Hormonspirale

Eine umstrittene Verhütungsmethode

Behandlung HormonspiraleDie Hormonspirale ist eine moderne Form der Verhütung, die seit 1996 in Deutschland zugelassen ist.

Bezeichnet wird sie in Fachkreisen als Intrauterinsystem (IUS). Intrauterin bedeutet „in der Gebärmutter befindlich“.

In der Vergangenheit ist sie des Öfteren wegen ihrer Nebenwirkungen in die Kritik geraten.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Hormonspirale. 

Was genau ist eine Hormonspirale?

Bei der Hormonspirale handelt es sich um einen kleinen T-förmigen Kunststoffkörper von circa 3 cm Länge mit einem zylinderförmigen Hormondepot, welches das Hormon Levonorgestrel beinhaltet. Levonorgestrel ist ein künstliches Gestagen, welches dem natürlichen Gelbkörperhormon ähnelt.

Die Spirale wird auch als „Verhütungsschirmchen“ bezeichnet und besteht aus einem flexiblen Kunststoff. Am unteren Ende des Stabes der Spirale befindet sich eine Öse mit zwei sogenannten Rückholfäden. Anhand dieser kann die Anwenderin immer überprüfen, ob die Spirale noch vorhanden ist. Eigentlich dienen diese zum Entfernen der Hormonspirale.

Die Spirale wird direkt in die Gebärmutter eingelegt und wirkt somit überwiegend lokal. Mit einem Pearl-Index von 0,16 bis 0,33 ist sie eine der sichersten Verhütungsmethoden, die derzeit angeboten werden.

Ihr Eingriff setzt jedoch eine gewisse Größe der Gebärmutter voraus. Aus diesem Grund und weil bei sehr jungen Frauen die Ausstoßungsrate erhöht ist, ist diese Verhütungsmethode eher für Frauen, welche schon ein Kind geboren haben, geeignet.

Durch die Hormonspirale können Infektionen aufsteigen. Das wiederum kann zur Unfruchtbarkeit führen. Betroffen sind hiervon vor allem Frauen unter 20 Jahren. Da die Hormonspirale über einen längeren Zeitraum verhütend wirkt, gehört sie zu den reversiblen Langzeitkontrazeptiva. Reversibel bedeutet jederzeit wieder rückgängig zu machen.

Die Hormonspirale gibt es in zwei unterschiedlichen Größen. Unterschieden wird zwischen der kleinen Hormonspirale, welche mit 13,5 mg Levonorgestrel einen Schutz für etwa 3 Jahre bietet und der großen Spirale mit 52 mg Levonorgestrel. Diese schützt circa 5 Jahre vor einer ungewollten Schwangerschaft. Die kleinere der beiden unterscheidet sich durch einen kleinen Silberring am inneren Kunststoffschaft.

Ein Vorteil der großen Spirale ist die Möglichkeit sie auch bei Endometriose der Gebärmuttermuskulatur anzuwenden. Darüber hinaus schützt sie vor erhöhtem Gebärmutterschleimhautwachstum während einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren. Bei Frauen, die Östrogenhaltige Verhütungsmittel nicht vertragen eignet sich die Spirale gut, da diese ausschließlich über das Hormon Levonorgestrel wirkt.

Da in mehreren Versuchen herausgefunden wurde, dass nur sehr geringe Mengen in die Muttermilch übergehen, ist diese Verhütungsmethode auch während der Stillzeit anwendbar. In Fachkreisen ist diese Erkenntnis jedoch umstritten. In Zweifelsfällen sollte „Frau“ sich an ihre/n Gynäkologin/Gynäkologen wenden.

Ursprung & Entwicklung

Die Hormonspirale wurde Anfang der 90er-Jahre entwickelt. Sie ist eine Kombination aus der Kupferspirale und der so genannten „Pille“ und verbindet die Wirkweise der beiden. 1995 wurde sie schließlich auf dem Markt eingeführt.

Seit einiger Zeit gibt es auch eine „kleinere“ Spirale, welche sich vor allem für jüngere Frauen eignet. Sie wirkt nur über einen Zeitraum von 3 Jahren und gibt weniger Hormone ab.

