Mediastinum

Die Anatomie des Mediastinums

Interessieren Sie sich für den Aufbau Ihres Körpers? In unserer Rubrik Anatomie und Organe können Sie alles über das Thema erfahren. Dieser Artikel dient dazu Ihnen das Mediastinum genauer vorzustellen. Das auch Mittelfellraum genannte Gewebe befindet sich in der Brusthöhle und reicht dabei vom Zwerchfell bis zum Hals. Wir zeigen Ihnen in diesem Beitrag die Funktionen und den Aufbau dieses Gewebsraumes. Des Weiteren informieren wir Sie über mögliche Krankheiten und Beschwerden, welche im Mediastinum auftreten können.

Was ist das Mediastinum?

Dorsal wird das Mediastinum durch die Wirbelsäule und ventral vom Sternum begrenzt. Seitlich des Gewebsraumes liegen die Rippen und oberhalb grenzt der Mittelfellraum an der oberen Öffnung des Brustkorbes, der oberen Thorasxapertur. Kaudal des Mediastinums liegt das Zwerchfell. Innerhalb des Gewebsraumes liegen neben dem Herz und dem Herzbeutel auch Teile der Speiseröhre und der Luftröhre, die Thymusdrüse und eine Vielzahl an Venen, Nerven, Arterien und Lymphdrüsen.

Von Medizinern wird das Mediastinum in zwei Bereiche eingeteilt. Das Mediastinum superius umfasst die Thymusdrüse und den Aortenbogen und reicht bis zum Oberrand des Herzens. Der untere Bereich des Gewebsraumes wird in der medizinischen Welt als Mediastinum inferius bezeichnet und beginnt am Oberrand des Herzens. Dieser Teil wird zusätzlich in einen vorderen, mittleren und einen hinteren Abschnitt eingeteilt, wobei das Herz im mittleren Bereich liegt.

Funktionen & Aufgaben

In erster Linie dient das Mediastinum dem Schutz der Brustorgane. Durch das Bindegewebe innerhalb des Mittelfellraumes ergibt sich ein hervorragender Schutzraum für die lebenswichtigen Organe. Innerhalb eines menschlichen Körpers übernimmt das Bindegewebe hauptsächlich eine unterstützende Funktion. Aufgrund des Bindegewebes Struktur innerhalb des Mediastinums kann die Form der sich dort befindenden Organe aufrechterhalten werden. Es hat neben der schützenden also auch noch eine stützende Funktion.

Um die im Mediastinum liegenden Organe ideal schützen zu können, befinden sich im Bindegewebe verschiedene Fasertypen. Durch ein Netz aus Fasern, welche sich aus Proteinen wie Kollagen zusammensetzen, können die Brustorgane gestützt werden. Die stark quellenden Protegoglykane zwischen den Fasern verhindern, dass die Organe zusammengepresst oder auseinandergezogen werden können. Während das Fasernetz des Bindegewebes im Mediastinum also vor allem eine stützende Funktion innehat, dienen die Proteogoglykane den Schutz der Organe. Des Weiteren wird im mediastinalen Bindegewebe Wasser gespeichert.

Die Rippen geben den Brustorganen zwar bereits einen Schutz durch das Skelett, doch aufgrund der Lebensnotwendigkeit dieser Organe, werden sie zusätzlich durch das Bindegewebe im Mediastinum geschützt. Außerdem dient die Zwischenzellmasse zum Abwehren von Krankheiten.
Das Mediastinum enthält eine Vielzahl von wichtigen Gefäßen und ist somit die wichtigste Verkehrsader sowohl zwischen Kopf und Hals als auch zwischen Brustkorb und Bauchraum. Bei den Leitungsbahnen des Mittelfellraums handelt es sich neben Gefäßen und Nerven auch um die Luft- und die Speiseröhre.

