Bazillen

Unter den verschiedenen Bazillenarten existieren nützliche und solche, die lebensbbedrohliche Krankheiten verursachen können. In diesem Ratgeber wird über die Bazillenarten, die Krankheiten und Beschwerden, die sie verursachen können und den Nutzen, den sie dem Organismus bringen, informiert.

Unter den Bazillen gibt es viele Arten von Bakterien. Stäbchenbakterien werden auch als Bazillen bezeichnet.

Bekannte Vertreter sind Salmonellen und Escherichia coli. Nicht verwechselt werden sollte der Begriff mit „Bacilli“. Denn „Bacilli“ sind eine Klasse und umfassen neben den Bazillen auch Kugelbakterien (Kokken).

Was sind Bazillen?

Der Begriff „Bazillen“ leitet sich vom lateinischen Wort „bacillus“ ab, was so viel wie „Stäbchen“ bedeutet. Deshalb werden sie auch als Stäbchenbakterien bezeichnet. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich bei Bazillen um Bakterien, die eine stäbchenartige Form aufweisen. Der Begriff „Bazillen“ umfasst viele Arten von Bakterien. Gemeinsam haben diese Bakterien aber lediglich ihre Form.

Im Gegensatz zu den Kokken leben die Bazillen eher alleine. Die bekannten Laktobazillen, der Escherichia Coli, die Clostridien und die Salmonellen gehören zum Beispiel zu den stäbchenförmigen Bazillen. Der wohl gefährlichste Erreger unter den Bazillen ist der Bacillus anthracis.

Bazillenbakterien treten meist einzeln auf. Ausnahmen bilden Streptobacilli, Diplobacilli und Palisaden. Weitere Unterschiede gibt es in der Gramfärbung der Bazillen. Dabei werden gramnegative und grampositive Bazillen unterschieden.

Die Gramfärbung ist ein Vorgang, bei dem die Bazillen angefärbt werden. Nehmen die Bakterien eine blaue Farbe an, werden sie als grampositiv bezeichnet, ändert sich ihre Farbe nach rot, werden die Bazillen gramnegativ genannt. Dieser Unterschied ist im Aufbau der Bazillen begründet. So haben gramnegative Bakterien nur eine Zellwand, während grampositive Bakterien eine Peptidoglykanschicht haben. Diese ist dick und besteht aus Murein.

Wichtig ist der Unterschied zwischen gramnegativen und grampositiven Bazillen vor allem in der Behandlung von Krankheiten. Denn je nach Einordnung werden andere Antibiotika verwendet.


Zu den gramnegativen Bazillen gehören:

Salmonellenvergiftung, genauer Salmonellose fleisch

Salmonellen zählen z. B. zu den gramnegativen Bazillen

Beispiele für grampositive Bazillen sind: 

  • Corynebacterium
  • Propionibacterium
  • Bacillus
  • Clostridium
  • Listeria
  • Lactobacillus

Da es viele verschiedene Arten von Stäbchenbakterien gibt, ist die Verbreitung auch sehr unterschiedlich.


Corynebacterium

Das Corynebacterium kommt auf der Haut und auf der Schleimhaut von Menschen vor. Daneben gibt es auch pathogene Arten, die gefährlich für den Menschen sind. Dazu gehört der Corynebacterium diphtheriae. Dieses Bakterium dient Viren als Wirtszelle und kann so das Diptherietoxin im Körper freisetzen. Wirte, die das Bakterium als Wirtszelle benutzen, werden als Bakteriophagen bezeichnet. Ohne einen Bakteriophagen ist das Corynebacterium diphteriae jedoch harmlos.

Corynebacterium diphteriae

Der Erreger ist verantwortlich für Diphterie. Diese kann sich im Rachenraum oder im Bereich des Kehlkopfs ausbreiten und dort Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Übelkeit und Erbrechen verursachen. Eine Kehlkopfdiphterie kann einen Hustenreiz sowie Heiserkeit und im Extremfall Erstickungsanfälle auslösen.


Listeria

Listerien sind auf totem Material anzufinden, da sie sich davon ernähren. Manche Arten leben auch im Darmtrakt von Tieren und Menschen. Die Erreger gelangen über verunreinigte Speisen in den Köper und werden zusammen mit dem Stuhl ausgeschieden. Den Erreger tragen bis zu 10 Prozent der Menschen in sich, wobei viele Menschen keine Symptome bemerken. Nur bei gefährdeten Gruppen, wie Schwangeren oder Menschen mit einem schwachen Immunsystem kommt es zu Symptomen.

