförmige Verbindung mit Lactonfunktion an der Stelle des Ringschlusses. Das Vorhandensein eines Stickstoffatoms im Ring klassifiziert die Substanz als Azalid.

Im Gegensatz um Erythromycin verfügt diese cyclische Struktur damit über 15 Atome. Diese Gruppe der Antibiotika ist erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit bekannt und kommt in der Natur in einer Vielzahl von Organismen vor.

Im Vergleich zu anderen Antibiotika treten Resistenzen verhältnismäßig selten auf. Dennoch gibt es verschiedene Formen der Resistenzbildung, zum Beispiel eine schützende Mutation der 23-S-Ribosomen oder die Produktion von ATP-abhängigen Pumptransporterproteinen, die den Wirkstoff aus der Bakterienzelle ausscheiden.

Bei Azithromycin handelt es sich um eine halbsynthetische Form des natürlich vorkommenden Erythromycins. Ziel der chemischen Veränderung der Stammstruktur war unter anderem eine bessere Stabilität in der Magensäure sowie eine größere Persistenz bzw. vergrößerte Halbwertszeit im Körper durch eine langsamere Metabolisierung in der Leber.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Behandlung bakterieller Infektionen durch sowohl gram-positive als auch gram-negative Erreger
  • bei Infektionen der Atemwege: Lungenentzündungen, chronische Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung, Rachenentzündungen, Mandelentzündungen
  • gegen akute bakterielle Mittelohrentzündungen
  • Behandlung von Haut– und Wundinfektionen
  • Therapie der Lyme-Borreliose
  • Behandlung von Bindehautentzündungen
  • bei Harnröhrenentzündungen durch Chlamydien
  • vorbeugender Einsatz gegen MAK-Infektionen (Mycobacterium-avium-intrazellulare-Komplex-Infektion)
  • veterinärmedizinisch: Einsatz bei der Caninen Papillomatose

Allgemeines

Allgemeines
NameAzithromycin
Andere Namen
  • (2R,3S,4R,5R,8R,10R,11R,12S,13S,14S)-11-((2S,3R,4S,6R)-4-(dimethylamino)-3-hydroxy-6-methyltetrahydro-2H-pyran-2-yloxy)-2-ethyl-3,4,10-trihydroxy-13-((2S,4R,5S)-5-hydroxy-4-methoxy-4-methyltetrahydro-2H-pyran-2-yloxy)-3,5,6,8,10,12,14-heptamethyl-1-oxa-6-azacyclopentadecan-15-on (IUPAC)
  • 9-desoxy-9α-aza-9α-methyl-9α-homoerythromycin A
SummenformelC38H72N2O12
WirkstoffklasseMakrolidantibiotika

Wirkungsweise

So wirkt Azithromycin

Der Wirkstoff hat ein breites Spektrum empfänglicher Erreger. Er wirkt bei einigen gram-positiven, einigen gram-negativen und vielen atypischen Bakterien. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Staphylococcus aureus (nur Methicillin-sensitive Stämme)
  • Streptococcus pneumoniae
  • S. pyogenes Haemophilus influenzae
  • Bordatella pertussis
  • Legionella pneumoniae
  • Prevotella bivia
  • Chlamydia trachomatis
  • Mycoplasma genitalium
  • Mycoplasma pneumoniae
  • Ureaplasma urealyticum

Die Wirksamkeit gegen gram-negative Erreger ist dabei deutlich stärker ausgeprägt als bei anderen Makrolid-Antibiotika.

Der Wirkmechanismus ist für Azithromycin bei allen Erregern gleich: Die Substanz bindet an die 50-S-Untereinheit der Ribosomen und verhindert dort die Translation der RNA. Ribosomen sind der Ort der Zelle, an welchem die in der dna gespeicherten Informationen zum Aufbau von Eiweißstoffen in Proteinstrukturen übersetzt werden.

Dort ist auch das Enzym Peptidyl-Transferase verortet, an welchem Azithromycin verhindert, dass die Aminosäuren, Einzelbausteine, aus welchen Eiweißstoffe aufgebaut sind, an die längere Kette weitergereicht werden, mit der sie verschmelzen sollen.

