Ginkgo

Ginkgo – Der Baum mit besonderer Wirkung

Der Ginkgo ist eine weltweit vorkommende Baumart, die ihre Ursprünge im heutigen China hat. Sowohl aus botanischer Sicht als auch in Bezug auf die Nutzbarkeit und medizinischen Anwendungsgebiete weist die bis zu 1.000 Jahre alt werdende Kulturpflanze zahlreiche Besonderheiten auf, denen wir nachfolgend auf den Grund gehen.

Der Ginkgo-Baum und seine Merkmale

Der Ginkgo (Ginkgo biloba) ist ein sehr langsam wachsender Baum, der eine Maximalhöhe von etwa 40 Metern erreicht. Die Sprösslinge wachsen pfeilgerade, dünn und fast ohne Querverästelungen empor, weshalb sie auch für das botanisch weniger geschulte Auge leicht zu identifizieren sind. Die ‚schlanke Taille‘ bleibt dem Ginkgo aber auch bis ins hohe Alter erhalten – so hat ein mehrere hundert Jahre alter Ginkgo-Baum aus Korea lediglich einen Stammdurchmesser von etwas mehr als 4 Meter. Nur die Baumkrone gewinnt im Alter zunehmend an Volumen und kann gewaltige Ausmaße annehmen – insbesondere im Spätsommer, wenn die Äste voll mit Laub behangen sind.

Das Holz des Ginkgos ist auffallend weich und leicht, weist zudem kaum Harz im Stamminneren auf. Sehr gut lassen sich Ginkgos an ihren Blättern und an der Rinde bestimmen. Letztere ist typischerweise hellgrau und verfügt über tiefe Furchen, welche sich über den gesamten Stamm hinweg bilden.

Einzigartige Blätter

Doch das sicherste Bestimmungsmerkmals sind definitiv die Laubblätter des Ginkgos. Denn diese sind in der heutigen Flora einzigartig und weisen auf die lange artspezifische Vergangenheit hin – denn die Ginkgos gab es entwicklungsgeschichtlich bereits viele Millionen Jahre bevor die Menschen den Planeten eroberten. Bei näherer Betrachtung sind die Blätter mit kleinen Fächern vergleichbar, welche in der Mitte über eine Einkerbung verfügen. Pflanzenwissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen als ‚zweilappig‘, da die Blattspreite durch die zentrale Kerbe in zwei Blattteile untergliedert wird. So ein Ginkgo-Blatt verändert sich mit zunehmendem Alter der Pflanze, es wird größer und verfügt über eine zunehmende Anzahl an Einkerbungen. Folglich lässt sich bereits über die Blätter das grobe Alter der Ginkgo-Pflanze bestimmen – ohne dabei die Ringe des Holzes zählen zu müssen.

Blütenstand und Samen

Die kleinen, eher unscheinbar anmutenden Blüten öffnen sich in aller Regel bereits im März und geben ihre Pollen frei. Die Bestäubung erfolgt dann über den Wind, wobei anzumerken ist, dass es sich beim Ginkgo um eine zweigeschlechtliche Pflanze handelt. Das bedeutet, dass sich sowohl rein männliche wie rein weibliche Ginkgo-Bäume gibt. Also liegen hier die Verhältnisse ganz so wie bei den meisten Wirbeltieren und uns Menschen auch. Der Wind trägt nun dazu bei, dass es durch die Übertragung der Sporen zu Befruchtung der weiblichen Blütenstände kommt, was die anschließende Reifung der Samen zur Folge hat. Die Samen als solche haben eine hellgrüne, glatte Oberfläche und sehen ebenfalls nicht sonderlich spektakulär aus – für den Laien sind diese Samenstände nur sehr schwer als solche zu identifizieren.

Verbreitung und Zucht des lebenden Fossils

Das natürliche Verbreitungsgebiet ist heutzutage auf den Südwesten Chinas in der Jangtsekiang-Region beschränkt. Doch aufgrund des geringen Anspruchs der Pflanze an die natürlichen Ressourcen, konnte der Ginkgo unter Mithilfe des Menschen in den meisten Ländern dieser Erde – so auch in Deutschland – angepflanzt und kultiviert werden.

