Polypen

Steckbrief: Polypen

  • Name(n): Polypen; Adenome
  • Art der Krankheit: makroskopische Ausstülpungen
  • Verbreitung: in Industrieländern sehr verbreitet
  • Erste Erwähnung der Krankheit: 1820
  • Behandelbar: ja
  • Art des Auslösers: Entzündung der Schleimhäute; Allergien; Viren oder Bakterien
  • Wieviele Erkrankte: jedes vierte Kind und jeder fünfte Erwachsene über 40 haben Polypen
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: Hals-Nasen-Ohrenarzt; Frauenarzt; Hausarzt
  • ICD-10 Code(s): J33.-Nasenpolyp; Adenomatöse Polypen (D14.0)

Polypen – Eine Volkserkrankung
Der Körper ist von Schleimhäuten durchzogen. Sie kommen unter anderem im Magen-Darm-Trakt vor, im Mund- und Rachenraum sowie in der Gebärmutter von Frauen. Ihre Aufgabe besteht darin, wichtige Organe vor Schmutz, Verletzungen und gegebenenfalls auch vor Austrocknungen zu schützen. Normalerweise sind diese Schleimhäute ebenmäßig. Doch es können sich kleine Auswucherungen auf diesen Schleimhäuten bilden. Diese Wucherungen sind in der Regel harmlos, können aber zu Beeinträchtigungen führen, wenn sie überhaupt wahrgenommen werden. Medizinisch werden diese Auswucherungen der Schleimhäute auch als „Polypen“ bezeichnet.

Definition von Polypen

Polypen sind kleine Wucherungen, die sich auf Schleimhäuten bilden können. Sie sind meistens nur wenige Zentimeter groß und fallen häufig gutartig aus. Das bedeutet, dass sie sich nicht ausbreiten, sondern lokal auftreten. Je nachdem, wo sie auftreten, führen sie eventuell zu Beeinträchtigung normaler Lebensabläufe. Die häufigsten Vorkommen sind in der Nasenschleimhaut, der Darmschleimhaut und der Gebärmutterschleimhaut. Die Entstehung der Polypen ist noch nicht vollständig aufgeklärt.

Was sind Polypen?

Polypen, auch als „Adenome“ bezeichnet, sind Wölbungen oder Wucherungen, die theoretisch auf allen Schleimhäuten des Körpers entstehen können. Häufig sind sie gutartig und unauffällig. Die Patienten wissen häufig nicht einmal, dass sie Polypen haben, da sie keine Schmerzen verursachen. Polypen in der Nase machen sind eventuell dadurch bemerkbar, dass die Betroffenen nur unter leichter Anstrengung Luft holen können oder dass sie beim Schlafen schnarchen. Wenn die Polypen dagegen im Darm oder in der Gebärmutter auftreten, werden sie in der Regel nur durch Zufalls bemerkt, wenn ein Arzt beispielsweise eine Darmspiegelung durchführt, ohne zu wissen, dass ein Patient Polypen hat oder nicht.

Polypen wachsen in der Regel 1mm pro Jahr. Entsprechend kann es sehr lange dauern, bevor die typischen Wölbungen überhaupt erkennbar sind. Ausgeprägte Polypen lassen sich dagegen leicht identifizieren. In einer Endoskopie, also der Begutachtung der Schleimhäute mithilfe einer medizinischen Kamera, lassen sich Polypen ohne Vergrößerungshilfen erkennen und je nach ihrer Lokalisation können sie vom Arzt auch ertastet werden.

Bei einem Fund von Polypen nimmt ein Arzt Gewebeproben der Wucherungen, um zu ergründen, ob sie gutartig sind oder ob sie ausgeartet sind. Abhängig davon, wo die Polypen gefunden wurden und wie stark sie einen Patienten beeinträchtigen, wird über die weitere Vorgehensweise entschieden. Nasenschleimhautpolypen werden beispielsweise häufiger nicht behandelt, da sie vergleichsweise ungefährlich sind. Polypen in der Darmregion oder in der Gebärmutter können dagegen „ausarten“ und sich unkontrolliert verbreiten. Sie werden bei Befund zeitnah entfernt und ein Patient oder eine Patientin ist darauf angewiesen, sich in regelmäßigen Abständen auf eine Neubildung der Wucherungen untersuchen zu lassen.

Welche Ursachen gibt es?

