Kryotherapie

Kryotherapie – Behandlung mit Kälte

Kryotherapie BehandlungDie Kryotherapie, auch Eistherapie genannt, ist ein Verfahren, bei dem sehr niedrige Temperaturen zur Behandlung diverser Symptome bzw. Erkrankungen eingesetzt werden.

Die gezielt eingesetzte Kälte kann beispielsweise zur Schmerzlinderung bei Gelenkentzündungen, zur Kühlung von Schwellungen oder aber für die Vereisung von Warzen, Pigmentflecken und Tumoren eingesetzt werden.

Bei Behandlungen mit kalten Temperaturen über 0 ° Celsius spricht man auch von einer Kältetherapie.

Was ist eine Kryotherapie?

Kryotherapie ist ein Sammelbegriff für zahlreiche, sehr unterschiedliche Behandlungsmethoden, bei denen Kälte zu medizinischen Zwecken genutzt wird. Da auch bei der Kältetherapie niedrige Temperaturen zum Einsatz kommen, werden die zwei Wörter oft als Synonyme gehandhabt.

Genaugenommen beschreibt der Begriff Kältetherapie jedoch die Behandlung mit Temperaturen zwischen 0 ° und 15 ° C, während Verfahren mit Temperaturen zwischen -180 ° und 0 ° Celsius als Kryotherapie bezeichnet werden.

Die Kryotherapie wird ferner in folgende Behandlungsverfahren unterteilt:

  • Lokale Anwendung von Kälte (z. B. Eis-Kompressen)
  • Lokale Vereisung (Kryochirurgie)
  • Ganzkörperkältetherapie (auch Kältekammer genannt)

 

Zur lokalen Anwendung von Kälte gehören herkömmliche Hausmittel wie Eis-Kompressen, die wohl jeder kennt. Sie lindern schmerzen, wirken abschwellend und entzündungshemmend. Die lokale Vereisung wird zumeist von Dermatologen durchgeführt, um bestimmte, unerwünschte Hautpartien wie Warzen oder gar Hauttumore zu entfernen. Die Bereiche werden punktgenau eingefroren, sodass das krankhafte Gewebe abstirbt und durch neues, gesundes ersetzt werden kann.

Bei der Ganzkörperkältetherapie wird, wie der Name schon verrät, der gesamte Körper des Patienten für wenige Minuten extrem geringen Temperaturen ausgesetzt. Dieses Verfahren wird vorrangig gegen Rheuma eingesetzt, findet aber auch zu kosmetischen Zwecken (z. B. gegen Cellulite) statt. Es soll außerdem das Immunsystem stärken, Schlafstörungen entgegenwirken und die Leistungsfähigkeit von Sportlern verbessern.

Ursprung & Entwicklung:

Die Anwendung von Kälte zu therapeutischen Zwecken ist bereits seit dem Altertum bekannt und wurde unter anderem zwischen dem 5. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. im Corpus Hippocraticum (Sammlung von antiken medizinischen Schriften) erwähnt. Die Kryochirurgie und die Ganzkörperkältetherapie (GKKT) sind jedoch erstmals im 19. Jahrhundert aufgetaucht.

So gelten die bekannten Kneippbäder von 1821 als Vorläufer der modernen GKKT. James Arnott schaffte es Mitte des 19. Jahrhunderts Geschwülste durch Vereisung zu entfernen. Mittlerweile wird Kälte gegen zahlreiche Gesundheitsschädigungen wie etwa Rheuma, Herzrhythmusstörungen oder Katarakt (Trübung der Augenlinse) eingesetzt.

Funktion, Wirkung & Ziele – Behandlungen & Therapien

Es gibt sehr viele Anwendungsgebiete für die Kryotherapie, die sich jeweils stark voneinander unterscheiden. So kommt die Behandlung unter anderem in der Dermatologie, der Chirurgie oder der Ophthalmologie (Augenheilkunde) vor.

Sehr häufig werden durch die Anwendung von kalten Temperaturen Hautpartien wie Warzen, Blutschwämmchen, Pigmentflecken oder gar Hauttumore entfernt.

Aber auch altbekannte Hausmittel wie etwa Quarkwickeln oder Eiskompressen gehören zur Kryotherapie. Generell wird jedes medizinische Behandlungsverfahren, bei dem Temperaturen unter 0 ° C genutzt werden, als Kryotherapie bezeichnet.

 

Durchführung & Wirkungsweise:

Die Durchführung und die Wirkungsweise der verschiedenen Behandlungsverfahren der Kryotherapie unterscheiden sich deutlich voneinander. So wird bei der mildesten Form der Therapie, also der Kryotherapie als Hausmittel, lediglich eine Körperpartie gekühlt, um Schmerzen zu lindern oder um Schwellungen und Entzündungen entgegenzuwirken.

