Tinnitus (Ohrenklingeln)

Tinnitus

Tinnitus
Unter Tinnitus versteht man Ohrgeräusche. Wenn Ohrgeräusche nur vom Erkrankten wahrgenommen werden, spricht man von einem subjektiven Tinnitus.

Selten können Ohrgeräusche mit speziellen Geräten auch vom Arzt wahrgenommen werden, z.B. bei Gefäßverengung in der Nähe des Innenohrs. Die Geräusche können konstant, anfallsweise oder intermittierend auftreten. Man unterscheidet pulssynchrone und non-pulsative Geräusche.

Die Geräusche werden als Brummen, Piepen, Klingeln, Rauschen, Pfeifen oder Zischen beschrieben. Kompensiert ist ein Tinnitus, der den Erkrankten in seiner Lebensführung nicht sehr beeinträchtigt.

Bei dekompensiertem Tinnitus besteht ein hoher Leidensdruck. An chronischem Tinnitus leiden etwa 4% der Erwachsenen. Zunehmend tritt Tinnitus auch bei jungen Menschen auf, wenn diese über längere Zeit Lärm ausgesetzt waren (Disco).

Steckbrief: Tinnitus

  • Name(n): Tinnitus; Ohrenklingeln
  • Art der Krankheit: Symptom
  • Verbreitung: Weltweit
  • Erste Erwähnung der Krankheit: Antike
  • Behandelbar: Partiell
  • Art des Auslösers: Diverse
  • Wieviele Erkrankte: 10 – 15% der Weltbevölkerung
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: HNO-Arzt; Internist; HausarztICD-10 Code(s): ICD-10-GM-2017 > H60-H95 – H90-H95 – H93

Was ist Tinnitus?

Bei einem Tinnitus nimmt der Betroffene Töne war, die nicht auf tatsächliche äußerliche Töne und Geräusche zurückzuführen sind. Zumeist beschreiben Erkrankte es als einen Pfeifton. Aber auch ein Ticken, ein Zischen oder ein Röhren können mögliche Manifestationen des Tinnitus sein. In besonders seltenen Fällen kann es auch vorkommen, dass unklare Stimmen und / oder Musik wahrgenommen werden. Darüber hinaus können die Töne, welcher Ausprägung auch immer sie sein mögen, laut und leise, tief und hoch sowie einseitig oder beidseitig auftreten. In vielen Fällen verstärkt sich die Intensität, mit der Tinnitus in Erscheinung tritt mit einem Voranschreiten der Zeit. Zudem kann die konstante Belastung durch das Hören verschiedener Töne und Geräusche in gewissen Menschen Depressionen, pathologische Ängstlichkeit oder Konzentrationsstörungen auslösen.

Man sollte jedoch stets im Hinterkopfe behalten, dass es sich bei einem Tinnitus nicht um eine Krankheit im klassischen Sinne handelt, sondern „lediglich“ um eine Symptom. Als solches ist das vorliegenden Leiden auf diverse Krankheiten zurückzuführen. Besonders häufig findet im Zusammenhang mit den Tinnitus die sog. „Lärmschwerhörigkeit“ Erwähnung. Diese entsteht zumeist aufgrund eines dauerhaften Ausgesetztseins lauter Geräusche. Gerade Fabrikarbeiter, die mit schweren Maschinen umgehen müssen oder Nachtschwärmer, die sich oft und lange in Diskotheken und auf Konzerten aufhalten. Es gibt darüber hinaus jedoch noch eine Vielzahl weiterer möglicher Gründe, die zu einem Tinnitus führen können.

Diagnosen können sich bisweilen recht schwer gestalten, da es nur unzureichende Möglichkeiten zur klinischen Evaluation des vorliegenden Leidens gibt. Die Anamnese gilt hier als das am häufigsten angewandte diagnostische Mittel. Insbesondere dann, wenn man den Tinnitus nicht direkt auf die damit korrespondierende Krankheit zurückführen kann. Tatsächlich ist es bisweilen für Drittpersonen, im Fall der Diagnose den Arzt möglich, dass man mithilfe eines Stethoskops den Tinnitus des Patienten hören kann.

Eine vollständige Heilung ist mithilfe der modernen Schulmedizin zumeist nicht möglich.

Welche Ursachen führen zu Tinnitus?

Aus der Art des Geräuschs kann man Rückschlüsse auf die jeweilige Ursache ziehen. Brummende, klingelnde und rauschende Geräusche entstehen meist durch eine Mittelohrentzündung. Zischende und pfeifende Geräusche können durch eine Innenohrerkrankung, Hörsturz, akustisches Trauma, Akustikusneurinom (Tumor des Hörnervs), Arsenvergiftung oder Morbus Menière entstehen.

Pulssynchroner Tinnitus wird meist durch Durchblutungsstörungen wie Stenosen, Aneurysma oder Hypertonie verursacht. Auch bei Trommelfelldefekt, Hirnhautentzündung oder Multipler Sklerose kann Tinnitus auftreten. Die Geräusche können im Hörnerv, im Gehirn oder durch Stress verursacht werden.