Doch anders als man vielleicht meinen könnte, gestaltet sich die gezielte Zucht und Vermehrung der Ginkgo-Bäume als vergleichsweise schwierig. Denn die Zeitspanne der Samen bis zur Keimung kann bis zu zwei ganze Jahre in Anspruch nehmen. Zum Vergleich: Die Keimung von Sonnenblumensamen dauert wenige Tage, und das Aufkeimen von Ahornsamen nur ein paar Wochen. Zudem muss in aufwendigen Verfahren der Samen in bestimmten Abständen zu den Elternpflanzen aufgelesen und gereinigt werden. Doch aufgrund der zahlreichen Nutzen, die ein solcher Ginkgo-Baum später für einige hundert Jahre mit sich bringt, scheint sich der Arbeitsaufwand definitiv zu lohnen.

Nutzungsmöglichkeiten durch den Menschen

Selbstverständlich hätten unsere Vorfahren nicht die Mühe auf sich genommen, eine Baumart wie den Ginkgo aufwändig zu kultivieren, wenn dies nicht gewisse Vorteile und konkrete Nutzen mit sich gebracht hätte.

Der anfängliche Hauptgrund für das Säen von Ginkgos in Europa ist eher banaler Natur: Man wollte die hiesigen Alleen und Parkanlagen durch die pompösen aber dennoch leicht in ihrem Wachstum zu kontrollierenden Bäume als optische Hingucker gewinnen. Gerade als Straßenbaum eignet sich der Ginkgo ganz hervorragend. Denn er wächst senkrecht in die Höhe und die Wurzeln schlagen nur relativ kurze Ableger, sodass der Straßenteer unbeschädigt bleibt. Die ersten Ginkgo-Bäume wurden in den Jahren 1750 bis 1780 in Frankfurt, Kassel und Jena eingepflanzt. All diese Ginkgos der ersten Generation leben, wachsen und gedeihen auch heute noch.

Ein Grund für die lange Lebensdauer des Ginkgos in den Großstädten ist seine Resistenz gegenüber Smog und Abgase. Auch Streusalz im Winter und die damit einher gehende Bodenbelastung sowie die Gegenwart von Pflanzenschädlingen gehen am Ginkgo nahezu spurlos vorbei.

Ein weiterer Nutzen besteht in der Verwendung der Ginkgo-Samen (umgangssprachlich auch als Ginkgo-Kerne betitelt) als Nahrungsmittel. Insbesondere in Japan werden die Samen geschält und mit Reis zubereitet. Auch geröstete und fein zerhackte Ginkgo-Samen sind ein beliebtes Gewürz in der asiatischen Küche, welche auch in Mitteleuropa verstärkt Einzug erhält. Als wissenschaftlicher Sicht ist die Ginkgo-Nahrungsquelle durchaus als hochwertig einzustufen. Vor allem der hohe, pflanzliche Kohlenhydratanteil sowie etliche Eiweißstoffe sorgen für einen hohen Nährwert. Derartige Nahrungsmittel mit einer hohen Nährstoffdichte, die darüber hinaus über eine Fülle an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe verfügen, werden in der westlichen Welt auch gerne als Superfood bezeichnet. Es hat den Anschein, dass hier erst in den letzten Jahren ein wahrer Boom um die optisch sehr unscheinbar anmutenden Ginkgo-Samen entsteht, wobei hier auch die pharmakologisch-wirksamen Inhaltstoffe und nicht nur die hohe Dosis an Nährstoffen eine Rolle spielen dürfte.

Medizinisch wirksame Inhaltsstoffe

Der aus medizinscher Sicht wichtigste und überaus seltene Inhaltsstoff befindet sich überraschender Weise nicht in den Samen, sondern in den Blättern des Ginkgos. Die Rede ist von Ginkgoliden – ein pflanzlicher Wirkstoff, der sich aus Flavonglykosiden, Terpenlactonen und Ginkolsäure zusammensetzt. Dabei handelt es sich um eines der ganz wenigen, natürlich vorkommenden Heilmittel, deren positive Wirkung bei der Behandlung von Demenz-Kranken erwiesen ist. Das europäische Arzneibuch umschreibt diese Inhaltstoffe auch kurz als Ginkgotrockenextrakt, womit nichts anderes als die oben genannten Bestandteile gemeint sind.

Doch neben diesem Extrakt beinhalten die Ginkgoblätter noch weitere pharmakologisch aktive, sekundäre Pflanzenwirkstoffe wie etwa Terpene und Flavonoide, welche die Wirkung der Ginkgoliden unterstützen.

Ginkgo-Medizin hat Tradition

Mindestens so alt wie die Ginkgo-Pflanze maximal werden kann, so langt dient sie bereits der Menschheit als Lieferant wertvoller Heilstoffe. Interessanter Weise werden in der alten, traditionellen Chinesischen Medizin auch die Samen und sogar die Wurzeln des Ginkgos verwendet.

