Ketamin

Der Wirkstoff Ketamin wird als Analgetikum und Anästhetikum verwendet. Er erzeugt die dissoziative Anästhesie, wirkt also analgetisch und narkotisch.

Dabei erhält das Ketamin die Reflexe des Patienten. Auch in höheren Dosen hält der Wirkstoff die Schutzreflexe und die Atemregulation zum größten Teil aufrecht.

Hier erfahren Sie alles Wichtige zu Ketamin, von seiner Anwendung bis hin zu seinen Nebenwirkungen.

KetaminWas ist Ketamin?

Der Wirkstoff Ketamin ist ein Arylcyclohexylamin (chirales Arylcyclohexaylamin) und ein Arzneistoff, der in der Human- als auch Tiermedizin eingesetzt wird.

Vor allem wird der Wirkstoff in der Anästhesie sowie in der Schmerzbehandlung angewendet.

Dabei nimmt Ketamin unter anderem dadurch, dass der Wirkstoff eine dissoziative Anästhesie auslöst, eine Ausnahme gegenüber anderen Narkotika und Analgetika ein. Darunter wird die Erzeugung von Schmerzfreiheit und Schlaf mit weitgehender Erhaltung des Schutzreflexes des Patienten verstanden.

In der Anästhesie ist der Wirkstoff in der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO (Weltgesundheitsorganisation) aufgelistet. Im Frühjahr 2018 haben die USA sowie im Dezember 2019 die EU Esketamin (Enatiomer (S)-Ketamin) zur Behandlung bei einer behandlungsresistenten Depression (mit strengen Auflagen) zugelassen.

Ketamin wird als dissoziative und psychotrope Substanz ebenfalls illegal als Rauschdroge eingenommen. Als chriales Cyclohexanonderivat sowie Arylcylohexylamin mit einem vorhandenen Stereozentrum ist der Wirkstoff strukturell mit Methoxetamin, 3-Methoxyphencyclidin und Phencyclidin verwandt.

Für die Therapie werden sowohl das Esketamin (enantiomerenreines Eutomer (S)-Ketamin) als auch das Racemant (1-zu1-Isomerengemisch aus (R)-Ketamin und (S)-Ketamin eingesetzt. Das (S)-Ketamin hat eine etwa doppelt so hohe Wirksamkeit wie das Racemat.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • die Herztätigkeit unterstützen
  • die Funktion des Großhirns unterdrücken
  • das Bewusstsein ausschalten
  • Schmerzempfindungen blockieren
  • den Kreislauf des Patienten stabilisieren
  • Tätigkeit der Atmung anregen

Allgemeines

Allgemeines
NameKetamin
Andere Namen
  • Ketamin (Racemat)
  • Esketamin [(S)-Enantiomer]
  • 2-(2-Chlorphenyl)-2-(methylamino)cyclohexan-1-on
  • CI-581
SummenformelC13H16ClNO
Kurzbeschreibungweißer, kristalliner Feststoff (Ketaminhydrochlorid)

Wirkungsweise

So wirkt Ketamin

Durch das Zusammenspiel diverser Botenstoffe, wie Acetylcholin oder Glutamat, wird das Bewusstsein im zentralen Nervensystem gesteuert. Dieses Bewusstsein muss bei belastenden und schmerzhaften Eingriffen ausgeschaltet werden.

Neben der Schmerzhemmung sind bei Operationen gleichzeitig die Aufhebung der Erinnerung und eine Muskelentspannung notwendig.

Die Wirkung von Ketamin entfaltet sich dadurch, dass dieses an der Andockstelle des Glutamats eine Blockade herstellt, was bewirkt, dass das Bewusstsein ausgeschaltet werden kann (reversibel).

Der Wirkstoff ist das einzige Injektions-Anästhetikum, welches zusätzlich eine schmerzhemmende Wirkung hat.

Es ist noch unklar, weshalb die antidepressive Wirkung dieses Medikaments so schnell einsetzt.