Darüber hinaus liegen oftmals noch weitere etwaige Ursachen vor:

Häufige Ursachen

  • Altersbedingte Schwerhörigkeit
    Es handelt sich um einen landläufig bekannten Umstand, dass die Hörleistung des Menschen mit voranschreitendem Alter gradual abnimmt. Dieser Prozess beginnt mit der Geburt, fällt aber vor dem 60. Lebensjahr meist kaum ins Gewicht. Diese natürliche Schwerhörigkeit kann durchaus dafür verantwortliche zu machen sein, dass sich ein Tinnitus einstellt.
  • Ausgesetztsein von lauten Geräuschen
    Wie bereits eingänglich erwähnt, kann es geschehen, dass man infolge des dauerhaften Aussatzes lauter Geräusche einen permanenten Hörschaden davon trägt. Dieser kann sich durchaus auch in Form eines Tinnitus äußern. Besonders häufig in einen direkten Zusammenhang zu stellen sind hiermit Motorsägen, Schusswaffen und laute Musik, wie man ihr beispielsweise im Nachtleben ausgesetzt ist. Darüber hinaus stellen aber auch MP3-Player und Ipods ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar, wenn man sich ihrer zu oft bedient und die Musik zudem zu laut einstellt.Zusätzlich sollte man hierbei noch zwischen einem permanenten Schaden und einer nur kurzzeitig auftretenden Störung unterscheiden. So können beispielsweise Explosionen oder laute Zusammenstöße dafür sorgen, dass man nur kurzzeitig einen Tinnitus erleidet. Dieser verflüchtigt sich nicht selten nach einiger Zeit wieder von alleine. Ein dauerhafter Pfeifton stellt sich häufig nur dann ein, wenn man über Jahre hinweg einen gewissen Geräuschpegel ausgesetzt war. Beispielsweise an seinem Arbeitsplatz.
  • Ohrenschmalzblockaden
    Ohrenschmalz sorgt inerster Linie dafür, die Gesundheit des Ohres zu steigern und zu verbessern, indem es Bakterien,Viren und Dreck sowie Verunreinigungen einschließt und sie langsam nach außen befördert. Bisweilen kommt es jedoch vor, dass sich zu viel Ohrenschmalz akkumuliert. Ist dies der Fall, kann selbiges einen Pfropfen bilden und den Gehörgang verstopfen. Infolgedessen kommt es nicht selten zu einem partiellen Gehörverlust und einer teils starken Reizung des Innenohres. Beide Leiden können zur Entstehung eines Tinnitus beitragen.

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Otosklerose
    Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Versteifung der Knochen des Innenohres. Tritt eine solche ein, geschieht dies zumeist in Verbindung mit Tinnitus und weiteren Beschwerden in diesem Bereich. Diese Erkrankung tritt innerhalb einer Familie oftmals gehäuft auf.
  • Morbus Menière
    Diese Krankheit verursacht ein Ungleichgewicht des Drucks im Innenohr. Damit führt sie nicht nur zu Schwindel und der dergleichen mehr, sondern kann auch durchaus dafür verantwortlich zu machen sein, wenn sich ein Tinnitus einstellt.
  • Kraniomandibuläre Dysfunktion
    Hierbei handelt es sich um eine Fehlleistung der Kiefermuskulatur. Diese kann sich immens negativ auf die physische Gesundheit des Kopfes, insbesondere aber der Ohren auswirken. Nicht selten treten im Rahmen einer solchen auch ein Tinnitus oder tinnitus-ähnliche Symptome auf.
  • Allgemeine Kopfverletzungen oder Verletzungen des Halses
    Sämtliche Arten von Schädel-Hirn-Traumata sind potentielle Auslöser und Ursachen eines Tinnitus. Dasselbe gilt für Traumata des Halses. Solche entstehen zumeist in direkter Folge eines Verkehrsunfalles oder sonstiger Zusammenstöße. Je nachdem, auf welcher Seite der Hauptschaden auftritt, ändert sich auch die Ausrichtung des Tinnitus. So kann es durchaus sein, dass bei einem linksseitigen Schädel-Hirn-Trauma auch „nur“ ein linksseitiger Tinnitus auftritt usw.
  • Akustikusneurinom
    Bei einem solchen handelt es sich um einen gutartigen (benignen) Tumor, der an dem Nerv entsteht, der das Innenohr mit dem Gehirn verbindet. Hierdurch stellen sich, neben einem Tinnitus, auch oftmals schwere Störungen der Balance ein.

Gefäßprobleme als etwaige Auslöser

  • Atherosklerose
    Mit voranschreitendem Alter kommt es aufgrund von Ablagerungen, beispielsweise von Cholesterin, in den Gefäßen zu einer Versteifung derselben. Hiermit geht eine stark geminderte Flexibilität einher. Diese führt im Endeffekt dazu, dass die betroffenen Gefäße sich nicht mehr dem Herzschlag entsprechend erweitern oder zusammenziehen können. Alles in allem verstärkt sich dadurch der Blutfluss um einiges, sodass es für Erkrankte möglich ist, den eignen Herzschlag in den Gefäßen, die durch das Ohr gehen, zu hören. Normalerweise ist ein hierdurch entstehender Tinnitus auf beiden Ohren wahrzunehmen und wird zudem häufig als besonders unangenehm empfunden.
  • Tumore in Kopf und Hals
    In sofern ein Tumor im Bereich des Kopfes oder des Halses entsteht und dort Druck auf ein Blutgefäß ausübt, kann dies dazu führen, was auch relativ häufig der Fall ist, dass ein Tinnitus entsteht.
  • Bluthochdruck und erhöhte Geschwindigkeit des Blutflusses
    Ist der Blutdruck konstant oder temporär zu hoch oder fließt das Blut zu schnell durch die Gefäße kann das jeweils zu einem Tinnitus führen. Hierbei gilt zu beachten, dass kurzzeitig erhöhte Werte auch nur für ein kurzzeitiges Auftreten eines Tinnitus sorgen, wohingegen dauerhafte erhöhte Werte gleichermaßen für das dauerhafte Wahrnehmen eines Tones sorgen.

Durch Medikamente ausgelöster Tinnitus

  • Antibiotika
  • Krebsmedikamente
  • Wasserpillen
  • Antidepressiva
  • Aspirin
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