Schutzimpfungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Schutzimpfungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

 

Schutzimpfungen sind eine wichtige Maßnahme zur Eindämmung und Umgehung des Ausbruchs von Epidemien bei Infektionskrankheiten, die vielfach schwere Verläufe nehmen. Insbesondere werden Schutzimpfungen gegen eine Reihe von Infektionskrankheiten empfohlen, die nachweislich bleibende Gesundheitsschäden oder Behinderungen zur Folge haben können. Die Impfungen werden in verschiedenen Altersgruppen vorgenommen.

Schutzimpfungen, die in der Kindheit verabreicht wurden, müssen häufig im Erwachsenenalter wiederholt werden. Die Durchführung von Schutzimpfungen bei großen Teilen der Bevölkerung hat Ausbrüche vieler Epidemien weitestgehend eingeschränkt, teilweise sogar in bestimmten Ländern und Regionen vollkommen ausgemerzt.

So ist hierzulande beispielsweise die Polio (Kinderlähmung) so gut wie gänzlich von der Bildfläche verschwunden. Infektionskrankheiten, wie die Diphtherie, die früher weit um sich griffen, gehören zur Seltenheit. Probleme treten immer wieder dort auf, wo es zu größeren Impflücken bei verschiedenen Altersgruppen kommt.

Schutzimpfungen, die im Kindesalter vorgenommen werden

 

Impfungen, die bereits im frühen Kindesalter (während des ersten Lebensjahrs) und folgend im Alter bis zu 12 Jahren durchgeführt werden, sind in Deutschland:

 

 

Diphtherie: Die Erreger können auch von nicht erkrankten Menschen verbreitet werden.  Die Erkrankung beginnt mit Grippeähnlichen Anzeichen. Es kommt allerdings bei 3 von 100 Fällen zu sehr schweren Verläufen mit Gehirn– und Rückenmarkschädigungen, insbesondere bei jüngeren Kindern und Säuglingen. Die Erstimpfung erfolgt im Alter von zwei Monaten, weiterhin mit Vollendung des dritten, vierten Monats und mit 11 bis 14 Monaten.

 

Masern: Die Infektion beginnt mit Erkältungserscheinungen. Erster Krankheitshinweis ist der weißliche innere Wangenbelag (Kopliken). Einige Tage darauf tritt der typische Masernausschlag auf. Bei ca. einem von tausend Betroffenen kommt eine Hirnhautentzündung dazu, häufig Mittelohr-, Lungenentzündungen, Bronchitis. Sehr schwere Verläufe können tödlich enden oder die Betroffenen erleiden bleibende körperliche oder geistige Behinderungen. Geimpft wird zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat, Wiederholungsimpfung etwa vier Wochen nach der Erstimpfung.

 

Hepatitis B: Da Erkrankungen an dieser Leberentzündung durch Viren im Säuglingsalter meist einen chronischen Verlauf nehmen, wird die frühe Impfung empfohlen. Vorgenommen werden vier frühe Impfungen, im zweiten, dritten, vierten, abschließen im 11. bis 14. Lebensmonat.

 

Keuchhusten (Pertussis): Schwere Verläufe gibt es vor allem bei Babys. Bis zu 20 % der Erkrankten müssen stationär behandelt werden. Zusätzlich können Lungen– und Mittelohrentzündungen auftreten, seltener Krampfanfälle. 1% der jüngeren Patienten stirbt am Keuchhusten. Drei Impfungen gehören zur Grundimmunisierung, die in der 9. Woche, mit drei Monaten, vier Monaten und 11 bis 14 Monaten erfolgen.

 

Polio (Kinderlähmung): Diese schwere Erkrankung gilt seit 2002 laut WHO in Europa faktisch als besiegt. Bei der Polio kommt es zu vielen sehr schweren Verläufen mit bleibenden Lähmungen mit Wachstums- und Gelenkbeeinträchtigung. Da die Erkrankung nicht weltweit besiegt ist, wird geimpft. Verabreicht werden Schluckimpfungen mit der 9. Woche, mit drei und vier Monaten und zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat.

 

fsme (Frühsommer-Meningoenzephalitis): Die fsme ist regional besonders in Süddeutschland verbreitet und wird durch Zecken übertragen. Diese Gehirnhautentzündung kann schwere bleibende Hirnschäden hinterlassen. Da es bei unter dreijährigen Kindern häufiger zu Fieber nach der Impfung kommen kann, sollte die frühe Impfung mit dem Kinderarzt besprochen werden.

