Ausschabung

Die Ausschabung von Körpergewebe

Behandlung AusschabungEtwa 15 % der Schwangerschaften enden mit einem sogenannten Sternenkind. Verläuft der Abort unvollständig, bleiben Gewebe des Embryos und der Plazenta in der Gebärmutter.

Eine Ausschabung soll verhindern, dass diese Reste bei der Zersetzung schädliche Stoffe freisetzen oder sich durch aufsteigende Keime infizieren und zu einer Sepsis führen.

Eine Ausschabung kann aber auch bei vielen weiteren Medizinzweigen wie etwa bei der Ophthalmologie, der Dermatologie oder Orthopädie eingesetzt werden.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Ausschabung.

Was ist eine Ausschabung ?

Iatrogen bezeichnet Ausschabung den Vorgang, bei dem ein Gynäkologe, Orthopäde, Dermatologe, Augenarzt oder Zahnarzt Körpergewebe des Patienten abträgt um einen therapeutischen, diagnostischen oder kosmetischen Zweck zu erfüllen.

Eine besondere Relevanz besitzt der Begriff der Ausschabung in Bezug auf das Endometrium, denn die Ausschabung der Gebärmutter nach Fehlgeburten stellt eine nicht unumstrittene Methode dar.

Das verwendete Instrument, ein scharfkantiger Löffel, die Kürette, ist Namensgeber dieser intrauterinen Reinigung und gleichzeitig auch der subgingivalen Konkremententfernung bei einer Parodontitisbehandlung im dentalen Bereich: Kürettage.

Auch austherapierte tiefe Dornwarzen oder solche, die trotz Behandlung immer wiederkommen (Rezidiv), schabt der Dermatologe unter lokaler Betäubung mit einem scharfen Löffel aus.

Vor allem bei jungen Kindern empfiehlt der Arzt häufig eine Entfernung der Mandeln. Zwar stellt die Adenotomie eine vergleichsweise risikoarme Invasion im Bereich der Larynx dar, kann aber die Belüftung des Mittelohrs dauerhaft beeinträchtigen. Der H-N-O-Arzt trägt das übermäßig gewachsene Drüsengewebe des Rachens bzw. Gaumens mit dem Beckmannschen Ringmesser ab.

Bei fast einem von zehn Erwachsenen erfasst der Orthopäde bei einer Arthroskopie ein Impingement-Syndrom. Häufige Überkopfarbeit führt zu einer Enge zwischen Schultergelenkskopf und Schulterdach. Mit einem Fräser, der mehrere tausende Umdrehungen in der Minute schafft, planiert er die Knochenkante, erweitert den (sub)akromialen Raum, befreit idealerweise die eingeklemmte Sehne und löst die Schultersteife.

Wenn der Zahnarzt einen kariösen Zahn mit Composit füllt, trägt er immer auch ein wenig gesunde Zahnhartsubstanz ab. Zwar schmirgelt eine Zahnbürste nicht wie ein Bohrer oder Laser, doch wird insbesondere Menschen mit freiliegenden Zahnhälsen, die eine elektrische Zahnbürste verwenden, empfohlen, nach Säureangriffen zu warten, nicht zu fest zu schrubben, auf weiche Zahnbürstenborsten und einen geringen RDA-Wert der Zahnpasta zu achten, um das mineralisierte Enamel (Zahnschmelz) zu schonen.

In gynäkologischen Praxen zählt die Ausschabung zu den häufigsten Interventionen in Deutschland. Wenn die Gebärmutter bei einer sonographischen Darstellung krankhaft verändert oder ein Abstrich verdächtig erscheint, wendet der Frauenarzt die Abrasio an, um eine Biopsie zu entnehmen.

Auch empfiehlt der Frauenarzt eine Ausschabung, wenn die periodische Blutung nicht normal verläuft. Während der Wechseljahre kann sich die Schleimhaut durch Funktionsstörungen der Gebärmutter zu sehr aufschichten.

Ursprung und Entwicklung

Früher praktizierten Geburtshelfer die Kürettage, um eine unerwünschte Schwangerschaft abzubrechen. Heutzutage tritt an diese Stelle die Saugkürettage, die u.a. auch gegen Fettpolster und Schweißdrüsen zum Einsatz kommt.

Ein altes Verfahren der minimal-invasiven Operationstechnik bildet die transurethrale Resektion. Bei dieser Ausschabung trägt der Arzt pathologisches Gewebe in Harnblase oder Prostata mittels einer elektrisierten diathermen Drahtschlinge ab, wobei Blutungen insistiert werden (Kauterisation). Oberflächlicher Krebs kann auf diese Weise entfernt werden.

