Mirtazapin

In diesem Artikel erhalten Sie wichtige Informationen zu Mirtazapin, einem Antidepressivum, das jedoch Offlabel auch zur Behandlung von Schlafstörungen, Angst– und Panikstörungen sowie posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt wird.

Hinzu kommt der Therapiebereich der adjuvanten Schmerztherapie. Mit der Behandlung von depressiven Erkrankungen ist eine Erhöhung der Dopaminkonzentration und eine Erhöhung der Noradrenalinkonzentrtion im Gehirn verbunden.

Die lange Halbwertzeit besagt, dass die Einnahme am besten Abends vor dem Schlafen erfolgen sollte.

MirtazapinWas ist Mirtazapin?

Bei Mirtazapin mit der chemischen Formel (C17H19N3, Mr = 265.35 g/mol) handelt es sich um ein Racemat* in Form eines weiß kristallinen Pulvers, das in Wasser kaum löslich ist.

Bei Mirtazapin, einem tetrazyklischen Antidepressivum mit dämpfender und stimmungsaufhellender Wirkung, handelt es sich um einen Wirkstoff aus der Gruppe der noradrenergen sowie spezifisch serotonergen Antidepressiva, kurz NaSSA = „Nordrenergic and Spezific Serotonergic Antidepressant“.

Dabei handelt es sich um eine Gruppe von sogenannten antidepressiven Psychopharmake. Damit ist von den „neueren Antidepressiva“ die Rede.

Mirtazapin ist zu Mianserin ein Pyridyl-Analogon. Genau wie dieses wird es, basierend auf den chemischen Strukturen, zu den tetrazyklischen Antidepressiva gezählt.

Der Wirkstoff besitzt eine lange Halbwertzeit. Dies hat zur Folge, dass es nur einmal täglich, und zwar abends vor dem Schlafen, eingenommen werden muss.

Die Wirkung der Substanz erfolgt zentral und hat nicht nur die erwähnte antidepressive Wirkung, sondern auch eine sedierende, also ruhigstellende Eigenschaft.

*Der Wirkstoff besteht aus zwei Wirkstoffmolekülen. Verhältnis 1:1 / wie rechte und linke Hand. Pharmakologisch aktiv können beides oder auch nur ein Wirkstoffanteil sein.

  • Mirtazapin ist bekannt unter den Handelsnamen
  • Mirtagamma
  • Mirtalich
  • Mirta TAD
  • Mirtazelon
  • Remergil Soltab
  • Remeron
  • Mirtabene
  • Mirtaron

Folgende Wirkstoffinformationen zu Mirtazapin liegen vor:

  • CAS-Nummer: 61337-67-5
  • Molare Masse: 265.35 g·mol-1
  • Mittlere Halbwertszeit: ca. 32.0 H
  • Q0-Wert: 0.5
  • Kindstoff(e): Mirtazapin-0,5-Wasser (CAS 341512-89-8)

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Behandlung von depressiven Erkrankungen
  • Erhöhung der Dopaminkonzentration im Gehirn
  • Erhöhung der Noradrenalinkonzentrtion im Gehirn

Allgemeines

Allgemeines
NameMirtazapin
Andere Namen(RS)-(±)-2-Methyl-1,2,3,4,10,14b-hexahydropyrazino[2,1-a]pyrido[2,3-c][2]benzazepin (IUPAC)
SummenformelC17H19N3
Kurzbeschreibungweißes oder fast weißes, leicht hygroskopisches Pulver

Wirkungsweise

So wirkt Mirtazapin

Die Pharmakologie/Pharmakodynamik von Mirtazapin stellt sich folgendermaßen dar: Als Alpha-2-Antagonist wirkt der Wirkstoff verstärkend auf die noradrenergen und serotonergen Neurotransmission.

Durch 5-HT1-Rezeptoren wird die Verstärkung einer serotonergen Neurotransmission vermittelt, weil 5-HT2- sowie 5-HT3-Rezeptoren durch den Wirktoff Mirtazapin blockiert werden.

Zur antidepressiven Wirkung tragen wahrscheinlich beide Enantiomere von Mirtazapin bei.