Es ist noch nicht vollständig geklärt, welche Ursachen zur Bildung der Polypen führen können. Ein bekannter Faktor ist eine chronische Reizung der betroffenen Schleimhäute. Das kann eine Folge einer Allergie sein oder auf eine andere Krankheit wie beispielsweise Morbus Crohn zurück zu führen sein. Mediziner gehen auch davon aus, dass Viren und Bakterien möglicherweise zu einer Bildung von Polypen in einigen Regionen führen können. Dabei nisten sich die Fremdkörper in den Schleimhäuten ein und verursachen durch ihre Vermehrung die Bildung der unerwünschten Wucherungen. Bei Darmpolypen spielt auch die Ernährung der Patienten eine Rolle. Alles, was ein Mensch isst, kann zu einer Reizung der Darmschleimhäute führen. Bestehen Unverträglichkeiten gegen Kohlenhydrate, Milch oder andere Nahrungsmittel, wird der Darm und damit auch die Darmschleimhaut bei der Verdauung stark beansprucht und kann als Überreaktion zur Bildung der Polypen führen. Aber auch der häufige Konsum von Alkohol oder Tabak kann ein Faktor sein, da solche Genussmittel für den Körper eine erhebliche Belastung darstellen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Erbkrankheiten und Gendefekte, welche zu krankhaften Schädigungen von Schleimhäuten führen können. Dazu gehört unter anderem die familiäre adenomatöse Polyposis, bei der sich im Dickdarm breitflächige Polypen bilden. Diese Krankheit wird autosomal dominant vererbt, wenn also ein Elternteil die Krankheit hat, wird sie bei den Kindern mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch auftreten.
Zusammenfassend sind bekannte Ursachen:

  • chronische Schleimhautreizungen
  • Allergien
  • Vorerkrankungen
  • häufiger Konsum von Genussmitteln
  • Viren und Bakterien
  • Lebensmittelunverträglichkeiten
  • Gendefekte und Erbkrankheiten

Symptome und Anzeichen

Wie bereits erwähnt, sind Polypen normalerweise von unauffälliger Natur. Betroffene können über Jahre hinweg mit Polypen leben, ohne diese wahrzunehmen. Die einzige Form der Polypen, die sich im Körper bemerkbar macht, sind Nasenpolypen.
Wenn die Nasenpolypen wachsen, verengen sie die nasalen Atemwege. Als Reaktion davon fällt es den Patienten schwer, durch die Nase zu atmen. Ebenfalls stellt sich häufig ein Gefühl ein, als würden größere Objekte in den Atemwegen stecken und diese blockieren. Als Folge dieser Blockade fangen betroffene Personen an im Schlaf zu schnarchen, da sie durch die Verengungen nachts schlechter Luft bekommen. Das kann sich auch auf das Schlafverhalten der Betroffenen auswirken und dazu führen, dass sie nicht ruhig durchschlafen können. Manchmal wird auch ihre Sprechweise sehr nasal, so als würden sie ständig erkältet sein. Tatsächlich sind häufige Erkältungserscheinungen wie eine dauerhaft gereizte Nase und sehr häufiges Niesen Anzeichen dafür, dass sich Polypen gebildet haben könnten. Der Körper versucht durch das Niesen die Atemwege wieder zu befreien, was aber nicht gelingt. In sehr extremen Fällen wird der ausgenieste Schleim eitrig. Ein weiteres deutliches Anzeichen besteht in dauerhaften Kopfschmerzen. Diese sind auf den Druck zurück zu führen, die Nasenpolypen auf die Atemwege ausüben. Wachsen die Polypen zu groß, verschließen sie eventuell die Atemwege der Nase komplett, was einen Verlust des Geruchssinns nach sich zieht.
Zusammengefasst sind Symptome für Nasenpolypen:

  • Atembeschwerden
  • Häufiges Niesen
  • Anhaltende Kopfschmerzen
  • Gefühl von Druck in der Nase
  • Schnarchen und Schlafstörungen
  • Verlust des Geruchssinns

Diagnose und Krankheitsverlauf:

Polypen lassen sich auf zwei Arten feststellen, mit einer Endoskopie oder durch Ertasten. Bei einer Endoskopie führt der Arzt eine kleine, flexible Kamera in die möglicherweise betroffenen Regionen ein. Auf einem Kontrollmonitor kann er genau sehen, in welchem Zustand die Schleimhäute in der untersuchten Körperregion sind und ob es Anzeichen für die Bildung von Wucherungen gibt. Da Polypen sich häufig in der Nähe der Schleimhautenden bilden, lassen sich manche Wucherungen auch mit dem bloßen Auge erkennen. Trotzdem führt der Arzt ein Endoskop ein, um zu überprüfen, wie weit der Auswuchs der Polypen in der Region voran geschritten ist.
Beim Ertasten von Polypen führt der Arzt ein bis zwei Finger in die entsprechende Körperregion ein, um zu überprüfen, ob er ungewöhnliche Ausformungen feststellen kann. Bei Nasenpolypen kann es bereits reichen, die Nase von Außen vorsichtig einzudrücken, um Wucherungen festzustellen.

Zum Krankheitsverlauf von Polypen
Bei Polypen gibt es keine Stadien im eigentlichen Sinn. Die Polypen wachsen lokal und können sich völlig unauffällig verhalten. Gerade bei Nasenpolypen ist diese Entwicklungsform häufig der Fall. Bei Darm- und Gebärmutterpolypen besteht allerdings das Risiko, dass sie sich von Adenomen zu Karzinomen wandeln und ausarten. Sie werden zu Krebszellen, die unkontrolliert in der Schleimhaut wuchern und zu Darmkrebs oder Gebärmutterhalskrebs führen. Darum ist es wichtig, dass diese Regionen ungefähr ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig untersucht werden. Je früher Polypen diagnostiziert werden, desto besser stehen die Chancen, sie ohne weitere Folgen entfernen zu können.

Häufigkeit von Polypen

Je nach ihrer Ausprägung kommen Polypen unterschiedlich häufig vor. Bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren treten häufiger die Nasenpolypen auf. Ca. jedes 4 Kind hat mindestens eine Wucherung in seinen nasalen Atemwegen. Bei Gebärmutterpolypen ist die Zahl etwas geringer. Da schwanken die Zahlen zwischen 20% und 25% aller Frauen, bei denen sich Polypen in der Gebärmutter bilden. Darmpolypen treten wiederum vermehrt bei älteren Menschen ca. ab dem 60. Lebensjahr vermehrt auf. Ungefähr jeder fünfte Senior hat erwiesener maßen Darmpolypen.
Die Häufigkeit der Polypen variiert aber auch stark von Land zu Land. In westlichen Regionen wie Westeuropa und Nordamerika leiden die Menschen öfter an Darmpolypen als in östlichen Regionen. Mediziner führen diese Tatsache auf die Unterschiede im Lebenswandel der Patienten zurück. In Europa und in Nordamerika ernährt sich der Großteil der Bevölkerung zu ungesund. Es wird viel Fleisch und Alkohol verzehrt und der Tabakkonsum ist höher als in östlichen Gegenden. In Verbindung mit wenig Bewegung wird dieser Faktor als einer der Gründe für eine Häufung der Darmpolypen angesehen.
Generell gibt es aber keine Regel, nach dem man vorhersagen könnte, ab wann ein Risiko besteht, dass man Polypen irgendeiner Art bekommt. Darmpolypen können genauso bei Kindern und Jugendlichen auftreten wie bei alten Menschen Nasenpolypen wachsen können.

Komplikationen durch Polypen

Polypen beeinträchtigen in ihrem Wachstum die Funktionen der Schleimhaut. Bleiben die Wucherungen über längere Zeit unentdeckt, führen sie zu Reizungen und Entzündungen der betroffenen Schleimhäute. Das wiederum hat zur Folge, dass die eigentlich schützenden Schichten des Darms, der Gebärmutter oder auch der Nase anfällig für den Befall durch Viren oder Bakterien werden. Die Krankheitserreger können sich leichter im Körper festsetzen und zu Folgeerkrankungen führen. Außerdem werden umliegende Knochen und Weichteile angegriffen und können ebenfalls im Verlauf einer Erkrankung infiziert werden. Im schlimmsten Fall finden Viren oder Bakterien ihren Weg beispielsweise durch die nasalen Schleimhäute in die Blutbahn zum Gehirn und setzen sich dort fest, was zu erheblichen Nervenschäden führen kann. Diese Art der Komplikation durch Polypen ist aber sehr selten.

