Folsäure

Auch bekannt als: 
Bezeichnung: 

Folsäure / Folat, Vitamin B12
Ähnliche Tests: 


Auf einen Blick

Warum werden Vitamin b12 bzw. Folsäure / Folat untersucht?

  • Zur Klärung der Ursachen von Anämien (Blutarmut) oder Neuropathien (Nervenschädigungen)
  • Zur Beurteilung des Vitamin B12– bzw. Folatstatus bei Patienten mit Mangelernährung
  • Zur Therapiekontrolle einer Behandlung bei Vitamin b12- oder Folsäure / Folatmangel

Bei welchen Erkrankungen sollte Vitamin b12 bzw. Folsäure / Folat untersuchen werden?

Beim Vorliegen von Reifungsstörungen der Blutzellen, bei Anämie (insbesondere mit vergrößerten Erythrozyten) oder bei einer unklaren Neuropathie. In der Substitutionsbehandlung eines b12- oder Folatmangels sollte Vitamin b12 und die Folsäure / Folat kontrolliert werden.

Aus welchem Probenmaterial wird die Bestimmung des Vitamin b12 und Folsäure / Folats durchgeführt?b
Aus einer venösen Blutprobe (am ehesten gewonnen durch eine Armvenenpunktion).


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Bei dieser Untersuchung wird die Konzentration der Folsäure / des Folats und des Vitamin b12 im Serum (dem flüssigen Anteil des Blutes) bestimmt. Auch die Menge an Folat in den roten Blutkörperchen (RBC =red blood cells) kann gemessen werden. Normalerweise ist die Konzentration in den Zellen höher als im Serum.
Die Begriffe Folsäure und Folat werden häufig synonym verwendet. Folsäure beschreibt die Grundsubstanz, die vom Organismus aufgenommen wird (siehe auch unten). Die Bezeichnung „Folate“ schließt zusätzlich die Umbauprodukte des Körpers mit z.B. dem aktiven Enzymkofaktor Tetrahydrofolat (THF) mit ein.

Sowohl Vitamin b12 als auch Folat gehören zum B-Vitamin-Komplex und werden aus der Nahrung aufgenommen. Folate sind Umbauprodukte der Folsäure, die als Grundsubstanz aus der Nahrung aufgenommen wird. Bedeutsam ist vor allem das Tetrahydrofolat als Kofaktor für enzymatische Reaktionen. Die für die Vitaminversorgung notwendige Konzentration in Lebensmitteln ist auf Nahrungsmitteletiketten als „Folsäure“ zu erkennen. Folate bzw. Folsäure ist v.a. in grünem Blättergemüse, Zitrusfrüchten, getrockneten Bohnen und Erbsen, Leber, Getreideprodukten und Hefe zu finden.
Vitamin b12 hingegen kommt vor allem in Tierprodukten wie rotem Fleisch, Fisch, Geflügel, Milch und Eiern vor. Heutzutage sind auch angereichertes Müsli, Brote und andere Getreideprodukte eine wichtige Quelle für Vitamin b12 und Folat.

Sowohl Vitamin b12 als auch Folate sind für eine normale Bildung der Blutzellen, insbesondere der roten Blutkörperchen, die Gewebe- und Zellreparatur sowie die DNS-Synthese notwendig. Vitamin b12 ist auch für die Funktion des Nervengewebes wichtig. Folat hat eine große Bedeutung für die Zellteilung und die Funktion der Gefäßwand.  Ein Mangel an einem der beiden Vitamine kann zu einer Form der Anämie führen, die aufgrund der gestörten Zellentwicklung zur Bildung einer verringerten Anzahl, jedoch vergrößerter roter Blutkörperchen (so genannte Makrozyten) führt. Ein Vitamin b12-Mangel kann sich auch in Neuropathien (Nervenschädigungen) unterschiedlichen Schweregrades manifestieren.  Mögliche Symptome sind Taubheit oder Kribbeln in den Händen und Füssen des Betroffenen. Ein Mangel an Folat kann Defekte des Neuralrohrs wie z.B. einen offenen Rückenmarkskanal (Spina Bifida) beim Embryo bzw. Föten verursachen.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Aus einer venösen Blutprobe (am ehesten gewonnen durch eine Armvenenpunktion).