Die Barriere zur Entwicklung von Resistenzen liegt bei Neisseria gonorrhoeae, dem Erreger des Trippers, relativ niedrig, weswegen Azithromycin üblicherweise nicht als Monotherapeutikum eingesetzt wird. Auch Streptococcus pneumoniae, ein Erreger der Lungenentzündung, kann Resistenzen aufbauen.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Azithromycin

Durch seine säurestabilen Eigenheiten kann Azithromycin oral eingenommen werden, ohne das spezielle Hilfsstoffe in der Tablette oder magensäureresistente Kapseln notwendig sind.

Auf leeren Magen ist die Absorption größer als bei Einnahme zu den Mahlzeiten, jedoch liegt die Aufnahme des Wirkstoffes meist bei ca. 40-50%. Nach 2 bis 3,5 Stunden wird das Maximum des Wirkstoffspiegels im Körper erreicht.

Eine Besonderheit stellt die Anreicherung in Phagocyten dar. Diese Immunzellen spielen eine große Rolle bei der Entfernung abgetöteter Zellen oder Erregerbestandteile. Im Prinzip kann man hier sogar von einem aktiven Transport des Wirkstoffs hin zu Entzündungsherden im Körper sprechen, da als Reaktion auf Infektionsprozesse Botenstoffe ausgeschieden werden, welche Phagocyten anlocken.

Außerdem erreicht Azithromycin im Zellinneren eine deutlich höhere Konzentration als im freien Plasma. Dies liegt an der leicht basischen Eigenschaft der Substanz, welche eine stärkere Affinität zu Zellmembranen erzeugt und so den Transport ins Zellinnere fördert.

Durch den dort tendenziell niedrigeren pH-Wert wird der Stoff protoniert und kann die Zelle nicht mehr verlassen. Man spricht dabei von “Ionenfalle” (engl: Ion trap).

Azithromycin wird in der Leber kaum metabolisiert. Normalerweise werden in diesem Abbauorgan hydrophile chemische Restgruppen in Stoffe eingeführt, wodurch diese in Wasser besser löslich sind und die Ausscheidung über Niere oder Gallensaft sich beschleunigt.

Bei diesem Antibiotikum dagegen ist die Eliminationsrate so gering, dass die Halbwertszeit bei ca. 68 Stunden liegt. Auf diese Weise ist die antibiotisch wirksame Konzentration im Gewebe tagelang ausreichend hoch, um mitunter schon nach einmaliger Einnahme einen kompletten Behandlungszyklus zu gewährleisten.


Anwendungsgebiete

Wann wird Azithromycin eingesetzt?

Als Antibiotikum mit breitem Wirkspektrum (kein “Breitbandantibiotikum”) gibt es eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten für Azithromycin.

Besonders wichtig ist die Substanz zur Behandlung von bakteriellen Infektionen der Atemwege, so zum Beispiel von Lungenentzündungen außerhalb von Krankenhäusern (= “community-acquired pneumonia”), die durch C. pneumoniae, H. influenzae, M. pneumoniaeoder S. pneumoniae verursacht werden.

Auch die Exazerbation (drastische Verschlimmerung des Allgemeinzustandes des Patienten) bei copd (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung) durch bakterielle Infektion kann akut oder prophylaktisch behandelt werden, wobei hier die Nebenwirkungen gegenüber dem erhofften Gewinn abgewogen werden müssen.

Auch akute Entzündungen bei Chlamydien-Befall von Harntrakt oder Gebärmutter (auch bei Gonorrhoe) oder die schwere Chlamydien-Bindehautentzündung (Trachom) können mit diesem Wirkstoff bekämpft werden. Ebenfalls wirksam ist Azithromycin bei dem sogenannte “Weichen Schanker” (Ulcus Molle), welcher beim Mann durch H. ducrey verursacht wird.

Wichtig ist ebenfalls der Einsatz zur Behandlung bakteriell verursachter Infektionen der oberen und unteren Atemwege: Bronchitiden, Pneumonien, Sinusitiden, Mandelentzündungen, Rachenentzündungen sowie Mittelohrentzündungen.