Zum Einen das S(+)-Enantiomer durch eine Blockade der alpha-2- und 5-HT2-Rezeptoren und zum anderen das R(-)-Enantiomer durch eine Blockade der 5-HT3-Rezeptoren.

Im Zusammenhang mit den sedierenden Eigenschaften steht die Histamin-H1 antagonistische Wirkung von Mirtazapin. Eine anticholinerge Wirkung ist praktisch gar nicht vorhanden. Zudem besteht in therapeutischen Dosen eigentlich kein Einfluss auf das kardiovaskuläre System.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Die Resorbtion von Mirzapin erfolgt schnell in der Darmwand und in der Leber und somit schon bevor es in den Körperkreislauf übertritt. Spätestens nach zwei Stunden sind die höchsten Plasmakonzentrationen erreicht.

Die Bioverfügbarkeit liegt bei ca. 50 %. Die Metabolisierung, insbesondere durch die N-Demethylierung, N-Oxidation sowie 8-Hydroxylierung, erfolgt vorrangig über die Cytochrom O450 Isoenzyme CyP2D6 sowie CYP3A4.

Innerhalb von 4 bis 6 Stunden erfolgt bei täglicher Einnahme innerhalb von 4 bis 6 Tagen eine Plasmahalbwertzeit.

Demethyl-Mirtazapin als Hauptmetabolit besitzt nur eine kleine pharmakologische Aktivität. Mengenmäßig nicht von Bedeutung ist ie Bildung von anderen aktiven Metaboliten.

Die pharmakokinetischen Eigenschaften sind keinesfalls identisch für beide Enantiomere der Substanz. Das (R)-(-)- Enantiomer besitzt eine längere Halbwertzeit als das (S)-(+)-Enantiomer. Zudem wirkt sich ein genetischer CYP2D6-Polymorphismus auf beide Enantiomere nicht gleich aus.

Die Verstoffwechselung des (R)-(-)-Enantiomers bleibt davon unbeeinflusst. Bei schwachen Metabolisierern hingegen muss mit einer längeren Halbwertzeit für das (S)-(+)-Enantiomer gerechnet werden.


Anwendungsgbiete

Wann wird Mirtazapin eingesetzt

Der Arzneistoff Mirtazapin ist indiziert für die Behandlung von depressiven Episoden /Episoden einer Mayor-Depression.

Häufig wird es aber auch Offlabel zur Behandlung von Schlafstörungen sowie Angst– und Panikstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt. Hinzu kommt der Bereich der adjuvanten Schmerztherapie.


Richtige Anwendung

So wird Mirtazapin angewendet

Mirtazapin gehört zu den Wirkstoffen, die in Form von Schmelz- oder Filmtabletten bzw. einer Lösung oral eingenommen werden. Zur Vorsicht sollte die Vorgabe, zu Therapiebeginn mit einer einschleichenden Dosierung zu beginnen, befolgt werden.

Genauso ist eine spontane Beendigung der Therapie unter allen Umständen zu vermeiden. Zur Vermeidung von Komplikationen ist es in jedem Fall besser, die Therapie mit Mirtazapin ganz langsam auslaufen zu lassen.

Die Tagesdosis liegt zwischen 15 – 45 mg. Initial sind auch 15 oder 30 mg möglich. Die Einnahme sollte wegen der langen Halbwertzeit von 20-40 Stunden gleichbleibend vor dem Zubettgehen erfolgen.

Wird die Einnahme der Tagesdosis auf morgens und abends verteilt, was durchaus im Rahmen des Möglichen ist, dann sollte am besten die höhere Dosis vor dem Zubettgehen eingenommen werden.

Üblicherweise enthalten die Film- oder Schmelztabletten 15, 30 oder 45 mg Mirtazapin. Lösungen enthalten 15 mg Mirtazapin in 1 ml.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Mirtazapin?