In der sogenannten Kryochirurgie wird die betroffene Stelle punktgenau und nur für ein paar Sekunden vereist. Dadurch zersetzt sich das unerwünschte Gewebe (z. B. Warzen oder Tumore), sodass es im Nachhinein vom Körper durch gesundes ersetzt werden kann. Bei dem Verfahren kann die Kälte sowohl direkt in das Gewebe als auch von außen damit in Kontakt gebracht werden (offenes und geschlossenes Verfahren).

Die verwendeten Temperaturen liegen je nach Einsatzbereich bei ca. −70 °C bis −200 ° Celsius. Während der Eingriff in der Regel nur wenige Minuten dauert, benötigt der Organismus für die Heilung etwa eine bis sechs Wochen.

Bei der Ganzkörperkältetherapie (GKKT) werden die Patienten für ein paar Minuten extrem niedrigen Temperaturen ausgesetzt. Die Anwendung erfolgt in Badebekleidung mit zusätzlicher Schutzkleidung. Damit die Restfeuchtigkeit auf der Haut verdampfen und der Körper sich allmählich an die Kälte gewöhnen kann, werden die Patienten zunächst in eine Vorkammer mit etwa -10 ° bis -60 ° Celsius gebracht.

Im Nachhinein kommen sie für ca. drei Minuten in die eigentliche Kältekammer, in der Temperaturen von unter -110 ° Celsius herrschen. Hierdurch soll eine Beeinflussung der Stoffwechselvorgänge erzielt werden. Die GKKT wird vorrangig für Rheuma-Patienten eingesetzt, findet aber auch bei weiteren Beschwerden wie etwa psychischen Erkrankungen Anwendung. Allerdings liegen hierzu noch keine ausreichenden Studienergebnisse vor.

Einige Sportler setzten die GKKT außerdem als Vorbeugung für Muskelkater ein, da hierdurch die Werte der Kreatinkinase deutlich weniger ansteigen. Das Verfahren soll ferner die Abwehrkräfte stärken, Krankheitserreger bekämpfen und die Haut straffen. Viele Patienten berichten zum Beispiel über hervorragende Ergebnisse bei Cellulite.

In der Kardiologie wird die sogenannte Kryoablation genutzt. Diese Technologie verändert die Herzmuskelzellen, die für eine Arrhythmie verantwortlich sind, und wird daher bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt.

Als Kryostripping wird ein Verfahren zur Krampfader-Behandlung bezeichnet. Dafür wird die betroffene Stammvene mit einer Kältesonde fest gefroren, sodass sie binnen Sekunden vollständig herausgezogen werden kann.

Hilft gegen:

  • Schwellungen und lokale Schmerzen (z. B. bei Prellungen oder Mückenstichen)
  • Unerwünschte Partien der Haut (z. B. bei Warzen, Blutschwämmchen, Pigmentflecken oder Hauttumoren)
  • Krankhaft verändertes Gewebe (z. B. bei Tumoren oder überschießendem Narbengewebe)
  • Rheumatischen Erkrankungen
  • Psychischen Problemen (z. B. Angststörungen. Studien hierzu laufen noch)
  • Das Absterben von Hirngewebe nach einem Schlaganfall (Studien hierzu laufen noch)
  • Krampfadern (schonendes, modernes Operationsverfahren)

Die Kryotherapie kann bei diversen Beschwerden und Erkrankungen Abhilfe verschaffen.

So haben Hausmittel wie Kühlpacks und Eiskompressen eine schmerzlindernde, entzündungshemmende und abschwellende Wirkung. Ärzte setzten professionelle Verfahren ein, bei denen Gewebe, Flüssigkeiten oder gar der gesamte Körper extrem niedrigen Temperaturen ausgesetzt werden.

Möglicherweise wird das Verfahren schon bald in weiteren Gebieten Anwendung finden. Derzeit werden unter anderem Ergebnisse von Studien aus der Neurologie und Psychologie erwartet.

 

Fördert & stärkt:

  • Stärkt die Abwehrkräfte
  • Erhöht die Zelllebensdauer
  • Fördert einen gesunden Schlaf
  • Strafft die Haut
  • Beugt Muskelkater vor
  • Fördert die Kalorienverbrennung

 

Die Ganzkörperkältetherapie wird für eine Vielzahl von Behandlungen eingesetzt. Patienten begeben sich dabei für wenige Minuten in eine Kammer mit unter -110 ° Celsius.

Währenddessen ist der Körper extremem Stress ausgesetzt. Er wappnet sich unter anderem durch die Produktion von Dopamin und Endorphinen, wodurch z. B. das Immunsystem gestärkt wird. Auch Folgen von Hormonungleichgewicht oder depressive Verstimmungen sollen hierdurch behandelt werden können.