Eine Weiterentwicklung der Ausschabung von erkrankten Zellen aus Hohlräumen stellt die Ergänzung des mechanischen Verfahrens der Kürettage um die sichtgebende Endoskopie dar. Die Hysteroskopie begann mit einer Kerze an der Spitze des Operationsinstruments.

 

Funktion, Wirkung & Ziele der Gebärmutterausschabung

Ungefähr ab dem 45. Lebensjahr befindet sich die Frau in den Wechseljahren, die bis zu 10 Jahre dauern. Die letzte Blutung findet etwa mit 52 statt. Obwohl die reife Frau in der Lutealphase weniger Progesteron produziert und ihr Eisprung immer öfter wegbleibt (Anovulation), findet die Periodenblutung weiterhin statt.

Die natürliche Funktion liegt darin, das oberste Stratum (functionale) der Gebärmutterhöhle abzustoßen, während die darunter liegende Schicht, das Stratum basale, erhalten bleibt. Die Basale bewirkt die Regeneration der schützenden oberen Schleimhaut, einem hochprismatischen Drüsengewebe (Epithel), das zur Abdichtung dient. Dieser Vorgang wiederholt sich während der Zyklen bis zum Klimakterium.

Das Menstruationsblut besteht aus Blut und diesen Schleimhautresten. Wenn die Regelblutung während der Wechseljahre Störungen aufweist, bildet die Ausschabung eine mögliche Therapieoption. Mittels Biopsie geht der behandelnde Frauenarzt auch der Ursache auf den Grund. Manchmal sind Schwellungen des Gewebes die Übeltäter.

Bei Wucherungen der Schleimhaut oder Muskelschicht (Polypen, Myome) zählt die Ausschabung und die Endometriumablation zu den schonenden minimalinvasiven Operationsverfahren, welche die Heilungschancen erhöhen, während die Gebärmutter erhalten bleibt.

Durchführung & Wirkungsweise einer Gebärmutterausschabung:

Wichtig für die Patientin: Sie sollte nüchtern erscheinen, also etwa einen halben Tag vorher keine Nahrung oder Getränke einnehmen, nicht rauchen und keinen Kaugummi kauen. Bei der Voruntersuchung informiert sich der Frauenarzt per Palpation oder Ultraschall über die Lage der Gebärmutter. Da die Aufdehnung des Muttermundes schmerzhaft ist, wird in den meisten Fällen eine Vollnarkose angewendet, seltener die lokale Betäubung.

Oberschenkel, Schamlippen und Scheide werden mit einer iodhaltigen Lösung desinfiziert, während die Beine der Patientin in der Steinschnittlage in der Hüfte um 90 Grad angewinkelt lagern. Das Gel bzw. Wasser benetzte und angewärmte Vaginalspekulum ermöglicht die Einführung von Instrumenten in den Uterus.

Anders als bei der Laparotomie muss der Zugang nicht künstlich geschaffen werden. Vorsichtig erweitert der Frauenarzt den Zervix (Gebärmutterhals). Nun erfolgt die eigentliche Ausschabung der Drüsenschleimhaut. Dieser Vorgang dauert nur wenige Minuten. Zum Einsatz kommt die Kürette, ein Löffel mit einer scharfen Kante. Formaldehyd konserviert das abgetragene Gewebe. Ein spezialisiertes Labor untersucht die Zellen auf pathologische Auffälligkeiten.

Der Eingriff alleine muss nicht stationär durchgeführt werden, kann aber mit Komplikationen einhergehen, die stationäre Aufnahme erfordern. In der Regel erfolgt er ambulant in der gynäkologischen Praxis.

Die noch unter dem Einfluss des Betäubungsmittels benommene Patientin sollte direkt nach der Operation unter Beobachtung bleiben, nicht selbst Auto fahren und sich nach Hause begleiten lassen. In der kommenden Woche sollte sie sich körperlich schonen und noch drei Wochen auf Geschlechtsverkehr, Saunagänge, Schwimmen, Baden und Tampons verzichten, da der Muttermund etwa so lange benötigt, um in seine ursprüngliche Lage zurückzufinden.