  • Mirta TAD® 15, 30, 45 mg Filmtabletten,TAD Pharma GmbH
  • Mirta TAD® 15, 30, 45 mg Schmelztabletten, TAD Pharma GmbH
  • Mirtagamma® 15, 30, 45 mg Filmtabletten, AAA Pharma GmbH
  • MirtaLich® 15, 30, 45 mg Filmtabletten, Zentiva Pharma GmbH
  • Mirtazapin – 1 A Pharma® 15, 30, 45 mg Filmtabletten und Schmerztabletten 1 A Pharma GmbH
  • Mirtazapin-1 A Pharma® 15, 30, 45 mg Schmelztabletten, 1 A Pharma GmbH
  • Mirtazapin AAA-Pharma® 15 mg Filmtabletten, AAA Pharma GmbH
  • Apin AbZ 30 mg Filmtabletten, bZ-Pharma GmbH
  • Mirtazapin AbZ 45 mg Filmtabletten, AbZ-Pharma GmbH
  • Mirtazapin AL 15, 30, 45 mg Filmtabletten, ALIUD PHARMA® GmbH
  • Mirtazapin-AL 15, 30, 45 mg Schmelztabletten, ALIUD PHARMA® GmbH
  • Mirtazapin-Aurobindo 15, 30, 45 mg Schmelztabletten, Aurobindo Pharma GmbH
  • Mirtazapin-Aurobindo-15, 30, 45 mg Filmtabletten, Aurobindo Pharma GmbH
  • Mirtazapin-beta-15, 30, 45 mg Filmtabletten, betapharm Arzneimittel GmbH
  • Mirtazapin-beta 15, 30, 45 mg Schmelztabletten, betapharm Arzneimittel GmbH
  • mirtazapin-biomo® 15, 30, 45 mg Filmtabletten, biomo pharma GmbH
  • mirtazapin-biomo® 15, 30, 45 mg Schmelztabletten, biomo pharma GmbH
  • Mirtazapin Bluefish 15, 30 mg Schmelztabletten, Bluefish Pharma GmbH
  • Mirtazapin-CT 15, 30, 45 mg Filmtabletten, AbZ-Pharma GmbH
  • Mirtazapin-CT 15, 30 mg Schmelztabletten, AbZ-Pharma GmbH
  • Mirtazapin dura 15, 30, 45 mg Filmtabletten, Mylan Healthcare GmbH
  • Mirtazapin Heumann 15 mg Filmtabletten, Heumann Pharma GmbH & Co. Generica KG
  • Mirtazapin Heumann 15, 45 mg Filmtabletten Heunet, Heunet Pharma GmbH
  • Mirtazapin-Heumann 30, 45 mg Filmtabletten, Heumann Pharma GmbH & Co. Generica KG
  • Mirtazapin HEXAL® 15, 30, 45 mg Schmelztabletten, Hexal AG
  • Mirtazapin HEXAL® 30, 45 mg Filmtabletten, Hexal AG
  • Mirtazapin-Hormosan 15, 30, 45 mg Filmtabletten, Hormosan Pharma GmbH
  • Mirtazapin-neuraxpharm® 15, 30, 45 mg Filmtbletten, neuraxpharm Arzneimittel GmbH
  • Mirtazapin PUREN 15, 30 mg Filmtabletten, PUREN Pharma GmbH & Co. KG
  • Mirtazapin-ratiopharm® 15, 30, 45 mg Filmtabletten, ratiopharm GmbH
  • Mirtazapin-ratiopharm® 15, 30, 45 mg Schmelztabletten, ratiopharm GmbH
  • Mirtazapin STADA® 15, 30, 45 mg Filmtabletten, STADAPHARM GmbH
  • Mirtazapin STADA® 15, 30, 45 mg Schmelztabletten, STADAPHARM GmbH
  • Mirtazelon® 15, 30, 45 mg Filmtbletten, Krewel Meuselbach GmbH
  • Remergil SolTab® 15, 30, 45 mg Schmelztabletten, MSD Sharp & Dohme GmbH
  • REMERON Sol Tab 15 mg kohlpharma Schmelztabletten, Remeron Soltab 30mg Tbl. kohlpharma

Handelsnamen

Monopräparate mit Mirtazapin

  • Remergil (Soltab)
  • Mirtazapin Aurobindo (Aurobindo Pharma GmbH)
  • Mirtabene
  • Mirtel
  • Remeron
  • Generika

Indikationen

Mirtazapin ist in Deutschland und in der Schweiz nur für die Behandlung von Depressionen bzw. depressiven Erkrankungen erlaubt.

Off-Label, also ohne Zulassung, kommt es darüber hinaus auch noch in folgenden Fällen zum Einsatz:


Gegenanzeigen

Wann darf Mirtazapin nicht angewendet werden?