Weitere Anwendungsgebiete sind Hautinfektionen sowie entzündete Wunden. Auch die Prophylaxe von atypischen Mykobakteriosen (MAK, Mycobakterium-avium-Komplex) bei hiv-Infizierten ist mittels Azithromycin durchführbar.

Hochumstritten ist allerdings der Einsatz in Kombination mit Hydroxychloroquin zur Therapie von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus sars-CoV 2.


Richtige Anwendung

So wird Azithromycin angewendet

Die simpelste Anwendungsform stellen Tabletten oder Kapseln dar, die vor oder zur Mahlzeit eingenommen werden sollen. Alternativ gibt es auch Präparate als Sachets (Granulat in kleinen Tütenverpackungen).

Wenn das Medikament mit Nahrung genommen wird, gilt es als verträglicher als ohne, allerdings gibt es Generika, bei denen noch Studien zur Resorption fehlen, bei welchen nach Beipackzettel die Einnahme nur auf nüchternen Magen gestattet ist.

Daneben ist es auch möglich, Suspensionen oder Lösungen als Injektion oder Infusion zu verabreichen. Zur Behandlung von Bindehautentzündungen kann Azithromycin auch in Augentropfen verwendet werden.

Die Gesamtdosis variiert je nach Erkrankung bzw. Erreger, beträgt aber in der Regel bei Erwachsenen 1,5 g und wird in Tagesdosen zu 500 mg verabreicht. Für schwerere Infektionen, z.B. im Krankenhaus erworbene Lungenentzündungen, erhöht sich die Gesamtdosis bis auf 6 g, die am Anfang intravenös und mit dem dritten Tag oral appliziert werden.

Bei Chlamydieninfektionen nutzt man eine einmalige Gabe von 1000 mg, andere Genitalinfektionen können größere Dosen erfordern.

Kinder und Jugendliche erhalten geringere Mengen des Wirkstoffes, bei Patienten hohen Alters, Patienten mit Nieren– oder Leberfunktionsstörungen müssen dagegen keine Dosisanpassungen vorgenommen werden.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Azithromycin?

Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Azithromycin anzuwenden. Im ambulanten Bereich sind Filmtabletten oder Kapseln die häufigste Variante. Auch Infusionslösungen sowie Lösungen oder Suspensionen für die Injektion sind gebräuchlich. Für bakteriell verursachte Bindehautentzündungen gibt es Zubereitungen als Augentropfen.

  • Azi-Teva: Pulver zur Herstellung von Suspensionen zur Einnahme; Filmtabletten (250 mg/ 500 mg)
  • Generika von 1A Pharma, AbZ, ALIUD, Ariosto, Denk, Dr. Friedrich Ebert Arzneimittel, HEC Pharma, Hexal, ratiopharm, Stadapharm als Pulver für Suspensionen oder als Filmtabletten
  • Azyter 15 mg/L Augentropfen
  • Infectoazid 15 mg/L Augentropfen
  • Ultreon 600 mg Filmtabletten
  • Zithromax: Filmtabletten oder Pulver für Suspensionen

Handelsnamen

Monopräparate: Azyter (D), InfectoAzit (D), Ultreon (D), Zithromax (D, A, CH), Azi-Teva (D), Sumamed (HR, PL), zahlreiche Generika (D, A, CH) Azitromicina (Costa Rica, Columbien, Peru, Ecuador, Dominikanische Republik).


Indikationen

Azithromycin wird bei bakteriellen Infektionen angewendet. Dabei müssen die Erreger entweder durch Nachweis oder durch Erfahrung mit erkrankungstypischen Verursachern bekanntermaßen empfindlich für die Behandlung mit diesem Wirkstoff sein.

Typische Anwendungsfelder sind Infektionen der Atemwege wie Lungenentzündungen, Bronchitiden, Nasennebenhöhlen– und Rachenentzündungen. Darüber hinaus wird die Substanz zur Bekämpfung von Infektionen der Haut, bei Wunden, Chlamydiosen, Legionellosen und Mittelohrentzündungen eingesetzt. Zur Behandlung von Augeninfektionen gibt es spezielle Tropfenlösungen.


Gegenanzeigen

Wann darf Azithromycin nicht verwendet werden?