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Primär werden Vitamin b12- und Folatbestimmungen zur Suche nach den Ursachen einer makrozytären Anämie eingesetzt. Sie werden als weitergehende Untersuchung angeordnet, wenn bei einer Blutuntersuchung große rote Blutkörperchen oder eine verringerte Hämoglobinkonzentration festgestellt werden.
Folat, Vitamin b12 und eine Reihe von anderen Tests können bei der Beurteilung des allgemeinen Gesundheits- und Ernährungszustandes eines Patienten mit Anzeichen einer Fehlernährung oder Malabsorption (einer verschlechterten Aufnahme der Bestandteile der Nahrung aus dem Darm) bei Erkrankungen wie Morbus Crohn, zystischer Fibrose oder Zöliakie helfen.

Vitamin b12 und Folat können auch zur Abklärung psychiatrischer Auffälligkeiten wie z.B. einer Wesens- oder Geistesveränderung, vor allem bei älteren Personen mit häufiger Mangelernährung, herangezogen werden.Eine verringerte Vitamin b12- oder Folatkonzentration im Blut kann auch bei Patienten mit Neuropathie gefunden werden.

Bei Patienten mit bekanntem Vitamin b12- oder Folatmangel kann die regelmäßige Bestimmung dieser Vitamine zur Überwachung des Therapieerfolges dienen. Dies nimmt besonders bei Patienten mit einer dauerhaften Störung, die somit auf eine lebenslange Therapie angewiesen sind, eine wichtige Stellung ein.

Neben der Gesamt-Vitamin b12-Konzentration im Serum kann auch der aktive Anteil, das an sein Trägerprotein gebundene Vitamin b12 (Holotranscobalamin) bestimmt werden. Insbesondere bei leichten Mangelzuständen kann dieser Parameter einen Vitamin b12-Mangel besser erkennen. Zudem wird im Rahmen der Vitamin b12-Diagnostik häufig auch Methylmalonylsäure (MMA) gemessen. Da dieser Metabolit Vitamin b12-abhängig abgebaut wird, ist seine Konzentration im Blut bei Vitamin b12-Mangel im Gegensatz zu Vitamin b12 (gesamt) und Holotranscobalamin erhöht. Im Rahmen einer vollständigen Vitamin b12-Diagnostik sollten die drei genannten Analyten bestimmt werden, um eine größtmögliche Genauigkeit zu erzielen.

Ergänzend zur Bestimmung des Folats im Serum kann auch die Menge in den roten Blutkörperchen gemessen werden. Die meisten Ärzte Gehen davon aus, daß die Bestimmung in den Zellen keinen wesentlichen Vorteil bringt und mit einer größeren Meßungenauigkeit behaftet ist.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Vitamin b12 und Folat werden häufig untersucht, wenn bei einem Blutbild, das routinemäßig oder aufgrund von Anämiesymptomen durchgeführt wurde, große rote Blutkörperchen auffallen.

Wenn Geistes- oder Wesensveränderungen wie Gereiztheit, Verwirrung, Depression und/ oder Paranoia auffallen, kann eine Untersuchung des Vitamin b12 und des Folats beim Aufdecken der zugrunde liegenden Ursache helfen. In diesem Zusammenhang sind besonders ältere Mengschen betroffen, die relativ häufig unter einer Mangelernährung aufgrund eigneschränkter Nahrungsaufnahme und einer verminderten Resorptionsfähigkeit des Darms leiden.

Auch bei Verdacht auf eine Nervenschädigung oder –funktionseinschränkung mit Symptomen wie Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühlen in Händen, Armen Beinen und/ oder Füßen, kann ein Test auf Vitamin b12 sinnvoll sein, um einen Mangel aufzudecken.

Vitamin b12 und Folat sind manchmal auch Teil einer Untersuchung zur Bewertung des allgemeinen Gesundheitszustandes bei Patienten mit Zeichen einer gestörten Nährstoffaufnahme oder mit Krankheiten, die die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen. Liegt bei einem gestillten Säugling ein Vitamin b12- oder Folatmangel vor, sollte auch die Mutter dahingehend untersucht werden, um festzustellen, ob beide betroffen sind.

Während einer Behandlung eines Vitamin b12- oder Folatmangels kann die regelmäßige Bestimmung der Werte zur Therapiekontrolle herangezogen werden. Bei einem unterernährten Patienten kann dies auch als Nachsorgeuntersuchung nach abgeschlossener Therapie erfolgen. Bei Patienten mit Erkrankungen, die einen chronischen Mangel verursachen, können diese Bestimmungen auch Teil eines Langzeitbehandlungsplanes sein.