Mirtazapin darf auf keinen Fall angewendet werden bei einer bestehenden / bekannten Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der anderen Bestandteile.

Auch bei einer Therapie mit Hämmern der Monoaminoxidase (MAO) ist Mirtazapin kontraindiziert. Die gilt auch, wenn eine MAO-Therapie nicht länger als mindestens zwei Wochen zurückliegt.

Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten, die unter einer Miktionsstörung wie beispielsweise Prostatahypertrophie, einem Engwinkelglaukom oder einem erhöhten Augeninnendruck leiden.

Auch bei schizophrenen oder psychotischen Störungen ist eine genaue Abwägung erforderlich.

Es liegen zudem Berichte über eine Knochenmarkdepression vor. Vor allem bezogen auf eine Granulozytose bzw. eine Agranulozytose. Die reversible Form überwog bei weitem.

Allerdings mussten auch tödliche Verläufe, vor allem bei Patienten ab dem 65. Lebensjahr, festgestellt werden.

Was müssen sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es ist tierexperimentellen Untersuchungen zu entnehmen, dass bezüglich Mirtazapin keine Wirkungen, die der ungeborenen Leibesfrucht Schaden zufügen könnten, nachgewiesen wurden.

Auf den Menschen bezogen liegen bislang noch keine hinreichenden Erfahrungen vor. Deswegen sollte eine Einnahme während der Schwangerschaft nach Möglichkeit vermieden werden.

Eine Ausnahme stellt hier nur eine sorgfältige Nutzen-/Risikoabwägung durch den behandelnden Arzt.

Bezogen auf die Zeit des Stillens haben tierexperimentelle Studien ergeben, dass ein Übergang von Mirtazapin in die Muttermilch nur in geringen Mengen erfolgt.

Jedoch fehlt es auch hier an Erfahrungen beim Menschen, weswegen die Einnahme zu dieser Zeit nicht empfohlen wird.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte Mirtazapin vom Grundsatz her nicht angewendet werden.

Es besteht in jungen Jahren durchaus eine höhere Gefahr für Suizidgedanken, Suizidversuche und Feindseligkeit in Form von aggressivem, oppositionellem Verhalten und auch Wut.

Entscheidet der behandelnde Arzt jedoch, dass Mirtazapin im bestmöglichen Patienteninteresse steht, kann es von ihm verschrieben werden.

Es ist für Eltern und andere Erziehungsberechtigte wichtig zu wissen, dass die langfristigen und sicherheitsrelevanten Auswirkungen von Mirtazapin bezüglich des Wachstums, der Reifung aber auch der kognitiven Entwicklung (inklusive der Verhaltensentwicklung) bezogen auf die hier erwähnte Altersgruppe noch nicht nachgewiesen werden konnten.

Der Arzt sollte umgehend benachrichtigt werden, wenn bei einem Patienten, der jünger ist als 18 Jahre und Mirtazapin einnimmt, eines der hier aufgeführten Symptome auftritt oder sich sogar verschlimmert.

Diesen Schilderungen und Warnhinweisen ist insgesamt zu entnehmen, dass Mirtazapin für Kinder und Jugendliche, die das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, nur mit einer dringlichen Indikation verschrieben werden sollte.


Risiken und Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Mirtazapin?

Häufige Nebenwirkungen (weniger als 1 von 10, aber mehr als 1 von 100 Behandelten) hierzu gehören Stoffwechsel– und Ernährungsstörungen, die einhergehen können mit verstärktem Appetit und einer Gewichtszunahme.

Häufige Nebenwirkungen:

In die Kategorie der häufigen Nebenwirkungen gehört, besonders in der ersten Behandlungswoche, auch die mit verminderter Aufmerksamkeit einhergehende Schläfrigkeit. Des Weiteren wurden häufig Kopfschmerzen und Schwindel beobachtet.

Zu den allgemeinen Störungen, die häufig auftreten, gehören Wassereinlagerungen in Form von generalisierten oder lokalen Ödemen, und einer damit in Verbindung stehenden Gewichtszunahme.

Gelegentliche Nebenwirkungen:

Gelegentliche Nebenwirkungen (weniger als 1 von 100, aber mehr als 1 von 1000 Behandelten) können auftreten in Form von Übelkeit mit Mundtrockenheit und Durchfall.