Die Kältekammer fördert außerdem eine Verengung und Erweiterung der Gefäße. Dadurch kommt es wiederum zu erhöhten Sauerstoffwerten im Blut und folglich zu einer schnelleren Regeneration von beschädigtem Gewebe. Beim Versuch die Temperatur auszugleichen, verbrennt der Körper außerdem sehr viele Kalorien.

Risiken & Nebenwirkungen:

  • Lokaler Anwendung von Kälte: Erfrierungen möglich
  • Lokale Vereisung: keine Nebenwirkungen
  • Ganzkörperkältetherapie: umstritten

Eisbeutel Behandlung

Wer eine lokale Kälte-Anwendung in Form von Kältepacks oder ähnlichem als Hausmittel nutzen möchte, sollte das Eis niemals direkt auf die Haut legen.

Anderenfalls kann es zu Erfrierungen und damit verbundenen Schädigungen der Haut kommen.

Daher empfiehlt es sich, einen dünnen Stoff wie zum Beispiel ein Geschirrhandtuch um das Eis zu wickeln.

Die Wunden, die durch lokale Vereisung entstehen, heilen in der Regel problemlos und ohne Nebenwirkungen ab. Patienten verspüren oft ein Stechen oder Kribbeln, sobald die betroffene Stelle auftaut. Dieses Gefühl hält allerdings nur ein paar Minuten an. Während des Heilungsprozesses kann sich zudem eine mit Gewebsflüssigkeit gefüllte Blase bilden. Die Wunde kann mit einer antibakteriellen Salbe behandelt und mit einem kleinen Verband oder Pflaster abgedeckt werden. In manchen Fällen kommt es auch zu einer Schwellung, die sich aber schnell zurückbildet.

So vielfältig wie die Anwendungsgebiete der Kältekammern sind, so sehr gehen auch die Meinungen zu der Wirkung auseinander. Die positiven Effekte auf Rheuma gelten mittlerweile als bestätigt, allerdings sind Wechselwirkungen ähnlich die einer Sauna mit anschließendem Wasserbecken möglich. Studien zur Wirksamkeit bei psychischen Beschwerden konnten bislang noch nicht belegt werden.

Gegenanzeigen & Wechselwirkungen:

Absolute Kontraindikationen der Ganzkörperkältetherapie:

  • Nicht behandelter Bluthochdruck ( Werte über 160/100 mm Hg)
  • Nicht lange zurückliegender Herzinfarkt (weniger als ein halbes Jahr)
  • Dekompensierte Erkrankungen des Atmungs- und Herz-Kreislauf-Systems
  • Durchblutungsstörungen (peripher)
  • Angina pectoris (instabil)
  • Herzschrittmacher
  • Venenthrombosen (Abgelaufen)
  • Akute Harnwegs-/ Nierenerkrankungen
  • Schwere Blutarmut
  • Akute Venenentzündung
  • Akute Erkrankungen der Atemwege
  • Kälteallergien
  • Tumorerkrankungen
  • Hautinfektionen
  • Anfallsleiden

Auch Personen mit Herzproblemen wie Herzrhythmusstörungen, ischämischer Herzkrankheit oder einem Herzklappenfehler sollten auf Kältekammern verzichten.

Weitere relative Kontraindikationen sind das Raynaud-Syndrom, Immunsuppression, Polyneuropathien, Klaustrophobie, eine Schwangerschaft ab dem vierten Monat und Blutgefäßwandentzündungen.

 

Wer behandelt?

Je nach Verfahren, kann die Kryotherapie entweder selbst oder durch einen Profi durchgeführt werden. Hausmittel wie Kühlpacks können auch problemlos von einem Laien genutzt werden.

Lokale Vereisungen werden in den meisten Fällen von Dermatologen (Hautärzten) durchgeführt. Die Kryoablation findet in der Kardiologie Anwendung. Soll ein Katarakt behandelt werden, führt ein Augenarzt die Behandlung durch.

 

Unser Fazit:

Kälte kann bei vielen Beschwerden Linderung verschaffen. Das ist und war bereits vor Jahrtausenden bekannt. Die modernen Verfahren unterscheiden sich jedoch stark von der herkömmlichen Behandlung mit Eis. Die risikolose, lokale Vereisung von Hautpartien hat sich mittlerweile eindeutig bewährt.

Bei der Ganzkörperkältetherapie scheiden sich jedoch die Geister. Hierbei liegen bisher lediglich ein paar Ministudien und Theorien vor, die nicht für eine Empfehlung ausreichen. So gibt es bis dato nicht einmal standardisierte Angaben zu der Anwendung von Kältekammern.

Nichtsdestotrotz legen die vielen Berichte nahe, dass die Ganzkörperkältetherapie durchaus positive Auswirkungen auf diverse Beschwerden und Erkrankungen haben kann. Es empfiehlt sich jedoch, erst einmal fundierte wissenschaftliche Beweise dazu abzuwarten.

 

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