Nebivolol

Nebivolol stellt einen Blutdrucksenker der neueren Generationen von Betablockern dar. Angewendet wird der Wirkstoff in der Regel in Form von Tabletten. Zu den Nebenwirkungen zählen unter anderem Schwindel, Kopfschmerzen und Müdigkeit.

Doch, wie wirkt Nebivolol eigentlich, wann kommt der Wirkstoff zum Einsatz und was sollte bei der Anwendung beachtet werden? Nachfolgend wird auf diese und alle weiteren Fragen zum Wirkstoff detailliert eingegangen.

NebivololWas ist Nebivolol?

Bei Nebivolol handelt es sich um einen Wirkstoff aus der Gruppe der Betablocker, wobei Nebivolol der dritten Generation angehört und somit moderner als viele andere bekannte Betablocker ist.

Eingesetzt werden Betablocker hauptsächlich zur Senkung des Blutdrucks. Darin liegt auch der Zweck des Wirkstoffs:

Ein erhöhter Blutdruck soll durch die Anwendung des Wirkstoffes gesenkt und normalisiert werden – dies involviert auch eine langfristige Normalisierung des Blutdrucks.

Darüber hinaus liegt der Zweck von Nebivolol darin, eine Herzmuskelschwäche zu behandeln, indem ebenfalls eine Senkung des Blutdrucks erzielt wird.

Da es sich bei Nebivolol um einen starken Wirkstoff handelt, darf dieser nur unter ärztlicher Beratung und unter äußerster Vorsicht angewendet werden.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?


Allgemeines

Allgemeines
NameNebivolol
Andere Namen
  • α,α´-[Iminobis(methylen)]bis[6-fluor-3,4-dihydro-2H-1-benzo-pyran-2-methanol]
  • α,α´-[Iminobis(methylen)]-bis[6-fluorchroman-2-methanol]
SummenformelC22H25F2NO4
Wirkstoffklasseβ-Rezeptorenblocker

Wirkungsweise

So wirkt Nebivolol

Oral eingenommen, gelangt der Wirkstoff schon nach kurzer Zeit in den Blutkreislauf und kann hier seine Wirkung entfalten:

Wie bei anderen Betablockern, dockt auch Nebivolol anschließend an die Rezeptoren der Botenstoffe Adrenalin und Noradrenalin andocken und diese blockieren. So können diese Stresshormone nicht mehr daran binden und keinen Effekt mehr auslösen.

Grundsätzlich sorgen Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin im Körper nämlich dafür, dass der Herzschlag erhöht wird und somit auch ein höherer Blutdruck erzeugt wird.

Durch die Wirkung von Nebivolol wird dieser Prozess gehemmt. Dadurch kann zum einen eine Herzschwäche behandelt werden, da das Herz nun nicht mehr so schnell schlagen muss wie unter der Einwirkung von Stresshormonen.

Gleichzeitig wird der Blutdruck gesenkt, da Nebivolol den Herzschlag auf ein normales Level sinken lässt.

Der Wirkstoff besitzt darüber hinaus den Effekt, gefäßerweiternd zu wirken. Dadurch sinkt der Blutdruck zusätzlich und gleichzeitig wird die Blutflussrate in kleinen und großen Gefäßen erheblich verbessert.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Nebivolol

Nach der oralen Einnahme von Nebivolol gelangt der Wirkstoff relativ schnell in den Darm, wo dieser über die Darmwände aufgenommen wird und in das Blut weitergeleitet wird.

Verstoffwechselt wird der Arzneistoff über die Leber. Der Abbau von Nebivolol wiederum hängt von jedem individuellen Patienten ab: Hier spielen das Alter und der Stoffwechsel eine wichtige Rolle.

Patienten mit einem schnellen Stoffwechsel bauen den Wirkstoff somit deutlich schneller ab als Patienten mit einem langsamen Stoffwechsel.