Abrasive Behandlungen & Therapien

  • Ausschabung von tiefen austherapierten oder rezidiven Dornwarzen
  • Entfernung der Rachen- bzw. Gaumenmandeln
  • transurethrale Resektion gegen oberflächliche Blasen-/Prostatatumore
  • fraktionierte Abrasio um diagnostische Biopsien von Gebärmutterhals und -höhle separat zu entnehmen
  • Gebärmutterausschabung zur Reinigung nach einem Abort
  • Abschabung der Horn- bzw. Bindehaut des Auges
  • Ausschabung von abgenutzten Gelenkknorpeln mit einem Edelstahlrohr (Shaver)
  • Vulkangestein Bims gegen hyperkeratotische Hornhaut an den Fußsohlen
  • Entfernung abgestorbener Hautschüppchen durch Peeling (z.b. mit Tonerde, Kaffeesatz)

Gebärmutterausschabung hilft gegen:

  • Blutungsstörungen
  • verdicktes Stratum functionale
  • gutartige Schleimhautausstülpungen (Polypen)
  • gutartige Muskulaturwucherungen (Myome)

Tumore des Myometriums, der Schicht glatter Muskulatur, die in allen Hohlorganen (mit Ausnahme des Herzens) vorkommt und daran beteiligt ist, den Fötus auf die Welt zu bringen und gutartige Ausstülpungen der Schleimhaut (Polypen) können die Gebärmutter hindern, sich zusammenzuziehen und menstruale Blutungen zu regulieren.

Gebärmutterausschabung fördert & stärkt:

  • den Abgang des Aborts nach einer Fehlgeburt
  • die intrauterine Reinigung
  • Regeneration einer neuen Stratum functionale

Diagnose & Untersuchungsmethoden der Gebärmutterausschabung

Eine fraktionierte Ausschabung kann zur Diagnose von Tumoren beitragen. Gewebeknoten werden durch Palpation (Abtasten), Spekulum, transvaginale Ultraschalluntersuchung und Hysteroskopie erkannt.

Behandlung Ausschabung Ob es sich um gutartige oder bösartige Neubildungen des Gewebes handelt, findet die Biopsie heraus.
Spezialisierte Pathologen im Labor diagnostizieren histologisch und molekularbiologisch, ob es sich bei den entnommenen um Krebszellen handelt.

Um eine Endometritis zu diagnostizieren, prüft das Labor die Biopsie auf Antikörper. Die Gebärmutterentzündung kündigt sich durch eitrigen Ausfluss, Schmierblutungen und Druckempfindlichkeit an.

In der Probe können es Moleküle, Stoffwechselprodukte oder Toxine der Pathogene sein, die diese identifizieren um eine zielgerichtete Therapie auszuwählen.

Risiken & Nebenwirkungen der Gebärmutterausschabung:

  • Infektionen
  • Thrombosen
  • Verletzung der Stratum basale (tiefere Schleimhautschicht), aus der die Regeneration erfolgen soll
  • Verwachsungen und Narbengewebe durch eine Verletzung
  • und dadurch bei Folgeschwangerschaften das Asherman-Syndrom
  • Einnistungsprobleme
  • Schwierigkeiten bei der Bildung der Plazenta
  • Unfruchtbarkeit

Nach einer unvollständigen Fehlgeburt lastet eine hohe Verantwortung auf dem behandelnden Arzt. Einerseits sollen Blutungsstörungen mittels Abrasion gestoppt werden, andererseits besteht aber auch die Gefahr, durch eine ungenaue Kürettage bleibende Schäden an der Gebärmutter zu verursachen und künftige Schwangerschaften unmöglich zu machen.

Gegenanzeigen & Wechselwirkungen:

  • eine Ausschabung der Gebärmutter um die „Reste“ des verstorbenen Embryos zu entfernen stellt eine psychische Belastung der vormals schwangeren Frau und gegebenenfalls ihres Partners dar
  • infolgedessen leiden Frauen, die noch um die Fehlgeburt trauern, verstärkt unter depressiven Verstimmungen

Laut der Frauenzeitschrift Brigitte fanden Studien aus den USA und Schweden heraus, dass der Körper nach einer Fehlgeburt bei rund 80 % der Frauen das überschüssige Gewebe von selbst abstößt und nur 10 % später doch noch eine Ausschabung benötigten, nachdem sie sich dagegen entschieden hatten.

Wer behandelt?

  • Gynäkologe
  • Chirurg
  • Augenarzt
  • Orthopäde
  • Dermatologe
  • Kosmetikerin
  • Fußpfleger/in

Fazit:

Behandelnde medizinischer, aber auch kosmetischer Fachrichtungen wenden die Methode der Ausschabung an um überschüssiges Gewebe zu entfernen mit dem Ziel, die natürliche Funktionsweise eines Organs wiederherzustellen und um Biopsien nach diagnostischen Gesichtspunkten zu untersuchen. Da eine Ausschabung immer auch mit Risiken verbunden ist und eine Körperverletzung darstellt, wird sie idealerweise nur von erprobtem Personal durchgeführt.

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