Sexsucht

Steckbrief: Sexsucht

  • Name(n): Sexsucht; Hypersexualität; Hyperlibido; Sexualzwang (früher Satyriasis bzw. Nymphomanie)
  • Art der Krankheit: sexuelle Funktionsstörung; stoffungebundene Sucht (Verhaltenssucht)
  • Verbreitung: weltweit
  • Erste Erwähnung der Krankheit: ca. 1830 von Jean-Étienne Esquirol und Philippe Pinel
  • Behandelbar: ja (aber erhöhte Rückfallgefahr)
  • Art des Auslösers: multifaktorial
  • Wieviele Erkrankte: 3 bis 6 Prozent der Bevölkerung
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: Sexualtherapeut; Psychotherapeut; Sozialpädagoge
  • ICD-10 Code(s): F52.7; F52.8; F52.9; F63.8

Sexsucht – Wenn die Lust zur Qual wird
Sexsucht
ALS Sexsucht bezeichnet man eine Störung der sexuellen Appetenz, die zu einer sogenannten stoffungebundenen Abhängigkeit führt. Sie weist die gleichen Verhaltensmuster auf wie andere Verhaltenssüchte (z. B.: Kaufsucht, Spielsucht). Wesentlich ist dabei ein unkontrollierbarer Zwang hinsichtlich des sexuellen Erlebens. Einerseits kann hierbei eine Fixierung auf Geschlechtsverkehr, andererseits auf Masturbation vorliegen. In jedem Fall Rücken alle anderen Lebensbereiche hinter die Sexualität, wodurch ein geregeltes Leben für Betroffene nicht oder nur eingeschränkt möglich ist. Die Sexsucht geht folglich mit einem enormen Leidensdruck einher.

Definition Sexsucht?

Die Sexsucht stellt in erster Linie eine nicht stoffgebundene Suchterkrankung dar. In der Medizin wird sie zwar häufiger als Hypersexualität bezeichnet, aber dennoch zu den typischen Süchten gezählt. Maßgeblich hierfür ist eine gesteigerte Fokussierung auf das Thema Sexualität. Allerdings stellt die genaue Definition und Abgrenzung zu einem normalen Sexualverhalten ein Problem dar. Denn wo beginnt “unnormale” Sexualität? In konservativen Kreisen werden abweichende Praktiken und Partnerwechsel oftmals als bereits krankhafte Abweichung von der Norm begriffen. Dennoch muss dann nicht zwangsläufig eine Hypersexualität bestehen. Denn diese resultiert nicht aus tradierten Normen und gesellschaftlichen Werten. Ausschlaggebend sind vielmehr das persönliche Befinden des Betroffenen sowie seine Möglichkeiten einen geregelten Alltag zu bestreiten.
Je nach Stadium der Sucht ist es einem Süchtigen nicht mehr möglich, einem normalen Alltag nachzukommen. Die übermäßige Beschäftigung mit Sex und sexuellen Handlungen verhindert folglich, dass ein Beruf ausgeübt wird oder soziale Kontakte gepflegt werden. Darüber hinaus empfinden Betroffene Scham, Ekel und Angst bezüglich ihres Verhaltens. Es besteht nunmehr ein individueller Leidensdruck, der eine Klassifizierung als Sexsucht rechtfertigt.
Insgesamt unterscheidet sich die Sexsucht nur marginal von anderen Suchterkrankungen. Neben dem Fokus auf den lustbringenden Stoff beziehungsweise die befriedigende Handlung, zeichnet sich eine stete Steigerung der Toleranzgrenze ab. Dies führt wiederum dazu, dass ein Mehr des suchterzeugenden Stoffes konsumiert werden muss oder drastischere Handlungen ausgeführt werden. Im konkreten Bezug auf die Sexsucht bedeutet dies, dass entweder mehr Sexualpartner unabhängig von der persönlichen Präferenz gewählt werden oder die eigentlichen sexuellen Handlungen zunehmend vom individuellen Geschmack abweichen. Hierbei können durchaus die Grenzen der Legalität überschritten werden. Nicht zuletzt fügt sich der Betroffene durch ein solches Verhalten oftmals körperliche sowie seelische Schäden zu, die hernach weitere Erkrankungen bedingen können. Nicht selten tritt auch eine Verquickung mit weiteren Süchten, zum Beispiel Alkohol- oder Medikamentensucht, auf.
Unter Therapeuten und Wissenschaftlern wird derzeit diskutiert, welche Handlungen und Interessen zur Sexsucht gehören. Neben einem tatsächlichen sexuellen Erleben gilt beispielsweise die Masturbationssucht als gesichert. Möglich sei aber auch die Sucht nach Pornografie, sexuellen Phantasien, Paraphilien oder gar Cybersex.


Was ist Sexsucht?

In erster Linie handelt es sich bei der Sexsucht um eine nichtstoffgebundene Suchterkrankung, die im Gegensatz zu stoffgebundenen Süchten nicht auf eine bestimmte Substanz, sondern auf ein Verhalten ausgerichtet ist. Wie andere Verhaltenssüchte (z. B.: Spielsucht oder die als Binge-Eating bekannte Esssucht) ist die Sexsucht auf die zwanghafte Befriedigung eines Bedürfnisses ausgerichtet, wodurch eine psychische Abhängigkeit entstehen kann. Um tatsächlich als Sucht markiert zu werden, müssen folgende Kriterien mehr oder weniger erfüllt sein:

  • Dosissteigerung und Toleranzentwicklung
  • Kontrollverlust
  • Wiederholungszwang
  • Entzugserscheinungen
  • Lebenszentrierung auf die Bedürfnisbefriedigung
  • Beruflicher und sozialer Abstieg
  • Psychischer und physischer Zerfall
  • Hoher Leidensdruck
  • Führen eines Doppellebens