Mumps: Diese Virus-Infektion beginnt mit Symptomen einer Erkältung, ist sehr schnell durch Tröpfcheninfektion übertragbar, geht mit Halsschmerzen, vielfach Ohrspeicheldrüsen-Schwellungen auf beiden Seiten einher. Fast 10% der Patienten erleiden eine Hirnhautentzündung, Entzündungen von Bauchspeicheldrüse und des Hörnervs mit oft bleibenden Schäden. Bei größeren Jungen führt die Krankheit häufig zu Hodenentzündungen, teils mit folgender Zeugungsunfähigkeit.

Röteln: Die Virusinfektion kann sehr schwere, bleibende Schäden beim Ungeborenen verursachen, wenn Schwangere erkranken. Für einen hohen Übertragungsschutz sollten alle Kinder geimpft werden, und zwar im 11. bis 14. Lebensmonat und mit 23 Monaten.
Pneumokokken: Die Bakterien verursachen vielfach Hirnhaut-, Lungen– und Mittelohrentzündungen. Gerade bei Säuglingen ist der Verlauf in bis zu 10% tödlich oder hinterlässt Folgeschäden. Impfungen werden ab dem zweiten Monat verabreicht.

 

Meningokokken:  Die Bakterien lösen Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen aus. Es gibt verschiedene Erregergruppen. Gegen Meningokokken C wird im 2. Lebensjahr geimpft. Verfügbar sind Impfstoffe in Deutschland für Gruppe C, A, B, W, Y.

Hib (Haemophilus influenzae B): Die Bakterieninfektion kann Kehldeckel- und Gehirnhautentzündungen zur Folge haben. Verabreicht wird die viermalige Impfung vom 9. bis 11. bis 14. Lebensmonat.

 

Grippe (Influenza): Die Impfung einmal jährlich wird von der Ständigen Impfkommission empfohlen für Kinder mit erhöhtem Risiko infolge chronischer Atmungserkrankungen, Herz-Kreislaufkrankheiten, Nieren-, Lebererkrankungen, Diabetes, ms, Immunstörungen, hiv.

 

hpv (Humane Papillomaviren): Die Viren sind für den Gebärmutterhalskrebs verantwortlich und werden gewöhnlich beim Geschlechtsverkehr übertragen. IPV-Impfung wird für Mädchen von 9 bis 14 Jahren empfohlen, vor dem ersten Geschlechtsverkehr.

 

Rotaviren: Diese Viren lösen teils schwere Durchfälle, Erbrechen bei Kindern aus, sind besonders gefährlich für Säuglinge und Kleinkinder. Für Säuglinge gibt es Schluckimpfungen im 8. Monat mit zwei bis drei Folgeimpfungen.

 

Windpocken (Varizellen): Die Varicella Zoster Viren verbreiten sich sehr schnell. Erkrankungen Gehen mit stark juckenden Bläschenausschlägen am ganzen Körper, oft auch den Schleimhäuten einher. Verläufe bei Jugendlichen und Erwachsenen sind schwerer. Es kann Herpes Zoster / Gürtelrose) folgen. Geimpft werden kann dreifach von der 9. Woche bis zum 11. bis 14. Monat.

 

Viele der Impfungen werden als Mehrfachimpfungen verabreicht. Das hat für die Kinder den Vorteil einer geringeren Belastung, da nicht ständige Impfungen erforderlich sind. Bei den Impfungen können teils Impfreaktionen wie Müdigkeit, leichtes Fieber, kurzzeitige Hautausschläge auftreten. Diese zeigen eigentlich die Aktivität des Immunsystems an, das unterschiedlich verläuft. Bleibende Impfschäden gehören zu den seltenen Problemen und müssen sofort gemeldet werden.

 

Impfungen vom 12 bis zum 17. Lebensjahr

 

Impfungen, die die Jugendlichen als Kinder erhalten haben, müssen vielfach im Alter von 12 bis 17 Jahren noch einmal aufgefrischt werden. Das betrifft u.a. Impfungen wie die gegen Polio, Tetanus oder Keuchhusten. Jugendliche, die bis zu diesem Alter noch keine oder noch nicht alle von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen erhalten haben, können die Impfungen auch in diesem Alter nachholen, sofern sie nicht die Krankheit, beispielsweise die Masern oder Röteln, durchgemacht und eine lebenslange Immunität erhalten haben.

