Xipamid

Erkrankungen der Herzens, der Nieren oder auch der Leber können als Nebenwirkung verursachen, dass sich Wasser im Körper ablagert. Diese Ablagerungen, die medizinisch auch als Ödeme bezeichnet werden, können die betroffenen Personen stark behindern. Darum erhalten die Patienten Präparate mit dem Wirkstoff Xipamid, die die Flüssigkeitsansammlungen wieder aus dem Körper schwemmen.

XipamidWas ist Xipamid?

Xipamid ist ein Wirkstoff, der in die Gruppe der Diuretika gehört. Er ähnelt im Aufbau und der Strukturformel Thiazid und hat die Eigenschaft, dass er die Ausscheidung und die Ausschwemmung von Flüssigkeiten fördert. Weil die ausgeschwemmten Flüssigkeiten zum Teil über den Blutkreislauf transportiert werden, wird durch den Wirkstoff auch das Blut verdünnt, was den allgemeinen Blutdruck senkt.

Der Wirkstoff gilt allgemein als sehr gut verträglich. Darum ist er auch einer der wichtigsten Wirkstoffe, um gleichzeitig den Blutdruck zu senken und Ödeme zu behandeln. In seiner Ursprungsform liegt der Wirkstoff, der zu den Sulfonamiden gehört, als weißes Pulver vor. Es wird als Medikament meistens oral eingenommen und von den Verdauungsorganen aufgespalten, um seine Wirkung zu entfalten. Die Wirkungsdauer kann dabei variieren. Im Schnitt wirkt Xipamid aber bis zu sieben Stunden.

Xipamid wird hauptsächlich erwachsenen Patienten verschrieben, um beispielsweise Wasseranschwemmungen aufgrund von Nierenschäden, Lebererkrankungen oder Herzleiden zu behandeln. Wie das Medikament auf minderjährige Patienten wirkt, ist bisher noch nicht ausreichend untersucht worden.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Die Förderung von Flüssigkeitsausscheidungen
  • Gesteigerte Ausscheidung von Elektrolyten
  • Das Senken von Bluthochdruck
  • Eingelagertes Wasser ausschwemmen

Allgemeines

Allgemeines
NameXipamid
Andere Namen4-Chlor-N-(2,6-dimethylphenyl)-2-hydroxy-5-sulfamoylbenzamid (IUPAC)
SummenformelC15H15ClN2O4S
Kurzbeschreibungweißer Feststoff

Wirkungsweise

So wirkt Xipamid

Xipamid wird von den Nieren aufgenommen. Im sogenannten distalen Tubus der Nieren dringt der Wirkstoff in die Nierenzellen ein. Dort blockiert Xipamid die Transportmechanismen und die Resorption von Natrium und Chlorid. Die Stoffe können miteinander reagieren und Natriumchlorid bilden, was allgemein als Kochsalz bekannt ist. Das Kochsalz hat die Eigenschaft Wasser an sich zu binden und kann von den Nieren über die normalen Ausscheidungswege im Harn ausgespült werden.

Die Förderung der Wasserausschwemmung ist für den Körper wichtig, um unter anderem einen akuten Bluthochdruck zu beheben. Bluthochdruck ist eine natürliche Reaktion auf Stress und Gefahrensituationen, um die Muskeln und Organe schneller mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Wenn die Stresssituationen abklingen, soll sich der Blutdruck eigentlich wieder normalisieren. Allerdings kann es durch Schädigungen der Nieren, des Herzens oder durch Beeinträchtigungen der Blutgefäße zu einem chronischen Bluthochdruck kommen. Der Körper kann diesen Zustand nicht von alleine korrigieren.

Indem Xipamid mehr Flüssigkeit in den Blutkreislauf überführt, wird das Blut verdünnt. Auf diese Weise senkt sich der Druck ab, mit dem das Blut durch die Gefäße fließt.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Xipamid

Xipamid wird oral in Tablettenform eingenommen und gelangt in den Magendarmtrakt. Vom Darm wird der Wirkstoff in den Blutkreislauf überführt. Im Blut bindet sich der Wirkstoff an das Blutplasma und wird auf diesem Wege zu den Nieren transportiert, wo Xipamid ca. eine Stunde nach der Einnahme zu wirken beginnt.

Von der Leber wird Xipamid innerhalb von durchschnittlich sieben Stunden abgebaut. Dabei erfolgt eine Verteilung sodass ein Drittel des Wirkstoffs in den Harn geleitet wird und zwei Drittel im Stuhl gebunden werden. Über das normale Urinieren beziehungsweise den Stuhlgang wird der Wirkstoff aus dem Körper ausgeschieden.


Anwendungsgebiete

Wann wird Xipamid eingesetzt?

Xipamid kommt zum Einsatz, wenn ein Patient unter chronischem Bluthochdruck leidet oder wenn sich in seinem Körper vermehrt Wasserablagerungen in Form von Ödemen bilden. Das ist unter anderem der Fall, wenn ein Patient an einer Herzschwäche leidet. Durch ein erkranktes Herz kann der Bluthochdruck nicht mehr normal reguliert werden und es besteht die Gefahr einer chronischen Schädigung der Blutgefäße bis hin zu einem Herzinfarkt.

