Loratadin

Neurodermitis gilt als Zivilisationskrankheit. Typische Symptome der Erkrankung sind Hautausschlag und Juckreiz. Auch Heuschnupfen und Nesselsucht sind in der Bevölkerung weit verbreitet, wie andere Erkrankungen.

Einer der Arzneistoffe, der in Medikamenten enthalten ist, die bei diesen Erkrankungen helfen, ist der Wirkstoff Loratadin. Dieser Wirkstoff sorgt auch bei einer Nasennebenhöhlenentzündung für Erleichterung.

LoratadinWas ist Loratadin?

Bei Loratadin handelt es sich um einen Arzneistoff, der zur Gruppe der Antihistaminika gehört. Es handelt sich zwar um kein offizielles Breitbandmedikament.

Eingesetzt werden kann Loratadin allerdings gegen eine Vielzahl von Erkrankungen.

Der Wirkstoff gehört zu den wichtigsten Mitteln, die es gegen Allergien derzeit auf dem Markt gibt. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern macht dieses Antihistaminikum der zweiten Generation bei Anwendung nicht müde.

Im Originalzustand handelt es sich bei diesem Wirkstoff um ein weißes bis fast weißes und polymorphes sowie kristallines Pulver. Der Schmelzpunkt liegt bei 134 bis 136 °C. In Wasser ist es das Pulver praktisch unlöslich. Leicht löslich ist das Pulver indes in Methanol und in Aceton.

In Deutschland sind Präparate mit diesem Wirkstoff in Form von Brausetabletten und als Tablette erhältlich. In anderen Ländern wird der Wirkstoff auch als Saft angeboten. Loratadin ist seit einigen Jahren nicht mehr verschreibungspflichtig. Der Wirkstoff gehört seit einiger Zeit auch zu den unentbehrlichen Arzneimitteln auf der WHO-Liste.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Der Wirkstoff


Allgemeines

Allgemeines
NameLoratadin
Andere Namen
  •   4-(8-Chlor-5,6-dihydro-11H-benzo[5,6]cyclohepta[1,2-b]pyridin-11-yliden)piperidin-1-carbonsäureethylester (IUPAC)
  • Loratadinum (Latein)
SummenformelC22H23ClN2O2
Kurzbeschreibungweißes bis fast weißes, polymorphes, kristallines Pulver

Wirkungsweise

So wirkt Loratadin

Neurodermitis, Nesselsucht und ein allergischer Schnupfen stellen eine Überempfindlichkeitsreaktion des menschlichen Immunsystems dar. Bei Heuschnupfen oder auch einer Hausstauballergie kommt es zum Beispiel zu einer sehr überschießenden Freisetzung des Botenstoffes Histamin.

Dieser Stoff soll das erkannte Allergen bekämpfen. In dem Moment, in dem sich das Histamin an die Rezeptoren bindet, kommt es allerdings zu den typischen Symptomen, die die Allergie auslösen.

Dies gilt auch bei Neurodermitis, wo es zu Rötungen, zu Schwellungen und zur Bildung von Quaddeln auf der Haut kommt.

Der Juckreiz bei Neurodermitis und die tränenden Augen und die laufende Nase sowie die Verkrampfung der Atemwegsmuskulatur sind die äußerlichen Symptome, die bei derartigen Erkrankungen auftreten.

Durch die Einnahme von einem Medikament mit dem Wirkstoff Loratadin kommt es zu einer Blockade des Histamin-Rezeptors. Auf diese Weise werden die Wirkungen von Histamin blockiert.

Und dies wiederum lindert die Symptome der jeweiligen allergischen Reaktion. Im Falle einer Nasennebenhöhlenentzündung sorgt das Loratadin für eine Abschwellung der Schleimhaut. Dadurch kann das angestaute Sekret aus den Nasennebenhöhlen abfließen.

Der schmerzhafte Druck verschwindet damit auch. Die Entzündungsreaktion in den Nasennebenhöhlen wird gleichzeitig durch diese Wirkweise des Wirkstoffs ebenfalls unterdrückt.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Loratadin

Aufgenommen wird der Wirkstoff oral, das heißt über den Mund. Von dort aus gelangt der Wirkstoff schnell und vor allem vollständig aus dem Darm ins Blut. Der Wirkstoff verteilt sich so im gesamten Körper und wie über die Leber abgebaut.