Komplikationen bei Nasenpolypen
Ein Problem, das vor allen Dingen die Nasenschleimhäute betrifft, ist die Verlagerung der Atmung. Personen, bei denen in der Nase bereits größere Polypen gewachsen sind, neigen zu einer Atmung durch den Mund statt durch die Nase. Das hängt einfach damit zusammen, dass das Ein- und Ausatmen durch den Mund nicht von den Polypen behindert wird. Die Nase dient allerdings nicht nur dazu, Atemluft aufzunehmen, sondern sie auch für den Körper „verträglich“ zu machen. Auf der einen Seite werden Fremdkörper wie Viren oder Bakterien durch die feinen Nasenhärchen und die Nasenschleimhaut gefiltert und in Form von Schleim wieder aus dem Körper befördert, bevor sie größeren Schaden verursachen können. Auf der anderen Seite wird die Luft in der Nase leicht angewärmt, ehe sie zu den Lungen transportiert wird. Die Lungen sind sehr kälteempfindlich und können durch zu kalte Luft ebenfalls beeinträchtigt werden, was sich im schlimmsten Fall als Lungenentzündung bemerkbar macht. Fallen die schützenden Mechanismen der nasalen Atmung weg, besteht die Gefahr, dass Betroffene leichter Fremdkörper über die Atemluft aufnehmen oder sich durch zu kühle Luft eine Erkrankung der Lungen zuziehen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Verdacht auf den Wuchs von Polypen besteht eventuell bei Menschen, die intensive Schnarcher sind, die Probleme beim Atmen durch die Nase haben oder die generell sehr häufig und hartnäckigen Erkältungen leiden. In diesem Fall ist man gut beraten, einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufzusuchen, um die nasalen Atemwege einmal gründlich untersuchen zu lassen. Eltern sind auch dazu aufgerufen, ihre Kinder genau zu beobachten. Treten bei ihnen die oben beschriebenen Anzeichen auf, ist ein Besuch beim Kinderarzt oder einem HNO-Arzt wichtig, um eventuelle Polypen in der Nase schnell erkennen und entfernen zu können.
Um den Verdacht von Darmpolypen ausräumen zu können, sollten Männer und Frauen ca. ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig zu ihren Vorsorge-Untersuchungen vom Hausarzt gehen und dort auch eine Darmspiegelung machen lassen.
Die Untersuchung auf Gebärmutterpolypen übernimmt dagegen ein Frauenarzt. In der Regel geschieht das im Rahmen der normalen Untersuchungen, aber Frauen können auch darum bitten, auf ein mögliches Wachstum der unerwünschten Wucherungen untersucht zu werden.

Behandlung von Polypen

Polypen werden in der Regel durch einen kleinen operativen Eingriff entfernt. Dieser heißt auch „Polypektomie“. Bei diesem Eingriff wird über das Endoskop, mit dem der Arzt die Polypen entdeckt hat, ein kleines medizinisches Instrument mit einer Metallschlaufe in den Körper eingeführt. Der Patient erhält dazu normalerweise eine lokale Betäubung.

Die Metallschlaufe führt der Arzt vorsichtig über einzelne Polypen und setzt sie so nah wie möglich an die Schleimhaut, um möglichst viel des gewucherten Gewebes entfernen zu können. Die Schlaufe wird zugezogen und der Draht anschließend für einen kurzen Moment unter Hochfrequenz-Strom gesetzt. Das hat eine Hitzeentwicklung in der Schlaufe zur Folge. Durch die Hitze schneidet der Draht leichter durch das Gewebe und trennt den Polypen reibungslos ab. Gleichzeitig wird die mikroskopisch kleine Wunde durch die Hitze versiegelt, sodass es nicht zu Einblutungen kommt. Wenn der Arzt die Schlaufe wieder zurückzieht, entfernt er auch gleichzeitig das abgeschnittene Polypengewebe, da es für spätere Untersuchungen gesammelt wird. Anschließend wiederholt er den Eingriff, bis alle Polypen entfernt sind. Der Patient bekommt aufgrund der lokalen Betäubung von dem Eingriff nur relativ wenig mit.

