Allergologie

Der Lehre der Allergien

Behandlung AllergologieAllergene Trigger kommen von außen und werden eingeatmet, gegessen, berührt oder gespritzt. Rund 25 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter allergischen Beschwerden.

Mit einer Prävalenz von 14,8 % entfallen die meisten auf Rhinokonjunktivitis, gefolgt von Asthma bronchiale mit 8,6 % und Kontakekzem (8,1%).

Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. Intoleranzen zählen im strengen Sinn nicht zu den Allergien, obwohl sie ähnliche Symptome verursachen.

 

Die Luft ist rein? Unter einer Lupe erscheint sie eher als Aerosol. In Innenräumen setzen Tierhaare, Hausstaubmilben oder Schimmelpilze und draußen Gräser, Roggen, Weizen und Hasel Allergikern zu. Auch Nahrungsbestandteile wie Erdnüsse lösen Immunreaktionen aus.

Zwar sind die Stoffe objektiv harmlos, doch der Körper verteidigt sich an seinen Grenzzonen, der Haut und den Atemwegen mit chronischen Entzündungen als ob sie pathogen wären.

 

Was ist Allergologie?

 

Heuschnupfen wird durch Pollen ausgelöst, die insbesondere im Frühling während der Hauptblütezeit Niesen und Augenjucken verursachen. Der Allergie-Kalender ist nicht das einzige, womit sich Allergologen beschäftigen.

Die Allergologie hat sich die Erforschung der Ursachen, der Charakteristik, des Verlaufs und der Therapie von Allergien auf die Fahne geschrieben.

Die Vielfalt der allergologischen Erkenntnisse wird in Kongressen besprochen und in Symposien vorgestellt. Der Draht von den Laboren in die Praxen dient der Weiterbildung des Fachpersonals für den Patientenkontakt und soll die Versorgung der Allergiker, die in Behandlung sind, kontinuierlich verbessern.

Aber auch die Bevölkerung vor allergischen Schüben zu schützen, gehört in das Zielportfolio der Allergologie. 14 der häufigsten Auslösergruppen von Allergien müssen ab dem 13.12.14 auch auf lose verpackten Speisen gekennzeichnet werden.

 

Durchschnittlich einer von zehn Arbeitsaufällen geht auf allergische Beschwerden zurück. Der Formenkreis der Allergien belastet nicht nur das Gesundheitssystem und die Wirtschaft, auch die indirekten Kosten z. B.  durch Verlust an Lebensqualität sind hoch.

Es besteht also ein Bedarf, Kausalzusammenhänge der Entstehung von Allergien zu erforschen, um die Prävention zu stärken und dort, wo ein verstärktes Allergierisiko herrscht wie auf Pflegestationen und in Kindergärten, Aufklärungsarbeit zu leisten.

 

Ursprung und Entwicklung

 

Zu Beginn des 20. Jahrhundert fanden der Bakteriologe Prausnitz und der Geburtshelfer Küstner heraus, dass durch Injektion des Blutes eines Allergikers, déssen Entzündungsreaktion auch bei dem vormals nicht Sensitiven als Rötung auf der Haut erscheint (Urtikaria). Die Schlußfolgerung des Prausnitz-Küstner-Versuchs war, das im Blut Antikörper enthalten sein müssten. Amerikanische Wissenschaftler nannten diese „reagin“.

Ende der 60er Jahre kamen Forscher eines Zentrums für Asthma bei Kindern diesem Antikörper auf die Spur und nannten es Immunglobin E.

Dieser zellständige Antikörper vermittelt die Sofortreaktion bei einer Allergie des Typs 1 (Hypersensitivität) und bindet über lange Zeiträume an den Mastzellen, den von Paul Ehrlich, dem Erfinder der Chemotherapie entdeckten Granula für Histamin und Heparin, die für Wundheilung und Krankheitsabwehr zuständig sind und vor allem auf den Schleimhäuten sitzen.

Auch gutartige Schleimhautwucherungen an der Grenzzone zur Atemluft, die Nasenpolypen (Polyposis nasi), stellen gewissermaßen eine Überreaktion des Körpers dar und erhalten heute einen relevanten Platz in den Vortragsthemen der Allergologie.

Funktion, Wirkung & Ziele der Allergologie

 

Allergien wie Asthma sind nicht heilbar, aber Betroffene lernen, allergische Beschwerden zu kontrollieren, indem sie die Mechanismen von Krankheitsschüben verstehen. Dazu gehört, den Trigger zu identifizieren, welcher die Krankheitssymptome auslöst und so weit wie möglich zu vermeiden (Karenz).