 

Schutzimpfungen für Erwachsene

 

Oft wird im Erwachsenenalter Vergessen, dass bestimmte Impfungen keinen ausreichenden Schutz mehr bieten, wenn sie nicht in bestimmten großen Zeitabständen wiederholt werden. Spätestens nach jeweils zehn Jahren sollte überprüft werden, ob alle im Impfbuch stehenden Schutzimpfungen noch aktuell schützen.

Junge Erwachsene sollten bedenken, dass sie durch mangelnden Impfschutz auch später ihr Baby gefährden können, bevor es Impfungen erhalten kann. Davon abgesehen führen gerade die Impflücken bei Erwachsenen immer wieder dazu, dass inzwischen seltene Infektionskrankheiten nach Auslandsreisen oder Patientenkontakten doch wieder ausbrechen können. Solche Infektionen gefährden auch Menschen und Kinder, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können oder kleine Säuglinge im eigenen Umkreis.

Zu den Wiederholungsimpfungen gehört Tetanus, Keuchhusten, Polio, Röteln, Masern, Diphtherie. Die Influenza-Impfung wird mit einem jährlich aktualisierten Impfstoff angeboten. Influenza gefährdet sind besonders kranke Erwachsene, ältere Menschen, Menschen mit Immunschwächen.

Schutzimpfung Pro und Contra

In der Medizin heißt es allgemein: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung! Im Alltag spricht man davon, dass jedes Ding zwei Seiten hat. So können auch die hilfreichen Schutzimpfungen Nebenwirkungen haben. Großteils handelt es aber dabei um Impfreaktionen. Das heißt, der Körper aktiviert seinen Abwehrmechanismus gegen den getöteten oder geschwächten Erreger.

Solche Reaktionen, die teils mit leichtem Fieber einhergehen können, dauern nur ein bis einige Tage und enden folgenlos. Impfschäden können vor allem dann auftreten, wenn die Impfung mit einer Infektionskrankheit oder einer anderen schweren Erkrankung zusammentrifft. Daher werden die Kinder, insbesondere Säuglinge und Kleinkinder vorher gründlich untersucht.

Zahlreiche Frühimpfungen gehen mit den Vorsorgeuntersuchungen einher. Oft werden aber Erkrankungen als Impfschäden benannt, die einfach nur kurz nach der Impfung auftraten oder die zu diesem Zeitpunkt diagnostiziert werden. Behauptungen, dass Impfungen beispielsweise Autismus und weitere Psychische Erkrankungen zur Folge haben können, die Impfschäden den Nutzen überwiegen, beruhen nicht auf Tatsachen.

 

Nicht alle Vorbehalte von Eltern sind allerdings das kritiklose Nachbeten von Horrorgeschichten aus den sozialen Netzwerken im Impfen. Eltern haben berechtigte Ängste, wenn es um ihre Kinder geht. Negative Berichte über Impfungen im Internet und der Presse verunsichern sie.

Diese Sorgen müssen auf jeden Fall ernst genommen werden. Fakt ist allerdings, dass gerade die sehr bedrohlichen Epidemien in unseren Breiten durch die ständigen Durchimpfungen großer Bevölkerungsteile fast verschwunden sind. Die Pocken sind weltweit besiegt. Bei uns gibt es kaum einmal Diphtherie, wurde die Kinderlähmung gänzlich zurückgedrängt.

Impflücken führen zwar immer wieder zu Ausbrüchen von Masern, Röteln, Windpocken oder Keuchhusten, insbesondere bei Erwachsenen, aber die Infektionswellen bleiben meist regional einzugrenzen. Hier haben jedoch nicht die Schutzimpfungen versagt, sondern die Erreichung von ausreichend vielen Menschen. Die Erreger haben Angriffsflächen bei mehr nicht geimpften Menschen gefunden und konnten sich somit ausbreiten.

 

Es ist nicht daran vorbeizusehen, dass es die Pflicht und das Bestreben von Eltern ist, ihrem Kind ein glückliches, gesundes Leben zu sichern, sofern es in ihrer Kraft liegt. Mit Verzicht auf Schutzimpfungen werden aber Kinder durch Krankheiten gefährdet, die alles andere als harmlose Kinderkrankheiten sind, sondern lebenslange Folgen bedeuten können. Insgesamt sind die Verläufe der durchgehenden Impfungen vom frühen Kindesalter an, die bisher sicherste Methode und Chance, viele Infektionskrankheiten, vor allem die Epidemien zu besiegen.

 

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