Narkolepsie

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Narkolepsie

Symptome

Ursache

Behandlung

Die neurologische Erkrankung Narkolepsie

NarkolepsieDie Narkolepsie gehört zu den neurologischen Erkrankungen und gilt als nicht heilbar. Betroffene Menschen weisen einen dauerhaft gestörten Gehirnteil auf, welcher für die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig ist. Dieser bringt keine ausreichende Produktion von Orexin, einem Botenstoff, auf. Er ist gemeinsam mit weiteren Hormonen verantwortlich für die Einteilung unserer Wach- und Schlafphasen. Genaue Zahlen der erkrankten Menschen in Deutschland liegen nicht vor, insbesondere weil die Erkrankung oftmals verkannt wird. Man geht jedoch davon aus, dass zwischen 20.000 und 40.000 Deutsche unter dieser leiden.

Am häufigsten tritt die Narkolepsie bei Menschen zwischen dem 14. und 30. Lebensjahr auf. Es gibt jedoch auch Betroffene die über 60 Jahre alt sind oder sich im Kindesalter befinden. Bekannt ist die Krankheit seit mehr als 100 Jahren. Jean Baptiste Edouard Gélineau (1859 – 1906) beschrieb diese als Erster im Jahre 1880. Er sorgte auch für den Namen der Erkrankung. Dieser leitet sich von den griechischen Worten „narkosis“ für „Betäubung“ sowie „lepsis“ für „überraschen“ ab.

Lange Zeit wurde vermutet, dass diese zu den psychischen oder epileptischen Erkrankungen zählt. Erst seit kurzer Zeit wurde das Fehlen eines wachmachenden Übertragungsstoffes im Zwischenhirn festgestellt. Belegt wurde auch, dass Narkolepsie zu einem Teil genetisch bedingt ist. Forschungen ergaben, dass die Nachkommen der Betroffenen von einer Tagesschläfrigkeit achtmal häufiger betroffen sind. Es wird aber von einer Auslösung der Krankheit noch durch einen zweiten oder sogar mehreren Faktoren ausgegangen. Bei Untersuchungen von eineiigen Zwillingen stellte sich heraus, dass in den meisten Fällen nur einer des Paares von Narkolepsie betroffen war. Die Erkrankung kann zwar der Gesundheit nicht direkt Schaden, die sehr starke gesellschaftliche Belastung verursacht jedoch häufig bei den Betroffenen Depressionen oder soziale Phobien. Manche Mediziner gehen davon aus, dass eine Gefahr von Übergewicht aufgrund von Schlafmangel besteht. Liegt ein Verdacht auf Narkolepsie vor, kann der Hausarzt zur Diagnosen-Stellung  hinzugezogen werden.

Tagesschläfrigkeit ist das häufigste Symptom bei Narkolepsie

Ein jeder von Narkolepsie betroffene Mensch weist eine ureigene Ausprägung der Symptome auf. Allen ist gemein, dass sie unter einer – wie auch immer gearteten – Tagesschläfrigkeit leiden. Oftmals wird die Erkrankung gar nicht erkannt, weil beispielsweise keine deutlichen Schlafattacken vorkommen, sondern der Alltag in einem Dämmerzustand bewältigt wird. Von solchen Patienten wird dieser als normal empfunden. Folgende Symptome können bei Vorliegen einer Narkolepsie zum Vorschein kommen:

  • Bewegungsunfähigkeit beim Einschlafen sowie Aufwachen
  • Dämmerzustand
  • frühe Ermüdbarkeit
  • Erinnerungsprobleme
  • Kopfschmerzen
  • Leben im Halbschlaf
  • Lethargie
  • Motivationsunfähigkeit
  • Muskelschwäche während des Auftretens von Emotionen
  • Gereiztheit
  • Schlafattacken
  • schlechter Nachtschlaf
  • Schwindel
  • ständige Müdigkeit
  • unscharfes Sehen

 