Es gibt allerdings noch einen weiteren Vorteil der Polypektomie: sie lässt sich idealerweise im Zuge einer normalen Darmspiegelung oder Nasenuntersuchung durchführen und der Patient muss nicht noch einmal extra zu einem Operationstermin erscheinen. Allerdings besteht auch ein Risiko, dass der Eingriff nicht an allen gefundenen Wucherungen vorgenommen werden kann. Das ist der Fall, wenn einzelne Polypen beispielsweise größer als zwei oder drei Zentimeter sind. Wucherungen von dieser Größe können nicht über die kleine Metallschlaufe abgeschnitten werden, sondern müssen chirurgisch entfernt werden. Hierbei erhält der Patient allerdings eine Vollnarkose und bekommt von dem eigentlichen Eingriff gar nichts mit.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Eine weitere Möglichkeit der Behandlung, die allerdings nur bei kleineren Nasenpolypen besteht, ist eine medikamentöse Therapie. Hierbei erhalten die Patienten ein Cortison-Präparat in Form eines Nasensprays verschrieben, welches sie über einen festgelegten Zeitraum anwenden müssen. Das Cortison bewirkt, dass sich kleinere Wucherungen wieder zurückbilden können. Sie verschwinden nicht vollständig, aber sie wachsen normalerweise auch nicht weiter, sodass die Patienten ohne Einschränkungen leben können. Wenn Polypen allerdings eine Größe von einem Zentimeter überschritten haben, ist eine medikamentöse Therapie nicht mehr möglich und die Wucherungen müssen entfernt werden.

Polypen vorbeugen

Da noch nicht alle Ursachen abgeklärt sind, die zur Entstehung von Polypen führen können, gibt es bisher auch noch keine Möglichkeiten, sich vor den Wucherungen effektiv zu schützen. Personen, bei denen Polypen in der Familie vorgekommen sind, können im gewissen Maße das Risiko verringern, dass es bei ihnen zu den unerwünschten Gewächsen kommt, indem sie auf eine gesunde Lebensweise achten. Durch eine ausgewogene Ernährung, Sport oder ausreichend Bewegung und einen Verzicht oder einen sehr eingeschränkten Konsum von Alkohol und Tabak wird die Wahrscheinlichkeit verringert, dass es zu einer Polypenbildung kommt.

Trotzdem sollten die Betroffenen in regelmäßigen Abständen zu Vorsorgeuntersuchungen gehen. Nur auf diese Weise können sie sicher gehen, dass sie keine Polypen haben. Wenn dennoch Wucherungen gefunden werden, können sie einfacher und schneller entfernt werden.

Patienten, bei denen bereits Nasenpolypen gefunden und entfernt wurden, sollten außerdem darauf achten, dass sie ihre Nasenschleimhäute pflegen. Das geschieht zum Beispiel durch Inhalationen und Nasenduschen mit Salzwasser. Die Schleimhäute werden dadurch zum einen befeuchtet, zum anderen wirkt die Salzlösung antibakteriell und hilft dabei, kleinere Schwellungen zu lindern. Auch die Nutzung von Cortison-Präparaten wird empfohlen, damit sich eventuell neu gebildete Polypen wieder zurückbilden.

Prognosen und Heilungschancen

Obwohl sich Polypen in der Regel sehr gut entfernen lassen, besteht immer ein Risiko der Neubildung von Wucherungen. Untersuchungen zufolge beläuft sich allein bei Patienten mit Nasenpolypen die Wahrscheinlichkeit einer Neubildung von Wucherungen bei knapp 75% im ersten Jahr. Darmpolypen können sich mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 45% in den ersten drei Jahren nach einer Entfernung erneut bilden, ebenso Gebärmutterpolypen. Darum wird den Patienten empfohlen, nach einem Eingriff in regelmäßigen Abständen zu Nachuntersuchungen zu gehen. Bei Nasenpolypen wird ein Intervall von einem Jahr, dann drei und anschließend regelmäßig fünf Jahren empfohlen. Bei Darm- und Gebärmutterpolypen sollten die Patienten drei Jahre nach dem Eingriff die erste Nachuntersuchung machen lassen und anschließend ebenfalls regelmäßig alle fünf Jahre zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

Wurde in der Gewebeuntersuchung eines Polypen festgestellt, dass dieser entartet ist und sich zu einem Karzinom umgewandelt hat, wird bereits eine Nachuntersuchung nach 6 Monaten angesetzt. Hierbei wird überprüft, ob eventuell anderes Gewebe befallen worden ist und eine Krebserkrankung vorliegt oder ob der Patient gesund ist. Ist der Befund negativ, gehen Ärzte häufig zu dem oben beschrieben Rhythmus von drei und dann fünf Jahren über. Ist der Befund dagegen positiv, muss zeitnah mit einer entsprechenden Krebstherapie begonnen werden, um den Krankheitsverlauf so gut wie nur möglich einzuschränken und Krebszellen abzutöten.

