Ephedrin

So hilfreich Ephedrin bei diversen Erkrankungen, chronischen Leiden oder als Appetitzügler ist, so gefährlich kann sein Missbrauch werden.

Nicht umsonst ist Ephedrin in der Europäischen Union unter besonderer Beobachtung. Es findet sich auf Anti-Doping-Listen, wird zur Herstellung halluzinogener Drogen verwendet und ist deshalb nur mehr mit Rezept erhältlich.

Der chemisch ähnliche Wirkstoff Pseudoephedrin hingegen ist in den meisten bekannten Erkältungsmitteln enthalten, die auch ohne vorherigen Arztbesuch in den Apotheken erhältlich sind.

Trotz der geringeren Dosierung und der besseren Abschätzbarkeit der Wirkung ist aber auch hier Vorsicht geboten. Hohe Dosen führen zu mitunter starken Nebenwirkungen.

EphedrinWas ist Ephedrin?

Chemisch gesehen ist Ephedrin ein Phenylethylamin-Alkaloid. Es kommt natürlich in Pflanzen aus der Gattung Ephedra vor oder wird künstlich hergestellt.

Ephedrin ist ein Sympathomimetikum, es regt also den Sympathikus an und verstärkt dessen Wirkung.

Durch die hervorgerufene Gefäßverengung steigt der Blutdruck, die Bronchen werden dabei erweitert. Daher wird Ephedrin vor allem bei schwerwiegenden oder chronischen Erkrankungen der Atemwege eingesetzt.

Aufgrund seiner Wirkweise ist Ephedrin aber auch Bestandteil von Drogen wie N-Methylamphetamin, umgangssprachlich bekannt als Crystal oder Meth. Der Missbrauch des Wirkstoffs hört aber nicht bei fragwürdigen Partys auf, auch viele Sportler greifen darauf als Dopingmittel zurück.

Es erleichtert die Atmung und steigert so die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff, der erhöhte Blutdruck wirkt sich zusätzlich auf die Leistung aus. Kürzlich verletzte Athleten kombinieren Ephedrin mit Aspirin, dies soll Schmerzen lindern.

Missbrauch dieser Art von Ephedrin kann zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden führen, aufgrund der Häufung solcher Fälle ist der Wirkstoff seit 2001 rezeptpflichtig.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?


Allgemeines

Allgemeines
NameEphedrin
Andere Namen
  • L-(−)-Ephedrin
  • (1R,2S)-2-Methylamino-1-phenylpropan-1-ol
SummenformelC10H15NO
Kurzbeschreibungweißer Feststoff mit schwachem Eigengeruch

Wirkungsweise

So wirkt Ephedrin

Das vegetative oder autonome Nervensystem steuert wichtige Prozesse im Körper, auf die wir selbst keinen Einfluss haben. Dabei ist es in Sympathikus und Parasympathikus unterteilt.

Ersterer erhöht die Herzfrequenz durch Ausschüttung von Noradrenalin, Prozesse im Körper werden angeregt und aktiviert. Der Parasympathikus senkt die Herzfrequenz und entschleunigt Atmung und Stoffwechsel.

Ephedrin ist ein Sympathomimetikum. Das heißt, es regt den Sympathikus an, den aktivierenden Teil des vegetativen Nervensystems. Dazu erhöht es die Ausschüttung von Noradrenalin, was zu einem Anstieg der Herzfrequenz und zu einer Verengung der Blutgefäße führt.

Gleichzeitig verzögert es die Wiederaufnahme dieses Botenstoffs, was seine Wirkung zusätzlich verlängert.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Ephedrin

In Arzneimitteln liegt Ephedrin häufig als Ephedrinhydrochlorid vor. Dieses Salz ist gut wasserlöslich und kann damit leichter verabreicht und vom Körper aufgenommen werden.

Die Einnahme erfolgt üblicherweise oral, über die Darmwand gelangt der Wirkstoff dann ins Blut. Bei einer Hypertonie während einer Anästhesie wird der Wirkstoff in einer Lösung intravenös vom Anästhesisten verabreicht.