Ein jüngerer Ansatz vermutet, dass diese besondere Wirkung auf der Hemmung der NMDA-Rezeptoren, welche sich in der lateralen Habenula befinden, sowie der Enthemmung von monoaminergenen Belohnungszentren beruht.

Das pharmakologische Profil von Ketamin ist weitgehend das Profil des Racemats. Die anästhetische und analgetische Potenz von dem Wirkstoff Ketamin ist ungefähr doppelt so hoch wie jene, die das Racemat aufweist.

Damit gleichartige Wirkungen erzielt werden können, kann das Ketamin in seiner Dosis um die Hälfte reduziert werden. Des Weiteren wird Ketamin schneller zerstört.

Damit ist der Wirkstoff besser steuerbar als das Racemat. Dies führt zu einer signifikanten Verkürzung der Aufwachzeiten mit dem Wirkstoff Ketamin.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Ketamin

Ketamin muss in einen Muskel oder in eine Vene gespritzt werden. Dabei tritt die Wirkung bei einer intravenösen Gabe schon nach 30 Sekunden ein. Bei einer intramuskulären Gabe dagegen tritt die Wirkung nach fünf bis zehn Minuten ein.

Das Bewusstsein wird ungefähr eine Viertelstunde gedämpft, die Schmerzempfindung wird jedoch für mindestens 30 Minuten unterdrückt. Nach der Verteilung des Wirkstoffs im ganzen Körper baut die Leber die Substanzen ab.

Die Nieren scheiden anschließend zu einem großen Teil die Abbauprodukte aus.


Anwendungsgebiete

Wann wird Ketamin eingesetzt?

Der Wirkstoff ist als Allgemeinanästhetikum zur Durchführung und Einleitung einer Vollnarkose, als Ergänzungsmittel bei einer Regionalanästhesie sowie als Analgetikum und Anästhetikum in der Notfallmedizin zugelassen.

Bei Erwachsen in der Allgemeinanästhesie wird der Wirkstoff oftmals mit einem Hypnotikum eingesetzt. In der Kinderchirurgie als auch in der Notfallmedizin überwiegt dagegen der Einsatz ohne Hypnotika.

Da Ketamin die Bronchien erweitert, ist der Wirkstoff in Verbindung mit einem Muskelrelaxans ebenfalls für die Intubation eines Status asthmaticus zugelassen. Hier setzt man 1 bis 2 (bei Bedarf bis zu fünf) Milligramm Ketamin pro Kilogramm pro Körpergewicht ein.

Auch in der Veterinärmedizin sowie in der Pädiatrie findet Ketamin Anwendung. Der Wirkstoff kann oral, nasal, intramuskulär und intravenös verabreicht werden.

Ketamin ist demnach ein Hypnotikum als auch ein sehr potentes Analgetikum. Charakteristisch für Ketamin ist das Erzeugen einer dissoziativen Anästhesie, also ein Erzeugen von Schmerzfreiheit und Schlaf unter Erhalt der Reflextätigkeit des Patienten, dazu gehören auch die Schutzreflexe.

Die vor allem bei anderen Narkosemitteln bestehende Gefahr eines tödlichen Atemstillstands entfällt damit bei Ketamin.


Richtige Anwendung

So wird Ketamin angewendet

Ausschließlich durch Fachpersonal wird der Wirkstoff angewendet. Die Dosierung von Ketamin beträgt bei einer Schmerzbehandlung etwa 0,25 bis ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Um eine Narkose einzuleiten, wird bei einer intravenösen Gabe etwa ein bis zwei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gebraucht. Bei einer intramuskulären Gabe benötigt man dagegen vier bis sechs Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Mit dem Wirkstoff Midazolam ergibt sich eine sinnvolle Kombination. Der Vertreter der Gruppe der Benzodiazepine reduziert die Nebenwirkungen des Ketamins, wie Halluzination oder Alpträume nach der Narkose.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Ketamin?