Letzteren wurden aphrodisierende Kräfte nachgesagt, zudem sollten abgekochte Wurzeln Blähungen und MagenDarm-Beschwerden beseitigen. Die Samen hingegen wurden geschält, sodass lediglich der innere, harte Kern übrig blieb. In einem aufwändigen Verfahren kochten und rösteten die Heiler im alten China die Ginkgo-Kerne. Sie helfen bei klassischen Hals – und Atembeschwerden sowie Infekten. Man vermutet, dass die Chinesen die Kerne lediglich lutschten, was bedeuten würde, dass Ginkgo-Kern mit die ersten Lutschbonbons gewesen sein könnten.

Pharmakologische Wirkungen des Ginkgos

In der asiatischen Kultur wird der Ginkgo auch heute noch gerne als „Wunderbaum“ betitelt, da ihm zahlreich, ja fast schon mystisch anmutenden Heilkräfte nachgesagt werden. Nicht alle, aber doch viele dieser heilenden Eigenschaften konnten mittlerweile in den biochemischen Laborräumen dieser Welt nachgewiesen werden. Dazu zählen unter anderem die Linderung/Heilung bei:

All diese positiven Eigenschaften hängen mit der Tatsache zusammen, dass Ginkgo-Extrakt in der Lage ist, das Blut fließfähiger zu machen. Experten sprechen hier von einer Erhöhung der Blutviskosität. Das sorgt dann dafür, dass die feinen Blutgefäße, wie sie millionenfach in der Lunge und im Gehirn vorzufinden sind, besser mit frischem Blut versorgt werden können – was natürlich den Sauerstoffgehalt sowie Nährstoffbilanz der dadurch versorgten Zellen deutlich verbessert.

Außerdem gewann man in den letzten Jahren die Erkenntnis, dass die Wirkstoffe des Ginkgos dazu in der Lage sind, die Nervenzellen zu schützen und den neuronalen Abbau verlangsamen. Dies wirkt sich dann natürlich gerade bei älteren Personen aus, welche mittels Ginkgo-Extrakt eine Verzögerung der eintretenden Demenz erwirken können.

Darüber hinaus wirkt das Ginkgo-Extrakt auch als Radikalfänger. Tagtäglich entstehen in unserem Körper sogenannte freie Radikale. Das sind kleinste Molekülteile, welche hochreaktiv vorliegen und versuchen, an intakte, körpereigene Moleküle anzudocken. Gelingt ihnen das, so zerstören sie das gewonnene ‚Partnermolekül‘ und gefährden somit die Funktionalität der gesamten, betreffenden Körperzelle, in der sich dieses Molekül befand. Genau hier liegt die große Gefahr, welche durch Radikale meist initiiert wird: Denn diese Zellen können durch diesen Mechanismus entarten, das heißt, dass sie nicht mehr die Funktion erfüllen, welche ihnen das Erbgut eigentlich zuweist. Aus dieser Situation heraus können sich gefährliche Tumore bilden, die letzten Endes tödlich verlaufen können.

Sie fragen sich, wie es überhaupt zu dieser Radikalbildung kommt? Nun, die häufigste Ursache wird als oxidativer Stress bezeichnet. Damit ist ein radikalförderndes Zellmilieu gemeint, das beispielsweise über UV-Strahlung, Giftstoffe oder aber radioaktiver Strahlung (insbesondere in den Nahrungsmitteln). Unweigerlich ist jeder Mensch diesen Einflussfaktoren tagtäglich ausgesetzt. Zwar helfen Sonnencreme sowie eine gewissenhafte Ernährung dabei, sich dem Ganzen ein wenig zu entziehen, jedoch gelingt uns das niemals gänzlich. Ginkgo-Extrakt enthält nun eine Fülle an chemisch aktiven Stoffen, die an die Radikal binden und sie dadurch unschädlich machen. Somit dient Ginkgo als effektive Prophylaxe gegen die Tumorentstehung.

Auch das Lindern von beständigen Tinnitus-Beschwerden durch die Einnahme von Gingko-Extrakt gilt mittlerweile als gesichert. Auch wenn der genaue Wirkmechanismus noch nicht bis ins letzte Detail geklärt ist. Vermutlich werden die sensiblen Hörzellen im Innenohr, deren Beschädigung oftmals die Ursache für dauerhaften Tinnitus ist, wieder rehabilitiert. Jedoch ist ein gänzliches Abklingen der Ohrgeräusche in Folge einer Ginkgo-Kur eher selten zu beobachten. Oftmals verringern sich lediglich die Symptome ein wenig.