Listeria monocytogenes

Dieses Bakterium verursacht –wie der Name bereits aussagt- Listeriose. Häufig verläuft das Krankheitsbild ohne Symptome bis hin zu Grippeähnlichen Beschwerden. Die Listeriose kann sich zu einer Hirnhaut-, Bauchfell- oder Lungenentzündung entwickeln. Gefährlich wird die Erkrankung auch für Schwangere, da sie durch die Übertragung auf das ungeborene Kind eine Fehlgeburt verursachen kann.


Clostridien

Clostridien besiedeln den Darmtrakt des Menschen. Gefährlich wird es bei einer Antibiotikaeinnahme. Dann wird die normale Darmflora durcheinandergebracht und die Ausbreitung der Clostridien erfolgt unkontrolliert. Dadurch können schwere Entzündungen im Körper entstehen.

darmflora verdauung magen-darm-trakt bakterien bazillen Clostridien

Ist die Darmflora nicht im Gleichgewicht, können sich die Clostridien ausbreiten

Wie bei allen Bakterienarten gibt es auch hier diverse Stämme. Einige Clostridienarten sind imstande, Tetanus, Wundbrand oder Lebensmittelvergiftungen zu verursachen. Bei einer geschädigten Darmflora haben sie leichtes Spiel, können sich dort ausbreiten und schwere Durchfälle verursachen.

Clostridien sind fähig Sporen zu bilden, die äußerst resistent gegenüber Hitze, Chemikalien und Kälte sind. Die Bakterien produzieren Gase, d. h. der Bauch ist extrem angespannt durch die entstehenden Blähungen. Außerdem stehen sie in Verdacht, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Intoleranzen auszulösen.

Der Clostridium botulinum wird für die Fleischvergiftung (Botulismus) verantwortlich gemacht. Durch verdorbenes Fleisch wird der Erreger auf den Menschen übertragen und wirkt sich durch die von den Bakterien produzierten Toxine auf die Nerven aus. Das führt bei betroffenen Menschen zu Sprech-, Schluck- und Sehstörungen. Im schlimmsten Fall wird der komplette Körper in Mitleidenschaft gezogen, und die Krankheit endet aufgrund eines Herzstillstandes oder weil der Betreffende erstickt, tödlich.

Der Clostridium difficile ist bei gesunden Menschen ein vollkommen harmloser Mitbewohner des Darms. Die Gabe von Antibiotika bewirkt jedoch, dass eine Irritierung der Darmflora entsteht, „gute Darmbakterien“ verdrängt werden und damit Platz für die Vermehrung des Clostridium difficile geschaffen wird.

Diese Bakterien produzieren Toxine und bewirken schwere Durchfallerkrankungen. Clostridium difficile gehört zu den häufigsten Keimen im Krankenhaus. Da er beständig gegenüber Chemie ist, schafft er es ohne Probleme zu überleben. Die Übertragung erfolgt über Schmierinfektionen, sprich über nicht ausreichend gereinigte Hände, kontaminierte Gegenstände und sogar über die Sporen in der Luft.


Salmonellen

Auch diese Erreger gehören zu den stäbchenförmigen Bakterien und sind damit Bazillen. Von den Salmonellen existieren mehr als 2.500 Arten. Einige davon verursachen die von uns gefürchtete Durchfallerkrankung Salmonellose. Die Übertragung erfolgt durch kontaminierte Lebensmittel. In rohem Fleisch und Speisen, denen rohe Eier zugefügt wurden, können sich die Erreger tummeln. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist eher selten.

In manchen Fällen kann es passieren, dass Salmonellen aus dem Darm eines erkrankten Menschen in den Mund eines gesunden Menschen gelangen, sei es in Altenheimen, Kindertagesstätten oder Krankenhäusern. Aber im Hinblick auf eine Infektion mit Salmonellen kann Vorsorge betrieben werden. Die sorgfältige Reinigung und Desinfizierung der Hände nach dem Toilettengang sowie nach der Zubereitung von Lebensmitteln, die als potentielle Salmonellenträger bekannt sind, ist unerlässlich. Der Verzehr von rohem Fleisch bzw. rohen Eier sollte weitestgehend vermieden werden.

Eine Salmonellenerkrankung ist in Deutschland meldepflichtig. Salmonellen kommen auf Geflügelfleisch und in Eiern von Hühnern vor, die infiziert sind. Die Ansteckung erfolgt über infizierte Speisen. Danach ist auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich.

vitamin k

Die E-Coli helfen bei der Produktion von Vitamin K

Escherichia

Die Escherichia Bazillen kommen im natürlichen Verdauungstrakt des Menschen vor. Sie übernehmen Verdauungsfunktionen und sind dadurch wichtig für den Körper. Dabei ist das Escherichia coli besonders wichtig.