  • Ketamin-hameln 50mg/ml: Injektionslösung
  • Ketamin-ratiopharm 100/ -500mg O.K.: Injektionslösung
  • Ketamin-ratiopharm 50mg O.K.: Injektionslösung

Handelsnamen

Monopräperate

  • Ketalar (CH)
  • Ketanest S (D)
  • zahlreiche Generika

Tiermedizin

  • Anesketin
  • Ketaset
  • Ketavet
  • Narketan
  • Ursotamin

Indikationen

Die Verabreichung von Ketamin eignet sich besonders für traumatisierte Patienten, die einen hohen Bedarf an Analgetika haben. Auch bei der Rettung von Menschen, bei denen eine Sicherung der Atmung nicht gewährleistet werden kann, bietet sich Ketamin besonders an.

Wenn Ketamin in einer höheren Dosis verabreicht werden soll, empfiehlt sich eine Kombination mit Hypnotika, damit der Patient vor psychedelischen Nebenwirkungen abgeschirmt ist. Die Kombination mit Propofol oder Midazolan in einer 1:1 Dosierung ist für Kurzeingriffe, Intubationen und Narkosen am gebräuchlichsten.

Stärkere Wirkungen von S-Ketamin werden postuliert. Weiterhin wird angegeben, dass das Ketamin reduzierte psychedelische Nebenwirkungen hat. Im klinischen Gebrauch zeigt sich jedoch kein deutlicher Unterschied bei beiden Stoffen. Dies gilt für die Wirkung sowie für die Nebenwirkungen.


Gegenanzeigen

Wann darf Ketamin nicht verwendet werden?

Der Wirkstoff darf nicht eingesetzt werden bei

Nur nach einer sorgfältigen Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt und unter ärztlicher Kontrolle darf der Wirkstoff eingesetzt werden bei

  • Herzinfarkt in den vergangen sechs Monaten
  • nicht ausreichend behandelbarer Angina pectorias
  • Grünem Star und Verletzungen am Auge mit einer Durchlöcherung des Augapfels
  • gesteigertem Hirndruck
  • Operationen der oberen Atemwege

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Im ersten Trimester einer Schwangerschaft sowie in der Stillzeit sollte Ketamin nicht eingesetzt werden, weil bisher keine ausreichenden Studien über eine Anwendung dieses Wirkstoffs in der Schwangerschaft sowie Stillzeit vorliegen.

Da der Wirkstoff die Plazenta durchdringt, muss demnach bei einer Dosierung von mehr als zwei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht mit Atemfunktionsstörungen des Fötus bei Gabe in die Vene gerechnet werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Auch Kinder können grundsätzlich mit Ketamin behandelt werden. Er muss aber nach Alter und Körpergewicht dosiert werden.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Ketamin?

Im Folgenen lesen Sie das Wichtigste zu bekannten und möglichen Nebenwirkung des Wirkstoffs. Da jeder Mensch anders auf Nebenwirkungen reagiert, können diese auftreten, müssen dies aber nicht.

Sehr häufige Nebenwirkungen:

Häufige Nebenwirkungen:

  • Stimmritzenkrampf
  • Reflexsteigerung
  • Schleimfluss in den Bronchien
  • zeitweiliges Herzrasen
  • Atemfunktionsstörung

Gelegentliche Nebenwirkungen:

Seltene Nebenwirkungen:

Sehr seltene Nebenwirkungen:

  • Patienten im Schockzustand (weitere Blutdrucksenkung)
  • Überempfindlichkeitsreaktionen

Besonderheiten:

Bei therapeutischen und diagnostischen Eingriffen kommt es zu Stimmritzenkrämpfen und Reflexsteigerungen im Bereich der Nase und Mund(obere Atemwege), vor allem bei Kindern.

Bei Eingriffen in den Bronchien und am Rachen können daher Muskelrelaxantien mit einer entsprechenden Beatmung nötig sein. Wenn nicht richtig beatmet wird, kommt es oftmals zur Zunahme des Augeninnendrucks, Zunahme des Hirndrucks als auch zu erhöhter Muskelspannung.