Aber auch Schädigungen der Nieren oder der Leber können dazu führen, dass vermehrt Flüssigkeit im Körper abgelagert wird. Bei einer sogenannten Niereninsuffizienz ist die Funktionsweise der Nieren entweder von Geburt an eingeschränkt oder kann als Folge von Erkrankungen entstehen. Chronischer Bluthochdruck und Diabetes Mellitus können die Nieren derart beschädigen, dass sie nicht mehr ihre volle Leistung erbringen können.

Durch den Einsatz von Xipamid wird die Funktion der Nieren unterstützt, sodass wieder mehr Flüssigkeit ausgeschwemmt werden kann und Ödeme dadurch beseitigt werden. Selbst bei starken Formen einer Niereninsuffizienz ist der Wirkstoff noch effektiv.


Richtige Anwendung

So wird Xipamin angewendet

Xipamin wird in Form von Tabletten verabreicht, die anfänglich 10mg des Wirkstoffs enthalten. Eine Steigerung auf bis zu 80mg pro Tablette ist aber auf ärztliche Empfehlung möglich, um die Wirkung zu vergrößern. Meistens ist die Steigerung notwendig, um größere Wasseransammlungen nachhaltig aus dem Körper zu schwemmen.

Es wird empfohlen Präparate mit Xipamin morgens nach dem Frühstück einzunehmen.

Wenn der Wirkstoff abgesetzt wird, sollte dies stufenweise entstehen. Auf diese Weise wird der Körper langsam von Xipamin entwöhnt, ohne dass es zu Nebenwirkungen kommen kann.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Xipamin?

Xipamid ist in den folgenden Medikamenten enthalten:

  • Aquaphor 10/-20
  • Aquaphoril 10/-20
  • Xipamid AL

Bei den Medikamenten handelt es sich um Tabletten zum Schlucken. Sie sind in verschiedenen Dosierungen erhältlich. Als Einstiegsdosierung haben die Tabletten 10mg des Wirkstoffs. Allerdings gibt es auch Tabletten mit 30mg, 40, 60mg und 80mg.


Handelsnamen

Monopräperate

  • Aquaphor
  • Aquaphoril

Kombinationspräperate

  • Neotri
  • Xipagamma
  • Xipamide

Indikationen

Für die Anwendung von Xipamid ist eine Indikation unter anderem einer Ödembildung durch eine Herzinsuffiziens oder eine Leberzirrhose sowie Lungenödeme notwendig. Daneben kann der Wirkstoff auch verschrieben werden bei Hypertonie, Nierenfunktionsstörungen und bei Aszites.


Gegenanzeigen

Wann darf Xipamid nicht verwendet werden?

Xipamid darf nicht verwendet werden, wenn ein Patient eine Überempfindlichkeit gegenüber Thiaziden und Sulfoamiden besitzt. Ebenso ist von der Anwendung abzusehen, wenn eine schwerwiegende Leberschädigung mit bereits einsetzendem Komazustand vorliegt. Wenn ein Patient unter Gicht leidet oder Flüssigkeits- beziehungsweise Blutmangel hat, kann Xipamid auch nicht eingesetzt werden. Darüber hinaus darf der Wirkstoff nicht verwendet werden, wenn der Patient unter Kaliummangel, Natriummangel oder einem erhöhten Kalziumgehalt im Blut leidet.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Während der Schwangerschaft ist es nicht unüblich, dass die werdenden Mütter unter Bluthochdruck leiden. Die Verwendung von Xipamid ist in diesem Fall allerdings nicht empfehlenswert. Der Wirkstoff kann durch die Schranke der Plazenta gelangen und das Baby im Mutterleib schädigen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Wie sich Xipamid auf Kinder auswirkt, ist noch ausreichend erforscht worden. Das hängt damit zusammen, dass der Wirkstoff bisher kaum an Kinder und Jugendliche verschrieben worden ist. Es ist möglich, dass Xipamid unerwünschte Spätfolgen bei Kindern auslösen kann. Solange es keine Studien gibt, die die möglichen Folgen des Wirkstoffs genauer beleuchten, ist von einer Anwendung bei Kindern abzusehen.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Xipamid?Sehr häufige Nebenwirkungen (bei einer oder mehr von zehn Personen)

Durch Xipamid kann es zu einer sogenannten Hypokalkämie kommen, was einen Mangel an Kalzium bedeutet. Dadurch kann es bei den Patienten zu Übelkeit und Erbrechen, Herzrhythmusstörungen und Kalziummangel in der Skelettmuskulatur kommen.

Häufige Nebenwirkungen (bei einer oder mehr von hundert Personen)

Xipamid kann Angstzustände, Nervosität sowie Lustlosigkeit auslösen. Darüber hinaus klagen viele Patienten über Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, anhaltende Müdigkeit und Schweißausbrüche. Es kann zu Bauchschmerzen und starken Krämpfen sowie zu Muskelspasmen kommen. Hohe Dosierungen erhöhen außerdem das Risiko von Thrombosen und der Bildung eines Blutembolus.