Bei der Sexsucht betreffen diese Kriterien zum einen die Zentrierung auf Masturbation und zum anderen auf sexuelle Kontakte mit einem Partner. Zu Beginn der Sucht nimmt die Anzahl der sexuellen Handlungen zu, genügt jedoch irgendwann der Bedürfnisbefriedigung nicht mehr. Hat sich diese Toleranz einmal entwickelt, wird der Süchtige versuchen, auf neuen Wegen sein Verlangen zu Stillen. Dies geschieht häufig durch willkürliche Partnerwahl, bei welcher persönliche Präferenzen bezüglich des Geschlechts, Alters oder Aussehens außer Acht gelassen werden. Auch die Hinwendung zu Paraphilien (Pädophilie, Bestialität, Sadomasochismus, Frotteurismus) kann in diesem Stadium beobachtet werden. Teilweise werden sogar die Grenzen der Legalität überschritten. Scham, Ekel oder Rechtsempfinden werden dabei wahrgenommen, haben aber keinen wesentlichen Einfluss auf das Handeln des Betroffenen mehr. Dieses ist letztlich ausschließlich auf die Sexualität ausgerichtet, wodurch ein normales Leben unmöglich wird. Betroffene können keiner geregelten Arbeit mehr nachkommen, begeben sich in die Prostitution und sind nicht mehr imstande Partnerschaften aufrechtzuerhalten. Die hierdurch entstehende Frustration verstärkt die Sucht zusätzlich.
Neben dem stärker werdenden psychischen Leidensdruck kann Sexsucht auch körperliche Folgen nach sich ziehen. Zum einen besteht ein Verletzungsrisiko bei extremen Sexualpraktiken oder Masturbationstechniken, zum anderen mündet der Kontrollverlust in ein unvorsichtiges Verhalten. Die Ansteckungsgefahr mit sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV oder Chlamydien ist hoch. Eine wissenschaftliche Untersuchung von 1992 kommt zu dem Schluss, dass bei einer Sexsucht in facto auch Entzugserscheinungen auftreten (Schwindel, Kopfschmerz, quälende Innere Unruhe, Schlaflosigkeit)

Welche Ursachen gibt es?

Gleich anderen Süchten ist auch die Sexsucht multifaktorial. Individuelle intrapsychische und psychologische Faktoren spielen genauso eine Rolle wie die Umwelt oder generelle Faktoren des Suchtverhaltens. Von wesentlicher Bedeutung ist in beinahe allen Fällen eine inkorrekte Bewältigungsstrategie. Negative Gefühle, Stress und Probleme werden nicht positiv bewältigt, sondern mit einer sexuellen Ersatzhandlung. Fehlende Liebe, Einsamkeit oder Langeweile münden dann in lockere sexuelle Kontakte oder Masturbation. Da hierdurch keine dauerhafte Lösung der Grundproblematik erreicht wird, greift der Betroffene immer wieder zur Ersatzhandlung. Es entsteht ein negativer Kreislauf, der in letzter Konsequenz in die Sucht übergeht.
Dieses Verhalten wird grundlegend von der Biochemie des Körpers unterstützt. Sexuelle Lustbefriedigung setzt körpereigene Substanzen wie Endorphine frei, die im Sinne der Schmerzlinderung und beeinflussten Wahrnehmung durchaus mit von außen zugeführten Drogen vergleichbar sind. Das Entstehen einer Sexsucht ist also davon abhängig, ob sexuelle Handlungen zu einer positiven Stimmung beitragen oder aber negative Zustände abgemildert werden. Wird Sex nicht als lustvoll wahrgenommen, ist das Risiko einer Sexsucht ergo sehr gering.
Schließlich sind auch bestimmte soziokulturelle Rahmenbedingungen und die kulturbedingte Einstellung einer Gesellschaft zu Sexualität ursächlich. Unkomplizierter Zugang zu Pornografie, sexualisierte Werbung und Toleranz gegenüber wechselnden Partnerschaften fördern eine Zentrierung und Idealisierung der Sexualität und vermitteln einen unrealistischen Status dieser. Zudem erleichtern sie sexsüchtiges Verhalten. Eine starke Tabuisierung der natürlichen Lustbefriedigung sowie eine prohibitive Erziehung bewirken wiederum ein starkes Sehnsuchtsgefühl bis hin zu Zwangsgedanken und unrealistischen Vorstellungen von sexuellem Verhalten. Aus diesem Grund ist die Herkunftsfamilie einer Person von übergeordneter Relevanz: Der elterliche Umgang mit Sexualität ist ein wichtiger Einflussfaktor während des psychosexuellen Reifeprozesses von Kindern und Jugendlichen.
In seltenen Fällen können auch Hirnverletzungen oder organische Erkrankungen Auslöser einer Sexsucht sein. Verantwortlich zeichnet sich dann vor allem eine Schädigung der Amygdala wie zum Beispiel beim Klüver-Bucy-Syndrom.


