Botulismus

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BotulismusUnter Botulismus (lat. botulus für Wurst) ist eine Fleisch-oder Wurstvergiftung zu verstehen, für die der Giftstoff Botulinumtoxin verantwortlich ist. Es handelt sich hier um ein Neurotoxin, das in die Kategorie der stärksten Gifte einzuordnen ist. Eine Unterscheidung gibt es bei der Lebensmittelvergiftung Botulismus zwischen Menschen („adulter infektiöser Botulismus) und Rindern. Die Inkubationszeit für Menschen beträgt normal 12 bis 36 Stunden, kann aber in Einzelfällen auch von zwei Stunden bis zwei Wochen dauern. Grundsätzlich gilt, je weniger Zeit von der Infektion zum Ausbruch der Krankheit vergeht, desto schwerwiegender ist die Vergiftung, die durchaus auch das Leben bedrohen kann.

Zum Glück kann Botulismus von Mensch zu Mensch nicht übertragen werden. Grundsätzlich ist Botulismus eine Vergiftung, die auf der ganzen Welt vorkommt. Mit Masse werden meist nur Einzelpersonen bzw. kleinere Personengruppen (z. B. Familie) von Botulismus heimgesucht,  sofern sie dasselbe schlechte Lebensmittel gegessen haben. Ausnahmslos handelt es sich dabei um ungenießbar gewordene konservierte Lebensmittel. Ob der Inhalt einer Konserve verdorben ist, kann auch durch den Laien leicht festgestellt werden. Sollten am Boden oder am Deckel Auswölbungen zu erkennen sein, kann man davon ausgehen, dass das Lebensmittel nicht mehr essbar ist. Daher sollte die Konserve auf keinen Fall geöffnet, sondern zur Untersuchung bei der behördlichen Lebensmittelüberwachung  abgegeben werden. In Form vom sogenannten viszeralen Botulismus (oder „infantiler Botulismus“, „Säuglingsbotulismus“) kann diese Vergiftung auch bei Säuglingen auftreten. Da der Magen eines Babys zu wenig Säure erzeugt, werden die Bakterien nicht eliminiert und deren Aufkeimen begünstigt.

Eine andere Erscheinungsform von Botulismus nennt sich Wundbotulismus, der entstehen kann, wenn Wunden offen sind oder nicht desinfiziert werden. Gemäß dem Infektionsschutzgesetz ist in den europäischen Staaten Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien und in der Schweiz eine derartige beim Menschen diagnostizierte Vergiftung an die zuständige Behörde zu melden. Ausgenommen von der Meldepflicht ist Botulismus bei Tieren. Von der Häufigkeit her gesehen, kommt Botulismus in den westlichen Staaten nur mehr ganz selten vor. Als Beispiel konnten in Deutschland im Jahr 2014 nur fünf Botulinumtoxin Vergiftungen aufgezeichnet werden.

Ursachen

Die Ursachen von Botulismus sind im Verzehr von verdorbenen Nahrungsmitteln zu finden. Oft handelt sich dabei um luftdicht verpackte Lebensmittel, die in Dosen oder Einweckgläsern konserviert wurden. Das trifft vorwiegend auf Wurst, Fleisch, Geräuchertes, Fisch, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte zu. Wissenschaftlich bestätigt ist, dass selbst hergestellte Konserven an den meisten Vergiftungen schuld sind. Bei industriellen Konserven ist die Gefahr allerdings als gering einzustufen.

Verantwortlich für das Entstehen von Botulinumtoxin der Arten A/B/C1/C2/D/E/F/G/H ein Bakterium namens Clostridium botulinum, das sich unter Luftabschluss und auch bei einer zu geringen Erhitzung der Speisen bilden und das Toxin bilden kann. Dokumentierte Ursachen sind auch Vergiftungen bei Säuglingen, bei denen das Clostridium durch den Verzehr von Honig in den Körper gelangt ist. Ganz selten werden die in der freien Natur vorhandenen Sporen der Bakterien oral aufgenommen. Wenn doch, dann trifft es in der Regel nur Säuglinge und äußerst empfindliche Menschen.

Sehr gute Ausbreitungsmöglichkeiten findet das Clostridium Bakterium zudem in Suppen und in diversen Süßspeisen, z. B. in Vanillesauce und in Pudding. Zu erkennen ist ein mögliches in Lebensmittel vorhandenes Botulinumtoxin unter anderem durch einen Geruchstest. Charakteristisch ist hier Buttersäure, die aufgrund des unangenehmen Geruchs an Erbrochenes erinnert. Das Bakterium kann sich sogar im Kühlschrank vermehren. Voraussetzung dafür sind Kühlschranktemperaturen mit mehr als drei Grad. Einzig eine Aufbewahrung im Tiefkühlfach verhindert eine Vermehrung der Bakterien.

