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Simvastatin

by Danaae

Simvastatin ist Bestandteil der Statine und von großer Bedeutung als Medikament zur Behandlung von erhöhten Cholesterinwerten. Der Wirkstoff gilt generell als gut verträglich. Hier erfahren Sie alles Wichtige über den Wirkstoff, von seiner Anwendung bis hin zu seinen Nebenwirkungen.

SimvastatinWas ist Simvastatin?

Der Wirkstoff wird zur Senkung von erhöhten Cholesterin-Werten im Blut eingesetzt, wenn eine Gewichtsabnahme, körperliches Training und eine cholesterinarme Diät nicht für eine Besserung ausreichen.

Dabei bewirkt Simvastatin das Absinken des schädlichen ldl-Cholesterins sowie einen verhältnismäßigen Anstieg des hdl-Cholesterins, welches die Gefäße schützt.

Üblicherweise liegt die verabreichte Dosis zwischen fünf Milligramm bis 40 Milligramm, die einmal täglich aufgenommen wird.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Simvastatin dient folgenden Zwecken:

  • Senkung des Risikos für einen Schlaganfall
  • Herzinfarktrisiko verringern
  • Blutfettwerte senken
  • Verhinderung von Gefäßablagerungen
  • Cholesterinspiegel im Blut den Patienten senken

Allgemeines

Allgemeines
NameSimvastatin
Andere Namen(1S,3R,7S,8S,8aR)-8-{2-[(2R,4R)-4-Hydroxy-6-oxooxan-2-yl]ethyl}-3,7-dimethyl-1,2,3,7,8,8a-hexahydronaphthalen-1-yl-2,2-dimethylbutanoat (IUPAC)
SummenformelC25H38O5
WirkstoffklasseStatine

Wirkungsweise

So wirkt Simvastatin

Der Körper benötigt für den Transport von Lipiden (Fetten) im Blut Cholesterin. In der Leber stellt der Körper ungefähr zwei Drittel der benötigten Menge an Cholesterin selbst her, ein Drittel gewinnt der Organismus aus der Nahrung. Die Eigenherstellung kann deshalb bei einem zu hohen Cholesterinspiegel vermindert sein.

Das Enzym „HMG-CoA-Reduktase“ ist zu einem großen Teil für die Cholesterin-Biosynthese verantwortlich, da das Enzym hier die Geschwindigkeit der Biosynthese bestimmt. Statine wie unter anderem Simvastatin hemmen diesen Geschwindigkeitsschritt, wodurch die Eigenherstellung von Cholesterin reduziert und die Cholesterinwerte im Blut gesunken werden.

Dabei sinkt vor allem das schädliche ldl-Cholesterin, wobei das nützliche hdl-Cholesterin steigt.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Simvastatin

Der Wirkstoff wir nach oraler Einnahme schnell aufgenommen. Die Leber wandelt das Simvastatin in seine aktive Form um.

Die maximale Wirkung von Simvastatin ergibt sich ungefähr eine bis zwei Stunden nach oraler Einnahme. Meist wird Simvastatin abends eingenommen, weil der Körper nachts am intensivsten an der Herstellung von Cholesterin arbeitet.

Der verstoffwechselte Wirkstoff wird hauptsächlich über den Stuhl ausgeschieden und nur in kleinen Mengen über den Urin.


Anwendungsgebiete

Wann wird Simvastatin eingesetzt?

Hauptsächlich wird der Wirkstoff bei Hypercholesterinämie (erhöhte Cholesterinwerte) im Blut eingesetzt. Bevor die Therapie begonnen wird, sollte von dem Patienten immer durch eine gesunde Ernährung, Gewichtsverlust und Sport versucht werden, die Cholesterinwerte auf natürlichem Wege zu normalisieren.

Simvastatin ist auch zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen mit KHK (koronarer Herzkrankheit) oder bei Diabetes-Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, zugelassen. Dabei ist die Höhe der Cholesterinwerte nicht relevant. In beiden Fällen erfolgt eine meist langfristige Anwendung.


Richtige Anwendung

So wird Simvastatin angewendet

In der Regel wird Simvastatin in Tablettenform einmal täglich am Abend eingenommen. Der Arzt legt hierbei eine individuelle Dosis fest. Meistens liegt die Dosierung zwischen fünf bis achtzig Milligram täglich.