Symptome & Anzeichen

Erstes Anzeichen einer Sexsucht ist ein abweichendes sexuelles Verhalten bezüglich der Häufigkeit von Sexualkontakten. Hierbei ist zu beachten, dass Abweichungen im Sinne statistischer Seltenheit oder Verletzung gesellschaftlicher Normen keine klaren Grenzen haben. Die Frage „Was ist zu viel?“ kann je nach soziokulturellem Milieu variieren. Medizinisch wird sie erst relevant, wenn die Häufigkeit sexueller Handlungen ein normales Alltagsleben beeinträchtigt. Zudem spielt eine Rolle, ob das eigene Verhalten intrapsychisch als leidvoll empfunden oder akzeptiert wird. Die weiteren Symptome einer Sexsucht entsprechen in etwa der Erfüllung suchtrelevanter Kriterien. Dazu können Folgende gehören:

  • fehlende Befriedigung trotz erfolgter sexueller Handlung
  • Vernachlässigung eigentlicher sexueller Präferenzen
  • zwanghaftes sexuelles Handeln
  • Entzugserscheinungen wie Schwindelgefühl oder innere Unruhe, wenn keine sexuelle Handlung vorgenommen werden kann
  • Gefahrenvernachlässigung hinsichtlich Krankheiten, Finanzen oder gesetzlicher Bestimmungen
  • Ausführen sexueller Handlungen bis zur Selbstverletzung (zum Beispiel durch Intertrigo bei Masturbation)
  • Depression
  • Missbrauch enthemmender Substanzen (Alkohol, Drogen)

Liegt eine Masturbationssucht vor, ist es möglich, dass der Betroffene zu keinem Sexualkontakt mit einem Partner in der Lage ist. Hier überlagern Phantasien realistische Möglichkeiten.
Insgesamt betrachtet zählt für die Diagnose Sexsucht in erster Linie, wie der Betroffene selbst sein Verhalten und seine derzeitige Situation einschätzt. Hält er sein eigenes Sexualverhalten für angemessen und zufriedenstellend, liegt kaum eine Sucht vor. Erst dann, wenn ein Leidensdruck vorhanden ist, der sich nicht allein aus Abweichungen von der gesellschaftlichen Sexualmoral ableitet, kann dies als Hinweis auf eine Sexsucht verstanden werden.


Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein erster Schritt bei der Diagnose ist die gründliche Anamnese. Verschiedene Leiden können als Hinweis auf das Vorliegen einer Sexsucht gewertet werden. Treten beispielsweise neben einem promiskuitiven Lebensstil zusätzlich Angststörungen, Schlafprobleme, starkes Einsamkeitsgefühl bis hin zu Isolationsempfinden, Depressionen oder weitere Suchterkrankungen auf, sollte auch eine Sexsucht abgeklärt werden. Schließlich sind auch die genannten typischen Anzeichen einer Sucht relevant: Kontrollverlust, Lebenszentrierung auf Sexualität, beruflicher und sozialer Abstieg, psychischer oder gar physischer Zerfall.
Schwierigkeiten bei der Diagnose verursachen einerseits Probleme bei der Abgrenzung zu Paraphilien und andererseits die subjektive Einschätzung des Patienten. Hier stellt sich die Frage nach dem spezifischen Normempfinden einer Person. Möglicherweise wird ein Leidensdruck beschrieben, der nicht aus tatsächlich abweichendem Verhalten, sondern aus Scham resultiert. Eine tief gehende Erfragung zur persönlichen sexuellen Einstellung ist folglich unumgänglich, wofür eine vertrauensvolle, offene Beziehung zwischen Therapeut und Patient aufgebaut werden muss.
Nach der Diagnose Sexsucht gilt es sorgsam abzuwägen, welche weiteren Schritte nun unternommen werden. Prinzipiell sind verschiedene Formen der Therapie möglich, die sich am ehesten aus der persönlichen Situation eines Betroffenen erschließen. Zu verhindern gilt in allen Fällen, dass die Sexsucht noch raumgreifender wird und der für eine Sucht typische “Abwärtsstrudel” unterbrochen wird.


Häufigkeit & Diagnosedaten

Die eigene Sexualität zu thematisieren, fällt Betroffenen auch bei großem Leidensdruck oft schwer. Besonders wenn Paraphilien Bestandteil der Sucht sind, verhindern Angst und Scham, dass sich Sexsüchtige mitteilen. Aus diesem Grund existiert vermutlich eine hohe Dunkelziffer an Leidtragenden. Die Statistik spricht bisher von 3 bis 6 Prozent. Studien, die eine absolut anonyme Befragung (zum Beispiel durch Onlinetests) durchführen, stellen hingegen eine höhere Prävalenz heraus. Indes belegen alle Untersuchungen eine deutliche Differenz das Geschlecht der Erkrankten betreffend. Männer sind in der Regel dreimal so häufig betroffen wie Frauen. In Deutschland gibt es beispielsweise etwa eine halbe Millionen Sexsüchtige, davon circa 80 Prozent junge Männer im Alter bis 30 Jahre. Eine Korrelation mit dem Alter wurde bisher noch nicht nachgewiesen. Vermutungen bestehen jedoch dahin gehend, dass jüngere Menschen häufiger von Sexsucht betroffen sind, als ältere.
Ein klarer Zusammenhang besteht darüber hinaus zwischen Sexsucht und anderen Süchten. Circa 39 Prozent der Betroffenen leiden zusätzlich unter einer stoffgebundenen, etwa 40 Prozent unter einer weiteren nichtstoffgebundenen Sucht. Eine Studie aus dem Jahr 2000 ermittelte beispielsweise bei Kokainabhängigen eine hohe Komorbidität mit Sexsucht (circa 70 Prozent). Auch die Droge Crystal Meth begünstigt das Entstehen einer sexuellen Sucht.


Komplikationen bei der Krankheit

Komplikationen sind bei einer Sucht oftmals von der individuellen Ausprägung abhängig. Im Bezug auf Sexsucht sind oftmals gravierendere Folgen zu erwarten, wenn sexuelle Handlungen tatsächlich ausgelebt werden. Spielt sich die Fokussierung auf Geschlechtsverkehr lediglich im Kopf ab oder ist auf den Konsum pornografischen Materials ausgerichtet, stellen sich ergo kaum körperliche Folgeschäden ein. Es ist daher eher schwierig eine allgemeine Angabe zu Komplikationen einer Sexsucht zu geben. Im Folgenden werden daher lediglich die häufigsten Nebenerscheinungen einer Sexsucht aufgeführt. Prinzipiell gilt jedoch, dass sich Probleme aus der zunehmenden Vernachlässigung aller Lebensbereiche ergibt, die nicht mit dem Thema Sexualität verknüpft sind.