Für den Abbau des Stoffes ist zu einem großen Teil die Leber verantwortlich, ausgeschieden wird er über die Nieren mit dem Urin. Das ist mit ein Grund, warum Menschen mit Leber– oder Nierenschäden von der Einnahme von Ephedrin abgeraten wird.

Die Halbwertszeit beträgt zwischen drei und acht Stunden.


Anwendungsgebiete

Wann wird Ephedrin eingesetzt?

Die drei Hauptanwendungsgebiete von Ephedrin sind erstens die Hypertonie während einer Anästhesie, zweitens die Behandlung von Asthma und anderen chronischen Atemwegserkrankungen und drittens, in geringer Dosierung, meistens als Pseudoephedrin vorliegend, bei Erkältungen und Schnupfen.

Die Anwendung während einer Narkose ist eine Akutbehandlung von stark abfallendem Blutdruck, sie erfolgt intravenös durch den Anästhesisten.

Wer unter Asthma oder anderen chronischen Störungen der Atemwege leidet, muss sich vom Arzt medikamentös einstellen lassen. Dabei kommt es vor allem auf die richtige Dosierung an, die sich im Laufe der Zeit immer wieder ändern kann.

Bei Erkältungsmitteln, die meist rezeptfrei erhältlich sind, darf die Anwendung wenige Tage nicht überschreiten. Im Zweifelsfall ist immer ein Arzt zu konsultieren. Grund dafür ist ein Gewöhnungseffekt, der sich relativ schnell einstellen kann. So kommt es zu einer geringeren Wirkung trotz gleichbleibender Dosierung.

In sogenannten Appetitzüglern, die bei der Gewichtsabnahme helfen sollen, ist ebenfalls häufig Ephedrin enthalten. Dabei ist der Wirkstoff eindeutig ein Medikament und auch als solches zu behandeln. Die Diät-Industrie setzt sich darüber hinweg und verdient, auch dank der schnell sichtbaren Ergebnisse, an solchen Präparaten viel Geld.


Richtige Anwendung

So wird Ephedrin angewendet

Grundsätzlich ist Ephedrin Teil von Kombinationspräparaten, wird also mit anderen Wirkstoffen gemeinsam verabreicht. In Medikamenten gegen Erkältung wird es mit Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure als Schmerzmittel kombiniert.

Da es die Nasenschleimhäute abschwellen lässt, ist es auch oft Teil von Medikamenten zur Behandlung von Allergien, wie zum Beispiel Heuschnupfen.

Die richtige Dosierung von Ephedrin ist entscheidend für die Wirkung und beugt Nebenwirkungen vor. Die vom Arzt verschriebene Einnahmeanleitung muss genauestens eingehalten werden. Eine Tageszufuhr von 240 Milligramm sollte dabei nicht überschritten werden.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Ephedrin?

Ephedrin gibt es in Form von:

  • Injektionslösungen zur Behandlung von Hypertonie
  • in verschiedensten Erkältungsmitteln als Tabletten, Brausetabletten oder in Pulverform
  • als Tee direkt aus der Meerträubel-Pflanze, bekannt als Mormonentee
  • als Tabletten oder Inhalation gegen Asthma
  • in der Veterinärmedizin zur Behandlung von Tieren

Handelsnamen

Monopräparate

Ephedrin wird hauptsächlich mit anderen Wirkstoffen kombiniert, als einziges Monopräparat wird Rinoral® verkauft.

Kombinationspräparate

Kombinationspräparate, die Ephedrin enthalten, sind unter anderem

  • Aspirin® Complex
  • BoxaGrippal®
  • Grippal Complex
  • Grippostad® Complex
  • ratioGrippal®
  • IbuSinex
  • SpaltGrippal®
  • Reactine duo
  • WICK Daynait

Indikationen

Eine der Hauptindikationen für die Behandlung mit Ephedrin stellen Atemwegserkrankungen dar. Auch bei Erkältungen und Schnupfen, die im Zusammenhang mit einer Verengung der Atemwege stehen, wird es verabreicht.

Aufgrund seiner blutdrucksteigernden Wirkung werden Ephedrin enthaltende Medikamente auch bei abfallendem Blutdruck, sogenannten Hypertonien, eingesetzt.


Gegenanzeigen

Wann darf Ephedrin nicht verwendet werden?