Funktion, Wirkung & Ziele – Behandlungen & Therapien

Behandlung HormonspiraleDie Hormonspirale wirkt vor allem lokal, wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein Teil des Wirkstoffes auch in den Blutkreislauf gerät. Durch das abgegebene Hormon Levonorgestrel wird die Frau vor einer ungewollten Schwangerschaft geschützt.

Dieser Schutz besteht sofort nach dem Einsetzen der Spirale und es kann zu keinerlei Einnahmefehlern oder Ähnlichem kommen. Da jedoch das Risiko einer Unfruchtbarkeit nicht ausgeschlossen werden kann, sollte sie nicht bei kinderlosen Frauen angewandt werden.

Auch für sehr junge Frauen ist sie nicht empfehlenswert, da bei diesen der Gebärmutterhals noch relativ schmal ist. Dieser weitet sich erst durch eine Geburt oder durch manuelles Weiten durch eine Frauenärztin / einen Frauenarzt.

Wie funktioniert die Hormonspirale?

Aus einem kleinen Depot, welches sich an der Hormonspirale befindet, werden regelmäßig kleine Mengen des Hormons Levonorgestrel direkt in der Gebärmutter abgesetzt. Die abgegebene Menge liegt zwischen 14 – 20 µg am Tag.

Durch dieses wird die Schleimhaut im Gebärmutterhals dickflüssig und somit nur schwer passierbar für Spermien. Spermien, welche trotzdem hindurch dringen, werden durch das Hormon unbeweglicher und weniger aktiv.

Anwendung und Wirkungsweise der Hormonspirale

Da die Hormonspirale durch die / den behandelnden Frauenarzt eingesetzt wird und dort für mehrere Jahre verbleibt, ist bei der Anwendung für die Patientin nichts weiter zu beachten.

Die Hormonspirale wirkt nicht nur auf eindringende Spermien und auf die Gebärmutterschleimhaut, sondern beeinflusst auch den Eisprung und die Eireifung.

Teilweise wird der Eisprung sogar ganz unterdrückt. Durch die Gestagenabgabe verhindert die Hormonspirale, dass sich die Gebärmutterschleimhaut aufbaut und hemmt ihr Wachstum. Dieser Effekt verhindert das Einnisten einer eventuell befruchteten Eizelle.

Spermien, die es doch noch bis zu einer eventuell vorhandenen Eizelle schaffen, werden durch das abgegebene Hormon fast reglos und kommen so nicht mehr bis zur befruchtungsfähigen Eizelle. Die Hormonspirale wirkt also auf verschiedene Arten, was sie zu einem sicheren Verhütungsmittel macht.

Wobei kann die Hormonspirale helfen?

  • als Verhütungsmethode, vor allem für Frauen, die keine Östrogenpräparate
  • vertragen
  • als Schutz vor größerem Gebärmutterschleimhautwachstum bei einer
  • Hormonersatztherapie
  • bei Endometriose der Gebärmuttermuskulatur
  • Behandlung sehr starker Regelblutungen

Die Hormonspirale schützt effektiv vor einer möglichen Schwangerschaft und ist sehr gut für Frauen geeignet, die keine Östrogenpräperate, wie z.B. die Pille, vertragen.
Viele Frauen klagen über extrem starke Regelblutungen. Auch hier kann die Hormonspirale Abhilfe schaffen.

Ein weiteres Einsatzgebiet ist der Schutz vor einem zu großem Gebärmutterschleimhautwachstum während einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren.
Auch bei der gefürchteten Endometriose, dem Erscheinen von Gebärmutterschleimheit an verschiedenen Stellen im Unterleib, hilft die Hormonspirale.

Vorteile Hormonspirale:

  • sicherer Schutz vor Schwangerschaft
  • verringert Menstruationsbeschwerden
  • Einnahmefehler sind ausgeschloßen
  • schützt vor übermäßigen Gebärmutterschleimhautaufbau

Was fördert die Hormonspirale?