Escherichia Coli

Der E-Coli ist ein nützliches Darmbakterium. Es hilft dem Darm bei der Produktion des Vitamins K. Außerdem schützt es die Darmschleimhaut vor der Ansiedlung schädlicher Keime und baut Nährstoffe zu Ernährung der Schleimhautzellen um. Doch nicht alle Stämme des E-Colis sind wertvoll. EHEC-Bakterien beispielsweise sind verantwortlich für schwere, blutige Magen– und Darmerkrankungen.


Bacteroides

Bacteroides sind die Bazillen, die am häufigsten im Dickdarm vertreten sind. Sie leben unter anaeroben Bedingungen und sind an wichtigen Gärungsvorgängen beteiligt. Infektionen durch Bacteroides sind ebenfalls möglich.


Bacillus anthracis

Der Bacillus anthracis löst Milzbrand aus. Die Erreger befinden sich in Rindern, Schafen sowie Schweinen und sind selbst im Kadaver des Tieres noch in der Lage sich zu vermehren. Des Weiteren kann dieses Bakterium Sporen ausbilden, die jeglichen Umwelteinflüssen trotzen. So ist es möglich, dass eine Infizierung nicht nur durch direkten Hautkontakt oder der Aufnahme kontaminierter Lebensmittel, sondern auch durch das Einatmen der Sporen zustande kommt.

Bei Hautmilzbrand dringen die Bakterien über Wunden in das Gewebe ein. Es entsteht eine juckende Papel, die sich im späteren Stadium schwarz verfärbt. Durch die Inhalation der Sporen kann Lungenmilzbrand entstehen. Eine seltene Form des Milzbrandes ist der Darmmilzbrand, der durch kontaminiertes Fleisch verursacht wird.


Bedeutung & Funktion

Einige Bazillenarten übernehmen wichtige Funktionen. Hier sind einige Arten aufgezählt:

  • Escherichia coli
  • Laktobazillen
  • Bakteroides

Escherichia coli

In der Darmschleimhaut verhindert das Escherichia coli, dass sich schädliche Bakterien ausbreiten können. Gleichzeitig profitieren die Darmschleimhautzellen von Nährstoffen, die von den Escherichia coli ausgebaut werden. Außerdem liefern sie dem Körper wichtiges Vitamin K.

Laktobazillen

Der Lebensbereich der Laktobazillen sind die Scheide und der Darm. Dort ist ihre Aufgabe, durch Stoffwechselvorgänge ein saures Milieu zu erzeugen. Denn sie erzeugen Milchsäure, indem sie Laktose verarbeiten. Da viele schädliche Bakterien ein alkalisches Milieu zum Wachsen brauchen, schützen sie so Vagina und Darm vor dem Besiedeln von schädlichen Bakterien. Im Magen– Darm- Trakt produzieren sie außerdem zusätzlich Folsäure und Niacin als Nährstoffe für den Körper.


Milchsäurebakterien

(Laktobazillen)

Sie bevölkern den Darm- sowie den Intimbereich und leben mit dem Menschen in einer Symbiose. Ihre Aufgabe ist es Zucker zu Milchsäure umzuwandeln. Sie sorgen damit für ein saures Milieu in ihrem Areal. Pathogene Keime hingegen bevorzugen eine alkalische Umgebung. Damit sind sie in der Lage, schädliche Bakterien vom Intim- und Darmbereich fernzuhalten. Außerdem produzieren sie im Magen-Darm-Trakt Nährstoffe. Darunter sind Niacin und Folsäure.


Bakteroide

Welche Aufgaben die Bakteroide im Darm übernehmen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau geklärt. Aber durch ihre große Anzahl sorgen sie dafür, dass sich Krankheitserreger im Darm nicht so leicht ansiedeln können.


Krankheiten & Beschwerden

Bazillen können diverse Krankheiten und Beschwerden auslösen, welche nachfolgend im einzelnen erläutert werden.


Diphterie

Das Corynebacterium diphteriae verursacht zusammen mit einem Bakteriophagen eine Diphterie Erkrankung, denn durch Bakteriophagen kann sich das Diphterietoxin- Gen im Körper ausbreiten. Dadurch wird ein Toxin gebildet, welches in die Proteinbiosynthese der Pflanzen eingreift; es hemmt die Synthese.