Die Abbauprodukte des Wirkstoffs werden über die Nieren wieder ausgeschieden. Die Halbwertzeit von diesem Wirkstoff liegt bei ca. acht Stunden. Die Metaboliten liegen bei 12 bis 24 Stunden.


Anwendungsgebiete

Wann wird Loratadin eingesetzt?

Die Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Loratadin sind vielseitig. Eingesetzt werden kann das Antihistaminika sowohl bei einem allergischen Schnupfen (besser bekannt als Heuschnupfen) und auch bei anderen Allergien.

Ein sehr wichtiger Anwendungsbereich ist die Behandlung der chronischen Nesselsucht und auch von Neurodermitis. Der Wirkstoff sorgt dafür, dass der Juckreiz zurückgeht und die Rötungen verschwinden, die für Neurodermitis typisch sind.

Der Wirkstoff kann als Monotherapie eingesetzt werden. Und zwar schon Beginn an. Das heißt, es müssen zuvor keine anderen Medikamente ausprobiert werden, damit es erforderlich wird den Wirkstoff auszuprobieren.

Loratadin gehört zu den Wirkstoffen, die bei der WHO ganz groß angesehen sind. Grund dafür ist, dass dieser Wirkstoff ein breites Wirkspektrum hat und zudem gut verträglich ist.

Es treten nur sehr wenige Nebenwirkungen auf. Und nur die wenigsten Nebenwirkungen sind wirklich stark. Ohne diesen Wirkstoff müssten viele Allergiker erst einmal eine ganze Reihe von Präparaten ausprobieren bis sie endlich das Medikament finden, das ihr Leiden etwas lindert.


Richtige Anwendung

Wichtig bei Loratadin Präparaten ist die richtige Anwendung.

So wird Loratadin angewendet

Der Wirkstoff Loratadin kann in Form von Tabletten eingenommen werden. Die Dosierung ist daher sehr einfach und lässt sich auch einfach in den Alltag integrieren.

Die Tabletten können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Im Idealfall erfolgt die Einnahme der Tablette mit einem Glas Wasser. Die Tabletten werden am besten am Abend eingenommen.

Grund dafür ist, dass der Wirkstoff zwar als nicht müde machend gilt, dass aber nicht auf alle Patienten zutrifft.

Die übliche Tagesdosis liegt bei diesem Wirkstoff bei 10 Milligramm. Menschen, die an einer Leberfunktionsstörung leiden und Kindern wird eine geringe Dosis verordnet.


Medikamente

Es gibt einige Medikamente, die diesen Wirkstoff enthalten.

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Loratadin?

Loratadin ist zum Beispiel in folgenden Medikamenten enthalten:

  • Loratadin-ratiopharm bei Allergien
  • Loratadin STADA 10 mg/-10 mg allerg Tabletten
  • Lorano /-akut
  • Loratadin/ – akut – 1 A Pharma 10 mg Tabletten
  • Lisino S
  • Lisino Brause Brausetabletten

Handelsnamen

Monopräparate

Zu den Monopräparaten mit diesem Wirkstoff zählen:

  • Allernon
  • Claritine
  • Clarityn
  • Generika

Kombinationspräparate

In Kombination mit Pseudoephedrin ist der Wirkstoff in Clarinase enthalten.


Indikationen

Loratadin wird vornehmlich für die Linderung von Allergien eingesetzt. Hierzu gehören Neurodermitis und auch chronische Nesselsucht sowie Heuschnupfen. Eine Nasennebenhöhlenentzündung lässt sich mit diesem Wirkstoff allerdings ebenso gut behandeln.


Gegenanzeigen

Wann darf Loratadin nicht verwendet werden?

Für den Fall, dass eine bekannte Überempfindlichkeit gegen diesen Wirkstoff besteht, darf ein Präparat mit diesem Wirkstoff nicht verwendet werden. Dies würde sehr schweren Nebenwirkungen führen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Ob der Wirkstoff Loratadin das ungeborene Kind im Mutterleib schädigt, das ist nicht genau bekannt.

Grund dafür ist, dass die Vermutung besteht, dass es der Fall sein könnte, dass der Wirkstoff nachweislich in die Muttermilch gelangt. Das bedeutet, dass beim Stillen der Wirkstoff automatisch vom Kind aufgenommen wird.