Was bedeutet das Testergebnis?
Der behandelnde Arzt sucht in der Regel nach einem Vitamin b12- und/oder Folatmangel. Die Bedeutung von erhöhten Werten ist unklar. Zudem ist die obere Normwertgrenze nicht bekannt. Liegt eine verringerte Konzentration an Vitamin b12 und/oder Folat vor, ist es wahrscheinlich, dass der Untersuchte in einem bestimmten Ausmaß an einem Mangel leidet. Die Testergebnisse zeigen einen vorhandenen Mangel auf, spiegeln aber nicht notwendigerweise den Schweregrad einer Anämie oder Neuropathie, die mit dem Mangel oder seiner zugrunde liegenden Ursache vergesellschaftet ist, wider.

Es gibt eine Vielzahl an Ursachen für einen b12 und/oder Folatmangel. Diese beinhalten:
Unzureichende Zufuhr
Der menschliche Körper besitzt einen großen Vitamin b12-Speicher in der Leber, der den Bedarf bei einsetzendem Mangel über Monate bzw. Jahre sichern kann. Da außerdem Vitamin b12 als Nahrungsmittelzusatz verfügbar ist, ist einnahrungsbedingter Mangel an b12 äußert selten. Manchmal kann ein derartiger Mangel bei allgemeiner Unterernährung oder bei Veganern (Ernährungsweise ohne tierische Produkte einschließlich Milch und Eiern) beobachtet werden sowie bei Kinder von Veganern und gestillten Kindern. Da sie noch nicht über den Vitamin b12-Speicher wie Erwachsene verfügen, werden Mängel bei Kindern schneller manifest.

Die Häufigkeit des Folsäuremangels ist insbesondere in den USA seit der Einführung von angereichertem Getreide, Brot und Getreideprodukten seltener geworden. Da Folat im Gewebe in geringerem Maße als Vitamin b12 gespeichert wird (Speicherreserve Wochen), wirkt sich eine Folsäuremangel schneller aus. Zudem muss natürlich zur Sicherung der ausreichenden Vitaminversorgung die Folataufnahme regelmäßiger erfolgen als die des Vitamin b12.

Malabsorbtion
Sowohl ein Mangel an Vitamin b12 als auch an Folat kommt bei Erkrankungen vor, die die Aufnahme der beiden Substanzen im Dünndarm stören:

  • Perniziöse Anämie (die häufigste Ursache eines Vitamin b12-Mangels): Normalerweise wird von den Parietalzellen des Magens ein Molekül, der so genannte Intrinsic Factor, hergestellt. Vitamin b12 wird an den Intrinsic Factor im Magen gebunden. Dieser Komplex wird im Dünndarm aufgenommen. Bei der perniziösen Anämie wird nur wenig oder kein Intrisic Factor produziert. Dadurch wird die Aufnahme des Vitamin b12 verhindert.
  • Zöliakie (eine Unverträglichkeit von bestimmten Weizenproteinen, die eine Darmentzündung und eine gestörte Nahrungsaufnahme im Darm verursacht)
  • Fehlbesiedelung mit Bakterien in Magen und Darm
  • Reduzierte Magensäureproduktion (Die Magensäure ist zur Trennung des Vitamin b12 vom Nahrungseiweiß notwendig)
  • Teilentfernungen des Magens (und der Parietalzellen) oder des Dünndarms können die Aufnahme schwerwiegend einschränken.

Erhöhter Verlust

  • Leber- und Nierenerkrankungen
  • Alkoholismus: Bei Alkoholmissbrauch wird weniger Vitamin b12 und Folsäure aufgenommen und vermehrt von den Nieren ausgeschieden.
  • Krampfhemmende Medikamente wie Dilantin und Phenytoin können ebenso wie Metformin und Methotrexat die Bildung des aktiven Kofaktors Folat hemmen.

Erhöhter Bedarf

In der Schwangerschaft wird eine höhereMenge an Folat für eine normale Entwicklung des Feten benötigt. Liegt bei einer Frau bereits vor der Schwangerschaft ein Folatmangel vor, so wird dieser durch die Schwangerschaft verstärkt und kann zu einer Frühgeburt oder Neuronalrohrdefekten bei Kind führen.