Behandlung AllergologieDa dies nicht immer möglich ist, zielt die Therapie von Asthma und anderen Allergien nicht darauf, klinisch sterile Lebensbedingungen zu schaffen, sondern Betroffenen ein weitgehend normales Leben mit einem erholsamen Nachtschlaf zu ermöglichen und auch an körperlich herausfordernden Aktivitäten teilhaben zu lassen.

Manche Allergene lassen sich durch physische Hilfsmittel fernhalten. Atemschutzmasken oder Abzugshauben gegen Inhalationsallergene oder Pferdedecken gegen Stechmücken, die das Sommerekzem (sweet itch) auslösen.

Beim ersten Kontakt mit dem Allergen reagieren naive B-Lymphozyten noch nicht. Erst wenn auch eine T-Helferzelle das Antigen erkennt und beide zusammen an diesem binden, wird die B-Zelle zu einer spezifischen Antikörper produzierenden Plasmazelle des erworbenen Immunsystems aktiviert.

Eine Allergie kann nicht von den Eltern an deren Kinder vererbt werden, doch die Prädisposition diese Allergie im Laufe des Lebens zu entwickeln schon. Die Statistik beweist, dass Kinder, deren Eltern oder Geschwister allergisch auf eine bestimmte Substanz reagieren, ebenfalls auf denselben Stoff mit einer Immunabwehr antworten.

Doch der Ausbruch der veranlagten Allergie hängt von den Einflüssen der Umwelt und dem Gesundheitszustand ab. Während Kinder, die mit spina bifida geboren wurden, ein erhöhtes Risiko aufweisen, eine Latex-Allergie zu bekommen und deshalb nicht mit Latex-Handschuhen angefasst werden, empfehlen Mediziner, allergene Nahrungsmittel während der Schwangerschaft nicht aus dem Speiseplan zu streichen und das heranwachsende Kind auch z. B.  in der Umgebung von Tieren und Bäumen, Sträuchern und Gräsern spielen zu lassen. Das allergologische Ziel liegt hier in einer Desensibilisierung.

 

Allergologische Behandlungen und Therapien

  • P3R-Atemschutzfilter gegen Inhalationsallergene z. B. bei allergischer Rhinitis
  • Abzugshauben gegen die Bäckerlunge
  • Antagonisten des Botenstoffs Histamin in Medikamentenform zur Abschwächung allergischer Reaktionen
  • Medikamentös

 

Medikamentös lässt sich Asthma langfristig mit Kortison (Glucocorticosteroide) kontrollieren. Die „Controller“ werden zum Inhalieren oder in Tablettenform dargereicht. Kinder sollten Kortison nur in Form von Spray und nur unter pneumologischer Betreuung einnehmen.

Bei akuten Verschlechterungsschüben verschaffen „Reliever“ Linderung. Diese Bedarfsmedikamente enthalten Wirkstoffe wie Salbutamol, Fenoterol und Terbutalin und wirken sofort. Die Wirkung verfliegt bereits nach etwa fünf Stunden.

Soll die Entzündungskontrolle bis zu 12 Stunden andauern, kommen Beta-2-Sympathomimetika zum Einsatz. Sie docken an die Rezeptoren des sympathischen Nervensystems und imitieren die Wirkung der Katecholamine Adrenalin und Dopamin, indem sie die glatte Muskulatur der Bronchien und Blutgefäße erweitern. Anwendungsempfehlung wäre z. B.  vor dem Sportunterricht oder Fußballtraining.

Durchführung und Wirkungsweise

 

Eine Medikamentation, die bei einer Allergie indiziert ist, stabilisiert idealerweise die Mastzellen, blockiert den Abwehrtransmitter Histamin, reduziert die Entzündungsbereitschaft, mindert die Schleimproduktion, reduziert Juckreiz, Muskelkrämpfe, Rötungen, Niesen, Schwellungen.

 

Allergologie hilft gegen

  • Fehlzeiten im Beruf wegen allergischer Beschwerden
  • Entwicklungsstörungen von Kindern aufgrund von allergischen Beschwerden
  • Beeinträchtigung der Lebensqualität durch allergische Beschwerden

 

 

Allergologie fördert und stärkt

 

  • Versorgung allergisch Erkrankter mit medizinischem Personal und Geräten
  • das Bewusstsein für Allergene in Produkten
  • Deklaration von allergenen Inhaltsstoffen auf Produktverpackungen (Kennzeichnungsverordnung)
  • gesetzliche Definition des Werbebegriffs „hypoallergen“ für Verbraucherschutz
  • Verbot von allergenen Inhaltsstoffen in Produkten speziell für Kinder
  • Verbesserung der Lebensqualität für Allergiker
  • psychotherapeutische Bewältigung der Symptomatik
  • Beratung durch Fachkräfte

 

 

Diagnose und Untersuchungsmethoden der Allergologie

 

Je nachdem, wie schnell die Immunanwort erfolgt und was dabei geschieht, spricht der Mediziner von einer Typ-1-Allergie (innerhalb von Sekunden bis Minuten), einer zytotoxischen Allergie (Zerstörung eigener Körperzellen durch Thymus-Lymphozyten) oder einer Immunkomplextyp-Allergie (6 bis 12 Stunden Karenz).