Wichtig für Erfolg der Behandlung ist eine regelmäßige Einnahme des Arzneistoffs, weil sich die Cholesterinwerte im Blut erst nach mehreren Wochen verändern, sodass auch Patienten den Effekt erst viel später spüren.

Simvastatin wird oftmals auch mit anderen Arzneistoffen kombiniert. So erfolgt häufig eine Kombination mit Colestyramin (auch ein Cholesterinsenker). Dabei verhindert das Colestyramin, dass die ausgeschüttete Gallensäure (als Unterstützung der Verdauung) wieder in das Blut aufgenommen wird. Deshalb muss die Leber erneut Gallensäure aus Cholesterin bilden, weshalb der Cholesterinspiegel folglich sinkt.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Simvastatin?

  • SIMVASTATIN-ISIS 10, 20 und 40 mg – Filmtabletten
  • SIMVASTATIN-ISIS 5mg – Filmtabletten
  • Simva TAD 5, 10, 20 und 40 mg – Filmtabletten
  • Simva-HEXAL 5, 10, 20, 30, 40 und 80 mg – Filmtabletten
  • Simvabeta 10 und 20 mg – Filmtabletten

Handelsnamen

Monopräperate

  • Zocor (D, CH)
  • Zocord (A)
  • zahlreiche Generika (D, A, CH)

Kombinationspräperate

  • mit Ezetimib: Inegy (D, A, CH)
  • Goltor

Indikationen


Gegenanzeigen

Wann darf Simvastatin nicht verwendet werden?

Der Wirkstoff darf nicht angewendet werden, wenn

  • eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff besteht.
  • der Patient an Lebererkrankungen oder an einer langfristigen Erhöhung der Blut-Leberwerte leidet.
  • Skelett-Muskel-Erkrankungen mit Muskelfaserzerstörungen bestehen und bei der Erhöhung von Blutwerten, die auf solche Erkrankungen hinweisen.

Bei folgenden Gegebenheiten sollte Simvastatin nur mit Vorsicht und nach einer gründlichen Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen :

  • bei Patienten über 70 Jahren
  • Alkoholmissbrauch
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Patienten mit einem hohen Risiko für Diabetes ( Statine begünstigen den Ausbrauch der Erkrankung)
  • parallele Anwendung von Fibraten
  • erbliche Muskelstörungen
  • Situationen, in denen der Wirkstoff in erhöhter Blutkonzentration auftreten kann, wie beispielsweise bei Leber-oder Nierenfunktionsstörungen, asiatischen Patienten und paralleler Anwendung von gewissen aids-Mitteln der Gruppe der hiv-1-Proteasehemmer und Ciclosporin (Mittel gegen Organabstoßung)

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

In Tierversuchen wurden Schädigungen des Ungeborenen nach einer Anwendung mit Simvastatin festgestellt. Deshalb muss die Einnahme von Simvastatin bei Schwangeren unterlassen werden, da keine ausreichende Klärungen diesbezüglich vorhanden sind.

Die Einnahme des Wirkstoffs ist auch bei bestehendem Kinderwunsch zu beenden.

In der Stillzeit darf der Arzneistoff nicht angewendet werden, da es noch unklar ist, ob Simvastatin in die Muttermilch übergeht. Ein vorübergehendes Absetzen von Simvastatin hat auf den Erfolg einer langfristigen Therapie keinen Einfluss.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Kinder sowie Jugendliche, die an erblich bedingten Fettstoffwechselstörungen erkrankt sind, dürfen erst nach der Entwicklung zur Geschlechtsreife mit diesem Wirkstoff behandelt werden. Zudem ist vor Beginn der Behandlung zunächst eine Diät, die das Cholesterin senkt, einzuhalten. Diese Diät sollte auch während der Therapie fortgesetzt werden.

Der Arzt passt die jeweilige Dosis nach den Empfehlungen zur Behandlung von Kindern dem Ziel der Therapie an. Veränderungen der Dosis sollten in mindestens vierwöchigen Abständen erfolgen.

Da die Erfahrung mit dem Wirkstoff bei Kindern vor dem Pubertät-Alter nicht ausreichend ist, können keine allgemeine Empfehlungen zur Dosierung gegeben werden.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Simvastatin?

Im Folgenden erfolgt eine Auflistung möglichen und bekannten Nebenwirkungen von Simvastatin. Die Nebenwirkungen können auftreten, müssen es aber nicht, da jeder Mensch unterschiedlich auf Medikamente reagiert.