Wie es aber im Mutterleib aussieht, wurde bisher noch nicht ausreichend erforscht. Daher sollten Schwangere und Stillende den Wirkstoff nur dann einnehmen, wenn der Arzt einen direkten Nutzen darin sieht und dieser Nutzen einen möglichen Schaden beim Kind eindeutig überwiegt.

Allerdings verschwinden Neurodermitis oder Heuschnupfen mit dem Beginn einer Schwangerschaft nicht. Es sollte dennoch lieber zu anderen Präparaten gegriffen werden, bei denen ausgeschlossen ist, dass sie dem Ungeborenen bzw. Neugeboren schaden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern unter zwei Jahren darf der Wirkstoff in Form von Brausetabletten nicht verwendet werden. Kinder zwischen zwei und sechs Jahren können Brausetabletten einnehmen, allerdings keinen Wirkstoff in Tablettenform.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Loratadin?

Gerade bei Kindern wurde beobachtet, dass die Einnahmen von Präparaten mit Loratadin einen gesteigerten Appetit auslöst. Dies kann leicht zur Gewichtszunahme führen.

Dies ist eine Nebenwirkung, auf die Eltern achten sollen, wenn ihr Kind Medikamente mit diesem Wirkstoff einnimmt. Diese Nebenwirkung in Anführungsstrichen kann aber von den Eltern gesteuert werden.

Allerdings sollte die Beobachtung dem Arzt mitgeteilt werden. Es gibt allerdings auch richtige Nebenwirkungen, die bei der Anwendung von einem Medikament mit Loratadin auftreten. Diese können häufig oder nur sehr selten vorkommen.

Häufige Nebenwirkungen

Loratadin kann sehr häufige Nebenwirkungen auslösen. Hierzu gehören vor allem Kopfschmerzen. Es kann sich im Laufe der Einnahmen von einem Präparat mit dem Wirkstoff Nervosität zeigen.

Ebenfalls auftreten kann Müdigkeit, auch wenn Loratadin als Antihistaminikum der zweiten Generation eigentlich nicht dafür bekannt ist, dass es müde macht. Wie auch bei Kindern kann es auch bei Erwachsenen, die ein entsprechendes Präparat einnehmen, zu einer Appetitsteigerung kommen.

Gerade vor dieser Nebenwirkung muss gewarnt werden. Denn eine daraus resultierende Gewichtszunahme kann dazu führen, dass wieder andere Erkrankungen auftreten.

Sehr seltene Nebenwirkungen

Sehr seltene Nebenwirkungen bei der Anwendung von einem Medikament mit dem Wirkstoff Loratadin sind ein allergischer Schock oder Schwindel. Darüber hinaus kommt es sehr selten unter der Anwendung von einem solchen Präparat auch zu Herzrasen oder zu einem starken Herzklopfen.

Übelkeit und Mundtrockenheit zählen ebenfalls zu den sehr seltenen Nebenwirkungen. Dies trifft auch zu auf das Auftreten von einer Magenschleimhautentzündung oder einer Leberfunktionsstörung und von Hautausschlag und von Haarausfall.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Loratadin?

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind bei Loratadin nicht selten. Wechselwirkungen treten zum Beispiel bei gleichzeitiger Einnahme von Hydroxyzin auf.

Dieses Mittel sollte bei gleichzeitiger Anwendung von Loratadin nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden.

Sind in Medikamenten Wirkstoffe wie Clemastin oder Dimetinden enthalten, dann verstärken diese die Wirkung von Loratadin. Beispielsweise kann es zu unerwünschten Wirkungen auf das Herz kommen.

Makrolid-Antibiotika sollten mit Loratadin nicht gleichzeitig eingenommen werden. Dies gilt auch für Medikamente, die Mizolastin enthalten. Auch bei Rupatadin zusammen mit diesem Wirkstoff sollte der behandelnde Arzt Risiko und Nutzen abwägen.

Eine Wechselwirkung ist bei Loratadin auch beim Konsum von Alkohol zu befürchten. Denn Alkohol verstärkt die müde machende Wirkung des Wirkstoffs. Möglichst sollte auf den Konsum von Alkohol während der gesamten Dauer der Einnahmen des Präparats mit Loratadin verzichtet werden.