Mit der Toleranzentwicklung gegenüber „normaler“ sexueller Handlungen kann eine extreme Radikalisierung im Verhalten des Sexsüchtigen einhergehen. Ähnlich einem Drogenabhängigen kann er in die „Beschaffungskriminalität“ abgleiten. Sexsucht kann dann in sexuelle Belästigung, Vergewaltigung oder gar sexuelle Tötung münden. Zudem kann die Hinwendung zu Paraphilien wie etwa der Pädophilie weitreichende Folgen haben. Aber auch ohne kriminelle Handlungen ist es möglich, dass sexuelles Suchtverhalten zu einem drastischen sozialen Abstieg führt, der existenzbedrohende Ausmaße annimmt (zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit, Finanzprobleme, Scheidung oder Isolation).
Ein erschwerender Faktor ist außerdem die Prostitution. Wenn sich die Sexsucht pekuniär rentiert, ist ein Rückfall nach erfolgter Therapie wahrscheinlicher. Zudem ist in diesem Fall die Sucht unmittelbar mit der finanziellen Existenzgrundlage verknüpft. Ungeachtet des Leidensdrucks kann der Betroffene dann vor einer Behandlung zurückschrecken.


Wann sollte man zum Arzt Gehen?

Ein Arzt oder Therapeut sollte in jedem Fall dann aufgesucht werden, wenn eigenes sexuelles Verhalten als bedrückend und qualvoll wahrgenommen wird. Vor allem wenn der Kontrollverlust auf eine drohende kriminelle Handlung hinweist, muss schnell Hilfe in Anspruch genommen werden. Ob tatsächlich eine Sexsucht vorliegt oder Leidensdruck ob der gesellschaftlichen Norm hervorgerufen wird, kann von einem erfahrenen Therapeuten leicht festgestellt werden. Aus Scham und Angst fehlt jedoch vielen Betroffenen der Mut, sich einem Arzt mitzuteilen. An dieser Stelle wird daher nachdrücklich darauf hingewiesen, dass speziell ausgebildete Psychotherapeuten oder Sozialpädagogen professionell mit dieser Suchterkrankung umgehen und keinesfalls eine wertende oder verurteilende Haltung einnehmen.
Manchmal kommt es vor, dass das eigene Verhalten nur wenig reflektiert oder sogar verdrängt wird. Dann können Hinweise von engen Vertrauten durchaus hilfreich sein. Wird das persönliche Sexualverhalten vermehrt hinterfragt, muss dies keinerlei Aufschluss über das Vorliegen einer Erkrankung geben. Stiften die Hinweise jedoch Bedenken, kann ein Arztbesuch durchaus sinnvoll sein, um Klarheit über Zweifel zu bekommen.

Behandlungsmethoden & Therapie

Je nach Ausprägung der Sexsucht erfolgt die Behandlung stationär oder ambulant. Liegt eine Polytoxikomanie (Mehrfachsucht) vor, ist eine stationäre Therapie unabdingbar. Ob des multifaktoriellen Ursprungs der Sucht ist ein individueller, mehrdimensionaler Behandlungsplan nötig, der speziell auf die Art und Ausprägung der sexuellen Sucht eines Patienten ausgerichtet ist. Es empfiehlt sich eine Zusammenarbeit von Arzt, Psychotherapeut und Sozialpädagoge.
Grundlage einer Behandlung ist zum einen die Verhaltenstherapie, in der Abstinenzziele festgelegt und negatives Verhalten aufgedeckt werden. Das Führen eines Tagebuchs und Durchspielen von Versuchssituationen können Teil dieses Verfahrens sein. Gewonnene Erkenntnisse können dazu verwendet werden, verschiedene Konfliktlösungsstrategie zu entwickeln. Oft wird zu Sport als positive Ersatzhandlung bei Langeweile, Suchtdruck oder Rückfallgefahr geraten. Zudem kann der Besuch einer Selbsthilfegruppe sinnvoll sein. Genauso wie in der Gruppentherapie kann hier gegen das Gefühl des Alleinseins gearbeitet werden, was wiederum das Selbstwertgefühl stärkt. Jene Probleme, die stark an den individuellen Krankheitsverlauf eines Betroffenen gebunden sind, können zusätzlich in einer Einzeltherapie aufgearbeitet werden.
Besonders wichtig ist auch die Mitbehandlung des Partners. Durch eine mögliche Co-Abhängigkeit kann dieser im schlimmsten Fall eine Behandlung gefährden, indem ungewolltes Verhalten gedeckt wird. Außerdem erleichtert der Partner durch positive Hilfestellung die Therapie.
Eine rein medikamentöse Behandlung der Sexsucht ist bisher nicht durchführbar. Jedoch können Antidepressiva (z. B.: Lithium oder Fluoxetin) oder Serotoninwiederaufnahmehemmer (Fluvoxanin) gegen zwanghafte Sexphantasien unterstützend herangezogen werden. Eine Mediakation gegen Paraphilien gibt es allerdings nicht.


Vorbeugung – Impfung & Prävention

Die Sexsucht ist eine vergleichsweise selten auftretende Störung, mit einem erhöhten Anteil an „Dunkelzifferpatienten“. Infolgedessen gibt es bisher noch keine groß angelegte Präventionsmaßnahme, wie dies bei anderen Verhaltenssüchten (beispielsweise der Spielsucht) der Fall ist. Dabei könnte eine stärkere Thematisierung dieser Krankheit nicht nur eine Erleichterung für Betroffene darstellen, sondern auch die allgemeine Bevölkerung hinsichtlich der Gefahren sensibilisieren. In summa spielt Aufklärung eine wesentliche Rolle bei der Prävention dieser Sucht. Dabei sollte zum einen frühzeitig gegen eine unrealistische, stark idealisierte Vorstellung von Partnerschaft und sexueller Beziehung gearbeitet werden. Zum anderen liegt es nahe, den Unterschied zwischen Liebe und reinem Geschlechtsakt herauszustellen.