Es gibt bekanntermaßen Fälle von Unverträglichkeiten gegenüber Azithromycin. Diese können zu (pseudo)allergischen Reaktionen wie Hautausschlag, Ödeme oder allergischen Schocks mit Atemnot bis hin zum Koma führen.

Auch Unverträglichkeiten in Zusammenhang mit anderen Ketolid- oder Makrolidantibiotika wie Erythromycin sind eine Kontraindikation. Bei schweren Leberfunktionsstörungen wird von Azithromycin abgeraten, da es zu einem Anstieg der Transaminasen führen kann.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Zum Einsatz in der Schwangerschaft liegen keine genügenden Daten vor. In Tierstudien konnte gezeigt werden, dass die Substanz die Plazenta passieren kann. Allerdings wurden keine fruchtschädigenden Wirkungen beobachtet. Der Wirkstoff sollte bei Schwangeren nur dann verwendet werden, wenn der Nutzen das Risiko überwiegt.

Azithromycin kann in die Muttermilch übergehen. Auch hier liegen noch keine ausreichenden Studien vor, um die Gefahr, die für den Säugling entsteht, zu beurteilen. Vom Einsatz bei Stillenden ist abzusehen, außer der Behandler entscheidet, dass der Nutzen das Risiko überwiegt.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen

Azithromycin ist zum Einsatz bei Kindern ab 2 Jahren zugelassen. Jedoch müssen Dosisanpassungen vorgenommen werden. Es gilt, dass 500 mg-Filmtabletten für Kinder und Jugendliche unter 45 kg nicht geeignet sind.

Für Infektionen der oberen Atemwege: Bei einem Körpergewicht unter 45 kg gilt eine Tagesdosis von 10 mg/kg Körpergewicht für eine 3-Tages-Therapie sowie 10 mg/kg am ersten Tag und 5 mg/kg an jedem folgenden Tag bei 5-Tages-Therapien.

Bei Streptokokken-Pharyngitis sind auch 20 mg/kg KG möglich.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Azithromycin?

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Durchfall (5%), Übelkeit (3%) und Bauchschmerzen. Insgesamt gilt der Wirkstoff als gut verträglich. Nur etwa 1% der Patienten muss die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen vorzeitig abbrechen.

Neben diesen eher harmlosen Beschwerden kann Azithromycin sich auch auf das Herz auswirken und die Repolarisierung nach einem Herzschlag (QT-Intervall) erhöhen, was unter anderem zu Arrhythmie führen kann und für ältere Patienten mit einem hohen Gesundheitsrisiko verbunden ist.

Es traten auch Fälle von verlängerten QTc-Zeiten auf und es gibt Hinweise auf eine geringe Erhöhung der Sterblichkeit durch Herzinfarkte.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Azithromycin?

  • nach der Einnahme eines Antacidums (Mittel gegen Sodbrennen) sollte mit der Einnahme von Azithromycin 2 Stunden gewartet werden; Antazida sollen frühestens 1 Stunde nach Azithromycin eingenommen werden
  • Herzgiftglycoside und verwandte Substanzen, die über das P-gp-System eleminiert werden, können bei gleichzeitiger Anwendung von Azithromycin höhere Serumkonzentrationen erreichen
  • Ergotamin soll nicht gleichzeitig mit Azothromycin verwendet werden (Gefahr des Ergotismus)
  • Das Immunsuppressivum Ciclosporin weist bei Kombination mit Azithromycin erhöhte Plasmakonzentrationen und eine erhöhte Resorption auf, sodass Kontrollen und Dosisanpassungen notwendig sind
  • Statine können bei gleichzeitiger Einnahme mit Azithromycin zur Rhabdomyolose führen
  • Gerinnungshemmer des Cumarin-Typs zeigen unter Einnahme von Azithromycin eine verstärkte antikoagulative Wirkung
  • das Magen-Darm-Mittel Cisaprid kann in Kombination mit Azithromycin zu einer verstärkten QT-Verlängerung führen, ventrikuläre Arrhythmie und Spitzenumkehrtachykardien verursachen
  • Astemizol und Alfentanil verstärken die Wirkung des strukturell verwandten Makrolidantibiotikums Erythromycin, sodass bei Azithromycin ebenfalls Vorsicht geboten ist

Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Azithromycin zu beachten?