 

Bei der Blutanalyse in-vitro wird der IgE-Anteil bestimmt. Das Immunglobin E an den Mastzellen schüttet bei Hypersensitiven durch Kontakt mit einem Allergen Histamin, Cytokine, Elkosanoide und Enzyme aus. Die IgE spielen insbesondere eine Rolle bei Allergien des Typs 1 wie Asthma, Rhinitis, Anaphylaxie. Eine Bestimmung des IgE-Gehaltes kann im Rahmen der allergologischen Diagnostik nützlich sein, ist aber auch bei Parasitenbefall und Erkrankungen des Blutes und des Knochenmarks erhöht.

 

Welche harmlosen Stoffe eine Immunabwehr hervorrufen, findet ein Allergietest heraus. Doch nicht alle Testpersonen, die gegenüber einer gezielten Provokation mit einem bestimmten Allergen sensitiv reagierten, zeigten auch allergische Erkrankungen, wenn sie demselben Stoff in seiner wirklichen Erscheinungsweise in der Umwelt begegneten (stille Sensibilisierung). Daher werden für eine sichere Diagnose applikative Haut- bzw. Inhalationstests mit Bluttests kombiniert.

 

Standardisierte Testverfahren zur Diagnose einer Allergie sind der Hauttest (Prick, Intrakutan, Epikutan, Reib, ROAT, Atopie-Patch) und die inhalative bzw. nasale Provokation.

In vitro deuten Antikörper und Entzündungsmarker auf eine Allergie hin. Seit 2006 wird zum Nachweis einer Medikamentenallergie zellulär nach T-Lymphozyten gesucht. Dieser Lymphozytentransformationstest soll den Epikutantest ergänzen bzw. ersetzen.

 

Risiken und Nebenwirkungen der Allergologie

 

  • Beim Pricktest können Rötungen und Schwellungen der Einstichstelle auftreten, die aber mit Salbe behandelbar sind und spätestens nach 30 min. abklingen
  • Mundsoor und Heiserkeit durch Asthma-Controller (Kortison)
  • Asthma-Sprays können bei Kindern das Wachstum verzögern
  • Beta-2-Sympathomimetika (Asthma-Reliever) kann Erregungszustände mit Tachykardie bis hin zu Angina Pectoris verursachen

 

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen der Allergologie

 

Je nachdem, um welches Antiallergikum es sich handelt, können unterschiedliche Gegenanzeigen gegeben sein. Dazu zählen vor allem:

 

  • Vorbelastungen
  • Anti-Histaminikum

 

Beim Epikutantest darf die dermale Kontaktstelle für das Pflaster mit dem Allergen (z. B.  Nickel) nicht z. B. durch ein Ekzem vorbelastet sein und sollte während der Einwirkzeit nicht mit Wasser gewaschen werden. Der Prick-Test wirkt nicht während der Einnahme eines Anti-Histaminikums (z. B.  gegen ADHS oder Alzheimer).

 

Wer behandelt?

 

 

Die Allergologie ist eine Zusatzqualifizierung, die von Allgemeinärzten und Kinderärzten, insbesondere auch von Spezialisten wie Dermatologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Lungenfachärzten und Internisten erworben wird. Für Ernährungsfachkräfte besteht ebenfalls die Möglichkeit, sich allergologisch weiterzubilden.

 

 

Fazit:

 

Der Körper selbst findet bei der Krankheitsabwehr eine Balance zwischen schützen und schädigen und geht nicht unkontrolliert gegen Eindringlinge vor, um keine eigenen gesunden Strukturen zu zerstören.

Behandlung AllergologieBei einer Allergie erfolgt eine Abwehr, obwohl keine Gefahr besteht wie eine Chemotherapie ohne „medizinische Indikation“.

Trotzdem geht der Abwehrkampf manchmal so weit, dass sich der Körper selbst in Todesgefahr bringt. Der anaphylaktische Schock folgt auf die Einnahme von Penicillin, ASS-haltige Medikamente wie Aspirin, die Injektion von Insulin oder eines iodhaltigen Kontrastmittels und ist die häufigste Unterversorgung der Kapillaren mit Blut und des Gewebes mit Sauerstoff, die durch ärztliche Therapieversuche ausgelöst wurde.

Unter kontrollierten Bedingungen zu testen, wie ein bestimmtes Individuum auf eine besondere Substanz reagiert, ist also eine wichtige Errungenschaft der Allergologie.

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