Ranitidin

Ranitidin wird typischerweise bei Sodbrennen und MagenDarm-Geschwüren sowie in einigen weiteren Fällen eingesetzt. Es handelt sich um einen Wirkstoff, welche weniger stark ist und daher mit Bedacht auch von Kindern oder Schwangeren eingesetzt werden darf.

Doch, worum handelt es sich dabei eigentlich, wie wirkt Ranitidin, wann wird der Wirkstoff eingesetzt und welche Medikamente beinhalten diesen? Nachfolgend werden die wichtigsten Fragen zum Wirkstoff umfangreich beantwortet.

Ranitidin , Sodbrennen , Reflux , MagengeschwürWas ist Ranitidin?

Es handelt sich bei Ranitidin um einen Wirkstoff aus der Gruppe der H₂-Antihistaminika, welche antiallergisch wirken und gegen eine Vielzahl von Beschwerden eingesetzt werden.

So kommt der Wirkstoff in der Humanmedizin und Veterinärmedizin zum Einsatz und wird ärztlich verschrieben.

Eingenommen wird der Wirkstoff in der Regel in Form von Tabletten oder Kapseln. Angewendet werden kann Ranitidin unter anderem bei Sodbrennen, da durch die Einnahme die Produktion von Magensäure verringert wird. Ebenso wird der Wirkstoff bei Geschwüren angewendet, welche sich im Magen oder im Darm befinden.

Hier erfolgt auch eine Anwendung, um die Geschwüre schneller abheilen zu lassen. Ranitidin dient außerdem dem Zweck, Schmerzen in der Speiseröhre zu lindern. Weiterhin lassen sich sämtliche Erkrankungen, welche mit der Magensäure zusammenhängen, durch die Anwendung des Wirkstoffs behandeln.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Verringerung von der Produktion von Magensäure
  • Abheilung von Geschwüren im Magen und Darm
  • Verringerung von Schmerzen in der Speiseröhre
  • Behandlung sämtlicher Erkrankungen, welche im Zusammenhang mit der Magensäure stehen

Allgemeines

Allgemeines
NameRanitidin
Andere NamenN-{2-[({5-[(Dimethylamino)­methyl]furan-2-yl}methyl)­sulfanyl]ethyl}-N′-methyl-2-nitroethen-1,1-diamin
SummenformelC13H22N4O3S
WirkstoffklasseUlkustherapeutika

Wirkungsweise

So wirkt Ranitidin

Wird Ranitidin oral eingenommen, so gelangt dieser nach kurzer Zeit in den Blutkreislauf, welcher auch in den Magen führt. In diesem verbreitet der Arzneistoff seine Wirkung:

Der Wirkstoff sorgt dafür, dass eine Blockade zwischen Histamin und den dazugehörenden Rezeptoren entsteht. Dies wiederum sorgt dafür, dass die Produktion von Magensäure zurückgefahren wird, da Histamin die Magensäure-Produktion in den sogenannten „Belegzellen“ stimuliert.

Durch die von Ranitidin hervorgerufene Blockade wird das „Magenmilieu“ weniger sauer, was wiederum zu einem regulären Säuregehalt im Magen beiträgt beziehungsweise diesen soweit einschränkt, dass keine Beschwerden mehr auftreten.

Es kommt daher auch nicht mehr zu Sodbrennen oder Entzündungen, welche durch die Magensäure in der Speiseröhre hervorgerufen werden.

Generell kommt Ranitidin bei Patienten zum Einsatz, bei welchen das Magenmilieu aus dem Gleichgewicht geraten ist: Normalerweise befindet sich ein Schutzfilm über der Magenschleimhaut, sodass die empfindliche Magenschleimhaut nicht durch die aggressive Magensäure angegriffen werden kann.

Ist dieser allerdings nicht vorhanden beziehungsweise fällt zu schwach aus, so kommt es zu einem Angriff auf die Magenschleimhaut, aus welchem häufig Geschwüre resultieren.

Zudem entsteht das klassische Sodbrennen, bei welchem aufgestoßen wird, sodass Magensäure in die Speiseröhre gelangt und hier die Schleimhäute angreift, wodurch wiederum Entzündungen entstehen können. Ranitidin verhindert diese Prozesse durch seine Wirkungsweise.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Ranitidin

Die orale Einnahme von Ranitidin sorgt dafür, dass der Wirkstoff letztendlich in den Darm gelangt, wo dieser in den Blutkreislauf aufgenommen wird.