Die Hormonspirale fördert den Aufbau eines permanenten Schutzes vor einer möglichen Schwangerschaft über einen längeren Zeitraum, bis zu 5 Jahre.

Anwendung der Hormonspirale

Voraussetzung für das Einsetzen der Hormonspirale ist eine gründliche gynäkologische Untersuchung, um die Form und die Größe der Gebärmutter zu bestimmen. Mit dieser sollen außerdem bestehende Entzündungen ausgeschlossen werden. Weiterhin muss eine gründliche Aufklärung der Patientin erfolgen. Danach steht dem Einsatz der Spirale nichts mehr im Wege.

Zunächst wird der Genitalbereich sterilisiert. Eventuell muss die Gebärmutter leicht vorgedehnt werden. Mittels eines dünnen Röhrchens wird die Spirale dann in die Gebärmutter eingeführt. Wenn die Spirale dann entsprechend vorgeschoben und freigesetzt wurde, breiten sich ihre Querarme unter der Gebärmutter aus. Abschließend werden die Rückholfäden der Spirale noch auf eine passende Länge gekürzt und der Sitz der Spirale mittels Ultraschall überprüft.

Nach 4-12 Wochen findet eine ärztliche Kontrolluntersuchung statt. Danach erfolgt diese halbjährlich. Das Einsetzen wird als unterschiedlich stark schmerzhaft wahrgenommen. Um eine eventuelle Schwangerschaft auszuschließen und weil die Gebärmutter am Ende des Zykluses am weitesten ist, wird die Spirale meistens am Ende der Menstruation eingelegt.

Anwendungsablauf:

  • gynäkologische Untersuchung
  • gründliche Aufklärung
  • Sterilisation Genitalbereich
  • Eventuell leichte Vordehnung Gebärmutter
  • Einführung mittels Röhrchen in Gebärmutter
  • Spirale vorschieben und freisetzen
  • Kürzung Rückholfäden auf passende Länge
  • Überprüfung Sitz Spirale mittels Ultraschall
  • Kontrolluntersuchungen

Welche Nebenwirkungen kann die Hormonspirale haben?

Nebenwirkungen treten vor allem in den ersten sechs Monaten nach dem Einsetzen der Spirale auf. Sehr häufig kommt es zu Zyklusstörungen, das heißt die Regelblutung bleibt komplett aus oder sie ist stark abgeschwächt oder unregelmäßig. Oft kommt es auch zu Kopfschmerzen, Migräne, Unterleibsschmerzen, Rückenschmerzen, Brustschmerzen oder Spannungsgefühlen in der Brust.

Auch die Bildung von gutartigen Zysten oder Entzündungen im gesamten weiblichen Genitalbereich sind möglich. Das Risiko für Brustkrebs und Thrombose erhöht sich ebenfalls leicht. Berichtet wird auch von Hautauschlägen, Akne, Ekzemen und Juckreiz unter dem Liegen der Hormonspirale.

Ebenfalls nicht auszuschließen sind Wasseransammlungen, Zunahme an Gewicht, Nervosität, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen und der Verlust der Libido.
Zu einer Abstoßungsreaktion des Körpers kommt es bei 6-7 % aller behandelten Frauen.
Auf diese möglichen Nebenwirkungen sollte im Vorfeld ausreichend eingegangen und diese bei der Entscheidung für oder gegen diese Art der Verhütung mit bedacht werden.

Mögliche Nebenwirkungen und unerwünschte Wirkungen:

  • Zyklusstörungen
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Brustspannen
  • Brustschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Schmerzen im Becken
  • Bauchschmerzen
  • Ausfluss
  • Scheidenentzündungen
  • Hautausschlag, Ekzeme, Juckreiz
  • Akne
  • Nervosität
  • Depressive Verstimmungen, Depression
  • Übelkeit
  • Verringerte Libido
  • Übermäßiger Haarwachstum in typisch männlichen Regionen
  • Eierstockzysten
  • Gewichtszunahme
  • Ausstoßung der Spirale
  • Schmerzhafte Blutung
  • Wasseransammlungen
  • Risikoerhöhung für Brustkrebs und Thrombose
  • Blähungen
  • Haarausfall
  • Hautverfärbungen und stärkere Pigmentierung
  • psychische Nebenwirkungen (Panikattacken, Angstgefühle, Unruhe, Schlafstörungen usw.)