Ein Irrtum über Polypen

Es gibt einen Irrglauben, der sich immer noch sehr hartnäckig hält, nämlich, dass mit „Polypen“ die vergrößerten Rachenmandeln gemeint sind. Darum sprechen viele Menschen davon, dass sie die Polypen entfernt bekommen haben, wenn sie eigentlich meinen, dass ihnen die Mandeln entfernt wurden.

Die Ursache für diesen häufig verbreiteten Irrtum liegt darin, dass Polypen und die Rachenmandeln sehr ähnlich zueinander sind. Während die Polypen aber Adenome sind, sprechen Mediziner bei Rachenmandeln von „Adenoiden“. Das bedeutet soviel wie „drüsenähnlich“ oder „lymphähnlich“.

Die vergrößerten Mandeln kommen häufig im Kindesalter vor und können wie auch echte Polypen zu Reizungen der Atemwege, häufigen Erkältungen und einem anhaltenden Schnarchen führen. Sie werden in vielen Fällen aber nicht operativ entfernt. Das hängt damit zusammen, dass die Rachenmandeln im Verlauf der Pubertät schrumpfen und die Atemwege dadurch wieder frei werden. Nur wenn es zu erheblichen Vergrößerungen kommt, die für Kinder durchaus schmerzhaft sind, werden die Mandeln entfernt. Sie stellen zwar Bestandteile der Immunabwehr dar, allerdings kann der Körper auch ohne die Rachenmandeln leben und ist in der Lage Viren und Bakterien abzuwehren, sodass eine Entfernung der Rachenmandeln im Kindesalter als unbedenklich einzustufen ist.

Alternative Behandlungsmethoden

Alternative Behandlungsmethoden haben gegen Polypen bereits einige Erfolge erzielen können, auch wenn die Wirkung der einzelnen Therapien umstritten ist. Unter anderem kommen diese Methoden zum Einsatz:

Akupunktur:
Die Akupunktur soll bewirken, dass sich Polypen auf ganz natürliche Art und Weise wieder zurückbilden. Diese Therapie-Form wird hauptsächlich eingesetzt, weil sie schonender als eine Polypektomie ist. Zur Behandlung werden bestimmte Energieblockaden im Gesicht oder auch in der Bauchregion durch die kleinen Einstiche von Akupunkturnadeln aufgelöst. Als Folge davon soll das Immunsystem angeregt werden und die Polypen selbstständig wieder abbauen. Die Akupunktur kann theoretisch gegen jegliche Form von Polypen eingesetzt werden, es gibt keine Form der Wuchungen, die besser oder schlechter auf diese Behandlung anspricht.

Laser-Akupunktur:
Eine Alternative zur klassischen Akupunktur ist die sogenannte Laser-Akupunktur, die ebenfalls häufig zur alternativen Behandlung von Polypen verwendet wird. Hierbei kommen nicht Akupunktur-Nadeln zum Einsatz, sondern eine kleine medizinische Laser-Pistole. Diese erzeugt einen Punkt auf der Haut, der das Gewebe durchdringt und die darunter liegenden Energiezentren stimuliert. Das geschieht allerdings nicht durch einen Einstich, sondern allein durch Wärme, die mögliche Blockaden auflösen soll. Ein positiver Nebeneffekt besteht darin, dass durch die Wärme auch die Funktionen der Nasenschleimhaut angeregt werden, sodass diese von ganz alleine mehr Schleim produzieren.

Darmsanierung:
Wie der Name es schon vermuten lässt, dient eine Darmsanierung dazu, den menschlichen Darm zu reinigen und zu stärken. Dazu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Ein Teil einer Darmsanierung ist die Umstellung der Ernährung, wobei auf Kohlenhydrate und tierische Fette weitestgehend verzichtet werden soll. Stattdessen stellen mehr Gemüse und Obst auf dem Speiseplan, die den Darm nicht nur entlasten, sondern auch die Verdauung verbessern sollen. Ein anderer Teil einer Darmsanierung besteht dagegen darin, den Darm zu reinigen und von Schadstoffen wie zum Beispiel von Lebensmittelzusatzstoffen, Viren und Bakterien zu befreien. Dazu wird der Darm zum Beispiel durch Einläufe ausgespült oder durch eine Heilfasten-Kur von Giftstoffen befreit. Wenn die vermeintlichen Ursachen der Polypen aus dem Darm entfernt sind, soll die Darmschleimhaut sich von alleine regenerieren und unerwünschte Wucherungen abbauen.