Anwendungsgebiete

In erster Linie liegen die Anwendungsgebiete von Nebivolol in der Behandlung von Bluthochdruck sowie Herzschwäche – dabei erfolgt meist eine langfristige Behandlung mit dem Wirkstoff.

Wann wird Nebivolol eingesetzt?

Am häufigsten wird Nebivolol angewendet, um den Blutdruck von Bluthochdruck-Patienten zu senken und dauerhaft zu normalisieren.

Speziell behandelt wird mit dem Wirkstoff ein essenzieller Bluthochdruck – hierbei handelt es sich um die häufigste Form von Bluthochdruck, bei welchem kein ersichtlicher Grund für die Beschwerden vorliegt.

Seit einigen Jahren wird Nebivolol nun auch zur Behandlung von Herzschwäche beziehungsweise Herzinsuffizienz eingesetzt. In der Regel handelt es sich dabei um eine leichte bis mittelschwere chronische Herzschwäche, welche meist Patienten in einem höheren Alter betrifft.

Häufig wird hier der Wirkstoff auch zusätzlich oder unterstützend zur Standardtherapie eingesetzt.


Richtige Anwendung

Angewendet wird Nebivolol ausschließlich unter ärztlicher Beratung im Voraus sowie einer regelmäßigen ärztlichen Kontrolle.

Der behandelnde Arzt legt außerdem die Dosis sowie den Behandlungszeitraum für die Anwendung des Wirkstoffs fest. Eine Selbstmedikation darf aufgrund der Stärke des Wirkstoffes unter keinen Umständen erfolgen.

So wird Nebivolol angewendet

Angewendet wird Nebivolol stets in Form von Tabletten oral. Dabei kann die Dosis je nach Patient und Beschwerden unterschiedliche ausfallen. Meist beträgt die Dosis jedoch zwischen 2,5 mg und 5 mg täglich.

Die empfohlene Maximaldosis des Wirkstoffes liegt bei 10 mg täglich. Grundsätzlich wird der Wirkstoff einmal pro Tag zur gleichen Uhrzeit eingenommen.


Medikamente

Der Wirkstoff Nebivolol lässt sich in unterschiedlichen Medikamenten wiederfinden. Dabei kann die Konzentration des Wirkstoffes unterschiedlich ausfallen.

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Nebivolol?

  • Nebilet 5 mg Tabletten (30 Stück)
  • Nebilet-5 mg Tabletten (50 Stück)
  • Nebilet 5 mg Tabletten (100 Stück)
  • Nebivolol-AL 5 mg Tabletten (30 Stück)

Handelsnamen

Monopräparate

Als Monopräparat steht Nebivolol unter verschiedenen Handelsnamen zur Verfügung. Dazu zählen unter anderem:

  • Bystolic
  • Hypoloc
  • Lobivon
  • Nebilet
  • Nebilox
  • Nobiten
  • Nomexor
  • Temerit

Indikationen

Zu den Hauptindikationen für die Behandlung mit Nebivolol zählt zum einen eine essenzielle Hypertonie – es muss also ein Bluthochdruck festgestellt werden, damit eine Anwendung des Wirkstoffs erfolgen kann.

Zum anderen zählt dazu eine chronische Herzinsuffizienz – wird eine Herzschwäche festgestellt, so kann also ebenfalls eine Anwendung von Nebivolol erfolgen.


Gegenanzeigen

Wann darf Nebivolol nicht verwendet werden?

Da es sich bei Nebivolol um einen starken Wirkstoff handelt, darf dieser in einigen Fällen nicht eingesetzt werden. Dies ist unter anderem bei einer Allergie oder Überempfindlichkeit gegenüber des Wirkstoffs der Fall.

Liegen eine eingeschränkte Leberfunktion, Herzmuskelschwäche, ein verlangsamter Herzschlag sowie ein niedriger Blutdruck vor, so darf ebenfalls keine Anwendung von Nebivolol erfolgen.