Da Ephedrin einen großen Einfluss auf das Herz-Kreislauf System hat, darf es bei bestimmten Herz-Kreislauf Erkrankungen nicht angewendet werden. Besondere Vorsicht ist außerdem bei Überempfindlichkeit auf den Wirkstoff geboten.

Wer unter Hyperthyreose, Thyreotoxikose oder schwerer Arteriosklerose leidet, darf Ephedrin nicht verabreicht bekommen. In jedem Fall sind vor einer Einnahme alle Vorerkrankungen beim verschreibenden Arzt zu nennen, damit dieser Konterindikationen überprüfen kann.

Was müssen Sie während Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Ephedrin sollte während einer Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Grund dafür ist der Umstand, dass der Wirkstoff die Plazentaschranke passiert und damit direkten Einfluss auf den Fötus hat.

Es kann zur ungewollten Erhöhung der Herzfrequenz des Kindes kommen, ebenso beobachtet wurden plötzlich auftretende Unregelmäßigkeiten des Herzrhythmus.

Muss Ephedrin während der Stillzeit eingenommen werden, sollte das Stillen für mindestens zwei Tage unterbrochen werden.

Es ist nach der Einnahme auch in der Muttermilch enthalten und wirkt sich negativ auf den Säugling aus. Beobachtet wurden vor allem eine erhöhte Reizbarkeit und Störungen des Schlafrhythmus.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Für Kinder sind Medikamente mit dem Wirkstoff Ephedrin nicht geeignet, eine Einnahme wird erst ab 12 Jahren empfohlen. Dabei ist unbedingt auf die richtige Dosierung zu achten, die mit dem behandelnden Arzt abzuklären ist.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Ephedrin?

Eine Überdosierung oder missbräuchliche Anwendung von Ephedrin kann mitunter schwere Nebenwirkungen hervorrufen. Harmlosere Anzeichen sind Unruhezustände und Schlafstörungen, im schlimmeren Fall kann es zu Angstzuständen und Panikattacken kommen.

Seltenere, aber besonders schwerwiegende Nebenwirkungen können Halluzinationen oder plötzliche Psychosen sein. Dass es sich hier nicht mehr um Lappalien handelt, ist für jeden erkennbar.

Länger andauernder oder gar dauerhafter Missbrauch führen zu einem übersteigerten Aggressivitätspotential, Konzentrationsstörungen und einer Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung.

Neben den starken Auswirkungen auf die Psyche gibt es auch eine Reihe von somatischen Problemen, die durch Ephedrin ausgelöst oder verstärkt werden können.

Dazu zählen, vor allem im Zusammenhang mit Unruhe, Herzrasen, Zittern, extreme Mundtrockenheit und Atemnot. Kopfschmerzen und Übelkeit können ebenso die Folgen einer falschen Dosierung sein.

Die Haut kann auch durch Nebenwirkungen von Ephedrin betroffen sein, es kann zu Rötungen, Juckreiz oder Ausschlägen kommen.

Vorsicht ist bei der Einnahme gemeinsam mit Koffein geboten. Ephedrin erhöht die Körpertemperatur, Koffein kann diesen Effekt verstärken.

Im Kampf gegen das Übergewicht versucht man sich das zu Nutze zu machen, allerdings steigt so die Wahrscheinlichkeit der Toleranzentwicklung als auch die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Nebenwirkungen.

Erstere bedeutet, dass immer mehr Ephedrin eingenommen werden muss, um dieselbe Wirkung zu erhalten. Letztere können erhöhter Bluthochdruck oder sogar Herzrhythmusstörungen sein.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Ephedrin?

Ephedrin ist ein Wirkstoff, der sehr anfällig für diverse Wechselwirkungen ist. Bei ständiger oder häufiger Einnahme von anderen Medikamenten ist der behandelnde Arzt daher unbedingt zu konsultieren und über die bestehende Medikation zu informieren.

Besonders häufig treten Wechselwirkungen zum Beispiel in Kombination mit anderen Sympathomimetika, MAO-Hemmern und Betablockern auf. Besondere Vorsicht ist auch bei der gleichzeitigen Einnahme von Antiepileptika oder Antidepressiva geboten.