Dadurch kann der Wirkstoff den Magen erreichen und hier nach circa 2 Stunden seine maximale Wirkung entfalten. Abgebaut wird Ranitidin schließlich in der Leber und danach über die Nieren ausgeschieden.


Anwendungsgebiete

Angewendet wird Ranitidin bei Sodbrennen, Entzündungen in der Speiseröhre, Geschwüren im Magen und Darm sowie bei der Geburt. Außerdem erfolgt eine Anwendung bei allen Erkrankungen, welche säurebedingt sind.

Wann wird Ranitidin eingesetzt?

Die Anwendung von Ranitidin bei Sodbrennen erfolgt kurzfristig und führt schon nach kurzer Zeit zu Erfolgen, da die Produktion von Magensäure effektiv gehemmt wird, wodurch kein Sodbrennen mehr auftritt.

Dies führt natürlich auch dazu, dass Entzündungen in der Speiseröhre, welche durch aufsteigende Magensäure hervorgerufen werden, abheilen können, da keine Magensäure mehr auf diese trifft.

Eine Anwendung erfolgt zudem bei Schmerzen, welche im Oberbauch auftreten, denn diese stellen ebenfalls häufig eine Folge von zu viel Magensäure dar.

Die Behandlung von Geschwüren durch die Anwendung von Ranitidin erfolgt zum einen im Magen. Hier können die Geschwüre durch die Anwendung des Wirkstoffs wieder abheilen. Die Behandlung des Darms mit Ranitidin aufgrund von Geschwüren bezieht sich ausschließlich auf den Zwölffingerdarm, da der Arzneistoff hier effektiv wirkt.

Weiterhin wird der Wirkstoff bei einer krankhaften Überproduktion von Ranitidin angewendet, welche häufig zu den zuvor erwähnten Beschweren führt.

Zuletzt wird Ranitidin teilweise auch bei der Geburt beziehungsweise der Entbindung angewendet: Hier verhindert die einmalige Einnahme des Wirkstoffs das Eindringen von Magensäure in die Luftröhre.


Richtige Anwendung

Grundsätzlich darf eine längere Anwendung von Ranitidin nur nach ärztlicher Absprache erfolgen. Von dem behandelnden Arzt werden die Dosis sowie der Behandlungszeitraum festgelegt. Eine kurze Behandlung von bis zu 14 Tagen kann im Zusammenhang mit einer niedrigen Dosis auch selbst erfolgen.

So wird Ranitidin angewendet

Eingenommen wird Ranitidin in der Regel oral. Die Dosis sowie der Behandlungszeitraum hängen stets von dem Grund der Anwendung ab. So kann die tägliche Dosis zwischen 75 mg und 300 mg liegen.

Bei Sodbrennen wird in der Regel eine kleine Dosis angewendet. Bei Magengeschwüren oder Geschwüren im Zwölffingerdarm kann die Dosis hingegen höher ausfallen und bei bis zu 300 mg täglich liegen.

Noch höher kann die Dosis in Ausnahmefällen liegen – zum Beispiel, wenn eine Überproduktion an Magensäure behandelt wird.


Medikamente

Erhältlich ist Ranitidin meist in Form von Filmtabletten oder Kapseln. So werden mehrere Medikamente angeboten, welche den Wirkstoff enthalten. Je nach Hersteller werden dabei Medikamente mit einem unterschiedlichen Wirkstoffgehalt angeboten.

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Ranitidin?

  • Ranitidin Basics 150 mg Filmtabletten
  • Ranitidin-Basics 300 mg Filmtabletten
  • Ranibeta Filmtabletten (150 oder 300 mg)
  • Ranidura T 150 mg Filmtabletten
  • Ranitic Filmtabletten (150 oder 300 mg)
  • Ranitic akut Filmtabletten (75, 150 oder 300 mg)
  • Ranitidin Heumann 150 mg

Handelsnamen

Monopräparate mit Ranitidin

  • Pylorisin (A)
  • Ranic (A)
  • Ranicux (D)
  • Ranimed (CH)
  • Raniprotect (D)
  • Ranitic (D)
  • Sostril (D)
  • Ulcidin (CH)
  • Ulsal (A)
  • Zantac (A)
  • Zantic (D, CH)
  • Generika (D, A, CH)

Indikationen

Indikationen (Anwendungsgebiete) von Ranitidin sind:

Der Wirkstoff findet unter anderem bei der Behandlung von Darm- und Magengeschwüren sowie bei Magenbrennen und der gastroösophagalen Refluxkrankheit als Magenschutz Anwendung.