Ein spezifisches Symptom, welches bei anderen Krankheiten unbekannt ist, stellt die Kataplexie dar. Diese bezeichnet kurze Attacken (zwischen einer Sekunde und einigen Minuten) von Muskelschwäche. Dabei können Gesichts- und Halsmuskel erschlaffen, die Stimme versagen, eine Undeutlichkeit beim Sprechen entstehen sowie die Knie weich werden, was wiederum zu einem völligen Zusammensinken führen kann. Ein kataplektischer Anfall wird häufig von unerwarteten Gefühlsregungen (z.B. große Freude, Angst, Stress oder Trauer) ausgelöst. Bewusstseinsstörungen kommen dabei nicht zu Tage. Kataplexie erscheint nicht bei allen an Narkolepsie erkrankten Menschen und muss auch nicht zwingend bei diesen von Anfang an als Symptom erscheinen.

Ein bekanntes Symptom der Narkolepsie stellt ebenfalls die Schlaflähmung dar. Diese umfasst eine vorübergehende Bewegungsunfähigkeit sowie den Verlust der Sprechfähigkeit während des Einschlafens, Aufwachens oder der vollumfänglichen Entspannung. Von einigen Betroffenen wird das Gefühl des nicht mehr atmen Könnens beschrieben. Die Schlaflähmung kann zwischen einigen Sekunden bis mehreren Minuten andauern, die Augenmuskeln sind dabei nicht betroffen.

 

Auch Halluzinationen können ein Symptom bei der Erkrankung an Narkolepsie darstellen. Sie kommen in Form von angstvollen wirklichkeitsnahen Traumerlebnissen, insbesondere während der Einschlaf- und Aufwachphase, vor. Dabei ist das Bewusstsein in unterschiedlicher Stärke daran beteiligt. Selten kommt es vor, dass die Halluzinationen jeden Tag auftreten. Manchmal hören diese für einen längeren Zeitraum von Monaten bis Jahren auf, bevor sie erneut auftreten.

Viele Narkoleptiker führen oftmals Handlungen durch, quasi im Halbschlaf, an die sie sich später nicht mehr erinnern können. Dieses automatische Verhalten kann über wenige Sekunden bis hin zu Minuten auftauchen. Da dabei das Bewusstsein ausgeschaltet ist, können jedoch leicht Gefahrenmomente entstehen, so beispielsweise beim Autofahren.

Keine Klarheit über die Ursachen der Autoimmunerkrankung

Es wird vermutet, dass es sich bei der Narkolepsie um eine Autoimmunerkrankung handelt. Dabei wird davon ausgegangen, dass ein Immundefekt die vom Hormon Orexin produzierten Zellen zerstört. Wissenschaftler stellten ebenso fest, dass Patienten zusätzlich über in ihrer Funktion eingeschränkte Gene verfügen, welche für die Abwehr von Entzündungen und Infektionen zur Verfügung stehen. Als sehr fraglich wird die in Finnland aufgestellte Behauptung angesehen, dass zwischen der Schweinegrippe-Impfung sowie Narkolepsie ein Zusammenhang  bestehen könne.

Forscher haben dort festgestellt, dass in der Zeit der vermehrten Immunisierungsmaßnahmen gegen diesen Grippeinfekt die Erkrankungen an Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen zunahmen. Umstritten ist jedoch, ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang besteht. Aus der Tiermedizin ist bekannt, dass beispielsweise auch ein Pferd an Narkolepsie erkranken kann. Dabei wurde beobachtet, dass erste Symptome oftmals nach einem Stallwechsel aufgetreten sind. Dieser stellt für die Tiere eine Stresssituation dar, welche damit als Auslöser für die Erkrankung beim Pferd in Betracht kommen kann. Durch Akupunktur-Behandlungen konnten die auftretenden Anfälle stark vermindert werden.

Da die Symptome der Narkolepsie oftmals auf Unverständnis bei anderen Menschen stoßen, welche über diese Krankheit nicht Bescheid wissen, ziehen sich viele Betroffene von der Gesellschaft zurück. In manchen Fällen ist es nicht mehr möglich, seinen bisherigen Beruf auszuüben. Damit keine Missverständnisse auftreten, sollte man sowohl den Arbeitgeber, als auch die Kollegen sowie Angehörige und Freunde über die bestehende Erkrankung aufklären. Narkolepsie zählt zu den Schwerbehinderungen, sie kann zu einer völligen Arbeitsunfähigkeit führen. Jedoch ist es durchaus möglich, unter Begleitung einer Therapie ein nahezu normales Leben zu führen.