Auf diese Weise kann man sich lästige Nebenwirkungen ersparen. Die Wirkung von Loratadin wird durch den Alkohol allerdings nicht herabgesetzt. Unangenehm und vielleicht auch gefährlich ist lediglich die müde machende Wirkung bei einem Zusammentreffen von Alkohol und Loratadin.

Zu beachten ist auch als Wechselwirkung, dass die Einnahme sowohl bei Erwachsenen, wie auch bei Kindern zu einer Steigerung des Appetits führen kann. Dies sollte unbedingt beachtet werden. Denn daraus resultieren wieder andere Gefahren.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Loratadin zu beachten?

Loratadin ist ein wenig müde machendes Antihistaminikum. Aus diesem Grund wird die Verkehrstüchtigkeit unter Einnahmen von einem Präparat mit Loratadin auch nur wenig beeinflusst.

Dennoch sollte jeder, der ein solches Präparat einnimmt vorsichtig sein. Denn auch ein solches Antihistaminika kann das Reaktionsvermögen nachhaltig mindern. Es ist zwar so, dass andere Antihistaminika deutlich mehr dazu beitragen, dass Müdigkeit auftritt.

Allerdings kann der Effekt des Eintritts von Müdigkeit auch bei diesem Wirkstoff erhöht werden. Denn nicht jeder Patient reagiert auf den Wirkstoff Loratadin gleich. Bei einigen tritt dennoch eine Müdigkeit auf.

Aus diesem Grund sollte man, wenn man bemerkt, dass man auf ein solches Präparat hin müde wird, sich dazu entscheiden nicht aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen. Dies trifft auch auf das Bedienen von schweren Maschinen zu.

Da auch Schwindel auftreten kann, sollten zudem nur Arbeiten verrichtet werden, bei denen ein sicherer Halt gewährleistet ist. Das heißt, auch wenn Loratadin nicht müde macht zwangsläufig, ist die Verwendung von einem Präparat mit dem Wirkstoff nicht ganz unkompliziert.

Man kann nicht einfach darüber hinweggehen, dass ein solches Präparat nicht auch müde machen könnte.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Loratadin

Medikamente mit diesem Wirkstoff sind in der Apotheke freiverkäuflich erhältlich. Der Wirkstoff gilt als gut verträglich und ist aus diesem Grund auch zur Selbstmedikation geeignet.


Geschichte

Seit wann ist Loratadin bekannt?

Der Wirkstoff wurde 1989 in Deutschland zugelassen. Seit 1994 ist Loratadin nicht mehr verschreibungspflichtig. Der Wirkstoff ist so wichtig bei der Behandlung von vielen Erkrankungen, dass er es 2013 auf Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO geschafft hat.

Durch die Presse ging vor einigen Jahren ein Patentstreit hinsichtlich der Herstellung von Loratadin. Dieser mündete in einen großen Rechtsstreit zwischen Schering-Plough und Geneva Pharmaceuticals.

Es ging dabei um die Herstellung von einem Loratadin-Generika. Es ging dabei darum, dass Schering-Plough ein noch gültiges Patent hatte auf die künstliche Herstellung des Loratadin-Metaboliten Descarboethoxyloratadin.

Ausgetragen wurde der Rechtsstreit in den USA. Das US-Bundesberufungsgericht entschied letztlich zugunsten von Geneva. Dies führte letztlich zu großen Bedenken in der Pharmaindustrie über die Schutzmöglichkeiten von Produkten.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Auch wenn die Anwendung von einem Präparat mit Loratadin sehr einfach ist, sollte einiges beachtet werden.

Vor einem Allergietest auf der Haut sollte ein solches Präparat zum Beispiel 48 Stunden vor dem Termin nicht eingenommen werden. Grund dafür ist, dass der Wirkstoff das Testergebnis womöglich verfälschen kann.

Patienten, die eine schwere Leberfunktionsstörung haben, dürfen den Wirkstoff zwar in Form von einem Präparat anwenden. Die Anwendung sollte jedoch nicht in Selbstmedikation geschehen. Vielmehr sollte ein Arzt die Anwendung überwachen.


Quellen

  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin:
  • Lennecke, K. et al.: Selbstmedikation für die Kitteltasche, Deutscher Apotheker Verlag, 5. Auflage, 2012

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