Hausmittel gegen Polypen

Bei Hausmitteln setzt man vor alle Dingen auf die sogenannte Phytomedizinische Behandlungsmethode. Dabei handelt es sich um eine Behandlungsmethode, die komplett auf pflanzliche Wirkstoffe setzt. Sie kommt ebenfalls bei Nasenpolypen zum Einsatz. Sie sollen allerdings nicht primär eine Heilung bringen, sondern andere Behandlungen positiv unterstützen. Präparate auf Ananas-Basis dienen zum Beispiel dazu, Schwellungen zu lindern und eventuelle Reizungen schneller ausheilen zu lassen. Auch Senföl oder Honigbehandlungen können diesen Effekt auslösen, da sie als natürliche Heilmittel gelten. Nasenduschen mit Kurkuma sollen dagegen den Schleimfluss anregen und somit eventuelle Schadstoffe besser von den Schleimhäuten lösen.

Heilkräuter

Heilkräuter haben bei der Behandlung von Polypen in der Regel die Funktion, das Wachstum zu verringern und die natürlichen Funktionen der Schleimhäute zu fördern. Da viele Kräuter eine antibakterielle Wirkung haben, helfen sie gegen die Schwellungen, welche durch Polypen verursacht werden. Die Wucherungen bilden sich dadurch nicht zurück, aber sie werden zumindest geringfügig verkleinert. Besonders bei Nasenpolypen kann es eine kurzzeitige Linderung bringen, wenn sich die Patienten mit Heilkräutern behandeln. Dabei werden die Heilkräuter in einem Wasserdampfbad aufbereitet, damit sie inhaliert werden können. Auch die Verwendung von Heilkräutern als Tee können helfen, weil die im Tee gelösten Wirkstoffe die Darmschleimhaut anregen können. Durch die Verdauung können die Wirkstoffe der Heilkräuter zusätzlich aufgenommen und über das Blut auch an die Gebärmutter geleitet werden.
Geeignete Heilkräuter zur Behandlung von Polypen sind:

  • Fichte
  • Kamille
  • Kiefer
  • Salbei
  • Thymian

Ätherische Öle

Anders als die reinen Heilkräuter, die sowohl eine Verwendung für die Atmung als auch für die orale Einnahme finden, eignen sich ätherische Öle allein zur Behandlung von Nasenpolypen. Die Öle lassen sich beispielsweise direkt auf die Polypen auftragen, wenn sie entsprechend weit vorne in der Nase wachsen. Die Öle können auf ein dünnes Wattestäbchen geträufelt und direkt in die Nase eingeführt werden, um sie vorsichtig auf das Gewebe der Wucherungen zu streichen. Die Wirkung durch diese Behandlung ist intensiver, aber sie kann auch ein leichtes Brennen nach sich ziehen, da die ätherischen Öle eine geringfügig reizende Wirkung haben können.

Eine andere Verwendung der Öle besteht darin, sie einzuatmen. Das funktioniert zum Beispiel in Form einer Wasserdampf-Inhalation oder auch, indem die Öle auf ein Taschentuch oder ein Wattebäuschen geträufelt werden und die Patienten dann immer wieder am Taschentuch beziehungsweise den Wattebäuschen riecht. Die Öle werden eingeatmet und wirken dadurch wieder auf die Wucherungen, allerdings nicht ganz so intensiv wie bei einem direkten Kontakt.
Die ätherischen Öle, die für die Behandlung von Polypen geeignet sind, lauten:

  • Fichtenöl
  • Kamillenöl
  • Majoranöl
  • Kieferöl

Homöopathie

Homöopathische Komplexprodukte dienen dazu, die natürlichen Heilkräfte des Körpers anzuregen und mögliche Schwellungen deutlich zu verringern. Diese alternative Behandlungsmethode wird vor allen Dingen bei Kindern angewendet, die unter Nasenpolypen leiden, aber auch Patienten mit Darm- oder Gebärmutterpolypen greifen oft auf Homöopathie als eine Alternative zur Polypektomie zurück.