Bei Patienten mit schlechter Durchblutung ihrer Herzkranzgefäße sind ein verstärkter Schleimfluss sowie Atemfunktionsstörungen bedrohlich. Dabei kann es ebenso zu Lungenödemen kommen.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Ketamin?

In Kombination mit Benzodiazepinen (Schlafmittel) oder Neuroleptika kann es bei der Anwendung dieses Wirkstoffs zu einer verlängerten Wirkdauer kommen. Dabei sind die Nebenwirkungen abgeschwächt.

Die Verbindung von Ketamin mit Aminophyllin kann möglicherweise das Risiko, Krampfanfälle zu erleiden, erhöhen.

Die Einnahme von indirekt oder direkt wirkenden Alpha-Sympathomimetika und Schilddrüsenhormonen kann mit dem Einsatz von Ketamin zu Bluthochdruck sowie Herzrasen führen.

Muskelrelaxantien wie Pancuronium, Atracurium oder Vecocuronium können in ihrer Wirkung durch Ketamin verstärkt und verlängert werden.

Ketamin intensiviert die Anästhesie-Wirkung des Wirkstoffs Halothan, weshalb in diesem Fall oft niedrigere Dosierungen des Halothans ausreichen. Bei parraleler Anwendung von Halothan, Kethamin und Epinephrin ist außerdem das Risiko von Herzrhythmusstörungen erhöht.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Ketamin zu beachten?

Bei schweren psychischen Problemen, Herz-Kreislauf-Problemen, erhöhtem Hirndruck sowie erhöhtem Augeninnendruck sollte das Medikament nur nach strenger ärztlicher Abwägung von Nutzen und Risiko eingesetzt werden.

Gegenanzeigen

Ketamin darf nicht bei Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion oder Bluthochdruck angewendet werden. Xanthinderivate wie Theophyllin dürfen nicht mit diesem Wirkstoff kombiniert werden, weil es ansonsten zu Krampfanällen kommen kann.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen können bei einer gleichzeitigen Anwendung von anderen Wirkstoffen auftreten. Sympathomimetika wie Adrenalin, Xylometazolin, Fenoterol und Schilddrüsenhormone können die Nebenwirkungen des Medikaments verstärken.

Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen

Nach einer Anästhesie mit diesem Wirkstoff sollte der Patient für mindestens 24 Stunden keine schwere Maschinen bedienen und nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen, weil Ketamin das Reaktionsvermögen stark beeinträchtigen kann. Nur in Begleitung sollte man sich nach einer ambulanten Operation nach Hause begeben.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Ketamin

Präparate, welche Ketamin enthalten, sind für Privatpersonen nicht in der Apotheke erhältlich und verschreibungspflichtig. Ketamin darf nur von Fachpersonal für eine Narkoseeinleitung verwendet werden.


Geschichte

Seit wann ist Ketamin bekannt?

1962 wurde Ketamin erstmals von einem Chemiker namens Stevens entwickelt. Die erste Anwendung an Menschen erfolgt drei Jahre später. In Deutschland ist der Wirkstoff seit dem Jahr 1969 zugelassen.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Manchmal löst der Arzneistoff allergische Reaktionen aus. Sollten sich Anzeichen einer solchen Reaktion bemerkbar machen, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Nach einer Anästhesie mit diesem Wirkstoff darf der Patient nur in Begleitung nach Hause gehen und ebenfalls keinen Alkohol konsumieren.

  • Nur erfahrene Narkose-Ärzte dürfen das Medikament spritzen und auch nur in dem Fall, in welchem eine Möglichkeit für eine künstliche Beatmung besteht.
  • De Patient darf mindestens zwölf Stunden nach einer Narkose mit Ketamin kein Autofahren, ohne sicheren Halt arbeiten und Maschinen bedienen.

Quellen

  • Schulte am Esch, J. et al.: Duale Reihe Anästhesie: Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2011
  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
  • Tonner, P. & Hein, L.: Pharmakotherapie in der Anästhesie und Intensivmedizin, Springer Medizin Verlag, 2011
  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Joos, L: Pharmakologie aktiv, Govi-Verlag, 1. Auflage, 2009

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