Seltene Nebenwirkungen:

Sehr seltene Nebenwirkungen:

  • Durch eine Autoimmunreaktion bedingter Muskelzerfall.

Besonderheiten:

Während und auch nach der Therapie kann es in sehr seltenen Fällen zu einem Muskelzerfall bei Patienten aufgrund einer Autoimmunreaktion kommen. Anzeichen für einen solchen Muskelzerfall sind eine anhaltende Muskelschwäche, die auch nach Beendigung der Therapie fortbesteht. Der Arzt muss bei einer anhaltenden Muskelschwäche sofort informiert werden.

Sehr seltene Nebenwirkungen:

Nebenwirkungen ohne Nennung von Häufigkeit:

Besonderheiten:

Alle Vertreter der Statine haben eine schädliche Wirkung auf die Nerven, welche sich besonders an den Beinen bemerkbar macht. So sind Muskelzuckungen oder Taubheitsgefühle Zeichen der Schädigungen, und die Behandlung ist bei solchen Symptomen sofort zu beenden.

Vor allem Diabetiker sind hier besonders gefährdet, da Ärzte die Beschwerden oftmals mit einer diabetischen Neuropathie (Nervenschädigung durch Diabetes) verwechseln, sodass Statine nicht abgesetzt werden.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Simvastatin?

Der Wirkstoff darf nicht parallel angewendet werden mit:

  • Nefazodon
  • Antibiotika ( Telithromycin, Erythromycin, Clarithromycin)
  • Pilzmitteln (Ketoconazol, Itraconazol)
  • Danazol
  • hiv-1-Protease-Hemmstoffe: Nelfinavir, Indinavir, Ritonavir, Saquinavir, Amprenavir

Bei paralleler Einnahme von Simvastatin und den obigen Substanzen würde die Blutkonzentration deutlich erhöht und das Risiko, dass sich Komplikationen der Skelettmuskulatur einstellen, enorm gesteigert.

Die blutdrucksenkenden Wirkstoffe Diltiazem und Verapamil, das Vitamin Niacin (Dosis über ein Gramm täglich), die Fibrate (Gemfibrozil, Fenofibrat, Bezafibrat), der Arzneistoff Amiodaron und das Medikament Ciclosporin, das die körpereigene Abwehr unterdrückt wirken sich auf die Verstoffwechselung in der Leber aus.

Patienten, die an Nierenfunktionsstörungen erkrankt sind, haben zudem einen erhöhtes Risiko für Muskelzerstörung, falls der Arzneistoff Colchicin mit Simvastatin gleichzeitig eingenommen wird.

Damit das Risiko für Entzündungen der Skelettmuskulatur gesenkt wird, gilt:

  • Niacin, Ciclosporin, Danazol und Fibrate nicht gleichzeitig mit mehr als zehn Milligramm Simvastatin täglich einnehmen.
  • Besonders Amiodaron und Verapamil nicht mit mehr als 20 Milligramm Simvastatin täglich anwenden.Es kommt sonst zum Muskelschwund, der auch zum Nierenversagen mit tödlichem Ausgang führen kann (Alarmzeichen dunkelbrauner (cola-farbener) Urin sowie Muskelschmerzen).
  • Diltiazem nicht mit mehr als 40 Milligramm Simvastatin täglich anwenden.
  • Patienten sollten auf Zubereitungen mit Grapefruit und Grapefruit generell während der Behandlung mit Simvastatin vollständig verzichten, das Grapefruit das Risiko für Komplikationen an der Skelettmuskulatur erhöht, da diese auch den Abbau von Simvastatin behindern.
  • Bei Alkoholmissbrauch dürfen Patienten Simvastatin nur unter ärztlicher Vorsicht anwenden, weil es häufiger zu Schäden der Leber kommen kann.
  • Wenn Simvastatin zusammen mit Blutgerinnungshemmern (Cumarinen) eingenommen wird, verlängert sich so die Zeit der Blutgerinnung. Daher sollte zu Beginn der Therapie eine ärztliche Kontrolle der Blutgerinnung in regelmäßigen Abständen erfolgen.
  • Rifampicin (Tuberkulose-Mittel) beschleunigt den Abbau von Simvastatin. Damit beeinträchtigt Rifampicin dessen Wirkung.

Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Simvastatin zu beachten?

Unter anderem wird Simvastatin durch das Enzym Cytochrom 3A4 abgebaut. Die Hemmstoffe für dieses Enzym führen zu erhöhten Simvastatin-Spiegeln und verstärken die Nebenwirkungen des Wirkstoffs.