Auch Albträume, eine Manie sowie eine Agitiertheit und Halluzinationen sind möglich. Einstellen können sich auch eine psycho-motorische Unruhe; manchmal sogar einhergehend mit einer Akathisie und Hyperkinesie.

Bekannt ist auch das Auftreten einer Parästhesie, eines Rest-legs-Syndroms und von Synkopen sowie einer Hypertonie und einer oralen Hypästhesie.

Seltene Nebenwirkungen:

Seltene Nebenwirkungen (weniger als 1 von 1000, aber mehr als 1 von 10.000 Behandelten) Psychische Störungen können einhergehen mit einer Manie oder Verwirrtheit, mit Angstgefühlen, Halluzinationen bzw. Müdigkeit, Schlaflosigkeit und Albträumen/lebhaften Träumen sowie Angstgefühlen.

Weitere seltene Nebenwirkungen sind Krampfanfälle (epileptische Anfälle), Missempfindungen, Muskelzittern und Muskelzuckungen sowie eine Bewegungsunruhe in den Beinen (Restless-legs-Syndrom).

Das Gleiche gilt für Funktionsstörungen des Herzens sowie der Leber und Galle mit erhöhten Leberwerten. Auch eine Funktionsstörung der Haut bzw. des Unterhautbindegewebes mit Hautausschlag ist selten.

Selten kommt es auch zu Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, der Knochen und des Bindegewebes in Form von Gelenk- und/oder Muskelschmerzen.

Als seltene Nebenwirkung ist auch die Pankreatitis und eine Erhöhung der Serum-Transaminasen bekannt.

Sehr seltene und verzeinzelte Nebenwirkungen:

Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen (weniger als 1 von 10.000 Behandelten, einschließlich Einzelfälle) In dieser Rubrik sind keine Ereignisse bekannt und somit keine Eintragungen vorhanden.

Nebenwirkungen ohne Nennung der Häufigkeit:

Ohne Nennung der Häufigkeit (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Hierzu gehören im physischen Bereich neben Störungen des Blut– und Lymphsystems eine akute Knochenmarkdepression (spezielle Blutbildveränderungen wie eine Granulozytopenie, Eosinophilie, Agranulozytose, aplastische Anämie und Thrombozytopenie.

Auch die inadäquate ADH-Sekretion und eine Hyponaträmie sind nicht bekannt.

Weiterhin nicht bekannt sind eine Dysarthrie, das Serotonin-Syndrom, orale Parästhesien, Mundödeme, vermehrter Speichelfluss, das Stevens-Johnson-Syndrom, die bullöse Dermatitis, ein Erythema multiforme, die toxisch epidermale Nekrolyse, die Rhabdomyolyse, eine Harnretention, ein generalisiertes oder lokalisiertes Ödem sowie eine erhöhte Kreatinkenase.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Mirtazapin?

  • MAO-Hemmer sind kontraindiziert.
  • Zu den serotonergen Wirkstoffen gehören: L-Tryptophan, Triptane, Tramadol, Linezolid, SSRIs, Venlafaxin, Lithium und Präparate mit Johanniskraut -Hypericum perforatum
  • Benzodiazepine bzw. andere Sedative, vor allem Neuroleptika sowie Histamin-H1-Rezeptorenblocker und Opioide zeigen eine Wirkungssteigerung.
  • Die zentral dämpfende Wirkung von Alkohol kann von Mirtazapin verstärkt werden.
  • Eine geringe, aber statistisch herausragende Erhöhung der „international normalized ratio“ (inr) steht im Zusammenhang mit Warfarin.
  • Durch CYP3A4-Induktoren (z. B. Carbamazepin oder Phenytoin) kann die Clearance von Mirtazapin erhöht werden. („Erniedrigung der durchschnittlichen Plasmakonzentration von Mirtazapin“).
  • Eine Erhöhung des maximalen Plasmaspiegels sowie der AUC von Mirtazapin in Verbindung mit starken CYP3A4-Hemmstoffen wie beispielsweise Ketoconazol.
  • Unter Cimetidin, einem schwachen Hemmstoff von CAP1A2, CYP2D6 bzw. CYP3A4 kann die mittlere Plasmakonzentration von Mirtazapin um mehr als die Hälfte (50 %) ansteigen.