So kommt es zur Rachen- und Mandeldiphterie. Typische Symptome dieser Krankheit sind Erbrechen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Zusätzlich ein weißer, manchmal auch gelblicher Belag auf den Mandeln. Gleichzeitig entsteht auch ein Mundgeruch, der leicht süßlich und unangenehm ist.

Eine Kehlkopfdiphterie ist ebenfalls möglich. Heiserkeit und Husten sind typische Anzeichen dafür. Bei besonders schwerem Krankheitsverlauf können Erstickungsanfälle dazukommen.


Listerose

Mit den Listeria monocytogenes sind weltweit bis zu zehn Prozent der Menschen infiziert. Trotzdem treten nicht bei allen Menschen Symptome auf. Gelegentlich können Grippeähnliche Symptome auftreten. Das Listeria monocytogenes kann aber auch eine Listerose verursachen.

Schwangere sind besonders gefährdet, da sie dadurch das ungeborene Baby verlieren können. Es treten Lungen– und Bauchfellentzündung sowie Meningoenzephalitis auf. Eine Meningoenzephalitis ist eine Entzündung im Gehirn.


Koliken & Darm

Bei den Clostridien sind zwei Arten besonders gefährlich für den Menschen: Das Clostridium difficile und das Clostridium botulinum.

Das Clostridium difficile können bei Antibiotikagabe gefährlich werden, wenn sie sich sehr stark vermehren. Dann erzeugen sie sehr viel Toxine und eine gefährliche Darmerkrankung kann folgen. Diese wird auch als pseudomembranöse Kolitis bezeichnet.

Das Clostridium botulinum verursacht Botulismus. Botulismus wird umgangssprachlich sofort mit Fleischvergiftung in Verbindung gebracht. Bei verdorbenem Fleisch wird durch das Clostridium botulinum das Botulinumtoxin gebildet. Dies kann auch bei eingemachtem Gemüse geschehen. Das Toxin beeinflusst bei Verzehr sofort die Funktionalität der Nerven im Körper.

Erste Symptome sind Schluckstörungen und Sprechstörungen. Außerdem sind die Pupillen geweitet. Bei mehr Toxin im Körper beginnen Lähmungserscheinungen. Diese können tödlich sein, wenn ein Herzstillstand eintritt oder die Brustmuskulatur nicht mehr funktioniert und der Patient erstickt.


Durchfallkrankheiten

Salmonellen verursachen beim Menschen Durchfallerkrankungen, die meist von selbst wieder ausheilen. Antibiotika wird normalerweise nicht benötigt. Trotzdem sind Salmonellen sehr ansteckend und während der Durchfallerkrankung können andere Personen im Umkreis angesteckt werden.

Bei Risikogruppen können durch Salmonellen weitere Infekte verursacht werden. Zur Risikogruppe zählen Babys/Kleinkinder, alte Menschen, schwangere Frauen und hiv-Patienten.


Vergiftung & Harnwege

Escherichia coli ist hier der wichtigste Vertreter. Durch verunreinigte Lebensmittel entstehen durch Escherichia coli schwere Lebensmittelvergiftungen, die vor allem auch für Risikogruppen sehr gefährlich sind.

Bacillaceae

Verunreinigte Lebensmittel können schwere Vergiftungen auslösen

Gleichzeitig können Escherichia coli auch von innen heraus gefährlich für Menschen werden. Denn Escherichia coli kommen in einer normalen Darmflora vor. Ist das Immunsystem geschwächt, können durch das Escherichia coli Krankheiten ausgelöst werden. Deshalb ist der Escherichia coli ein opportunistischer Erreger.

Eine relativ harmlose Erkrankung, die von innen heraus durch Escherichia coli ausgelöst werden kann, ist eine Harnwegsinfektion. Bei Neugeborenen ist das Escherichia coli besonders gefährlich, da es Hirnhautentzündungen verursachen kann.

Gleichzeitig wird vermutet, dass zwei chronische Darmerkrankungen ebenfalls teilweise durch Escherichia coli ausgelöst werden. Dabei handelt es sich um Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn.


Leber & Abszesse

Bacteroides werden meist auch erst für den Menschen gefährlich, wenn ein geschwächtes Immunsystem vorliegt. Sie können Leberabszesse und intraabdominelle Abszesse verursachen. Auch eine Peritonitis (Bauchfellentzündung) kann durch Bacteroides verursacht werden. Eine Peritonitis hat als Symptome starke Bauchschmerzen sowie als Begleiterscheinungen Übelkeit, Erbrechen und Fieber.

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