Pseudokrupp

Pseudokrupp

Trockener, bellender Husten, Heiserkeit und Atemnot sind kennzeichnend für eine PseudokruppErkrankung, die vorrangig bei Säuglingen und kleinen Kindern auftritt.

Das Kind hat Schwierigkeiten beim Atmen und ist deutlich unruhig. Meist kann den Symptomen sofort entgegengewirkt werden, indem die Kinder beruhigt werden und ihnen in aufrechter Haltung frische Luft zugeführt wird.

Bei einem schwereren Krankheitsverlauf sollte jedoch auf jeden Fall der Kinderarzt konsultiert werden, welcher weiterführende Maßnahmen ergreifen und somit einen lebensbedrohlichen Verlauf mit starker Atemnot verhindern kann.

Was ist Pseudokrupp

Pseudokrupp (auch akute stenosierende LaryngotracheitisLaryngitis subglottica, kurz KruppKrupp-Syndrom oder Krupphusten genannt) bezeichnet eine unspezifische Entzündung der Atemwege im Bereich des Kehlkopfes unterhalb der Stimmritze.

Zu Deutsch bedeutet Pseudokrupp falsche oder unechte Kehlkopfentzündung und steht im Gegensatz zum sog. echten Krupp, welcher bei Diphterie auftreten kann. Dieser Erkrankung wird mittels Impfung entgegengewirkt und tritt nur noch sehr selten auf, so dass die Bezeichnungen mittlerweile Synonym verwendet werden.

Pseudokrupp tritt vorrangig bei Säuglingen und Kleinkindern im Alter zwischen 6 Monaten und 6 Jahren auf und ist gekennzeichnet durch einen bellenden Husten und Heiserkeit, bis hin zu Atemnot.

Am häufigsten trifft es Kinder im Alter von 18 Monaten und 3 Jahren. Zudem sind Jungen etwas häufiger betroffen, ALS Mädchen. Nur sehr selten erkranken Jugendliche oder Erwachsene.

Ursachen von Pseudokrupp

Ursächlich ist in den meisten Fällen eine virale Infektion.

Dabei treten folgende Erreger am häufigsten auf:

In selteneren Fällen sind Masernviren, Windpockenviren, Herpes-simplex und Epstein-Barr-Viren Ursache für eine Infektion.

Die Infektion hat die Entzündung der Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfes zur Folge, infolge derer die Schleimhaut anschwillt. Zudem kommt es im unteren Kehlkopfausgang sowie oberen Luftröhrenbereich zu einem Muskelkrampf. Das hat zur Folge, dass sich die Atemwege verengen. Aufgrund dessen, dass bei Kleinkindern die Atemwege noch sehr schmal sind, wirkt sich die Schwellung bei ihnen stärker auf den Luftstrom aus. Bei größeren Kindern und Erwachsenen hat eine Verengung der Atemwege weniger akute Auswirkungen. Überdies kann sich Schleim in den Bronchien sammeln.

Neben der viralen Infektion können allergische oder pseudoallergische Ursachen für eine Erkrankung genannt werden. Sie treten weit seltener auf und führen zum spastischen Pseudokrupp. Auch in einem solchen Fall entzündet sich die Schleimhaut des Kehlkopfes und der oberen Atemwege.

Symptome & Anzeichen bei Pseudokrupp

In den meisten Fällen leiden die Betroffenen bereits vorher an einer Infektion der oberen Atemwege, einhergehend mit Husten, Schnupfen und gelegentlich auch Fieber. Wenn sich die Infektion ausbreitet, können sich die unteren Atemwege entzünden und so Pseudokrupp-Anfälle verursachen.

Charakteristisch für die Erkrankung an Pseudokrupp sind ein trockener, bellender Husten, starke Heiserkeit, geringe Schluckbeschwerden und pfeifende Geräusche beim Einatmen. Es kann überdies zur Entzündung der Nasen- und Rachenschleimhaut (Rhinopharyngitis) kommen und leichtem Fieber auftreten. Der Allgemeinzustand des Betroffenen ist leicht beeinträchtigt.

Bei einem akuten Krankheitsverlauf kann es darüber hinaus zu Atemnot kommen. In schweren Fällen ist dies durch sichtbares Einziehen der Haut in den Vertiefungen zwischen den Rippen und den Schlüsselbeinen erkennbar. Folgen einer zu geringen Sauerstoffversorgung des Körpers können Herzrasen und Blaufärbung von Lippen und Fingernägeln sein.

Wann tritt Pseudokrupp vermehrt auf?