Seltene Nebenwirkungen (bei einer oder mehr von tausend Personen)

Selten bilden sich durch die Einnahme von Xipamid Allergien gegen Sulfoamide. Außerdem sind Fälle bekannt, bei denen der Wirkstoff die Bildung von Diabetes Mellitus Typ 2 begünstigt hat. Es kann zu geringer Verschlechterung der Sehkraft und die Verstärkung von Kurzsichtigkeit kommen. Liegen Vorerkrankungen wie Entzündungen vor, kann es zu Einblutungen der Bauchspeicheldrüse kommen.

Sehr seltene Nebenwirkungen (bei einer oder mehr von zehntausend Personen)

Durch die Einnahme von Xinamid hat sich bei wenigen Patienten die Anzahl der weißen Blutkörperchen verschlechtert. Sie litten unter Blutarmut bis hin zur Gelbsucht aufgrund einer Nierenentzündung mit Rückstau von Harnflüssigkeit.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Xipamid?

Xipamid verstärkt die Wirkung von Präparaten, die zur Förderung der Herzfunktionen führen. Bei gleichzeitiger Einnahme beispielsweise von Digoxin wird nicht nur die Herzfunktion stärker angeregt, sondern auch das Risiko der Nebenwirkungen wird erhöht.

Medikamente wie Lithium, die gegen Depressionen wirken sollen, können sich auch auf die Nerven auswirken und diese schädigen. Durch die gleichzeitige Einnahme von Xipamid kann die schädigende Wirkung von Lithium noch zusätzlich verstärkt werden.

Mittel zur Senkungen des Blutzuckerpegels für Diabetiker werden dagegen in ihrer Wirkung beeinträchtigt.

Bei Patienten, die Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure anwenden, wird die Wirkung von Xipamid deutlich verringert.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Xipamid zu beachten?

Xipamid sollte morgens nach dem Frühstück eingenommen werden. Die Wirkung setzt ca. eine Stunde nach der Einnahme ein. Eine Beschleunigung der Wirkung durch die Einnahme höherer Dosen ist nicht zu empfehlen.

Getränke wie Kaffee mit Milch oder Fruchtsäfte können die Funktion von Xipamid negativ beeinflussen und die Wirkung verzögern.

Gerade zu Beginn einer Therapie mit Xipamid kann es häufig passieren, dass die Patienten Schwindelgefühle, Müdigkeit und eventuell sogar Ohnmachtsanfälle erleiden. Gerade im Straßenverkehr oder bei der Bedienung von Maschinen können solche Nebenwirkungen schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Aus diesem Grund sollten die Patienten gerade in der Anfangszeit davon absehen selber Fahrzeuge zu bedienen oder Maschinen zu steuern, bis die individuellen Wirkungen von Xipamid ausreichend beobachtet werden konnten.

Sollten sich trotz der Einnahme von Xipamid keine Verbesserung des Bluthochdrucks oder des Ausschwemmen der Körperflüssigkeiten einstellen, sollte auf eigenmächtigen Erhöhung der Dosierung verzichtet werden. Erst nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt kann der Wirkstoff in einer höheren Dosis eingenommen werden, sofern sich dadurch keine unerwünschten Nebenwirkungen einstellen.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Xipamid

Präparate mit dem Wirkstoff Xipamid sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Sie können nur auf Rezept verschrieben werden.


Geschichte

Seit wann ist Xipamid bekannt?

Wirkstoffe der Gruppe der Thiazid-Diuretika, zu denen auch Xipamid gehört, sind bereits seit den 1950er Jahren bekannt. Allerdings war ihre Wirkung im Vergleich zu ihrer Verträglichkeit deutlich geringer, als es Xipamid ist.

Ende der 70er Jahre wurde der neue Wirkstoff zum ersten Mal entwickelt und ist seit der Mitte der 80er Jahre als Arzneimittel gegen Bluthochdruck und Wasserablagerungen zugelassen. In Deutschland und Österreich ist der Xipamid als Wirkstoff zugelassen. In der Schweiz darf die Substanz allerdings nicht hergestellt und vertrieben werden.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bei einer Überdosierung von Xipamid kann es zu erhöhten Wassereinlagerungen im Körper führen. Dieses Phänomen wird auch Pseudo-Barrter-Syndrom bezeichnet.

Weil sich das Arzneimittel auf den Gehalt der Elektrolyte, des Blutfetts, des Blutzuckers und anderer Inhaltsstoffe des Bluts auswirkt, sind Patienten darauf angewiesen regelmäßig ihre Blutwerte von einem Arzt überprüfen zu lassen.

Während der Behandlung mit Xipamid müssen Patienten viel Flüssigkeit und Nährstoffe wie Kalium und Natrium zu sich nehmen.

Sollte der Wirkstoff nach einer Langzeitbehandlung abgesetzt werden, können sich unerwünschte Nebenwirkungen einstellen. Darum sollte die Entwöhnung gestaffelt in mehreren Phasen stattfinden.


Quellen

  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Joos, L: Pharmakologie aktiv, Govi-Verlag, 1. Auflage, 2009
  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
  • Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin: www.embryotox.de (Abruf: 03.10.2014)

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