Gleiches gilt bei einem Herz-Kreislauf-Schock, schweren Erkrankungen des Reizleitungssystems des Herzens, einem unbehandelten Nebennierenrindentumor sowie bei schweren Durchblutungsstörungen der Arme und Beine.

Liegen Asthma, eine Lungenerkrankung mit chronischer Verengung der Luftwege und eine Stoffwechselübersäuerung vor, so muss genauso auf die Anwendung von Nebivolol verzichtet werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Während der Schwangerschaft darf keine Anwendung des Wirkstoffes Nebivolol erfolgen, da sich dieser auch auf die Durchblutung der Plazenta auswirkt und somit wiederum schädlich für die Entwicklung des Kindes sein kann.

Außerdem besteht während der Stillzeit die Möglichkeit, dass der Wirkstoff in die Muttermilch gelangt und somit mit dem Säugling in Kontakt kommen kann. Während der Stillzeit ist daher ebenfalls auf den Wirkstoff zu verzichten.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Eine Anwendung von Nebivolol bei Kindern und Jugendlichen ist grundsätzlich ausgeschlossen.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Nebivolol?

Niemals außer Acht gelassen werden sollte die Risiken und Nebenwirkungen, welche mit der Einnahme des Wirkstoffs bestehen. In jedem individuellen Fall können sich Nebenwirkungen auf unterschiedliche Art und Weise bemerkbar machen.

Grundsätzlich gilt: Kommt es durch die Einnahme von Nebivolol zu Nebenwirkungen, so sollte der behandelnde Arzt in jedem Fall konsultiert werden.

Häufige Nebenwirkungen

Die Einnahme von Nebivolol löst häufig folgende Nebenwirkungen aus:

Häufig kann es durch die Einnahme von Nebivolol auch zu Wasseransammlungen im Gewebe sowie in den Beinen kommen. Eine Erregungsüberleitungsstörung am Herzen kann sich durch die Einnahme des Wirkstoffs ebenfalls häufiger bemerkbar machen.

Gelegentliche Nebenwirkungen

Weiterhin kann es durch die Einnahme von Nebivolol zu gelegentlich auftretenden Nebenwirkungen kommen. Diese machen sich unter anderem in Form von folgenden Beschwerden bemerkbar:

Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen

Nur äußerst selten treten durch die Einnahme von Nebivolol Nebenwirkungen wie eine kurze Bewusstlosigkeit, Gesichtsschwellungen sowie eine Verschlechterung einer Schuppenflechte auf.


Wechselwirkungen

Wechselwirkungen entstehen bei der gleichzeitigen Einnahme von Nebivolol mit bestimmten anderen Medikamenten. Diese können die Wirkung des Arzneistoffs stark beeinflussen und sollten daher stets beachtet werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Nebivolol?

Zum einen kann es zu Wechselwirkungen bei der Einnahme von weiteren blutdrucksenkenden Arzneimitteln kommen, da Nebivolol die blutdrucksenkende Wirkung verstärkt.

Dies ist unter anderem der Fall bei Betablockern wie Clonidin, Guanfacin, Moxonidin, Methyldopa und Rilmenidin. Bei gleichzeitiger Einnahme sind hier schwere Nebenwirkungen und Langzeitfolgen nicht auszuschließen.

Zum anderen kann es bei der Einnahme von Arzneimitteln gegen Herzrhythmusstörungen zu Wechselwirkungen kommen, da auch hier die Wirkung durch die gleichzeitige Einnahme von Nebivolol verstärkt werden kann.

Dies gilt unter anderem für die Wirkstoffe Chinidin, Hydrochinidin, Cibenzolin, Flecainid, Disopyramid, Lidocain, Mexiletin und Propafenon.

Eine Verstärkung oder Verlängerung der Wirkung findet auch bei Arzneimitteln gegen Diabetes statt, wenn diese gleichzeitig mit Nebivolol eingenommen werden.