Wird ein Patient mit einem Vitamin b12- oder Folatmangel mit Zusätzen oder Vitamin b12-Injektionen behandelt, sollten Kontrolluntersuchungen einen normalen oder leicht erhöhten Spiegel ergeben und somit den Behandlungserfolg anzeigen.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Wird ein kombinierter Mangel an Vitamin b12 und Folat nur mit der Einnahme von Folsäure behandelt, so wird der bestehende Vitamin b12-Mangel maskiert. Die Anämie, die mit beiden verbunden ist, kann sich bessern, die zugrunde liegende Neuropathie bleibt jedoch bestehen.

Der Schilling-Test wurde früher sehr häufig zur Bestätigung einer perniziösen Anämie als Ursache eines Vitamin b12-Mangels eingesetzt. Auch heute wird er noch gelegentlich angefordert. Der Nachteil liegt darin, dass radioaktives Vitamin B12notwendig ist. Der Schillingtest wurde teilweise durch die Messung der Antikörper gegen den Intrinsic Factor und die Parietalzellen ersetzt.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Die Folsäurekonzentration im Serum ist bei Raumtemperatur mindestens 8 h, bei 4° C mind. 48 h stabil.
Für die Folsäurebestimmung sollte Serum wegen der im Mittel niedrigeren Werten verwendet werden. Für die Vitamin b12-Bestimmung ist sowohl Serum als auch Plasma geeignet.

Für beide Untersuchungen sollten die Proben lichtgeschützt gelagert und transportiert werden.

Referenzbereiche (Erwachsene)

  • Folsäurekonzentration im Serum > 5,38 µg/l (Cut-off-Wert zum weitgehenden Ausschluß eines Folsäuremangels)
    Die Verwendung von Referenzbereichen ist in Europa aufgrund des häufigen Folsäuremangels mit Vorsicht zu bewerten. Die entsprechenden Bereiche liegen in Ländern mit Substitution wie den USA höher.
  • Vitamin b12-Konzentration im Serum / Plasma 211 – 911 ng/l (156-627 pmol/l)
    Da die Sensitivität für einen Vitamin b12-Mangel im unteren Referenzbereich limitiert ist, wird ein Cut-off-Wert von > 300 ng/l zum weitgehenden Ausschluß eines Vitamin b12-Mangels empfohlen. Unterhalb des Cut-off-Wertes wird mit den Parametern Holotranscobalamin und Methylmalonsäure (MMA) weiter differenziert.

Wichtig: 

Insbesondere die immunologisch basierten Messverfahren weisen bei unterschiedlicher Spezifität der Antikörper teilweise differierende Referenzbereiche auf.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten

  • Folsäure / Folat sowie Vitamin b12 sind lichtempfindlich und müssen lichtgeschützt gelagert und transportiert werden.
  • Für die Folsäurebestimmung ist zur Detektion eines Mangels Serum bei im Mittel niedrigeren Messwerten besser geeignet als Plasma. Für die Vitamin b12-Bestimmung ist sowohl Serum und Plasma geeignet.
  • Die Folsäurebestimmung in den Erythrozyten bringt bei größerer, technisch bedingter Messungenauigkeit keine wesentlichen praktischen Vorteilen gegenüber der Bestimmung im Serum.
    • Hämolytische Seren führen bei höhere Folsäure / Folatkonzentration in den Erythrozyten zu falsch-hohen Messwerten.
      Da insbesondere die Folsäurebestimmung sehr nahrungsabhängig ist, sollte die Blutprobe nüchtern abgenommen und ggf. an folgenden Untersuchungstagen kontrolliert werden.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle

Die Parameter Vitamin b12 und Folsäure / Folat sind nach der Richtlinie „Labor“ der Bundesärztekammer vom 24.08.2001 (letzte Änderung 14.11.2003) nicht ringversuchspflichtig. Eine interne Qualitätskontrolle sollte jedoch durchgeführt werden.


Häufige Fragen

Kann die Einnahme von zu hohen Vitamin b12- und Folsäuremengen über Vitaminpräparate den Körper schädigen?

Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass möglicherweise schädigende Einflüsse bei übermäßiger Substitution möglich sind. Es sollten die vorgeschriebenen Dosierungen beachtet werden.

Gibt es einen Unterschied zwischen Folsäure und Folat?
Folsäure wird aus der Nahrung aufgenommen und im Organismus zu verschiedenen aktiven Formen umgebaut. Das wichtigste Produkt ist das Tetrahydrofolat, welches bei vielen enzymatischen Reaktionen als Kofaktor wirkt.

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