Eine weitere Maßnahme ist die Vermittlung positiver Konfliktbewältigungsstrategien. Leben Eltern ihren Kindern einen konstruktiven Umgang mit Problemen und Stress vor, stehen die Chancen gut, dass dieses Verhalten übernommen und das Suchtrisiko minimiert wird. Das gilt gleichfalls für einen angemessen offenen Umgang mit dem Thema Sexualität.


Prognose zur Heilung

Der Erfolg einer Therapie ist von unterschiedlichen Kriterien abhängig. Art und Ausprägung der Sucht sind hierbei genauso relevant wie äußere Umstände und familiärer Rückhalt. Eine ausschließliche Masturbationssucht ist vergleichsweise am einfachsten zu behandeln. Sexsucht als Teil einer Mehrfachsucht hingegen kann sich als schwer behandelbar erweisen. Da sexuelle Kontakte zum Leben eines Menschen dazugehören und die Grenzen zwischen „normalem“ und „abweichendem“ Verhalten fließend sind, ist zudem ein erhöhtes Rückfallrisiko gegeben. Deshalb sollte auf ein stabiles Netzwerk mit verfügbaren Ansprechpartnern geachtet werden.


Stoffungebundene Süchte

Ein Problem in Bezug auf Sexsucht besteht darin, dass es in der Gesellschaft ein sehr konkretes Bild von Sucht zu geben scheint. Generell ist Suchtverhalten ein nur wenig kommuniziertes Thema. Dennoch werden die meisten Menschen mindestens einmal im Leben mit beispielsweise Alkoholsucht oder Drogenmissbrauch konfrontiert. Eine substanzbedingte, also stoffgebundene, Suchterkrankung prägt aus diesem Grund das allgemeine Verständnis von Süchten. Sicherlich stellt die Sexualität eines Menschen ein eher delikates Thema dar, dass oftmals nicht nach außen hin kommuniziert wird. Für Menschen, die an einer Sucht leiden, kann jedoch gerade die Kommunikation einen wichtigen Schritt zur Gesundung bilden. Hierfür sollte nunmehr ebenso klar sein, wie eine Sucht funktioniert, die nicht an Substanzen gekoppelt ist. Im Folgenden sollen daher generelle und spezifische Suchtmechanismen erklärt werden.

Ganz allgemein gesprochen, bezeichnet der Begriff Sucht im medizinischen Sinne die Abhängigkeit einer Person nach einem bestimmten Erlebniszustand. Dieser kann im Prinzip sehr individuell gelagert sein. Beispielsweise sind Lustgefühle, das Erzeugen von Halluzinationen, ein Adrenalinschub, gesteigerte Glücksempfindungen, das Gefühl der absoluten Selbstbestimmtheit und Kontrolle oder gefühlt gesteigerte Energie solche angestrebten Erlebniszustände. Die meisten können durchaus im Alltag hin und wieder erreicht werden. Einer abhängigen Person reichen jedoch keine zufälligen Empfindungen aus. Sie wird nach einer Zunahme an spezifischen Erlebniszuständen, ihrer Intensivierung und gezielten Herbeiführung streben. Oftmals dienen ihr hierfür diverse Substanzen wie Alkohol, Drogen oder bestimmte Lebensmittel. Eine Person, die gezielt nach Rauscherlebnissen sucht, kann sich diese zum Beispiel durch den Konsum von Alkohol beschaffen.

Problematisch werden die gewählten Substanzen aber dann, wenn zum Erlebniszustände nicht mehr ohne diese erreicht werden können und der Körper ohne sie nicht mehr normal funktionieren kann. Dann spricht man von einer körperlichen Abhängigkeit. So setzt unter anderem Crystal Meth in hohen Mengen Serotonin frei, welches ein intensives Glücksgefühl hervorruft. Der Körper gewöhnt sich allerdings an die eklatante Ausschüttung des Glückshormons. Er ist dann nicht mehr in der Lage, selbstständig die vom Betroffenen benötigten Mengen freizusetzen.

Neben der körperlichen Abhängigkeit von Substanzen ist allerdings gleichfalls eine psychische Abhängigkeit relevant. Hier besteht eigentlich kein medizinisch nachweisbares Indiz, dass der Körper ohne eine bestimmte Substanz nicht funktionieren kann. Durch Gewohnheit oder intensive Verknüpfung des Stoffes mit einem erwünschten Erlebniszustand, glaubt der Süchte allerdings, dass er ohne ihn nicht mehr leben kann. Ein Beispiel hierfür ist die Abhängigkeit von Cannabinoiden. Bislang konnte nicht nachgewiesen werden, dass diese Prozesse in Gang setzen, welche hernach zur körperlichen Abhängigkeit führen. Es ist dennoch möglich, dass Betroffene glauben, sich ohne Cannabis nicht mehr entspannen zu können. Sie haben folglich die entsprechenden Handlungsmuster der Entspannung verlernt. Aus diesem Grund kann es durchaus vorkommen, dass körperliche Erscheinungen und Einschränkungen auch in Folge einer psychischen Abhängigkeit empfunden werden.