Ginkgo fördert die ‚grauen Zellen‘

Der häufigste Anwendungsgrund für Ginkgo-Präparate liegt in der Förderung der geistigen Leistungsfähigkeit beziehungsweise im Verzögern einer Demenz. Neben der durchblutungsfördernden Wirkung in den Gehirnarealen spielt eine weitere Komponente eine ganz bedeutende Rolle: Und zwar erhöht sich die Konzentration von Acetylcholin an den Neuronen. Bei Acetylcholin handelt es sich um einen sogenannten Neurotransmitter. Das sind winzige Moleküle, welche zur Erregungsübertragung zwischen den einzelnen Nervenzellen maßgeblich beitragen. Hierbei gilt stark vereinfacht folgenden Faustformel: Je mehr Acetylcholin vorliegt, desto schneller und komplikationsfreier erfolgt die Erregungsweiterleitung im zentralen sowie peripheren Nervensystem. Das bedeutet, dass Personen mit viel aktivierungsfähigem Acetylcholin schneller und ‚besser‘ denken können.

Somit können die Wirkstoffe des Ginkgos nicht nur bereits an Demenz erkrankten Personen helfen, sondern beispielsweise auch Leuten in Prüfungssituationen dabei unterstützen, ihre Konzentrationsfähigkeit zu steigern.

Auch für Patienten der AlzheimerKrankheit, welche mit einem zunehmenden Verlust des Erinnerungsvermögens sowie der kognitiven Leistungsfähigkeit einhergeht, stellt die Einnahme des Ginkgo-Extraktes eine Möglichkeit dar, die Symptome zumindest mittelfristig zu bekämpfen. Dies kann sowohl die Lebensqualität des betreffenden Patienten, als auch die seiner pflegenden Angehörigen ein ganzes Stück verbessern. Allerdings liegen in diesem Forschungsbereich noch einige Unklarheiten sowie Zweifel an der Neutralität der Studienergebnisse vor, sodass der tatsächlich Nutzen hier noch nicht mit letzter Gewissheit quantifiziert werden kann.

Einnahme, Nebenwirkungen und gesundheitliche Risiken

In Deutschland sind Präparate auf Ginkgo-Basis auch ohne Rezept in alle Apotheken erhältlich. Dabei werden hauptsächlich Fertigpräparate vertrieben, welche aus Ginkgo-Extrakt bestehen. Der Patient kann die Wirkstoffe des Ginkgos entweder über Kapseln und Tabletten, oder aber in flüssiger Form über Säfte und Ginkgo-Tropfen konsumieren. Eine Therapie mit Ginkgo – egal in welcher Form – sollte immer langfristig über mindestens acht Wochen erfolgen. Kurzfristig sind keinerlei Erfolge zu erzielen.

Nebenwirkungen sind zwar vergleichsweise selten, lassen sich jedoch nicht gänzlich ausschließen. Zu den typischen Nebenwirkungen zählen:

Einige Studien weisen darauf hin, dass Ginkgo-Präparate möglicherweise das Risiko für Schlaganfälle erhöhen kann. Darüber hinaus verzögert sich der Wundverschluss, da die für den Wundverschluss essentiellen Blutplättchen in weniger dichter Anzahl im Blut vorhanden sind. Speziell wenn der Patient zusätzlich Blutverdünner wie Acetylsalicylsäure einnimmt, kann es zu Komplikationen kommen. Daher sollte prinzipiell die Einnahme von Ginkgo-haltigen Präparaten mit einem Arzt genauestens abgesprochen werden. Von einer Selbstmedikation ist definitiv abzuraten, auch wenn Ginkgo-Tabletten und Tropfen in jeder Apotheke frei erhältlich sind.

Ein weiterer Kritikpunkt an den Ginkgo-Produkten ist die toxische Ginkgolsäure, welche vor allem in Gingko-haltigen Tees in hoher Dosis enthalten ist. Diese pflanzliche Säure kann schwere Allergien, Entzündungen an der Magenschleimhaut sowie starke Kopfschmerzen induzieren. Zudem konnten krebsfördernde sowie neurotoxische Wirkungen festgestellt werden. Im Gingko-Extrakt der handelsüblichen Tabletten und Dragees unterliegt die enthaltene Ginkolsäure einer strengen Kontrolle und kann vernachlässigt werden.

 

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