Deshalb sollte keine Kombination folgender Medikamente nicht mit Simvastatin erfolgen:

  • Antimykotika (Mittel gegen Pilzinfektionen) : Itraconazol, Ketoconazol, Fluconazol
  • Ciclosporin (nach Organtransplantationen und Autoimmunerkrankungen)
  • Kalziumkanalblocker und Herzmedikamente ( Amiodaron, Dilziazem, Verapamil, Amlodipin)

Auf Grapefruitsaft ist zu verzichten, da nur ein Glas Grapefruitsaft morgens bewirkt, dass in der darauf folgenden Nacht doppelt so hohe Konzentrationen des Wirkstoffs auftreten als üblich, sodass als Folge unerwartete Nebenwirkungen eintreten.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Simvastatin

Simvastatin ist nur in der Apotheke rezeptpflichtig erhältlich.


Geschichte

Seit wann ist Simvastatin bekannt?

In den 1950er Jahren wurde die Biosynthese von Cholesterin aufgeklärt, und es stellte sich anschließend heraus, dass durch das Hemmen bedeutender Schlüssel-Enzyme wirksame Medikamente gegen einen erhöhten Cholesterinspiegel hergestellt werden können.

Insbesondere gegen das Enzym HMG-CoA-Reduktase konnte in Japan im Jahr 1976 der erste Hemmstoff Mevastatin aus einem Pilz isoliert werden. Jedoch wurde Mevastatin nie auf den Markt gebracht.

Im Jahr 1979 isolierten Wissenschaftler des Unternehmens Merck & Co. (heute MSD Sharp & Dohme) aus einem Pilz den Hemmstoff Lovastatin. Es wurden auch synthetisch veränderte Varianten des Lovastatins während der Untersuchung entwickelt.

Dabei erwies sich die Verbindung MK-733 (heute Simvastatin) als für Therapiezwecke effektiver als der Ausgangsstoff. Daraufhin wurden beide Substanzen von Merck & Co zur marktreifen Zulassung gebracht.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

In manchen Fällen löst Simvastatin allergische Reaktionen aus. Sollten Sie also Anzeichen einer solchen Reaktion, wie Rötungen oder Schwellungen, wahrnehmen, muss umgehend ein Arzt oder Apotheker informiert werden.

  • Aufgrund von Wechselwirkungen ist auf Grapefruitsaft während der Behandlung mit Simvastatin zu verzichten.
  • Der Arzt muss umgehend informiert werden, wenn während der Behandlung mit Simvastatin Schwäche, Schmerzen und Empfindlichkeit im Bereich der Muskulatur auftreten.
  • Die Behandlung mit dem Medikament muss vor chirurgischen Eingriffen unterbrochen werden.
  • Wenn die Leberwerte des Behandelten auf das Dreifache des Ausgangswertes ansteigen, ist die Dosis von Simvastatin zu verringern oder Behandlung komplett zu beenden.
  • Die Dosis von Simvastatin muss ebenfalls reduziert oder die Behandlung unterbrochen werden, wenn der ck-Wert des Behandelten auf das Fünffache des vorherigen Ausgangswertes ansteigt.
  • Bei Hustenreiz, Atembeschwerden, Erschöpfung, Fieber und Gewichtsverlust muss die Behandlung abgebrochen werden.
  • Kommt es auch nach der Behandlung zu einer Muskelschwäche, ist der Arzt umgehend zu informieren.
  • Der Blutzucker ist während der Therapie regelmäßig zu überprüfen, wenn der Patient bereits Risikofaktoren für die Entwicklung von Diabetes hat.
  • Generell ist der Patient in seiner Verkehrstüchtigkeit nicht beeinträchtigt. Sollte aber Schwindel auftreten, muss auf das Führen von Fahrzeugen verzichtet werden.

Quellen

  • Study of the Effectiveness of Additional Reductions in Cholesterol and Homocysteine (SEARCH) Collaborative Group: Intensive lowering of ldl cholesterol with 80 mg versus 20 mg simvastatin daily in 12 064 survivors of myocardial infarction: a double-blind
  • Lilja, J. J. et al.: Effects of regular consumption of grapefruit juice on the pharmacokinetics of simvastatin, in: British pharmacological society (2004), Ausgabe 58 (1), 56-60.
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013.

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