Um dieses baldmöglichst zu erreichen, kann ein Test bei einem Arzt Aufschluss über das Vorhanden- oder Nichtvorhandenseins der Erkrankung geben. Hierzu gibt es die Möglichkeit der Polysomnographie, einer Patientenuntersuchung über Nacht im Schlaflabor. Auch ein Multipler Schlaflatenztest kann vorgenommen werden. Bei diesem wird die Tagesschläfrigkeit der Betroffenen durch verschiedene Messungen festgestellt. Ein weiterer Test ist das Mehrfach-Wachbleibe-Verfahren. Dabei wird untersucht, ob es dem Patienten gelingt, auch unter schwierigen Bedingungen wie Dunkelheit, nicht vorhandener Ablenkung etc.  wach zu bleiben.

Ein geregelter Tagesablauf mit Pausen steht an erster Stelle

 

Wer an Narkolepsie leidet, sollte in jedem Fall für einen sehr regelmäßigen und gut organisierten Tagesablauf sorgen. Hierzu gehören insbesondere immer wieder kurze Ruhepausen, welche täglich zur gleichen Zeit eingelegt werden. Wie lange diese dauern, ist bei jedem Menschen individuell festzulegen. Manchen Betroffenen tut bereits ein 20-minütiges „Nickerchen“ so gut, dass sie hernach für ein bis drei Stunden keinerlei Müdigkeit verspüren.

Auch das abendliche Schlafengehen und morgendliche Aufstehen jeweils zur gleichen Uhrzeit kann wichtig sein. Es empfehlen sich mehrmals am Tag kleine Mahlzeiten, da eine große Menge Nahrung auf einmal die Neigung zum Einschlafen verstärkt. Dies gilt gleichfalls für Alkohol sowie Milchprodukte. Wer nachts unter Schlafstörungen leidet, kann sich diese umgekehrt zu Nutzen machen und sie gegen Abend zu sich nehmen. Nikotin gibt zwar oftmals das Gefühl, wach zu halten, jedoch stellt es sich dauerhaft auch als Verstärker der Einschlafneigung dar. Ausreichende Bewegung hilft tagsüber munterer zu bleiben und in der Nacht besser schlafen zu können. Diese sollte jedoch vier bis fünf Stunden vor dem Zubettgehen erfolgen.

Auch wenn die Narkolepsie nicht heilbar ist, kann man eine Therapie zur Behandlung der Symptome vornehmen. Hierbei kommen sehr häufig Medikamente mit dem Wirkstoff Modafinil zum Einsatz. Dieser wirkt sich direkt auf die Schlaf-Wach-Zentren im Gehirn aus und trägt somit zu einer Erhöhung der Wachheit während des Tages bei. Aufgrund der Tatsache, dass auf der anderen Seite der Erkrankung nächtliche Schlafprobleme bestehen, kann zusätzlich eine medikamentöse Therapie zur Regulierung derselben erfolgen. Umso früher die Diagnose sowie eine Behandlung erfolgt, desto kurzzeitiger muss das Leben durch Narkolepsie beeinflusst werden.

Leider ist es oftmals auch für Ärzte sehr schwierig, die Symptome richtig zuzuordnen. In manchen Fällen wird die Erkrankung mit einer Epilepsie oder Depression verwechselt, in den schlimmsten Fällen wird vermutet, dass einfach Faulheit hinter der ewigen Müdigkeit steckt. Als Schwierigkeit bei der Erkennung von Narkolepsie kommt der häufig schleichende Verlauf derselben hinzu. Es besteht die Möglichkeit einer erhöhten Tagesschläfrigkeit über Jahre hinweg, bevor beispielsweise Schlafattacken dazu kommen.

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