Die wichtigsten Funktionen des Mediastinums sind also:

  • Schutz der lebenswichtigen Brustorgane
  • wichtigste Verkehrsader für Venen und Nerven zwischen Kopf/Hals und Brustkorb/Bauch
  • schützt wichtige Laufbahnen des menschlichen Körpers, wie die Speise- und Luftröhre

 

Anatomie & Aufbau

Das Mediastinum setzt sich aus lockerem Bindegewebe zusammen und umgibt alle wichtigen Brustorgane bis auf die Lungen. Es wird medizinisch in zwei Bereiche eingeteilt:
Das obere Mediastinum bildet eine Verlängerung des Bindegewebes des Halses. Es liegt zwischen der Dorsalseite des Manubrium sterni und den oberen vier Thorakalwirbeln. Im oberen Mediastinum befinden sich der Thymus und herznahe Gefäße, wie beispielsweise der Aortenbogen. Außerdem liegen sowohl die Luft- als auch die Speiseröhre im Mediastinum superius.

Das untere Mediastinum schließt direkt an das obere an. Dieser Abschnitt wird weiterhin in drei Abschnitte unterteilt. Der vordere Teil liegt dabei zwischen dem Brustbein und dem Herzbeutel und ist damit nur ein sehr schmaler Raum. Bei Kindern befindet sich dort der Thymus, welcher im Erwachsenenalter im oberen Mediastinum zu finden ist. Der mittlere Bereich umschließt das Herz und der hintere Abschnitt reicht vom Herzen bis zur Brustwirbelsäule und beherbergt die Speiseröhre, welche zwischen Herz und Trachea liegt. Die Organe liegen in tieferen Ebenen des Mediastinums und werden zusätzlich durch Halsmuskeln geschützt.

Das aortopulmonale Fenster, welches zwischen dem Aortenbogen und der linken Lungenarterie liegt, spielt eine bestimmte Rolle in der Radiologie.

Das obere Mediastinum

Oberflächlich ist das obere Mediastinum mit Teilen der Halsmuskulatur ausgestattet. In den tieferen Schichten liegen sowohl wichtige Brustorgane als auch Gefäße und Nerven. Im Erwachsenenalter sind der Thymus und Thymusfettkörper im Mediastinum superius zu finden. Des Weiteren liegen dort die Trachea (Luftröhre), die Ösophagus (Speiseröhre) und eine Vielzahl an Lymphknoten.

Außerdem liegen folgende Gefäße und Nerven im oberen Abschnitt des Mediastinums:

  • Aortenbogen
  • Teile des Truncus brachiocephalicus (Arm-Kopf-Gefäßstamm)
  • Anteile der linken Arteria subclavia (Unterschlüsselbeinschlagader) und der Arteria carotis communis (Halsschlagader)
  • die Venae brachiocephalicae mit einem Anteil der Vena cava superior (obere Hohlvene)
  • der Nervus vagus
  • der Nervus phrenicus (Zwerchfellnerv)
  • Ductus thoracicus
  • links: der Nervus laryngeus recurrens) (rückläufiger Kehlkopfnerv)
  • Nerven des Herzen

 

Das untere Mediastinum

Das untere Mediastinum wird wiederum in drei Abschnitte eingeteilt. Der vordere Bereich nimmt dabei den kleinsten Raum ein. In diesem Teil des Mediastinum inferius liegen kleine Äste der Arteria mammaria interna (innere Brustkorbarterie), Lymphknoten und Lymphgefäße.
Im mittleren Mediastinum liegen die vom Perikard (Herzbeutel) umgebenen Strukturen.

Demzufolge enthält dieser Bereich folgende Organe, Nerven und Gefäße:

  • das Herz
  • den unteren Anteil der Vena cava superior
  • die Vena cava inferior (untere Hohlvene)
  • der Truncus pulmonalis (Lungenstamm)
  • die Aorta ascendens (aufsteigende Aorta)
  • die Pulmonalvenen
  • die Vena azygos
  • die Gabelung der Trachea
  • der Nervus phrenicus
  • die Arteria pericardiacophrenica (Herzbeutel-Zwerchfell-Schlagader)

Der dritte und hintere Teil des unteren Mediastinums endet kaudal auf der Höhe des Zwerchfells.

In diesem Bereich befinden sich folgende Organe, Nerven und Gefäße:

  • die Ösophagus
  • Teile der Aorta descendens (absteigende Aorta)
  • die Vena azygos
  • der Ductus thoracicus
  • die Vena hemiazygos
  • der Nervus vagus
  • Äste der Aorta
  • der Nervus splanchnicus major (großer Eingeweidenerv)
  • der Nervus splanchnicus minor (kleiner Eingeweidenerv)

Das Mediastinum wird medizinisch zwar in zwei Bereiche aufgeteilt, doch die Auflistung der Organe, Gefäße und Nerven zeigt, dass diese auch verbindende Glieder zwischen diesen Abschnitten darstellen können.