Patienten, die unter einer medikamentös behandelten Narkolepsie leiden, müssen vor der Einnahme von Ephedrin Rücksprache mit ihrem Arzt halten.

Generell gilt, dass eine Einnahme von Ephedrin gemeinsam mit anderen stimulierenden Substanzen nicht ratsam ist. Darunter sind neben diversen Suchtmitteln auch Wirkstoffe zu verstehen, die den Sympathikus zusätzlich anregen.

Das belastet den Körper übermäßig und führt zu den bereits erwähnten Nebenwirkungen wie Zittern, Unruhe, Kopfschmerzen und Schlafstörungen.

Missbrauch von Ephedrin oder gleichzeitiger Konsum von Alkohol können schwere körperliche Schäden verursachen, vor allem weil Leber und Nieren übermäßig stark belastet werden.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Ephedrin zu beachten?

Die Einnahme als Medikament zur Behandlung von Erkältungen und Schnupfen sollte ein paar Tage nicht überschreiten. Es kommt schnell zu einem Gewöhnungseffekt, die Wirkung nimmt also bei gleichbleibender Dosierung ab.

Durch die relativ häufigen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und die Kontraindikation bei Herz-Kreislauf Erkrankungen ist vor der Einnahme unbedingt der Arzt zu konsultieren, der am besten über den eigenen Gesundheitszustand bescheid weiß.

Die jeweilige Fachinformation ist zu beachten und die vorgeschriebene Dosierung einzuhalten. Patienten, die an einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung leiden, sollten Ephedrin nicht einnehmen.

Für Kinder sind Arzneimittel, die Ephedrin enthalten, erst ab 12 Jahren geeignet. Dabei ist möglicherweise auch auf eine geringere Dosierung zu achten.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Ephedrin

Auf Grund der mitunter starken Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf System und der Häufung von Missbrauchsfällen sind Medikamente mit Ephedrin als Wirkstoff rezeptpflichtig.

Mittel gegen Erkältungen und Schnupfen enthalten grundsätzlich das chemisch ähnliche Pseudoephedrin. Diese Medikamente sind auf Grund der schwächeren und besser abschätzbaren Wirkweise apothekenpflichtig, aber rezeptfrei.


Geschichte

Seit wann ist Ephedrin bekannt?

Nagayoshi Nagai, ein japanischer Chemiker, entdeckte Ephedrin im Jahr 1885. Er konnte es aus der Pflanze Ephedra vulgaris, der Meerträubel, extrahieren.

Die traditionelle chinesische Medizin kennt die kreislaufsteigernde Wirkung dieser Pflanzenart schon lange, bereits im 16. Jahrhundert wird sie erwähnt. Um 1920 kam das erste Arzneimittel gegen Asthma, das Ephedrin enthielt, auf den Markt.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wie bei allen Medikamenten empfiehlt es sich, vor der ersten Einnahme einen Arzt aufzusuchen. Mögliche Wechselwirkungen oder negative Auswirkungen auf den Körper können so ausgeschlossen werden.

Grundsätzlich gilt, dass der Wirkstoff Ephedrin so gering wie möglich zu dosieren ist. Die übermäßige Einnahme von zum Beispiel einem Erkältungsmittel kann zu Schlafstörungen, Unruhe- und Angstzuständen führen.

Das beeinträchtigt den körpereigenen Erholungsprozess und verhindert ein schnelles Gesunden. Weitere wichtige Hinweise sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.


Quellen

  • Verordnung über die Vorläuferchemikalien
  • Soni et al. Safety of ephedra: lessons learned. Toxicology Letters, 2004, 150, 97-110
  • Shekelle P.G. et al. Efficacy and safety of ephedra and ephedrine for weight loss and athletic performance. JAMA, 2003, 289(12), 1537-1545 Pubmed
  • Scheindlein S. Ephedra: once a boon, now a bane. Molecular Interventions, 2003, 3(7), 358-359
  • Europäisches Arzneibuch PhEur
  • Chen K.K., Schmidt C.F. The action of ephedrine, the active principle of the chinese drug Ma Huang. Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics, 1924, 24(5), 339-357
  • Arzneimittel-Fachinformation (CH)

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