Beachtet werden sollte außerdem die Wirkung von Substanzen, welche den Abbau von Nebivolol verlangsamen können und somit zu einer stärkeren und längeren Wirkung beitragen können. Dazu zählen unter anderem Paroxetin, Fluoxetin und Thioridazin sowie Chinidin.

Werden gleichzeitig Säureblocker eingenommen, so kann sich wiederum die Wirkung von Nebivolol vermindern. Gleiches gilt für die Einnahme von Sympathomimetika.

Darüber hinaus sollte der Wirkstoff aufgrund der Wechselwirkungen nicht mit Kalziumkanalblockern kombiniert eingenommen werden.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Nebivolol zu beachten?

Bei der Einnahme von sollte zunächst stets auf die verschriebene Tagesdosis geachtet werden – diese sollte zu keinem Zeitpunkt überschritten werden, da es sonst zu schweren Nebenwirkungen kommen kann.

Werden andere Arzneimittel zusammen mit Nebivolol eingenommen, so sollte dies außerdem stets im Voraus mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

Des Weiteren ist zu beachten, dass in einigen Fällen eine besonders strenge ärztliche Kontrolle im Voraus notwendig ist, damit der Wirkstoff überhaupt eingesetzt werden darf.

Dies ist unter anderem bei Patienten der Fall, welche Diabetes, schwache Reizleitungsstörungen am Herzen, Prinzmetal-Agina, Durchblutungsstörungen der Zehen und Finger, eine eingeschränkte Nierenfunktion, eine Schilddrüsenüberfunktion und Schuppenflechte haben.

Dies gilt ebenfalls für die gleichzeitige Anwendung von Narkosemitteln. Vor einer Operation sollte der Chirurg daher stets über die Behandlung mit Nebivolol unterrichtet werden.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Nebivolol

Nebivolol ist rezeptpflichtig und muss daher von einem Arzt verschrieben werden, um dieses in der Apotheke zu erhalten. Dies gilt für jede Dosierung des Wirkstoffes.


Geschichte

Seit wann ist Nebivolol bekannt?

Betablocker sind schon seit einigen Jahrzehnten im Einsatz und wurden stets weiterentwickelt. Nebivolol hingegen stellt einen modernen Betablocker dar und ist daher nicht lange im Einsatz. Entwickelt wurde der Wirkstoff in den 1990er Jahren.

So ist der Wirkstoff seit 1996 in Deutschland zur Behandlung zugelassen. Seit 2006 ist der Wirkstoff zur Behandlung von einer Herzinsuffizienz zugelassen. Seit 2010 sind außerdem Generika des Wirkstoffes im Handel.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bei der Anwendung von Nebivolol sind stets einige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten: Unter anderem darf der Wirkstoff nicht plötzlich abgesetzt werden, da es sonst zu einem direkten Anstieg des Blutdrucks kommen kann.

Außerdem sollte beachtet werden, dass Nebivolol die Empfindlichkeit gegenüber allergie-auslösenden Substanzen sowie allergischen Reaktionen erhöhen kann.

Sinkt der Puls dauerhaft auf unter 50 bis 55 Schläge pro Minute, so muss die Dosierung des Wirkstoffes darüber hinaus von einem Arzt angepasst werden.

Zuletzt sollte beachtet werden, dass das Reaktionsvermögen durch die Einnahme von Nebivolol kurzzeitig eingeschränkt werden kann. Das Autofahren sowie das Bedienen von Maschinen kann dadurch zu einem Risiko werden.


Quellen

  • Cheng J.W. Nebivolol: a third-generation beta-blocker for hypertension. Clin Ther, 2009, 31(3), 447-62 Pubmed
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013
  • Arzneimittel-Fachinformation (CH, D, USA)
  • Giles T.D. The role of vasodilating beta-blockers in patients with complicated hypertension: focus on nebivolol. Am J Med, 2010, 123(7 Suppl 1), S16-20 Pubmed

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