Mögliche Krankheiten, Beschwerden und Störungen im Mediastinum

Tumorerkrankungen

Die häufigsten Erkrankungen in diesem Bereich des menschlichen Körpers sind Mediastinal Tumore, wie beispielsweise Thymome und Lymphome. Beim Auftreten eines Tumors verdrängt dieser häufig die Vena cava superior und den Nervus laryngeus recurrens. Infolgedessen kann es zu Durchblutungsstörungen und Nervenleitungsstörungen kommen. Des Weiteren kann durch diese Verschiebungen auch Luftnot auftreten. Tumoren im Mediastinum können Symptomkomplexe des Horner-Syndroms hervorrufen. Infolgedessen kann es zur Lähmung der glatten Augenmuskulatur kommen. Häufig kann im Falle eines Tumors das Mediastinum in eine Thoraxhälfte gerückt werden.

Raumforderungen

In selteneren Fällen kann das Mediastinum, durch Raumforderungen im Thorax Bereich oder durch Pneumothorax, verschoben werden. Auch Schluckstörungen können ihre Ursachen im Mittelfellraum haben. Auch Husten, Nachtscheiß und Fieber können Symptome für eine Raumforderung im Mittelfellraum sein, diese sind jedoch eher unspezifisch.

Emphysern

Aufgrund von Lungenverletzungen kann es zu einem Emphysern, einer Luftansammlung im Mediastinum kommen. Entzündungen angrenzender Bereiche (Lungengewebe, Leber oder Magen) können auch dazu führen, dass sich das Bindegewebe im Mediastinum entzündet.

Anschwellen von Lymphknoten

Aufgrund entzündlicher Erkrankungen wie beispielsweise Tuberkulose oder Sarkoidose können Lymphknoten im Mediastinum auf eine erhebliche Größe anschwellen. Zysten in diesem Bereich des menschlichen Körpers sind in den meisten Fällen angeboren.

Erkennen von möglichen Erkrankungen

Häufige Symptome für eine Erkrankung im Mediastinum sind Luftnot, ein Engegefühl im Brustraum, Husten, Heiserkeit, das Herabhängen eines Augenlides, das Hervortreten von Halsvenen oder körperliche Müdigkeit sein. Eine Erkrankung des Mediastinums kann nur durch eine Untersuchung eines Arztes festgestellt werden. Mithilfe des Röntgens kann eine Verbreiterung oder eine Verlagerung des Mediastinums festgestellt werden. Um jedoch eine genaue Diagnose zu geben, sind Gewebeproben erforderlich, die entweder von außen oder durch eine Bronchoskopie oder eine Ösophagoskopie genommen werden können. Außerdem kann eine Mediastinoskopie bei der Diagnosestellung helfen.

Behandlungswege

Bevor eine Erkrankung im Mediastinum behandelt werden kann, ist es wichtig, dass diese genau diagnostiziert wurde, denn die Behandlungsmethoden unterscheiden sich. Während bei Tumorerkrankungen eine Operation, Chemo- oder Strahlentherapie erfolgreich sein können, hilft bei Entzündungen im Mediastinum bereits die Einnahme von Medikamenten.

Mediastinitis

Als Mediastinitis wird eine Entzündung im Mediastinum bezeichnet. Dabei unterscheidet man zwischen einer chronischen und einer akuten Mediastinitis.

Akute Mediastinitis

Eine akute Mediastinitis sollte schnellstmöglich behandelt werden. In früheren Jahren endete diese Erkrankung meist tödlich. Heutzutage haben zwar die Fälle einer akuten Mediastinitis zugenommen, doch verlaufen diese, aufgrund einer früheren Diagnosestellung, nur sehr selten tödlich. Die häufigste Ursache ist ein Loch in der Speiseröhre, welches durch einen spitzen Fremdkörper entstehen kann. Durch diese Öffnung können Bakterien der Speiseröhre in das Mediastinum gelangen und dort Entzündungen auslösen.