Darüber hinaus ist Ranitidin auch beim Zollinger-Ellison-Syndrom sowie bei einer Eradikation (Keimeliminierung) von Helicobacter-pylori indiziert.


Gegenanzeigen

Wann darf Ranitidin nicht verwendet werden?

Ranitidin darf nicht angewendet werden, wenn eine Allergie gegen den Wirkstoff vorliegt. Das Gleiche gilt für den Fall, dass eine Allergie gegen H₂-Antihistaminika allgemein vorliegt.

Weiterhin darf keine Einnahme des Wirkstoffs erfolgen, wenn eine akute Porphyrie vorliegt: So haben Untersuchungen gezeigt, dass die Einnahme von Ranitidin im Zusammenhang mit der akuten Leberkrankheit stehen könnte.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Zu der Wirkung von Ranitidin in der Schwangerschaft liegen derzeit nicht ausreichend Kenntnisse vor. Daher sollte hier eine Einnahme nur erfolgen, nachdem das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewogen wurde. Außerdem sollte hier keine Anwendung vor der ärztlichen Absprache erfolgen.

In der Stillzeit wiederum kann es durch die Einnahme des Wirkstoffs zu einer bestimmten Konzentration des Wirkstoffes in der Muttermilch kommen. Das liegt daran, dass der Wirkstoff plazentagängig ist.

Daher sollte auch hier nur eine Einnahme nach ausreichender Abwägung und Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Gegebenenfalls ist auch ein Abstillen notwendig.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern darf eine Anwendung von Ranitidin erst ab einem Alter von 10 Jahren erfolgen. Jedoch muss die Dosis hier stark begrenzt ausfallen und die Einnahme darf nur nach ärztlicher Absprache erfolgen.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Ranitidin?

Nebenwirkungen sind durch die Einnahme von Ranitidin nicht ausgeschlossen. Abhängig sind diese unter anderem von dem Behandlungszeitraum, der Dosis und jedem individuellen Fall. Außerdem treten Nebenwirkungen unterschiedlich häufig auf.

Häufige Nebenwirkungen

Häufiger kann es durch die Einnahme von Ranitidin zu Bauchschmerzen kommen. Das liegt daran, dass die Bakterienanzahl im Magen durch die Einschränkung der Produktion von Magensäure zunimmt.

So kann es zu temporär auftretenden Bauchschmerzen kommen, welche aber meist nach kurzer Zeit wieder abklingen.

Gelegentliche Nebenwirkungen

Gelegentlich kann die Bakterienanzahl im Magen so hoch ausfallen, dass es zu Durchfall kommt. In diesem Zusammenhang kann auch eine Verstopfung auftreten.

Außerdem können gelegentlich Kopfschmerzen sowie ein Hautausschlag durch die Einnahme von Ranitidin hervorgerufen werden.

Seltene Nebenwirkungen

Nur selten entstehen durch die Einnahme von Ranitidin zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

Tritt eine der erwähnten Nebenwirkungen durch die Einnahme des Wirkstoffs auf, so sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen

Nur in äußerst seltenen Fällen kann es durch die Einnahme von Ranitidin zu folgenden Nebenwirkungen kommen:


Wechselwirkungen

Werden mit der Einnahme von Ranitidin gleichzeitig andere Medikamente eingenommen, so sind Wechselwirkungen in einigen Fällen nicht auszuschließen. Diese können unter anderem in einer Unwirksamkeit bestimmter Medikamente resultieren oder auch schwere Nebenwirkungen hervorrufen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Ranitidin?

Wenn Ranitidin gleichzeitig mit Ketoconazol eingenommen wird, führt dies zu einer deutlich schwächeren Wirkung von Ketoconazol. Der Wirkstoff kann somit nicht mehr effektiv gegen Pilzinfektionen eingesetzt werden.