In den meisten Fällen betreffen stoffgebundene Süchte sowohl die körperliche als auch die psychische Abhängigkeit. Anders gestaltet sich der Sachverhalt in Bezug auf stoffungebundene Süchte. Hierbei wird lediglich der psychische Aspekt einer Abhängigkeit ausgelebt, da entsprechende dem Körper zugeführte Substanzen fehlen, die eine körperliche Sucht ermöglichen. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine stoffungebundene Sucht körperunabhängig funktioniert. Die Sexsucht beispielsweise kann, unter anderem dadurch, dass ein Orgasmus beim Geschlechtsverkehr erreicht wird, ebenfalls zu einer regelmäßigen Ausschüttung von Serotonin führen. Hernach ist es Betroffenen nicht oder nur schwer möglich den gleichen biochemischen Effekt durch andere Handlungen hervorzurufen.

Es zeigt sich folglich, dass stoffungebundene Süchte auf den selben Prinzipien beruhen, wie stoffgebundene Abhängigkeit. Jetzt stellt sich lediglich die Frage, wie sie entstehen, entwickeln und sich manifestieren.

Den Ausschlag für eine stoffungebundene Sucht wie die Sexsucht, bildet in der Regel ein individueller Mangelzustand. Dieser kann zum Teil sehr speziell sein und von einem allgemeinen Erlebnishunger, über Aufmerksamkeitsbedürfnis hin zu Konfliktvermeidung reichen. Insgesamt stellt vermutlich das Fehlen von Glücksmomenten ob der persönlichen Situation eine übergeordnete Rolle. Einige Patienten beklagen beispielsweise ein traumatisches Erlebnis, aus dem heraus sich eine Sucht gebildet hat. Innere Konflikte werden hernach nicht konstruktiv verarbeitet, sondern mit einem Erlebnis oder einer Handlung verdrängt. Zeigt sich nun die Verdrängung für den Augenblick erfolgreich, sucht der Betroffene zunächst immer wieder ähnliche Situationen. Beispielsweise kann Geschlechtsverkehr zum Ausbrechen einer individuell wahrgenommenen Einsamkeit genutzt werden. Bildet sich hierdurch ein temporäres Gefühl menschlicher Nähe, nutzt der Betroffene schließlich jede Gelegenheit Einsamkeit mit sexuellen Handlungen zu bekämpfen.

Diese Strategie zeigt sich im weiteren Verlauf allerdings wenig erfolgreich. Denn oftmals bildet sich eine Toleranz gegenüber wiederholten Handlungen. Wird vermehrt Geschlechtsverkehr mit Unbekannten ausgeführt, verschwinden irgendwann Adrenalinschübe. Die permanente Wiederholung bewirkt, dass Betroffene routinierter gegenüber entsprechenden Situationen werden und diese letztlich allen Reiz verlieren. In diesem Anfangsstadium einer Abhängigkeit, versucht ein Süchtiger die Dosis der Erlebnisse zu steigern. Im Bezug auf die Sexsucht bedeutet dies zum einen, dass mehr sexuelle Handlungen ausgeführt werden. Darüber hinaus kann es jedoch auch vorkommen, dass neue sexuelle Praktiken ausprobiert werden, um neue Reize zu schaffen. Bereits hier steigt die Risikobereitschaft des Süchtigen. Zudem rückt die Bedürfnisbefriedigung zunehmend in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Im Wechselspiel von Toleranzentwicklung und Dosissteigerung wird ein Süchtiger schließlich zwangsläufig die Kontrolle verlieren. Bei stoffgebundenen Süchten ist dies überwiegend körperlich bedingt und mag dem Betroffenen durchaus auffallen. Bei stoffungebundener Abhängigkeit verliert sich der Süchtige in den reizstillenden Handlungen und wird diese in der Regel noch nicht hinterfragen oder kritisch reflektieren. Vielmehr ist er durch diese abgelenkt. Hierdurch entwickelt sich oftmals ein drastisches Verhalten, dass schließlich nicht mehr aktiv vom Süchtigen gesteuert werden kann. Vielmehr besteht nun geradezu ein Zwang gewisse Handlungen stetig zu wiederholen und die entsprechenden Situationen erneut zu erleben. Nicht selten besteht jedoch bereits keine Befriedigung der individuellen Bedürfnisse mehr. Gleichzeitig liegt jedoch das Zentrum aller Handlungen allein auf eben jener Befriedigung, die gar nicht mehr oder nur noch selten in gewünschter Form erreicht werden kann.

Haben Betroffene bereits ein spätes Stadium der Sucht erreicht, dreht sich das komplette Leben ausschließlich um die Sucht. Daraus folgt nicht selten ein beruflicher und sozialer Abstieg. Hierin gleichen sich stoffgebundene und stoffungebundene Abhängigkeit. Bei Hypersexualität wird ein Süchtiger seinen Alltag um sexuelle Handlungen herum gestalten. Unter Umständen kann dann kein Beruf mehr ausgeübt werden. Darüber hinaus werden selbst engste Freunde und Angehörige durch das süchtige verhalten verprellt. Das hat selbstverständlich einen enormen Einfluss auf die Psyche des Betroffenen. Vor allem dann, wenn Isolierung in Folge der Sucht auftritt, sind Depressionen und Angstgefühle üblich.

Häufig stellen sich Angehörige die Frage, warum der Süchtige sein Verhalten nicht einfach stoppt. Wieso geht ein Spielsüchtiger weiter spielen und ein Kaufsüchtiger einkaufen? Aus welchem Grund wird der Sexsüchtige weiter Pornos konsumieren und wechselnde Geschlechtspartner haben? Verschiedene Studien haben dazu herausgefunden, dass Betroffene einer stoffungebundenen Verhaltenssucht durchaus mit Entzugserscheinungen zu kämpfen haben. Diese können sich durchaus körperlich manifestieren. So sind beispielsweise Kopfschmerzen, Unwohlsein oder Schlafstörungen keine Seltenheit. Darüber hinaus ist selbstverständlich die Gedankenwelt von der Sucht stark beeinflusst. Es ist gleichsam nicht mehr ohne Hilfe möglich, die Gedanken von der gewünschten Suchthandlung abzulenken. Hierdurch entsteht ein starkes Mangelgefühl, gegen welches sich ein Süchtiger kaum erwehren kann. Nach Möglichkeit sollten Angehörige hierfür ein grundlegendes Verständnis haben. Denn nicht selten führt Unverständnis dazu, dass sich der Süchtige ein Doppelleben aufbaut und hernach für ihn Schwierigkeiten darin bestehen, sich Hilfe zu suchen.