In den meisten Fällen tritt Pseudokrupp nachts auf. Vermutet wird eine verminderte endogene Cortisolproduktion. Das Hormon Cortisol wirkt abwehrend gegenüber Entzündungen und befindet sich nachts auf einem Tiefstand, weswegen der Körper schlechter auf Entzündungen reagieren kann.

Zudem wird beobachtet, dass es vermehrt im Herbst und Winter, also im Zeitraum von Oktober bis März zu Erkrankungen kommt, da die klimatischen Verhältnisse das Immunsystem stark beeinflusst und der Körper weniger widerstandsfähig ist. In dieser Zeit wirkt die trockene Heizungsluft zusätzlich schleimhautreizend.

Schließlich haben Schadstoffe in der Luft, wie Nikotin oder starke Luftverschmutzungen einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Diagnose & Krankheitsverlauf von Pseudokrupp

Anhand der auftretenden Symptome wird die Diagnose erstellt. Da eine Abgrenzung zu anderen Erkrankungen häufig nur schwer möglich und der Verlauf lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann, muss die Diagnose sorgfältig erfolgen.

Seltener kann eine Untersuchung der Blutwerte bei der Diagnose von Pseudokrupp helfen. Einige Entzündungsparameter können dabei auf eine bakterielle Rachenentzündung hinweisen.

Die Erkrankung wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt, und erfolgt anhand des sog. Westley-Scores. Dabei handelt es sich um ein Punktesystem, mit Hilfe dessen den verschiedenen Symptomen Punkte vergeben und summiert werden. Bewertet werden dabei die Stärke der Atemgeräusche (Stridor), die Ausprägung der Einziehungen der Haut, die Schwere der Atemnot (Ventilation), die Blaufärbung der Lippen und Fingernägel (Zyanose) sowie das Bewusstsein des Betroffenen.

Je nach Summe der Punkte erfolgt die Einstufung der Erkrankung in 4 Schweregrade.

  • Schweregrad 1: Milder Pseudokrupp (2 Punkte oder weniger)

gekennzeichnet durch milden Husten, Heiserkeit, leise Geräusche beim Einatmen und im unruhigen Zustand

  • Schweregrad 2: Moderater Pseudokrupp (3 – 5 Punkte)

Gekennzeichnet durch leichte Atemgeräusche im Ruhezustand, beginnende Atemnot, leichte Einziehung am Hals

  • Schweregrad 3: Schwerer Pseudokrupp (6 – 11 Punkte)

Gekennzeichnet durch Atemnot im Ruhezustand, deutliche Einziehungen der Haut am Brustkorb, Blässe, erhöhte Herzfrequenz

  • Schweregrad 4: Bevorstehende respiratorische Ineffizienz (mehr als 12 Punkte)

Gekennzeichnet durch starke Atemnot, Blaufärbung der Lippen und Fingernägel, langsamer Puls, Schläfrigkeit, Erstickungsgefahr

In den allermeisten Fällen handelt es sich um einen milden Pseudokrupp. In weniger als 1 % der Fälle liegt ein schwerer Pseudokrupp vor.

Behandlung & Therapie von Pseudokrupp

 

Sofortige Maßnahmen

In jedem Fall ist es von besonderer Wichtigkeit, beruhigend auf das Kind einzuwirken, da die subjektiv empfundene Luftnot oftmals zu Angst führt und die Symptomatik zusätzlich verstärken kann. Je ruhiger das Kind ist, desto weniger Sauerstoff verbraucht es. Das wiederum verringert die Luftnot. Die Kinder sollten dabei aufrecht auf den Arm genommen und wenn möglich kalte, frische Luft zugeführt werden.

Es wird häufig angenommen, dass die Raumluft feucht gehalten werden soll, um dem Anfall entgegenzuwirken. Allerdings ist es nach aktuellem Stand eher zweifelhaft, dass diese Maßnahme die Symptome lindert.

Kinderärzte empfehlen in manchen Fällen die Gabe von Prednison-Zäpfchen, die eine abschwellende Wirkung haben. Wenn das Kind zusätzlich an Fieber leidet, können fiebersenkende Mittel, wie Paracetamol, gegeben werden.

In den meisten Fällen handelt es sich um einen milden Pseudokrupp-Anfall. Die Symptome klingen ab und eine Weiterbehandlung ist nicht nötig.

Weiterführende Maßnahmen und Behandlungen

Da der Verlauf der Erkrankung nicht vorhersehbar ist und der Übergang in eine lebensbedrohliche Situation jederzeit möglich ist, sollte bei Verdacht auf Pseudokrupp ein Kinderarzt oder Allgemeinarzt konsultiert werden. Bei einem schweren Verlauf der Erkrankung ist eine stationäre Einweisung unumgänglich.