Die Präparate lassen sich oral einnehmen oder in einigen Fällen auch nasal anwenden, um die Polypen direkt an ihrem Wachstumsort zu bekämpfen. Eine Anwendung dauert oft mehrere Wochen, ehe sich Aussagen darüber machen lassen, ob die Behandlung mit den Präparaten dauerhafte Wirkung zeigt. Punktuell verschaffen die homöopathischen Produkte sicherlich Linderung, da sie zu einer leichten Rückbildung der Schwellungen führen und es den Patienten somit für einen gewissen Zeitraum erlauben, etwas freier zu atmen.

Schüssler-Salze

Die Schüssler-Salze werden oral eingenommen, um die Rückbildung von Polypen zu erwirken. Hierbei ist es nicht wichtig, welche Form von Polypen vorliegen. Die Salze werden durch die Magenschleimhaut aufgenommen und über den Blutkreislauf im ganzen Körper verteilt, sodass alle Schleimhäute gleichermaßen durch die Einnahme der Salze in ihrer Funktion verbessert werden können.

Die Schüssler-Salze sollen Nährstoffe ersetzten, die durch die Bildung der Polypen dem Körper entweder fehlen oder die von vorne herein nicht ausreichend vorhanden waren und deshalb das Immunsystem in seiner Funktion beeinträchtigt hat. Auch Allergien, die ein möglicher Faktor für die Bildung von Polypen sein können, sollen auf ein Ungleichgewicht von Nährsalzen und Mineralien zurück zu führen sein. Durch die Zuführung der richtigen Schüssler-Salze wird dieses Ungleichgewicht aufgehoben, was das Immunsystem wieder stärkt und dadurch die Polypen zurückbilden soll.
Geeignete Schüssler-Salze gegen Polypen sind:

Diät und Ernährung

Eine Umstellung der Ernährung kann das Wachstum der Polypen nicht umkehren, aber sie kann wie schon erwähnt, das Risiko einer Neubildung von Polypen besonders im Darmbereich verringern. Eine Diät ist nicht unbedingt als Behandlung gegen Polypen empfohlen. Einige Diätformen wie das Heilfasten bieten sich dagegen an, um den Körper zu entgiften und die eigenen Heilfähigkeiten der Darmschleimhaut. Andere Diätformen wie Paleo oder Low-Carb können auch hilfreich sein, besonders bei Patienten, die unter einer Lebensmittelunverträglichkeit oder einer Allergie leiden. Das Risiko bei Diäten besteht allerdings darin, dass der Körper aufgrund der verringerten Nahrungsaufnahme wichtige Körperfunktionen auf ein Minimum reduziert. Das beeinflusst auch das Immunsystem, das dann nicht mehr vernünftig funktionieren und gegen die Bildung oder das Wachstum von Polypen entsprechend nicht mehr vorgehen kann.

FAQ zu Polypen

 

  1. Kann man trotz Polypen normal leben?
    Ja, das ist möglich. Solange die Polypen nicht derart groß gewachsen sind, dass sie normale Körperfunktionen einschränken, kann man auch mit den Wucherungen ohne Schwierigkeiten leben.
  2. Sind alle Polypen harmlos?
    Polypen sind eine Form von unnatürlich gewachsenem Gewebe. Sie sind prinzipiell harmlos. Das Risiko besteht allerdings, dass dieses unnatürlich gewachsene Gewebe sich zu Karzinomen, also Krebszellen umwandelt und dann unkontrolliert weiterwächst.
  3. Können Polypen überall wachsen?
    Ja, Polypen können sich auf jeder Schleimhaut bilden, sei es in der Nase, der Gebärmutter, dem Magen oder dem Darm. Theoretisch ist es auch möglich, dass sich Polypen an den Augen bilden, da auch diese zum Teil aus einer Schleimhaut bestehen. Allerdings sind solche Polypen sehr selten.
  4. Gibt es bei der Entfernung von Polypen Komplikationen?
    Die Entfernung der Polypen ist ein chirurgischer Eingriff. Entsprechend gibt es Komplikationen, wenn zum Beispiel die Schnittstellen nicht richtig verödet wurden und es zu Einblutungen kommt. Offene Stellen können sich gegebenenfalls entzünden oder zu Infektionen führen, weshalb die Nachuntersuchungen nach der Entfernung der Polypen unverzichtbar sind.
  5. Können Polypen sich auf natürlichem Wege zurückbilden?
    Auch das ist möglich, es ist aber nicht wahrscheinlich. In der Regel wachsen die Polypen nur weiter oder hören ab einem gewissen Punkt auf zu wachsen. Dass sie sich von alleine zurückbilden, kommt nur in ganz wenigen Fällen vor.
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