Die Beschwerden einer akuten Mediastinitis treten plötzlich auf. Dabei kann es zu durch Schüttelfrost begleitetes Fieber kommen. Beim Schlucken verspüren die Betroffenen häufig einen starken Schmerz hinter dem Brustbein und außerdem beklagen sie Herzrasen. Auch Husten kann ein Begleitsymptom sein.

Gelangen die Bakterien in die Blutbahn, kann das eine Blutvergiftung zur Folge haben. Des Weiteren können sich die Bakterien an einer Stelle sammeln und so ein Abszess bilden, welches auf Nerven drücken kann. Wenn der Kehlkopfnerv oder der Zwerchfellnerv abgedrängt werden, kann es zur Heiserkeit oder zur Bewegungsstörung des Zwerchfells kommen. Letzteres führt häufig zum sogenannten Schluckauf.

Ein Arzt kann durch das Röntgen feststellen, ob eine sichtbare Verbreiterung des Mediastinums zu erkennen ist, welche durch die Entzündung ausgelöst wird. Außerdem können einer Computertomografie oder eine Endoskopie der Speiseröhre bei der Diagnosestellung helfen.

Chronische Mediastinitis

Die chronische Mediastinitis kann durch verschiedene Erkrankungen, wie beispielsweise Tuberkulose oder Pilzinfektionen ausgelöst werden. Im Falle einer chronischen Mediastinitis kommt es zu einer erhöhten Bildung von Bindegewebe im Mediastinum.
Das Bindegewebe kann in einem fortgeschrittenen Stadium in die Speise- oder Luftröhre vordringen, was zu Schluck- und Atemproblemen führen kann. Betroffene können außerdem unter einem Druckgefühl im Kopf und Kopfschmerzen leiden, da die obere Hohlvene zusammengedrückt werden kann und damit der Rückfluss des Blutes zum Herzen behindert wird.

Auch im Falle einer chronischen Mediastinitis kann ein Röntgenbild oder die Computertomografie bei der Diagnosestellung helfen. Um jedoch festzustellen, ob es sich um eine chronische Mediastinitis handelt oder einen Tumor, ist es wichtig eine Gewebeprobe, zu untersuchen.
Bei der chronischen Mediastinitis handelt es sich nicht um eine Grunderkrankung, deshalb ist es für die Therapie wichtig zu erkennen, welche Erkrankung vorliegt. Bei einer Tuberkulose helfen Antibiotika. In anderen Fällen ist die chronische Mediastinitis nicht behandelbar, da bisher keine wirksamen Medikamente entdeckt wurden.

Typische und häufige Erkrankungen im Mediastinum

Tumorerkrankungen:

  • Thymome
  • Lymphome

Weitere häufige Erkrankungen im Mediastinum:

  • Chronische Mediastinitis
  • Akute Mediastinitis
  • Anschwellen der Lymphknoten

 

Fragen & Antworten

Warum entstehen gerade im Mediastinum Tumore?

Bereits in der Embryonalphase werden in Mediastinum viele Zellen gebildet, welche sich im Laufe des Lebens zu verschiedenen Gewebearten entwickeln. Aus diesem Grund können sich dort unterschiedliche gutartige Tumore und Zysten, aber auch bösartige Tumoren bilden.
Es ist nicht bekannt, warum gerade diese Zellen Tumore bilden, anders als bei Lungenkrebs nehmen die Lebensgewohnheiten (beispielsweise Rauchen) hier keinen Einfluss auf die Tumorbildung.

Wie macht sich ein Tumor in Mediastinum bemerkbar?

Da das Blut nicht mehr ungehindert zum Herz fließen kann, können sowohl das Gesicht als auch die Arme anschwellen. Außerdem zählen Husten, Schluckbeschwerden, Heiserkeit und Schluckauf zu möglichen Symptomen. Auch wenn der Tumor noch sehr klein ist, kann eine Myasthenia Gravis (Muskelschwäche) auftreten. Zur genauen Abklärung sollten Sie jedoch immer einen Facharzt konsultieren.

Wann muss am Mediastinum operiert werden?

Lymphome und der größte Teil der Keimzelltumoren müssen nicht operativ entfernt werden, da dabei Chemotherapie und Bestrahlung gut anspringen. Andere Tumore im Mediastinum sollten jedoch operativ entfernt werden. Da gutartige Tumore stetig wachsen und auch bösartig werden können, wird auch hierbei eine Operation empfohlen.

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