Bei allen Schweregraden erfolgt die einmalige Gabe von Glucocorticoiden (Dexamethason, Prednison, Prednisolon). Das Abschwellen der Schleimhaut setzt meist innerhalb von 30-60 ein und hält über viele Stunden an.

Bleibt die Wirkung aus oder wurde die Erkrankung als moderat oder schwer eingestuft, wird zusätzlich Adrenalin zur Inhalation verabreicht. Hier setzt die abschwellende Wirkung innerhalb von 10 Minuten ein, hält allerdings nur wenige Stunden an. Bei schwerer Atemnot kann ergänzend Sauerstoff über eine Maske zugeführt werden.

In seltenen schweren Fällen wird unter Narkose eine Intubation durchgeführt, wenn sich der Zustand weiter verschlechtert.

Hausmittel bei Pseudokrupp

Wenn sichergestellt ist, dass keine schwere Erkrankung vorliegt, können einzelne Symptome des Pseudokrupps mit Hausmitteln gelindert werden.

Bellender, Trockener Husten als Folge gereizter Schleimhäute kann mittels ausreichender Flüssigkeitszufuhr (kühles Wasser oder abgekühlter Tee) gelindert werden. Die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit begünstigt dies zusätzlich.

Des Weiteren können bei einer Entzündung des Kehlkopfes Kamille, Emser-Salze oder verschiedene Heilpflanzenöle inhaliert werden. Kamillenblüten und deren ätherische Öle haben eine entzündungshemmende, antibakterielle und antivirale Wirkung. Eine ähnliche Wirkung erzielen Emser-Salze. Die Inhalation sollte wiederholt durchgeführt werden.

Kann Pseudokrupp homöopathisch behandelt werden?

Wenn ein schwerer Krankheitsverlauf ausgeschlossen werden kann, können einige homöopathischen Mitteln helfen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Dabei sind die in Verbindung mit dem Pseudokrupp auftretenden Symptome ausschlaggebend, welche homöopathischen Mittel eingesetzt werden sollten. Genannt seien hier zum Beispiel Aconit napellus, das am häufigsten verwendete Mittel, Hepar sulfuris, Phosphorus sowie Belladonna. Bei wiederkehrenden Pseudokrupp-Anfällen ist es ratsam, ein Konstitutionsmittel zu suchen, um schnell auf einen Anfall reagieren zu können.

Kann man einer Pseudokrupp-Erkrankung vorbeugen?

Es gibt keine Maßnahmen, einer Pseudokrupp-Erkrankung vorbeugen zu können. Häufig ist ein erster Anfall nicht zu vermeiden, da er sehr unvermittelt und meist mitten in der Nacht auftritt. Häufig sind die betroffenen Kinder vorab erkältet oder an einem grippalen Infekt erkrankt. In einem solchen Fall kann es helfen, vor allem nachts für eine höhere Luftfeuchtigkeit und frische Luft im Raum zu sorgen. Regelmäßiges Trinken und Inhalieren von Kochsalzlösung kann Hustenbeschwerden vermindern.

Des Weiteren ist es ratsam, den Umgang mit kranken Kindern zu meiden und verstärkt auf Hygiene zu achten. Zudem wird angenommen, dass das Einatmen von Schadstoffen, wie zum Beispiel Zigarettenqualm, den Krankheitsverlauf begünstigt und die Symptome verstärkt. Deswegen und grundsätzlich sollte darauf geachtet werden, dass im Umfeld von Kindern nicht geraucht wird.

Fragen & Antworten zu Pseudo Krupp

Ist Pseudokrupp ansteckend?

Die der Erkrankung zugrunde liegende Infektion ist meistens ansteckend. Viren können durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel durch Niesen und Husten, übertragen werden. Eine Übertragung kann außerdem durch infizierte Gegenstände, wie Tassen oder auch Taschentücher, erfolgen.

Wie äußert sich eine Pseudokrupp-Erkrankung bei Erwachsenen?

Die Erkrankung verläuft meist wesentlich leichter, als bei Säuglingen und Kleinkindern. Da die Atemwege bei Erwachsenen nicht so schmal sind, kommt es äußerst selten zu Atemnot. Meist leiden sie nur unter dem typischen bellenden Husten, Heiserkeit und Erschöpfung. Auch bei Erwachsenen treten die Pseudokrupp-Anfälle vermehrt nachts auf.

Wie lange hält die Erkrankung an?

Die Dauer der Erkrankung an Pseudokrupp kann zwischen 2 Tagen und 2 Wochen liegen. Das ist maßgeblich vom allgemeinen Gesundheitszustand des Betroffenen abhängig. Vereinzelt kann es dennoch über diesen Zeitraum hinaus zu Pseudokrupp-Anfällen kommen.

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