Bei anderen Medikamenten wiederum, wird die Wirkung durch die gleichzeitige Einnahme mit Ranitidin erhöht: Dies ist unter anderem bei Theophyllin, Glipizid, Midazolam und Triazolam der Fall. Es kann hier somit zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen, welche einer Überdosis gleichen.

Ebenso erhöht Ranitidin die Wirkung von Alkohol. Daher muss auch der gleichzeitige Alkoholkonsum bei der Einnahme des Wirkstoffs vermieden werden.

Werden hingegen Antazida und Sucralfat zusammen mit Ranitidin eingenommen, so führt dies zu einer Abschwächung der Wirkung von Ranitidin. Daher sollte das Arzneimittel circa 2 Stunden vor diesen Arzneimitteln angewendet werden.

Genauso kann durch bestimmte Arzneimittel eine stärkere Wirkung von Ranitidin hervorgerufen werden. Dies ist bei Procainamid und N-Acetylprocainamid der Fall.

Grundsätzlich sollte die gleichzeitige Einnahme aller hier erwähnten Medikamente zusammen mit Ranitidin vermieden werden. Muss eine gleichzeitige Einnahme erfolgen, so sollte diesen jedoch in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Ranitidin zu beachten?

Bei der Einnahme von Ranitidin sollte dringend beachtet werden, die auf der Packungsbeilage angegebene – beziehungsweise vom behandelnden Arzt vorgegebene Dosis nie zu überschreiten.

Stärkere Nebenwirkungen können sonst nicht ausgeschlossen werden. Zudem sollte der Behandlungszeitraum genau eingehalten werden.

Wer Sodbrennen ohne eine ärztliche Beratung unter Verwendung einer geringen Dosis selbst behandelt, sollte der Wirkstoff außerdem nicht länger als 14 Tage anwenden – haben sich die Beschwerden nach diesem Zeitraum nicht gebessert, so ist ein Arzt zu konsultieren.

Des Weiteren ist zu beachten, dass es durch die Einnahme von Ranitidin zu allergischen Reaktionen kommen kann. Treten diese auf, so ist ebenfalls sofort ein Arzt zu konsultieren.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Ranitidin

Je nach Wirkstoffmenge sind Filmtabletten mit Ranitidin frei in der Apotheke erhältlich. Es handelt sich dabei jedoch um Filmtabletten mit 75 mg Ranitidin, welche gegen Sodbrennen eingesetzt werden können.

Filmtabletten mit höheren Wirkstoffmengen sind in der Regel verschreibungspflichtig, da hier die Behandlung auch von einem Arzt zu überwachen ist.


Geschichte

Seit wann ist Ranitidin bekannt?

Ranitidin ist seit den 1980er Jahren für den Handel zugelassen und wird seitdem hauptsächlich gegen Sodbrennen und Magen-Darm-Geschwüre eingesetzt.

Seit den 1990er Jahren sind Filmtabletten mit Ranitidin für die Selbstmedikation zugelassen. Da es jedoch noch stärkere und effektivere Mittel gibt, stellt Ranitidin oftmals nur ein Mittel der 2. Wahl dar.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Besonders beachtet werden sollte bei der Einnahme von Ranitidin, dass der Wirkstoff über die Nieren ausgeschieden wird, weshalb die Dosis bei Patienten mit einer eingeschränkten Nierenfunktion besonders genau angepasst werden muss.

Außerdem kann eine hohe Dosis an Ranitidin in einigen Fällen zu einer Einschränkung der Reaktionsfähigkeit führen. Die Verkehrstüchtigkeit sowie das Bedienen von Maschinen kann dadurch ebenfalls eingeschränkt werden.


Quellen

  • Joos, L: Pharmakologie aktiv, Govi-Verlag, 1. Auflage, 2009
  • Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin: www.embryotox.de (Abruf: 29.06.2014)
  • Lennecke, K. et al.: Selbstmedikation für die Kitteltasche, Deutscher Apotheker Verlag, 5. Auflage, 2012
  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
  • Arzneimittel-Fachinformation (CH, D)
  • Europäisches Arzneibuch PhEur

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