Wann darf die Hormonspirale nicht angewendet werden?

Bei Fehlbildungen der Gebärmutter, häufig wechselnde Geschlechtspartner und ein dadurch bedingtes erhöhtes Infektionsrisiko, bei bereits bestehenden Infektionen und Entzündungen, bei Verdacht auf oder dem Bestehen von Gebärmutterhalskrebs ist eine Anwendung der Spirale ausgeschlossen.

Auch bei Gebärmutterkrebs, bei bestimmten Brustkrebsformen, ungeklärten Unterleibsblutungen, Lebererkrankungen und bei Tumoren kommt die Hormonspirale als Verhütungsmethode nicht in Betracht.

Gefäßerkrankungen, sehr starke Migräne, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gefäßverschlüsse im Auge, Gelbsucht und Leukämie sind zwar kein Ausschlusskriterium, es sollte aber genau abgewogen werden, ob ein Einsatz der Hormonspirale wirklich sinnvoll ist. Dazu kann der Gynäkologe oder die Gynäkologin beraten.

Gegenanzeigen:

  • ein Fehlbild der Gebärmutter
  • häufig wechselnde Geschlechtspartner
  • bestehende Infektionen und Entzündungen
  • Gebärmutterhalskrebs und Gebärmutterkrebs
  • bestimmte Brustkrebsformen
  • ungeklärte Unterleibsblutungen
  • Lebererkrankungen
  • Tumore
  • Schwangerschaft

Sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung in folgenden Fällen:

  • bei starker Migräne
  • bei Gefäßerkrankungen
  • bei junger, kinderloser Anwenderin

Kosten der Spirale

Die Kosten der Hormonspirale belaufen sich je nach Größe, Wirkdauer und Hersteller zwischen 250 € und 350 €. Verglichen mit der Pille über denselben Anwendungszeitraum ist die Hormonspirale sogar etwas günstiger.

Wer setzt die Spirale ein?

  • Frauenarzt

Die Hormonspirale wird von einer Gynäkologin, beziehungsweise einem Gynäkologen eingesetzt. Auch die Kontrolluntersuchungen werden durch sie/ihn durchgeführt.

Unser Fazit

Die Hormonspirale ist ein reversibles Langzeitkontrazeptivum. Das bedeutet diese Verhütungsmethode dann sinnvoll ist, wenn für einen längeren Zeitraum kein Kinderwunsch besteht, dieser aber nicht völlig ausgeschlossen werden soll. Sie gehört zu einem der sichersten Verhütungsmittel überhaupt.

Behandlung HormonspiraleEin großer Vorteil der Hormonspirale ist die vorwiegend lokale Wirksamkeit. Das und die ausschließliche Abgabe des Hormons Levonorgestrel macht sie zu einer relativ schonenden Verhütungsmethode. Einnahmefehler sind ebenfalls ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit eines Abstoßens mit nur 6-7 % ist ebenfalls äußert gering.

Da jedoch die Möglichkeit der Unfruchtbarkeit nicht völlig ausgeschlossen werden kann, und die Gebärmutter schon etwas geweitet sein sollte, bietet sich diese Variante der Verhütung vor allem für Frauen, die bereits Kinder geboren haben, und nun langfristig verhüten wollen, an.

Wer dabei eine sichere Verhütungsmethode sucht, die den Körper nur soviel belastet, wie nötig ist, trifft mit der Hormonspirale eine gute Wahl.

Letztendlich muss aber jede Frau zusammen mit ihrer Gynäkologin, ihrem Gynäkologen, abwägen, ob diese Entscheidung auch für sie selbst, die richtige ist. Bei der Entscheidung für oder gegen diese Form der Verhütung sollte auch bedacht werden, dass die Hormonspirale ausschließlich der Empfängnisverhütung dient und nicht dem Schutz vor Infektionskrankheiten.

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