Das Ausbreiten bzw. Abtöten des Bakteriums kann man durch eine Sterilisation mit Hitze oder durch Einpökeln verhindern. Um das Risiko einer Vergiftung auszuschalten, sollten Mahlzeiten aus der Konserve länger als 15 Minuten und mit mindestens 100 Grad Celsius erhitzt werden. Laut neuesten Statistiken stellen Konsumenten von Drogen eine eigene Risikogruppe dar. Diese Menschen infizieren sich mit dem Erreger durch eine direkte Aufnahme über das Blut. Allerdings ist derzeit noch unklar, ob nicht sterile Nadeln oder verunreinigte Drogen Schuld daran haben.v

Symptome

Durch das Gift Botulinumtoxin wird das Übertragen von Signalen zwischen den Muskeln und den Nerven unterbrochen. Das wiederum führt zu einer verminderten Acetylcholin Ausschüttung. Acetylcholin ist ein substanzieller Neurotransmitter, der auch im menschlichen Körper vorhanden ist. Die ersten Symptome von Botulismus sind im Bereich der Augenmuskel zu erkennen. Dies äußert sich beim Patienten durch ein verschwommenes Sichtfeld, zufallende und kaum offenhaltbare Augen, stark geweitete Pupillen, Lichtscheue oder er sieht alles doppelt. Viele Botulismus Patienten klagen auch über einen steifen Nacken.

In weiterer Folge breitet sich die Vergiftung auf die Muskeln von Kehlkopf, Lippen, Gaumen und Zunge aus. Es entsteht eine starke Trockenheit im Mund und neben großem Durst kommt es auch zu ausgeprägten Störungen beim Sprechen und Schlucken. Typischerweise sind die Patienten in dieser Phase der Krankheitsentwicklung vollkommen fieberfrei. Bei einem schweren Botulismus kann es zu einer vom Kopf ausgehenden Lähmung kommen, die sich auf die Muskeln der Innenorgane ausbreitet. Solche Lähmungserscheinungen verteilen sich symmetrisch auf die rechte und linke Seite des Körpers. Davon nicht betroffen ist aber das Empfinden der Erkrankten. Das bedeutet, sie reagieren normal auf Kälte und Wärme bzw. Schmerzen. Der menschliche Körper reagiert darauf mit Bauchkrämpfen, Erbrechen, Verstopfung und Durchfall. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Bewusstlosigkeit und zu einer Lähmung der Atem- und Herzmuskel, was durch Herzstillstand bzw. durch Ersticken schließlich zum Tode führt.

Da es sich beim Botulismus um eine seltene Krankheit handelt, haben Ärzte bei der Diagnose oft Schwierigkeiten. Bei Babys können mögliche Spuren des Toxins oft gar nicht entdeckt werden. Zudem wird bei erwachsenen Menschen ein bakteriologischer Check meistens zu spät vorgenommen. Nachgewiesen werden kann Botulinumtoxin durch die Untersuchung von Lebensmittel-, Stuhl- oder Blut-Serumproben. Falls möglich, werden auch Erbrochenes bzw. der Mageninhalt für den Nachweis herangezogen. Am wichtigsten ist aber, dass sofort nach dem Erkennen der Vergiftung mit einer entsprechenden Behandlung begonnen wird.

Therapie

Ausschlaggebend für die gewählte Behandlung ist der Grad der Vergiftung bzw. der Lähmungserscheinungen. Ziel der Behandlung ist die Eliminierung des im Verdauungstrakt befindlichen Giftes, das bislang nicht resorbiert wurde. Des Weiteren sollen im Rahmen der Therapie durch die Verabreichung von Gegengiften die aufgetretenen Symptome gelinder werden. Ein Behandlungsziel ist eine Deaktivierung des Toxins, das im Blut zirkuliert. Je nach Art des Giftes (A/B/C1/C2/D/E/F/G/H) kommen dabei ein polyvalentes, oder ein triviales Antiserum zur Anwendung. Für den im Jahr 2013 entdeckten Typ H ist bis dato noch kein Antiserum verfügbar. Ein Beispiel für den Einsatz von Antitoxinen ist das Gegengift Heptavalent Botulism, mit dem die Typen A bis G erfolgreich behandelt werden.

Ein spezielles Antiserum gegen die Typen A/B/E wird vom Pferd gewonnen, kann beim Patienten aber allergische Reaktionen auslösen. Dieses Serum bekämpft aber nur Botulinumtoxin, das sich im Blut befindet. Daher muss das Gegengift so rasch wie möglich (innerhalb von 24 Stunden) injiziert werden. Danach verabreichte Impfungen sind wirkungslos. Andere Behandlungsmethoden zielen auf die Entfernung des im Magen-/Darmtrakt befindlichen Toxins ab. Gängige Maßnahmen sind dabei Abführmittel, Magenspülungen und Einläufe. Damit soll eine Ausbreitung des Giftes in das Blut verhindert werden.

Sollte der Patient über starke Schluckstörungen klagen, kann im schlimmsten Fall auch eine künstliche Ernährung stattfinden. Sind die für die Atmung verantwortlichen Muskeln gelähmt, ist unter Umständen eine künstliche Beatmung notwendig. Ähnlich sieht es auch bei Funktionslähmungen im Herzmuskel aus, die für einen gewissen Zeitraum einen Herzschrittmacher erforderlich machen. Als positives Fazit der Behandlungsmethode mit Antiseren, konnte durch den Einsatz von Gegengiften die Sterblichkeitsrate auf 10 – 15 Prozent (vorher mehr als 90 Prozent) verringert werden.

Trotzdem dauert es oft Monate, bis die Muskellähmungen zur Gänze verschwunden sind. Ernüchterung bringt allerdings der Umstand, dass statistisch gesehen ohne eine Behandlung spätestens nach sechs Tag bei 50 Prozent der Betroffenen der Tod durch eine Atemlähmung eintritt.

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