Es hat sich folglich herausgestellt, dass sich stoffungebundene Süchte ähnlich verhalten wie klassische stoffgebundene Suchterkrankungen. Der Unterschied besteht allein darin, dass eine Abhängigkeit nicht durch von Außen zugeführte Substanzen, sondern bestimmte Denk- und Handlungsmuster entsteht. Verlauf und Auswirken sind allerdings bei beiden Suchtarten als ähnlich zu werten. Das gilt in gleichem Maße auch für eine Therapie. Stoffungebundene Sucht birgt ein ähnlich hohes Rückfallrisiko wie Substanzabhängigkeit. Das resultiert vor allem daraus, dass die suchterzeugenden Handlungen zum Teil eine Rolle im normalen Alltagsleben spielen. Beispielsweise ist es nicht Ziel einer Sexsuchttherapie, dass hernach kein Geschlechtsverkehr mehr ausgeübt wird. Vielmehr soll ein, für den Betroffenen persönlich vertretbares Verhalten neu erlernt werden. Das kann durchaus enorme Schwierigkeiten bereiten, die dazu führen, dass selbst nach einer erfolgreichen Therapie ein nicht zu unterschätzendes Suchtpotential auch bei stoffungebundener Abhängigkeit bestehen bleibt.


Alternative Behandlungsmethoden

Alternative Behandlungsmethoden können eine Therapie unterstützend begleiten. Verschiedene Kräuter, Öle und homöopathische Mittel sollen der Beruhigung in Stresssituationen dienen. Außerdem kann durch sie das allgemeine Wohlbefinden gesteigert werden. Einigen Mitteln wie beispielsweise Geranientee oder Conium magulatum wird eine libidosenkende Wirkung nachgesagt. Ihre Einnahme kann eventuell das Leiden des Betroffenen mindern, löst aber nicht die Grundprobleme der Suchterkrankung und sind aus diesem Grund zur alleinigen Behandlung nicht empfohlen. Alternative Therapien bilden hingegen eine wirkungsvolle Ergänzung zu Selbsthilfe. Besonders hervorgehoben sei hier die Kreativ-Therapie.
Folgende Maßnahmen einer alternativen Therapie können die Suchtbehandlung positiv unterstützen:

  • Persönlichkeitsübungen
  • Erlernen eines Instruments
  • meditatives Malen
  • Meditation
  • Gesprächstherapie

Welche Hausmittel können helfen?

Eine bereits bestehende Sucht kann nicht mit Hausmitteln behandelt werden. Hierfür ist immer eine Therapie notwendig. Es kann jedoch einiges zur Prävention unternommen werden. Die Psychoedukation innerhalb der Familie eignet sich am besten, um negativen Konfliktlösungsansätzen vorzubeugen. Offene Kommunikation bei Stress und Problemen sowie ein reflektiertes Verhältnis zu Liebe und Sexualität sollten wichtige Grundpfeiler der Erziehung sein.
Darüber hinaus gibt es einige Möglichkeiten, die Suchttherapie mit diversen Hausmitteln positiv zu unterstützen. In erster Linie gehören dazu jegliche Methoden der Stressreduktion. Geeignet sind beispielsweise Sport oder Hobbys. Wer jedoch an einer Verhaltenssucht leidet, sollte unbedingt darauf achten, nicht erneut eine Sucht zu entwickeln. So ist es durchaus möglich, dass ein Sexsüchtiger während der Therapie eine Sportsucht entwickelt. Ablenkende und stressreduzierende Methoden sollten aus diesem Grund mit einem Therapeuten abgesprochen werden. Hierdurch kann sichergestellt sein, dass sie nicht in einem ungesunden Maße angewendet werden.

Heilkräuter & Heilpflanzen

  • Baldrian
  • Nymphea alba
  • Johanniskraut
  • Kalmuswurzel
  • Geranientee

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Ätherische Öle

Folgende Ätherische Öle können angewendet werden:

  • Rose
  • Sandelholz
  • Orange
  • Bergamotte
  • Jasmin
  • Lavendel
  • Weihrauch
  • Römische Kamille
  • Palo Santo

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Homöopathie & Globuli

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Schüssler-Salze

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Diät & Ernährung

Für die Sexsucht gelten ähnliche Bestimmungen wie für andere Süchte: Mögliche Trigger sollten unbedingt vermieden werden. Da diese spezielle Sucht oft mit einem Alkoholproblem korreliert, ist es ratsam, gänzlich auf Alkohol zu verzichten. Darüber hinaus besteht bei einer Verhaltenssucht grundsätzlich die Gefahr einer Suchtverlagerung. Aus diesem Grund müssen Betroffene auch auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung achten und bestenfalls sehr zuckerhaltige oder koffeinierte Lebensmittel komplett aus ihrem Leben streichen. Dies wirkt sich wiederum positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus.

Wer auf der Suche nach einem gesunden Glückshormonlieferanten ist, kann bei Erdbeeren, Bananen, Trauben und verschiedenen Nüssen bedenkenlos zugreifen.


FAQ – Fragen & Antworten

Führt häufiger Pornokonsum zur Sexsucht?