Interaktionen sind auch mit folgenden Arzneistoffen bekannt: „Starke CYP3A4-Hemmstoffe, hiv-Proteasehemmer, Azol-Antimykotika, Erythromycin, Cimetidin oder Nefazodon. Eventuell ist hier die Verringerung der Dosis erforderlich.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Mirtazapin zu beachten?

Die orale Einnahme der Schmelz- oder Filmtablette bzw. der Lösung sollte nur so erfolgen, wie sie vom Arzt individuell verordnet wurde. Die Schmelztabletten zersetzen sich bereits im Mund.

Die lange Halbwertzeit von 20 bis 40 Stunden sollte beachtet werden. Die Halbwertzeit bezeichnet den Zeitraum, nach dem die Hälfte des Wirkstoffs Mirtazapin bereits ausgeschieden wurde.

Eine Überdosis von Mirtazapin führt zu Desorientiertheit und Müdigkeit. In solch einem Fall sollte umgehend der Arzt informiert oder konsultiert werden.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Mirtazapin

Alle Medikamente mit dem Wirkstoff Mirtazapin sind verschreibungspflichtig. Das heißt: Nur mit einem Originalrezept vom Arzt kann Mirtazapin in der Apotheke dem Patienten ausgehändigt werden.


Geschichte

Seit wann ist Mirtazapin bekannt?

Das erste Patent ist von AkzoNobel datiert auf 1976. Im Laufe der Zeit kamen bis heute immer mehr Generika mit dem Wirkstoff Mirtazapin auf dem Markt. In der Schweiz erfolgte die Zulassung im Jahr 1999.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Kindern und Jugendlichen sollte der Wirkstoff Mirtazapin wegen suizidaler Gefahren und fehlenden Ergebnissen aus Langzeitstudien nicht verschrieben werden.

Depressive Erkrankungen stehen bis zu einer signifikanten Linderung für ein erhöhtes Risiko von selbstschädigendem Verhalten. Eine engmaschige Kontrolle des Patienten über die ersten Wochen hinaus – bis zu einer Besserung – ist unbedingt angeraten.

Zu Anfang kann das suizidale Risiko ansteigen. Sind suizidale Gedanken bereits anamnestisch bekannt, ist die engmaschige Kontrolle unbedingt einzuhalten. Unter Umständen ist eine Anpassung der Dosierung erforderlich.

Eine Überwachung ist auch bei Vorliegen folgender Bedingungen erforderlich: Epilepsie und hirnorganisches Psychosyndrom, Leberinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Herzerkrankungen, Hypotonie (niedriger Blutdruck) und Diabetes melitus,

Bei Patienten, die unter einer Miktionsstörung leiden, ist besondere Vorsicht geboten. Ebenso bei Patienten mit erhöhtem Augeninnendruck und Engwinkelglaukom.

Weiterhin ist bei einer Hyponaträmie, einem Serotonin-Syndrom mit Hyperthermie, Rigor, autonomer Instabilität sowie Änderungen im Bewusstheitsstatus und Muskelzuckungen erhöhte Vorsicht geboten.

Nach der Zulassung wurde von QT-Verlängerung, Torsade de pointes, plötzlichem Tod und ventrikulärer Tachykardie berichtet.

Ein zu schnelles Absetzen kann zu Absetzungssymptomen wie Schwindel, Angst, Agitiertheit, Übelkeit und Kopfschmerzen führen. Allerdings können diese Symptome auch mit der Grunderkrankung im Zusammenhang stehen.

Ist eine Lactoseintoleranz bekannt, sollte auf die Einnahme verzichtet werden.

Tritt eine Gelbsucht auf, ist die Behandlung abzubrechen.


Quellen

  • Freissmuth, M. et al.: Pharmakologie und Toxikologie, Springer Verlag, Heidelberg, 2012
  • Kaschka, W.P. et al.: Psychopharmaka kompakt, Schattauer Verlag, 2009
  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2009
  • Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin: www.embryotox.de (Abruf: 17.11.2013)
  • Thieme Chemistry: RÖMPP Online – Thieme Verlag, Stuttgart 2009

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