Wirkstoffe, die eine Verlängerung des QT-Zeitintervalls verursachen, sollten nicht gleichzeitig mit Azithromycin eingesetzt werden. Dazu zählen Antiarrhythmika (Klasse IA und III), Cisparid, Terfenadin, Antipsychotika wie Pimozid, einige Antidepressiva und Fluorochinolone.

Durch die hohe Verweildauer im Gewebe können kurze Einnahmezeiträume erreicht werden. Gleichzeitig begünstigt dies die Resistenzbildung bei Bakterien. Auch bei Unverträglichkeitsreaktionen muss damit gerechnet werden, dass sie nicht sofort durch Abbruch der Einnahme abgestellt werden, sondern noch einige Zeit “nachhängen”.

Die QT-Verlängerung stellt ein Risiko insbesondere für ältere Menschen und Frauen dar und sollte bei längeren Therapien überwacht werden. Dies kann durch Kombination mit einigen Medikamenten verstärkt werden, sodass mögliche Wechselwirkungen vorher überprüft werden müssen.

Es gibt Fälle von Resistenzbildung, da die Bakterien nur eine Methylierung ihrer Ribosomen durchführen müssen, um die Azithromycin-Bindungsstelle zu blockieren. Auch andere Makrolidantibiotika können davon betroffen sein (Kreuzresistenzen).

In seltenen Fällen kann es zu schweren Allergien und Unverträglichkeitsreaktionen gegen Azithromycin kommen, die bis zum Tode führen können.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Azithromycin

Azithromycin ist verschreibungspflichtig. Die Notwendigkeit der ärztlichen Verordnung soll sicherstellen, dass keine Kontraindikationen oder unerwünschten Wechselwirkungen übersehen werden. Bei starken Nebenwirkungen sollten Arzt oder Apotheker konsultiert werden.


Geschichte

Seit wann ist Azithromycin bekannt?

Die Substanz wurde als Erythromycin-Derivat 1980 zum ersten Mal beschrieben und durch die Firma Pliva (Zagreb, Kroation) 1981 patentiert. In einem Vertrag von 1986 erwarb sich Pfizer die Berechtigung, Azithromycin in Westeuropa und den USA zu vermarkten.

In Ost- und Zentraleuropa kam der Wirkstoff ab 1988 im Vertrieb durch Pliva auf den Markt. 2005 lief das Patent aus, wodurch auch Generika verfügbar wurden.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Leberfunktionsstörungen müssen Tests durchgeführt oder ggf. die Behandlung mit Azithromycin abgebrochen werden. Auch Nierenfunktionsstörungen können eventuell die Ausscheidung des Wirkstoffs beeinträchtigen.

Aufgrund einiger möglicher Nebenwirkungen muss bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen besondere Vorsicht angewendet werden.

Patienten, die Ergotamine einnehmen, sollten kein Azithromycin verwenden, da es mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu Vergiftungserscheinungen (Ergotismus) kommen kann.

Außerdem ist eine QT-Zeit-Verlängerung möglich, die zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Aus diesem Grund sollten Patienten mit bestehender Verlängerung oder bei Einnahme von anderen Medikamenten, die diese Wirkung auslösen können, kein Azithromycin verwenden.

Dies gilt auch für Menschen mit Störungen des Elektrolythaushalts (Kalium– und Magnesiumkonzentration im Blut). Ebenso von der Einnahme von Azithromycin absehen sollten Patienten mit bestimmten Herzkrankheiten (klinisch relevante Bradykardie, kardiale Arrhythmien, schwere Herzinsuffizienzen).

Schwere Unverträglichkeitsreaktionen sind möglich und stellen einen Grund dar, die Behandlung mit Azithromycin sofort abzubrechen. Ziehen sie einen Arzt oder Apotheker hinzu.


Quellen

  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Joos, L: Pharmakologie aktiv, Govi-Verlag, 1. Auflage, 2009
  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
  • Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin: www.embryotox.de (Abruf: 16.03.14)

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