Studien haben herausgestellt, dass bereits der Konsum weniger (3 bis 4) Pornofilme pro Woche zu einem eklatanten Abstumpfungseffekt führen. Obgleich Pornos per se nicht schädlich für die Psyche sein müssen, kann hier im Sinne der Toleranzentwicklung ein Risikofaktor vorliegen. Gleiches lässt sich auch in Bezug auf Cybersex feststellen. Darüber hinaus bildet Pornografie auch selbst ein suchterzeugendes “Mittel”. So ist es möglich, dass sich eine Sexsucht allein im Konsum von pornografischer Bilder und Filme manifestiert. Häufig ist dies mit autoerotischen Handlungen verbunden. Die klassischen Kriterien einer stoffungebundenen Sucht können aber auch hier erfüllt sein. Es ist also ratsam, Pornografie nur in Maßen zu konsumieren und zudem auch ein von ihr unabhängiges Sexualleben zu führen. Nicht zuletzt sollten Pornos zur sexuellen Stimulation, jedoch weniger zum Abbau von Stress oder zur Ablenkung angesehen werden.
Ist Sexsucht erblich?
Tatsächlich stellen Betroffene oder Personen, die Betroffene kennen oftmals die Frage, ob es sich bei der Sexsucht um eine erbliche Krankheit handelt. Denn schließlich lassen sich innerhalb einer Familie oftmals ähnliche Verhaltensmuster feststellen. Man beobachtet also relativ häufig, dass junge Männer, die eine stark übersteigerte Libido haben, nicht selten auch Väter mit denselben oder zumindest mit ähnlichen Charakteristika haben. Inwieweit man hier jedoch von einer Vererbung zu reden imstande ist, ist hochgradig diskutabel.

Zwar sind psychische Leiden sehr oft in geschlossenen Familienverbänden sehr prävalent, aber ob die Sexsucht auch darunter zu zählen ist, kann man weder bestätigen noch verneinen. Somit ist die Beantwortung dieser Frage zwar per se nicht möglich, dennoch aber lässt sich wohl behaupten, dass es durchaus zu familiären Häufungen dieser Störung kommen kann.
Sind sexsüchtige Menschen immer pädophil oder gewalttätig?
Im Bezug auf die Sexsucht gibt es etliche Vorurteile, die vor allem aus dem Unwissen über die konkreten Gründe dieser Abhängigkeit resultieren. Hier soll noch einmal gesagt sein: Ein Sexsüchtiger muss nicht per se an einem übertrieben hohen Sexualtrieb leiden oder von Grund auf an Perversionen interessiert sein. Sein Verhalten resultiert stets daraus, seine Sucht möglichst befriedigen zu können. Da sich jedoch nach einer gewissen Zeit eine Toleranz gegen das eigene Verhalten entwickelt, neigen Süchtige dazu, dieses drastisch auszuweiten. Hier kann es durchaus vorkommen, dass entgegen der sexuellen Präferenz pädophile Handlungen vorgenommen werden. Ebenso liegt eine gewaltgebundene Suchtbefriedigung im Rahmen des Möglichen. Üblich ist dies allerdings nicht. Zum einen werden die Grenzen der Legalität in den meisten Fällen erst im sehr späten Verlauf einer Sucht übertreten. Denn Betroffene wissen durchaus um die Konsequenzen ihrer Handlungen. Sie leiden sogar selbst darunter, wenn Suchtbefriedigung mit unmoralischen und fragwürdigen Sexualpraktiken erfolgt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Abhängige jegliche Grenzen überschreiten und sogar einem anderen Menschen Schaden zufügen würde. Dies ist nunmehr möglich, stellt allerdings nicht die Regel dar.
Kann Sexsucht allein mit libidosenkenden Medikamenten behandelt werden?
Diese Frage liegt selbstverständlich auf der Hand. Und natürlich wünschen sich Betroffene und Angehörige, dass eine Sucht einfach und effektiv mit der Einnahme von Medikamenten behandelt werden kann. Dies ist allerdings nicht möglich. Zwar verschreiben einige Ärzte libidosenkende Mittel und Antidepressiva, welche eine ähnliche Wirkung haben, jedoch kann dies nur als Begleitung für eine umfangreichere Therapie gewertet werden. Immerhin ist nicht ein gesteigerter Trieb allein ausschlaggebend für die Entwicklung einer Sexsucht. Diese ist in der Regel multifaktorisch. Das bedeutet, dass über körperliche Bedürfnisse hinaus Gründe vorliegen, die eine Abhängigkeit bewirken. Im Allgemeinen liegen sie im individuellen Umgang mit Konflikten begründet. Wird dieses Defizit nicht therapeutisch behandelt, kann es zwar sein, dass dank der geminderten Libido keine sexuellen Handlungen mehr ausgeführt werden, dies ist allerdings nicht wahrscheinlich. Möglich wäre dann auch, dass Betroffene die Sucht schlichtweg verlagern und eine neue Sucht entwickeln. Von einer rein medikamentösen Behandlung der Sexsucht ist also dringlichst abzuraten.
Führen Drogen zur Sexsucht?
Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass Sexsucht nicht selten aus einem Bündel unterschiedlicher Gründe heraus entstehen kann. Diverse Drogen gehören definitiv dazu. Das betrifft vor allem jene, die insgesamt enthemmend wirken und/oder die Libido steigern. So stehen unter anderem Crystal Meth, Kokain und Alkohol im Verdacht eine Sexsucht zu begünstigen oder diese sogar hervorzurufen. Da der Substanzabhängige eine generelle Suchtneigung mitbringt, neigt er ohnehin dazu, Verhaltenssüchte zu entwickeln. Diese können hernach wesentlich radikalere Formen annehmen, als dies bei Personen der Fall ist, die keine stoffgebundene Sucht haben.

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